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Am 10. März wird vor dem Bühnenhaus die Flagge Tibets gehisst. Foto: LS
Flaggenaktion zum Gedenken an den Volksaufstand

Solidarität mit Tibet

Am 10. März jedes Jahres findet im Rahmen der bundesweiten Kampagne „Flagge zeigen für Tibet“ eine Solidaritätsaktion statt, die an den Volksaufstand von 1959 erinnert, als chinesische Truppen Tibet besetzten.

Ein echtes Gefühl von Glück

Seit den 80er-Jahren betreibt die in Goch ansässige „Flüchtlingshilfe Mittelamerika“ in El Salvador Solidaritätsarbeit. „Einige von uns waren schon während des Bürgerkrieges da“, beschreibt Geschäftsführer Jürgen Tönnesen die Grundlagen des Projekts. „Deshalb gibt es aus der Zeit intensive Beziehungen zu vielen Leute und Institutionen vor Ort.“

Im Anschluss wurde die Projektarbeit in diversen Gemeinden entlang des Bajo Lempa vorangetrieben – so zum Beispiel mit der Unterstützung von fünf Kinderzentren. Einfach ist die Arbeit vor Ort, die zeitweilig von Bandenkriminalität und Gewalt beeinflusst wurde, nicht. „Und in einer Situation, wo Verzweiflung großen Raum einnahm (…), entstand die Idee, wenigstens den Kindern eine Freude zu machen, wenn wir schon die Situation nicht verändern können.“ Daraus entstand die „Weihnachtsfunken“-Aktion als kleiner Teil der vielen Aktivitäten der Flüchtlingshilfe.

Die Aktion läuft mittlerweile seit sechs Jahren und stößt auf positive Resonanz. „Wir haben das auch auf andere Gemeinden und Institutionen in El Salvador ausgeweitet.“ Wichtig sei dabei, nicht so zu tun, als käme der „Weihnachtsmann“ aus der reichen ersten Welt oder sich an Zahlen von Hilfspaketen zu berauschen. „Für uns gilt Thema Augenhöhe. Das ist Teil der Arbeitsbeziehung und Präsenz in diesen Gemeinden – wie bei einem guten Freund oder Nachbarn.“

Der Löwenanteil der Pakete kommt vom unteren linken Niederhein, aber auch von Gruppen in Süddeutschland, Sachsen und Schleswig-Holstein, von Privatleuten, Kirchengemeinden, Kindergärten, sozialen Einrichtungen. „Dazu kommen viele Familien mit Kindern, die das aufgegriffen haben“, sagt Tönnesen. Beim ersten Mal waren es noch ein paar wenige Hundert Pakete. Jetzt waren es gut 1.900 Geschenkpäckchen, die die Kinder im Alter von vier bis sieben Jahren erhalten. Was aber nur daran lag, dass man nochmal via Flyer Notaufrufe startete, berichtet Lisa Stammen aus Kevelaer, erste Vorsitzende des Vereins.

In Kevelaer seien es diesmal mehr Einzelpersonen gewesen, die gespendet haben. „Der Theaterchor hat ja 2019 mitgemacht, letztes Jahr haben auch einzelne Messdiener Pakete zur Verfügung gestellt und das KvGG hat mit einer Klasse mitgemacht. Das war dieses Jahr 2020/21 aber etwas weniger. Das ist auch Corona geschuldet“, meint sie. Aber es seien viele Familien dabei gewesen, denen im Kontext der Pandemie noch einmal bewusst geworden sei, „dass es uns im Vergleich ziemlich gut geht.“

Etwa im Juni beginne man mit dem Sammeln, auch wenn die Menschen da noch nicht so an Weihnachten denken, sagt Stammen. Aber die Aktion brauche Vorlauf. Ende August starte man damit, die Päckchen einzusammeln. „Wir müssen an mindestens drei Wochenenden alle Pakete nochmal aufmachen und kontrollieren. Sowas wie Seifenblasen und Gummibärchen oder Anziehsachen dürfen nicht verschickt werden“, erläutert Stammen.

„Es gibt Flyer, wo genau drinsteht, wie die bepackt werden müssen, weil es unterschiedliche Zollbestimmungen gibt.“ Anschließend werden die Sachen in Umzugskartons gepackt und kommen in Container. „Da kommen noch Rehamaterialien, Krücken, Rollstühle, dieses Jahr Krankenhausbetten dazu“, erzählt die 29-Jährige. Spätestens Anfang November gehen die Container auf die Reise Richtung Mittelamerika.

„Im Frühwinter ist da Hurrikansaison, da braucht man fünf Wochen plus Hafenabwicklung. Die Sachen müssen also sechs Wochen vorher auf den Weg.“ Entsprechend ist für 2021 geplant, das bereits Mitte Oktober durchzuführen, ergänzt Stammen.

Die Verteilung wurde von zwei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen des Vereins zusammen mit Freiwilligen geregelt, wobei es durch die Behörden tagelange Verzögerungen gab, berichtet Tönnesen. „Wir haben da zur Zeit eine extrem rechte Regierung, ein autoritäres Regime in El Salvador.“ Da gebe es dann schon Einschüchterungen, die „beängstigend“ seien.

Wenn die Sachen dann aber zu den Schulen und Kinderzentren gelangen, erlebten die Kinder für einen Moment ganz große Freude und einen echten Lichtblick. Man sehe „diesen übergroßen Überraschungseffekt: Soll das wirklich für mich sein?“ Und auf diese Weise schaffe man es, dass die Kinder für ein paar Momente an etwas anderes denken.

Lisa Stammen war mit ihrem Partner Manuel Loeker von November 2017 bis April 2018 in El Salvador und hat die Geschenke mit verteilt. „Das war eine logistische Höchstleistung der Mitarbeiter vor Ort.“ Die Eindrücke sind ihr in Erinnerung geblieben. „Die Kinder haben sich tierisch gefreut. Das ist eine unglaubliche, herzliche Stimmung. Wir haben in einem kleinen Dorf Weihnachten mit verbracht und hatten nicht das Gefühl, fremd zu sein.“

Auch die Reaktionen, die nach Deutschland gelangen, sind geprägt von Dankbarkeit, erzählt Tönnesen. „Was es immer gibt, sind ganz individuell gestaltete, sogar gebastelte Dankesbriefe.“

Im Februar ist geplant, mit einer Delegation der Flüchtlingshilfe im Zuge der Bürgermeister- und Parlamentswahlen in das Land zu reisen. Die Arbeit vor Ort – vor allem in den Kinderzentren – die will man auf jeden Fall aufrechterhalten. Dafür benötigt der sich ausschließlich aus Spenden finanzierende Verein weiter Unterstützung, sagt Stammen.

„Denn davon profitieren die Kinder, die dort eine stabilere Konstitution, bessere hygienische Bedingungen haben, Bildung und Förderung erfahren – und einfach Kind sein können.“

Unterstützung

Wer den Verein unterstützen möchte, kann sich an folgende Adresse wenden: Flüchtlingshilfe Mittelamerika e.V., Reeser Straße 27, 47574 Goch; Email: info@fluehi-ma.org; Tel. 02823-8798301 und unter: www.fluehi-ma.org