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Die Amtszeit geht vorüber

Für Beate Clasen war klar, dass es bei so einem Amt schlicht nur heißt: „Sekt oder Selters, Barfuß oder Lackschuh“ – also konsequent weitermachen oder eben aufhören. „In Zukunft heißt es dann wohl barfuß unterwegs“, lacht die 52-Jährige. Als sie das Amt der Wettener Ortsvorsteherin im Jahr 2004 antrat, hatte sie Respekt davor, erinnert sich die Tochter eines Anstreichers und einer Apothekenhelferin zurück. „Ich habe von Beginn an versprochen, mein Möglichstes zu tun und das Amt auszufüllen.“

Beate Clasen ist gebürtige Wettenerin. Die Geselligkeit, die habe sie von ihren Eltern. „Mein Vater war auch gesellig, aber eher so aus der zweiten Reihe. Er sagte nicht viel, aber wenn, dann saß das. Und er hatte den Schalk im Nacken.“ Selbst sei sie viel unterwegs gewesen, „aber nicht weit.“ Vieles habe sich für sie in Wetten und Umgebung abgespielt. Von der Wettener Grundschule ging es für Clasen an die Liebfrauen-Realschule nach Geldern. Mitte der 80er-Jahre hat sie eine Ausbildung zur Apothekenhelferin gemacht und besuchte danach die PTA-Schule in Osnabrück.  Die Verbindung zur heimischen „Scholle“, die blieb. Sie kehrte nach Wetten zurück, arbeitete erst in Kevelaer und jetzt in Veert in einer Apotheke. Gewohnt habe sie immer in Wetten, sagt Clasen. Da habe sich die Frage nach einem Wohnen woanders nie wirklich gestellt. Zumal sie als Volleyballerin und Mitglied des „Lauftreffs“ beim Sport dann auch noch ihren heutigen Mann Stefan kennen- und lieben lernte.

Acht Jahre lang agierte sie schließlich als Chronistin der Geselligen Vereine in Wetten und wurde gefragt, ob sie in den Rat gehen wolle, obwohl sie noch nicht mal CDU-Mitglied war.  „Hans Broeckmann hat mich gefragt, er hatte mich als Chronistin erlebt.“ Als sie sich inhaltlich mit der Partei beschäftigt, sagt sie schon: „Es ist meins. Aber ich muss doch nicht, hab ich damals gesagt. ‚Doch‘, hat er dann erwidert.“ Und dann wurde auf einmal die Stelle des Ortsvorstehers vakant. „Ich war überrascht, weil ich es nicht geplant hatte“, sagt Clasen heute. Die Stelle blieb zwei Monate lang frei. Schließlich sagte sie zu. Der Begriff „Vorsteherin“ war ihr damals ganz fremd. „Weil so viele gestandene Personen es nicht nötig haben, mich vorzuschicken.“ Es sei ihr immer wichtig gewesen, auch ein gewisses Maß an Demut im Amt zu vermitteln.

Respekt, Achtsamkeit und Gottvertrauen

Als CDU-Ratsmitglied hatte sie den unmittelbaren Draht zu allen Informationen. „Die Kombi-nation war für mich gut. Davon konnte man wechselseitig profitieren.“ Trotzdem habe sie das Amt als Ortsvorsteherin immer als „überparteilich“ verstanden. „Mir war es wichtig, das mit Respekt, Achtsamkeit und Gottvertrauen zu machen.“ Nicht immer sei sie in ihren Funktionen für alle bequem gewesen – friedliebend, aber durchaus nicht konfliktscheu. „Man hat mehrfach versucht, mich loszuwerden. Die Wähler haben mich da unterstützt.“ Sie habe immer mit offenem Visier gekämpft.

„Wenn ich alles ernst genommen hätte, dann gute Nacht, Mattes. Und wer mit mir ein Problem hat, soll es mit mir klären und nicht komisch werden.“ Diesem Prinzip habe sie sich immer verpflichtet gefühlt. Als Beispiel nennt sie die Diskussion um den Namen der Grundschule. „Da hätte es sein können, dass Wetten aus dem Schulnamen verschwindet.“ Dagegen habe sie sich gewehrt. „Da wurde sogar gegen mich gepredigt“, weil sie angeblich etwas gegen „Petrus“ im Namen hatte.  Am Ende blieb es bei der „Grundschule Wetten“ als Name.

Was sie denkt, was Wetten in den letzten 16 Jahren erreicht hat? „Die Fertigstellung des Knoase-Saals, die Radwege – alles in Gemeinschaft. Die Friedhofssatzung  und dass wir den Friedhof an die veränderten Bestattungsformen angepasst haben.“ Auch die Spielplätze habe man gut eingerichtet. „Und ich bin froh, dass wir mit dem Niersverband einen Hafen realisieren.“

Sie habe sich immer getragen gefühlt von den Menschen, die sie unterstützt haben. Dafür will sie auf diesem Weg Danke sagen. Sie sei nicht amtsmüde, nicht frustriert. „Ich bin dankbar, dass ich mich in Wetten so eingebunden fühle.“ Sie gehe nicht mit Wehmut, obwohl sie sicher einiges vermissen werde, sagt die engagierte Frau.

„Bei der Kirmes bin ich von den Vereinen und denen, die sich engagieren, so beeindruckt. Das war toll, das begleiten zu dürfen. Die Festkette zu überreichen, war für mich immer ein besonderes Erlebnis.“ Sie habe die Aufgabe ausgefüllt, „weil es ein Geschenk war, das alles zu erleben und machen zu dürfen – und nicht weil im Nachruf steht, dass man eine verdiente Person ist.“ In jedem Fall sei es kein Amt, für das man überredet werden muss. Und bei der Suche nach einem Nachfolger sei sie jetzt fündig geworden.

Volleyball und Literaturclub

Mit der Zeit als Ortsvorsteherin endet auch die Zeit als Ratsmitglied. „Ich habe vor 16 Jahren einiges aufgegeben: die Vereinsmitgliedschaften wie im Sportverein. Da möchte ich jetzt wieder aktiv werden, vielleicht auch ein bisschen Volleyball spielen, wenn es die Knochen mitmachen.“ Und sie  will sich um den kfd-Literaturclub kümmern, den sie selbst mitgegründet hat.

Wetten sei insgesamt gut aufgestellt, sagt Clasen. „Alles, was mit dem eigenen Profil zu tun hat, bleibt in Wettener Obhut erhalten: die Ortsfahne, die Festkette, das Goldene Buch, das Wappen.“ Denn, davon ist sie überzeugt, als Dorf brauche man „eine eigene Identität, sonst kann man den Wohnort auch beliebig wählen. Wir gehören zu Kevelaer, aber sind und bleiben Wetten.“ Was sie an den Menschen vor Ort schätzt? „Man kann sich auf die meisten verlassen und sich mit ihnen wohl fühlen.“