Beiträge

Ein Mann des Ausgleichs

Wenn Horst Blumenkemper beschreiben soll, was ihn persönlich und politisch geprägt hat, muss er nicht lange überlegen. „Das hatte alles mit Gerechtigkeit zu tun“, sagt der SPD-Politiker, der am heutigen Mittwoch 75 Jahre alt wird. Blumenkemper wurde am 5. Februar 1945 in Sachsen-Anhalt in der kleinen Gemeinde Pömmelte geboren. Er hat noch eine fünf Jahre ältere Schwester. „Wir waren von Kevelaer evakuiert im Bereich der Elbe“, erzählt der Jubilar. Nach dem Krieg  kehrte die Familie nach Kevelaer an die Weezer Straße zurück. Sein Vater war bei der Bundesbahn im Weichenbau lange Jahre tätig, dann Soldat und nach dem Krieg war er Schrankenwärter, Polsterer und Dekorateur – und Sozialdemokrat. „Aber der hat sich weniger engagiert. Er war ja von Berufs wegen nicht viel zu Hause.“

Den jungen Horst interessierte Politik brennend. „Wir haben immer schon im Radio Bundestagssitzungen gehört.“ Aus Büchern bekam er später „die Rolle der SPD in der ‚Braunzeit‘ und welchen Attacken sie schon unter Hindenburg ausgesetzt war“ vermittelt. „Und mein Vater beschrieb mir auch das Soldatenleben unter der ‚braunen Brühe‘.“ 1951 kam Blumenkemper in die Hubertusgrundschule, danach auf das Pro-Gymnasium in der Bogenstraße. Nach der Schulzeit trat er 1965 – nach einem Jahr im Wartestand – in die Polizei ein, fuhr zur Ausbildung unter anderem nach Linnich und Bochum. Nebenbei machte er Musik in einer Beatband namens „Scorpions“. Im Dezember 1967 heiratete Blumenkemper seine Margarete. Um 1963/1964 trat er in die Kevelaerer SPD ein, knüpfte Kontakte zu Sozialdemokraten wie Hein Friesen und Helmut Esters, den er sich nicht scheut, „eine Art Ziehvater“ zu nennen.

Eine Art Neuanfang in Kevelaer

1968 kam Blumenkemper als Polizist nach Köln, fuhr da Funkstreife, wohnte dort auch neun Jahre. Politisch engagierte er sich für Themen wie Verkehr und für die Personen am Rande der Gesellschaft. Er machte seine Ausbildung zum Kommissar, wurde Einsatzleiter der Polizei im Müngersdorfer Stadion. Im Jahr 1977 kam er erst nach Moers, dann nach Geldern und nutzte die Chance, nach Kevelaer als stellvertretender Stationsleiter zu kommen. „Das war wie ein Neuanfang, ein zweites Erleben von Kevelaer. “

Den Brand der Antoniuskirche erlebte er hautnah als Beamter vor Ort mit. Als sachkundiger Bürger vertrat er die SPD im Planungsausschuss, kümmerte sich um bauliche Fragen, die Verkehrsstruktur und die OW1. Im Jahr 2014 übernahm Blumenkemper nach dem gesundheitsbedingten Rückzug von Ralf Angenendt die SPD-Fraktion. „Das war nicht einfach“, meint der Jubiliar. „Aber wir haben das integrierte Handelskonzept positiv begleitet und erreicht, dass das Mehrzweckbecken gebaut werden konnte.“ Und der Gestaltungsprozess auf der Hüls komme allen zugute.

Ein Abschied mit Wehmut

Für ihn sei wichtig gewesen, große Entscheidungen die Stadt betreffend „auf große Füße“ zu stellen, auch zusammen mit anderen Fraktionen. „Der Bürger erwartet von uns, die Stadt nach vorne zu bringen, dass alle was davon haben. Das ist meine Art von Politik.“ Fairer Umgang und Glaubwürdigkeit spielten dabei die entscheidende Rolle. Bei der Kommunalwahl im September tritt Blumenkemper nicht mehr an. Den Abschied sieht er mit  Wehmut. „Aber mit 75 nach gut 50 Jahren kann man vielleicht auch mal sagen, es muss gut sein.“ Ein politischer Mensch werde er aber immer bleiben, sagt Blumenkemper.

Hobbys gibt es mit Tennis, Fahrradfahren, der alten  Fender Stratocaster aus Bandzeiten und Schalke 04 genug. Und wie er die Zukunft seiner Partei sieht? „Ich bin nicht optimistisch im Moment. Das liegt aber immer an den Charakteren, die in der Politik unterwegs sind – sowohl oben als auch unten.“

SPD Kevelaer wählt neuen Vorstand

Der SPD-Ortsverein Kevelaer hat am Freitag, 31. Januar 2020, in der Gaststätte „Gelder Dyck“ im Rahmen der Jahreshauptversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Dieser wird nun für zwei Jahre tätig sein.

Die 30 anwesenden Sozialdemokrat*Innen, darunter auch sieben Neumitglieder, wählten Ulli Hütgens als Vorsitzenden, Heinz Ermers als stellv. Vorsitzenden, Lothar Hermens als Kassierer, Michael Vonscheidt als stellv. Kassierer, Karin Heyer als Schriftführerin, Moritz Walter als Pressesprecher, Jasmin Ermers als Bildungsbeauftragte sowie Irene Vonscheidt und Udo Fischer als Beisitzer/in.

Der neugewählte Vorstand bedankt sich bei allen Anwesenden und freut sich auf erfolgreiche zwei Jahre in Kevelaer.

Verkehr, Klimaschutz und ein Nachfolger

Die wichtigste akute Personalie, die die Kevelaerer SPD in dem Moment beschäftigte, wurde erst gegen Ende der Mitgliederversammlung in der Gaststätte „Gelder Dyck“ von dem Ortsvorsitzenden Michael Vonscheidt angesprochen. „Bedauerlicherweise hat Heinz Ermers entschieden, sein Mandat als Ratsmitglied zurückzugeben“, sagte Vonscheidt und dankte ihm „für die langjährige Zusammenarbeit, die Du geleistet hast.“ Keine Silbe sagte Vonscheidt allerdings zu der Motivation für den Rückzug. „Wenn, dann soll er das selbst beantworten.“

Der anwesende Ermers hüllte sich zu dieser Frage in Schweigen. Der SPD-Ortsvorsitzende machte lediglich eine indirekte Andeutung. „Wenn Gras über die Sache gewachsen ist, können wir Dich vielleicht irgendwann wieder mit einbinden.“ Eine Diskussion über den aktuellen Zustand der Fraktion fand im Anschluss im Rahmen der Versammlung nicht statt. Als Ermers‘ offiziellen Nachfolger bestätigte Michael Vonscheidt Niklas Jansen, der das Mandat von Ermers ab der Ratssitzung am 19. Dezember 201 bis zur Kommunalwahl Mitte September 2020 wahrnehmen wird.

Anregungen zur Verbesserung des Radwegeverkehrs

Zuvor hatten die beiden Gäste – die Kevelaerer Klimaschutzmanagerin Nina Jordan und der Vorsitzende des ADFC im Kreis, Eckehard Lüdke – in komprimierter Form ihren jeweiligen Tätigkeitsbereich erläutert. Dabei machte Nina Jordan in Sachen Klimaschutz deutlich: „Wir liefern die Rezepte – kochen müssen die Parteien.“ Ausführlicher ging dann Lüdke auf die Gründung des ADFC-Kreisverbandes ein, wobei er positiv hervorhob, wieviel an positiven Impulsen man in dem knappen Jahr seit der Zusammenkunft der verschiedenen Aktiven bereits gesetzt habe. Dazu zählte er unter anderem auch die Podiumsdiskussion im Petrus-Canisius-Haus, bei der Anregungen aus dem Plenum für die Verbesserung des Radwegeverkehrs in der City gekommen waren.

Ausgehend von diesem kurzen Bericht entwickelte sich unter den Anwesenden eine Diskussion über E-Ladestationen in der City – und über die Frage darüber, ob eine autofreie Innenstadt für Kevelaer eine Option und für die SPD eine politische Forderung sein könnte, um mit klarem Profil in die bevorstehende Kommunalwahl zu ziehen

Das SPD-Mitglied Klaus Hölzle nannte das Beispiel Oslo, wo es „auch erst einen Aufschrei“ gegeben hatte, als das entschieden wurde. „Heute funktioniert das tadellos.“ Norbert Baumann argumentierte: „Entweder man zwingt die Leute oder man überzeugt sie davon. Beim Zwingen habe ich ein ungutes Gefühl.“ Die Geschäftsleute der Stadt hätten es ja eh schon schwer.

Den Bürgerbus stärken

Björn Völlings hielt die Idee, den Autoverkehr einzuschränken, für nicht schlecht, „weil uns effektiv Platz fehlt.“ Ein komplettes Verbot sah er aber nicht. „Die Marktstraße ist eng und unübersichtlich“, konnte er sich an der Stelle durchaus vorstellen, dass dort nicht mehr geparkt werden sollte. Der Juso-Vertreter Moritz Walter regte an, den Bürgerbus zu stärken.

Die Klimaschutzmanagerin Nina Jordan machte klar, dass im kommenden Jahr ein Fuß- und Radwegekonzept seitens der Stadt auf der Agenda steht. Die Entwicklung des Peter-Plümpe-Platzes sehe sie fußgänger- und radtechnisch als Chance. „Man muss sich ein Stück die Innenstadt als Bürger zurückholen“, gab sie der Hoffnung Ausdruck, „dass sich die SPD da positioniert.“ Und Lüdke regte an, bei dem Thema „das Feld nicht den Grünen“ zu überlassen. Es brauche Rad-Abstellflächen unter anderem an Schulen und Bahnhof. „Ich setze darauf, dass sich über die Kinder der Gedanke der Mobilität verändert.“

Was die SPD und den Haushalt 2020 angeht, berichtete Michael Vonscheidt von der Fraktionsklausur von vor zwei Wochen im Priesterhaus, wo die Beteiligung seiner Aussage nach aber nur „mäßig“ gewesen sei. Einige Anträge seien bei der Beratung aber herausgekommen, die er an dem Abend allerdings nicht konkret benennen konnte.

In Sachen Kreistagspolitik berichtete das Kreistagsmitglied Jörg Vopersal über ein Modellprojekt zur Hebammen-Unterstützung, der Schulsozialarbeit in den Berufskollegs und dem Kies-Abgrabungskonzept für den Kreis. „Wir müssen das Augenmerk darauf richten, dass wir nicht ein noch löchriger Käser werden“, verwies er auch auf das Beispiel des benachbarten Kreises Wesel, wo zur Zeit heftig gegen weitere Abgrabungen protestiert wird.

Flughafen mit Perspektive?

Ein zentraler Punkt der Diskussion war dann die Frage nach der Zukunft des Flughafens Weeze-Laarbruch, wo sich die Kreistagsfraktion noch nicht festgelegt hat, wie sie vorgehen will und ob der Flughafen trotz der geplanten millionenschweren Kreis-Unterstützung eine langfristige Perspektive hat. Aufklärung soll die Fraktionssitzung am Montag im Weezer Rathaus erbracht haben, wo der Flughafen-Geschäftsführer Ludger van Bebber nähere Informationen zum aktuellen Stand der Situation am Flughafen geben wollte.

Moritz Walter von den Jusos dankte der Kreistagsfraktion dafür, dass sie das Anliegen von sieben Euro Zuschuss für das „Nightmover-Ticket“ mit unterstützt hat. Und die Versammlung wählte die Delegierten für die SPD-Kreiskonferenz Anfang 2020 – der genaue Termin steht noch nicht fest.

Das Gesundheitswesen krankt

“Der frühe Vogel fängt den Wurm”, dem Geist des Sprichworts folgend, hatten sich rund 80 Teilnehmer schon recht früh zum Zukunftsforum “Gesundheit” im Hotel Klostergarten zusammengefunden. Zu dem Treffen hatte die SPD-Fraktion im Kreis Kleve eingeladen.
Man habe dieses wichtige Thema “”Gesundheit” schon länger auf dem Schirm und wolle über solche Diskussionen und Impulse wie an diesem Tag als Partei „diesen emotionalen Kümmer­aspekt wieder packen“, erklärte der SPD- Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Jürgen Franken.
Im Jahr 2013 habe man mit verschiedenen Trägern einen gemeinsamen Gesundheitsbericht verfasst, sagte Norbert Killewald, SPD-Unterbezirksvorsitzender und Mitverfasser des Berichts. Die Beteiligten hätten das auch jetzt angestrebt, aber „der Kreis hat da geblockt“. Entsprechend habe man sich dazu entschlossen, die Beteiligten im Gesundheitswesen an einen Tisch zu bringen und die Ergebnisse in einem Dokument der Öffentlichkeit vorzustellen.
Regionale Experten
Aus diesem Grund hatte die Fraktion zahlreiche Akteure aus dem Gesundheitsbereich der Region eingeladen, um die diversen Aspekte des Themas auch beleuchten zu können. Das Impulsreferat hielt die Bielefelder Professorin für Gesundheitswissenschaften, Kerstin Hämel, die unter anderem die Bedeutung der quartiersnahen Versorgung und die Notwendigkeit der stärkeren Steuerung und Koordinierung der einzelnen Bereiche im Gesundheitswesen unterstrich.
Im Anschluss daran kamen an acht Thementischen die regionale Expertinnen und Experten zu Wort – darunter alle drei im Kreis Kleve tätigen Krankenhausträger mit dem Pro-Homine-Geschäftsführer Johannes Hartmann, dem Pflegedirektor Andreas Kohlschreiber für das Clemens-Hospital und Thomas Peters, Regionaldirektor des Kevelaerer Marienhospitals.
Daneben schilderten der stellvertretende AOK-Regionaldirektor Bruno Overkamp, Alexia Meyer für den Caritasverband Kleve, Regina Schüren für den Caritasverband Geldern-Kevelaer sowie Christian Nitsch als Inhaber der Clivia-Gruppe die Lage in ihrem jeweiligen Bereich.
Am Nachmittag fasste Norbert Killewald die Ergebnisse der Diskussion ausführlich zusammen. Es sei deutlich geworden, dass Gesundheit und Pflege ein wachsender Markt in den nächsten dreißig Jahren sein werden, so Killewald. So würden kreisweit 633 Pflegeplätze bis 2025 fehlen – das bedeute den Bau von acht bis zehn neuen Altenheimen, sagte der SPD-Politiker.
In der Diskussion stellte sich auch heraus, dass es richtiggehende „weiße Flecken“ wie Issum oder Rheurdt gebe, wo gar keine Pflegeeinrichtugen existierten.
Die AOK habe klargemacht, dass ein Großteil der Krankenhausaufenthalte vermeidbar seien und zu häufig ambulante Dienste in der Notaufnahme verrichtet werden müssten. Die Hospitäler erhielten zu wenig an Investitionskostenbeihilfe. „Das Land muss die Steine bezahlen“, forderte Killewald. Die Finanzierung des Systems sei in allen Gruppen ein großes Thema gewesen – genauso wie die Personalsituation in der stationären und ambulanten Hilfe und das Problem der niedergelassenen Ärzte.
34 Hausarztstellen frei
In der Diskussion sei außerdem herausgekommen, dass kreisweit 34 Hausarztstellen unbesetzt sind. „Das ist eine große Zahl, die uns nicht kalt lässt.“ Schon jetzt zeige sich in Orten wie Kervenheim, welche Auswirkungen das für die Lebensqualität der Menschen habe. „Wenn wir da nicht einschreiten, sind das Probleme, die wir in zehn Jahren gar nicht mehr eingefangen bekommen.“
Es sei klar geworden, dass es einer hohen Flexibilität und Kreativität seitens der Arbeitgeber bedürfe, um Mitarbeiter zu halten oder zu gewinnen. Man versuche das über Dienstplan-Modelle und über Mitarbeiter aus Drittstaaten, meinte Christian Nitsch von der Clivia-Gruppe. „Aber selbst mit 1.100 Euro Ausbildungsvergütung im ersten Jahr gelingt es oft nicht, Ausbildungswillige zu halten.“ Die öffentliche Hand müsse dazu ergänzend die Rahmenbedingungen wie Kinderbetreuung, öffentlichen Nahverkehr oder bezahlbaren Wohnraum für Alleinerziehende verbessern.
In Sachen Schwangeren-Versorgung meinte Killewald: „Was mich erschreckt hat, war, dass wir kein Angebot für alle haben.“ Man erreiche nicht alle der 2.500 Schwangeren, da gebe es vor allem auch Sprachbarrieren.
Wichtig war bei diesem Thema auch die Diskussion um die Haftpflichtversicherung für Hebammen. „Da stellte sich die Frage, ob da Kommunen oder der Kreis nicht einspringen sollen.“ Daneben wurden auch Forderungen nach einer Senioren- und Pflegeberatungsstelle sowie einer Palliativstation im Kreis Kleve laut.
Am Ende des Forums dankte der SPD-Kreistagsvorsitzende Jürgen Franken den Teilnehmern für die konstruktive Diskussion. „Wir werden uns die Ergebnisse genau ansehen und für die nächste Legislaturperiode nutzen.“ Das Thema “Gesundheit” sei ein wichtiges Schwerpunktthema. An dem Thema zeige sich, „dass Politik anders gedacht werden muss, weniger parteipolitisch, sondern pragmatisch.“

Die Jusos sind wieder da in Kevelaer

Es schien schon etwas überraschend. In Zeiten, in denen scheinbar das Interesse für und das Vertrauen in die Politik zunehmend sinkt, beschließen einige junge Kevelaerer, dass es höchste Zeit ist, sich wieder politisch zu formieren und für die Jusos aktiv zu werden.
An diesem Nachmittag bleibt die Beteiligung allerdings ernüchternd gering. Gerade mal zwei Mitglieder haben den Weg in das SPD-Bürgerbüro an der Annastraße 70 gefunden- Moritz Walter und Nils Schink. Ein drittes Mitglied verletzt sich auf dem Weg zur Versammlung und entschuldigt sich kurzfristig.
Einstimmig gewählt – mit zwei Stimmen
Nach der Begrüßung durch Moritz Walter geht es auch schon schnell über zur Nominierung und Wahl des Vorsitzenden und seines Stellvertreters. Es wirkt etwas skurril, wenn zwei Mitglieder eine geheime Wahl durchführen und die Wahlzettel von einer Wahlkommission gezählt werden müssen, aber so sagt es die Satzung. Daran halten sich die Anwesenden auch penibel. So werden Moritz Walter und Nils Schink dann auch einstimmig gewählt, ein Ergebnis, was im politischen Umfeld nicht allzu häufig vorkommt.
Nach den Formalien geht es über zur Vorstellung der Pläne und Positionierungen der Jusos in Kevelaer. Man möchte die Bezuschussung des NightMover-Tickets anheben von jetzt 5 auf mindestens 7 Euro, damit es den heutigen Kosten für Personentransport mehr entspräche. Auch möchte man mehr Fahrradständer installieren, beispielsweise am Museum.
Die Fahrradboxen am Bahnhof sollen besser beleuchtet werden, damit man der wachsenden Anzahl an Diebstählen entgegenwirken könne. Aber auch umweltpolitische Themen stehen auf dem Programm, so wolle man sich für die Anlage von Kleingärten stark machen. Sowieso wolle man sich mit den Jugendorganisationen der anderen Partien zusammensetzen; sich kennenlernen und sehen, wo man Themenüberschneidungen habe, für die man gemeinsam kämpfen könne.
„Das hat jetzt nicht so geklappt wie erhofft“, zeigt sich Moritz Walter enttäuscht, dass so wenige Interessenten zur Gründungsveranstaltung gekommen sind. Manche hätten es schlichtweg vergessen, andere haben sich nicht zurückgemeldet. Man wolle eine Analyse machen, woran es gelegen hat. „Aber“, so der 25-jährige Student, „die Jusos existieren wieder in Kevelaer. Jetzt kann Aufbauarbeit geleistet werden.“ Viele Ziele und Ideen haben sie auf jeden Fall. Jetzt wolle man mehr Jugendliche mobilisieren, sich politisch zu engagieren.
“Bildet Banden”
„Bildet Banden“, erklärt der frisch gewählte Moritz Walter, dass man sich zusammenschließen muss, damit man, auch im kleinen Rahmen, bei wichtigen Entscheidungen mitreden und was bewirken kann. Gerade in der letzten Zeit gibt es bei den Jugendlichen so etwas wie es eine Renaissance des politischen Widerstandes. Ein Aufbegehren gegen die Apathie, ein Aufruf des Protestes geht von den Jugendlichen aus, weshalb es auch in unserer Region „Friday-for Future“-Kundgebungen gibt. Die Jugend sieht, dass was gemacht werden muss, und daran möchten sich Moritz Walter und Nils Schink beteiligen.

Kevelaerer Jusos gründen sich

Es ist einige Jahre her, dass es in Kevelaer zuletzt eine Ortsgruppe der Jusos gab, der Jugendorganisation der SPD. Ab Sonntag soll das wieder anders werden: Dann will sich erneut eine Ortsgruppe gründen. Initiator ist der Kevelaerer Moritz Walter.

Walter hat im Studium in Paderborn in der Juso-Hochschulgruppe erstmals „SPD-Luft geschnuppert“, wie er im Gespräch mit dem KB erzählt. „Von den Aktionen und der Energie war ich begeistert“, erinnert er sich. In die Partei eingetreten ist der heute 25-Jährige, „weil ich von Martin Schulz begeistert war“. Sympathien für die SPD und deren Themen habe er aber schon immer gehabt und auch die Geschichte der Partei imponiere ihm. Das „Hamburger Programm“, das Grundsatzprogramm der SPD, habe er gelesen und „das hat Hand und Fuß.“

Zurück in der Heimat nahm Walter Kontakt zu den Jusos in Kleve auf, fand aber schnell: „Politische Jugendarbeit wäre doch auch eine schöne Sache für Kevelaer.“ Beim Ortsverband der SPD in Kevelaer rannte er offene Türen ein. Neun Mitglieder sind dort derzeit im „Juso-fähigen Alter“, also nicht älter als 35 Jahre. „Fünf von ihnen habe ich schon persönlich kennengelernt, die sind alle klasse!“, freut sich Walter. Gemeinsam wollen sie nun offiziell als Jusos auftreten.

„Wir werden uns zunächst auf das konzentrieren, was Jugendliche und junge Erwachsene in Kevelaer wollen“, sagt der 25-Jährige. „Wir wollen uns Wünsche anhören und diese, wenn möglich, in die Tat umsetzen.“ Ein erstes Thema könnte der öffentliche Nahverkehr in Stadt und Kreis sein. So sei eine Juso-Forderung, die Fahrtkosten für den Nightmover auf circa 7,50 Euro anzuheben, damit dieser besser finanziert werden kann. In Kevelaer möchte Walter sich für mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder einsetzen. „Das ist ausbaubar.“

Am 16. Januar starb Wolfgang Funke

Der langjährige Lokalpolitiker und ehemalige Rektor der Kevelaerer Edith-Stein-Hauptschule, Wolfgang Funke, ist am 16. Januar 2019 im Alter von 76 Jahren verstorben.
Der gebürtige Essener hate in jungen Jahren zunächst eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann gemacht, bevor er auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur nachholte, um in Bochum und Essen Pädagogik und Erziehungswissenschaften zu studieren.
1972 heiratete er seine Frau Anita. Drei Jahre später kommt Tochter Sonja zur Welt, noch einmal drei Jahre später folgt Sohn Robin. Für seine Familie war Funke immer da und hat seine Kinder auch nachdem diese längst das Haus verlassen hatten, immer gerne beraten und unterstützt. Als „liebevoll, großherzig und stets optimistisch“ beschrieb ihn seine Familie.
Seine Laufbahn als Pädagoge begann Funke 1973 nach einem kurzen Intermezzo als Fachleiter Wirtschaftslehre in Geldern als Lehrer an der Kevelaerer Theodor-Heuss-Hauptschule. Von 1985 bis 2004 leitete er als Konrektor und schließlich als Rektor die Kevelaerer Edith-Stein-Hauptschule. Seine Schüler beschrieben ihn als Leistung einfordernd, aber stets fair – ein Urteil, das viele Kevelaerer teilten, nicht zuletzt in der Politik.
Denn Funke war für die SPD von 1975 bis 1999 Mitglied im Rat der Stadt Kevelaer und von 1984 bis 1991 Vorsitzender des hiesigen SPD-Ortsvereins. Der Sozialdemokraten lag das Gemeinwohl sehr am Herzen und er wollte stets Dinge vorantreiben und besser machen. Neben Helmut Esters und Winfried Janssen war es vor allem Wolfgang Funke zu verdanken, dass die SPD in Kevelaer bei der Kommunalwahl 1989 erstmals mehr als 30 Prozent der Stimmen erhielt. Als sachkundiger Bürger gehörte Funke bis zuletzt der SPD-Fraktion an und war Mitglied der Spielplatzkommission.
In der Arbeiterwohlfahrt Kevelaer und im Generationenhaus der evangelischen Kirchengemeinde Kevelaer war Funke auch nach seiner Pensionierung als ehrenamtliches Vorstandsmitglied tätig. Außerdem arbeitete er seit Beginn des Ruhestands an einer Schulchronik und widmete sich ausgiebig dem Reisen. Seinen weiteren Hobbys – Langlauf, Segeln, Motorboote, Fahradfahren und Kieser-Training – ist er bis zuletzt gerne nachgegangen und hat sich zu Hause an seinen diversen Haustieren erfreut.
Wolfgang Funke hinterlässt seine Frau, seine beiden Kinder sowie vier Enkel.


Update: Der Nachruf wurde am 22. Januar 2019 um weitere Facetten aus dem Leben von Wolfgang Funke ergänzt.