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Keine Trainer, kein Zuschuss und fast auch keine Kassiererin

Rund 80 Mitglieder vom SV Union Wetten trafen sich zur Jahreshauptversammlung auf dem Sportplatz. Dabei unterstricht der Vorsitzende Manfred Nilkens in seinem Geschäftsbericht: „Wir sind ein Breitensportverein, der sich nicht nur über Fußball definiert, sondern in allen Bereichen hervorragend aufgestellt ist.“

Bei der Gymnastik habe man fünf Gruppen, darunter auch eine Kinderturngruppe. Das Seniorenturnen werde gut angenommen. Es gebe noch eine Einradgruppe. Einige hätten da den Schritt sogar nach Kervenheim gemacht. Tischtennis laufe seit Jahren problemlos. Und Tennis habe mit gut 150 Mitglieder aktuell einen echten Boom erfahren. „Wir waren vor fünf Jahren schon dabei, aus dem dritten Platz ein Kunstrasenfeld zu machen. Der Bagger war schon bestellt. Wenn man sieht, was da mittlerweile los ist, kann man sagen: Der Tennis lebt in Wetten auf.“

In das „Problemkind“ Lauftreff versuche man, „mehr Aktivität reinzukriegen, damit er nicht ganz verschwindet.“ Immerhin hätten sich mit Verena Roos, Celina Wanders und Anne Baumgartel drei Mitglieder gefunden, die die Gruppe „am Laufen halten“ wollen. Beim Volleyball gebe es keine aktive Seniorenmannschaft mehr, aber genug aktive Hobbymann-schaften. Bei der Jugend gebe es ein kleines Loch, weil die Mädels zum Fußball abgewandert seien.

Dort habe die erste Männer-Mannschaft in Sachen Klassenerhalt von Corona profitiert und die zweite Mannschaft eine gute Saison gespielt. Die Damen hätten ungeschlagen den Aufstieg in die Bezirksliga geschafft. Anschließend wurden die Leiter der einzelnen Abteilungen turnusgemäß in ihren Ämtern bestätigt.

Nach dem recht positiven Kassenbericht 2019 und der Ehrung der Jubilare standen die Wahlen zum Vorstand an. Da gab es zweimal keine Überraschung: Mike Lemanczyk wurde als zweiter Vorsitzender ebenso wiedergewählt wie Geschäftsführer André Peters. Für die ausscheidende Kassiererin Anne Heilen fiel die Wahl auf Verena Luig. Und Anne Baumgartel ist jetzt für die Mitgliederverwaltung zuständig.

Wetten ist leer ausgegangen

Manfred Nilkens ging danach auf die Sportplatzsituation ein, die „seit Jahren sehr sehr schlecht“ sei. Mit der Stadt Kevelaer habe man einen Antrag auf den Neubau eines Kunstrasenplatzes, der Reparatur des Rasenplatzes und einer neuen Damen-Umkleide gestellt. „Wir hatten zudem mit der Bezirksregierung einen guten Termin, wo uns suggeriert wurde, das sei alles kein Problem. Leider kam Corona, und der Topf, wo die Anträge eingegangen sind, wurde auf sechs Millionen heruntergeschrumpft.“ Dieses Geld sei für die sogenannte „Landentwicklung“ schon mehrfach überzeichnet gewesen und Wetten sei leer ausgegangen.

Corona bedingt habe dann die Bezirksregierung den Topf „Sportstätten und Stadtentwicklung“ aufgemacht. Abgabetermin für den Antrag sei der 15. Oktober. „Da sind wir mit der Stadt unterwegs. Den Antrag werden wir mit Kevelaer stellen.“ Der Vorteil wäre, dass „der Topf bis zu 90 Prozent ausschüttet. Da kämen auf uns geringe Eigenleistung zu.“

Der Zustand des Trainingsplatzes sei aber „eine Katastrophe“. Der Rasenplatz sollte dieses Jahr repariert werden. Dafür standen 85.000 Euro im Haushalt der Stadt. „Auch da ist durch Corona die Baumaßnahme nicht durchgeführt worden. Das heißt, der Rasenplatz ist immer noch kaputt“, konstatierte Nilkens. Jetzt beginne die Stadt wenigstens, die Drainage hinter dem Tor zu erneuern und mit einer Kamera in die Schächte zu schauen. „Gerade im hinteren Bereich sind die Drainagerohre kaputt oder zugesandet, läuft das Wasser nicht mehr ab.“

Die Stadt habe ein unabhängiges Gutachten erstellen lassen und Probebohrungen auf dem Rasen vorgenommen. „In den letzten Jahren ist er 15 Zentimeter gewachsen, durch dauerhaftes Sanden und andere Maßnahmen. Das heißt, eigentlich müsste dieser Platz 15 Zentimeter abgetragen werden, ein neue Drainage rein, neuer Rasen drauf. Wir sprechen also nicht mehr nur von Reparatur, sondern von Neubau eines Rasenplatzes.“

Die Kosten für so eine Maßnahme lägen bei zu 200.000 Euro. Dafür werde die Stadt kein Geld haben, „so dass wir als Union da ziemlich zwischen den Seilen hängen“, sagte der Vorsitzende. „Wir haben keinen Rasenplatz, einen kaputten Ascheplatz und zu wenig Umkleidekabinen. Wir hoffen, dass das durch den Zuschuss der Bezirksregierung gelöst werden kann.“

Katastrophal bezeichnete Nilkens auch die Situation der ehrenamtlichen Arbeit im Verein: „Wir haben in den letzten beiden Jahren fünf Elternabende durchführen müssen, um Trainer für einzelne Mannschaften zu kriegen.“ Er selbst habe 30 Eltern angesprochen. „Die 30 Ausreden kann ich euch nennen.“ Man benötige in Wetten „eine Aufbruchstimmung unter den Leuten, die jetzt Kinder in der Jugend haben. Die sagen, wir trainieren dreimal die Woche hier unsere Kinder.“

Man habe zwar viele alt-gediente Trainer, die seit über zehn Jahren aktiv seien, aber das reiche nicht. „Wir haben Kinder, die gerne Fußball spielen und betreut werden müssen, aber das funktioniert nur, wenn jeder überlegt, kann ich ein Jahr lang Trainer oder Betreuer machen. Ich hoffe, dass ein Ruck durch die Eltern geht.“

Schließlich gäbe es keinen Plan B mehr, machte Nilkens ganz klar. „Entweder melden sich Eltern oder die Mannschaft wird nicht gemeldet. So schlimm wie das für die Kinder ist, aber da gibt es keine Lösung mehr.“ Traurig sei auch, „dass es Eltern gibt, die ihre Kinder in Wetten abmelden, weil es hier angeblich nicht so gut ist.“ So habe man in diesem Jahr keine C-Jugend mehr, „weil mittlerweile acht Kinder in Winnekendonk spielen. Da kann ich nur sagen: Probleme kann man lösen, indem man miteinander redet und selbst versucht, das Problem anzupacken.“

Es sei leicht zu sagen, „der Trainer ist schuld, der hat meinen Sohn beleidigt, zu hart angepackt oder der lässt meinen Sohn nicht au der Position spielen, wo er spielen muss.“ Das habe er von zwei Eltern so gehört. „Ganz ehrlich: Da fehlt mir jegliches Verständnis dafür. Ich finde das persönlich traurig“, richtete er den Appell an die Eltern: „Kehrt in euch, macht einen Jahr Trainer, dann wisst ihr, wie schwer es ist, mit Jugendlichen zu arbeiten.“

Früher kam der Trainer direkt hinter dem Vater

Zu seiner Fußballzeit „kam der Trainer direkt hinter dem Vater, da hatte man Respekt und das war was Besonderes. Heute müssen sich Trainer für Sachen verantworten, das geht gar nicht“, bekam Nilkens für seinen Appell Beifall aus dem Plenum.

Aus dem Kreis kam der Vorschlag, einen Schülerobmann zu benennen, um den Vorstand zu entlasten, der diese Aufgabe zusätzlich zu seiner normalen Arbeit übernimmt. Nilkens stimmte dem zu. Es gebe auch eventuell einen Kandidaten. „Das ändert nichts daran, dass viele Eltern in der Bequemstufe sind“, ärgerte sich Nilkens.

Auf Unmut stößt bei ihm auch die Tatsache, wie lange es gedauert habe, bis man eine Person gefunden hatte, die sich für das Amt der Kassiererin zur Verfügung stellt. „Alle wissen seit einem halben Jahr, dass sie ausscheidet. Wir haben so viele angesprochen.“

Ähnlich zäh sei die Resonanz auf die Zusammenstellung eines Festausschusses für die 100-Jahr-Feier des Vereins. „Das war auch da sehr schwierig. Bei 1.000 Mitgliedern denken viele: Warum ich?“ Der Verein wolle jetzt schon einmal seine Hausaufgaben machen und die Planung aufnehmen. Ob die Feier dann 2021 oder 2022 stattfinden kann, „das weiß heute keiner.“ Es wäre in jedem Fall „toll, wenn sich noch zwei, drei Leute melden würden“, sagte er. Kreative Gestaltungsideen können an den Vorstand oder den Festausschuss gerichtet werden.

Stefan Claeßen, der die Chronik für das Jubiläum erstellt, forderte alle Mitglieder auf, sich bei ihm zu melden, wenn sie Fotos, Berichten oder Anekdoten parat haben. „Die Chronik soll Mitte 2021 fertig sein“, sagte er.