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Überraschung an der Haustür

Gut ein Dutzend Mitglieder des Twistedener Martinskomitees und der Bürgerschaft kamen   auf dem kleinen Parkplatz an der Dorfstraße zusammen. „Wir verteilen die Tüten an die Senioren hier in der Ortschaft. 104 Stück sind es geworden“, erläuterte der Vorsitzende des Martinskomitees, Theo Winkels.

Die Helfer schoben die beiden Rollwagen mit den Tüten – gefüllt mit Plätzchen, Marmorkuchen und anderen Leckereien – aus dem Aufbewahrungsraum. „Voriges Jahr hatten wir 100. Die Tüten sind hier von dem Eigentümer Zaykowski gepackt worden“, so Winkels.

Nach und nach nahm jeder einen Teil der Tüten an sich, packte sie ins Auto oder auf den Bollerwagen. „Unsere Schriftführerin hat die Bezirke aufgeteilt. Dann wissen wir, wo wir hin müssen.“

Da staunte mancher Mitbürger nicht schlecht, als es plötzlich eine Martinstüte an der Haustür gab.

Bernd Janssen und sein Sohn (14) machten sich mit ihren Tüten auf den Weg. „Wir machen das Fußläufige. Ich mache das seit über zehn Jahren fürs Dorf, die Senioren, die Kinder. Das bereitet Freude, das ist das Wichtigste.“ Sein Sohn konnte da nur zustimmen. „Die hab ich auch gekriegt in der Grundschule. Deswegen helfe mich auch mit.“

Daniela Mottweiler zog mit ihrem Handkarren los. Sie sei das dritte oder vierte Mal jetzt dabei. Ihre Motivation seien „die glücklichen Menschen, die man damit erreichen kann. Schade, dass wir dieses Jahr nicht mit ins Haus können, um Zeit mit den alten Leuten zu verbringen.“

Denn coronabedingt gab es für die Verteilung die klare Maßgabe, die Winkels so zusammenfasste. „Schellen, an der Tür abstellen und Tschüss bis nächstes Jahr.“

Tatsächlich gab es an den Türen dann ab und an doch noch die Gelegenheit, wenigstens mit deutlichem Abstand ein paar Worte zu wechseln, zum Beispiel an der Tür von Käthe Haas auf der Gerberstraße, wo Christian Winkels und Theo Winkels klingelten. Die Mitbürgerin war angesichts des Besuches ganz erstaunt. „Da habe ich nicht mit gerechnet, weil ja auch kein Umzug ist . Und es ist ja auch nicht gesammelt worden. Das ist jetzt doppelt schön.“

Nebenan nahm Martina van Elten die Präsente freudestrahlend entgegen. „Das kriegen jetzt meine Eltern, Lisbeth und Johannes Brouwers. Sie sind 90 und 91 Jahre alt . Die haben damit kein bisschen geerchnet. Der Martinszug fällt aus, da gibt es keine Tüten, dachten wir – aber so ist alles gut.“

So konnten die Aktiven trotz ausgebliebener Haussammlung ihren Mitmenschen eine Freude bereiten. Und Theo Winkels gibt sich optimistisch, dass das mit Corona „Mitte des Jahres“ vorbei ist und St Martin 2021 als ein „Highlight des Jahres“ wieder so wie sonst gefeiert werden kann.

Ein bisschen St. Martin ist so angekommen

Eine große Überraschung gab es in den Seniorenheimen. Das KvGG und die Gesamtschule verteilten an die Altenheime der Stadt knapp 300 Martinslaternen.

So wurde Marcel Robens bereits erwartet, als er auf dem Balkon des Winnekendonker Katharinenhauses mit drei großen Körben eintraf. „Echt klasse“, war nicht nur Claudia Püschel vom sozialen Dienst der Einrichtung erfreut. Auch die Bewohner der Alteneinrichtung strahlten über das besondere Geschenk, das ihnen an diesem Tag gebracht wurde. Hannelore Nesceri (92) freute sich, eine der selbstgebastelten Lampen zu erhalten. „Das ist sehr schön, ich habe auf die Kinder gewartet“, war sie ein wenig traurig, dass diese nicht mitdurften.

„Der Sankt-Martinszug fällt ja aus in Kevelaer. Einfach zu sagen, dieses Jahr geht nichts, war für uns keine Option“, erläuterte Marcel Robens, Lehrer am KvGG und Mitinitiator der Aktion.

„Von der Bürgerstiftung Seid einig kam der finanzielle Support für die Idee, dass die die fünften und sechsten Klassen des KvGG und der Gesamtschule Lampen basteln“, erläuterte Marcel Robens. So solle etwas Freude in das durch Corona beeinträchtigte Leben der alten Menschen gebracht werden. „Der Gedanke des Teilens kann in diesem Jahr besonders gelebt werden. Und dass die Kinder in diesem Jahr an die denken, die besonders zu kurz gekommen sind“, sagt Robens. „Deswegen haben die Kinder auch mit entschieden, dass sie das unterstützen wollen. Sie haben alle fleißig gebastelt und schenken die Lichter den Seniorenheimen.“

Ursprünglich war vorgesehen, die insgesamt gut 300 Laternen, die Schüler der Gesamtschule und des KvGG in den vergangenen Wochen gebastelt hatten, möglichst zeitgleich an die Altenheime zu übergeben.

„Wir als KvGG haben das Katharinenstift, das Elisabeth-Stift und die Demenzgruppe. Die anderen drei Einrichtungen, Regina Pacis, Clemenshaus und das Josefs-Haus in Wetten, hat die Gesamtschule übernommen.“ Doch dann kam die zweite Corona-Welle und die besonderen Maßnahmen für den Monat November.

Es sei bedauerlich, dass weder die Schüler noch die Musikvereine der Ortschaften, die sich allesamt dazu bereiterklärt hatten, mit einem Martinsständchen ihren Beitrag zu der Aktion zu leisten, sagte Robens. „Alle wären sehr gerne mit dabei gewesen. Aber da jetzt fast nichts in der Öffentlichkeit erlaubt ist, mussten sie schweren Herzens sagen, dass es nicht geht.“

Doch auch die so vorbeigebrachten Lichter rührten an das Herz der Bewohner und der sie umsorgenden Menschen. „Die Idee fanden wir ganz super“, sagte Claudia Püschel, die mit ihrer Kollegin Monika Behrens die Lichter auf den Stockwerken verteilte. „Dass die Kinder das mit uns teilen, ist ganz toll.“

Man werde „im Rahmen unserer Möglichkeiten“ auch versuchen, St. Martin zu feiern. „Wir werden die Laternen auf den Tisch stellen und diese großen Fensterbilder, die wir vom Pastor Boymann noch haben, aufhängen, weil der Kindergarten kommt und durch den Bürgerpark zieht.“

Diese Aktion bedeute gerade in dieser Zeit eine Menge, ergänzte ihre Kollegin Monika Behrens. Denn die Zeiten seien nicht einfach, die Bedingungen änderten sich immer wieder. „Das bringt ganz viel Helligkeit hier rein und hebt die Stimmung, ist ein fröhlicher Anblick. Das sieht man ja. Die freuen sich total. Ein bisschen St. Martin ist so angekommen.”

Kevelaerer Martinsaktion für die Flüchtlinge in den Zeltlagern

Im Klarissenkloster können noch einmal warme Decken abgegeben werden – noch vor Weihnachten sollen die Hilfsgüter vom Niederrhein dann in den Flüchtlingslagern ankommen.

Der St. Martinszug ist vieler Orten am Niederrhein abgesagt. Nicht aber die großartige Geschichte des Teilens, die mit dem Heiligen Martin verbunden ist.

Und so folgen jetzt alle Kirchengemeinden Kevelaers, die Pfadfinder vom Stamm Hartefeld, die Kita Kruepasch in Issum, die Steyler Schwestern, die Sonsbecker Emmaus-Gemeinschaft und auch wieder die Kevelaerer Klarissen dem neuerlichen Aufruf der Stiftung „Aktion pro Humanität“ (APH) und der Organisation Human Plus e.V. in Nettetal, für den nun nahe kommenden Winter noch einmal Decken zu sammeln für die Menschen in den Zelt-Flüchtlingslagern in Griechenland und in Syrien.

Die ersten Aktionen von Hilfslieferungen vom Niederrhein vor wenigen Wochen und aus der Zeit gerade zu Beginn des Corona Lockdowns im ersten Jahresdrittel 2020 sind nun abgeschlossen – alle gespendeten Sachen sind verteilt. Die Decken wurden in den Flüchtlingslagern Dar Alama und Almadrasa in der Region Killi, zwischen Idlib und Aleppo in Syrien, dankbar angenommen.

Nun startet Teil 2 der Aktion. Vom Martinstag an können eine knappe Woche lang – bis Mittwoch, 18. November – wieder wärmende Decken und Schlafsäcke (bitte gewaschen) und auch Isomatten bei den Klarissen in Kevelaer (St. Klara Platz 2) abgegeben werden. Bitte keine Steppbetten oder Kleidung abgeben – die Menschen in den Flüchtlingslagern brauchen dringend Decken, um sich gegen die Kälte in den Zelten schützen zu können. „Decken sind wesentlich praktikabler als Oberbetten mit Daunen, weil Decken schneller wieder trocknen können, wenn sie nass wurden“, so APH-Vorsitzende Dr. Elke Kleuren Schryvers.

Die Sammelaktion wird wieder maßgeblich von den Klarissenschwestern in Kevelaer getragen. Sie sammeln und verpacken die Decken. Von der Aktion pro Humanität wird dann der Zuliefertransport nach Nettetal durchgeführt. Von dort geht die wärmende Fracht dann in der ersten/zweiten Dezemberwoche an die Bestimmungsorte in Griechenland und Syrien.

„Vor Weihnachten könnte dann die Verteilung noch stattfinden“, so Anaestis Ionnaidis von der Organisation Human Plus in Nettetal. Er koordiniert die LKW-Transporte in diese Regionen.

St. Martin reitet nicht durch Winnekendonk

Die Verantwortlichen des Martinskomitees Winnekendonk haben beschlossen, auf alle Feierlichkeiten und Aktivitäten am St. Martinstag zu verzichten. „Wir sehen uns außer Stande, das hohe Personenaufkommen mit einem greifenden Abstands- und Hygienekonzept zu steuern“, heißt es seitens der Verantwortlichen. Das gilt nicht nur für die Veranstaltung selbst, sondern auch für die ehrenamtlichen Helfer, die die Haussammlungen durchführen, die Tüten packen und im Ort verteilen. Deshalb werden auch die Haussammlungen in diesem Jahr nicht durchgeführt.

Die Entscheidung wurde getroffen, um die Gesundheit aller ehrenamtlichen Helfer sowie die der Bürger zu schützen. Vor diesem Hintergrund appelliert das Martinskomitee an das Verständnis aller Beteiligten und hofft, dass in 2021 alles wieder nach bekannter Tradition stattfinden kann.

Die Kindergartenkinder und die Kinder der Overberg-Grundschule erhalten einen Weckmann. Die Weckmänner der Grundschule werden durch den Förderverein überreicht. Die Kosten hierfür übernimmt das Martinskomitee. Die Bewohner des Katharinenhauses erhalten ebenfalls einen Weckmann.

Das Komitee würde sich freuen, wenn am Tag des geplanten Umzugs (14. November) die Winnekendonker Bürger eine leuchtende Fackel ins Fenster oder in den Vorgarten stellen, um an St. Martin und den damit verbundenen Brauch zu erinnern.

St.-Martins-Aktion: Mit Laternen gegen die Einsamkeit

Ganz vertieft arbeiteten die Kids der sechsten Klasse an diesem Vormittag mit an den Laternen. „Das ist aus Transparentpapier, da kommt eine Kerze rein, aber keine echte“, klärte mich die elfjährige Shikha über die Gestaltung des Objekts auf. „Lila fand ich gut“, meinte sie zu der Farbe. Auch die zwölfjährige Jacqueline hatte ihren Spaß bei der Gestaltung. „Ich finde die Idee ganz gut“, meinte sie. Und Mitschüler Ole klärte auf, um was für eine Idee es sich handelt. „Wir schicken diese Laternen zu drei Altenheimen, damit sie halt auch was für St. Martin haben.“ Marcel Robens als Lehrer und Mitglied der Bürgerstiftung „Seid einig“ hatte die Aktion mit initiiert und durfte die Aussage des Jungen präzisieren. „Wir können alle Altenheime in Kevelaer mit Laternen beschenken.“

Er erläuterte, wie das Ganze entstanden ist: „Das kam auf bei einer Vorstandssitzung der Bürgerstiftung.“ Man habe seitens der Stiftung ja immer das Anliegen, Bürger zu unterstützen. „Wir haben im Frühjahr die ‘Tafel’ unterstützt – und als die Kirmes ausfiel, haben wir dazu aufgerufen, das Geld zu spenden oder in Lebensmittelgutscheine umzuwandeln“, nannte er Beispiele. Als es um die Frage St. Martin ging, habe man von sich aus überlegt, „wie wir wen da unterstützen können.“ Und da dachte er spontan an seinen Job als Lehrer, hatte eine Eingebung. „Es gibt in diesem Jahr so viele Menschen, die isoliert leben müssen. Wir machen in diesem Jahr bei uns die Laternen in den Klassen fünf bis sechs und schenken sie den Altenheimen.“

Gesagt, getan. Die eigene Schule zog mit, und der Gesamtschule schlug er das Projekt auch zur Umsetzung vor. „Wir versuchen eh, als weiterführende Schulen da gemeinsam Dinge zu machen. Und die Kollegen haben sofort gesagt, jawoll, machen wir mit.“ Denn die Feste seien wichtig für die Gemeinschaft, „das merken die Senioren jetzt nochmal mehr, wenn es auf Weihnachten zugeht.“ Denn sie leiden aufgrund der Einschränkungen ja besonders  unter der Corona-Situation. Und St. Martin sei halt „die klassische Einstimmung auf die Weihnachtszeit.“

Die sechste Klasse beim Basteln.

Es sei wichtig, „dass wir den Slogan „Kevelaer hält zusammen“ weiter fortsetzen. Wir wollten den Charakter des Teilens von St. Martin da stärken. Und es ist Zeit, ein Zeichen zu setzen, dass wir an die Älteren denken.“ Und so bastelten die Kids am letzten Schultag und können in den Ferien zu Hause weiter machen.

Musikvereine machen mit

Ergänzend dazu fragte Stefan Jansen, der Vorsitzende der Bürgerstiftung und zugleich auch beim Spielmannszug der Feuerwehr aktiv, bei seinen Leuten und den anderen Musikvereinen an, ob man so eine Aktion wie ein paar Monate zuvor, als die Musikvereine alle vor den Altenheimen spielten, nochmal wiederholen könnte.

„Alle haben begeistert zugestimmt, so dass sie sich jetzt vor die jeweiligen Altenheime stellen und dazu Martinslieder spielen werden“, so Robens. Die Übergaben der Laternen mit Musik sollen alle möglichst zeitgleich in den einzelnen Ortschaften am 9. November stattfinden. Das Martinskomittee Winnekendonk will das gemeinsam mit den Initiatoren fünf Tage später durchführen.

Robens geht davon aus, dass bei der Erstellung der Laternen noch ein paar übrig bleiben werden. Aber auch dafür hat er schon einen Plan. „Dann beschenken wir die Demenzgruppe, das Krankenhaus und eventuell auch das Hospiz mit denen, die übrig sind.“.

Auch in Wetten leuchteten die Laternen

Am vergangenen Freitag bildete der St. Martinszug in Wetten den Abschluss der Martinszüge in Kevelaer und Kevelaers Ortschaften. Auch hier zeigte sich, dass sich die Kinder wieder kreativ ausgelebt hatten. Vom Maulwurf aus einer PET-Flasche über Laternen mit unterschiedlichen Herbstmotiven bis zur Maus aus der „Sendung mit der Maus“ gab es wieder viel Selbstgebasteltes zu sehen. Die Laternen begeisterten auch schon beim Lichterfest in der Grundschule einen Tag vorher. Hier konnten sich die Kinder vergewissern, dass die Laternen bei den Bürgern auch gut ankommen.

Dem Zug durchs Dorf folgte die Vorführung der Martinsgeschichte am Martinsfeuer. In der Geschichte teilt der heilige Martin seinen Mantel, um eine Hälfte einem armen Bettler zu geben. Kinder, Eltern und viele der Dorfbewohner versammelten sich dazu um das Feuer und lauschten zum Abschluss den Worten, die „St. Martin“ an sie richtete. Er appellierte mit Blick auf die gute Tat des St. Martin an die Kinder, „einander zu helfen und füreinander da zu sein.“ Einen großen Dank richtete er an diesem Abend an die Feuerwehr, das Martinskomitee und an die Wettener Bürger, „die zum Teil sehr schön geschmückt haben.“

Die Kinder brachten ihr Dorf zum Leuchten

Schon von außen war sichtbar, was den Besucher an diesem Abend in der Wettener Grundschule erwartete: die Bäume wurden mit Strahlern ausgeleuchtet, eine künstliche „Flamme“ loderte nahe der Eingangstüre. Und in den Schulklassen selbst herrschte eine ganz besondere Atmosphäre. Denn in den verschiedenen Räumen strahlten helle Martinslichter in unterschiedlicher Gestalt und Form, die von den vier Schulklassen der Grundschule erneut in liebevoller Kleinarbeit über mehrere Wochen gebastelt worden waren.

Schulleiterin Anna Molderings begrüßte die Schüler sowie Eltern und stimmte zum Einstieg mit allen ein Martinslied an. „Die Kinder haben bestimmt vor vier, fünf Wochen schon damit angefangen. Damit haben sie sich auf den Martinszug und die weihnachtliche Zeit schon eingestimmt.“ Erkennbar sei schon, „wie aufgeregt sie sind, weil die Lichter noch keiner gesehen hat.“ Es sei natürlich auch ein Wunsch, „dass die Kinder auch immer Verwandte mitbringen.“

Gemütlichkeit ins Haus bringen

In den Schulräumen konnten die Erwachsenen dann schauen, welche Ergebnisse die Bemühungen der vergangenen Zeit mit sich gebracht hatten. „In der Jahreszeit wird es schnell dunkel. Damit bringen die Kinder Gemütlichkeit ins Haus und tragen es nach draußen“, bewunderte Christine Steeger die Arbeit ihres siebenjährigen Patenkindes Anton in der zweiten Klasse. „Er war stolz, dass wir alle hingehen und uns die Lampen anschauen“, ergänzte Antons Mama Andrea Drews.

Für großes Erstaunen und Bewunderung sorgten diesmal vor allem die „Maulwürfe“ in der PET-Flasche, die die vierte Klasse entworfen hatte. „Man weiß ja, dass die Kinder kreativ sind – aber sie übertreffen es jedes Mal“, fand Anna Madry die angefertigten Lichter in dieser Form klasse. Und ihre sechsjährige Tochter Alina hatte mit den Mitschülern die dazugehörige „Maus“ kreiert. „Die erste und vierte Klasse haben gemeinsam überlegt – auch weil die Viertklässler die Patenschaft für die erste Klasse übernommen haben und jeder für ein Kind zuständig ist“, erläuterte Schulleiterin Anna Molderings .

Glühwein und Würstchen

Da sei es logisch gewesen, dass dem Maulwurf nun mal die Maus aus der gleichnamigen Sendung folgen würde, ergänzte Amelie Boersma, die die erste Klasse betreut. „Frau Leisten und ich haben gesucht – und wir fanden die beiden Lampen einfach süß.“ Bei einem Gläschen Glühwein und Würstchen stimmten sich auch die „großen“ Besucher auf die besinnliche Zeit ein. „Das ist eine tolle Sache. Das bringt schon vor dem Martinszug Atmosphäre in die Ortschaft“, fand Ortsvorsteherin Beate Clasen.

Und auch wenn er keine Enkel an der Schule hatte, ließ es sich der Wettener Festkettenträger Johannes Croonenbroeck mit seinem Adjutanten Heinz Gipmans nicht nehmen, die Lichter-Kunstwerke anzusehen. „Das ist ja für uns Pflichtprogramm“, machte er deutlich und meinte, dass sowas für ihn als Kind auch schön gewesen wäre. Er verband das Ereignis mit einem Wunsch für die kommenden Tage: „Dass wir weniger Stress haben, uns nicht so bewegen, als wären wir auf der Flucht – und alles ein bisschen entspannter angehen.“

Bunte Lichter, gutes Wetter und glückliche Kinder

Vom Dorfplatz aus machten sich die vielen Kindergarten- und Grundschulkinder mit ihren Betreuern und Lehrern, den Eltern und Musikgruppen auf den Weg durch die Ortschaft.

„Schöner als heute Abend kann es nicht laufen – für uns und für die ganze Gemeinde. Das ist einfach nur herrlich, wenn man hier durch die Straßen zieht“, durfte Theo Winkels für das Twistedener Martinskomitee am Ende zufrieden feststellen. „Das Wetter spielt mit – herrlich.“

Am Mittag hatten die Helfer noch 370 Tüten für die Kinder gepackt – gut 100 Tüten hatten die Dorfbewohner über 80 Jahren am Vortrag erhalten. „Die warten dann schon mit Wasser, Kaffee und Schnäpschen und haben sich sehr gefreut“, meinte Winkels.

Flankiert von 35 Feuerwehrmännern mit Fackeln marschierten Groß und Klein entlang der Häuser, die schön ausgeleuchtet waren. „Wir wohnen erst seit zwei Jahren hier, letztes Jahr war er noch zu klein“, genoss Vanessa van den Hövel mit ihrem einjährigen Sohn Max das Schauspiel. „Eine sehr schöne Atmosphäre“, fand sie.

Die „Spürnasen“ des St. Quirinus-Kindergartens sangen auf dem Weg fleißig die Martinslieder mit. „Wir haben aber zwei Kapellen, da kriegen wir zweimal mit, welche Lieder gesungen werden“, umschrieb Erzieherin Betti Brünken, warum das nicht so einfach war.

Auf das Martinsfest habe man die Kinder umfassend im Vorfeld eingestimmt. „Wir erzählen die Geschichte, haben für jede Gruppe die Rollenspiel-Kostüme angeschafft, wie das Steckenpferd und Bettlerkostüm mit geteiltem Mantel, den Römerheld – also die Geschichte haben die Kinder gut drin.“

Und auch in Sachen Lichter zeigten sich die Kindergarten- und Grundschulkinder von ihrer kreativen Seite – ob nun „Fledermaus“ oder „chinesischer Drachenkopf“, die Motive waren durchaus ungewöhnlich, originell und sahen im Licht des Abends richtig gut aus.

Am Straßenrand schenkte die Schützenkönigin Claudia Reifenberg am Haus des Ministers Michael Brünken Glühwein aus. „Der Sohnemann hat den Laser angemacht“, sagte Brünken und erklärte, wie die ständig wechselnden Lichtbilder an der Hauswand entstanden.

Klönen und mit den Kindern zusammen sein – das sei bei so einem Zug beides wichtig, bekannten Christine und Rolf Roosen. „Wir haben uns heute morgen beim ‚Helau‘ den Hals kaputtgeschrien – und jetzt kommt ein bisschen Sankt Martin obendrauf. Besser kann es kulturell nicht in einem Schuss laufen“, meinte der Präsident der Twistedener Karnevalsfreunde.

Auf dem Dorfplatz kam es dann zu der Szene, die die Martinsgeschichte ausmacht: Martin teilt für den armen Bettler, der um Hilfe fleht, seinen Mantel und legt diesen auf seine Schultern. Anschließend rang „St. Martin“ den Kindern das Versprechen ab, sich um ihre Mitschüler zu kümmern und im kommenden Jahr mit neuen, schönen Leuchten wiederzukommen, ehe er von dannen ritt.

Im Kindergarten ritt er dann noch einmal kurz ein – und danach erfolgte die Ausgabe der Martinstüten an die Kleinen, die sich von Herzen freuten. Und auch im IBC konnten die Kinder, die weder in der Grundschule noch im Kindergarten sind, mit ihren Eltern einige der Tüten abholen.

Laternen, Martinsspiel und singende Kinder

In Kervenheim wurde mit einem St. Martinszug der Geschichte des Samariter-Soldaten gedacht. Angeführt von St. Martin hoch zu Ross, zog der Tross von der Kervenheimer Grundschule aus mit vielen bunten Lampen und zahlreich singenden Kindern durch die Ortschaft.

Nach dem kurzen Martinsspiel am Feuer, das die Geschichte des Mannes nochmal sichtbar werden ließ, erfolgte wie immer die Ausgabe der Martinstüten an die Kinder an der Grundschule – und der gemütliche Ausklang für die Erwachsenen am Feuer bei Glühwein, Schmörkes und Grünkohl.

Foto: privat

Ein Meer aus Lichtern

Es war eine große Schar an Lichtern, die sich auf dem Schulhof der Winnekendonker Grundschule versammelte. Die verschiedenen Grundschulklassen hatten eine Menge fantasievoller Motive gebastelt – die 3b fiel mit ihrer „Kröte vor dem Winterschlaf“ besonders auf.

„Es soll ja was sein, was zur Jahreszeit passt“, meinte eine Mutter anerkennend. Der „St. Martin“ Franz-Josef Pellander begrüßte die Kinder auf dem Schulhof und berichtete dort von der guten Tat des Heiligen St. Martin, der seinen Mantel mit einem armen Bettler teilte.

„Er hat vielen Menschen geholfen, die in Not waren“, rief er die Kinder dazu auf, „gute Taten zu vollbringen, indem Ihr zum Beispiel Euren Mitmenschen und Nachbarn helft oder mit Freunden Spielsachen und Süßigkeiten teilt.“ Und auch die Erwachsenen bat er: „Geht Euren Kindern mit gutem Beispiel voran und zeigt ihnen, wie man anderen hilft.“

Anschließend zog der „mit neuer Perücke und neuem Bart“ quasi „runderneuerte“ St. Martin auf seinem Pferd mit den Kindern und Erwachsenen der Ortschaft durch Winnekendonk. Dabei wurden aus Leibeskräften Lieder gesungen, die Menschen am Straßenrand winkten der Kolonne zu und freuten sich über das zauberhafte Lichterbild, das sich ihnen darbot.

Claudia Püschel vom sozialen Dienst des Katharinenhauses zog mit einer Abordnung der Bewohner und Bewohnerinnen mit. „Wir haben zwei Wochen für die Lichter gebraucht, das hat allen Spaß gemacht“, erzählte sie und stimmte dann mit den älteren Damen und Herren gemeinsam das nächste Lied an.

Der „Sterntaler-Kindergarten“ zog mit seinen „Geister“-Lampen die Blicke der Menschen auf sich. „Das ist mal was anderes, hat auch was Gruseliges“, lachte Angelique Eckhold, die ihre viereinhalb Jahre alten Zwillingstöchter begleitete. „Mein erstes Licht war ein Krokodil – ich denke, ich war stolz“ kramte sie während des Marsches in eigenen Kindheitserinnerungen.

Das Martinskomitee hatte für sich den „Mond“ als Lichtermotiv ausgewählt. „Ich denke, dass der Mond zum Martin dazugehört“, meinte deren Vorsitzender Ulrich Völlings, der mit seinen Mannen im Vorfeld bezüglich der Geschenketüten wieder ganze Arbeit geleistet hatte. „Wir haben genau 1.145 Tüten gepackt – 420 für die Senioren und 725 Kindertüten“, sagte er. „1.200 haben wir ja meistens, aber es ist immer wieder beeindruckend.“ Der Anblick in dem Seitenraum der Grundschule war auf alle Fälle beeindruckend.

Am Ende des Weges versammelten sich die Grundschüler in den Klassen, um dort aus den Händen der Lehrerschaft die Martinstüten in Empfang zu nehmen. Das Martinskomitee hatte im Erdgeschoss gut zu tun, um dem Ansturm beim Tütenverteilen Herr zu werden. Und „St. Martin“ schüttelte die eine oder andere Kinderhand und machte die Kleinen mit einem gemeinsamen Foto glücklich.