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So sollen die Martinswerke noch eine Verwendung finden

Schüler*innen spenden Laternen an Seniorenheime

Endlich konnte in diesem Jahr wieder der große Martinszug durch die Kevelaerer Innenstadt ziehen, auf den sich alle Schüler*innen nach dem Ausfall in 2020 so gefreut hatten…

Martinsfeuer auf dem Markstplatz

Sankt Martin ritt durch Wetten

Trockenen Fußes zog die mit bunten Laternen ausgestattete Kinderschar mit Sankt Martin hoch zu Ross durch die liebevoll geschmückte Ortschaft.

Bürgermeister, Martinskomitees und Ordnungsamt geben grünes Licht. Ein Feuerwerk ist noch nicht sicher.

Martinszüge in Kevelaer finden statt

Gute Nachrichten für alle Freund*innen der Martinsumzüge: Dieses Jahr werden wohl alle Züge in Kevelaer und den Ortschaften stattfinden.

Wie feiern Kinder in Corona-Zeiten?

„Lasst uns froh und munter sein…“ Wer kennt dieses Lied nicht? Seit Generationen wird es laut und kräftig fast überall dort gesungen, wo sich kleine und große Kinder auf den Besuch des Heiligen Nikolaus freuen. Wer hätte je gedacht, dass es mal eine Zeit geben wird, in der dieses Lied nur gesprochen werden darf? „Das gemeinsame Singen fehlt uns allen sehr“, sagt Tanja Hornbergs, Erzieherin im St.-Marien-Kindergarten. Mit ihren Kolleginnen freut sie sich sehr, dass die Quarantäne vorbei ist, doch vermisst sie den frohen Klang der Kinderlieder. „Die Vorweihnachtszeit ist gerade für Kinder besonders schön und wertvoll. Wir beginnen diese besinnliche Zeit mit dem Fest Allerheiligen. Gemeinsam gestalten wir Kerzen, die wir vor der Pandemie in kleinen Gruppen zum Friedhof gebracht hatten.“ Auch wenn Ausflüge mit Kontakten im Moment nicht möglich sind, versuchen die Erzieherinnen, alle liebgewonnenen Traditionen zu pflegen.

Dazu zählt auch das Fest des Heiligen St. Martin. Statt eines Laternenzugs mit der ganzen Familie zum Forum Pax Christi und dem anschließenden Rollenspiel sowie dem gemeinsamen Pöfferkesessen, gab es in diesem Jahr eine durchaus spannende „Light-Version“. „Für die Kinder war es ganz interessant, die Mantelteilung auch mal im Hellen zu sehen“, erwähnt Irmgard Rütten. „Wir sind unseren Laiendarstellern Helmut Baers und Diethelm Heinrichs sehr dankbar für die jahrelange Treue. Da das Fest in diesem Jahr während des Regelbetriebs stattfand, opferten sie sogar einen Urlaubstag für uns.“

Die Kinder sollen trotz Covid-19 Erfahrungen sammeln

Teilen und an Nächste denken ist immer ein aktuelles Thema. Zu St. Martin ist es ein Brauch, Süßigkeiten aus der Martinstüte an andere zu verschenken. „In der Gruppe verschönern wir gefüllte Schuhkartons und geben diese an die Kevelaerer Tafel im Rahmen der Weihnachtspäckchenaktion weiter“, sagt Rütten. Mit dieser Geste werden Impulse gesetzt. Durch das direkte Handeln erhalten viele Aufgaben eine besondere Bedeutung. „Eine Orange selber geschält, gerochen und geschmeckt zu haben, ist etwas ganz anderes, als diese im Bilderbuch zu betrachten“, erklärt Beate van Heek. „Gerade in dieser ungewissen Zeit ist es uns wichtig, dass die Kinder die Erfahrungen rund um Weihnachten auf unterschiedliche Art erleben dürfen.“

Ob es viel Kraft kostet, eine Nuss zu knacken oder ob die Nadeln vom Adventskranz piken – bei all den Einschränkungen und Verboten während der Pandemie haben die Kinder Spaß daran, mit allen Sinnen viele Kleinigkeiten zu erleben. Anhand eines Zeitstrahls werden die Tage in der Adventszeit besonders hervorgehoben und auch die Kleinsten können so den Verlauf gut erkennen.

Gemeinschaftlich versucht das Team, den Tagesrhythmus den Corona-Vorschriften anzupassen und ist dankbar für die gute Zusammenarbeit mit den Eltern. „Unser Programm wird beibehalten, zwar etwas anders gestaltet, aber nicht gekürzt.“ Das gilt sowohl für die traditionellen wie auch die alltäglichen Abläufe. So werden zum Frühstück die Cerealien von den Erzieherinnen angereicht, wo vorher die Kinder ihr Menü selber zusammenstellen konnten. Beim Mittagessen im Petrus-Canisius-Haus ist es ebenso. Und hat ein Kind Geburtstag, darf es die Kerze wegen der Aerosole nicht auspusten. „Die Veränderungen werden von den Kindern sehr gut angenommen“, berichtet van Heek. „Ach ja – Corona! Höre ich schon mal, wenn ein Kind vergessen hat, sich die Hände zu waschen, aber dann wird dies nachgeholt und alles ist gut.“

Dass die Kinder die Regeln so leicht akzeptieren, spornt die Erzieherinnen an, trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen das Beste aus der Coronazeit zu machen. Eine komplette Schließung wie im Frühjahr wäre jetzt in der Adventszeit sehr schade, denn das beliebte Nikolausfest ist schon in Planung, und auch wenn alle auf das fröhliche Singen verzichten müssen, hoffen sie doch auf eine gemeinsame, schöne und besinnliche Adventszeit.

Ein bisschen St. Martin gab`s doch

Unter der Woche hatten die Helfer des Martinskomittees Kervenheim im katholischen Pfarrheim jeweils mit zwei Personen abwechselnd die Tüten gepackt und sich dann mit 13 Personen auf den Weg gemacht, um die Tüten zu verteilen.

Von der örtlichen Bäckerei gab es den Weckmann. Dazu kam eine Tüte mit Beilagen, die das Martinskomitee Kervenheim zusammengestellt hatte. Gut 115 Tüten gingen an die Senioren des Ortes, 200 an die Kinder. „Das war möglich aufgrund der Spender aus Kervenheim und von dem „Förderverein Potthaus“, dankte der Vorsitzende des Martinskomitees, Bernhard Reintges, allen Aktiven und Spendern für die Unterstützung, so wenigstens „ein bisschen St. Martin“ möglich gemacht zu haben.

Angesichts der Pandemie hatte man sich im Vorfeld über diverse Alternativen zu der sonst üblichen Martinsfeier gemacht. Aber sowohl den Schülern die Präsente persönlich an der Schule zu übergeben als auch den Heiligen Mann mit einigen Musikern durch den Ort ziehen zu lassen, fand nicht die Zustimmung der städtischen Behörden.

Jeder der Aktiven hatte einen festen Bezirk, den er abfuhr, berichtete Hans-Gerd Ripkens, auch Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins Kervenheim. „Wir haben die bis vor die Haustür gestellt und geschellt.“ Alle hätten sich sehr gefreut. „Und die Alten waren zum Teil sehr überrascht davon.“

Die gute Resonanz sei die Bestätigung dafür, „es richtig gemacht zu haben und eine Motivation weiterzumachen“, unterstrich Bernhard Reintges. Er verband die Aktion mit einer großen Hoffnung: „Dass wir 2021 St. Martin wieder in der traditionellen Form durchführen können.“

Bunte Lichter und Martinstüten

Die Martinskomitees machen in Kindergärten und Grundschulen trotz abgesagter Züge einiges möglich. Im „Sterntaler“-Kindergarten konnten die Kinder bei einem kleinen Martinsfest die Lichterwelt auf dem Gelände bestaunen und Gitarrenmusik lauschen.

An der Grundschule Overberg/St. Norbert in Winnekendonk und Kervenheim bastelte jeder der 240 Schüler in den Klassen an dem jeweiligen Standort zu St. Martin eine eigene Tischlaterne. Als „Lohn“ für diese besondere Mühe übergaben die Lehrer stellvertretend für St. Martin jedem Kind einen Weckmann und eine kleine „Schnuppspende“.

Natürlich wurde auch die Geschichte des Heiligen Martin erzählt, der als Soldat dem frierenden Bettler die Hälfte seines Mantels gegeben hatte und beschloss, ein Geistlicher zu werden. Die Schulleitung bedankt sich ausdrücklich bei den Sponsoren der Aktion – dem Martinskomitee, dem Förderverein und dem CHH Service.

„Ein kleiner Trost für den nicht stattfindenden Martinszug“

Auch der große Kevelaerer St. Martinszug fiel in diesem Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer. Wenngleich viele Fenster in der Wallfahrtsstadt mit Laternen geschmückt waren – ein Ersatz für das gewohnte Lichtermeer auf dem Peter-Plümpe-Platz war das sicherlich nicht. Einen „kleinen Trost“ hatte sich die Stadt Kevelaer daher für die Bürgerinnen und Bürger einfallen lassen. So erstrahlte das neue Rathaus am Dienstagabend in bunten Farben – pulsierende Elemente wechselten mit einem rot leuchtenden Herz. Auch das alte Rathaus wurde in die Show eingebunden.

Die Techniker strahlten auch das alte Rathaus an. Foto: eg

Die Idee zu der Installation sei in ihrem Team aufgekommen, erzählte Verena Rohde, Leiterin des Bereichs „Tourismus und Kultur“ der Wallfahrtsstadt. Die Techniker des Konzert- und Bühnenhauses, Matthis Zellmann und Simon Boetselaars, hätten das Vorhaben umgesetzt. „Die haben einiges auf der Pfanne“, fand Rohde charmante Lobesworte. Sie zeigte sich beeindruckt, in welch kurzer Zeit die beiden Stadtmitarbeiter das Projekt umgesetzt haben. Eine Ankündigung habe es bewusst nicht gegeben, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Rohde hofft, denjenigen, die die Lichtshow verfolgt haben, mit ihrem Team „eine kleine, bunte Freude in dieser Zeit“ bereitet zu haben. 

Ein Licht in der Dunkelheit

Im Rahmen der Aktion „Ein Licht in der Dunkelheit“ der Gesamtschule Kevelaer übergab die Abteilungsleitung I, Belgin Gür (links) selbstgebasteltete Fackeln an das Regina Pacis-Haus.

Vor allem Frau Küppers, Bewohnerin des Hauses (Mitte), freute sich sehr über den Gruß und darüber, dass an die Situation in den Alten- und Seniorenheimen gedacht wurde.

Foto: privat

St. Martin ritt allein umher

In Coronazeiten wurden auch die Martinszüge abgesagt. Doch die Schulen, Kindergärten und Martinskomitees ließen sich davon nicht beirren: Notfalls reitet der Heilige Mann eben alleine durch die Stadt und besucht danach die Kinder.

So bekamen die Kinder der Antonius- und der Hubertus-Grundschule Besuch von St. Martin. Gespannte Vorfreude war zu spüren, als sich die erste Hälfte der insgesamt 450 Schüler der Antonius-Grundschule im Klassenverbund mit Abstand auf dem Schulhof versammelten.

In der Hand trugen die Kinder jeweils die von ihnen und ihrer Klasse gestaltete Laterne mit dem entsprechenden Motiv. Der Vorsitzende des Kevelaerer Martinskomitees, Bernd Pool, beobachtete die Szenerie. „Wir wollten vor allem, dass in diesen Zeiten das Brauchtum St. Martin lebendig bleibt. Deswegen gibt es ja auch diese ganzen Aktionen drumrum.“

Der Schulrektor begrüßte dann nicht im stimmungsvollen Abendlicht, sondern bei strahlender Sonne alle Kinder, die ihre Lichter gemeinsam hochhielten. „Ich freue mich, dass ihr jetzt hier seid und finde es toll, was für wunderschöne Laternen ihr gebastelt habt.“ Anschließend wendeten sich die Augen der Kinder auf die Erscheinung auf dem Pferd, dass flankiert von zwei Dienern im besonderen Gewand auf den Schulhof kam.

St. Martin selber war von der Lampenvielfalt begeistert. Er lobte die Kinder und tröstete sie, weil es diesmal eben anders sei als sonst. Und natürlich ließ er sich nicht die szenische Aufführung „seiner“ Geschichte entgehen, die die Schüler der Klasse 4a vorbereitet hatten.

Dabei machte die Erzählerin die Bedeutung der Geschichte deutlich: „Teilen bedeutet hier, immer zu tun, was nötig ist. Wenn wir danach handeln , dann können wir jeden Tag vieles teilen. Wir müssen uns nur bemühen, zu erkennen, was unsere Mitmenschen nötig haben. Dann bist Du auch ein kleiner Sankt Martin.“

Alle Grundschüler bekamen danach in den Klassen Weckmänner und Martinstüten. Sie verlebten einen gemeinsamen Martinstag in der Schule mit Basteln und Frühstücken unter strengen Auflagen.

Nach seinem Besuch passierte der Heilige Mann auf seinem Pferd die Wochenmarkt-Stände und ritt über die Hauptstraße und die Basilika, reichte einzelnen Passanten kleine Präsente und bewegte sich dann Richtung Hubertus-Grundschule.

Mit ihren selbstgebastelten Laternen erwarteten die Schüler im Klassenverbund auf dem Schulhof den St. Martin.

Dort warteten schon die Kinder auf dem mit Hütchen und Bodenkennzeichnungen nach Klassen klar abgegrenzten Schulhof. Die Kinder waren am Morgen in eine mit Lichterketten beleuchteten Schule gekommen. „Wir wollten ihnen ein Gefühl von Feierlichkeit verschaffen, das Gemeinschaftsgefühl stärken“, erklärte Konrektorin Anke Batke. Die selbstgebastelten Lampen der Kinder standen als kleine Laternenausstellung auf den Fenstersimsen der Schulflure.

„Ihr dürft nicht singen, habt den blöden Mundschutz vorm Gesicht. Da müssen wir jetzt durch“, meinte Pastoralreferent Bastian Rütten, der eine kleine Morgenandacht gestaltete. Statt lautem Gesang gab es entsprechend der Auflagen Martinsmusik vom Band. „Das ist soviel anders“, fand er den passenden Ton zwischen religiös und kindorientiert-locker. Aber ich freue mich, dass wir hier als Schulgemeinschaft ein bisschen St. Martin feiern und uns erinnern, wer St. Martin für uns gewesen ist“, sagte er.

St. Martin selber konnte auf dem Schulhof aufgrund der Größe des Platzes sogar eine kleine Runde absolvieren. Er sah zudem zu, wie auch hier die Klasse 4a die Martinsgeschichte nachstellte. Nachdem er auch hier sein Bedauern für die Umstände zum Ausdruck gebracht hatte, wünschte er den Kindern von Herzen alles Gute, bevor er mit dem Martinslied vom Band verabschiedet wurde. Anschließend verteilten die Klassenlehrerinnen mit Hilfe von Kinder nder Klasse die Martinstüten in der jeweiligen Klasse.

Martinskomitee sorgte für volle Tüten

Eine besonders „schöne Atmosphäre“ konnte die Schulleiterin der St. Franziskus-Grundschule Twisteden, Tanja Kocken, anlässlich ihres St. Martin-Projekttages mit ihren Schülern erleben.

„Im Zuge des Projekttages haben die Kinder die Martinsgeschichte nachgespielt“, berichtete Kocken von einem sehr lebendigen Treiben. „Wir haben Filme gesehen, und alle Klassen haben kleine Tischlaternen gebastelt. Dafür haben wir eine Spende des Martinskomitees bekommen.“

Das Martinskomitee hatte am Vorabend auch die 115 Martinstüten vorbeigebracht, die sie für die Kinder zusammengestellt hatten. „Die waren richtig gut gefüllt, mit Weckmännern,  Mandarinen und Schokolade. Da gab es keinen Unterschied zu den Jahren davor.“

Die Tüten wurden auf den Schulhof plaziert. Jedes Kind ging dann klassenweise auf den Schulhof und durfte sich eine der Tüten mitnehmen.

„Gerade die Erstklässler sind mit vielen Regeln in die Schule gekommen. Die waren begeistert, wie Schule auch sein kann, ohne streng am Platz zu sitzen, zu basteln, Filmchen zu gucken und zu spielen. Das hat denen richtig gut getan.“

Dabei sei es zu richtig schönen Situationen gekommen. „Eine Kleine stand vor mir und fragte mich: Hat der St. Martin die denn gebracht? – Ich sagte, „Ja klar.“ Und sie: „Hast du ihn auch gesehen?“ Ich habe ihr erklärt, dass er nicht kommen darf. Das ist so süß, weil sie noch so an ihn glauben.“

Und das Ganze sei wenigstens ein kleiner Ersatz für den Umzug gewesen. “Ich fand es toll, dass das Martinskomitee die Kinder mit den Spenden und den gepackten Tüten unterstützt hat“, lobte Kocken die Ehrenamtlichen.