Wen Gottes Wort berührt, der kann sprachlos werden

Unter großer Beteiligung der Gemeinde und von Kolleginnen und Kollegen aus dem Kirchenkreis begleitet, wurde Pfarrer Florian Hankwitz am Sonntag in der Jesus-Christus-Kirche in Kevelaer ordiniert. Die Ordination erfolgte durch Superintendent Pfarrer Hans-Joachim Wefers, der mit „bischöflichen Funktionen“ den evangelischen Kirchenkreis Kleve leitet und Pfarrer in Xanten ist.
In der evangelischen Kirche bedeutet Ordination die Berufung, Segnung und Sendung zum Dienst der öffentlichen Wortverkündigung, Seelsorge und Sakramentsverwaltung. Sie erfolgt nach dem zweiten theologischem Examen, vor dem ein zweijähriges Vikariat abgelegt werden muss. Dabei erfolgt die Verpflichtung auf die Bibel und die jeweils geltenden Bekenntnisschriften. Der Ordination geht ein Gespräch mit der ordinierenden Superintendentin oder dem Superintendenten sowie die Teilnahme an einer Ordinationstagung mit dem Präses (Vorsitzender der Landeskirche) voran.
Nach der Barmer theologischen Erklärung „ist der Dienst der öffentlichen Wortverkündigung, Sakramentsverwaltung und Seelsorge gegründet in dem einen Dienst der ganzen Gemeinde, die Botschaft der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.“ Das aus der Ordination gegründete Rechte und die Pflichten gehen bei Austritt aus der evangelischen Kirche oder aufgrund einer Entscheidung der Kirchenleitung über die Beanstandung der Lehre einer oder eines Ordinierten verloren, die Ordinationsurkunde muss zurückgegeben werden (hier ist der Unterschied zur Priesterweihe – als Sakrament – deutlich).
In der Ordinationsansprache hob Superintendent Wefers hervor, dass für Hankwitz mit der Ordination ein Herzenswunsch in Erfüllung gehen würde. „Ein langer Ausbildungsweg mit inneren Selbstprüfungen, ob das Amt eines Pfarrers die richtige Aufgabe ist, mit einer langen und schweren Krankheit, die fast das Leben gekostet hätte und nach zwei anspruchsvollen theologischen Prüfungen und strengen Auswahlverfahren bei der Rheinischen Landeskirche haben Sie zu diesem Amt ja gesagt. Sie sind nun berufen, der Gemeinde aber auch der Gesellschaft, manchmal auch mit deutlicherem Nachdruck christliche Glaubensinhalte nahe zu bringen.“

Wefers machte Hankwitz Mut. „Gott gibt dazu seinen Segen und seine Kraft und wenn einem Menschen durch Ihren Dienst geholfen wird, dann ist das nicht einer Genialität des Herrn Hankwitz zu verdanken, der perfekt und fehlerlos sein muss, sondern der Kraft Gottes. Deshalb können wir in unserer Arbeit unverzagt sein, denn Gott spricht aus unserem Handeln. Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Worte, ihre Seelsorge und ihre Arbeit wie der Regen auf fruchtbaren Boden fallen und den christlichen Glauben zum Wachsen bringt.“

Bei der Ordination wurden Pfarrer Hankwitz von zahlreichen seiner Kollegen, von Presbytern und von seinem Vater Segensworte mit auf den Weg gegeben (u.a.: „Gottes Bund mit Dir wird niemals wanken“ oder „Mit Gott kannst Du über Mauern springen.“). Zuvor hatte er sich auf den Inhalt der Bibel und die Bekenntnisschriften der Evangelischen Kirche verpflichten lassen. Auf die Frage von Superintendent Wefers, ob er seinen Dienst in diesem Sinne verrichten wolle antwortete Hankwitz vor der Gemeinde laut: „Ja, sowahr mir Gott helfe.“

Sprachlos und den Tränen nahe

Dann ging Hankwitz zur Kanzel und es kam ein Moment im Gottesdienst, den alle Anwesenden tief rührte. Nach einem kurzen stillen Gebet wollte er mit der Predigt beginnen. Das Erleben seiner Ordination und die Worte Gottes, die ihm zugesprochen worden waren ergriffen ihn so stark, dass er einige Minuten kein Wort herausbekam und sichtlich mit sich und seinen Tränen rang. Alle erlebten: „Wen Gottes Wort berührt, der kann sprachlos werden.“ „Ein Mensch, der bereit ist die große Aufgabe des Pfarrers zu übernehmen, zwar hinter den Talar zurücktritt und das Amt in den Vordergrund stellt, aber trotzdem eben nur ein Mensch bleibt.“, „Ein Mensch, versieht nicht nur durch die Kraft Gottes seinen Dienst, sondern bedarf auch des Beistandes seiner Schwestern, Brüder und der Gemeinde.“, so der Tenor nach dem Gottesdienst.

Nach der Predigt, die unter anderem von der Liebe Gottes zu den Menschen, Gottes Nähe durch Christus zu den Menschen und Gottes Verheißung dass er uns trägt handelte, war ein lautes vernehmbares und zustimmendes „Amen“ („so ist es“) vieler Gottesdienstbesucher zu hören.

Pfarrerin Karin Dembeck begrüßte im Namen des Presbyteriums der Kirchengemeinde Kevelaer nach dem Gottesdienst noch viele Gäste bei einem Empfang. Nicht nur eine große Abordnung aus Leverkusen, wo Hankwitz sein Vikariat (2 Jahre, eine Art Anerkennungsjahr) durchgeführt hatte, sondern auch viele Kollegen aus dem Kirchenkreis Kleve und den benachbarten katholischen Pfarreien, Gemeindegruppen und ehemalige Studienkollegen aus Wuppertal  sprachen Grußworte und übergaben kleine Präsente. Ebenso war Marc Buchholz als Vertreter der Stadt Kevelaer anwesend.
Viele wünschten sich, dass das Pfarreramt Florian Hankwitz nicht zu sehr als Verwalter „verschlingen“ wird, sondern ihm viel Raum für Wortverkündigung und Seelsorge lässt. Denn so Beate Clasen, Ortsvorsteherin von Wetten: „Hier haben wir erleben dürfen, dass sich Himmel und Erde berühren und dieses Geschenk des Himmels sollte den Dienst so versehen können, das er weiter so viel Menschen im Herzen berührt wie heute.“