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Umschulung beim SOS-Kinderdorf Niederrhein sorgt auch bei Kevelaererin und Twistedener für gute Perspektiven

Wenn das Büromanagement zur neuen Aufgabe wird

Seit anderthalb Jahren büffeln Matthias Fink aus Emmerich am Rhein, Joanna Charko aus Kevelaer und Ben Labudda aus Twisteden für ihren Abschluss. Sie alle wollen im Mai und Juni ihre schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfungen zum Kaufmann bzw. zur Kauffrau für Büromanagement vor der Industrie- und Handelskammer ablegen.

Die Schulmensa in Kevelaer wird bis 2027 weiter vom SOS-Kinderdorf Niederrhein betrieben

Erfolgsmodell geht in die Verlängerung

In der Schulmensa haben jetzt Bürgermeister Dr. Dominik Pichler und Fachbereichsleiter Ulrich Berns den Vertrag zum Betrieb der Schulmensa in der Wallfahrtsstadt Kevelaer mit dem SOS-Kinderdorf Niederrhein verlängert.

Azubis und Umschüler*innen freuen sich über ihren Abschluss

Die Chance in der Schulmensa genutzt

Christin Wenzel, Desiree Dix, Lena Hermann, Ashley Larissa Schoofs, Evelyn Gergert und Boris Bernsdorf können jetzt durchstarten: Sie alle haben in der Schulmensa in Kevelaer eine Ausbildung oder Umschulung in Voll- oder Teilzeit absolviert.

SOS-Kinderdorf sucht Erziehungsstellen

Das SOS-Kinderdorf Niederrhein lädt interessierte Einzelpersonen, Paare oder Eltern mit leiblichen Kindern, die fachlich qualifiziert sind und sich vorstellen können, ein Pflegekind in ihrer Familie aufzunehmen, zu zwei digitalen Informationsveranstaltungen am Dienstag, 2. März 2021, ein. SOS-Bereichsleiterin Judith Haesters wird bei den virtuellen Treffen das Konzept der Erziehungsstellen vorstellen.

Im Unterschied zu Pflegefamilien ist bei Erziehungsstellen mindestens eine Person im Familienhaushalt fachlich qualifiziert. „Erzieher, Krankenpfleger, (Heil-)Pädagogen oder Ergotherapeuten können Erziehungsstelle werden und ein Kind mit besonderen Herausforderungen als Pflegekind aufnehmen,“ sagt Haesters und erläutert weiter: „Die Pflegekinder werden von den Profi-Eltern zuhause auf dem persönlichen Lebensweg eng und vertrauensvoll begleitet, das SOS-Kinderdorf Niederrhein als Träger unterstützt die Familien persönlich und fachlich.“

Wer mehr über das Konzept der Erziehungsstelle und die Unterstützung durch das SOS-Kinderdorf Niederrhein erfahren möchte, kann sich bei judith-haesters@sos-kinderdorf.de für die Online-Veranstaltungen, die am 2. März zwischen 13.30 und 14.30 sowie zwischen 17.30 und 18.30 Uhr stattfinden, anmelden und erhält die Zugangsdaten für das virtuelle Beratungsgespräch. Individuelle Terminvereinbarungen sind auch möglich. Weitere Informationen gibt es unter www.sos-kinderdorf.de/niederrhein.

Basteltüten für Familien sorgen für Abwechslung

Mit einem großen Karton voll liebevoll gestalteter Basteltüten steigt Rafaela Schmitz jede Woche in ihr Auto und fährt zu Familien in der Wallfahrtsstadt Kevelaer und den Ortsteilen. Die gelernte Erzieherin kümmert sich beim SOS-Kinderdorf Niederrhein um die Frühen Hilfen – das sind staatlich geförderte Angebote zur Stärkung junger Familien mit kleinen Kindern, die in Kevelaer in Kooperation mit dem Jugendamt der Wallfahrtsstadt stattfinden.

Normalerweise übernimmt Rafaela Schmitz auch die Willkommensbesuche für Neugeborene und organisiert gemeinsam mit ihrer Kollegin Karin Teurlings Familienfrühstücke, Elterncafés und Beratungsangebote. Doch durch die Corona-Pandemie sind persönliche Kontakte auf ein Minimum reduziert, gemeinsame Treffen derzeit nur nach Absprache und einzeln möglich. Deshalb gibt es schon seit dem Sommer die Basteltüten-Aktion für rund 20 Kinder und ihre Familien.

„Ich denke mir jede Woche etwas Neues aus, passend zur Jahreszeit oder zu den Feiertagen. Und bevor etwas in die Tüte kommt, probiere ich die einzelnen Schritte aus und fertige kindgerechte Anleitungen an“, erzählt Schmitz. So gab es schon leckere Cookie-Backmischungen, funkelnde Kaleidoskope, bunte Knetseife, hübsche Traumfänger und selbstgemachte Spiele. Aktuell gibt es Schneeflocken aus Pfeifenstochern und Holzperlen zum Selberbasteln.

Gemeinsame Familienzeit schaffen

Die Familien freuen sich über den regelmäßigen Besuch. Und doch bekommt auch Rafaela Schmitz an den Haustüren die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren: „Familien berichten mir von finanziellen Nöten, Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung oder im Homeschooling.“ Da schaffen die Bastelpakete eine schöne Abwechslung. „Wir haben häufig Väter, die vollzeitberufstätig sind und sich nur am Wochenende so richtig Zeit für ihre Kinder freinehmen können. Mit den Basteltüten gibt es gleich eine kreative Aktion, die allen gefällt und mit denen die Familienzeit gemeinsam gestaltet werden kann“, berichtet Sozialpädagogin Karin Teurlings.

Die Basteltüten sorgen für Abwechslung in den Familien. Foto: SOS-Kinderdorf Niederrhein/Katrin Wißen

Zu den Familien, die Rafaela Schmitz und Karin Teurlings bei den Frühen Hilfen in Kevelaer betreuen, gehören auch Eltern, die mit ihren Babys und Kleinkindern am Projekt „Spielen zu Hause“ teilnehmen. Das SOS-Kinderdorf Niederrhein bietet seit einigen Jahren das ursprünglich in den Niederlanden entwickelte Familienstärkungsprogramm im Kreis Kleve an. Über mehrere Wochen kommen Spielbegleiter*innen, meist Studierende des Studiengangs Kindheitspädagogik der Hochschule Rhein-Waal, in die Familien. Durchs Spielen fördern sie die Erziehungskompetenz der Eltern und die Entwicklung der Kleinkinder. 

Die pädagogischen Fachleute vom SOS-Kinderdorf Niederrhein kümmern sich darum, dass interessierte Familien und Spielbegleiter*innen zueinander- finden, sie bereiten gemeinsam die Besuche vor und reflektieren das Erlebte in Workshops. Sabine Hanke, Bereichsleiterin beim SOS-Kinderdorf Niederrhein, erklärt: „Bei ‚Spielen zu Hause‘ profitieren einerseits die Eltern und Kinder von der professionellen Begleitung, andererseits sammeln die Spielbegleiterinnen Erfahrung im Umgang mit Kleinkindern – eine echte Win-Win-Situation.“

Hoffnung auf persönliche Kontakte

Sobald wieder mehr persönlicher Kontakt möglich ist, sollen auch die Spielbesuche wieder stattfinden. Bis dahin setzt das SOS-Kinderdorf Niederrhein auf die Haustür-Besuche mit Basteltüten, virtuelle Spielgruppen mit angepassten Spielangeboten und Einzeltermine in der Sprechstunde am Dienstagvormittag.

Wer Interesse an den Familienaktivitäten des SOS-Kinderdorfs in Kevelaer hat oder selbst pädagogische Erfahrung in der Spielbegleitung bei „Spielen zu Hause“ einbringen möchte, kann sich bei Rafaela Schmitz (rafaela.schmitz@sos-kinderdorf.de) oder Karin Teurlings (karin.teurlings@sos-kinderdorf.de) melden.

Anmeldungen für den Mittagstreff beginnen im Januar

Der Mittagstreff der Wallfahrtsstadt Kevelaer, eine Betreuungseinrichtung für Kinder des fünften bis zehnten Schuljahres, nimmt ab dem 4. Januar 2021 Anmeldungen für das neue und auch noch für das laufende Schuljahr entgegen. Nach dem Wechsel von der Grundschule in eine der weiterführenden Schulen sind viele Eltern auf Betreuungsangebote für ihre Kinder am Nachmittag, an schulfreien Tagen oder in den Ferien angewiesen. Der Mittagstreff und das Jugendzentrum Kompass bieten direkt am Schulzentrum seit Jahren eine solche Möglichkeit. Den Kindern und Jugendlichen wird eine Anlaufstelle geboten, in der sie die nötige Versorgung, Betreuung, sinnvolle Beschäftigung sowie soziale und schulische Förderung vorfinden.

„Durch die Einbindung der Kinder und Jugendlichen in die Planung der Freizeit- und Ferienangebote soll erreicht werden, dass sie sich wohl fühlen und gerne in die Einrichtung kommen. Die schulischen Leistungen sollen ebenso gefördert werden wie die Entwicklung von sozialen Kompetenzen, wozu Toleranz, Respekt, soziales Handeln und Denken, das Aufzeigen gewaltfreier Konfliktlösungen und Vermittlung von Regeln und Werten zu zählen sind”, erklären die Verantwortlichen der Einrichtung.

Verpflegung über das SOS Kinderdorf

Die Kinder besuchen die Einrichtung nach der Schule und können dort, je nach Absprache mit den Erziehungsberechtigten, bis 17 Uhr betreut werden. An schulfreien Tagen und in den Ferien ist bereits ab 8 Uhr geöffnet, die Verpflegung der Kinder wird über den Betreiber der benachbarten Mensa, das SOS Kinderdorf, gewährleistet.

Da genügend Räume zur Verfügung stehen, kann aktuell in Kleingruppen unter Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsregeln gearbeitet werden. Zum Kennenlernen der Einrichtung werden unverbindliche Schnuppertage angeboten, Termine können telefonisch abgesprochen werden. Ansprechpartner sind Stefanie Hähn bzw. Holger van Elten, Tel. 02832-951710.   

Mit Ehrgeiz zur Floristin

Glücklich ist Jennifer Manten über ihren Abschluss: Vor der Industrie- und Handelskammer hat sie kürzlich ihre Prüfung zur Floristin abgelegt. Die 33-Jährige Kevelaererin hat drei Jahre eine Umschulung am Klapheckenhof des SOS-Kinderdorfs Niederrhein in Kleve-Kellen absolviert – in Teilzeit. Als zweifache, alleinerziehende Mutter war das die Chance auf eine neue berufliche Perspektive.

Nach dem Fachabitur am Berufskolleg Geldern hatte Manten eine Ausbildung zur Altenpflegerin angefangen. Erst wurde sie krank, danach mit ihrer Tochter schwanger. Die Ausbildung konnte sie nicht fortführen. Nach vier Jahren kam dann ihr Sohn zur Welt. Heute sind die Kinder 14 und zehn Jahre alt. Zwischenzeitlich hat sich Jennifer Manten immer engagiert: in der Flüchtlingshilfe, als Betreuerin im offenen Ganztag. Bei einer Zeitarbeitsfirma hat sie Schnitt- und Topfpflanzen kommissioniert.

Doch diese Jobs reichten ihr nicht, als die Kinder aus dem Gröbsten raus waren. „Mit Ende 20, da habe ich mich fit und tatkräftig gefühlt. Ich dachte mir, ich habe doch zwei starke Hände, mit denen ich mehr leisten kann“, sagt Manten. Erst ging sie zur SOS-Beratungsstelle „Frau und Beruf“. Hier bekam sie Hilfestellungen und Ideen für ihre Bewerbungen. Doch es hagelte nur Absagen. „Ich denke, dass sich die meisten Arbeitgeber keine Ausbildung in Teilzeit vorstellen können. Da herrscht noch viel Unsicherheit.“

Als sich immer stärker ein Handwerk als Wunsch-Ausbildungsberuf herausstellte, vermittelte sie „Frau und Beruf“ zum Klapheckenhof. Hier werden junge Erwachsene in unterschiedlichen Bereichen ausgebildet. Manten erinnert sich: „Vom ersten Tag an war mir klar, dass ich hier Floristin werden möchte“.

Erst absolvierte sie ein Praktikum, danach begann ihre Teilzeit-Umschulung: 30 Wochenstunden – im Wechsel Berufsschule in Duisburg und Ausbildung in der Blumenwerkstatt. „Die Berufsschule ging bis nachmittags um drei, meine Arbeitszeiten in der Blumenwerkstatt haben wir immer zum Schuljahresbeginn abgesprochen.“

Noch hat Jennifer Manten keine Anstellung gefunden. Die Corona-Zeit hat auch die Floristikbranche getroffen. Trotzdem bleibt sie optimistisch: Eine Anstellung mit 25 bis 30 Wochenstunden in der näheren Umgebung, mit einem netten Team und qualitativ hochwertiger Floristik, das wäre ein ideales Umfeld.

Digital lernen und zu Hause kochen

Wer am Vormittag die Schulmensa in Kevelaer betritt, hört in normalen Zeiten die Kochlöffel klappern, das rhythmische Tackern der Schneidemesser auf den Küchenbrettern rattern und das emsige Treiben der Auszubildenden, Umschüler und Teilnehmenden in der Berufsvorbereitung. Sie alle packen in Küche und Hauswirtschaft an, um im Regelbetrieb bis zu 700 Schulessen pro Tag frisch zuzubereiten und an die Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums auszugeben. Doch seit Mitte März ist es ruhig geworden in der Mensa, der Publikumsverkehr zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus ist auf Eis gelegt.

Nicht auf Eis gelegt wurden jedoch die Aus- und Weiterbildungsangebote, die das SOS-Kinderdorf Niederrhein als Betreiber der Mensa für Jugendliche und junge Erwachsene mit besonderen Bedarfen anbietet. „Wir haben unsere Lehrgänge digitalisiert und die Praxisanteile nach Hause verlagert. Wir geben einmal wöchentlich Warenkörbe mit frischen Zutaten aus. Unsere Jugendlichen und jungen Erwachsenen bereiten dann die Mahlzeiten nach einer Anleitung zu, fotografieren ihre Ergebnisse und schicken sie uns zu“, erklärt Ausbilder und Arbeitspädagoge Peter Becker.

Bereichsleiterin Sabine Hanke ergänzt: „In Rücksprache mit unseren Kostenträgern wie der Agentur für Arbeit und den Jobcentern haben wir all unsere Bildungsangebote auf alternative Lernformen umgestellt. Das gilt zum Beispiel auch für unser Projekt ‚Fit durch den Arbeitsalltag‘, das wir normalerweise gleich nebenan in den Gebäuden der ehemaligen Virginia-Satir-Schule anbieten“. Auch hier bekommen die Teilnehmer einen Warenkorb überreicht. Denn wie man sich gesund ernährt, steht auch dort weiterhin auf dem Programm.

Teilnehmer bekommen weiterhin Rückmeldungen

Neben den Warenkörben gibt es Arbeitsaufträge per Email, deren Ergebnisse dann telefonisch besprochen werden. Jeder Teilnehmende erhält so regelmäßig eine Rückmeldung. Das ist Ausbilderin Heidi Korgel besonders wichtig: „Wenn ein Teilnehmer viele Rückfragen hat, dann weiß ich, dass er meine Unterstützung besonders braucht. Und die bekommt er dann auch. Denn das, was wir normalerweise im laufenden Betrieb an persönlicher Begleitung und Vermittlung von Fachkenntnissen leisten, müssen wir jetzt anders organisieren. Gerade unsere Teilnehmenden, die häufig psychische Erkrankungen oder Lernschwierigkeiten haben, brauchen Struktur, Regelmäßigkeit und individuelle Hilfe.“

Das sagen auch die Teilnehmenden selbst. Sabine Stahl ist eine von ihnen. Sie steht kurz vor dem Abschluss ihrer Umschulung zur Hauswirtschafterin, Mitte Mai finden die Prüfungen statt. Die 48-Jährige ist gelernte Fleischereifachverkäuferin und hat seit ihrer ersten Ausbildung nicht mehr die Schulbank gedrückt. „Ich musste erst das Lernen wieder lernen und dabei hat mir meine Ausbilderin Heidi sehr geholfen. Jetzt in der Coronazeit war das schon eine große Umstellung für mich, zu Hause die Aufträge zu erledigen.“ Geschafft hat sie es trotzdem, auch dank der Warenkörbe, die sie für die Praxisaufgaben wöchentlich abgeholt hat. So hat sie in der eigenen Küche ein Drei-Gänge-Menü gezaubert: Spargelcremesuppe, Zander mit Schmörkes und ein Erdbeerdessert mit Haselnussstreuseln.

Neue Laufwege und veränderte Arbeitsabläufe

Zum Wochenbeginn wurden die Vorgaben seitens der nordrhein-westfälischen Landesregierung für berufliche Bildungsangebote gelockert. Die Teilnehmer des SOS-Kinderdorfs Niederrhein dürfen jetzt wieder bei Einhaltung aller Hygienevorgaben zum Praxisunterricht erscheinen. „Für uns als Ausbilder/innen und Anleiter/innen ist klar, dass wir tageweise mit Kleingruppen starten und zu Beginn erst einmal die neuen Hygienevorschriften vermitteln und trainieren“, sagt Heidi Korgel und erklärt weiter: „Wir zeigen auf, wie breit 1,50 Meter Abstand sind, was unsere neuen Laufwege sind und wie wir die Arbeitsplätze in der Küche gestalten, damit auch dort ausreichend Abstand gewahrt werden kann.“ Wann der reguläre Mensabetrieb dann wieder aufgenommen werden kann, ist aktuell noch unklar.

Schulmensa in der Kategorie „Integration und Inklusion“ ausgezeichnet

Die Besucher der Verleihung des Marketing-Preis-Kevelaer am heutigen Freitag, 22. November 2019, warteten gespannt, welchen Preisträger die diesjährige Jury in der Kategorie „Integration und Inklusion“ ausgelobt hatten. Diese hatten sich für das SOS-Kinderdorf Niederrhein, als Betreiber der Schulmensa in der Gesamtschule Kevelaer, entschieden und ernteten dafür viel Beifall vom Publikum.

Gegründet 1969, ist das SOS-Kinderdorf Niederrhein heute mit rund 300 Beschäftigten und zahlreichen ehrenamtlichen Helfenden an über zehn Standorten die größte SOS-Kinderdorf Einrichtung in Deutschland. Einer dieser Standorte ist die Schulmensa in der Wallfahrtsstadt Kevelaer, die von der Jury als herausragendes Projekt klassifiziert wurde und deren Verantwortliche, mit der Medaille als sichtbares Zeichen, den Marketing-Preis-Kevelaer in Empfang nahmen.

Ausbildung, Umschulung und Berufsvorbereitung

Die Schulmensa in Kevelaer ist Lern- und Produktionsstätte gleichermaßen: gute Lebensmittel, täglich frisch zubereitet für alle, die in der Mensa essen, qualifizierte Ausbildung in der Küche durch die Profis des SOS-Kinderdorf Niederrhein. Jährlich werden dort bis zu 40 junge Erwachsene mit besonderen Bedarfen in den Bereichen Küche und Hauswirtschaft ausgebildet. Bei der pädagogischen Arbeit stehen Ausbildung, Umschulung und Berufsvorbereitung im Vordergrund. Seit Beginn im Jahr 2012 hat das SOS-Kinderdorf als Träger der Mensa zahlreiche Auszubildende, Umschülerinnen und Umschüler oder Teilnehmende der Berufsvorbereitung in Arbeit oder Anschlussangebote zur beruflichen Integration vermittelt.

Das Mensa-Team arbeitet eng mit den Arbeitsagenturen und Jobcentern zusammen. Außerdem gibt es einen regelmäßigen Austausch mit den Schulen und den Schülerinnen und Schülern, zum Beispiel rund um das Thema gesunde Ernährung. In der Schulmensa werden täglich bis zu 800 Essen mit regionalen Produkten frisch zubereitet und ausgegeben. Eine Win-Win-Situation: Die jungen Erwachsenen in der Küche sehen jeden Tag ihre Leistung und den Schülerinnen und Schülern schmeckt es.

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Beispiele guter Kooperation

Zum wiederholten Mal hat die Ärztliche Direktorin der LVR-Klinik Bedburg-Hau, Anita Tönnesen-Schlack, das SOS-Ausbildungsteam der Schulmensa in Kevelaer besucht. Hierbei wird gemeinsam vor Ort mit allen Mitgliedern eine sogenannte „Fall- und Teamsupervision“ durchgeführt.

Die Schulmensa wird vom SOS-Kinderdorf Niederrhein betrieben. Das siebenköpfige Team unter der Bereichsleitung von Wolfang Brandt setzt sich zusammen aus mehreren Professionen und betreut jährlich rund 30 Personen mit sogenannten „besonderen Bedarfen“ (psychische Störungen oder Lernschwierigkeiten). Sie werden dort in der Küche und im Hauswirtschaftsbereich ausgebildet oder auf den nächsten beruflichen Schritt vorbereitet.

Dies stellt auch besondere Anforderungen an die Mitarbeitenden in vielschichtiger fachlicher Hinsicht. Ausbilder mit einer rehaspezifischen Zusatzausbildung, Psychologen, Sozialpädagogen, Lehrer und eine fachpsychiatrische Begleitung werden zur konzeptionellen Umsetzung der Berufsvorbereitung und der Ausbildung benötigt. Regelmäßige Team- und Fallsupervisionen sind daher verpflichtende und wichtige Bausteine für eine erfolgreiche Arbeit mit dieser Zielgruppe.

Deshalb ist Wolfgang Brandt sehr froh und dankbar, dass man die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und diplomierte Sozialpädagogin als Expertin gewinnen konnte. „Mich begeistert die Zusammenarbeit mit diesem hochmotivierten und fachkompetenten Team“, versichert Anita Tönnesen-Schlack. „Ihre Offenheit und Bereitschaft, sich auf die besonderen Ansprüche ihrer Auszubildenden einzulassen, beeindrucken mich bei unseren Treffen immer wieder aufs Neue.“

Die LVR-Klinik in Bedburg-Hau und das SOS-Kinderdorf Niederrhein gehören beide dem kreisweit agierenden Verbund für Teilhabe und Behandlung (VTB) an und haben sich unter anderem den praxisorientierten Austausch in der Region Niederrhein auf die Fahne geschrieben.

„Damit helfen wir Menschen vor Ort noch besser bei der Bewältigung ihrer psycho-sozialen Probleme vorbeugend, in akuten Fällen und in der Nachsorge.“, sagt Wolfgang Brandt. „Wir haben im und über das Kreisgebiet hinaus lange nach einer fachpsychiatrischen Begleitung gesucht. Über die Mitgliedschaft im Teilhabeverbund konnten wir Frau Tönnissen-Schlack für diese Aufgabe nicht nur formal gewinnen, sondern haben mit ihr eine ausgewiesene Expertin an unserer Seite, die mit Herz und Seele unsere Aufgabe und unser SOS-Team unterstützt.“