Dem Einen ist der goldene Federhalter, den der Urgroßvater während des ersten Weltkrieges sicherheitshalber im Gemüsebeet verbuddelt hatte, so wertvoll, dass er im Testament explizit festlegt, wer das wertvolle Familienandenken erbt. Dem Anderen ist alles schnuppe: Soll der ganze im Leben angehäufte Krempel doch in den Container und die Kinder sich über die Verteilung von Gold und Geld selbst einig werden. Wenn auch höchst individuell und unterschiedlich, so haben doch fast jede und jeder eine Vorstellung darüber, was nach dem Ableben mit Hab und Gut geschehen soll. Gleichwohl kann niemand mehr selbst kontrollieren, ob der sogenannte letzte Wille greift, und so landet der über Jahrzehnte in Ehren gehaltene Schreibstift am Ende womöglich doch noch für ein paar Euro auf dem Trödel.

Weitaus tiefer gehenden Einfluss als über ‚die Zeit danach‘, haben in der Regel eine jede und ein jeder von uns auf die Zeit vor dem Tod und das ist bedeutsam, denn die kann sich bis zum letzten Atemzug salopp gesagt ‚ziehen‘.

Zur schieren Unerträglichkeit möglicher körperlicher Schmerzen, die am Ende oft in dem tiefen Wunsch münden, endlich ‚gehen zu dürfen‘, gesellen sich nicht selten genug Unsicherheiten, gar Unstimmigkeiten im familiären Umfeld dazu, z. B. über den Umgang mit dem bzw. der sterbenskranken Angehörigen oder auch unter dem Zwang, notwendige Entscheidungen treffen zu müssen. Selbige können schnell alle an dieser meist hochemotional geladenen Situation Beteiligten nicht nur an ihre Belastungsgrenzen führen, sondern enden in heftigen Fällen sogar vor einem Betreuungsrichter, der dann das letzte Wort hat. Nicht minder traurig kann es werden, wenn überhaupt keine Angehörigen (mehr) greifbar sind und sich auch sonst niemand findet, der sich für den einzelnen Betroffenen verantwortlich …