Mit ihrem Reiseblog „the travelogue“ verbindet sie ehrliche Tipps, starke Bilder und echte Geschichten – und zeigt, dass große Reisen nicht immer mit großen Reiseveranstaltern beginnen müssen.
Reisen jenseits der Komfortzone
Brouwers beschreibt sich selbst als Liebhaberin von Individualreisen. Nichts von der Stange, sagt sie sinngemäß, sondern genau die Momente, die entstehen, wenn man die Komfortzone verlässt und Land und Leute wirklich kennenlernt. „Ich möchte meine Leser ermutigen, etwas zu wagen“, sagt sie. Mit gesundem Menschenverstand, aber ohne die Angst, dass jeder Schritt ins Unbekannte gleich ein Risiko sein muss.
Die Idee für ihren Blog kam ihr bereits im Herbst 2014. Damals las sie selbst Reiseblogs, ließ sich inspirieren – und merkte: Genau das möchte ich auch. Nicht nur reisen, sondern Erlebnisse teilen, die andere berühren, informieren und vielleicht sogar zu eigenen kleinen oder großen Abenteuern motivieren.
Ein Hobby mit Anspruch
„The travelogue“ ist für Brouwers mehr als ein digitales Reisetagebuch. Sie will authentische Einblicke geben, ehrlich bleiben und nur das empfehlen, was ihr selbst geholfen hat. Reisetipps könne man überall recherchieren, sagt sie sinngemäß – entscheidend sei, was wirklich sinnvoll ist und was sich unterwegs bewährt hat. Dazu kommen Fotos, die Lust auf Reise machen sollen, ohne den Blick für die Wirklichkeit zu verlieren.
Besonders stolz war sie, als ihr Blog in einer Auswahl der Top-50-Reiseblogs (escapio) genannt wurde. Die Nachricht kam per E-Mail, und für sie war das eine echte Bestätigung: Ihr Hobby wird gesehen, ernst genommen und liest sich offenbar so, dass es andere interessiert.
Familienreisen mit neuer Langsamkeit
Brouwers lebt mit ihrer Familie in Kevelaer und ist 2019 dorthin gezogen; sie stammt aus Rees und hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Heute reisen sie und ihr Mann mit ihrem dreijährigen Sohn anders als früher: langsamer, bewusster und mit mehr Blick darauf, was mit Kind gut machbar ist. Von der Dschungeltour in Kolumbien über Thailand und China bleibt das Reisen dabei ein Familienprojekt – nur eben mit neuer Taktung.
Gerade China habe sie mit Kind besonders überrascht, erzählt sie: sehr kinderfreundlich, manchmal fast schon zu freundlich. Und auch große Ziele wie die Chinesische Mauer oder Nepal gewinnen durch ihre Erlebnisse eine ganz persönliche Note. Nepal sei für sie ein emotional prägendes Land gewesen – ein Kulturschock, aber zugleich ein Ort überwältigender Gastfreundschaft, beeindruckender Landschaften und tiefer menschlicher Begegnungen.
Kevelaer als Rückzugsort
So sehr sie die Welt bereist, so klar ist für Brouwers auch der Wert der Heimat. Gerade nach langen Reisen merke man erst, was Kevelaer ausmacht, sagt sie sinngemäß. Für sie ist die Stadt am Niederrhein nicht einfach nur Wohnort, sondern ein Ort mit Charme, kleinen Geschäften, Solegarten und Niers – und mit einer Lebensqualität, die man erst richtig schätzt, wenn man draußen gewesen ist.
Auch in der Ferne bleibt dieser Bezug spürbar. Ob Südamerika oder Flandern: Schön sei vieles, sagt sie, aber hier sei es eben mindestens genauso schön. Das ist keine große Werbebotschaft, sondern eher das ehrliche Fazit einer Frau, die die Welt gesehen hat und Kevelaer deshalb umso bewusster wahrnimmt.
Zwischen Bären, Bergen und Pannen
Zu ihren eindrücklichsten Erlebnissen zählt eine Situation in Alaska, als sie mit ihrem Mann auf einem Parkplatz saß, Campingstühle aufgestellt hatte und im Hintergrund ein Rascheln hörte – dann wurden daraus erst kleine Bären und schließlich die Erkenntnis, dass es besser ist, auf Abstand zu bleiben. Ebenso unvergesslich: eine Reise durch das südliche Afrika im Jeep mit Dachzelt, bei der zunächst das Auto brannte, dann die Batterie auf dem Campingplatz defekt war und getauscht werden musste und anschließend auch noch die Kupplung kaputtging.
Aber genau solche Pannen gehören für sie zum Reisen dazu. Man müsse Puffer einplanen, sagt sie sinngemäß, etwa auch bei Flugplänen rund um den Mount Everest, wenn Abflüge wegen Wetter oder Organisation zweimal verschoben werden. Wer ihren Blog liest, merkt schnell: Hier geht es nicht um Hochglanz-Abenteuer ohne Dellen, sondern um echte Erlebnisse mit Ecken, Kanten und Humor.
Was Leserinnen und Leser erwartet
Fotografieren ist für Brouwers kein Nebenschauplatz, sondern ein zentraler Teil ihrer Arbeit. Schon früh habe sie eine Kamera zum Knipsen gehabt; später wurde daraus eine ernsthafte Leidenschaft mit verschiedenen Kameras und Objektiven. Sie sei ein visueller Mensch, sagt sie – und das sieht man ihren Bildern offenbar an. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Blick von der Brooklyn Bridge auf das Empire State Building: ein Moment, der für sie New York verdichtet und bis heute nachwirkt.
Auch im Schreiben bleibt sie ihrem Stil treu. Wenn ihr etwas selbst nicht gefällt, müsse das nicht automatisch für ihre Leserinnen und Leser gelten, sagt sie sinngemäß. Sie wolle nicht künstlich negativ erzählen, sondern ehrlich einordnen. Das macht „the travelogue“ zugänglich: persönlich, aber nicht belehrend; informativ, aber nicht trocken.
Blick nach vorn
Die nächste Reise soll in Richtung Sahara gehen, eine Rundreise, die offenbar schon in der Planung steckt. Über den Blog hinaus hat Brouwers keine großen Karrierepläne im klassischen Sinn, wohl aber Offenheit für Foto-Projekte. Und jungen Menschen, die selbst einen Reiseblog starten möchten, rät sie vor allem eines: dranbleiben. Konsistenz bringe mehr als bloße Motivation, sagt sie – ein Blog im Monat könne schon ein gutes Ziel sein.
So ist aus einem Hobby ein persönliches Projekt geworden, das weit über Kevelaer hinausreicht. „The travelogue“ zeigt, wie viel Mut, Neugier und Disziplin in einem Reiseblog stecken können – und warum es sich lohnt, die Welt zu sehen, ohne die Heimat aus dem Blick zu verlieren.
Schnelle Fakten
Anna Brouwers
– 38 Jahre alt
– stammt aus Rees
– verheiratet, ein Kind
– wohnt seit 2019 in Kevelaer
– hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert
Der Reiseblog
– Name: the travelogue
– gestartet im Herbst 2014
– Fokus: Individualreisen, authentische Erlebnisse und persönliche Reisetipps
– besondere Themen: Reisen mit Kind, Fernreisen, Naturerlebnisse, Fotografie
Besondere Reiseziele
– Nepal
– Alaska
– China
– Kolumbien
– Südliches Afrika
– Saarschleife
Was den Blog ausmacht
– ehrliche Tipps aus eigener Erfahrung
– starke Bilder
– Mut machen, etwas zu wagen
– Reisen jenseits der Komfortzone
Nächste Reise
– Rundreise in Richtung Sahara


Privinzial Thomas Aben
Wallfahrtsstadt Kevelaer