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Neue Generation bei den Tigern der SSG am Start

 „Es ist eine große Freude, den jungen Leuten beim Wachsen zuzusehen.“ Mit dieser Aussage bezieht sich Hans-Josef Dohmen, stellvertretender Landestrainer des Rheinischen Schützenbundes (RSB), auf die immer besser werdenden Ergebnisse, die seine Schützlinge in den vergangenen Monaten erzielt haben. Dohmen ist Trainer der 2. Bundesliga-Mannschaft der Schießsportgemeinschaft Kevelaer (SSG) und sieht großes Potenzial in der Jungendabteilung. Gemeint sind unter anderem die „Young-Tigers“ Hannah Wehren (Jahrgang 2005), Franziska Driessen (2003) und Laura Braun (2004). Die drei Gewehr-Talente stehen bei der SSG in den Startlöchern.

„Es ist ein großes Privileg, dass wir trotz Lockdown weiter trainieren dürfen und dass wir dafür nicht sehr weit fahren müssen“, freut sich Hannah Wehren, dass der Standort in Kevelaer an der Hüls im vergangen Jahr zum Landesleistungsstützpunkt ernannt wurde. Deshalb darf dort laut Ausnahmeregelung unter  strengen Auflagen Training für die RSB-Kader-Schützen durchgeführt werden. 

Sport und Beruf vereinen

Dieses Angebot nimmt auch die Nettetalerin Laura Braun gerne an: „Neben den Abivorbeitungen und dem doch sehr anstrengenden Homeschooling-Unterricht eine tolle Abwechslung“, findet sie. Laura hat es in diesem Jahr in den Rheinland-Kader geschafft und überlegt, wie es nach dem Abitur weitergehen kann. „Natürlich wäre es toll, Beruf und Leistungssport miteinander verbinden zu können. Viel Auswahl hat man als Sportschützin nicht, aber ich könnte mir schon was bei der Polizei, Bundeswehr oder ein Studium zur Kriminalkommissarin vorstellen.“

Auch Franziska Driessen, die aktuell die elfte Klasse der Gesamtschule in Xanten besucht, würde den Sport gerne mit ihrem Berufsleben verbinden. „Ich weiß leider noch nicht genau, was ich nach dem Abitur machen möchte, aber es kann gerne etwas sein, wo es möglich ist, den Sport weiter auszuüben.“ Sie ist schon mehrere Jahre Mitglied im Rheinland-Kader und hat des Öfteren an den Deutschen Meisterschaften in München mit guten Erfolgen teilgenommen. Bei der SSG ist sie Mitglied der 2. Bundesliga-Mannschaft. „Zweimal in der Woche fahre ich zum Training nach Kevelaer, der Standort bietet neben dem professionellen Training eine tolle Atmosphäre, die Leute dort sind echt nett“, sagt die Sportlerin.

Ähnlich gestaltet sich die Situation bei dem „Küken“ des Trios, Hannah Wehren. Die erst 16-jährige Gymnasiastin hat es, wie auch Franziska Driessen, in diesem Jahr in den Nachwuchs-Bundeskader (NK2) geschafft. „Es ist ein riesen Glück, dass wir mit der SSG einen Verein in der Nähe gefunden haben, welcher uns aufgenommen hat und bei dem wir sehr viel von den Großen lernen können. Toll ist es auch, dass Anna und Franka Janssen häufig das Training begleiten und wir somit sehr viele Tipps von Profischützen erhalten.“ Auch Hannah Wehren macht sich, drei Jahre vor dem Schulabschluss, bereits Gedanken, wie sie ihr sportliches Talent und das Berufsleben später vereinen kann. „Ich würde später gerne Medizin studieren, bin mir aber auch bewusst, dass die Verknüpfung mit dem Training und der Wettkämpfe schwierig werden kann. Man muss es eben einfach versuchen.“

Teamgeist ist das A und O

Die drei Sportlerinnen haben sich in den vergangenen Monaten bereits eng angefreundet. „Kevelaer hat uns zusammengebracht, es macht einfach viel mehr Spaß, zu dritt zu trainieren,“ freut sich Franziska Driessen. „Das ist das Wichtigste. Wenn der Spaß fehlt, kann hintenraus auch kein gutes Ergebnis rauskommen. Die Mädels sind eine gute Truppe, arbeiten ehrgeizig – sowohl zusammen als auch füreinander und gehen als Team sehr gut miteinander um“, schildert Hans-Josef Dohmen, der die Mädchen auch mit dem Kleinkaliber-Gewehr (KK) trainiert, seinen Eindruck. Dohmen freut sich besonders über die Entwicklung von Hannah Wehren: „Nach nur vier Monaten KK-Wettkampf-Erfahrungen hat sie bereits den Sprung in den NK2-Bundeskader geschafft, das ist eine hervorragende Leistung.“

Dohmen selbst übt den Schießsport seit 1974 aus, ist seit 2004 Lizenz-Trainer und weiß, wie wichtig es ist, solch Talente weiter zu fördern und an den Verein zu binden.

Tiger wieder Deutscher Meister

Das Bundesligafinale zu erreichen ist ein großer Traum aller Sportschützenvereine in der 1. Bundesliga. Auch wenn man vielleicht, so wie bei der SSG Kevelaer, bereits als Meister der Bundesliga Nord das Finalticket gezogen hatte, werden die Karten bei der Endrunde neu gemischt. In Rotenburg an der Fulda mussten die Tiger und Deutsche Meister von 2019 sich neu beweisen.

Zuerst ging es im Viertelfinale gegen den Viertplatzierten aus der Liga Süd, den Bund München. Es war zu erwarten, dass der Gegner keine größeren Probleme machen würde. Natürlich arbeiteten die Profis aus der Kevelaerer Talentschmiede trotzdem mit aller höchster Konzentration und nahmen dem Gegner mit 4:1 die Chance auf ein Weiterkommen in das Halbfinale.

Sergey Richter hatte bis zum 38. Schuss sogar den Blick auf einen fehlerfreien Wettkampf, doch dann rutschte ihm doch noch eine 9 in das Schussbild. Mit 399:395 Ringen von Denise Erber ging der Punkt an die SSG. Anna Janssen (397 Ringe) hielt den Franzosen Pierre Edmond Piasecki (396 Ringe) bis zum Schluss in Schach.

Thomas bekam mit Lisa Haensch eine härtere Nuss zu knacken. Bis zum Ende der dritten Serie führte Thomas mit drei Ringen Vorsprung, in Serie vier schoss er vier Neunen wobei Haensch dort fehlerfrei blieb. Dieser Punkt ging mit 393:394 Ringen an München. Franka Janssen erzielte 394 Ringe, keine Chance für Hanna Bühlmeyer, die mit 386 Ringen schloss. Und auch Jana Erstfeld hatte keine Mühe mit 394 Ringen den Punkt ihrem Gegner Daniel Karg (390 Ringe) abzunehmen. 4:1 Sieg und Halbfinalteilnahme gesichert.

Eichenlaub Saltendorf traf in den vergangen Jahren zwei Mal auf die SSG-ler. Einmal gingen sie mit einem Sieg und im letzten Jahr mit einer Niederlage aus diesen Begegnungen. Es schien, die Mannschaft aus Bayern hatte mit den „Tigern“ noch eine Rechnung offen. Sehr stark begangen die Saltendorfer ihre Duelle. Es sah an den hinteren Positionen nach den ersten beiden Serien sehr ausgeglichen aus. Erst dann trennte sich die Spreu vom Weizen und die Marienstädler holten auf.

Sergey Richter bekam mit Julia Simon eine sehr starke Duellpartnerin, Simon ist festes Mitglied des deutschen Nationalteam und hatte bis dato nur eine Begegnung in der laufenden Bundesligasaison verloren. Trotzdem konnte der Israeli mit 399:397 Ringen am Ende den Punkt für sich verbuchen. Erst der letzte Schuss ging in die Neun. Anna Janssen gewann mit 398:396 Ringen gegen Alexander Schmirl und auch Franka Janssen nahm Claudia Brunner mit 393:391 Ringen den Punkt ab.

Nur Alexander Thomas (390:392) und Jana Erstfeld (393:395) mussten Federn lassen. Mit 3:2 gewannen die Meisterschützen aus Kevelaer und zogen ins Goldfinale ein.

Eine Wiederholung, denn der SSV ST. Hubertus Elsen war auch 2019 in Paderborn der Finalgegner der SSGler. Also, alles genau so machen, wie im letzten Jahr, dann sollten die „Tiger“ mit einem 3:2 Sieg den Titel verteidigt haben. Aber es kam besser – viel besser: Das was die rund 1.000 Besucher in der Halle und die Zuschauer auf sportdeutschland.tv zu sehen bekamen, war ganz großer Schießsport und übertraf allen Erwartungen.

Die fünf Spitzenschützen, um Trainer und Betreuer Simon Janssen, haben von der ersten Minute hochkonzentriert gearbeitet und blieben allesamt in den jeweils ersten Serien fehlerfrei. Die rund 60 mitgereisten Fans kamen aus dem Jubel nicht mehr raus, da eine Hunderter-Serie nach der anderen auf den großen Leinwänden angezeigt wurde.

Jeder Schuss ein Treffer

Anna Janssen schoss ihren Wettkampf sehr schnell zu Ende und legte ihrer Gegnerin eine Ringzahl von 398 vor. Nadine Hochgeschurz hatte bis dato nur eine Neun auf ihrer Scheibe, aber noch zwölf Schuss vor sich. Sie hielt dem Druck nicht stand und traf noch vier weitere Male die Neun. 398:395 und erster Einzelpunkt für die SSG.

Gleiches Ergebnis anderes Duell; auch Alexander Thomas beendete seine Begegnung mit 398:395 Ringen von Denise Palberg.

Jetzt fehlte nur noch ein weiterer Einzelpunkt und der Titel würde wieder nach Kevelaer gehen. Auf der ersten Position kämpften die beiden international erfahrenen Schützen Sergey Richter und Istvan Peni aus Ungarn. Peni blieb bis zur Mitte der dritten Serie fehlerfrei und schoss dann seine erste Neun, während Richter weiter rote Punkte auf seine Scheibe produzierte, erst mit Schuss 34 wurde die Anzeige gelb. Richter ging zum dritten Mal an diesem Wochenende mit 399 Ringen von der Schießlinie.

Peni hatte noch ein paar Treffer zu erledigen, auch er zeigte Nerven und brachte noch zwei weitere Schüsse nicht in die Mitte. Somit war da schon klar, die SSG Kevelaer ist wieder Deutscher Meister.

Unter großem Jubel mussten Franka Janssen (395:393 Ringe von Dirk Steinicke) und Jana Erstfeld die mit 395:392 Ringen gegen Bastian Blos den fünften Einzelpunkt für die „Tiger“ rausholte, ihre Wettkämpfe noch beenden. Mit 5:0 gewonnen und das nächste Sahnehäubchen ließ nicht lange auf sich warten: Mit 1985 Ringen setzten die Fünf durch einen neuen Finalrekord die Messlatte wieder einmal höher.

Zwei Schwestern fahren zur EM nach Breslau

Mit einem Vorkampfergebnis von 631,0 Ringen nicht ins Finale zu kommen, ist bitter. Trotzdem kann Anna Janssen sehr zufrieden sein. Sie erzielte bei dem internationalen Wettkampf den zehnten Platz und wurde damit beste Deutsche bei den Damen.

Die erst 17-Jährige ist die erste Juniorin, die im Erwachsenen- Nationalteam mitschießen darf und hier ebenso überzeugt wie zuvor im Juniorenkader. Das bei diesem Ergebnis kein Finalplatz rauskam, ist dem überaus hohen Niveau geschuldet, das zurzeit im internationalen Luftgewehr-Bereich vorherrscht.

Nur drei Zehntel fehlten Anna Janssen zum Platz acht, dann hätte sie um eine Medaille kämpfen können. Ein Startplatz bei der Europameisterschaft war ihr bereits nach der erfolgreiche Teilnahme bei den Ranglistenwettkämpfen im Dezember sicher.

Schwester Franka Janssen musste in München noch um diese Teilnahme kämpfen. Mit zwei hervorragenden Vorkampfergebnissen von 626,5 (Platz 7 im Finale) und 626,6 Ringen (Platz 13), ließ sie ihre deutschen Konkurrentinnen hinter sich und ergatterte sich einen von den drei begehrten EM-Teilnahme-Plätzen bei den Juniorinnen.

So können sich die Janssen-Zwillinge am 23. Februar gemeinsam auf dem Weg nach Breslau/ Polen machen, um für Deutschland Edelmetall zu gewinnen. Das Erreichen von Treppchenplatzierungen ist besonders im Erwachsenenbereich gefragt. Es liegt ein hoher Druck auf den Schultern der Spitzenschützen. Ein Quotenplatz für Olympia 2020 in Tokio muss noch ergattert werden.

Eine Hürde, die Sergey Richter bereits genommen hat. Auch er hat in München gezeigt, was er kann. Der Israeli, der für die Kevelaerer in der ersten Bundesliga schießt, konnte bei den Herren mit einem Ergebnis von 632,2 Ringen das Finale erreichen und wurde dort Vierter.

Ein gutes Ohmen für das kommende Wochenende, wo die drei „Tiger“ zusammen mit Alexander Thomas und Jana Erstfeld beim Bundesligafinale in Rotenburg an der Fulda an die Schießlinie gehen. Der amtierende deutscher Mannschaftsmeister, SSG Kevelaer, hat die Titelverteidigung fest im Visier.

Die Tiger stehen vorzeitig im Finale

Die Sportschützen der Schießsportgemeinschaft (SSG) Kevelaer ziehen vor dem letzten Wettkampfwochenende ins Finale ein. Im Nordhessischen Niederaula gewinnen die Tiger die beiden hochkarätigen Begegnungen. Damit zieht die erste Mannschaft der SSG Kevelaer zum vierten Mal in Folge in das Bundesligafinale um die Deutsche Meisterschaft mit dem Luftgewehr ein.

Sportleiter Simon Janssen ist zufrieden: „Da fällt ein großer Druck von unseren Schultern, bisher mussten wir am letzten Wettkampfwochenende immer noch zittern, oft war es knapp. Jetzt brauchen wir uns nur noch darauf zu konzentrieren, die beiden letzten Wettkämpfe am heimischen Stand gut abzuschließen, damit wir als Nordmeister zu den Finalwettkämpfen fahren können.“

Die jeweils besten vier Mannschaften aus der Bundesliga Nord und Süd werden vom 1. Februar 2020 bis 2. Februar 2020 in Rothenburg an der Fulda um den Titel kämpfen. Letzte Saison ging dieser bereits an die Marienstädtler. Aber zuerst findet der Abschluss der Vorrunde am 11./12. Januar 2020 in Kevelaer statt, die auch zusätzlich in Eigenregie von den Mitgliedern der SSG im TV-Format live übertragen wird.

Fast ein Traumergebnis erreicht

Mit dem Aufsteiger SV Petersberg hatten die Tiger unerwartet keine großen Probleme. Sergey Richter konnte wiederholt bis zu seinem 38. Schuss einen fehlerfreien Wettkampf vorweisen und steuerte auf das Traumergebnis 400 Ringe zu. Doch Schuss 39 ging dann in die Neun. Gegnerin Johanna Tripp hatte bis dahin bereits eine Neun mehr auf dem Tableau. Richter erholte sich schnell wieder und beendete seinen Wettkampf mit 399 Ringen.

Das selbe Ergebnis lieferte auch Anna Janssen ab, Gegnerin Jana Heck brachte, wie ihre Mannschaftskollegin, 398 Ringe auf die Scheibe. Eindeutiger gewann Alexander Thomas (398 Ringe) gegen Mona Heck, die neun Zähler hinter ihm blieb. Jana Erstfeld hatte ihre alte Form noch nicht wiedergefunden, gewann aber ebenfalls mit 387:386 Ringen gegen Annika Peters. Franka Janssen nahm mit 397 Ringen Gegnerin Jasmin Busse (385 Ringe) auch den Einzelpunkt ab. Das Endergebnis lautete 5:0 für die Tiger.

Der SSV St. Hubertus Elsen ist amtierender deutscher Vizemeister und gehört ebenfalls zu den Verfolgern auf einen Finalplatz. Wirklich gefährlich wurde es für die Tiger aber nicht. Sergey Richter (399 Ringe), Alexander Thomas (397 Ringe) und Franka Janssen (396 Ringe) nahmen ihren Gegnern die Punkte souverän ab. Jana Erstfeld konnte sich zum Vortag nicht verbessern und verlor mit 387 Ringen.

Anna Janssen bekam es mit dem aktuell Weltranglisten Vierten, Istvan Peni, zu tun. Doch davon ließ sie sich nicht beeindrucken und absolvierte ihren Wettkampf mit 397 Ringen, die auch Peni auf die Scheibe brachte. Mit einem Stechen musste nur noch der Einzelpunkt vergeben werden. Dass das Match gewonnen war, stand bereits fest.

Janssen und Peni schenkten sich nichts, sie benötigten jeweils vier Stechschüsse, erst dann konnte Peni (10,3) Janssen (9,9) den Punkt abnehmen. Endstand 3:2 und mit 16:02 Mannschafts- und 34:11 Einzelpunkten bedeutet das weiterhin die Tabellenführung für die SSG Kevelaer.

Eine erfrischende Verleihung

Drei Preisträger, eine besondere Musikshow, nette Plaudereien auf der Bühne und eine spannende Preisträger-Auswahl kennzeichneten die 32. Ausgabe des Kevelaerer Marketingpreises. Gleich zu Beginn konnte man wahrnehmen, dass die vom Team der Wirtschaftsförderung organisierte Verleihung frischer und unkonventioneller rüberkam.

Denn die „Kevelaer All Star“-Band um das Gitarrenmusik-Ehepaar Markus und Michaela Birkhoff bot mit Sohn Hendrik am Keyboard, Paul Ogundare (Klavier), Felix Helpenstein (Bass) Hans-Gerd van den Wyenbergh (Schlagzeug) und den Sängern Kerstin Sowislo, Ciara Ehren, Lena Hanenberg, Karl Timmermann und Gerrit Quade mit „Still got the blues“ und Gitarren-Solist Levin Ripkens gleich ein rockiges Ausrufezeichen. Später zeigten sie unter anderem mit „Sunshine of your love“ von Eric Clapton oder auch mit dem zum Abend passenden „We are the Champions“ von Queen ihre Qualitäten.

Josef und Norbert Heckens wurden mit dem Kevelaerer Marketing-Preis in der Kategorie „Arbeitgeber-Marketing“ ausgezeichnet. Foto: AF

Den nächsten Akzent setzte Bürgermeister Dominik Pichler in seiner Begrüßungsrede, in deren Mittelpunkt er wieder seinen ganz persönlichen Rückblick auf die ihn bewegenden Ereignisse stellte. Dabei erinnerte er an die Jubiläen zweier bedeutender Bücher – das des Grundgesetzes und das Buch der „Pippi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren über das „kleine Mädchen aus Schweden, das stark, verwegen, ungehemmt, rebellisch und unbeeindruckt von Autoritäten ist“ und mit ihrer „unkonventionellen Art schier unglaubliche Dinge“ vollbringe.

Hass auf der Facebook-Timeline

Von da schlug er den Bogen zu ihrer „Wiedergängerin“ Greta Thunberg, die mit Durchhaltevermögen und trotz massiver Anfeindungen ihren Weg verfolgt. Anhand ihres Beispiels beschrieb er den „Umgang miteinander“ und die „heutige Streitkultur in und außerhalb der sozialen Medien“ der heutigen Zeit – über Autoaufkleber mit „FCK Greta“, unverhohlenem Hass auf der persönlichen Facebook-Timeline, „unterkomplexen“ Vorwürfen, sich selbst nicht klimaneutral zu verhalten inklusive des „perfiden Versuchs, Greta Thunberg persönlich zu diskreditieren“ mit ihrer Krankheit.

Dabei habe dieses kleine Mädchen „die größten Jugendproteste der letzten Jahrzehnte“ ausgelöst, den Mächtigen der Welt mit ihrem „sicherlich zugespitzten ‚how dare you‘“ die Stirn geboten. Ihr Satz „ihr habt meine Kindheit gestohlen“ sei aus dem Zusammenhang gerissen und sinnentstellt wiedergegeben worden. „So funktioniert heutzutage Meinungsmache und Manipulation.“ Und warum sich „ein Reicher nicht für einen Armen einsetzen dürfe oder ein Gesunder für einen Kranken, weil er nicht in dieser Situation ist“, sei für ihn nicht nachvollziehbar. „Sachlichkeit und Toleranz stehen uns allen gut zu Gesicht. Nicht nur im Umgang mit kleinen schwedischen Mädchen, die uns die Gretchenfrage stellen.“

Die „Bürgerwind Kevelaer GmbH & Co. KG“ räumte beim Kevelaerer Marketing-Preis in der Kategorie „Klima und Umweltschutz“ ab. Foto: AF

Später wurde er von dem sehr plauderigen Moderator Christoph Kepser nochmal fragetechnisch „in die Mangel genommen“, was aktuelle Vor-Ort-Projekte wie die Innenstadt oder die OW 1 anbetrifft. Er lobte die „Spätschicht“ auf der Busmannstraße als „sehr gute Aktion“ und blickte auf die Veränderungen am Kapellenplatz und Johannes-Stalenus-Platz. „Da bin ich raus“, machte Pichler in Sachen OW 1 klar, dass die aktuelle „vorläufige Vollziehbarkeit“ nicht direkt schon den ersten Baubagger bedeute, weil man dagegen Rechtsschutz beantragen könne.

Im Anschluss an die Begrüßung reichte Pichler den „Staffelstab“ des Redners an den Gast des Abends, den langjährigen Vatikan-Korrespondenten Andreas Englisch weiter. Der gab einen kleinen Einblick in sein umfangreiches Wissen über die besonderen Details und Ereignisse rund um die Päpste und den Vatikan. Er berichtete mit Blick auf den Papst-Besuch 1987 von Johannes Paul II. in Kevelaer von der Vereitelung eines von den Russen angeordneten Mordversuchs auf den Pontifex, von dem Koffer mit dem Ghettoblaster und dem Stones-Stück „Sympathy for the devil“, den dieser mit sich führte, um in Zeiten des Ost-West-Konflikts geheime Gespräche führen zu können.

Der Fahrstuhlfahrer mit auf Auslandsreise

Englisch erzählte von dessen „Lieblingskomponisten Bach“, der bis 1945 als Protestant in der Kirche nicht gespielt werden durfte. Geradezu begeistert klangen seine Ausführungen von dem aktuellen Papst Franziskus, der schlagfertig auf „Heiliger Vater“ mit „Heiliger Sohn“ antworte und sich zur Regel gemacht habe, einen einfachen Menschen wie seinen Fahrstuhlfahrer oder seine Wäschefrau mit auf die Auslandsreisen zu nehmen.

Mit einem Schuss Selbstironie verkleidete Englisch die Geschichte von seinem Badeausflug an der Copacabana in den 80er-Jahren als Mitglied der Papst-Delegation. Er beschrieb die „Standparty“ des Gottesdienstes mit Franziskus – und seinen persönlichen „Bekehrungsmoment“ zum katholischen Glauben, als 50 Fotografen angesichts des Anblicks der Parkinsonschen Krankheit des Papstes die Apparate sinken ließen. „Es gibt Wunder“, meinte er.

Besondere Imagefilme

Danach standen die Preisträger im Mittelpunkt, deren Arbeit ausführlich in einem jeweiligen Imagefilm auf die Leinwand gebracht wurde. Den Anfang machten da die Ausbilder der Schulmensa des S.O.S. Kinderdorfes, die den Marketingpreis in der Kategorie „Integration und Inklusion“ erhielten.

Das SOS-Kinderdorf Niederrhein erhielt als Betreiber der Schulmensa in der Gesamtschule Kevelaer den Marketing-Preis in der Kategorie „Integration und Inklusion“. Foto: AF

Im Anschluss daran erhielten die Gebrüder Heckens aus den Händen von Pichler die Medaille für ihre Bemühungen um eine arbeitnehmerfreundliche Atmosphäre in ihrem Betrieb auf der Hauptstraße, die im Verlauf der Jahre 58 Auszubildende hervorgebracht haben. Die Kategorie dazu nannte sich „Arbeitgeber-Marketing“. Die „Bürgerwind Kevelaer GmbH & Co. KG“ räumte den Preis in der Kategorie „Klima und Umweltschutz“ ab, wobei die Tatsache, dass man nach 34 Millionen Euro Invest schon die Hälfte des gesamten Kevelaerer Stroms abdeckt, für ein Raunen im Publikum sorgte.

Den Sonderpreis 2019 erhielt erstmals ein Sportverein: der „einzige deutsche Meister im Kreis“ (Pichler), die Schießsportgemeinschaft (SSG) Kevelaer, betrat mit der ersten Mannschaft und Lambert Janshen die Bühne, um den Preis entgegenzunehmen. Der erste Vorsitzende und „Vater“ des Erfolges, Rudi Joosten, konnte angesichts seines gesundheitlichen Zustandes nicht kommen, wurde aber von Pichler und den Interviewpartnern selbstverständlich gewürdigt.

Nach zweieinhalb Stunden begann dann die von Pichler angekündigte „dritte Halbzeit“, in der die Ausgezeichneten, die Musiker und alle Gäste an die Theke der Diebels-Brauerei strömten, um bei einem leckeren Gläschen das Jahr und die kurzweilige Veranstaltung selbst nochmal Revue passieren zu lassen.

Eine Bildergalerie zum diesjährigen Marketing-Preis finden Sie hier.

Die Preisträger, Redner und Musiker der Kevelaerer Marketing-Preis-Veranstaltung zum Abschluss auf der Bühne. Foto: AF

So oft hatte noch nie zuvor eine Mannschaft ins Schwarze getroffen

„Uns gehen bald die Superlativen aus“, resümiert Lambert Janshen, zweiter Vorsitzender der Sportschützen der Schießsportgemeinschaft (SSG) und Vater der erfolgreichen Zwillingen Anna und Franka Janssen. Die Schwestern haben zusammen mit Alexander Thomas, Jana Erstfeld und dem Italiener Marco Suppini den absoluten Clou in der ersten Bundesliga erbracht.

Nicht nur den 5:0 Sieg gegen den TuS Hilgert durften die fünf Teammitglieder bejubeln sondern auch die Tatsache, dass sie mit 1.987 Gesamtringen einen neuen Bundesligarekord aufstellten. Damit durchbrachen sie die selbst gesetzte Messlatte aus der vergangenen Bundesligasaison und legten noch fünf Ringe oben drauf. Wie das geht zeigten, die Marienstädler in Weißandt (Sachsen-Anhalt) beim Gastgeber SV Gölzau.

Die Ergebnisse im Einzelnen: Anna Janssen gegen Debora Linn 397:395, Marco Suppini gegen Stephan Martz 399:392, Jana Erstfeld gegen Yasmina Schins 394:390, Alexander Thomas gegen Lara Hasenstab 398:392 und Frank Janssen gegen Christian Schmal 399:384.

Der TuS Hilgert galt zwar als kein schwerer Gegner. Die Mannschaft aus Rheinland-Pfalz bildet in der 1. Bundesliga-Tabelle das Schlusslicht der zwölf Mannschaften aus dem nördlichen Bundesgebiet. Ein Sieg war wahrscheinlich, aber einen neuen Rekord hatten die Tiger um Mannschaftsführer Simon Janssen, nicht auf dem Zettel. „Es kristallisierte sich bereits zur Hälfte des Wettkampfes raus, da habe ich mal hochgerechnet, wenn alle Sportler ihre Leistungen bis zum letzten, der jeweils 40 Schüsse beibehalten, könnte eine neue Bestmarke dabei raus kommen“.

Die Latte liegt jetzt sehr hoch, Kenner trauen den Tigern weitere Rekorde zu. „Daran möchten wir aber nicht zuerst denken. Für uns ist es vorrangig, die Wettkämpfe zu gewinnen. Die Gesamtringzahl steht nicht im Vordergrund, sondern ergibt sich daraus“.

So wie es sich in der Begegnung am Folgetag, gegen den Wissener SV, zeigen sollte. Die Spitzenschützen bewiesen auch hier Bestform und konnten dem Gegner ebenfalls fünf Einzelpunkte abnehmen.

Anna Janssen brachte 397 Ringe auf die Scheibe, Marco Suppini erzielte 398 Ringe, Jana Erstfeld gewann mit 397 Ringen, Alexander Thomas traf nur einmal die Neun und schloss seinen Wettkampf mit 399 Ringen ab und Franka Janssen konnte 395 Ringe für sich verbuchen. Endstand 1.986 Ringe und damit nur um einen Ring schlechter als am Vortag. Was beweist, dass die Tiger wirklich elitär unterwegs sind.
Die SSG Kevelaer führt nun mit 23:07 Einzel- und 10:02 Mannschaftspunkte die 1. Bundesliga-Nord-Tabelle an.

Der nächste Wettkampf findet am Samstag, 23. November, in Künzel-Pilgerzell (Osthessen) beim Gastgeben SV Petersberg statt, wo die Tieger gegen die SB Freiheit, an die Schießlinie treten.

SSG gibt Tabellenführung ab

Der KKS Nordstemmen ist Wiederaufsteiger und galt als einfacher Gegner für die Tiger der SSG Kevelaer. Doch so einfach waren die Hildesheimer am Ende nicht zu schlagen. Besonders die Leistung von Nadine Gudert, die es mit Kevelaers Top-Schützin Anna Janssen zu tun hatte, verblüffte mit 397 Ringen und nahm Janssen, die es auf 396 Ringe brachte, den Einzelpunkt ab.

Auch Alexander Thomas‘ Gegnerin Ayleen Heuft konnte in drei von vier Serien jeweils einen Punkt gut machen und gewann mit 392:389 Ringen. Der für Sergey Richter auf der Ausländerposition eingesetzte Marco Suppini gewann sein Bundesliga Debüt mit 397:391. Jana Erstfeld sorgte mit 399 Ringe für ein fast fehlerfreies Match und lies Gegnerin Dana Klingebiel (384 Ringe) weit hinter sich. Franka Janssen machte mit 392:389 den entscheidenden dritten Punkt. Mit 3:2 gewannen die Kevelaerer das Match und bestätigten die Tabellenführung in der 1. Bundesliga Nord.

Eine harte Nuss

Das nächste Match ging gegen den SV Wieckenberg. Der Verein gilt als nicht einfach zu schlagender Gegner und mit Heimvorteil als noch eine härtere Nuss. Die Begegnung war an Spannung nicht zu toppen. Jana Erstfeld konnte sich von Gegnerin Tina Lehrich schnell absetzen und brachte den Tigern mit 396:384 den ersten Punkt. Auch Alexander Thomas fand zu seiner alten Form zurück und konnte mit 396:393 Ringen von Isabell Ruschel das Match für sich gewinnen. Der eigentliche Krimi fand dann auf den ersten beiden Positionen statt. Vier Topschützen, die sich international schon empfohlen haben, schenkten sich nichts und kämpften jeweils um die wichtigen Einzelpunkte.

SSG‘s Nummer Eins, Anna Janssen, stand dem Norweger Hendrik Larsen gegenüber. Während Janssen bereits in der ersten Serie einmal die Neun traf, blieb Larsen bis zum 38. Schuss fehlerfrei. Auch wenn dann ebenfalls die Neun auf seiner Scheibe aufblinkte, kam Janssen nicht mehr an Larsens Ergebnis heran, da sie in ihrer dritten Serie auch einmal die Zehn verfehlte. Mit 398:399 Ringen ging der Punkt an Gegner Wieckenberg. Das selbe Ergebnis erzielten Marco Suppini und Melissa Ruschel an Duell Nummer zwei. Franka Janssen hatte kein leichtes Spiel mit Gegner Robin Zissel. Mehr Neunen als von ihr gewohnt flogen in den ersten drei Serien auf die Scheibe, sie verlor mit 392:394 Ringen ihre Begegnung.

Punktgleich mit dem SG Braunschweig

Auch wenn die Sportler der SSG nach diesem Wettkampf mit 1980 Ringen die höchste Gesamtringzahl in Liga Nord und Süd an diesem Wochenende erzielten, konnten sie die zwei Mannschaftspunkte nicht einfahren. Es führte zum Endstand 2:3 aus der Sicht der Tiger. Mit 6:2 Mannschafts- und 13:07 Einzelpunkten steht die SSG Kevelaer nun auf Platz drei der Bundesliga-Nord-Tabelle, punktgleich mit dem zweitplatzierten SG Braunschweig.

Vom Jäger zum Gejagten geworden

„Wir gehen selbstbewusst in die Saison, aber es wird sicher kein Selbstläufer, denn jeder wird uns als amtierender deutschen Meister schlagen wollen,“ schätzt der Co-Trainer der SSG Kevelaer, Simon Janssen, die Ausgangslage für die „Tiger“ aus Kevelaer für die anstehende Bundesligasaison Luftgewehr ein.

Vom Trainer und Vorsitzenden der SSG, Rudi Joosten, in den letzten Jahren als sportlicher Leiter aufgebaut, stand Janssen bereits in der letzten Saison den Schützen mit Rat und Tat zur Seite. In diesem Jahr muss er das Team alleine begleiten, da Rudi Joosten aus gesundheitlichen Gründen pausieren muss. „Simon ist selber ein Spitzenschütze und verfügt über das notwendige Fachwissen und das Feingefühl, um unseren Schützen eine echte Hilfe zu sein“, weiß Rudi Joosten seine Schützlinge in guten Händen.

Starke Zusammensetzung

Dabei kann die SSG für die neue Saison auf eine fast ideale Teammischung setzen. Mit Sergey Richter geht ein echtes Urgestein der SSG an die Schießlinie. Der international erfahrene Sportschütze geht in seine zehnte Ligasaison für die Marienstädter vom Niederrhein. Mit seinem errungenen Quotenplatz für die olympischen Spiele in Tokio hat er gute Aussichten, an seinen dritten olympischen Spielen teilzunehmen.

Alexander Thomas geht als frisch gebackener Deutscher Einzelmeister bei den Herren mit breiter Brust in die Saison. Jana Erstfeld ist erst kürzlich von ihrem Auslandssemester zurückgekehrt und zeigte sich in der Ligavorbereitung schon wieder auf Kurs.

Zu den Youngstern des Teams, den Zwillingen Franka und Anna Janssen, hat der aktuelle Coach als älterer Bruder naturgemäß eine enge Beziehung. Franka ist als Luftgewehrspezialistin immer für ein hohes 390er Ergebnis gut und Anna Janssen beherrscht alle technischen Disziplinen trotz ihres Alters von gerade mal 18 Jahren bereits nahezu perfekt. Ihre Ergebnisse bei den Welt-Cups in München und Rio de Janeiro in der Damenklasse und ihr aktueller EM-Titel in Bologna in der Disziplin KK 3×40 unterstreichen ihr Können als Ausnahmetalent des DSB.

Weitere Alternative auf der Ausländerposition

Mit dem Italiener Marco Suppini als Neuzugang hat die SSG Kevelaer eine weitere Alternative auf der Ausländerposition und mit Luisa Günther aus Hessen soll eine weitere junge Schützin über die Reserve der SSG an das Bundesligateam herangeführt werden. Mit drei Vorbereitungswochenenden und dem heimischen Walther Cup als Abschluss haben sich die Ligateams der SSG auf die neuen Herausforderungen bestens vorbereitet. Dennoch sieht Janssen das Saisonziel Finaleinzug als echte Hürde an. „Es gibt sechs Mannschaften in der Bundesliga Nord, denen ich einen Finalplatz zutraue. Wir wollen ebenfalls ins Finale und dann ist alles möglich, auch die Titelverteidigung“, so Janssen.

Mit dem SV Gölzau hat es die SSG Kevelaer gleich im ersten Wettkampf mit einem Vorjahresfinalisten zu tun. Der Wettkampf ist daher ein Gradmesser und eine Standortbestimmung, wie die neue Saison verlaufen kann. „Die Gölzauer können jeden in der Liga schlagen, daher werden wir sie nicht unterschätzen“, beurteilt Janssen den von Fritz Neumann trainierten Gegner aus Sachsen-Anhalt. „Allerdings gilt das für uns auch, daher gehen wir selbstbewusst an die Aufgabe heran“, so Janssen abschließend.

Anna Janssen kann es auch auf Italienisch

Wieder einmal bewies Anna Janssen aus Wetten, dass sie zur derzeitigen Elite der deutschen Sportschützen gehört. Im Vorkampf bei der diesjährigen Europameisterschaft Gewehr und Pistole brachte es die 18-jährige Schülerin beim Kleinkaliber (KK) 3×40 Wettkampf auf insgesamt 1157 Ringe. „Das ist jetzt kein besonders hohes Ergebnis, um auf einen Finalplatz zu hoffen. Dass es am Ende doch gereicht hat, fand ich echt erstaunlich“, resümiert die frisch gebackene Europameisterin kurz nach der Siegerehrung im italienischen Bologna.

Mit guten Ergebnissen aus dem Kniend- und Liegendanschlag (392/391) musste sie noch 40 Schuss im Stehen absolvieren. Nach den ersten neun Schuss lief auch soweit noch alles nach Plan, dann kam der letzte Schuss in der ersten Serie und dieser ging in die Sechs. „Da ist bei mir ein Licht ausgegangen vor Schreck. Ich stand noch nicht im Ziel und bin dann an den Abzug gekommen. Für mich war in diesem Moment klar, dass ich keine Chance auf einen Finalplatz haben werde“. Sehr ärgerlich, aber auch den Profis passiert so etwas schon mal.

Mannschaftskollegen waren auch erfolgreich

Janssen ist nach diesem Schuss erst mal von der Schießlinie getreten und hat mit ihren Nationaltrainern Gespräche zur Aufmunterung geführt. Routiniert beendete sie den Stehend-Anschlag anschließend mit 374 Ringen und wurde in der Schlussrechnung Siebte. Auch ihre Mannschaftskollegen Johanna Tripp (1158 Ringe) und Melissa Ruschel (1157 Ringe) erreichten das Finale der besten acht Schützen aus dem Vorkampf.

Zu diesem Zeitpunkt hätten die drei Topathleten bereits eine Flasche Sekt köpfen können, denn das Mannschaftsgold war ihnen bereits sicher. Aber jetzt musste die ganze Konzentration dem Finale gewidmet werden. Auch hier konnte Janssen konstant ihre Können abrufen, schwächelte nach eigener Aussage etwas beim Liegendanschlag. Sie holte aber im Laufe des Wettkampfes immer weiter auf und fand sich zum Schluss an der Spitze der Tabelle wieder, wo sie dann auch verharrte bis sie nur noch mit der Italienerin Sofia Ceccarello und mit Melissa Ruschel vom SV Wieckenberg an der Schießlinie stand.

Die Goldmedaille gesichert

Janssen machte es hier noch einmal spannend und sorgte mit einer 8,5 dafür, dass die Italienerin (9,6) den Vorsprung auf 0,8 Ringe von Janssen verkürzte. Für Ruschel (10,7) stand bereits fest, dass sie es nicht mehr auf Platz 2 schaffen wird und sie gewann Bronze. Der letzte Schuss (Janssen 10,5/Ceccarello 10,3) bestätigte bereits den Trend, den die Kevelaererin gesetzt hatte: Mit 459,3 Ringen und neuem Junioren Weltrekord gewinnt Anna Janssen die Goldmedaille.

„Ich bin mehr als zufrieden und glücklich, dass das hier alles so gut gelaufen ist. Das war ein echt gelungener Saisonabschluss. Auch, dass meine Mannschaftskolleginnen das Finale ebenfalls erreicht haben und wir Teamgold gewonnen haben, freut mich sehr.“ Janssen wird das Kleinkalibergewehr für die nächsten Monate erst einmal in die Ecke stellen und sich ganz dem Luftgewehr-Training widmen. In vier Wochen beginnt die Bundesliga Saison 2019/20, bei der sie mit ihrer Mannschaft von der SSG Kevelaer den Deutschen Meistertitel verteidigen möchte.

Gold und Weltrekord

Die 17–jährige Sportschützin der SSG (Schießsportgemeinschaft) Kevelaer, Anna Janssen, gewinnt beim Junioren World Cup in Suhl mit dem Kleinkaliber-Gewehr.

Die Inder und Chinesen sind nicht zu unterschätzen. Eine Tatsache die jeder Schießsport Interessierte weiß. Und tatsächlich haben diese beiden Nationen ihre besten Nachwuchsschützen in das thüringisches Suhl, zum Juniors World Cup geschickt.

„Gerade im Luftgewehrbereich haben die Inderinnen in den letzten zwei Jahren unglaublich aufgeholt, zur Schule gehen müssen die nicht, die Lehrer kommen zum Schießstand und unterrichten in den Trainingspausen“, berichtet Vater Lambert Janshen aus Suhl.

Anna und Franka Janssen sind feste Mitglieder des Junioren Nationalkaders, haben regelmäßig Trainingslehrgänge mit dem Team, bereisen die halbe Weltkugel für wichtige internationale Wettkämpfe und besuchen gleichzeitig die Oberstufe des Collegium Augustinianum Gymnasium in Goch. Ein Pensum, welches nur mit äußerster Disziplin und einem großen Haufen Spaß bewältigt werden kann.

Wenn es nicht geht oder wenn andere Interessen überwiegen, macht es auch nichts, wenn ein Sportschütze kürzer treten möchte, so hat Franka Janssen im letzten Jahr das Kleinkaliberschießen an den Nagel gehängt und konzentriert sich jetzt ausschließlich auf das Luftgewehrschießen und ist damit nicht minder erfolgreich wie ihre Zwillingsschwester Anna. Beide schießen in der 1. Bundesliga-Mannschaft der SSG Kevelaer und wurden im Februar deutscher Mannschaftsmeister mit dem Luftgewehr.

Mit eben diesem Sportgerät sollten nun auch beste Platzierungen beim World Cup erzielt werden. Hier brachte es Anna Janssen nach sechzig Schuss und 625,1 Ringen auf Platz 20. Franka konnte mit 618,4 Ringen den 61. Platz belegen. Gewonnen hat diesen Wettkampf, nach dem Finale der besten acht Schützen aus dem Vorkampf, die Inderin Valarivan vor ihrer Landsmännin Ghosh. Teilgenommen haben 124 Schützinnen aus der ganzen Welt.

Beim Kleinkaliber (KK) – liegend – Wettkampf erzielte Anna Janssen als beste Deutsche den 22. Platz mit 618,3 Ringen.

Bei der KK–Königsdisziplin, 50 Meter, 3 Positionen, müssen jeweils 40 Schuss in der Reihenfolge kniend, liegend und stehend, abgegeben werden. Anna hat in der Vergangenheit oft bewiesen, dass sie hier einige Ringe mehr als ihre Konkurrentinnen treffen kann. So auch jetzt. Mit einem sehr guten Qualifikationsergebnis von 1.177 Ringen und dem zweiten Platz, zog die Wettenerin ins Finale der besten acht Schützinnen ein. Hier hielt sie sich bis zum Stehendanschlag im Mittelfeld. Nach dem letzten Gewehrumbau, traf sie die höheren Ringzahlen und konnte beobachten, wie eine Finalistin nach der anderen die Schießlinie verließ. Zum Schluss stand sie nur noch mit ihrer Teamkollegin Melissa Ruschel im Anschlag und hatte genau einen Ring Vorsprung. Mit einer 9,8 und Ruschels 10,1 war dann klar, Anna ist neue World-Cup Siegerin.

Ein weiteres Sahnehäubchen: Auch mit dem deutschen Team gewann Janssen Gold vor den sehr starken Chinesinnen. Mit insgesamt 3.509 Ringen holte die Mannschaft Janssen / Ruschel / Weindorf noch zusätzlich den neuen Juniorinnen Weltrekord.