Wieder zurück zur Normalität

Vor rund zwei Monaten hat sich das Hotel Klostergarten in eine als Quarantäne- und Isolierstation angelegte Altenpflegeeinrichtung für bis zu 40 Senioren verwandelt. Menschen aus den umliegenden Altenheimen sollten dort aufgenommen werden, wenn sie auf Covid-19 positiv getestet wurden oder der Verdacht einer Infektion besteht.

Mit dieser Maßnahme sollten die Bewohner von Pflegeeinrichtungen geschützt werden. „Wir hatten eine Auslastung von elf Patienten, die in der Einrichtung waren. Sie sind alle entlassen, keiner ist verstorben und sie sind alle in die ambulante Pflege zurücküberwiesen worden“, bestätigt der Sprecher der Caritas Geldern-Kevelaer, Christian Hälker.

„Dann hat die neue Coronaschutzverordnung das quasi beendet, weil die Krankenhäuser angewiesen waren, die Patienten bei sich zu behalten und nicht zu verschicken.“ Die Verbliebenen habe man im Hotel gelassen. „Die wurden natürlich tageweise weniger.“ Die Idee des Klostergartens sei es gewesen, da als eine Art „Überlaufventil“ zu dienen. Der Kreis habe das als gute Idee gesehen.

Aktuell wird das Hotel für eine Kurzzeitpflege genutzt. Stand letzter Woche waren da noch zwei Personen untergebracht. Und es soll vorläufig weiter als Kurzzeitpflegeeinrichtung genutzt werden. Darauf hat sich die Caritas Geldern-Kevelaer als Träger der Einrichtung mit dem Kreis Kleve verständigt.

„Wir werden das Hotel bis zum 31. Juli für die Kurzzeitpflege nutzen“, bestätigt der Vorsitzende der Caritas Geldern-Kevelaer, Karl Döring. „Allerdings werden wir nur noch die erste Etage dafür verwenden, nicht mehr das Erdgeschoss und das Souterrain. Wir fahren also die Hotelkapazitäten rauf und bieten 33 Kurzzeitplätze an.“

Der Impuls sei an der Stelle von den Behörden ausgegangen.„Wir wollen eine Grundkapazität sichern, falls es zum Aufschwappen, einer zweiten Welle kommt. Das war der Gedanke aus Sicht des Landkreises. Wir finden das eine gute Lösung.“

Die Inbetriebnahmekosten wie auch die Grundkosten dafür trage der Kreis Kleve. „Wir sind ja im klassischen Altenheimbereich.“ Für die Inbetriebnahme und den investiven Bereich sei der Kreis zuständig, ansonsten die Pflegeversicherung des jeweiligen Bewohners. „Wir haben einen Pflegesatz vereinbart. Die Investitionskosten berechnet der LVR und schickt den jeweiligen Bescheid raus.“ Über genaue Zahlen konnte Döring noch keine Auskunft geben. „Das dürfte aber im Groben plusminus null rausgehen, man kann das jetzt nicht auf Spitz rechnen.“ Die Inbetriebnahmekosten seien noch nicht zu beziffern.

„Die Kosten da halten sich in relativ überschaubaren Grenzen“, lautet Dörings Einschätzung. „Was an Pflegebetten, Fäkalienspülung und sonstigen Dingen da war, hatten wir ja eingelagert, kam vom Elisabeth-Haus in Neukerk. Da mussten wenigstens keine Betten und sonstige Dinge gekauft werden.“

Für die Betreiber des Hotels Klostergartens vor Ort bedeutet diese Nachricht ein kleines Stück Erleichterung. „Wir erhalten neun Hotelzimmer, also 18 Betten wieder zurück. Drei Zimmer sind schon frei. Bei sechs Räumen müssen noch die Schwesternrufbetätigungen und die ganzen Pflegebetten raus“, freut sich Hotelleiterin Nicole Grüttner, dass sich der Betrieb etwas „normalisiert“.

Auch der „Christopherus“-Tagungsraum mit 120 Quadratmetern ist wieder für das Hotel nutzbar. „Dafür häufen sich schon die Anfragen“, bestätigte die Hotelchefin.

Gut vier Wochen habe man als Covid-Quarantänestation gedient. „Wir haben da gezielte Aufklärung getätigt, es war alles geschützt“, versichert Grüttner. „Wir hatten separate Ein-und Ausgänge, Hygieneschleusen , haben belegte Brötchen auf die Zimmer gebracht.“ Dann ging das Ganze schnell in die Kurzzeitpflege über, erzählt sie, während sie mit der Leitung des „Housekeeping“, der „Hausdame“ Kornelia Danne, durch den engen Erdgeschossflur geht.

„Ich mache hier sauber“

„Natürlich waren die Bewohner zunächst unruhig und ängstlich“, sagt Kornelia Danne, die Leitung des „Housekeeping“ im Hotel, „Die gingen einen Schritt rückwärts, sind an der Wand gelaufen, mit weit geöffneten Augen. Aber auch das hat sich beruhigt.“
Sie selbst hatte mit Covid-19-Patienten zu tun gehabt. „Die sehen von uns ja nur die Maske, weiße Hose und Kittel über Kittel. Da habe ich mich jeden Tag neu vorgestellt und gesagt: Ich mache hier sauber.“

Die Erkrankten seien zurückhaltend, teilweise auch irritiert gewesen. „Und man hat ihnen angemerkt, dass es ihnen Kraft gekostet hat.“ Aber selbst in der Zeit gab es humorvolle Momente. „Eine Dame meinte: Ich habe extra Dreck für sie gemacht.“

Und je gesünder sie wurden, umso besser wurde die Stimmung. „Als die erste Dame entlassen wurde, haben wir noch Blumen in Garten gepflückt. Wir hatten alle Tränen in den Augen – das war pure Gänsehaut.“ Und wie liebevoll das Pflegepersonal mit den Menschen umging, und auch die Angehörigen sich gekümmert hätten, habe sie berührt. „Die haben sie schon gut betüddelt.“

Für sie und ihre Mannschaft geht es nun darum, die Zimmer wieder herzurichten. Im Archivraum standen noch die ganzen Wohnutensilien wie Bettzeug, Waschgel oder Kaffeemaschinen, die jetzt wieder in die Zimmer zurück kommen. Dort räumten die Auszubildende Celina Saat und eine Praktikantin vom SOS Kinderdorf den Raum aus.

Die in den Zimmern belassenen Gardinen müssen noch gereinigt worden. Man habe bewusst eine wohnliche Atmosphäre beibehalten wollen, sagt Grüttner. „Das Pflegepersonal hat mal erwähnt: Wir wünschten uns für unser Altenheim auch solche Zimmer“, verrät Denne.

Die Corona-Zeit habe auch positive Seiten hervorgebracht – so zum Beispiel, als die Heimleitung fragte, ob die Mitarbeiter in Kurzarbeit mit den Menschen auch mal spazieren gehen, spielen und als Alltagsbegleiter fungieren.

Auch wenn das Angebot nicht in Anspruch genommen wurde, zeige das die stärkere Verbundenheit im Klostergarten-Komplex insgesamt. „Wir sind als „Klostergärtner“ zusammengewachsen“, unterstreicht Grüttner. „Und wenn die Caritas den Kreis da nicht unterstützt, wer dann?“.