Weihbischof Lohmann: „Immer ein Zuhause in Kevelaer“

Unmittelbar vor der Abfahrt nach Fulda zur Bischofskonferenz hat Weihbischof Rolf Lohmann einen Gottesdienst in der Marienbasilika in Kevelaer gefeiert. „Es ist für mich immer ein Zuhausesein hier in Kevelaer“, begrüßte er die Gemeinde. Schließlich war er in der Marienstadt mehrere Jahre Wallfahrtsrektor. Und er betonte: „Auch ich kann mich hier trösten lassen, an diesem besonderen Ort der Spiritualität und des Trostes.“

Dort könne man auch die „schweren Anliegen“ vor Gott bringen, sagte der Weihbischof und nannte konkret die Entführung eines Priesters im Niger – mit diesem Land ist Kevelaer eng verbunden – und auch den „katastrophalen Missbrauchsskandal“ in der katholischen Kirche.

Thema „Missbrauch“

Daran knüpfte Lohmann in seiner Predigt an. Mit Blick auf das Kreuz erklärte er, dass das ganze Leben etwas mit dem Tragen des Kreuzes zu tun habe. „Heutzutage kommen wir aus dem Denken des Kreuzes nicht heraus“, betonte der Weihbischof, das gelte auch für den Blick auf die Kirche.

„Es gab Vertuschungen beim Thema Missbrauch, in den USA, aber auch bei uns. Das wirft Schatten auf die Glaubwürdigkeit der Kirche“, sagte er.

Bei einem Treffen neu geweihter Bischöfe in Rom, an der auch Lohmann kürzlich teilgenommen hatte, habe man „sehr offen über das Thema gesprochen.“

Das Kreuz lasse sich aber auch außerhalb der Kirche sehen, beispielsweise bei der Flutkatastrophe in Indien oder bei den Geschehnissen in Chemnitz. „Wir alle wissen, wie verheerend es ist, wenn braune Töne und Nationalismus um sich greifen“, mahnte er. Christen sollten sich hingegen auch im Alltag vom Glauben an Gott leiten lassen: „Es kann doch nicht sein, dass Glaube nur etwas hier in der Kirche ist und dass alles nicht mehr gilt, wenn man die Türen geschlossen hat“, sagte er der Gemeinde.

Das Evangelium übersetzen

Vielmehr gelte es, das Evangelium in die heutige Zeit zu übersetzen. „Wenn wir so weitermachen wie bisher und alles so bleiben soll, wie es war, dann können wir einpacken“, betonte er eindringlich. „Wer so redet und denkt, hat das Evangelium nicht verstanden“, führte er weiter aus. „Jesus möchte, dass wir heute Stellung beziehen, dass wir heute für den Frieden eintreten und uns Hetze und Häme entgegenstellen.“

Gerade in schwierigen Zeiten seien die Menschen auf der Suche nach Trost, sagte Lohmann und wies auf das Gnadenbild in Kevelaer hin, das Maria als Trösterin der Betrübten darstellt: „Hier wird man aufgerichtet, und dieses Geschenk der Aufrichtung dürfen wir nicht für uns selbst behalten. Das Gnadenbild möchte uns zu den Menschen senden.“ Maria führe die Menschen zu ihrem Sohn Jesus, sie weise noch am Kreuz auf ihn: „Unter dem Kreuz finden wir alle Zuflucht. Es ist das Zeichen des Friedens und des Heils“, erklärte Weihbischof Lohmann schließlich.