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Kinder tanzen zum Aktionstag

Auf dem Schulhof der St. Hubertus Grundschule in Kevelaer standen am heutigen Morgen in angemessenem Corona-Abstand Stühle, um jedem Kind der Grundschule die Gelegenheit zu geben, von einem festen Platz aus an der Aktion „Jugend trainiert für Olympia und Paralympics“ teilzunehmen. Nach und nach kamen zunächst die Schüler der ersten und zweiten Klassen, später die Kinder der dritten und vierten Klasse, um gemeinsam mit der Schulrektorin Helga Dückers-Janßen und drei weiteren Kolleginnen für eine bewegungsreiche halbe Stunde zu sorgen.

„Sowas haben wir noch nicht gemacht“, war der sechsjährige Johannes wie alle anderen gespannt darauf, was passieren würde. „Heute ist der Aktionstag ‚Jugend trainiert für Olympia und Paralympics‘, an denen über 1000 Schulen bundesweit teilnehmen, um ein Zeichen für den Schulsport zu setzen und zu sagen: Schulsport ist wichtig und auch möglich – auch in Zeiten von Corona“, erläuterte Dückers-Janßen. „Das sind einfache Bewegungstänze, die sie mitmachen sollen.“

Mit den Kindern habe man auch über Olympia und die Paralympics gesprochen. Passend zum Thema hatten sie alle Teilnahmeschilder erhalten. „Sie bekommen auch alle Teilnehmerurkunden und Aufkleber, alles gesponsert.“ Man habe schon gemerkt, dass den Kindern so ein bisschen über die Monate die gemeinsame Bewegung gefehlt habe. „Wir konnten in der Zeit vor den Sommerferien recht wenig machen. Wir haben über das Internet Bewegungsangebote gegeben, aber inwieweit das zu Hause umgesetzt worden ist, können wir nicht sagen.“ Nach den Ferien konnte man wieder starten, habe viel draußen gemacht. „Wir mussten aber einige Aktionen und Events absagen, die wir sonst im Rahmen der Gesundheitsförderung machen.“ Da habe man nach Alternativen gesucht. „Und der Aktionstag heute war eine gute Möglichkeit, uns da anzuschließen.“

Tänze im Sportunterricht geprobt

Gemeinsam mit den Kollegen animierte Sportlehrerin Annabell Beerden die Klassen zum Bewegen. „Wir haben mit einer vierten Klasse die Tänze ein bisschen im Sportunterricht geprobt, weil wir auch die Choreographien dazu gemacht haben. Die Kleinen werden gleich ins ‚kalte Wasser‘ geworfen, die dürfen einfach mitmachen.“

Und so durfte der erste Teil der 206 Schüler auf dem Schulhof Platz nehmen, die Maske absetzen, sich vor den Stuhl stellen und Gas geben. „Unsere Schule ist bewegt“ ertönte dann aus den Boxen, der „Körperteil-Blues“ brachte Hände, Füße und den Rest des Körpers in Wallung, und nach einem weiteren rockigeren Tanz mit Klatschen und Fußstampfen gab es dann noch den WM-Song von 2010 „Waka Waka“ von Shakira zum Abschluss.

Die Kinder gingen mit einem Lächeln vom Schulhof – und auch die Erwachsenen zeigten sich begeistert. „Wir haben gedacht, dass die das gut mitmachen – überrascht sind wir da nicht“, sagte Dückers-Janßen, die gemeinsam mit den Lehrerinnen in Sachen Bewegung alles gegeben hatte. „Wir wollten eine Aktion machen, die wir sonst nicht machen und die ganz viel Gemeinschaftsgefühl hat, damit sie merken, wir sind eine Schule.“ Das war auf jeden Fall gelungen.

Alle konnten sich richtig auspowern. Foto: AF

Tänzerinnen begeistern erneut

Die jungen Darstellerinnen der Ballettschule Pascall begeisterten mit ihrer Show „Coppelia & modern dances“ nun schon zum zweiten Mal die Zuschauer im Konzert- und Bühnenhaus. Nach der ersten Aufführung im letzten November, anlässlich des 35-jährigen Bestehens, war die Nachfrage so groß gewesen, dass man sich zu dieser zusätzlichen Veranstaltung entschloss.

Die Tänzerinnen waren überglücklich, noch einmal die Gelegenheit zu bekommen, ihr Können zu zeigen.

Foto: AHU

„Spontane“ Superhelden

Vor dem Start in den Flashmob-Tag hatten die 34 Kinder schon etwas Lampenfieber. „Jetzt müssen wir erstmal die Gemüter beruhigen“, sagte Tanzlehrerin Marita Billaudelle, die zusammen mit ihrer Kollegin Edith Bongers-Reul die Heranwachsenden unter der Woche angeleitet hatte.

„Wir haben drei Gruppen gebildet und mit jeder Gruppe gezielt zwei Workshops zum Thema ‚Superheld/-in‘ gemacht – aber alles leicht gestaltet“, beschrieb sie die Grundidee. Jedes der Kinder habe sich für einen Zwischenpart eine eigene „Superheld“-Choreographie überlegt. Edith Bongers-Reul gab klare Anweisungen. „Ich mache sowas auch in Kerpen mit zwei Aufführungen und bin da mit Marita auf der gleichen Wellenlänge. Vielleicht kann man das auch hier in Kooperation mit der Bücherei oder dem Museum entwickeln.“

Stolz zeigen, was man kann

Gemeinsam wärmten sich die Gruppen auf. Nicole Arians vom OGS verfolgte das Schauspiel: „Das Oberste ist der Spaß und ich glaube, den hatten sie. Schön, dass die Kinder auch sowas kennenlernen. Das ist eine ganz andere Art, sich zu bewegen, bei diesem therapeutisch-kreativen Tanzen, eine große Herausforderung. Sie war überzeugt davon, „dass die gleich alles geben werden, weil die das Bedürfnis haben, zu zeigen: Das kann ich, das habe ich gelernt.“

Zwischendurch mussten Billaudelle und Bongers-Reul noch Disziplin in der Gruppe schaffen. „Ich glaube euch das teilweise nicht. Was haben wir gesagt? Ihr habt Kraft wie Feuer, Wasser, Erde und kämpft. Macht euch groß und stellt euch ein zwei Meter langes, schweres Schwert vor“, riet sie den Jungen und Mädchen. Die übten nochmal die gemeinsamen Gruppenbewegungen und ihre selbst individuell gestalteten Tanzeinlagen.

Viele Proben sind das A und O

„Man muss immer auf den anderen aufpassen“, erklärte die zehnjährige Fee. „Wir sind schon ein bisschen nervös“, sagte die gleichaltrige Tabea und zeigte sich aber zuversichtlich. Dass der eine oder andere eher weniger diszipliniert war, missfiel der achtjährigen Martha: „Ist cool, aber wenn die ganze Zeit jemand quatscht, isses doof.“ Bei den Proben zur Bluetooth-Box-Musik wurden die Abläufe immer besser. „Füße verwurzelt, Arme hängen an der Seite, locker die Schulter und Blick in die Ferne“, mahnten die beiden Tanzlehrerinnen. „Es ist ein Experiment“, sagte Ferienfreizeit-Koordinatorin Gabi Büttner und war gespannt, wie es am Ende aussehen würde.

Gegen 11.30 Uhr setzten sich die Kinder in Bewegung, begleitet von vielen der übrigen gut 200 OGS-Kids, die mitverfolgen wollten, wie das auf dem Roermonder Platz vor REWE aussehen sollte. Am Roermonder Platz warteten zahlreiche Eltern und Betreuer, die beim Start des Flashmobs das Handy zückten und Aufnahmen machten. „Ist ganz gut bei meiner Tochter angekommen, sie tanzt selbst sehr gerne“, erzählte Jessica Rieger. Sie hatte von ihrer Tochter Fee nicht viel mehr erfahren als „es musste ein blaues Hemd sein.“

Aus verschiedenen Ecken des Platzes kamen die drei farblich unterschiedlich gekleideten Gruppen auf die Platzmitte und zeigten zur Musik ihre gemeinsame Choreographie. Der Applaus des Publikums war den Kindern gewiss. Im Kollektiv ging’s dann zurück zur Biegstraße, wo eine Tasche mit Spielen und ein Eis auf die Mädchen und Jungen warteten.

„Da freuen sich die Augen, wenn sie Kinder sich so bewegen sehen“, versichert Betreuerin Dorata Wicinska. „Ich bin zufrieden, auch, wenn natürlich ein paar dabei waren, die anstrengend sind“, zeigte sich auch Bongers-Reul erleichtert über das Ergebnis. Und auch Büttner fand es „richtig toll.“

Eine Fotogalerie zum Flashmob finden Sie hier.

Die Liebe zum Tanzen

Karnevalszeit heißt Tanzzeit. Das gilt auch für die Mitglieder der Teenie-Tanzgarde des VfR Kevelaer. Doch vor dem Auftritt steht die Probe. In der ÖBS fanden sich die jungen Tänzerinnen deshalb nochmal zum Training zusammen.
Die Mädchen und jungen Damen wurden dabei von ihrer Trainerin Verena Hermens angeleitet, um nochmal Bewegungsabläufe und Schrittfolgen abzuchecken. „Wir arbeiten seit dem Sommer an dem Programm für die Sitzungen“, erzählte die 30-Jährige. „Einige der Mädels kommen von unseren Minis rüber.“ Andere seien schon bei den großen Showgirls. „Wer macht noch beim Teenie-Showtanz mit?“, fragte die VfR-Vorsitzende Elke Tebartz in die Runde.
Fünf Finger erhoben sich. Darunter war auch die 13-jährige­ ­Jeanny: „Ich hab vorher Ballett getanzt und wollte weitermachen. Mir hat es gefallen, dass man für Karneval tanzt.“
Gut zehn Shows inklusive der Turniere absolvieren die 14 Mädels von Februar bis zu den Osterferien als eine von insgesamt fünf Tanzgruppen des VfR, die auch in diesem Jahr wieder aktiv im Karneval dabei sind.
Vor großem Publikum aufzutreten, damit hat mittlerweile keine so richtig Schwierigkeiten: „Da wächst man rein, wenn man bei den Minis anfängt“, erzählt die 18-jährige Annika, die bereits seit 2006 beim VfR ist.
Extrem guter Teamgeist
Damals war sie gerade mal sechs Jahre alt: „Es gab in der ÖBS das Vortanzen. Da war ich froh, dass ich meine Freundin Clara dabei hatte. Ich glaube, ich hatte noch nie Angst vor etwas, weil ich dabei sein wollte.“
Die zwölfjährige Lara fing 2011 mit dem Tanzen an: „Ich war damals aufgeregt. Aber ich habe mir gar nicht so viel gedacht dabei.“ Der Teamgeist untereinander sei schon extrem gut, sind sich die Mädels einig.
Für die VfR-Präsidentin Elke Tebartz, die 18 Jahre lang die Mädels betreute und neun Jahre Jugendwartin war, ist es faszinierend, wie sich die Gruppen über die Jahre von den ganz kleinen „Zwergen“ aus weiterentwickelt haben. Ihre eigene Tochter Sarah (15), die heute die ganz kleinen „Zwerge“ mitbetreut, fing „mit drei Jahren und einem Teddy“ bei den Minis an.
Auch die Trainerin erinnerte sich an ihre Anfänge bei den Minis vor 25 Jahren: „Ich wurde von meinen Eltern gezwungen, wollte die ersten zwei Jahre gar nicht kommen und hab nur geheult. Aber ich bin dann dabeigeblieben.“ Und sie hat den Spaß daran gefunden.
Die Trainingsarbeit mit den jungen Mädchen und Frauen macht Verena Hermens richtig viel Freude: „Ich würde das nicht so lange machen, wenn sie mich nicht ihrerseits motivieren würden und richtig Bock hätten, mitzumachen.“
Spagat, Radschlag und Taktgefühl
Spagat, Radschlag und Taktgefühl sollte man für den Gardetanz als Grundvoraussetzungen mitbringen. „Die Schritte kommen dann irgendwie – durch die Musik und das Tanzen. Wenn der Gardetanz einmal fertig ist, steht der dann halt“, erklärt die 30-Jährige, die inzwischen selber Mutter ist.
Alle, die mitmachten, seien heute „irgendwie mehr dabei und ehrgeiziger.“ Wenn sie ihren Teenys sage, „übe das oder das zu Hause, dann machen die das auch.“
Die Tanzarbeit werde immer anspruchsvoller, meint die 16-jährige Luise: „Es wird jedes Jahr um einiges schwerer. Die Figuren sind anders und es ist abwechslungsreicher geworden.“ Das sei dann auch die Herausforderung. Und bei den Turnieren will die Gruppe natürlich zeigen, was sie drauf hat.
Was sie für sich mitgenommen habe über die Jahre, das sei die Disziplin, die über das Tanzen kommt, versicherte Annkathrin Waerder (19): „Das ist eine Routine, ohne geht es nicht.“ Vor zwei Jahren wollte sie schon aufhören, „aber es ging nicht“. Dass sie freiwillig weitergemacht hat, hänge mit der „Liebe zum Tanzen“ zusammen – und den gemeinsamen Auftritten: „Man hat einfach dieses Glücksgefühl, wenn man auf der Bühne steht.“

Ein Knaller vor leeren Rängen

Dass ein amerikanisches Modern-Dance-Ensemble, das sich seit seiner Gründung 1994 einen weltweiten Ruf erarbeitet und auf verschiedenen Festivals zu sehen war, einmal den Weg in die niederrheinische Tiefebene finden würde, hätte kaum jemand für möglich gehalten.
Umso bewerkenswerter mutete die Verpflichtung der Rioult Dance Company aus New York an, die Bernd Pool und sein Stadtmarketing für die Spielzeit 2017 gewinnen konnten. „Wir waren davon überzeugt, das ist der Knaller“, sollte sich seine Einschätzung in der Hinsicht jedenfalls erfüllen. Allerdings war das Bühnenhaus bei der Vorstellung gerade mal zu einem Drittel gefüllt.
Was das elfköpfige Ensemble  vom französischen Choreographen Pascal Rioult auf den Brettern des  Bühnenhauses bot, stellte sich als  fulminante Symbiose zwischen Modern Dance und klassischer Musik verbunden mit dem Blick auf die Gesellschaft dar. Es begann mit der Anfangs-Choreographie „City“, wo  die Tänzer zu den Klängen von Bach und Leinwandszenen urbaner Gebäude das vitale Leben in einer Stadt verkörperten. Am Ende verschwindet die Menschenmenge auf der Leinwand, lösen sich die Tänze von der Masse und werden zum Individuum.  Zu Bachs „Wolhltemperariertem Klavier“ bewegen sich dann bei der „Polymorphous“-Choreographie bis zu vier schwarz-weiße Tänzer, deren Schatten anschließend von der Leinwand hinter ihnen reflektiert und vervielfältigt werden. Auf diesem Weg fügte die „Company“ den Bewegungen eine optisch-ästhetische Ebene hinzu.
Zum Highlight geriet „Wien“, das Rioult zu einer Metapher auf die Dekadenz und dem moralischen Sittenverfall einer Gesellschaft, der treibenden Lust der Jahrhundertwende, uminterpretierte.
Zu Maurice Ravels „La Valse“ bewegen sich die Tänzer mit rasend schnell im Kreis, wurden Opfer von Mord und Erniedrigung. Es entstanden faszinierende Bilder angelehnt an die Kunst, in einem Fall an Edvard Munchs Bild „Der Schrei“. Die Darbietung geriet so ausdrucksstark und elektrisierte das Publikum zum frenetischen Beifall.
Nach der Pause boten verschiedene Paare bei „Duets Sacred & Profane“ Choreographien der letzten 20 Jahre mit farboptischen Ideen. In der „Dream Suite“ zu Peter Tschaikovskys „Orchestersuite Nr. 2 in C-Dur“ stellte das Ensemble nochmal den Traum einer Frau dar, in dem Tiermasken, pastellfarben und zunehmend surreale Tanzformen den Ausdruck prägten.
Langhaltender Beifall belohnte ein außergewöhliches Erlebnis aus Bewegung, Musik und optischen Elementen. Alle, die dabei gewesen waren, zeigten sich tief beeindruckt.

Farbenfroh und hoch hinaus

Schon früh am Morgen war das Bühnenhaus erfüllt von elterlichen Stimmengewirr, kindlichen Herumtollen in bunten Kostümen und ersten Darbietungen. Ab 9 Uhr erlebten sechs Schülergarden Anfeuerung, Enttäuschung oder Freude für ihren Auftritt. Danach machten sich die Bambinis  auf die Bretter, die die (Tanz-)Welt bedeuten.
„Wir sind das ganze Jahr dafür dabei. Das ist ein guter Abschluss“, fasste die Trainerin der „Piccolinis“ der KKG Geldern, Katharina Schamberger, das Gefühl aller Akeure zusammen. „Es ist der letzte Auftritt für die, die in die nächste Gruppe gehen“, machte sie deutlich, dass das Ganze auch noch eine andere Nuance hat. „Ein schönes Gefühl, ist aber auch ein bisschen traurig“, sagte die siebenjährige Ameliaes, ehe sie mit ihrer Truppe letztmalig tanzte.
Anschließend zeigten die Jugend-Garden ihre Tanz- und Showfähigkeiten und deren Solotänzer ihre Künste, bevor es am Nachmittag mit den Hauptgarden und ihren Tanz-, Show und Solodarbietungen weiterging.
Insgesamt 89 Formationen, von Dülken bis Kleve, stellten sich dabei dem Votum einer fünfköpfigen Jury. Die Gruppe um die Kevelaer Tanzlehrerin Tanja Kocken bewerteten  Elemente wie Einmarsch, Schwierigkeitsgrad, Gesamtbild und Kostüme. „Die Beiträge sind sehr professionell, eine Entscheidung ist nicht einfach“, zeigte sie sich von den Darbietungen beeindruckt. „Die Organisation hier ist echt gut.“
Im vergangegen Jahr hatten die Verantwortlichen des VfR das Turnier erstmals ausgetragen. Die tolle Resonanz auf das Angebot habe den Impuls gegeben, dieses Turnier erneut auszurichten, unterstrich Organisationsleiterin Elke Tebartz. „Wir sind aber mit unseren Teams bewusst nicht dabei“, unterstrich sie den Unterschied, den man im Gegensatz zu anderen Turnieren hier gemacht hatte.
Höhepunkt des Tages waren die Auftritte der Hauptgarden, die mit  beeindruckenden Kostümen, spektakulären Choreographien, vom Flugpersonal über eine „britische“ Abordnung bis zum Circus, und viel Akrobatik punkten konnten. Beim Showtanz siegten schließlich die „Tanzwiesel“ des KVC Wesel mit ihrer „Liebe“-Choreographie. Ein Sieg, der für das gesamte Team angesichts schlechterer Ergebnisse früherer Turnier völlig überraschend kam: „Alle haben geweint und sind komplett aus dem Häuschen“, konnte  Trainerin Maike Pelzer ihr Glück kaum fassen.
http://www.kevelaerer-blatt.de/2-garde-und-showtanzturnier-des-vfr-blau-gold-kevelaer/

Auch mit nur einem Arm ist alles machbar

Mit einem Lächeln öffnet Anika Lindemans mit der linken Hand die Haustür: „Hallo.“ Sie verweist auf die beiden Hunde des Hauses, die auf ihren Gesprächsgast zugelaufen kommen. „Was zu trinken?“, schenkt sie behende ein Glas Wasser ein.
Anika Lindemans hat nur einen  Arm. An der rechten Seite existiert lediglich ein Stumpf und das bereits ihr ganzes Leben: „Ich war ein Frühchen und bin drei Monate zu früh geboren.“ Der Arm wurde ihr kurz  nach der Geburt abgenommen. Für die 18-jährige Fachabiturientin anscheinend kein großes Handicap: „Das war immer ganz normal für mich. Es ist schon etwas anderes, als wenn man ihn durch einen Verkehrsunfall verlöre.“
Die Reaktionen in ihrer Schulzeit bewertet Anika positiv. Kam mal ein blöder Spruch, was selten der Fall war, habe sie den ignoriert. „Die Kinder im Kindergarten haben gesagt, das wächst wieder nach. Denen ist es egal, ob du ein Bein ab hast, helle oder dunkle Haare. Die nehmen dich, wie du bist.“
Ähnliches erlebt sie heute im ersten Jahr ihrer Erzieherinnen-Ausbildung im Marien-Kindergarten. „Da kam ein Kind mit körperlicher Einschränkung zu mir hin und fragte mich, was das ist. Ich sagte ihm, ich habe nur einen Arm und es sagte später: ‘Cool‘.“
Wichtig für den selbstbewussten Umgang mit einem Arm zu leben, war der Umgang, den ihre Eltern mit ihr pflegten. „Die haben mich nicht in Watte gepackt, sondern mich alles machen lassen. Dass mir ein Arm fehlt, schränkt mich in keinster Weise ein.“
Entsprechend nutzt sie den Stumpf im Alltag ganz selbstverständlich mit, wie sie beim Öffnen einer Wasserflasche demonstriert: „Ich bin, wie ich bin , und verstecke mich nicht. Meine Eltern haben es mir nicht anders beigebracht.“
Beim Karneval sei sie von klein auf immer dabei gewesen, zumal der Vater bei den Swingenden Doppelzentnern musikalisch mitmischt und die ganze Familie karnevals­affin ist. „Es gab mal eine Phase zwischen 14 und 15, da hatte ich  weniger Lust, machte mehr mit Freunden. Aber vor zwei Jahren habe ich es wiederentdeckt.“ Da die ganze Familie gerne Karneval feiert, trat sie im letzten März geschlossen in den AGK Achterhoek ein: „Wir kannten schon welche aus dem Verein.“ Da Anika bereits früher bei einer Tanzschule aktiv war, trat sich auch gleich  mit ihrer 16-jährigen Schwester Vanessa der Achterhoeker Showtanzgruppe bei. Monatelang feilte das Team an der Choreographie, an dem Tanz und an der Inszenierung des „Märchens aus 1001 Nacht“, in der sie die Rolle der „Prinzessin Yasmin“ übernahm. „Ich finde den Verein einfach toll, auch die Mädels, das schweißt total zusammen“, freut sich Anika, dass alle auf das schauen würden, was sie beitragen könne und  nicht auf das, was ihr fehle. Sie mache die Schritte, die die anderen auch vollziehen.
Kurz darüber nachgedacht, wie es sein würde, in der ersten Reihe mit zu tanzen, hatte sie schon. Aber die Skrupel wären gleich beim dem ersten Auftritt verflogen.  „Da überlege ich nicht mehr, ob ich vorne oder hinten stehe. Und wir haben Positionswechsel gemacht“, erinnert sie sich. Der Applaus und der Beifall für die Darbietung habe die gesamte Gruppe in ihrer Arbeit bestätigt.
Dass sie von den Mädels und dem Verein so gut aufgenommen und akzeptiert worden sei, freue sie schon. Das gemeinsame Tanzen mache sie „total glücklich“, die Auftritte wie bei der Kappensitzung in Achterhoek seien „ein tolles Erlebnis“ gewesen. Da seien Leute auf sie zugekommen, um zu sagen: „Toll, dass du dir das zutraust.“
Am Samstag, 11. Februar, ist die Showtanzgruppe auf der Kevelaerer Jakobussitzung dabei. Am 17. Februar tritt sie in Geldern-Kapellen auf. In den nächsten Jahren will sie weiterhin in der Truppe engagiert mitwirken. Vielleicht könne sie mit ihrem Beispiel ja sogar „andere ermutigen, die denken, die macht das gerne, egal, ob da was fehlt oder nicht.“