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„Es ist auch für uns ein völlig neues Szenario“

Schon als kleines Kind habe er sich viel mit Computern beschäftigt, muss André Dicks  bei der Erinnerung schmunzeln. „Es gab öfters Ärger, weil ich zu viel Zeit am PC verbrachte, aber ich konnte mich letztendlich durchsetzen“, erzählt der heute 32-jährige IT-Fachinformatiker für Systemintegration, der in Weeze wohnt. Es sei für ihn naheliegend gewesen, „dass ich nach der Bundeswehrzeit etwas mache, was mit dem PC zu tun hat.“ Und aus dem Praktikum bei der Stadt wurde schließlich eine Ausbildung.    

Heute ist Dicks der zuständige Administrator für alle Kevelaerer Schulen. „Vorher hatten wir keine Informatiker für die Schulen. Dann wurde vor ein paar Jahren die Stelle geschaffen und man hat mich zum Systemverantwortlichen für alle Schulen erklärt.“ Mit Herbert Valks steht ihm mittlerweile ein weiterer Kollege zur Seite.

Feste Ansprechpartner

„Als ich anfing, hatten die wenigsten Schulen feste Ansprechpartner für IT-Belange benannt. Manche Schulen hatten zwar Informatiklehrer, die sich auch um gesamtschulische Belange kümmerten, die Kommunikation war aber schwierig, da es nie einen eindeutigen Ansprechpartner gab.“ Mit den Jahren wuchs der Aufwand. „Wir verwalten mittlerweile alle Server, Netzwerke, Telefonanlagen und vieles mehr eigenständig.“ Das läuft zentral bei ihm im Büro zusammen. „Es gibt immer wieder Projekte, die nicht nur mit den Schulen, sondern auch mit dem Schulamt und dem Gebäudemanagement abgestimmt werden müssen.“ 

Viele Kommunen nehmen für die Administration der Schulen das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein (KRZN) in Anspruch. In Kevelaer kümmere sich die Stadt eigenständig um die Schuldigitalisierung. „Ich mache da fast alles. Langweilig wird es nie. Jeden Tag gibt es etwas Neues.“ Diese Lösung hat aus seiner Sicht viele Vorteile. „Wenn man die Verantwortung für alle Systeme hat, kann man diese auch effizienter steuern und schneller reagieren. Dies kommt letztlich allen Schulen zugute.“ 

Weil er immer weiß, wie viele Schüler*innen, Lehrer*innen und Klassenräume von einem Projekt betroffen sind, kann er die Auswirkungen technischer Umsetzungen und Ausstattungen gut beurteilen. „Wichtig ist es, sich die Frage zu stellen, wie kann die Schule in zehn Jahren technisch aufgestellt sein.“ 

Dass die Versorgung aller mit Endgeräten Monate in Anspruch genommen hat, sei kein Wunder, sagt Dicks. „Die Beschaffung musste ja noch stattfinden, Fördermittel freigegeben, Ausschreibungen getätigt, Firmen beauftragt, alles bestellt und bezahlt werden. Das sind auch Dinge, die viel Zeit fressen. Deshalb dauert das unter Umständen so lange.“ Und die nötigen iPads müssten ja auch alle lieferbar sein. Aufgrund der Coronapandemie gab es da teilweise Engpässe – „egal wo man bestellen wollte.“ Im vergangenen Herbst habe man zum Beispiel von einem zentralen Lieferanten das Signal erhalten, es gebe beispielsweise keine Notebooks mehr. Viele Firmen hatten im Vorfeld schon kommuniziert, dass Lieferungen für dieses Jahr nicht mehr möglich sind.

Erhöhter Druck

Mit Corona habe sich natürlich eine neue Situation ergeben. „Dass die Schulen und die Lehrerschaft erhöhten Druck haben, Unterricht trotzdem stattfinden zu lassen und sich in neue Bereiche begeben müssen“, sei ersichtlich. Nach seiner Einschätzung werde es „noch dauern, bis wir in Klassenstärke Digitalunterricht leisten können, weil hier auch die pädagogischen Möglichkeiten beschränkt sind.“ Jeder könne den Stream zu Hause ja einfach ausmachen. „Es sind ja nicht nur technische Probleme, die das Distanzlernen erschweren. Diese sind nur ein Baustein. Man spricht oft nur von Ausstattungsproblematiken, obwohl es noch viele weitere Faktoren gibt.“

Die erste Herausforderung bei der aktuellen Digitalversorgung der Schulen „war für uns, eine Idee davon zu haben: Was brauchen wir, damit jeder teilnehmen kann – ob an einem Chat, beim Dateiversand oder der Teilnahme an einer Videokonferenz.“ Man habe sich vorher schon um Lösungen gekümmert. „Diese waren lizensiert und standen bereit. Es ist aber etwas anderes, eine neue Plattform schrittweise einzuführen oder den Einsatz dieser von allen Beteiligten innerhalb kürzester Zeit abzuverlangen.“ 

Für den digitalen Unterricht habe man Tablets angeschafft. „Ob Grundschule oder weiterführende Schule, es ist am einfachsten, damit umzugehen“, sagt André Dicks. Kinder der ersten bis dritten Klasse lernten gerade schreiben. „Da kann ich nicht erwarten, dass sie sich per E-Mail und einem achtstelligen Passwort einloggen.“ Sei das Tablet konfiguriert, könne man mit dem Finger patchen und dann tauchen die Inhalte auf: „Das ist einfacher für jüngere Kinder.“ Man habe Strategien gesucht, „wo wir Herr der Lage sein können – trotz der vielen Geräte. Wir haben daher iPads angeschafft, mit dem Ziel, sowohl für Kinder wie Lehrer eine gemeinsame Basis zu schaffen.“

Mit der Zeit neue Techniken entwickeln

Obwohl vieles automatisch läuft, funktioniert nicht alles reibungslos. Einige der ausgegebenen Geräte habe man noch einmal neu konfigurieren müssen, sagt André Dicks zur Ausgabe der Tablets an die Schulen. Die Anzahl war jedoch gering. Aktuell kommen auch von Eltern noch Fragen, wie bestimmte Funktionen auf den Geräten freigeschaltet werden können. Bislang könne man die Fragen individuell und schnell beantworten, werde sich aber irgendwann ein automatisiertes Verfahren überlegen, wo in einem Glossar häufig gestellte Fragen erklärt werden. „Es ist auch für uns ein völlig neues Szenario, an Lehrer, Schüler, Verwaltungsmitarbeiter so viele Geräte gleichzeitig herauszugeben und in Betrieb zu nehmen.“

Anfang Dezember habe man 280 Lehrergeräte verteilt. An einem Ausgabetag vor den Weihnachtsferien wurden 260 Schülergeräte aus dem Digitalpakt ausgegeben – für Familien, die über keine technische Ausstattung verfügen. Die restlichen Geräte werden nun in den Schulen ausgegeben. „Alle Familien müssten dann soweit technisch ausgestattet sein, um an einem Videoseminar teilnehmen können, bei dem sie die Aufgaben herunterladen, bearbeiten und zurückschicken können.“ Alle Schüler*innen kurzfristig mit einer Lernplattform zu versorgen, die online funktioniert, sei auch nicht einfach. „Es gibt immer wieder Nachrichten, dass verschiedene Lernplattformen in Bundesländern ausfallen oder überlastet sind.“ Entsprechend habe man sich einen eigenen Video-Meeting-Server angeschafft, „damit wir Herr des Verfahrens sind und nicht nur Zuschauer. „Es ist auch für uns unzufriedenstellend, wenn wir E-Mail und Videoserver anbieten und dann hören wir, es gibt technische Schwierigkeiten.“ 

Internet-Engpässe habe man an den Schulen sicher auch. Zum Glück schaffen die bereitgestellten Glasfaseranschlüsse an den Grundschulen hier Abhilfe. Dort habe man die Bandbreite bereits erhöhen können. „Da wo es drückt, am Schulzentrum, da müssen wir leider noch warten“, sagt Dicks. Im Schulzentrum gebe es fünf Anschlüsse mit 100 MBit. „Wir haben an die 2.000 Schüler, da bräuchten wir deutlich mehr Kapazität.“ Man hoffe, über das Förderprogramm des Kreises Kleve für die Bereitstellung der Gigabit­anschlüsse in den Schulen bald auch im Schulzentrum besser versorgt zu werden. 

Solange müsse man „die Ressourcen, die wir haben, so gut wie möglich ausschöpfen“ und Bereiche priorisieren, sagt der IT-Experte. Man versuche „möglichst viele Videostreams und -konferenzen möglich zu machen.“ Zurzeit wirke sich die fehlende Bandbreite nicht so extrem auf die Schulen aus, weil die Schüler momentan den häuslichen Anschluss nutzten. Nach Ende des Shutdowns sei das aber wieder anders.

Gut vorbereitet auf den Distanzunterricht

Schüler*innen, Lehrer*innen und Schulen in Kevelaer sind auf den Distanzunterricht bis Ende Januar gut vorbereitet. Das ist die Botschaft, die die Stadt und die Einrichtungen jetzt zum Auftakt der Beschulung im neuen Jahr vermitteln. Der Rat der Stadt habe bereits Ende Juni beschlossen, dass die digitale Ausstattung für Schüler*innen an Kevelaerer Schulen schnellstmöglich erfolgen soll, heißt es dazu in einer Stellungnahme der Stadt. 

Unmittelbar nach der Bewilligung der beantragten Mittel aus dem Digitalpakt und den ergänzenden Sofortausstattungsprogrammen in Höhe von gut 423.300 Euro habe man im September die digitalen Geräte für die Schulen über das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein bestellt. Dazu kamen noch 34.255 Euro, die die Stadt entsprechend der Förderrichtlinien als Eigenanteil beigesteuert hat. 

Aufgrund der hohen Nachfrage nach digitalen Endgeräten kam es aber teilweise zu Lieferengpässen und zeitlichen Verzögerungen. Trotzdem konnten die Geräte für Schüler*innen, die keinen Zugang zu digitalen Endgeräten hatten, bereits vor den Weihnachtsferien ausgegeben werden.

Die Geräte bleiben Eigentum der Stadt

Die herausgegebenen Tablets gehen dabei nicht in das Eigentum der Schüler*innen über, sondern gehören der Stadt und werden leihweise für solche Kinder und Jugendliche zur Verfügung gestellt, die zu Hause keine ausreichende technische Ausstattung haben, um beispielsweise am Distanzlernen teilzunehmen. Im Falle eines Verlusts oder Diebstahls können die Geräte aus der Ferne verfolgt und gesperrt werden, sodass die Geräte für Diebe schnell unbrauchbar gemacht werden könnten.

Bürgermeister Dominik Pichler zeigte sich erfreut darüber, dass man in so kurzer Zeit digitale Geräte zur Verfügung stellen konnte. „Alle Schülerinnen und Schüler sollen den gleichen Zugang zu Bildung erhalten. Dies darf nicht an mangelnden finanziellen Mitteln für eine technische Ausstattung zu Hause scheitern“, so der Bürgermeister.

iPads für Lehrkräfte

Auch die 280 Lehrkräfte an den Kevelaerer Schulen wurden bereits Anfang Dezember mit iPads ausgestattet, um sich im Vorfeld mit den Geräten vertraut machen zu können.   

Um die digitalen Kompetenzen der Schüler*innen kontinuierlich zu verbessern, stehen künftig in den Schulen auch stationäre und / oder mobile Klassensätze mit iPads zur Verfügung, die dazu beitragen, die Lernerfahrungen der Schüler*innen auszubauen. Der Betrag für schulgebundene mobile Endgeräte ist nach den Förderrichtlinien zum Digitalpakt auf 25.000 Euro je Schule begrenzt.

Spannende Wettkämpfe und viel Spaß

Bei milden Temperaturen fanden sich Schülerinnen und Schüler aus zehn Schulen des Kreises zum sportlichen Wettkampf im Hubert-Houben-Stadion in Goch ein. „Insgesamt haben wir aktuell 399 Teilnehmer auf der Starterliste“, bestätigte der Geschäftsführer für den Schulsport im Kreis Kleve, Harald Hackfurth, als  Ausrichter des Wettbewerbs. „Das ist jedes Jahr gegen Ende des Schuljahres das Highlight für die Schüler.“
Im Gegensatz zu anderen Regionen werde hier noch engagiert Sport betrieben. „Im Kreis Kleve gibt es in der Hinsicht noch blühenden Landschaften“, meinte Hackfurth, der für den Schulsport im Kreis seit 26 Jahren mit Verantwortung trägt.
Die Jungen und Mädchen durften sich in drei verschiedenen Altersklassen WK II bis WK IV (10-12 Jahre, 12-14 Jahre und 14-16 Jahre)  messen. Dabei ging es um Sportarten wie Kugelstoßen, Hoch- und Weitsprung, Speerwerfen sowie zahlreiche Laufwettbewerbe (von 50 Meter über 75 Meter und 800 Metern bis zu den Staffel in 4×50 und 4×100 Metern). „Jedes Team darf maximal zwölf Schüler haben und jeder Schüler nur bei drei Sportarten antreten, um den Mannschaftsgedanken zu erhalten“, beschrieb Hackfurth die Regeln des Wettbewerbs.
Teams aus drei Kevelaerer Schulen waren am Start
Mit am Start waren auch Schüler des Kardinal-von Galen-Gymnasiums, der Gemeinschaftsahuptschule Kevelaer und der Gesamtschule Kevelaer-Weeze.  „Wir haben drei Teams hier mit 27 Schülern und einer starken WK III-Mannschaft“, sagte KvGG-Sportlehrer Michael Henkel. „Für den Sportlehrer wär es das Beste, wenn die ihre Bestleistung toppen. Aber die sollen mehr daran wachsen und Spaß haben.“ Dazu kamen noch 23 Schüler der Gesamtschule Kevelaer-Weeze und 20 von der Gemeinschaftshauptschule.
Henkel gab beim Weitsprung der 15-jährigen Katja Lingen noch den Hinweis: „Ein bisschen mehr Druck auf das Brett.“ Die Nordrhein-Meisterin über 80 Meter Hürden beschrieb ihre persönliche Motivation für diesen Wettkampf: „Dass man sich gegen andere Schüler messen kann und sehen kann, wie die so drauf sind.“
Entscheidend dabei sei aber, „eher Spaß zu haben.“ Es gebe aber schon den Ehrgeiz, für das Team das Beste zu leisten, meinte ihre Teamkollegin Nele Kollöchter. „Wenn man‘s  vergeigt, ärgert man sich noch mehr“, so die 14-jährige. Beim 4×75-Meter Lauf zeigten die beiden gemeinsam mit Emmelie Opwis und Lina Kaets der Konkurrenz die Hacken und siegten souverän in 41,22 Sekunden.
Tamara Linßen engagierte sich trotz Erkältung beim Hochsprung und dem 800-Meter-Lauf, bei dem sie nach beherztem Lauf Dritte wurde. „Ich hab gesagt, für das Team mache ich das“, so die 13-Jährige.

Selina Leck KvGG beim Weitsprung.


Auch Melanie Bollendonk von der Gesamtschule Kevelaer-Weeze machte weiter, obwohl sie beim Klettern auf der Tribüne gestürzt und sich am Knie verletzt hatte.
Deren Mutter Steffi beobachtete mit Begeisterung, „dass die sich alle untereinander noch für den anderen freuen, wenn er über die Stange kommt“. Sie konnte sich darüber freuen, wie ihre Tochter bei ihrem ersten Wettkampf die Höhe von 1,26 Meter übersprang.
Pascal Jordan von der Hauptschule absolvierte seinen Lauf für das Team , auch wenn vorher wenig Training möglich war und „ich was am Fuß habe. Hauptsache dabei.“
„Das ist ein Selbstläufer. Die sind hier heiß drauf, staunen ein bisschen, wollen so weit wie möglich kommen“, meinten Sebastian Fröhlich von der Gesamtschule  und Martina Klass von der Gemeinschaftshauptschule als Betreuer. „Beim Hochsprung haben die sich gegenseitig angefeuert“, unterstrichen beide die Bedeutung des Gemeinschaftsgeistes bei dem Event.
Und so zählte nicht allein die Plazierung, auch wenn sie für die Teilnahme am Landesfinale in Rheine als einer von sechs Punktbesten und als Sieger für den Bundeswettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ in Berlin nicht ganz unwichtig waren . Wer sichd dafür qualifiziert hat, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Sie werden unter www.kevelaerer-blatt.de nachgereicht.