Weihnachtskonzert der Jungen Streicher überzeugte

„Das ist ein bisschen sehr voll geworden – und wir haben kaum Werbung dafür gemacht“, freute sich Thomas Brezinka und trug noch kleine Sitzhocker in den großen Ausstellungsbereich des Niederrheinischen Museums. Zu dem diesjährigen Weihnachtskonzert „seiner“ Jungen Streicher waren so viele Menschen gekommen, dass vereinzelt sogar Gäste den Heimweg antraten, weil sie nicht stehen wollten.
„Eine gewisse Aufwärtsentwicklung“, nannte das Museumsdirektor Burkhard Schwering. Neben ihm in der letzten Reihe saß der emeritierte Pfarrer Hubert Janssen. „Glaube kommt von Hören – auch wenn man nix sieht“, scherzte der in gelassener Erwartung der einstündigen Musik-Aufführung.
Dem achtjährigen Tim Richter machte das Tohuwabohu nicht viel aus: „Ist alles ok, ich bin nicht nervös, ich muss jetzt los“, meinte der Jungviolinist mit der Fliege, ehe er mit den anderen „Streichmäusen“ und Maren Brezinka zeigen durfte, was er das Jahr über so gelernt hatte.
Brezinkas Mann Thomas begleitete die Kinder am Klavier, hob zuvor aber die faszinierenden Derix-Glasmalerwerke hervor, die dem Raum ein besonderes Ambiente verliehen, und erwähnte dabei, dass eine Verwandte von Derix im Jugendstreichorchester mit von der Partie ist.
Dermaßen eingestimmt, durften Eltern, Verwandte, Freunde und weitere Musikinteressierte den Klängen der ganz kleinen „Streichmäuse“ lauschen, die sich durch das „klassische“ Anfängerrepertoire der Konzerte durchspielten – von Kathy Blackwells „Happy go lucky“ bis „Lazy Cowboy“, dem „Mückentanz“ von Andrea Holzer-Rhomberg bis Colledges „Au clair de la lune“, bei dem sich Johannes Lehnen am Cello solistisch zeigen durfte. „Gar nicht so einfach“, machte Brezinka auf die Qualität bei „Bartuschka tanzt“ aufmerksam.
Danach wechselte die Stufe – und die „Capella Piccola“ mit ihren zwanzig Kindern zwischen neun und 14 Jahren zeigte auf, dass sie in Sachen Geschlossenheit im Klang schon weit gekommen ist – vom israelischen Volkslied „Hava Nagila“ bis zu Haydns „Menuett“ und Dvoraks „Humoreske“.
Dem Jugendstreichorchester der Jungen Streicher blieb es dann vorbehalten, als „reines Frauenorchester“ nach dem abiturbedingten Abgang der fünf männlichen Mitspieler ihren eigenständigen Charakter darzubieten. Machtvoll-kompakt, dramatisch und weich zugleich geriet Respighis „Antiche Danze ed Arie“ , beschwingt mit einer Prise Eleganz und Dynamik überzeugte das Ensemble bei Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ – was zurecht langanhaltenden Beifall bei den Zuhörern auslöste.
Nach dem offiziellen Teil boten alle drei Ensembles wie alljährlich Weihnachtslieder dar -vereinzelt wurde bei „Vom Himmel hoch“ oder „Alle Jahre wieder“ mitgesungen.  Anschließend erhielt das Ehepaar Brezinka zum Dank für seine Arbeit mit den Kindern noch Präsente, und Museumsleiter Burkhard Schwering wurde angesichts der musikalischen Beiträge zum Schluss fast ein wenig philosophisch: „Ein „specificum humanum“, das Menschen berührt – das ist Kunst.“ (aflo)