Viktoria ringt um Förderung

Der „alte“, aber viel genutzte Sportplatz bietet schon seit geraumer Zeit immer wieder Raum für Spekulationen und Diskussionen im Golddorf: Dass dort einerseits durch das Bauvorhaben von Edeka Brüggemeier die Nahversorgung des Ortes gesichert werden und andererseits ein kleineres Neubaugebiet entstehen soll, ist längst kein Geheimnis mehr. Die Entwurfsplanung dazu wurde gerade im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt. Doch nicht nur die Mitglieder des Sportvereins Viktoria fragen sich angesichts der sportlichen Zeitplanung der Verwaltung, ob Mitarbeiter und Ratsmitglieder auch die Bedürfnisse der Winnekendonker Sportler im Blick haben.

 

Der Verein hat diesbezüglich Ende Juni einen Antrag zur Förderung eines Kunstrasenplatzes im Sportpark Winnekendonk sowie zur Erweiterung des Sporthauses am gleichen Ort gestellt, jeweils als Ersatz für den bevorstehenden Wegfall des Platzes und des Hauses an der Kevelaerer Straße. In mehreren Gesprächen mit Vertretern der Stadtverwaltung und der Stadtwerke sowie den Winnekendonker Vertretern in den Ratsfraktionen, habe man diese „existentiell wichtige Ersatzmaßnahme unseres Vereins“ erläutert und besprochen, so der 1. Vorsitzende der Viktoria Winnekendonk, Peter Schlossarek. Er betont in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass der Verein das Bekenntnis von Edeka Brüggemeier außerordentlich begrüßt und auch die zugesagte Unterstützung dankbar zur Kenntnis nimmt.

Antrag der FDP

Die FDP-Fraktion im Rat sei bislang konkret der Argumentation des Vereins gefolgt: In einem Antrag zum Haushalt 2020 fordert der Fraktionsvorsitzende Jürgen Hendricks, für eine Erweiterung des Sporthauses im Sportpark „Mittel in Höhe von bis zu 230.000 Euro“ und für die Umwandlung des Trainingsplatzes 3 im Sportpark Mittel „in Höhe von bis zu 350.000 Euro“ bereitzustellen. Er folgt dabei in seinem Antrag argumentativ dem Vorsitzenden Schlossarek und Geschäftsführer Werner Louven, was bei den Vorständen natürlich Hoffnungen schürt.

Der 1. Vorsitzende leitete den Antrag prompt an „liebe Winnekendonker Ratsmitglieder“ weiter, nicht ohne damit die Hoffnung auf „gleichlautende commitments aller Fraktionen“ zu verbinden.

Die Situation ist ernst

Und Schlossarek machte, wie schon im gemeinsamen Gespräch mit Werner Louven in der Redaktion des KB, den Ernst der Situation eindringlich deutlich: „Gerade die derzeitigen schlechten Witterungsbedingungen haben aufgrund der Platzsperre Kevelaerer Straße wieder mehr als deutlich gemacht, dass ein Trainings- und Spielbetrieb über die vorhandenen Kapazitäten im Sportpark organisatorisch schlichtweg nicht darstellbar ist. Die unvermeidliche Konsequenz wäre die Abmeldung von mehreren Mannschaften (insbesondere Mädchen/Damen) für die nächste Saison“, schrieb er in der vergangenen Woche. Derzeit wird der Platz an der Kevelaerer Straße nach Vereinsangaben hauptsächlich von Damen- und Mädchen- und Kindermannschaften für den Spiel- und Trainingsbetrieb genutzt (9 Mannschaften), auf den beiden Plätzen im Sportpark trainieren und spielen zehn Herren- und Jugend-Mannschaften.

Gerade die Höhe der Förderung der Kunstrasenfläche gilt als problematisch, angesichts eines Ratsentscheids von 2015. Der besagt, dass die Umwandlung eines bestehenden Rasenplatzes in einen Kunstrasenplatz seitens der Stadt mit einem Zuschuss von 150.000 Euro bezuschusst wird – nicht mehr und nicht weniger. „Seit diesem Zeitpunkt sind konjunkturbedingte Mehraufwendungen zu kalkulieren, sowie ein inflationsbedingter Ausgleich zu schaffen“, so die FDP in ihrem Haushaltsantrag.

Nachhaltigkeit und verantwortungsvoller Umgang mit Steuermitteln

Das allein jedoch würde nicht ausreichen. Und es trifft genau genommen auf die Winnekendonker Situation auch nicht zu, denn streng genommen müsste der Verein einen seiner erst wenige Jahre alten neuen Rasenplätze am Ortsausgang in einen Kunstrasenplatz umwandeln, um in den Genuss dieser städtischen Förderung zu kommen. Das hält nicht nur die FDP für „nicht zu verantworten“ im Hinblick auf Nachhaltigkeit und den verantwortungsvollen Umgang mit Steuermitteln. Auch der Kämmerer dürfte massive Probleme mit der Abschreibung des Platzes bekommen, was die Stadt unter Umständen ein hübsches Sümmchen kosten könnte. Vor diesen Hintergründen solle nun eben der Trainingsplatz (Louven: „Der Acker neben den beiden Rasenplätzen“) im Sportpark zum Kunstrasenplatz ausgebaut werden und dafür dem Verein der städtische Zuschuss gewährt werden, argumentiert die FDP.

Ein weiterer Grund für die Zögerlichkeit der anderen Fraktionen mag wohl auch in der Furcht vor Begehrlichkeiten in anderen Vereinen liegen, die man sicherlich wecken würde, wenn man der Viktoria mehr als die pauschale Förderung von 150.000 Euro zusprechen würde. Jürgen Hendricks folgt hier in seinem Antrag der Argumentation des Viktoria-Vorstandes: Der Platz an der Kevelaerer Straße falle komplett weg und werde dem „Zugriff“ des Vereins entzogen. Insofern müsse man hier von einer anderen Sachlage ausgehen. Und die FDP geht deshalb davon aus, „dass auch eine höhere Bezuschussung sachlich gerechtfertigt ist“.

Fördermöglichkeiten

Bleibt noch die von Vereinschef Peter Schlossarek eingangs angeführte Bespielbarkeit bei schlechten Witterungsbedingungen. Selbst wenn man die erhöhte Bespielbarkeit eines Kunstrasenplatzes einrechne, mit der dann „wohl kein Bedarf für insgesamt drei Spielfelder“ vorliege, bleibe die Umwandlung eines Rasenplatzes in eine Kunstrasenfläche an dieser Stelle aus den genannten Gründen nicht sinnvoll. Dieser Umstand dürfe aber „nicht zu Lasten des Sportvereins gehen“, so die FDP.

Weiterhin möchte die FDP in ihrem Antrag die Verwaltung dazu aufgefordert wissen, „Fördermöglichkeiten zu prüfen, die Antragstellung zu koordinieren und die Voraussetzungen für Fördermöglichkeiten zu schaffen“.

Siehe auch Artikel „CDU und SPD bleiben bei gleichmäßiger Förderung von Sportplätzen“.

Neben der unsicheren Fördersituation ist es im Übrigen der zeitliche Druck, der die Fußballer der Viktoria mit den Hufen scharren lässt: Die Stadt hat den Pachtvertrag für das Sporthaus an der Kevelaerer Straße zum 1. Juni 2020 gekündigt. Der Pachtvertrag zwischen der Stadt und der katholischen Kirchengemeinde für die Fläche des Sportplatzes läuft zum 31. Oktober 2020 aus.