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Rotkehlchen – auch im Winter ein unermüdlicher Sänger Foto: M. Hertel
Im Kreis Kleve zählten viel mehr Menschen

„Stunde der Wintervögel“

Zum 14. Mal hatten der NABU und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Natur- und Vogelschutz, dazu aufgerufen, Anfang Januar eine Stunde lang auf dem Balkon, im Garten oder im Park Vögel zu zählen und zu melden.

Die Weitsicht in frühen Jahren zahlt sich jetzt aus

Mit sieben Gleichgesinnten gründete Werner Neumann 1975 die Bunte Vogelwelt Twisteden. Wie dramatisch sich die Welt der flatternden Fluggesellen einmal verändern sollte, ahnte da noch niemand. „Dass dieses Thema mal so hochaktuell sein würde, hätten wir damals niemals für möglich gehalten“, versichert der Mitbegründer des Vereins.

Doch auch schon in den 1970er Jahren nahm man es mit dem Schutz der artenreichen Vogelwelt sehr ernst. Mit sensiblem Fingerspitzengefühl hatten die Gründungsmitglieder einen gewissen Weitblick in Sachen Naturerhaltung. „Allerdings haben wir bis vor 15 Jahren auch nicht daran gedacht, dass Klimawandel, Umweltschutz und Artensterben uns mal dermaßen beschäftigen würde“, resümieren Vater und Sohn Neumann.

Andreas Neumann leitet als Vorsitzender seit 15 Jahren die Geschicke des Vereins. Was aber der Vogelverein damals schon einleitete, erweist sich heute als dankbare Weitsicht. Anfang der 1980er Jahre wandelte der Verein eine ehemalige Kiesgrube, die in den 1960er Jahren als Müllkippe genutzt wurde, in ein Vogelschutzgebiet um.

Das zehn Hektar große Gebiet stellt bis heute die Stadt Kevelaer zur Verfügung. „Eigentlich sollte dieses Gebiet für einen anderen Zweck genutzt werden“, weiß Werner Neumann zu berichten. Er kann sich nur zu gut daran erinnern, dass einige Maßnahmen ohne Genehmigung durchgeführt wurden. „Hätten wir darauf gewartet, wäre lange nix passiert“, gibt das Gründungsmitglied zu. Er handelte nach der Devise: „Machen ist besser als reden.“

Gemeinsam mit dem 1982 gegründeten Natur-und Heimatverein Twisteden-Kleinkevelaer zog man dort zusätzlich Betonwände hoch, damit sich die Uferschwalben einnisten konnte. 1987 erhielten sie für die Umwandlung des Gebietes den Umweltpreis des Landes NRW. Heute bietet das am Ortsrand gelegene Schutzgebiet zahlreichen Vogelarten, darunter Stieglitzen, Meisen, Dompfaffen, oder Fasanen sowie Insekten und Pflanzen, unberührten Lebensraum. Umliegende Baumschulen stifteten zu der Zeit 20.000 Bäume und Sträucher.

Erst vor kurzem errichtete die Bunte Vogelwelt dort ein Storchennest. Bewohnt wird es noch nicht. „Wir warten das aber mit aller Ruhe ab“, sagt Andreas Neumann, der gerade an diesem Areal der Natur Zeit und Raum geben möchte. Die jüngsten Aktivitäten des Vogelvereins aber stoßen auf reges Interesse ihrer zukünftigen Bewohner. Auch über die Grenzen Twistedens hinaus. „Wir haben im Verein, unter Mithilfe des Twistedener Jugendraumes, in diesem Jahr 200 Nistkästen angefertigt“, erklärt der Vorsitzende.

100 Nistkästen seien direkt an den Bauhof der Stadt Kevelaer gegangen, die diese zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners aufgehängt haben. „Die restlichen haben wir im Ort verteilt aufgehängt“, führt Neumann weiter aus. Erstaunt zeigen sich die 30 Mitglieder des Vogelvereins, dass ihre bezugsfertigen Baumhäuschen sehr gut von Vogelpärchen zur Gründung einer eigenen Familie genutzt werden. „Mittlerweile sind wohl Zweidrittel der Nistkästen besetzt“, berichten die engagierten Vogelschützer. Ein nicht zu verachtender Erfolg. Besonders wenn man auf diese Weise dem Eichenprozessspinner auf natürlichem Wege zu Leibe rücken kann.

Seit Jahrzehnten schon gehen vom Verein ehrenamtliche Schutz-Aktionen aus. Sei es in der Baumpflege oder bei Müllsammelaktion. Auch die Pflege eines etwa drei Morgen großen Naturbiotops gehört dazu. Gepachtet wurde dieses vom Natur-und Heimatverein Twisteden-Kleinkevelaer. „Wir vom Vogelverein haben uns bereit erklärt, dieses zu pflegen und zu bewässern“, erklärt der Vorsitzende.

1.500 Pflanzen, darunter Eberesche, Hagebutte, Sanddorn und Holunder, wurden hier erst jüngst angepflanzt. Alles Beerensträucher die später zur Nahrung der Vögel dienen. „Wir hoffen darauf, dadurch noch mehr Vögel anzulocken“, sagt der Vogelliebhaber. Er hofft ebenso darauf, sich bald wieder ganz normal mit seinen Vereinsmitgliedern im vor zehn Jahren errichteten Domizil am Minigolfpaltz zu treffen. Bis zur Coronakrise trafen sich die Vogelliebhaber im Vereinshaus zu Fachgesprächen, zum Planen von Vogelschutzaktionen oder dem Anfertigen von besagten Nistkästen und Futterhäuschen.

Denn gefüttert werden solle das ganze Jahr. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass es sinnvoll ist, Vögel das ganze Jahr über zu füttern“, erklärt Andreas Neumann. Denn Nahrung werde auch für die Vögel immer knapper. Insektensterben, gedüngte und bis zu drei Mal im Jahr abgemähte Felder oder fehlende Wildblumen nehmen den Luftakrobaten jede Nahrungsgrundlage. Um eine gute Versorgung zu garantieren, spendet der Verein Bunte Vogelwelt jährlich bis zu 4.000 Meisenknödel, die er den Twistedener Bürgern zur Verfügung stellt.

Glaube an die Bunte Vogelwelt

Eine Geste die gerne angenommen wird. Wie in jedem Verein, plagt auch der Bunten Vogelwelt Twisteden, die Sorge um den Nachwuchs. Dennoch glaubt der erste Vorsitzende nicht daran, dass dieser Verein aussterben wird. „Vielleicht geht ja aktuell ein Ruck durch die Menschen“, betont Andreas Neumann, „ich glaube die Bunte Vogelwelt wird weiterhin Bestand haben und noch lange leben.“

Mehlschwalben bekommen neues Zuhause

Als am vergangenen Dienstagmorgen zwei Häuser auf der Eichendorffstraße in Winnekendonk als „schwalbenfreundliche“ Häuser ausgezeichnet wurden, ließen sich die selten gewordenen Tiere, um die es bei der Aktion geht, kaum blicken. Nur hin und wieder kam für einen kurzen Moment ein Schnabel aus der Öffnung der Nisthilfe hervor. Die Nisthilfen waren an zwei Häusern angebracht worden, weil zwei Mehlschwalben-Nester von einem Dachausbau der benachbarten Häuser betroffen waren. Die Firma GWS (Wohnungsgenossenschaft) aus Geldern als Eigentümer der Gebäude hatte beschlossen, die Nester durch Nisthilfen zu ersetzen und mindestens zwei weitere anzubringen. Claudia Blauert, zweite Vorsitzende des Imkervereins Kevelaer und Aktivistin der Bürgerinitiative „Rettet die Binnenheide“, begleitete die Aktion. Theo Mohn zeichnete als Sprecher der Ortsgruppe Kevelaer des „NABU“ die beiden Häuser aus und übergab eine entsprechende Plakette mit einer Urkunde.

Die Mehlschwalben seien nicht nur am Niederrhein selten geworden, erklärte Mohn. Die Vögel würden keine Lehmpfützen mehr für ihren Nesterbau finden, fügte Claudia Blauert hinzu. Das führe dazu, dass die Vögel ihre Nester häufig aus Erde bauten, was jedoch einen sehr fragilen Wohnsitz für die Tiere bedeute. Theo Mohn wies darauf hin, dass es in der Wallfahrtsstadt nur noch zwei Kolonien der Mehlschwalben gäbe – eine in Winnekendonk und eine in Kevelaer. Daher liegt den Naturschützern der Erhalt der Kolonien besonders am Herzen.

Mehlschwalben sind standorttreue Tiere

Für die beiden Mehlschwalben-Nester, die aufgrund eines Dachausbaus weichen mussten, wurden nun bereits zwei Nisthilfen an benachbarten Häusern angebracht. Der Malerbetrieb Brey aus Geldern hat dabei mit angepackt und die Nester hoch oben am Dachfirst befestigt. Mindestens zwei weitere Nisthilfen sollen noch folgen, erklärte Paul Düllings, Geschäftsführer der GWS-Geldern. Werden die Nisthilfen einmal angenommen, ist das für die Naturschützer bereits ein großer Gewinn. Denn Mehlschwalben sind standorttreu und kehren in der Regel jedes Jahr an ihren Geburtsort zurück, um dort ihre Jungen aufzuziehen, erklärten die Naturschützer.

So sehen die Nisthilfen aus der Nähe aus. Die Vögel lassen sich nur selten blicken. Foto: eg

Acht bis zwölf Paare erwarte man in der Eichendorffstraße in Zukunft. „Mehlschwalben nisten meistens eng zusammen“, so Mohn. Nachdem die GWS als Hauseigentümer der betreffenden Gebäude auf die Nester der Vögel aufmerksam wurde und Claudia Blauert die Aktion mit auf den Weg gebracht hatte, sei schnell klar gewesen, dass man auch weitere Nisthilfen einrichten werde, sagte Paul Düllings. Inwieweit man die Aktion fortsetzen wird, hänge natürlich von der Lage und dem Bau der Häuser ab, fügte Maren Zenz vom Mieterservice der GWS-Geldern hinzu. Da die Mehlschwalben überwiegend Häuserwände unter geschützten Dachvorsprüngen zum Nestbau nutzen, eignet sich dafür nicht jedes Haus.

Wer mit dem Gedanken spielt, an seinem eigenen Haus eine Nisthilfe anzubringen, muss laut Theo Mohn gar nicht tief in die Tasche greifen. Nisthilfen für Mehlschwalben seien schon ab einem Preis von ca. 20 Euro zu erwerben. Und wem es vor den Hinterlassenschaften und anderem Schmutz graut, den die Tiere auf dem eigenen Grundstück verursachen könnten, für den hatten die Anwesenden einen Tipp: Ein Brett, das in ausreichendem Abstand unter der Nisthilfe angebracht wird, kann Kot und Nistmaterial größtenteils auffangen und sorgt so für einen weiterhin sauberen Hauseingang.