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Wie feiern Kinder in Corona-Zeiten?

„Lasst uns froh und munter sein…“ Wer kennt dieses Lied nicht? Seit Generationen wird es laut und kräftig fast überall dort gesungen, wo sich kleine und große Kinder auf den Besuch des Heiligen Nikolaus freuen. Wer hätte je gedacht, dass es mal eine Zeit geben wird, in der dieses Lied nur gesprochen werden darf? „Das gemeinsame Singen fehlt uns allen sehr“, sagt Tanja Hornbergs, Erzieherin im St.-Marien-Kindergarten. Mit ihren Kolleginnen freut sie sich sehr, dass die Quarantäne vorbei ist, doch vermisst sie den frohen Klang der Kinderlieder. „Die Vorweihnachtszeit ist gerade für Kinder besonders schön und wertvoll. Wir beginnen diese besinnliche Zeit mit dem Fest Allerheiligen. Gemeinsam gestalten wir Kerzen, die wir vor der Pandemie in kleinen Gruppen zum Friedhof gebracht hatten.“ Auch wenn Ausflüge mit Kontakten im Moment nicht möglich sind, versuchen die Erzieherinnen, alle liebgewonnenen Traditionen zu pflegen.

Dazu zählt auch das Fest des Heiligen St. Martin. Statt eines Laternenzugs mit der ganzen Familie zum Forum Pax Christi und dem anschließenden Rollenspiel sowie dem gemeinsamen Pöfferkesessen, gab es in diesem Jahr eine durchaus spannende „Light-Version“. „Für die Kinder war es ganz interessant, die Mantelteilung auch mal im Hellen zu sehen“, erwähnt Irmgard Rütten. „Wir sind unseren Laiendarstellern Helmut Baers und Diethelm Heinrichs sehr dankbar für die jahrelange Treue. Da das Fest in diesem Jahr während des Regelbetriebs stattfand, opferten sie sogar einen Urlaubstag für uns.“

Die Kinder sollen trotz Covid-19 Erfahrungen sammeln

Teilen und an Nächste denken ist immer ein aktuelles Thema. Zu St. Martin ist es ein Brauch, Süßigkeiten aus der Martinstüte an andere zu verschenken. „In der Gruppe verschönern wir gefüllte Schuhkartons und geben diese an die Kevelaerer Tafel im Rahmen der Weihnachtspäckchenaktion weiter“, sagt Rütten. Mit dieser Geste werden Impulse gesetzt. Durch das direkte Handeln erhalten viele Aufgaben eine besondere Bedeutung. „Eine Orange selber geschält, gerochen und geschmeckt zu haben, ist etwas ganz anderes, als diese im Bilderbuch zu betrachten“, erklärt Beate van Heek. „Gerade in dieser ungewissen Zeit ist es uns wichtig, dass die Kinder die Erfahrungen rund um Weihnachten auf unterschiedliche Art erleben dürfen.“

Ob es viel Kraft kostet, eine Nuss zu knacken oder ob die Nadeln vom Adventskranz piken – bei all den Einschränkungen und Verboten während der Pandemie haben die Kinder Spaß daran, mit allen Sinnen viele Kleinigkeiten zu erleben. Anhand eines Zeitstrahls werden die Tage in der Adventszeit besonders hervorgehoben und auch die Kleinsten können so den Verlauf gut erkennen.

Gemeinschaftlich versucht das Team, den Tagesrhythmus den Corona-Vorschriften anzupassen und ist dankbar für die gute Zusammenarbeit mit den Eltern. „Unser Programm wird beibehalten, zwar etwas anders gestaltet, aber nicht gekürzt.“ Das gilt sowohl für die traditionellen wie auch die alltäglichen Abläufe. So werden zum Frühstück die Cerealien von den Erzieherinnen angereicht, wo vorher die Kinder ihr Menü selber zusammenstellen konnten. Beim Mittagessen im Petrus-Canisius-Haus ist es ebenso. Und hat ein Kind Geburtstag, darf es die Kerze wegen der Aerosole nicht auspusten. „Die Veränderungen werden von den Kindern sehr gut angenommen“, berichtet van Heek. „Ach ja – Corona! Höre ich schon mal, wenn ein Kind vergessen hat, sich die Hände zu waschen, aber dann wird dies nachgeholt und alles ist gut.“

Dass die Kinder die Regeln so leicht akzeptieren, spornt die Erzieherinnen an, trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen das Beste aus der Coronazeit zu machen. Eine komplette Schließung wie im Frühjahr wäre jetzt in der Adventszeit sehr schade, denn das beliebte Nikolausfest ist schon in Planung, und auch wenn alle auf das fröhliche Singen verzichten müssen, hoffen sie doch auf eine gemeinsame, schöne und besinnliche Adventszeit.

Bunte Lichter und Martinstüten

Die Martinskomitees machen in Kindergärten und Grundschulen trotz abgesagter Züge einiges möglich. Im „Sterntaler“-Kindergarten konnten die Kinder bei einem kleinen Martinsfest die Lichterwelt auf dem Gelände bestaunen und Gitarrenmusik lauschen.

An der Grundschule Overberg/St. Norbert in Winnekendonk und Kervenheim bastelte jeder der 240 Schüler in den Klassen an dem jeweiligen Standort zu St. Martin eine eigene Tischlaterne. Als „Lohn“ für diese besondere Mühe übergaben die Lehrer stellvertretend für St. Martin jedem Kind einen Weckmann und eine kleine „Schnuppspende“.

Natürlich wurde auch die Geschichte des Heiligen Martin erzählt, der als Soldat dem frierenden Bettler die Hälfte seines Mantels gegeben hatte und beschloss, ein Geistlicher zu werden. Die Schulleitung bedankt sich ausdrücklich bei den Sponsoren der Aktion – dem Martinskomitee, dem Förderverein und dem CHH Service.

Ein bisschen St. Martin gab`s doch

Unter der Woche hatten die Helfer des Martinskomittees Kervenheim im katholischen Pfarrheim jeweils mit zwei Personen abwechselnd die Tüten gepackt und sich dann mit 13 Personen auf den Weg gemacht, um die Tüten zu verteilen.

Von der örtlichen Bäckerei gab es den Weckmann. Dazu kam eine Tüte mit Beilagen, die das Martinskomitee Kervenheim zusammengestellt hatte. Gut 115 Tüten gingen an die Senioren des Ortes, 200 an die Kinder. „Das war möglich aufgrund der Spender aus Kervenheim und von dem „Förderverein Potthaus“, dankte der Vorsitzende des Martinskomitees, Bernhard Reintges, allen Aktiven und Spendern für die Unterstützung, so wenigstens „ein bisschen St. Martin“ möglich gemacht zu haben.

Angesichts der Pandemie hatte man sich im Vorfeld über diverse Alternativen zu der sonst üblichen Martinsfeier gemacht. Aber sowohl den Schülern die Präsente persönlich an der Schule zu übergeben als auch den Heiligen Mann mit einigen Musikern durch den Ort ziehen zu lassen, fand nicht die Zustimmung der städtischen Behörden.

Jeder der Aktiven hatte einen festen Bezirk, den er abfuhr, berichtete Hans-Gerd Ripkens, auch Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins Kervenheim. „Wir haben die bis vor die Haustür gestellt und geschellt.“ Alle hätten sich sehr gefreut. „Und die Alten waren zum Teil sehr überrascht davon.“

Die gute Resonanz sei die Bestätigung dafür, „es richtig gemacht zu haben und eine Motivation weiterzumachen“, unterstrich Bernhard Reintges. Er verband die Aktion mit einer großen Hoffnung: „Dass wir 2021 St. Martin wieder in der traditionellen Form durchführen können.“

„Ein kleiner Trost für den nicht stattfindenden Martinszug“

Auch der große Kevelaerer St. Martinszug fiel in diesem Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer. Wenngleich viele Fenster in der Wallfahrtsstadt mit Laternen geschmückt waren – ein Ersatz für das gewohnte Lichtermeer auf dem Peter-Plümpe-Platz war das sicherlich nicht. Einen „kleinen Trost“ hatte sich die Stadt Kevelaer daher für die Bürgerinnen und Bürger einfallen lassen. So erstrahlte das neue Rathaus am Dienstagabend in bunten Farben – pulsierende Elemente wechselten mit einem rot leuchtenden Herz. Auch das alte Rathaus wurde in die Show eingebunden.

Die Techniker strahlten auch das alte Rathaus an. Foto: eg

Die Idee zu der Installation sei in ihrem Team aufgekommen, erzählte Verena Rohde, Leiterin des Bereichs „Tourismus und Kultur“ der Wallfahrtsstadt. Die Techniker des Konzert- und Bühnenhauses, Matthis Zellmann und Simon Boetselaars, hätten das Vorhaben umgesetzt. „Die haben einiges auf der Pfanne“, fand Rohde charmante Lobesworte. Sie zeigte sich beeindruckt, in welch kurzer Zeit die beiden Stadtmitarbeiter das Projekt umgesetzt haben. Eine Ankündigung habe es bewusst nicht gegeben, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Rohde hofft, denjenigen, die die Lichtshow verfolgt haben, mit ihrem Team „eine kleine, bunte Freude in dieser Zeit“ bereitet zu haben. 

Ein Licht in der Dunkelheit

Im Rahmen der Aktion „Ein Licht in der Dunkelheit“ der Gesamtschule Kevelaer übergab die Abteilungsleitung I, Belgin Gür (links) selbstgebasteltete Fackeln an das Regina Pacis-Haus.

Vor allem Frau Küppers, Bewohnerin des Hauses (Mitte), freute sich sehr über den Gruß und darüber, dass an die Situation in den Alten- und Seniorenheimen gedacht wurde.

Foto: privat

St. Martin ritt allein umher

In Coronazeiten wurden auch die Martinszüge abgesagt. Doch die Schulen, Kindergärten und Martinskomitees ließen sich davon nicht beirren: Notfalls reitet der Heilige Mann eben alleine durch die Stadt und besucht danach die Kinder.

So bekamen die Kinder der Antonius- und der Hubertus-Grundschule Besuch von St. Martin. Gespannte Vorfreude war zu spüren, als sich die erste Hälfte der insgesamt 450 Schüler der Antonius-Grundschule im Klassenverbund mit Abstand auf dem Schulhof versammelten.

In der Hand trugen die Kinder jeweils die von ihnen und ihrer Klasse gestaltete Laterne mit dem entsprechenden Motiv. Der Vorsitzende des Kevelaerer Martinskomitees, Bernd Pool, beobachtete die Szenerie. „Wir wollten vor allem, dass in diesen Zeiten das Brauchtum St. Martin lebendig bleibt. Deswegen gibt es ja auch diese ganzen Aktionen drumrum.“

Der Schulrektor begrüßte dann nicht im stimmungsvollen Abendlicht, sondern bei strahlender Sonne alle Kinder, die ihre Lichter gemeinsam hochhielten. „Ich freue mich, dass ihr jetzt hier seid und finde es toll, was für wunderschöne Laternen ihr gebastelt habt.“ Anschließend wendeten sich die Augen der Kinder auf die Erscheinung auf dem Pferd, dass flankiert von zwei Dienern im besonderen Gewand auf den Schulhof kam.

St. Martin selber war von der Lampenvielfalt begeistert. Er lobte die Kinder und tröstete sie, weil es diesmal eben anders sei als sonst. Und natürlich ließ er sich nicht die szenische Aufführung „seiner“ Geschichte entgehen, die die Schüler der Klasse 4a vorbereitet hatten.

Dabei machte die Erzählerin die Bedeutung der Geschichte deutlich: „Teilen bedeutet hier, immer zu tun, was nötig ist. Wenn wir danach handeln , dann können wir jeden Tag vieles teilen. Wir müssen uns nur bemühen, zu erkennen, was unsere Mitmenschen nötig haben. Dann bist Du auch ein kleiner Sankt Martin.“

Alle Grundschüler bekamen danach in den Klassen Weckmänner und Martinstüten. Sie verlebten einen gemeinsamen Martinstag in der Schule mit Basteln und Frühstücken unter strengen Auflagen.

Nach seinem Besuch passierte der Heilige Mann auf seinem Pferd die Wochenmarkt-Stände und ritt über die Hauptstraße und die Basilika, reichte einzelnen Passanten kleine Präsente und bewegte sich dann Richtung Hubertus-Grundschule.

Mit ihren selbstgebastelten Laternen erwarteten die Schüler im Klassenverbund auf dem Schulhof den St. Martin.

Dort warteten schon die Kinder auf dem mit Hütchen und Bodenkennzeichnungen nach Klassen klar abgegrenzten Schulhof. Die Kinder waren am Morgen in eine mit Lichterketten beleuchteten Schule gekommen. „Wir wollten ihnen ein Gefühl von Feierlichkeit verschaffen, das Gemeinschaftsgefühl stärken“, erklärte Konrektorin Anke Batke. Die selbstgebastelten Lampen der Kinder standen als kleine Laternenausstellung auf den Fenstersimsen der Schulflure.

„Ihr dürft nicht singen, habt den blöden Mundschutz vorm Gesicht. Da müssen wir jetzt durch“, meinte Pastoralreferent Bastian Rütten, der eine kleine Morgenandacht gestaltete. Statt lautem Gesang gab es entsprechend der Auflagen Martinsmusik vom Band. „Das ist soviel anders“, fand er den passenden Ton zwischen religiös und kindorientiert-locker. Aber ich freue mich, dass wir hier als Schulgemeinschaft ein bisschen St. Martin feiern und uns erinnern, wer St. Martin für uns gewesen ist“, sagte er.

St. Martin selber konnte auf dem Schulhof aufgrund der Größe des Platzes sogar eine kleine Runde absolvieren. Er sah zudem zu, wie auch hier die Klasse 4a die Martinsgeschichte nachstellte. Nachdem er auch hier sein Bedauern für die Umstände zum Ausdruck gebracht hatte, wünschte er den Kindern von Herzen alles Gute, bevor er mit dem Martinslied vom Band verabschiedet wurde. Anschließend verteilten die Klassenlehrerinnen mit Hilfe von Kinder nder Klasse die Martinstüten in der jeweiligen Klasse.

Martinskomitee sorgte für volle Tüten

Eine besonders „schöne Atmosphäre“ konnte die Schulleiterin der St. Franziskus-Grundschule Twisteden, Tanja Kocken, anlässlich ihres St. Martin-Projekttages mit ihren Schülern erleben.

„Im Zuge des Projekttages haben die Kinder die Martinsgeschichte nachgespielt“, berichtete Kocken von einem sehr lebendigen Treiben. „Wir haben Filme gesehen, und alle Klassen haben kleine Tischlaternen gebastelt. Dafür haben wir eine Spende des Martinskomitees bekommen.“

Das Martinskomitee hatte am Vorabend auch die 115 Martinstüten vorbeigebracht, die sie für die Kinder zusammengestellt hatten. „Die waren richtig gut gefüllt, mit Weckmännern,  Mandarinen und Schokolade. Da gab es keinen Unterschied zu den Jahren davor.“

Die Tüten wurden auf den Schulhof plaziert. Jedes Kind ging dann klassenweise auf den Schulhof und durfte sich eine der Tüten mitnehmen.

„Gerade die Erstklässler sind mit vielen Regeln in die Schule gekommen. Die waren begeistert, wie Schule auch sein kann, ohne streng am Platz zu sitzen, zu basteln, Filmchen zu gucken und zu spielen. Das hat denen richtig gut getan.“

Dabei sei es zu richtig schönen Situationen gekommen. „Eine Kleine stand vor mir und fragte mich: Hat der St. Martin die denn gebracht? – Ich sagte, „Ja klar.“ Und sie: „Hast du ihn auch gesehen?“ Ich habe ihr erklärt, dass er nicht kommen darf. Das ist so süß, weil sie noch so an ihn glauben.“

Und das Ganze sei wenigstens ein kleiner Ersatz für den Umzug gewesen. “Ich fand es toll, dass das Martinskomitee die Kinder mit den Spenden und den gepackten Tüten unterstützt hat“, lobte Kocken die Ehrenamtlichen.

Überraschung an der Haustür

Gut ein Dutzend Mitglieder des Twistedener Martinskomitees und der Bürgerschaft kamen   auf dem kleinen Parkplatz an der Dorfstraße zusammen. „Wir verteilen die Tüten an die Senioren hier in der Ortschaft. 104 Stück sind es geworden“, erläuterte der Vorsitzende des Martinskomitees, Theo Winkels.

Die Helfer schoben die beiden Rollwagen mit den Tüten – gefüllt mit Plätzchen, Marmorkuchen und anderen Leckereien – aus dem Aufbewahrungsraum. „Voriges Jahr hatten wir 100. Die Tüten sind hier von dem Eigentümer Zaykowski gepackt worden“, so Winkels.

Nach und nach nahm jeder einen Teil der Tüten an sich, packte sie ins Auto oder auf den Bollerwagen. „Unsere Schriftführerin hat die Bezirke aufgeteilt. Dann wissen wir, wo wir hin müssen.“

Da staunte mancher Mitbürger nicht schlecht, als es plötzlich eine Martinstüte an der Haustür gab.

Bernd Janssen und sein Sohn (14) machten sich mit ihren Tüten auf den Weg. „Wir machen das Fußläufige. Ich mache das seit über zehn Jahren fürs Dorf, die Senioren, die Kinder. Das bereitet Freude, das ist das Wichtigste.“ Sein Sohn konnte da nur zustimmen. „Die hab ich auch gekriegt in der Grundschule. Deswegen helfe mich auch mit.“

Daniela Mottweiler zog mit ihrem Handkarren los. Sie sei das dritte oder vierte Mal jetzt dabei. Ihre Motivation seien „die glücklichen Menschen, die man damit erreichen kann. Schade, dass wir dieses Jahr nicht mit ins Haus können, um Zeit mit den alten Leuten zu verbringen.“

Denn coronabedingt gab es für die Verteilung die klare Maßgabe, die Winkels so zusammenfasste. „Schellen, an der Tür abstellen und Tschüss bis nächstes Jahr.“

Tatsächlich gab es an den Türen dann ab und an doch noch die Gelegenheit, wenigstens mit deutlichem Abstand ein paar Worte zu wechseln, zum Beispiel an der Tür von Käthe Haas auf der Gerberstraße, wo Christian Winkels und Theo Winkels klingelten. Die Mitbürgerin war angesichts des Besuches ganz erstaunt. „Da habe ich nicht mit gerechnet, weil ja auch kein Umzug ist . Und es ist ja auch nicht gesammelt worden. Das ist jetzt doppelt schön.“

Nebenan nahm Martina van Elten die Präsente freudestrahlend entgegen. „Das kriegen jetzt meine Eltern, Lisbeth und Johannes Brouwers. Sie sind 90 und 91 Jahre alt . Die haben damit kein bisschen geerchnet. Der Martinszug fällt aus, da gibt es keine Tüten, dachten wir – aber so ist alles gut.“

So konnten die Aktiven trotz ausgebliebener Haussammlung ihren Mitmenschen eine Freude bereiten. Und Theo Winkels gibt sich optimistisch, dass das mit Corona „Mitte des Jahres“ vorbei ist und St Martin 2021 als ein „Highlight des Jahres“ wieder so wie sonst gefeiert werden kann.

Ein bisschen St. Martin ist so angekommen

Eine große Überraschung gab es in den Seniorenheimen. Das KvGG und die Gesamtschule verteilten an die Altenheime der Stadt knapp 300 Martinslaternen.

So wurde Marcel Robens bereits erwartet, als er auf dem Balkon des Winnekendonker Katharinenhauses mit drei großen Körben eintraf. „Echt klasse“, war nicht nur Claudia Püschel vom sozialen Dienst der Einrichtung erfreut. Auch die Bewohner der Alteneinrichtung strahlten über das besondere Geschenk, das ihnen an diesem Tag gebracht wurde. Hannelore Nesceri (92) freute sich, eine der selbstgebastelten Lampen zu erhalten. „Das ist sehr schön, ich habe auf die Kinder gewartet“, war sie ein wenig traurig, dass diese nicht mitdurften.

„Der Sankt-Martinszug fällt ja aus in Kevelaer. Einfach zu sagen, dieses Jahr geht nichts, war für uns keine Option“, erläuterte Marcel Robens, Lehrer am KvGG und Mitinitiator der Aktion.

„Von der Bürgerstiftung Seid einig kam der finanzielle Support für die Idee, dass die die fünften und sechsten Klassen des KvGG und der Gesamtschule Lampen basteln“, erläuterte Marcel Robens. So solle etwas Freude in das durch Corona beeinträchtigte Leben der alten Menschen gebracht werden. „Der Gedanke des Teilens kann in diesem Jahr besonders gelebt werden. Und dass die Kinder in diesem Jahr an die denken, die besonders zu kurz gekommen sind“, sagt Robens. „Deswegen haben die Kinder auch mit entschieden, dass sie das unterstützen wollen. Sie haben alle fleißig gebastelt und schenken die Lichter den Seniorenheimen.“

Ursprünglich war vorgesehen, die insgesamt gut 300 Laternen, die Schüler der Gesamtschule und des KvGG in den vergangenen Wochen gebastelt hatten, möglichst zeitgleich an die Altenheime zu übergeben.

„Wir als KvGG haben das Katharinenstift, das Elisabeth-Stift und die Demenzgruppe. Die anderen drei Einrichtungen, Regina Pacis, Clemenshaus und das Josefs-Haus in Wetten, hat die Gesamtschule übernommen.“ Doch dann kam die zweite Corona-Welle und die besonderen Maßnahmen für den Monat November.

Es sei bedauerlich, dass weder die Schüler noch die Musikvereine der Ortschaften, die sich allesamt dazu bereiterklärt hatten, mit einem Martinsständchen ihren Beitrag zu der Aktion zu leisten, sagte Robens. „Alle wären sehr gerne mit dabei gewesen. Aber da jetzt fast nichts in der Öffentlichkeit erlaubt ist, mussten sie schweren Herzens sagen, dass es nicht geht.“

Doch auch die so vorbeigebrachten Lichter rührten an das Herz der Bewohner und der sie umsorgenden Menschen. „Die Idee fanden wir ganz super“, sagte Claudia Püschel, die mit ihrer Kollegin Monika Behrens die Lichter auf den Stockwerken verteilte. „Dass die Kinder das mit uns teilen, ist ganz toll.“

Man werde „im Rahmen unserer Möglichkeiten“ auch versuchen, St. Martin zu feiern. „Wir werden die Laternen auf den Tisch stellen und diese großen Fensterbilder, die wir vom Pastor Boymann noch haben, aufhängen, weil der Kindergarten kommt und durch den Bürgerpark zieht.“

Diese Aktion bedeute gerade in dieser Zeit eine Menge, ergänzte ihre Kollegin Monika Behrens. Denn die Zeiten seien nicht einfach, die Bedingungen änderten sich immer wieder. „Das bringt ganz viel Helligkeit hier rein und hebt die Stimmung, ist ein fröhlicher Anblick. Das sieht man ja. Die freuen sich total. Ein bisschen St. Martin ist so angekommen.“

Kevelaerer Martinsaktion für die Flüchtlinge in den Zeltlagern

Im Klarissenkloster können noch einmal warme Decken abgegeben werden – noch vor Weihnachten sollen die Hilfsgüter vom Niederrhein dann in den Flüchtlingslagern ankommen.

Der St. Martinszug ist vieler Orten am Niederrhein abgesagt. Nicht aber die großartige Geschichte des Teilens, die mit dem Heiligen Martin verbunden ist.

Und so folgen jetzt alle Kirchengemeinden Kevelaers, die Pfadfinder vom Stamm Hartefeld, die Kita Kruepasch in Issum, die Steyler Schwestern, die Sonsbecker Emmaus-Gemeinschaft und auch wieder die Kevelaerer Klarissen dem neuerlichen Aufruf der Stiftung „Aktion pro Humanität“ (APH) und der Organisation Human Plus e.V. in Nettetal, für den nun nahe kommenden Winter noch einmal Decken zu sammeln für die Menschen in den Zelt-Flüchtlingslagern in Griechenland und in Syrien.

Die ersten Aktionen von Hilfslieferungen vom Niederrhein vor wenigen Wochen und aus der Zeit gerade zu Beginn des Corona Lockdowns im ersten Jahresdrittel 2020 sind nun abgeschlossen – alle gespendeten Sachen sind verteilt. Die Decken wurden in den Flüchtlingslagern Dar Alama und Almadrasa in der Region Killi, zwischen Idlib und Aleppo in Syrien, dankbar angenommen.

Nun startet Teil 2 der Aktion. Vom Martinstag an können eine knappe Woche lang – bis Mittwoch, 18. November – wieder wärmende Decken und Schlafsäcke (bitte gewaschen) und auch Isomatten bei den Klarissen in Kevelaer (St. Klara Platz 2) abgegeben werden. Bitte keine Steppbetten oder Kleidung abgeben – die Menschen in den Flüchtlingslagern brauchen dringend Decken, um sich gegen die Kälte in den Zelten schützen zu können. „Decken sind wesentlich praktikabler als Oberbetten mit Daunen, weil Decken schneller wieder trocknen können, wenn sie nass wurden“, so APH-Vorsitzende Dr. Elke Kleuren Schryvers.

Die Sammelaktion wird wieder maßgeblich von den Klarissenschwestern in Kevelaer getragen. Sie sammeln und verpacken die Decken. Von der Aktion pro Humanität wird dann der Zuliefertransport nach Nettetal durchgeführt. Von dort geht die wärmende Fracht dann in der ersten/zweiten Dezemberwoche an die Bestimmungsorte in Griechenland und Syrien.

„Vor Weihnachten könnte dann die Verteilung noch stattfinden“, so Anaestis Ionnaidis von der Organisation Human Plus in Nettetal. Er koordiniert die LKW-Transporte in diese Regionen.