Der bekannte Kabarettist und Diakon führte in der Wallfahrtsstadt durch Kirche, Geschichte und persönliche Erinnerungen – und sammelte zugleich Spenden für die Ukraine.
Willibert Pauels bringt Humor und Tiefgang nach Kevelaer

Foto: Alexander Florié-Albrecht
Willibert Pauels (links) lässt sich von Marianne Heutgens (Mitte) die Basilika erläutern.
Spontane Szene am Kapellenplatz
Als Willibert Pauels die Kerzenkapelle verließ, sorgte eine spontane Bemerkung aus dem Publikum für lautes Gelächter: „Ich gucke sie so gerne von hinten“, rief eine Passantin dem humorvollen Gast nach. Der Besuch des als „De Bergsche Jung“ bekannten 71-Jährigen verband Kabarett, Glaube und Kevelaerer Stadtgeschichte auf ganz eigene Weise.
Schon der Auftakt zeigte, wie leicht Pauels mit Menschen ins Gespräch kommt. Die unvermittelt-heitere Reaktion auf den Auftritt des Diakon bzw. der geistlichen Begleitung löste herzhaftes Lachen aus und gab dem Besuch eine sehr persönliche Note.
Pauels erzählte, er sei durch die Beharrlichkeit von Willi Maria Tenhagen nach Kevelaer gekommen. Mit einem Augenzwinkern verwies er auf ein früheres Treffen vor einer Kabarettveranstaltung und zitierte Hanns Dieter Hüsch: Er sei „für die Verrückten, die seitlich Abgeknickten“.
Führung durch die Innenstadt
Den rund dreistündigen Streifzug durch die Wallfahrtsstadt übernahm die langjährige Stadtführerin Marianne Heutgens, die in Kevelaer seit Jahrzehnten als kundige Begleiterin gilt. Die Tour führte von der Gnaden- und Kerzenkapelle über die Friedensstele am Forum Pax Christi, die Galerie Jansen und die Basilika bis in den Innenhof; den Abschluss bildete eine gemeinsame Einkehr im „Goldenen Löwen“.
Für Heutgens, die bereits seit vielen Jahren Pilger und Gäste durch Kevelaer führt, war der prominente Besucher ebenfalls ein Gewinn. Sie ist eine prägende Persönlichkeit der Stadt und als langjährige Stadtführerin mit großem Erfahrungsschatz.
Humor und Glauben
Zwischen den Stationen sprach Pauels über Kunst „als Fenster zum Göttlichen“, über Goethe, den Roncalli-Platz in Köln und den früheren Kardinal Meisner. Besonders wichtig war ihm der Gedanke, dass Religion Humor aushalten müsse. „Religion wird daran gemessen, ob sie den Humor toleriert“, sagte er sinngemäß bei dem Rundgang.
Mit Wallfahrtsdirektor Manfred Dördelmann diskutierte er zudem über den „Advocatus diaboli“ sowie über die Heiligen Filippo Neri und Felix von Cantalice, die mit bewusst unkonventionellem Auftreten gezeigt hätten, dass Heiligkeit nicht steif daherkommen müsse.
Persönliche Erinnerungen
Für Pauels bekam der Besuch auch eine private Dimension. Er berichtete von familiären Wurzeln in Verbindung mit Kevelaer: Urgroßeltern und Großeltern seien früher mit dem Zug aus Wipperfürth in die Wallfahrtsstadt gefahren, für sie sei das der einzige Urlaub gewesen.
Auch die Erwähnung des früher in Kevelaer wirkenden Künstlers Josef Pauels ließ bei ihm den Gedanken an eine mögliche Verwandtschaft aufkommen. Am Ende dankte er bewegt für die „so bewegende Führung“ und verwies darauf, wie selten der Name Pauels sei.
Geschichten einer Stadt
Marianne Heutgens wusste die Gruppe mit vielen Erzählungen zu fesseln, etwa über Bildhauer Bert Gerresheim, der dem Edith-Stein-Denkmal in Köln auf Anregung aus Kevelaer Sandalen statt Schuhe gab, oder über Erinnerungen an Joseph Ratzinger, der Kevelaer mehrfach besucht hatte. Pauels nannte die Stadt deshalb eine „Schatzkiste mit Geschichten“ und mahnte, die Seele Kevelaers zu bewahren.
Auch die besondere Atmosphäre der Wallfahrtsstadt kam zur Sprache: die Basilika, die Kerzenkapelle, die Friedenslicht-Stele und die vielen Spuren von Kunst, Glaube und Geschichte. Für die Anwesenden wurde deutlich, wie eng in Kevelaer Frömmigkeit und Alltagsleben miteinander verwoben sind.
Hilfe für die Ukraine
Zum Abschluss sammelte Pauels im „Goldenen Löwen“ Geld für einen Hilfstransport in die Ukraine. Damit bekam der Besuch neben Humor und Heimatverbundenheit auch eine konkrete soziale Dimension.
So blieb am Ende der Eindruck eines außergewöhnlichen Kevelaer-Tages: voller Lachen, Erinnerungen, Glaubensgespräche und Stadtgeschichte. Genau jene Mischung, die die Wallfahrtsstadt für Einheimische wie Gäste so besonders macht.


Rouenhof/Verhoeven