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Neubau am Bahnhof beginnt

Die erste Jahreshälfte 2020 hatte der Geschäftsführer der Lebenshilfe Gelderland, Günther Voß, im Dezember 2018 gegenüber dem Kevelaerer Blatt als Ziel genannt für die Eröffnung des Neubaus am Kevelaerer Bahnhof. Dieser Zeitraum ist fast vorbei, doch zumindest die Bauarbeiten haben nun doch noch begonnen. Die Erdraumarbeiten laufen und der Aushub für die Teilunterkellerung steht kurz bevor. Neuer Fertigstellungstermin soll nun in etwa 15 Monaten sein.

„Es war eine lange Zeit des Wartens, der Planungen und der Verschiebungen“, erzählt Voß im Gespräch mit dem KB. Der erste Entwurf damals stieß in der Politik auf Kritik, sollte der Neubau an prominenter Stelle doch ein Flachdach besitzen und vergleichsweise hoch ausfallen. So mancher fand, das werde nicht in die Nachbarschaft passen. Die Lebenshilfe reagiert und ließ den Entwurf anpassen. Die Höhe ist zwar geblieben, doch die neue Dachform führt dazu, dass das Gebäude zuletzt keine weitere Kritik mehr erntete.

Aufwendige Abstimmung

„Das neue Dach bedingt auch eine andere Kurvatur und andere Kosten. Die mussten dann wieder mit NRW-Bank und anderen Kostenträgern abgestimmt werden. Dann wieder gibt es zulässige Quadratmeter-Höchstgrenzen für zwölf Wohnplätze, Brandschutzauflagen ändern sich und müssen abgestimmt werden und währenddessen rennen die Baupreise davon und die Kosten müssen erneut abgestimmt werden…“, beschreibt Voß die vergangenen Monate.

Mit zwölf Plätzen werden das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss als Ersatz für die Lebenshilfe-Einrichtung an der Holbeinstraße dienen. Dort waren die heutigen Anforderungen nicht mehr zu erfüllen, unter anderem was Barrierefreiheit und die Anbindung persönlicher Nasszellen an jede Wohnung betrifft. „Das nachzurüsten wäre genauso teuer gewesen wie der Neubau“, begründet der Chef der Lebenshilfe. Jetzt liegt dieser Teil des Neubauprojektes bei rund 1,6 Millionen Euro Baukosten; hinzu kommen weitere 600.000 Euro für das zweite Obergeschoss, in dem sich vier Appartements für ambulantes betreutes Wohnen befinden werden. Die Aktion Mensch und die Stiftung Wohlfahrtspflege fördern das Vorhaben mit rund 110.000 bzw. 200.000 Euro. Die Lebenshilfe selbst trägt wie in solchen Fällen üblich zehn Prozent der Baukosten und den Grundstückserwerb. Weitere Mittel stammen vom Landschaftsverband Rheinland bzw. aus einem Darlehen der NRW-Bank.

Auf dem Grundstück möchte die Lebenshilfe außerdem einen Sinnesgarten einrichten. Insgesamt ein „schönes und ansehbares Projekt an exponierter Stelle“, freut sich Voß nun auf die Umsetzung. Das alte Gebäude an der Holbeinstraße wird bis zur Fertigstellung des Neubaus weiter benötigt. Daher ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar, ob die Lebenshilfe dafür eine Anschlussverwendung finden wird. Die Entscheidung fällt wohl in den kommenden Monaten. Sicher ist für Voß: „Das Gebäude wird weiter sozialen Zwecken dienen.“

Sicherer Hafen oder nicht?

Der KB-Artikel „Die Kinder sollen nicht kommen“ hat großen Anklang gefunden. Gleich mehrere KB-Leserinnen und Leser melden sich in Zuschriften an die Redaktion zu Wort:

Wir haben Pflaster, die das menschliche Leid mildern könnten
Als Kevelaerer, seit 50 Jahren in der Nähe von Köln lebend, blättere ich gerne ab und an im KB, um zu wissen, wie die Uhren am Niederrhein ticken und insbesondere, wie es um die ‚Marienstadt‘ steht.

Bei der letzten Ausgabe, Nr. 8, allerdings bin ich mehr als erschrocken zu lesen, dass mit ‚Unterstützung‘ von CDU und KVB, der Antrag, zehn (!) unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen, im Rat abgelehnt wurde.

Wo nimmt bei einer solchen in höchstem Maße unmenschlichen Entscheidung eine Partei die Chuzpe her, noch das ‚C‘ in ihrem Namen zu führen? Was treibt die Protagonisten der zuvor genannten Parteien um, aus ihrer ‚Wohlfühlecke‘ heraus sich so menschenverachtend und empathielos zu verhalten? ‚Fremdschämen‘ ist noch die geringste Antwort, die man diesem ‚gelungenen‘ Coup entgegenhalten muss. Ist denn vergessen, dass nach dem Zweiten Weltkrieg ca. 12 Mio. Flüchtlinge ihre Heimat verlassen mussten und in den Westen geflohen sind. Sie waren Deutsche, wurden sozusagen ‚zwangsuntergebracht‘, das war zunächst ‚gut‘. Aber sie kamen von ‚drüben‘, sprachen anders und waren insbesondere evangelisch, das war ‚schlecht‘. Heute sind weltweit über 70 Mio. Flüchtlinge – mehr denn je – unterwegs . Für die meisten geht‘s dabei ums nackte Überleben. Frauen und Kinder trifft es dabei immer am härtesten. Realisieren wir denn nicht, dass es uns u.a. nur deshalb so gut geht, weil es den anderen so schlecht geht? ‚Mitmenschlichkeit ist der uns angeborene Impuls‘, so Rupert Neudeck.

Ich wünschte, dass auch Kirchenvertreter (die sich bundesweit, bis auf wenige Ausnahmen) der Marienstadt sich dieses Themas annehmen würden. Die Lager auf den griechischen Inseln, ohnehin kärglich aufgebaut und eingerichtet, sind teilweise um das ‚Zehnfache‘ (!) überbelegt, ohne auch nur annähernd vernünftige sanitäre Einrichtungen oder Kochgelegenheiten. Ein Vergleich mit Kevelaer (Stadt) mit 28.328 Einwohner hinkt schon deshalb, weil dann bei perspektisch 280.000 Einwohnern auf gleicher Fläche dennoch eine funktionierende Infrastruktur vorhanden wäre. Die Geografie- bzw. aktuellen Geschichtskenntnisse des CDU-Fraktionsvorsitzenden dürfen in Zweifel gezogen werden, wenn er neben den katastrophalen Zuständen in den Lagern kleiner griechischer Inseln auch die in den Ländern wie Türkei und Syrien als offensichtlich ‚nicht lebensbedrohend‘ einschätzt. Dabei werden die zahlreich tödlich verlaufenden Krankheiten bzw. Suizidversuche komplett ausgeblendet. Spätestens bei dem Satz: ‚Wo fangen wir an, wo hören wir auf‘ hätten aufrechte Demokraten aufstehen müssen. Natürlich können wir die Welt nicht (allein) retten, aber wir haben ‚Pflaster‘ zur Hand, die das menschliche Leid etwas mildern könnten.
Hans Derks, Erftstadt

Kevelaerer steht auf! Engagiert Euch!
Es muss Euch doch ein Anliegen sein, zehn unbegleitete Jugendliche aufzunehmen. Wallfahrtsstadt! Sicherer Hafen – Stadt! Lasst uns unseren Ansprüchen gerecht werden! Wer kann noch ruhig schlafen, wenn man das unmenschliche Elend auf der Flucht und in den Lagern sieht?

Googelt „Zeltschulen“ und erfahrt, was die Initiative einer einzigen Frau bewirkt. Stadt von fast 30.000 Einwohnern, wir können doch wohl zehn jungen Menschen ein Dach über dem Kopf, warmes Essen und ein warmes Bett sofort und, wenn es sein muss, auf Dauer geben.
Es gibt noch genug alte Menschen in unserer Stadt, die am eigenen Leib erfahren haben, was Krieg heißt, was Verlust von Angehörigen heißt, was Vertreibung und Flucht heißt, was es heißt zu hungern.

Kevelaerer, seid großzügig! Öffnet Eure Herzen! Öffnet Eure Hände! Heißt zehn junge Menschen willkommen!
Ursula Renard, Kevelaer

Es ist wichtig, klar Stellung zu beziehen
Die Entscheidung kann widersprüchlicher kaum sein. Kevelaer gehört zu den zahlreichen Kommunen, die sich als Sichere Häfen bezeichnen und dennoch lehnte der Stadtrat mehrheitlich die Aufnahme von zehn minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen ab.
Als Bürger dieser Stadt missbillige ich diese Entscheidung sehr und musste erkennen, dass es CDU- und KBV- Politikerinnen und Politiker waren, die den Vorschlag der Stadtverwaltung ablehnten.

Dabei ist die naturgegebene Veranlagung des Menschen ausgerichtet auf Güte, Mitgefühl und Fürsorge. Gerade Mitgefühl und Fürsorge für die Schwächsten unter den Flüchtlingen müsste der Treiber sein für mutige politische Entscheidungen in unserer Stadt.

Große Mutlosigkeit bei der CDU habe ich auch gesehen, als es um den Beschluss zum Klimanotstand ging. Dabei ist es so wichtig, Zeichen zu setzen in der heutigen Zeit, klar Stellung zu beziehen und zu erklären, wofür man steht. Das gilt für die politisch Engagierten genauso wie für jeden von uns. Der Ratsbeschluss lässt sich korrigieren. Nur Mut!
Georg Janßen, Kevelaer

Zeit ist gekommen, wichtige Zeichen zu setzen
Nicht nur der Bürgermeister ist enttäuscht. Aber für mich bestätigt der Ratsbeschluss, dass das „C“ im Parteinamen für die Einstellung einiger Mitglieder keine Bedeutung besitzt. Es stünde der Stadt Kevelaer wohl an, Maria nicht nur auf einer Fahne zu tragen, sondern im Herzen, um Menschen zu helfen. Ich meine jedwedem Menschen. Schade, dass die beiden Parteien noch nicht begriffen haben, dass die Zeit gekommen ist, wichtige Zeichen zu setzen.

Oder ist es schon Wahlkalkül in die Richtung der Politiker, die Hanau mit zu verantworten haben? ApH wäre nicht möglich, wenn die Initiatoren warteten, bis die „große Politik“ in Afrika Klimawandel und Ausbeutung stoppt. Friedensgebete und Demonstrationen gäbe es nicht,wenn wir darauf warteten, dass die Politik Waffenlieferungen verbietet. Suppenküchen und Tafeln gäbe es nicht, wenn wir warteten, bis die große Politik die Grundversorgung für alle einrichten würde.

Dazu fallen vielen gewiss noch mehr Beispiele ein. Ich hoffe, dass die Kirchen ihren Einfluss in der Wallfahrtsstadt Kevelaer stärker geltend machen werden.
Marie-Luise Müller

Ein Jahr in Ecuador

Mitten in den Abiturprüfungen auf der Gaesdonck im letzten Jahr hat sich Rebecca Held für etwas ganz Besonderes entschieden: einen einjährigen Freiwilligendienst in Ecuador. In dem Kinder- und Jugendzentrum „SALEM“ in Mindu in den ecuadorianischen Anden kümmerte sie sich dann als frisch gebackene Abiturientin um benachteiligte und gefährdete Kinder und Jugendliche. Ein Jahr konnte sie so neben vielen praktischen Berufserfahrungen auch eine völlig andere Kultur kennenlernen und ihre Spanischkenntnisse ausbauen. Nun ist sie zurück in Kevelaer und zieht Bilanz über ein Jahr in der Fremde.
Auf das Projekt „SALEM“ wurde sie über ihre Entsendeorganisation „Welthaus Bielefeld“ aufmerksam. Fest stand für sie auf jeden Fall, dass sie in ein spanisch sprechendes südamerikanisches Land reisen möchte. Das Projekt hat sie sofort begeistert und im vergangenen August packte sie für ein Jahr ihre Koffer und kam erst diesen August zum ersten Mal wieder zurück in die Heimat, – natürlich um vieles bereichert und mit der Gewissheit: „Es war ein rundum erfüllendes Jahr! Ich würde sofort wieder eine solche Entscheidung treffen!“
Mitten im Bergnebelwald

Rebecca lebte ein Jahr in Mindo, einer kleineren Ortschaft, die auf 1200 m Höhe liegt und sich mitten im Bergnebelwald an der Westseite der ecuadorianischen Anden befindet. „SALEM“ bietet für rund 45 sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche eine vielseitige Nachmittagsbetreuung an. „Viele können schlecht lesen, schreiben oder sprechen“, hat sie erfahren. Mit den Prinzipien der Montessori-Pädagogik hilft „SALEM“ den Kindern, ihre Begabungen zu entdecken und die schulischen Leistungen zu verbessern. Des Weiteren hat jeder die Möglichkeit am Gitarren-, Klavier- oder Gesangsunterricht teilzunehmen oder sich im Nähatelier kreativ auszutoben.
In „SALEM“ spiele die Familienhilfe und psychologische Betreuung der Eltern eine ganz zentrale Rolle, da die Rechte der Kinder und Jugendlichen oftmals verletzt würden, etwa durch Vernachlässigung, Kinderarbeit oder innerfamiliäre Gewalt, erzählt die Helferin. Die Mitarbeiter könnten nicht alle Probleme lösen, aber sie möchten Hilfe zur Selbsthilfe geben. Die Erzieherinnen und Psychologen suchten mit den Eltern gemeinsam Lösungen für alle Konflikte und Probleme. Die Kinder könnten in „SALEM“ jeden Nachmittag ganz Kind sein, werden gefördert, können lernen, spielen und lachen.
Nach den ersten, auf beiden Seiten noch etwas schüchternen Annährungsversuchen hat Rebecca die Kinder und diese sie jedoch schnell in ihr Herz geschlossen. Gemeinsam sang und musizierte sie mit den Kindern. Ihre Ukulele hatte sie aus Deutschland mitgebracht und gab manchen von ihnen auch Klavierunterricht.
Oft viel Armut

Oft gebe es viel Armut im Land. „Es gibt dort kein Geld vom Staat, kein Kindergeld, kein Bafög für Studenten, keine Sozialhilfe und auch keine Rente. Oft müssen die Leute sechs oder sieben Tage die Woche arbeiten, um über die Runden zu kommen. Die Kinder müssen dabei öfters auch mithelfen, um die Familie zu unterstützen und etwa an der Straße Kokosnüsse verkaufen. Die Menschen müssen wirklich ihren Lebensunterhalt selbst erarbeiten, auch noch 80-jährige Rentner!“, berichtet Rebecca.
„SALEM“ organisiere jedes Jahr ein Ferienprogramm, um dafür zu sorgen, dass die Kinder und Jugendlichen in den Schulferien ihre Freizeit besser nutzen, indem sie an tollen Unternehmungen teilhaben und ein gutes Zusammenleben in einer Gemeinschaft erleben könnten.
Gemeinsam mit zwei anderen Freiwilligen aus Deutschland und Österreich half Rebecca ein Jahr mit und war bald eine voll eingearbeitete Kraft, die auch schon alleine Verantwortung übernehmen durfte. Rebecca konnte in ihrem Freiwilligendienst nicht nur im Projekt helfen, sondern hat nach eigenen Angaben auch sehr viel über die Menschen, das Leben und über sich selbst dazu gelernt und ist daran gewachsen. Und sie wisse nun auch: Vieles, was für sie selbstverständlich war, wie Kindergeld, Sozialhilfe, Rente oder fließendes warmes Wasser ganz neu zu schätzen.

Musik hören und Gutes tun

Was die Förderung sozialer Projekte und von hilfebedürftigen Kindern und Jugendlichen angeht, arbeitet die Kerpenkate-Stiftung naturgemäß eher im Stillen. Wenn es aber darum geht, Gelder für den Stiftungszweck zusammen zu bekommen, darf man schon mal die Stimme erheben. Respektive mehrere Stimmen und auch noch für die gute Sache ins Horn stoßen, denn beteiligt am Benefiz-Konzert für die Stiftung am Freitag, 20. September, sind der Familienchor und das Blasorchester der Basilikamusik Kevelaer.
Auch auf der Seite der Klangkörper ist die Begeisterung groß, können sich Chor und Orchester doch jeweils eine Dreiviertelstunde einmal mehr vor allem von ihrer weltlichen Seite präsentieren.
Meistens Märsche

„Man kennt uns von der Straße“, sagt der musikalische Leiter der Blasmusik augenzwinkernd, von der Kirmes, von diversen Umzügen und Schützenfesten, „meist mit Marschmusik“. Für das Benefiz-Konzert kündigt Elmar Lehnen „populäre Musik, die sehr viel Spaß macht“ an, die das Orchester sonst nur beim beliebten Platzkonzert am Ostermontag im Forum Pax Christi spiele. Auf dem Programm stehen Medleys von Titel aus der Feder von Simon und Garfunkel, der Neuen Deutschen Welle, dem Musical „König der Löwen“ und Evergreens wie „One Moment in Time“ oder die Queensparkmelodie.
Nach der Eröffnung durch das Blasorchester wird es eine Umbaupause geben, dann nimmt der Familienchor Aufstellung. Unter dem Titel „Best of zwischen Himmel und Erde“ wird der Chor im zweiten Teil des Konzerts ein Programm aus populärer Kirchenmusik, Gospel, Filmmusik, Jazz und Pop gestalten.
Himmel und Erde

Soviel verrät Chordirektor Romano Giefer zu dem 45-minütigen, „schönen Querschnitt“ schon mal: Finale ist das Medley „A Tribute to Queen“. Und einen weiteren Bezug zum Sommerkonzert des Familienchores, das dieser ebenfalls im Forum pax Christi sang, gibt es noch: Mit Schlagzeuger Jörg Seyfarth und Pianist Christoph Spengler sind zwei Begleiter dabei, ohne die der Vortrag so manchen Liedes für den Chor kaum möglich wäre.
Über so viel ehrenamtliche Unterstützung aus der eigenen Stadt freuen sich der Vorsitzende der Stiftung, Karl Aengenheyster, und Geschäftsführer Heinz Lamers natürlich sehr. Sie betonen beide außerdem, dass ein solches Konzert ohne die Unterstützung der Sponsoren (Volksbank an der Niers und Stadtwerke Kevelaer) kaum zu stemmen wäre. Und sie freuen sich außerdem, dass sie nach der Erweiterung des Portfolios durch das aktuell im Bau befindliche Wohnprojekt auf der Hüls (das KB berichtete) mal wieder öffentlichkeitswirksam für die Stiftung werben dürfen. Außerdem kündigten sie für das kommende Jahr sogar eine Ausweitung der sozialen Aktivitäten der Stiftung an, etwa auf dem Gebiet der Unterstützung von Ferienfreizeiten, im Bereich Schwimmen für Grundschulkinder und bei der neuen Skateranlage für Jugendliche. Zudem stehe natürlich der Soforthilfefonds für das Jugendamt, die Unterstützung Alleinerziehender sowie Infoveranstaltungen für junge Mütter weiterhin auf der Agend der Stiftung.
Ausstellung

Das Benefizkonzert wil die Kerpenkate-Stiftung auch dafür nutzen, im Rahmen einer kleinen Ausstellung über ihre Anfänge und ihre Geschichte zu informieren. Mitglieder des Vorstandes werden an dem Abend auch gerne über die Stiftung und die Möglichkeiten, diese zu unterstützen, informieren.
Schirmherr der Veranstaltung ist übrigens Bürgermeister Dr. Dominik Pichler. „Es lohnt sich in jedem Fall“, sagt er, denn auch er freut sich gleich zweifach über das Konzert: Einerseits ist er im Stiftungsvorstand und weiß, wie wichtig die Arbeit der Kerpenkate-Stiftung für die Wallfahrtsstadt Kevelaer ist. Andererseits freut er sich als Mitglied im Familienchor auch darüber, „mal wieder mit meiner Frau singen“ zu dürfen.

Ein sicherer Hafen

Der Rat der Wallfahrtsstadt Kevelaer hat sich in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstagabend mit einer öffentlichen Solidaritätserklärung und einer Selbstverpflichtung zur Aufnahme von aus Seenot geretteten Menschen zur Flüchtlingssituation auf dem Mittelmeer positioniert. Mehrheitlich stimmten die Ratsmitglieder für die Formulierung: „Der Rat der Wallfahrtsstadt Kevelaer erklärt sich mit den Menschen auf der Flucht solidarisch und positioniert sich öffentlich gegen die Kriminalisierung der Seenotrettung auf dem Mittelmeer.“
Desweiteren stelle die Wallfahrtsstadt „eine schnelle und unkomplizierte Aufnahme und Unterbringung von aus Seenot geretteten Menschen im Rahmen der jeweils aktuell verfügbaren Unterbringungskapazitäten zusätzlich zur Verteilungsquote von Schutzsuchenden sicher“, heißt es im zweiten Teil des Beschlusses, dessen drei Teile einzeln zur Abstimmung gestellt wurden. Soweit eine Einflussmöglichkeit bestehe, sollen bevorzugt Familien aufgenommen werden, heißt es weiter. „Diese Aufnahme geschieht zusätzlich zur Verteilungsquote Asylsuchender“, stellt der Rat in dem Beschluss noch einmal klar. Hierzu solle ein Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Inneres und Sport, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und dem Land NRW hergestellt werden.
Zuvor hatte der Rat, ebenfalls mehrheitlich, die Entscheidung an sich gezogen, die laut Zuständigkeitsordnung im Sozialausschuss hätte fallen sollen,  um mit der Sommerpause nicht zuviel Zeit bis zu dieser Grundsatzentscheidung ins Land gehen zu lassen.
Weitere Maßnahmen

Arbeit wartet auf den Sozialausschuss aber dennoch: Der Rat verwies die Angelegenheit „zur weiteren Beratung“ dorthin. Insbesondere solle der Ausschuss einen Vorschlag unterbreiten, ob und in welchem Umfang weitere Forderungen der „Seebrücke“, etwa finanzieller Art oder die Formulierung von Forderungen gegenüber den Regierungen des Landes und des Bundes, umgesetzt werden könnten.
Dr. Elke Kleuren-Schryvers und Dr. Rüdiger Kerner von der „Aktion pro Humanität“ (APH), sowie weitere Besucher der Ratssitzung, zeigten sich auf Nachfrage des Bürgermeisters Dr. Dominik Pichler, der seine Haltung zur Sache bereits bei einer spontanen APH-Demonstration am Freitag letzter Woche zum Ausdruck gebracht hatte (das KB berichtete) mit dem vorläufigen Ergebnis zufrieden und äußerten ihre Zustimmung mit Applaus für die Entscheidung der Ratsmitglieder.

Sie war immer engagiert für das Menschliche

Im Alter von 84 Jahren ist die Ehefrau des früheren Ortsvorstehers Hans Broeckmann, Lore Broeckmann, nach einem Jahr schwerer Krankheit gestorben.
Im Rahmen der Beisetzung in der Wettener Kirche würdigte ihre langjährige Freundin Bernarde Vos die Verstorbene als „eine moderne und mutige Frau“, die „ihrer Zeit weit voraus“ war und die „in unseren Erinnerungen“ weiterleben wird. Was aber machte diese Frau so besonders, dass viele Menschen in der vollbesetzten Kirche das Bedürfnis in sich trugen, sich persönlich von ihr zu verabschieden ?
Allein schon ihre Lebensgeschichte ist ungewöhnlich: In Rostock geboren, war ihre Kindheit als Älteste von vier Geschwistern „gezeichnet von ständigem Aufbruch und Abschied“ , wie Bernarde Vos in ihrer Trauerrede ausführte.
„Mein Großvater war Halbjude, deshalb hat er ständig seine Stelle verloren“, erinnerte Lore Broeckmanns Sohn Werner an die damalige Situation unter den Nationalsozialisten. „Meine Mutter musste deshalb immer die Schule wechseln.“ So war es für das junge Mädchen kaum möglich, irgendwo eine Heimat zu finden – von Rostock über Karlshafen, Bonn, Rethwisch bis nach Romansweiler im Elsass führte sie ihr Weg. Erst mit dem Umzug nach Weeze nach Kriegsende kam etwas Ruhe in ihr Leben. Sie ging in Geldern auf das Gymnasium, machte ihr Abitur. Dann starb ihr Vater überraschend mit 44 Jahren – für die junge Frau eine Zäsur. „Lore musste sich mit dem großen Verzicht auf ihren Herzenswunsch zu studieren, arrangieren“, sagte Bernarde Vos.
In Krefeld machte sie daraufhin eine Ausbildung zur Postinspektorin, arbeitete dann drei Jahre, bevor sie 1959 „ihren“ Hans heiratete, den sie bereits seit ihrer Schulzeit kannte. Lore Broeckmann konvertierte vom evangelischen zum katholischen Glauben. Aus der Ehe gingen insgesamt vier Kinder – zwei Mädchen und zwei Jungen – hervor.
Nach verschiedenen Wohnstationen in Wetten und Duisburg baute das Paar 1966 auf dem Pastoratsweg einen Bungalow, in dem es viele Jahre zusammen lebte – und sein Haus für zahlreiche Gäste öffnete. Zweimal lebte für ein Jahr eine Familie aus der ehemaligen DDR in dem Haus, zwei Tanten erhielten dort für ein Jahr eine Unterkunft. Oftmals kamen auch Gäste durch die britische Freundschaft von Kevelaer nach Laarbruch und aufgrund der Städtepartnerschaften nach Lebendorf und Bury-St. Edmunds bei ihnen unter.
Ihr eigenes Schicksal schuf in Lore Broeckmann eine tiefe Empfindsamkeit für das Schicksal anderer Menschen. „Sie hatte Kontakte nach Schopau in Ungarn, da war sie federführend bei der Unterstützung eines Kinderheims“, erinnert sich Werner Broeckmann an „Stapel von Bananenkisten“ im Feuerwehrhaus. „Ohne sie wäre das nicht in Gang gekommen. Sie legte nie Wert auf die erste Reihe oder Präsenz, aber ohne sie ging nix. Es ging ihr immer um die Menschen.“
Und neben der Erziehung der Kinder und der Unterstützung ihres als CDU-Fraktionschef und Ortsvorsteher aktiven Mannes fand sie immer wieder die Möglichkeit, ihren „Drang nach Unabhängigkeit“ und ihre „Wissbegierde, ihren Intellekt und ihr ungemeines kulturelles Interesse“ (Bernarde Vos) auszuleben.
Jahrzehntelang war sie in der KFD aktiv, war von 1977 bis 1989 Sprecherin der KFD im Dekanat Goch. Sie sei da „sehr engagiert“ gewesen, so Bernarde Vos. „Da war sie insofern kritisch, weil sie sich sehr für die Stellung der Frau in der Kirche eingesetzt hat – vor dem Hintergrund, dass Frauen genauso berufen sind wie Männer.“
In dem Rahmen habe sie sich auch „für eine gerechtere Sprache mit der Begrüßung „Liebe Brüder und Schwestern“ eingesetzt und den Weltgebetstag der Frauen jahrelang vorbereitet. „Die Aktion Maria 2.0 hätte ihr sicher gefallen“, zeigte sich Bernarde Vos überzeugt. Emanzipation sei ihr sehr wichtig gewesen, sagt Werner Broeckmann. „Dieses klassische Rollenbild war ihr ein Graus.“
Von 1988 bis 2003 leitete Lore Broeckmann die Wettener Bücherei, nachdem sie eine Bibliothekaren-Fortbildung absolviert hatte. „Nie wieder ist mir ein Mensch begegnet, den ich für so belesen hielt wie Lore“, sagte Bernarde Vos während der Trauerfeier. „In meiner Vorstellung las Lore immer und überall.“ Sie habe gleichzeitig Socken für einen guten Zweck stricken und dabei lesen können.
Die „letzten zwölf Jahre hat sie nur gestrickt und gelesen“, meint ihr Sohn Werner. „Und allein hier im Haus stehen locker über 5000 Bände“, machte er deutlich, wie sehr sich die Frau, die keinen Fernseher besaß und pro Woche 20 Briefe schrieb, um Kontakte persönlich aufrechtzuerhalten, selbst weiterbildete.
„Nebenbei“ agierte sie 23 Jahre lang als Stadtführerin in Kevelaer, begleitete jahrelang Sterbende im Wettener Hospiz, das ihr Mann mit auf den Weg gebracht hatte, sang im Kirchenchor. Nach dem Tod des Mannes 2003 bezog sie drei Jahre später eine Wohnung im ersten Stook des Hospizes auf der Hauptstraße, als ihr die Pflege des großen Hauses mit dem Garten zuviel wurde.
Und bis vor zwei Jahren war sie im Eine-Welt-Laden aktiv. Auch da sagte sie wie so oft leise, aber bestimmt, ihre Meinung, ohne allen gefallen zu wollen. „Sie hat mal den Wallfahrtsrektor Lohmann angesprochen, er solle doch im Priesterhaus Eine-Welt-Kaffee ausschenken – was er nicht tat“, erinnert sich Sohn Werner. Ihre letzte Zeit verbrachte sie im Josef-Haus, bevor sie am 27. Mai verstarb.
Die heutige Wettener Ortsvorsteherin Beate Clasen sprach von einer „omni-talentierten“ Frau und einem „Vorbild“. Für sie persönlich sei Lore Broeckmann eine Stütze gewesen. „Sie war einfach immer da und wollte nie den Eindruck erwecken, eine Macherin zu sein – obwohl sie eine war.“

Bleibt alles anders

Zehn Jahre lang war er mit die bestimmende Figur bei der „Kevelaerer Tafel“ – jetzt ist Wilfried Binn in die zweite Reihe zurückgetreten.
Auf der Jahreshauptversammlung des Vereins bat Binn darum, den Vorsitz des Vereins abgeben zu dürfen. „Ich hab das jetzt ein Jahrzehnt gemacht, bin jetzt über 70 Jahre alt“, unterstrich der stets für die gute Sache streitende Mann, dass es jetzt Zeit sei, auch mal anderen die Verantwortung für dieses wichtige Ehrenamt zu überlassen.
„Die Jungen machen vieles anders, aber das muss ja nicht schlechter sein“, gab er sich zuversichtlich, dass sich da gar nicht so viel tun wird. „Wir habe die Tafel gut ans Laufen gekriegt“, dachte Binn an die ganze Anschaffungen an Geräten, an den Bau eines Tiefkühlhauses oder des Lagers. „Jeder hier weiß, was er zu tun hat.“
Wichtig sei ihm ein weiteres Mosaik in seinem Wirken gewesen: „Wir haben einen guten Draht zur Stadt“, machte der Senior deutlich. Noch im letzten Jahr hatte Binn mit der Stadt einen Vertrag über die weitere Nutzung des „Tafel“-Gebäudes hinter der ÖBS für die nächsten zehn Jahre abgeschlossen. „Dafür sind wir sehr dankbar.“
Die „Tafel“ sei ganz gut angesehen“, verwies Binn auf die „Schar Sponsoren“, ohne die eine solche Aufgabe nicht zu bewältigen sei, und die vielen Bäcker, Kartoffelbauern und Kevelaerer Discounter, die dazu beitragen, bedürftigen Menschen Nahrungsmittel und Gegenstände des Bedarfs zukommen zu lassen und so auch dafür sorgten, dass weniger Nahrungsmittel vernichtet werden.
Binn bleibt dem Verein als stellvertretender Vorsitzender aber erhalten und wird sich unterstützend einbringen – auch beim neuen Präsidenten Rainer Morawietz. Der 66-jährige frühere Banker sieht in der „Tafel“ die ganz persönliche Möglichkeit, „für ein gutes Leben etwas zurückzugeben.“
Sehr viel verändern, das brauche er tatsächlich nicht, bestätigte er die Gedanken seines Vorgängers. Und doch wolle man noch einiges in Kevelaer bewegen. „Wir werden sicher aktiv nach weiteren Sponsoren suchen – und wir werden versuchen, die Räumlichkeiten zu verschönern, um die Arbeitsbedingungen so angenehm wie möglich zu machen.“
Neben Morawietz und Binn gehören noch Hanni Hentemann als Schrift- und Geschäftsführerin sowie Josef van Oorschot als Schatzmeister dem Vorstand der „Tafel“ an, der die Geschicke für die nächsten drei Jahre steuern wird. Van Oorschot folgt Franz Josef Swertz nach, der gerne in den „ehrenamtlichen Ruhestand“ gehen wollte.

Spatenstich auf der Hüls

Bürgermeister Dominik Pichler sprach von „bestem Nordseewetter“, als er am Dienstagnachmittag gemeinsam mit der Landtagsabgeordneten Margret Voßeler und dem Architekten Peter Grund einen der drei Spaten auf der Hüls-Wiese zum Stich ansetzte. Nur ein wenig salziger soll die Luft dort noch werden, wenn das Gradierwerk fertig ist. Dieses sei nur ein „Modul“ des Sole- und Pilgerparks, der nach diversen „Arbeitstiteln“ jetzt, da die ersten Arbeiten begonnen haben, auch einen offiziellen Namen tragen darf, sagte Pichler: „Solegarten St. Jakob“ soll das EU-Förderprojekt künftig heißen. Der Name setzt sich aus zweien der insgesamt 80 Vorschläge zusammen, die eine fünfköpfige Jury bewertet hatte. „Bis zum späten Frühjahr 2019“ soll das Gradierwerk nach Auskunft der städtischen Projektmanagerin Sandra Kimm-Hamacher fertiggestellt sein und den „Brückenschlag zum Kernthema der Wallfahrtsstadt Kevelaer“ schaffen.

Parallel zum Gradierwerk wird mit der Errichtung des Informationsgebäudes begonnen. 2019 sollen dann die Arbeiten an den Außenanlagen anlaufen. Hier sind unter anderem ein Kräuter- und Bibelgarten, ein Boule- und ein Beachvolleyballfeld sowie Kneipp-Anlagen und ein Barfußpfad vorgesehen. Ende 2019 soll das gesamte Projekt fertiggestellt sein. Es hat ein finanzielles Gesamtvolumen von rund 2,3 Mio Euro. Gefördert wird es vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Einen ausführlichen Bereicht lesen Sie in der kommenden Ausgabe am 15. März

Einsatz für soziale Belange

Am Dienstag fand im Raum des Seniorenbeirates der Wallfahrtsstadt Kevelaer die 25. öffentliche Sitzung des Seniorenbeirates statt. Neben den Tagesordnungspunkten, in denen administrative Vorgänge besprochen wurden (u.a. Rückblick Stadtfest, Besetzung Arbeitskreise, Vorbereitung Gesundheitsmesse am 18.11.2018 und neue Richtlinien des Seniorenbeirats) standen soziale Fragen im Mittelpunkt.
Arme Menschen
Dass in Kevelaer auch arme Menschen oder viele Menschen leben, die von Armut bedroht sind, muss aus Sicht des Seniorenbeirates thematisiert werden und darf nicht mit dem Mantel des Schweigens verdeckt werden. Alleine bei der Kevelaerer Tafel sind etwa 60 ältere Menschen (Dunkelziffer ist laut Hanni Hentemann, 2. Vorsitzende der Tafel, wahrscheinlich deutlich höher) auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Der Seniorenbeirat befürwortet die Erhebung einer Armutsstatistik, sieht jedoch auch die Schwierigkeit, die durch die Auflagen des Datenschutzes bestehen, dass keine konkreten Angaben zu bekommen sind. Ulrich Hünerbein-Ahlers schlägt eine „Kultur-Tafel“ vor, wie es sie in einigen Städten bereits gibt.
Karl Bay und Hans-Werner Ellerbrok hatten einen „Handwerkerpool“ vorgeschlagen, der ehrenamtlich kleinere Reperaturen, Ausbesserungen oder Hilfestellungen für ältere Menschen leisten könnte. Da dies mit vielen rechtlichen Problemen (Haftung, Versicherung) verbunden ist, soll in Mettmann, wo es eine solche Hilfe gibt, nachgefragt und versucht werden, einen Vertreter von dort zur Berichterstattung nach Kevelaer einzuladen. Auch bei der Stadt wird in ähnlicher Weise über eine solche Hilfestellung nachgedacht.
In Geldern am Krankenhaus sollen neue Stellplätze gebaut werden, um die bisherige Parkraumnot zu entschärfen. Nach Abschluss der Baumaßnahme sollen dann jedoch die Parkplätze am Krankenhaus gebührenpflichtig werden.
Gebühren in Geldern
Auch viele Kevelaerer müssen bei Untersuchungen oder bei Besuchen von Angehörigen dann bezahlen, was bei häufigen Anfahrten mit dem Auto für Menschen mit geringem Einkommen schnell zu einem Problem werden könnte. Der Seniorenbeirat der Stadt Geldern hat sich im Vorfeld zu Wort gemeldet und gegenüber dem Bürgermeister eine soziale Lösung angemahnt. Der Seniorenbeirat der Wallfahrtsstadt Kevelaer unterstützt dieses Anliegen und wird dies in einem Schreiben darlegen.
Die nächsten Sprechstunden des Seniorenbeirates sind am 8.10. (André Marchi und Karl Bay), 12.11. (Ursula Herrmann und Helga Neuhaus) jeweils um 10.00 – 11.30 im Raum hinter der Öffentlichen Begegnungsstätte.

„Hallo, ist da jemand?

Auch wenn es sich „nur“ um die diesjährige Aufführung der Literaturkurse der Jahrgangsstufe Q1 des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums Kevelaer handelte, es hätte sich auch um eine von Studenten der philosophischen Fakultät einer Universität szenisch umgesetzten Semesterarbeit handeln können, die mit „summa cum laude“ bewertet worden ist.
„Hallo, ist da jemand?“ setzte sich in hervorragend ausgeführter schauspielerischer Darbietung und thematischer Analyse mit einem der drängendsten Probleme der heutigen und zukünftigen Gesellschaftsfragen auseinander. Katrin Boland und Eva Cepok hatten als Lehrerinnen in zwei Kursen das Stück mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet. Besonders hervorzuheben und deshalb gar nicht hoch genug zu bewerten ist dabei die Tatsache, dass die Schüler den kompletten Text selbst geschrieben, die Choreographie selbst entworfen, das Bühnenbild und die Technik selbst ausgeführt und auch die Aufführung selbst als Laienschauspieler aufgeführt haben.
Bezogen auf das Leben des Ernst Lustig, der durch viele Erlebnisse und Erfahrungen in seinem 80-jährigen Leben im Alter sehr einsam ist, griffen sie neben der Vereinsamung im Alter zahlreiche weitere gesellschaftsrelevante Themen wie Desinteresse, Entfremdung, Isolation, Vorurteile gegenüber Homosexualität, familiäre Probleme und Kommunikationsstörungen auf. Monologe, Gesprächsrunden, Pantomime, kleine Theaterszenen, Musik- und auch Tanzeinlagen bildeten ein abwechslungsreiches und kurzweiliges Abbild unsere Gesellschaft und hielten den Zuschauern einen Spiegel vor.
Die „Vorhänge“ wechselten immer wieder zwischen der Vergangenheit von Ernst Lustig und der Gegenwart mit seinen Auswirkungen auf seine sozialen Kontakte. Die Rollen waren teilweise vierfach besetzt, um das Alter der Mimen (die durch gleiche Kleidung in ihren Rollen zu erkennen waren) zu verändern und es gab eine zusätzliche Filmeinblendungen auf einer Leinwand, in der die Schüler ebenfalls spielten.
Die hierdurch entstehende Dramaturgie des Stückes fesselte und ließ den Gästen keine Möglichkeit, sich von den Themen zu distanzieren. Durch die Form, in denen die Schüler die Zusammenhänge von sozialer Isolierung und Vereinsamung im Alter herstellten, machte betroffen, weil sie oft ähnliche oder gleiche Situationen in den eigenen Familien aufzeichte.
Vor lange anhaltendem Applaus wiesen die Schülerinnen und Schüler noch einmal darauf hin, dass dieses Thema alle angeht und sie stellten die Frage: „Wann haben Sie sich das letzte Mal um einen alten Menschen in Ihrer Familie gekümmert?“.

Kommentar
39 Schülerinnen und Schüler und zwei Lehrerinnen der Q1 des KvGG schufen ein zeitgeschichtliches Meisterwerk. Eine szenische Kollage, die zu schade ist, um nur eine einmalige Aufführung zu erfahren. Hier kann man zum Entwurf und zur Aufführung nur gratulieren und dazu ermutigen, „Hallo, ist da jemand“ weiteren Zuschauern und einem weiteren Fachpublikum, das sich für soziale Fragen einsetzt, zu präsentieren. Die Aufführung wurde gefilmt und könnte so weitere Interessierte erreichen.
Jörg von der Höh