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Die Corona-Lage ließ in Kevelaer eine Zusammenkunft mit anschließendem Umtrunk zu

Vigil mit Lichterprozession zu Mariä Himmelfahrt

Das Fest der Aufnahme Marias mit Leib und Seele in den Himmel wurde von der Pfarrei St. Marien mit einer bewegenden Vigil im Forum Pax Christi eingeleitet.

Vigil in der Marienbasilika

Andächtige Ruhe, die schwach erleuchtete und dennoch effektvoll in Szene gesetzte Basilika, dies empfing jeden, der durch ihre Pforten trat. Dank neuartigen Lichteffekten zeigte sich das Gotteshaus einen Abend lang von einer ganz anderen Seite.
Dieses Ereignis zog zahlreiche Menschen an, die zusammen das Fest Mariä Geburt einleiten wollten. Dank vieler Impulse wurden die Besucher zum Nachdenken angeregt: über das anstehende Fest, über Gottes Liebe, über sich selbst. Untermalt wurde dies von Orgelklängen und den Stimmen des Knabenchors.
Der Andacht folgte eine Zeit der Anbetung des Allerheiligsten Sakraments. Ein Ereignis, das heutzutage zunehmend aus den Kirchen schwindet, da es vielen Menschen zu unscheinbar und veraltet scheint.
Doch an diesem Abend in der mysteriösen Basilika mit den bewegenden Worten des Pastors im Kopf wurde dies zu etwas ganz Besonderem und Feierlichen. Abgeschlossen wurde die Vigil mit einem feierlichen Segen.
Nach dem Auszug aus der Basilika folgte die Lichterprozession. Diese führte alle Beteiligten mit ihren Kerzen durch die Straßen Kevelaers. „Eine feierliche Prozession, mitten in der Nacht, mit so vielen Teilnehmern? So etwas ist fast nur in Kevelaer möglich“, dachten sich sicherlich die zahlreichen Menschen, die aus den Fenstern von Restaurants und Häusern die Prozession bestaunten. Blicke wurden getauscht, Handykameras gezückt und gewunken, als die Prozession durch die Hauptstraße zog.
Nach dem Schlusssegen an der Gnadenkapelle gingen alle Teilnehmer von Freude erfüllt zurück in ihr alltägliches Leben. Auf die Frage, wie es ihnen gefallen habe, folgte ausnahmslose Begeisterung: „So etwas müsste es öfter geben“, sagte eine Besucherin. Ein Ereignis, das den meisten Teilnehmern noch eine lange Zeit im Gedächtnis bleiben dürfte.

Wegsuche mit Impulsen und Musik

Jeden Freitagabend in der Fastenzeit gibt es in der Pfarrei St. Marien einen besinnlichen Abend: Nach drei Fastenpredigten und einem Aktionstag, an dem die kirchlichen Räume von Schulkindern mit allen Sinnen erfahren wurden, gab es zuletzt eine Vigilfeier.
Ganz in violettem Licht erschien den Teilnehmern der Altarraum der Basilika, die überwiegend nur von Kerzenschein erhellt war. Die musikalische Gestaltung lag beim Knabenchor der Marienbasilika unter Leitung von Sebastian Piel und Marco Heise an der Orgel. Die Texte und Meditationen wurden von Pfarrer Gregor Kauling, Dr. Bastian Rütten und Annette Giefer vorgetragen. „Was für ein Geschenk, ich kann nur dankbar sein über das, was ich hier an den vergangenen Freitagabenden hören und erleben durfte“, bekannte eine Teilnehmerin.
„Sucher (m)eines Weges“, unter diesem Motto stand der Abend. Von vielen Seiten wurde die Lebenswegsuche des Menschen thematisiert. Oft bestehen unsere Lebenswege auch aus schmerzlichen Erkenntnissen oder Verfehlungen, sind oft Wege der Einsamkeit, aber, so Dr. Rütten, unsere Wege sind Wege unter einem guten Schutz.
„Wir sind nicht allein, wir sind gemeinsam Wegsucher und wir sind getragen von jemand, der sich selbst hat verletzen lassen, weil er tief in das menschliche Leben eintrat“, sagte Pastor Kauling. In einer Schriftbetrachtung erzählte er, wie er sich einmal mit Erstkommunionkindern in einem Wald verlaufen hatte. Die einzige Chance, aus dem Dilemma wieder rauszukommen, war der Weg zurück zum Ausgangspunkt. „Auch die Kirche hat sich immer wieder verlaufen, wir erleben das in diesen Tagen. Sie hat oft Gott und auch den Menschen aus dem Blick verloren.
Es gilt: Zurück zum Herrn. Zurück zum Ausgangspunkt. Dieser Ausgangspunkt unseres Glaubens ist der Erlösertod Jesu auf Golgotha, die Hingabe unseres Herrn. Möge die Kirche den Weg zurück finden, um dann nach vorne zu gehen“, so seine Hauptgedanken.
Ein wichtiger Ausgangspunkt unseres Lebens sei, so die Liturgen, die Taufe. Mit dem Weihwassernehmen würde jeder von uns das kürzeste Glaubensbekenntnis beten, das man sprechen kann, das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott. Mit Weihwasser gefüllte Schalen wurden durch die Basilika gegeben, damit auch jeder Einzelne sich in der Erinnerung an die eigene Taufe zu diesem zweiten Ausgangspunkt unseres Lebens zurück führen konnte.
Und auch Jesus selbst wurde gleich lebendig in die Mitte der Versammelten gesetzt, und zwar in eucharistischer Gestalt. Weihrauch stieg auf vor dem angestrahlten Altar mit der Monstranz und von dem wiederkehrenden Gesang „Laudate omnes gentes“ unterbrochen, sprachen Bastian Rütten und Annette Giefer Dank und Lobpreis aus.
Wer wollte, war eingeladen, noch in Stille vor dem eucharistischen Herrn zu verweilen, das Leben neu vor ihm zu leben und mit ihm anzuschauen. Es gab im Kirchenraum einige Angebote: Ein Fürbittbuch lag aus, um seine Anliegen einzutragen, man konnte Weihrauchkörner auflegen, Bibelworte ziehen, Trostpflaster mit nach Hause nehmen oder bei den anwesenden Priestern sich etwas von der Seele reden, beichten oder einfach nur einen persönlichen Segen empfangen. Mit der Komplet und dem eucharistischen Segen endete die Vigil nach zwei Stunden.
Am Freitag, 12. April, findet um 19.30 Uhr noch eine Kreuzwegandacht in der Beichtkapelle statt.