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Hier wird nicht nur den ganzen Tag in der Sonne gesessen

Manchmal bekommen sie zu hören, dass sie ja einen lauen Job hätten, weil sie nur den ganzen Tag in der Sonne säßen: Als städtische Angestellte sind der Betriebsleiter für den Bäderbereich, Helmut Langenberg, (Meister) und seine Kollegen Christoph Thyrock (Meister) und Markus Hoppe für das Hallen- und Freibad zuständig. Haben sie wirklich einen „lauen Job?“ Das KB wollte es wissen und begleitete sie durch einen typischen Tag.
Früher hießen die Mitarbeiter in den Bädern Bade- oder Schwimmmeister. 1972 wurde die Qualifizierung für diese Arbeit als Lehrberuf eingeführt, der nach dreijährigem dualen Ausbildungsgang mit der Berufsbezeichnung Fachangestellter für Bäderbetriebe endete.
Tagesablauf der Fachangestellten
Das Freibad öffnet seine Tore um 10 Uhr für die Badegäste. Der Dienst für die Frühschicht, die in der Regel bis 14 Uhr geht (Spätschicht ab 14 Uhr bis „Ende offen“), beginnt jedoch bereits um 7 Uhr. Täglich sind drei Stunden Vorlauf notwendig, um die Anlage für die Besucher startklar zu machen. Um Schmutz und Algen vom Boden der Becken zu entfernen, muss in das Nichtschwimmer- und Schwimmerbecken der Bodensauger hineingesetzt werden. Dieses 23.000 Euro teure Gerät fährt dann den Beckenboden systematisch ab. Im Planschbecken muss dies mit einem kleineren Gerät manuell durchgeführt werden. Durch Verdunstung – und momentan auch durch Undichtigkeiten in der Plane (diese wird nach dieser Saison durch den Bäderverein, der für den baulichen Erhalt des Freibades zuständig ist, erneuert) – gehen jeden Tag etwa 50 Kubikmeter Wasser (von insgesamt 2800 m³ Wasser im Schwimmerbecken) verloren, das wieder aufgefüllt werden muss.
Die Filteranlage, die durch die Mitarbeiter in Betrieb gehalten werden muss, arbeitet mit Sand, Kies und Aktivkohle. Diese verbraucht sich zwischendurch und muss dann aufgefüllt werden. Da alle Becken eine separate Filteranlage haben, wiederholt sich dieser Arbeitsgang. Um kleinere Schwebstoffe zu binden, damit sie abgefiltert werden können, muss dem Wasser Flockungsmittel zugeführt werden.
Die digitale Messung der Filteranlage für den PH-Wert und den Chlorgehalt reichen nicht aus. Aus allen Becken muss täglich zu Beginn und nach der Hälfte der Betriebszeit eine Wasserprobe entnommen und analysiert werden. Je nach Ergebnis muss dann die Zufuhr von Chlor justiert oder Natronlauge hinzugesetzt werden, um den PH-Wert des Wassers zu regulieren. Monatlich kommt dann noch das Gesundheitsamt, um die Wasserqualität zu überprüfen.
Vor Öffnung des Freibades müssen alle Vorreinigungsbecken gesäubert, desinfiziert und neu aufgefüllt werden. Das Gelände und der Außenbereich sowie die Parkplätze, müssen von Müll befreit werden da zahlreiche Gäste die Mülltonnen nicht finden (wollen). Die Mülltonnen werden zusätzlich durch das Personal geleert.
Vielfältiger als gedacht
Telefondienst, Streitschlichtung, Erste-Hilfe-Leistungen, Verwaltung des Fundsachen-Fundus, Büroarbeit (wie Bestellungen, Buchführung für die Eintrittsgelder, Gestaltung der Dienstpläne, Dokumentation der Messwerte), gegebenenfalls Anforderung von Polizei oder Rettungswagen, abends die Leerung der Vorreinigungsbecken sowie Sicherung der Anlage, Entscheidung der Freigabe der Becken (z.B. Badeverbot bei Gewitter) und viele weitere Tätigkeiten sind neben der Aufsicht während des Badebetriebes zu leisten. Diese Aufsicht beinhaltet jedoch weit mehr als „nur das Sitzen in der Sonne“. Hierbei ist konzentriert darauf zu achten, dass zur Sicherheit aller Freibadgäste die Baderegeln eingehalten werden und in Notsituationen sofort eingegriffen werden kann, um Menschenleben zu retten und Unfälle zu vermeiden. Da dies bei zeitweise fast 2000 Badegästen gleichzeitig für eine Kraft fast nicht zu leisten ist, beteiligen sich in den Ferienmonaten oft Vereinsmitglieder der DLRG Kevelaer und Weeze, die alle ihren Rettungsschwimmer-Schein haben, an der Aufsicht an den Beckenrändern.
Um den Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe zu erlernen und auszuüben, ist mindestens der Hauptschulabschluss erforderlich. Schwimmkenntnisse in allen Stilarten mit Rettungsschwimmer-Ausbildung, erweiterte Erste-Hilfe-Ausbildung sowie gute Kenntnisse in Chemie und Mathematik sollten vorhanden sein. Berufs- und Arbeitspädagogik sind wegen des erhöhten Publikumsumgangs wichtige Bestandteile des Berufsbildes.
Helmut Langenberg wünscht sich viele junge Leute, die diese Ausbildung in Angriff nehmen. Allerding gab es in den vergangenen Jahren immer weniger Interessenten für diesen Beruf. Früher wechselten viele Mitarbeiter nach vorherigen, anderen Ausbildungen in diesen Beruf oder aber Mitglieder der DLRG stiegen durch den Verein in das Berufsfeld ein – dies hat sich heute aber verändert (weil auch viele nicht mehr zu Zeiten arbeiten wollen, in denen andere Freizeit haben). Helmut Langenberg findet dies schade, denn ein so vielseitiger und kommunikativer Beruf habe Nachwuchs verdient.