Lesermeinung
Tradition angemessen aufrecht erhalten

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Zum Thema „St. Martinszug in Kevelaer“ (KB-Bericht in der vergangenen Woche) erreichte uns folgende Zuschrift des KB-Lesers Theo Kirchhofs aus Düsseldorf:
„Sehr geehrte Damen und Herren im Stadtrat,
als gebürtiger Kevelaerer (Jg.1953) fahre ich auch heute noch – und seit vielen Jahrzehnten – immer am 10.11. nach Kevelaer zum Martinszug. Nachdem ich in den 90er Jahren zusammen mit meinen beiden Jungs (Jg, 1992 und 1995) die Martinszug-Praxis in Düsseldorf erfahren habe und der nun gar nichts abgewinnen konnte, empfinde ich die Atmosphäre rund um dieses Ereignis immer wieder als große Wohltat und als Privileg, dass ich so was in meiner Kindheit schon erfahren konnte.
Für mich ist die Geste des Soldaten Martin, der seinen Mantel mit einem Bedürftigen teilt, zutiefst menschlich und ein zeitloses Vorbild – keine Überraschung, dass sich später die katholische Kirche dieses Ereignisses angenommen hat und dass es heute Vielen daher als christliches Symbol gilt. Dabei ist die Haltung des Martin doch universeller Ausdruck eines Miteinanders, unabhängig von Religion, Überzeugungen und Erfahrungen, und daher immer ein Erinnern wert, ganz egal, woher die Menschen stammen, die sich dadurch angesprochen fühlen.
Den Rahmen für dieses Beispiel bietet Kevelaer wie kaum ein anderer Ort: Die ganze kleine Stadt ist (gefühlt) auf den Beinen, alles dreht sich an diesem Abend um das eine Thema und alles andere steht dahinter. Die Laternen im Martinszug sollen für mich an das „leuchtende Beispiel“ erinnern, das hier im tiefsten Mittelalter stattgefunden hat, als ein Menschenleben nicht allzu viel zählte und ein Erfrorener mehr wohl kaum eine Erwähnung wert war. Daher finde ich es schade, dass man nun – nach den überstandenen Corona-Zeiten mit den nachvollziehbaren Einschränkungen – auf das abschließende Feuerwerk verzichtet. Auch das fügt sich für mich in dieses Bild als große leuchtende Ausgabe und Würdigung der Mantelteilung.
Ich kann mich noch gut an die Feuerwerke der 60er-Jahre erinnern: Heute kaum vorstellbar, dass aus dem alten Rathaus vorgefertigte Stangen mit Feuerwerk auf den kleinen Balkon des Rathauses getragen wurden, dort wurden dann hastig die Zündschnüre angezündet und nach dem Abbrennen dann die Stangen zurück ins Rathaus und die nächste vorbereitete Metallstange raus und abgefackelt. Das Rathaus muss doch tagelang gestunken haben, oder?
Ein paar Jahre später in den 70ern wurde dann das Feuerwerk von der Feuerwehr auf einer Ecke des Marktplatzes „organisiert“, etwa da, wo heute der Eingang zu „Mutter & Kind“ ist – das Haus stand natürlich noch nicht. Erst viel später wurde dann ein großräumig abgesperrter Bereich für ein professionell gezündetes Feuerwerk installiert.
Und damit soll nun wirklich Schluss sein?
Gibt es keine Alternativen, etwa ein kürzeres Feuerwerk, ggf. mit einer Unterstützung durch leuchtende Drohnen oder etwas Ähnliches?
Ich bin sicher nicht der Einzige, der das vermissen würde … Vielleicht kommen Sie ja doch noch zu einer anderen Entscheidung, um diese doch schon sehr alte Tradition angemessen aufrechtzuhalten.
Theo Kirchhofs, Düsseldorf


