Leserecho zur Neugestaltung des Peter-Plümpe-Platzes

Wie aus einem großen Platz zwei Plätzchen werden

In die Diskussion um die Neugestaltung des Peter-Plümpe-Platzes meldet sich ein Leser zu Wort:

In die Diskussion um die Neugestaltung des Peter-Plümpe-Platzes meldet sich ein Leser zu Wort:

„Die Enttäuschung war schon groß, als der Siegerentwurf als Quintessenz aller Überlegungen und Vorgaben aus der Politik präsentiert wurde. Hier werden erneut Chancen vertan – nicht alleine für die Optimierung des Platzes, sondern auch für die gesamte Attraktivität und Funktionalität der Innenstadt.

Warum tut sich Kevelaer mit der Planung und deren Umsetzung so schwer? Wenn man es auf den Kern bringt, liegt es vielleicht oft an der allzu simplen, subjektiven Fragestellung: „Wollt ihr einen schönen Platz, mit viel Grün und möglichst wenigen stinkenden Autos?“ Natürlich wollen das alle, aber wo bleibt die Funktionalität, die eine sinnvolle Neugestaltung mitbringen sollte?

Die letzte umfangreiche, gelungene Gestaltung Kevelaers, auf die wir alle so stolz sind und die dieses Flair ausmacht, liegt rund 120 Jahre zurück. Zu der gehört auch die am Platz angrenzende Annastraße mit ihren prägenden Ansichten, auf die bei der Neugestaltung des Platzes nicht genügend Rücksicht genommen wird. Kann diese Ansicht bei der zu erbringenden dichten Baumbepflanzung noch ihre Wirkung zeigen? Der seit ewigen Zeiten gewünschte großzügige Ein- und Aussteige-Bereich mit Toilettenanlage für die mit dem Bus- und Auto ankommenden Pilger und Besucher, das für das Entree einer Wallfahrtsstadt verpflichtend sein sollte, ist nicht zu erkennen. Ob man sich mit der Minimierung des Parkplatzangebotes aus verkehrlicher und ökologischer Sicht einen Gefallen getan hat, bleibt abzuwarten und wird die Zeit zeigen.
Wo parken die Besucher?

Es ist kaum zwei Monate her, da wurde deutschlandweit zur besten Sendezeit eine Weihnachtsfeier aus der Basilika übertragen, in der verkündet wurde, dass jährlich 800.000 Besucher in die Wallfahrtsstadt Kevelaer strömen. Rechnet man hier hauptsächlich nur noch mit Fußpilgern, oder kommen nach wie vor noch viele mit dem Bus oder dem Auto? Wo können sie ein- und aussteigen, wo können sie verweilen, wo können sie sich sammeln, vor allem bei Regen?

Die auf weniger als 100 reduzierten Parkplätze werden sicherlich schon für Personal und Besucher des Rathauses und für kurzfristige Erledigungen in der Apotheke oder der Sparkasse benötigt. Wo aber parken die gewünschten Besucher und vor allem das dringend benötigte Klientel für die Einzelhändler in den umliegenden Hauptgeschäftsstraßen? Immer wieder hört man, dass die Zukunft und Attraktivität der Innenstädte entscheidend von dem Parkplatzangebot und der Parkplatzsituation abhängt. Hat man hierüber ernsthaft nachgedacht?

Auch ein zum Beschluss vorliegendes, für eine Stadt wie Kevelaer überzogenes Park-Leit-System ist mehr als Entschuldigung als ein innovativer Fortschritt zu verstehen. Denn letztendlich soll es doch nur dazu dienen, dass die verbliebenen Parkplätze von Besuchern überhaupt aufgefunden werden können. Mit der Reduzierung von 135 Stellplätzen auf dem Peter-Plümpe-Platz, den auszuschließenden 138 Stellplätzen auf dem Rewe-Parkplatz und den 132 Stellplätzen auf dem Antwerpener Platz werden ca. 400 innerstädtische Parkplätze im Park-Leit-System nicht ausgewiesen und sind somit für Besucher der Stadt scheinbar nicht existent.

In letzter Zeit hat es den Anschein, dass man sich das „unverwechselbar“ erspart und man den Dingen freien Lauf lässt. Man entschuldigt dies, indem man sagt, dass es mit Innenstädten von Rheinberg, Marxloh und Wanne-Eickel auch nicht besser bestellt ist. Kevelaer hat ein völlig anderes Potenzial, oft verspielt durch zeitlichen Druck bei der Erstellung von Förderanträgen. Hier müsste öfter gefragt werden, ist diese Maßnahme so sinnvoll, dass wir diese auch bei einer Eigenfinanzierung durchführen würden.
Der „Kirschblüten-Boulevard“ vor dem Rathaus hat sicherlich manchen beeindruckt, aber man sollte Realist bleiben und erkennen, dass die Blüten nur drei bis fünf Tage halten.

Ich war überrascht über die deutschlandweit angereiste Mega-Fachjury, die alle mindestens einen Prof. oder Dr. Titel in ihrer Anrede mitbrachten. Wer von diesen Honoratioren hat sich jahrelang mit der Kevelaer Problematik befasst, um erwägen zu können, ob alle Erfordernisse hier Berücksichtigung gefunden haben. Am Ende wird es so sein, – wie so oft. Der Vorschlag 1 wird schöngeredet und abgenickt. Alle Beteiligten erhalten ihre Aufwandsentschädigung und freuen sich, dass die Wallfahrtsstadt Kevelaer mit einem „Kirschblüten-Boulevard“ bereichert wurde.“

Otto Rogmans
Kevelaer