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DELF-Diplom des Institut Francais und Cambridge for Schools Zertifikate verliehen

Es hatte schon internationalen Flair und es war festlich, als die Schülerinnen und Schüler des Kardinal-von-Galen Gymnasium im Rahmen einer Feierstunde die Urkunden über das DELF-Diplom des Institut Francais und Cambridge for Schools Zertifikate verliehen bekamen.
Bei Bewerbungen um Ausbildungsplätze oder einen Studienplatz (besonders im Ausland) kommt es heute nicht mehr darauf an, Angaben machen zu können, wie viele Jahre man Unterricht in einer Sprache hatte. Die Vorlage von Sprachzertifikaten stellt oft ein Auswahlkriterium dar.
DELF-Examen oder Cambridge for Schools Prüfung in der Tasche zu haben, heißt, dass Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen in Französisch oder Englisch als Kompetenzen nachgewiesen werden können. Die Anforderungen sind dabei sehr hoch angesetzt. Die verschiedenen Niveaus orientieren sich dabei am „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen“.
So bescheinigt das Niveau A1/A2 elementare Sprachverwendung und B1/B2 bereits selbstständige Sprachverwendung. Über 30 Schüler der Jahrgangstufen 7- Q2 haben sich in diesem Schuljahr in zwei AGs auf die Prüfung in den Niveaus A1, A2, B1 und B2 vorbereitet.
Im Januar fand in den Räumen des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums der Hauptteil der Prüfung statt: Hör- und Leseverstehen sowie Textproduktion. Die mündliche Prüfung wurde danach vor „echten“ Franzosen in einem Krefelder Gymnasium abgelegt. Im März erwarben darüber hinaus über 20 Schüler der Jahrgangsstufen EF, Q1 und Q2 die lebenslang gültigen Cambridge for Schools Zertifikate FCE und CAE, die den beiden „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen B2 und C1“ entsprechen. Die Prüfungen in den Kompetenzbereichen Speaking, Reading and Use of English, Listening sowie Writing wurden an zwei Tagen mündlich und schriftlich im Prüfungszentrum am Stiftsgymnasium Xanten in Kooperation mit der VHS Düsseldorf durchgeführt.
Oberstudiendirektor Karl Hagedorn und die stellvertretende Schulleiterin, Dr. Astrid Czubayko-Reiß übergaben im Beisein der Fachlehrer Rita Aretz-Richter (Französisch) und Katrin Boland (Englisch) die Urkunden und bei jeder Übergabe brandete der App­laus für die stolzen Empfänger auf.

„ABInauten“ – wir greifen nach den Sternen

Pfarrerin Karin Dembek und Kaplan Christoph Schwerhoff zogen feierlich mit der Abiturientia des Kardinal-von-Galen Gymnasium in die mit Lehrern, Eltern, Familienangehörigen und Freunden voll besetzte St. Antonius Kirche ein. Den 74 Schülerinnen und Schülern, die soeben das Abitur bestanden und so den höchsten Schulabschluss in Deutschland erreicht haben, war es wichtig, den neuen, vor ihnen liegenden Lebensabschnitt, unter das Wort Gottes zu stellen.
„Wir machen uns auf den Weg“ und „Wir greifen zu den Sternen – wenn nicht jetzt, wann dann“, waren die Grundaussagen für den Gottesdienst. Schwerhoff stellte nach der Lesung aus Prediger 3, 1-11 fest: „Alles hat seine Zeit und nun ist die Zeit, wo Sie etwas geschafft haben und stolz auf sich sein können. Es ist die Zeit, auch nach einigen Kurven und Umwegen der neuen Bestimmung zu folgen. Gott hat etwas Bestimmtes mit Euch vor und wird Euch dabei helfend beistehen.
Den Gottesdienstes gestalteten auch einige der Abiturienten mit. Gänsehautstimmung verbreitete dabei Lea Halmans, als sie „Wir können alles sein baby“ von Julia Engelmann rezitierte. Sie traf dabei nicht nur den Poetry-Slam-Sound der Autorin, sondern auch mit der Aussage des Textes den Nerv der Anwesenden. Sternenaktion und Segen mit anschließendem Sektempfang und Luftballon-Aktion schlossen den Vormittag ab.
Im Konzert- und Bühnenhaus hingen unzählige silberne Sterne von der Decke als die Gäste und die Abiturientia dort zur Abiturfeier zusammenkamen. „Use Somebody“ von Kings of Leon präsentierten Pia Angenendt (Gesang) und Jan-Joel van den Weyenbergh (Flügel), bevor die stellvertretende Schulleiterin Dr. Astrid Czubayko-Reiß die Anwesenden begrüßte und im Anschluss ein spontanes Geburtstagsständchen erhielt.
Das Grußwort des Bürgermeisters der Stadt Kevelaer, Dr. Dominik Pichler war, wie von ihm gewohnt, in gut gelaunter Manier. Zunächst konnte er es sich nicht verkneifen bei dem gewählten Abi-Motto einige Passagen aus den Star Wars Filmen zu zitieren bevor er („Natürlich werde ich Sie, ebenso wie den vorigen Abi-Jahrgang, nicht mit Latein verschonen“) unter anderem erklärte, dass Abitur vom lateinisch abire ‚davon gehen’, abgeleitet ist. „Er oder sie wird weggegangen. Sie feiern also das weggegangen werdens.“ Als er mit den Worten „Möge die Macht mit Euch sein“ endete, brandete tosender Applaus auf.
Auch die Grußworte der Elternvertretung durch Georg Foitzik, des Jahrgangsstufensprechers Trung Vi Pham und des Schulleiters Oberstudiendirektor Karl Hagedorn wurden mit viel Beifall bedacht. Kathrin Schick (Gesang) und Hannah Müller (Gesang und Flügel) mit Leonard Cohens „Halleluja“, Anna Bieck (Gesang) und Jan-Joel van den Weyenberg mit Peter Maffays „Ich wollte nie erwachsen sein“ und Kathrin Schick und Pia Angenendt mit „Father and Son“ von Cat Stevens sorgten im Verlauf für den musikalischen Rahmen.
Zu ausgewählten Klängen und zu selbsteingereichten Kinderbildern, die auf einen Sternenhimmel projiziert wurden, erhielt jeder Abiturient sein „Reife-Zeugnis“ und eine Rose. Diejenigen, die sich in der Streitschlichtung oder der Schülerverwaltung engagiert hatten wurde zusätzlich ein Buchgeschenk überreicht. Vier Abiturienten wurden besonders erwähnt. Sie hatten die Besten Leistungen erbracht. Ein Abitur mit 1,3 schafften Klara Werthmanns, Lea Halmans und Shannon Mc Govern.

Sophie Thyssen machte als Schulbeste ihr Abitur mit 1,0.


Die Bestleistung mit einem Schnitt von 1,0 erzielte Sophie Thyssen. Etwas verlegen äußerte sie, dass sie eigentlich gar nicht so übermäßig gelernt habe. Nur für Mathematik waren einige Lernstunden erforderlich. Das nächste Jahr möchte sie mit „Work and Travel“ nach Australien und Neuseeland verbringen und voraussichtlich Sport fürs Lehramt und Sportmedizin studieren.
Am Abend und bis früh in den Morgen wurde dann im Bühnenhaus eine riesige „Sternenreise“ unternommen. Mit enormen Aufwand war der Saal dekoriert worden. Neben einem ausführlichen Rückblick bedankte sich die Abiturientia bei den Lehrkräften und besonders den Eltern für die Unterstützung auf dem Weg zum Abitur. Manches Taschentuch der Rührung wurde dabei benötigt. Buffet, Vorträge, viel Erinnerungsaustausch, Musik und Tanz rundeten eine gelungene und fröhliche  Abiturfeier ab.
https://www.kevelaerer-blatt.de/kardinal-von-galen-gymnasium-verabschiedete-abiturientia/

Schlummernde künstlerische Talente entdeckt

Im Februar veranstalteten Lea Brückner (Violine) und Mark Kantorovic (Klavier) ein Konzert im Bühnenhaus. Mit den Einnahmen finanzierten sie das Kunstprojekt „DIY-O“ (Do it yourself – ohne Dich läuft nichts), an dem alle Kinder kostenlos teilnehmen konnten. Die zwei Musiker wollten damit erreichen, dass unabhängig von finanziellen Möglichkeiten Kinder die Erfahrung machen, dass sie Talente besitzen, die nur geweckt werden wollen. Nun endete dieses Projekt und die Kinder präsentierten die Kunstwerke, die unter Anleitung von Ilka Sulten und Tatjana van Went in zwei Gruppen mit jeweils acht Kindern im Alter von 11-15 Jahren entstanden sind.
Lea Brückner: „Geld darf nicht die Menschen machen, jeder Mensch hat Fähigkeiten und alle müssen die gleiche Chance haben sich zu entwickeln. Es dürfen auch nicht immer alle auf die Politiker warten, dass sie etwas in Gang bringen, deshalb haben wir dafür gesorgt, dass diese Projekte entstehen konnten. Als Musiker haben wir im wahrsten Sinne des Wortes eine Bühne und dort hören uns die Menschen. Jedes Kind hat viele Potenziale und besonders bei Kunst (ein Tanzprojekt soll es auch noch geben, da hier die gleichen Voraussetzungen gegeben sind) genügen einfachste Mittel, um etwas zu erschaffen.“
Dass künstlerische Ressourcen durch Projekte wie „DIY-O“ tatsächlich gefunden werden können, zeigen die Ergebnisse. Die leitenden Künstlerinnen beschreiben dies so: „Die Kinder haben Zeit gefunden,  in Details zu gehen. Dabei wurde ihnen nahegebracht, dass in der Kunst alles erlaubt ist und sie ihrem Gefühl folgen dürfen. Sie haben entdecken können, dass sie viel mehr an Fähigkeiten besitzen, als sie vorher gedacht hatten. Im `Freidenken´ haben sie in Alltagsgegenständen Anregungen entdeckt, die sie in Kunstobjekte umgesetzt haben.“
Auch die Kinder selbst waren erstaunt, was alles in ihnen steckt. „Zuhause mache ich sonst immer nur etwas mit meinem Handy, ich wusste gar nicht, dass ich so etwas malen kann“, äußerte sich eine Teilnehmerin. „Wenn ich sonst etwas male, dann immer nur das Fenster in meinem Zimmer,“ meinte eine andere Teilnehmerin des Projektes, „hier habe ich gemerkt, dass ich mich auch trauen kann, mal etwas anderes zu malen.“
Für die Initiatoren des Projektes wurde das Ziel erreicht. Lea Brückner: „Mit den Ergebnissen erlebten die Kinder eigene Wertschätzung und können in Zukunft ohne notwendige hohe Ausgaben ihr Talent weiterentwickeln. Wenn sich dann auch nur ein Kind findet, das seinen künstlerischen Weg gehen kann, hat sich das Projekt auf jeden Fall gelohnt.“
Damit aber auch „DIY-O“ noch länger nachwirken kann und vielleicht mehr Menschen anspricht, soll auf Facebook eine Seite mit den Ergebnissen eröffnet werden. Hier kann dann eine Interaktion mit anderen Interessierten beginnen und so vielleicht weitere Talente ihre künstlerischen Fähigkeiten erkennen und nutzen.

Ich. Du. Inklusion in Kevelaer

Auch drei Wochen nach der Erstausstrahlung von „Ich. Du. Inklusion-Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft“, lockte der Dokumentarfilm von Thomas Binn  rund 200 Besucher ins Bühnenhaus.
„Ein sehr berührender Film“, beschrieb Bürgermeister Dr. Dominik Pichler den Dokumentarfilm und stimmte damit Eltern, Lehrer und andere Besucher auf 90 Minuten Inklusionsalltag an der Geschwister Devries-Grundschule in Uedem ein. An dieser ländlich gelegenen und „Bullerbü“-ähnlichen Grundschule, drehte Thomas Binn den aufrüttelnden Dokumetarfim „Ich. Du. Inklusion“. (Das KB berichtete). Idealbedingungen habe er dort schon vorgefunden: „Und trotzdem gelingt auch da die Inklusion nicht“, so der Filmemacher in der anschließenden Podiumsdiskussion mit Michael Cuypers, Leiter der Gesamtschule Kevelaer-Weeze, Andras Berndt, Schulleiter der St. Antonius-Grundschule, Marc Buchholz, Sozialdezernent und Bernd Lindenau, Verband Bildung und Erziehung des Landes NRW.
Was aber nicht heißen solle, dass Binn gegen Inklusion sei. Im Gegenteil: „Jeder halbwegs klar denkende Mensch sollte für Inklusion sein“, erklärte Binn, „dafür aber müssen optimale Rahmenbedingungen geschaffen werden.“ Dass die Rahmenbedingungen alles andere als optimal sind, wird im 90-minütigen Dokumentarfilm ganz deutlich. Zweieinhalb Jahre begleitet Thomas Binn Grundschulkinder mit und ohne Förderbedarf an der Geschwister Devries-Grundschule mit seiner Kamera.
Er lässt Kinder, Eltern, Lehrer, Schulleiter und Sozialpädagogen zu Wort kommen. „Alle 16 Bundesländer haben Zeit verstreichen lassen. Sparen wird zum obersten Gebot“ erklärt der Schulleiter der Geschwister Devries-Grundschule, Johannes Nolte, im Film. Und das auf Kosten der Kinder. Eine ständige Doppelbesetzung mit Lehrer und Sonderpädagogen sei dringend erforderlich. Im Film wird deutlich wie sehr Mut, Verzweiflung und Hoffnung beieinander liegen, wie oft die Beteiligten an ihre persönlichen Grenzen stoßen. Ohne das private Engagement der Pädagogen, Zusatzkräfte und Eltern, wäre Inklusion erst gar nicht möglich.
Als Kampf gegen Windmühlen, beschrieb Michael Cuypers die derzeitige Situation während der Diskussionsrunde. „Dennoch sollten wir den Kopf nicht hängen lassen, wir sollten den Kindern deutlich machen, dass wir das schaffen“, betonte der Gesamtschulleiter. Dazu aber müsse man die Einstellung und Haltung den Kindern gegenüber ändern. „Wir müssen eine Willkommenskultur an den Schulen schaffen“, so Cuypers. Andreas Berndt ergänzte: „Mit Schließung zahlreicher Förderschulen profitieren natürlich die Dorfschulen vom Know-how der fahrenden Pädagogen.“
Beeindruckt vom Film zeigte sich Marc Buchholz. Er hofft, dass gerade in Kevelaer sächlichen Materialien nicht fehlen. „Es ist nicht so als ob wir nichts tun. Wir stellen Räume und diese sollten auch geschaffen werden“ so der Schuldezernent. Ob man aber in Zukunft Schritt halten könne, bleibe fraglich. Dass Inklusion nicht nur eine Sache der Schulen sei, betonte Bernd Lindenau: „Um Kinder und Lehrer zu schützen, müssen wir endlich Geld in die Hand nehmen.“
Seit Sommer 2014 haben Kinder mit Unterstützungsbedarf einen Rechtsanspruch auf gemeinsamen Unterricht in Regelschulen. Zahlreiche Förderschulen wurden daraufhin geschlossen. „Es ist aber nicht so, dass es keine Förderschulen mehr gibt“, stellte Michael Cuypers klar. Es sollen auch künftig keine mehr geschlossen werden. Inklusion ist ein Menschenrecht. „Aber wir müssen uns weit mehr anstrengen und alles daran setzen, unsere Kinder nicht kaputt zu machen“, betonte Thomas Binn. „Wenn wir alle zusammenhalten schaffen wir das“, erklären die 22 Kinder der Geschwister Devries-Grundschule in Uedem am Ende des Films. Das sollte zumindest ein Ansporn für uns Erwachsene sein.

Zustände wie im alten Rom

Man fühlte sich in die Zeit des antiken Rom zurückversetzt. Kinder und Erwachsene liefen  umher in einer Tunika, einem Pallium, einer Toga oder einem Paenula und mit Sandalen bekleidet.
Auf das Pflaster gezeichnete Spielfelder dienten als Ziel für Würfe mit Walnüssen. Paukenschläge waren zu hören, Töne aus Blechblasinstrumenten hallten über den Platz. Aus Erde, Pigmenten und Goldstaub wurden Farben angerührt, um daraus Bilder zu malen. Rezepte für Libum (Kuchen), Moretum (Knoblauchpaste), römischen Obstsalat oder Plätzchen wurden angeboten. Und aus Ton gefertigte Schmuckstücke konnten betrachtet werden.
Alles dies waren die Ergebnisse einer Projektwoche, die Lehrer, Eltern und Kinder der Grundschule in Wetten durchgeführt hatten. Marko Hegmann hatte sich mit den Kindern der typisch römischen Bekleidung angenommen. Elisabeth Morawitz stellte mit den Schülern Speisen der einfachen Menschen her (Rezepte dazu konnte jeder mitnehmen). Anne Valentin und Rita Baxmann vermittelten den Grundschülern die Gesellschaftsspielen der damaligen Zeit. Nathalie Leisten hatte mit den Teilnehmern Tonobjekte angefertigt.
Ein Kunstprojekt wurde von Tatjana van Went, einer der Mütter eingebracht. Der Musikverein Wetten 1897 e.V. hatte als Kooperationspartner zwar keine „Cornu“ mitgebracht. Die Jungen und Mädchen konnten jedoch mit den Nachfolgern dieses römischen Horns ihr musikalisches Talent erkunden und vielleicht so für den Verein geworben werden.  Zwei Filmvorführungen und ein Stand mit Büchern informierten noch einmal, wie der Alltag im antiken Rom gelebt wurde.
Marlies Hansen betonte, dass das aufwendige Projekt ohne die engagierte Mitarbeit des Kollegiums, zahlreicher Eltern und die Arbeit des Förderkreises nicht möglich gewesen wäre. Die Schulleiterin freute sich darüber, dass aufgrund einer anonymen Spende sogar ein Ausflug aller Schüler zum APX nach Xanten erfolgen konnte: „Projekttage sind eine gute Möglichkeit, die Schüler durch innovative Methoden aus der Reserve zu locken, sie zu Handlungs- und Verantwortungsbereitschaft und zum selbstständigen Lernen anzuleiten und ihre Teamfähigkeit, soziale Kompetenz und Selbstkompetenz zu stärken. Dies konnte erreicht werden.“
Die Schüler zeigten sich auf jeden Fall in ihren „Rollen“ als römische Bürger völlig authentisch und so kann man behaupten: Die Römer waren in Wetten.

Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft

Es ist ein Dokumentationsfilm, der die Gemüter erregen und zum Nachdenken anregen dürfte. Am Donnerstag, 4. Mai, startet die 90-minütige Dokumentation von Thomas Binn „Ich. Du. Inklusion. – Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft“, bundesweit in 80 Kinos.
Zweieinhalb Jahre begleitete der Kevelaerer Filmemacher eine Uedemer Grundschulklasse. Hier erlebte er den Schulalltag einer Klasse, die von Schülern mit und ohne Unterstützungsbedarf besucht wird. Daraus entstand eine 90-minütige Dokumentation, die die Wirklichkeit an der Basis zeigt. Dabei wird deutlich, dass der Ansatz der Inklusion ja nicht schlecht ist, nur: „Die Rahmenbedingungen sind eine Vollkatastrophe“, behauptet der gelernte Sozialpädagoge.
Mit dieser Meinung steht Thomas Binn nicht alleine dar. Eltern, Schulleiter und Lehrer stoßen zweieinhalb Jahre nach Einführung der Inklusionsklassen an ihre Grenzen. Seit Sommer 2014 haben in Deutschland Kinder mit Unterstützungsbedarf einen Rechtsanspruch auf gemeinsamen Unterricht in den Regelschulen. Viele Förderschulen wurden daraufhin geschlossen, Pädagogen auf Schulen verteilt.
Die Umsetzung der Inklusion gestaltet sich allerdings mehr als schwierig. „Jeder ist für Inklusion. Doch unter den jetzigen Bedingungen ist es nicht zu schaffen, den Kindern gerecht zu werden“, erklärt Binn. Der Sparzwang werde auf Kosten der Kinder ausgetragen. Schon seit einigen Jahren setzt Thomas Binn als freier Pädagoge, Projekte an verschiedenen Grundschulen um. Für ihn ist die Verbindung von Film und Pädagogik die logische Entwicklung seiner Arbeit und politischen Botschaft. Der Schuldirektor an der Geschwister Devries-Grundschule in Uedem, Johannes Nolte, war es, der Thomas Binn darum bat, eine Inklusionsklasse filmisch und dokumentarisch zu begleiten. „Ich habe nicht gleich ja gesagt“, erklärt Binn, dem die Brisanz des Themas bewusst war. Unglaublich engagierte Lehrer und Schulleitung ließen den freien Autor jedoch zustimmen. Auch die Eltern der Grundschulkinder erklärten sich mit diesem Projekt einverstanden. Mit der Einschulung von 22 Kindern mit und ohne Förderbedarf, begann auch das Filmprojekt von Thomas Binn.
Der Filmemacher hielt die Entwicklung der Kinder fest. Während der Dreharbeiten hörte er zu, schaute hin. Das was er sah, hielt er mit der Kamera fest, wühlte auch ihn als Filmemacher auf. „Wir müssen wissen, dass sich die Anzahl der Kinder mit Förderbedarf in den letzten 15 Jahren verzehnfacht hat“, erklärt Binn. Das mag vielfältige Gründe haben. Reizüberflutung, Überforderung, Anspruch Denken oder Umgang mit Medien. „Wir Erwachsene müssen wieder lernen, Vorbilder für unsere Kinder zu sein. Wir müssen zeigen, dass es nicht nur ums arbeiten, Geld verdienen und Luxus geht“, sagt der Filmemacher. Um sich dem Bildungssystem anzupassen, würden Kinder mit Psychopharmaka eingestellt. „10 Prozent der Kinder erhalten Ritalin, damit sie funktionieren“, so Binn.
Die Entwicklung in der Schulklasse der Geschwister Devries Grundschule, wird im Film ganz deutlich. In einem selbstinszeniertem Theaterstück, „Die Schule der Tiere“, entdecken die Schüler die Andersartigkeit der Tiere, übertragen diese in kindlicher Art und Weise auf sich. „Sie beobachten, dass eine Schlange keine Füße hat, ein Nashorn nicht klettern kann. Dafür haben die Tiere aber andere Begabungen“, berichtet der Pädagoge, der zwei Jahre nach Beginn der Dreharbeiten, endlich die Unterstützung von „mindjazz-pictures“ aus Köln erhielt.
Thomas Binn möchte mit dieser Dokumentation ein Fenster öffnen, möchte zeigen was los ist, wachrütteln. „Schließlich kann ich auch nicht mit einem Tropfen Benzin nach Köln fahren“, erklärt Thomas Binn.
Film und Diskussion am Freitag in Geldern
Der Caritasverband lädt am Freitag, 5. Mai, ins Kino „Herzogtheater Geldern“ zu einer besonderen Filmvorführung von „Ich. Du. Inklusion.“ ein. Nach der Filmvorstellung um 17 Uhr bieten die Caritas-Mitarbeitenden des Projektes Inklusionsförderung, die Gelegenheit, sich im Foyer des Kinos mit Politikern über die Inhalte des Films und den aktuellen Stand der Inklusion auszutauschen. Neben Gelderns Bürgermeister Sven Kaiser, dem Kevelaerer Bürgermeister Dr. Dominik Pichler und der stellvertretenden Bürgermeisterin von Straelen Monika Lemmen, werden auch zahlreiche Landtagskandidaten mit interessierten Bürgern, Eltern und Lehrern diskutieren. Margret Voßeler (CDU), Norbert Killewald (SPD), Hans-Hermann Terkatz (Bündnis 90/Grüne), Ben Dinklage (FDP) und Mario Krude (Linke) haben bereits zugesagt. Eintrittskarten für den Film gibt es zum Preis von 8 Euro an der Kinokasse.

Theater- und Musik AG der Gesamt- und Realschule gewohnt erstklassig

Im Jahr 1990 begannen die jährlichen Theateraufführungen der Realschule, der sich seit drei Jahren die Gesamtschule angeschlossen hat. „Yamas – Prost Mahlzeit“, so lautete in diesem Jahr der Titel des Stücks. Durch intensive Bearbeitung in der „Schreibwerkstatt“ von Deutschlehrerin Saskia Reinkens blieb von der ursprünglichen Vorlage, dem Musical „Zwei Tage im Hinterhof“ von Manfred Horn, nicht viel übrig. Schülerinnen und Schüler beider Schulen verarbeiteten in einer Neufassung auch persönliche Erfahrungen zum Thema Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung, Ausgrenzung, Zukunftsängste, Einsamkeit und “traditionellen Fußfesseln”. Gleichzeitig wurde Shakespeares “Romeo und Julia“ aufgegriffen, denn Marie, eine Deutsche (Hannah Janßen), und Costa, ein Grieche (Cornelius Naber), spielten nicht nur die Hauptrollen zweier verliebter Teenager in „Yamas“, sondern in der Handlung auch in Shakespeares Klassiker, der in ihrer Schule aufgeführt wurde.
Unter der musikalischen Leitung von Michael Cuypers und der Regie von Saskia Reinkens setzten sich über 100 Schülerinnen und Schüler in Chor, Tanzensemble, Orchester, als Schauspieler, Lehrer und Helfer mit den zeitkritischen Themen auseinander und brachten dies in eindrucksvoller, mal komischer, mal betroffen machender Weise auf die Bühne des gut besetzten Kevelaerer Konzert- und Bühnenhauses.
Mit dem Song „Schrei nach Liebe“, wird versucht eine Erklärung zu geben, warum Menschen sich rechtsradikalen Gruppen anschließen, „YMCA“ umrahmte die Aufarbeitung von Vorurteilen gegenüber Homosexuellen und mit „Zombie“ wurden die traumatischen Folgen von Gewalt beschrieben.
„Breakfast in Amerika“ beschrieb die Sehnsüchte der Menschen, „Dreamer“ setzte sich mit den Gefahren auseinander, die entstehen, wenn man sich seinen Träumen hingibt und die Realität übersieht und „Eiserner Steg“ sowie „Every breath you take“ zeigte die Erfüllung und das Glück in der Liebe.
Mit dem Lied „Nur Menschen“ wurde das zusammengefasst, was die jungen Mimen in über zwei Stunden bei einer multimedialen Vorführung deutlich machten. Viele Vorurteile und Aggressionen, viel Hass und Fremdenfeindlichkeit, viel Einsamkeit und Nachbarschaftsstreit, viel Mißverständnisse zwischen Menschen kommen durch Unkenntnis über die Situation anderer Menschen zustande. In dem Moment, in dem gesehen wird, dass es anderen ähnlich geht, gibt es oft Möglichkeiten der Verständigung, denn „Mir sin all, all, all, nur Minsche…“.
„Learning to fly“ forderte auf, anderen auf ihren Wegen beizustehen und selbst um Begleitung zu bitten, wenn der eigene Weg zu schwer wird. Und Cluesos „Neuanfang“ zeigte, dass es nie zu spät ist, einen neuen Weg zu gehen und neu anzufangen. Seinen Gefühlen vertrauen und den Mut aufbringen sein Leben notfalls in neue Bahnen zu lenken ist die Straße der Hoffnung für eine bessere Zukunft.
Zum Schluss kommen Marie und Costa zusammen, denn sie überwinden alle Vorurteile und Hindernisse, die ihre Liebe verhindern wollten. Ihnen bleibt das Schicksal von Romeo und Julia erspart und auch alle um sie herum finden in ihrer Individualität durch gegenseitigen Respekt und durch Toleranz ihren Frieden mit sich und ihrer Umgebung.
Der Appell, den alle Beteiligten mit dem Stück verbanden, nämlich jeden Tag für Demokratie und Menschlichkeit einzutreten, kam bei den Zuhörern an, die sich mit Standing Ovations für die erstklassige Darbietung bedankten.

Liebe und Vorurteile auf der Bühne

Die Theater- und Musik-AG der städtischen Realschule Kevelaer und der Gesamtschule Kevelaer-Weeze zeigt in diesem Jahr das Stück „Yamas – Prost Mahlzeit“. Beteiligt sind insgesamt rund 100 Schülerinnen und Schüler aus allen Jahrgangsstufen im Orchester, im Chor, im Tanzensemble, als Schauspieler und im Bereich Bühne. Öffentliche Aufführungen sind am 5. und 6. April um 19 Uhr im Bühnenhaus. Karten kosten 4 Euro für Kinder/Jugendliche und  7 Euro für Erwachsene. Es gibt sie in der Bücherstube im Centrum und in der Realschule (1. große Pause).
Die diesjährige Inszenierung ist seit Langem wieder ein eigenes Stück, dessen Themen und Dialoge erstmals gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der Theater-AG entstanden sind. Das Stück basiert auf der Auseinandersetzung mit Themen wie Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung und Ausgrenzung und verarbeitet persönliche Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler.
Es handelt von der Liebesbeziehung der Protagonisten Costa und Marie, die an immer neuen gesellschaftlichen Vorurteilen zu scheitern droht, und spricht die unterschiedlichen Alltagsprobleme wie Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Zukunftsängste der anderen Akteure mit an.
Wie bereits bei Shakespeares „Romeo und Julia“ scheint die Herkunft über das Liebesglück zu entscheiden, welches zu zerbrechen droht, bevor es richtig beginnt. Doch ein so tragisches Ende wie bei Romeo und Julia soll das Stück der Theater AG nicht nehmen. Mit Live-Musik, Schauspiel und Tanz erzählt es von Schicksalen, Freundschaft und Feindschaft und versteht sich damit als ermutigender Appell, jeden Tag für Demokratie und Menschlichkeit einzutreten und sich in seinem Handeln nicht von Stereotypen leiten zu lassen.
Das Ensemble des Theaterprojekts:
Städt. Realschule Kevelaer
Gesamtschule Kevelaer-Weeze
Schauspiel:
Aengeneyndt, Mona
Aymanns, Sophie
Blenkers, Kathrin
Dicks, Christian
Falana, Lena
Fiethen, Julia
Grootens, Lutz
Heller, Leonard
Herbe, Sven
Janßen, Hannah
Janssen, Vivian
Köllner, Tim
Maaßen, Daniel
Müller, Emely
Naber, Cornelius
Nilkens, Verena
Schmidt, Fabienne
Schmitz, Vivian
Van Endern, Maja
Tanz:
Alajbegovic, Sumeija
Arnert, Sarah
Flassenberg, Melina
Kaschubat, Lynn
Kenner, Dagmara
Naimar, Leonie
Plenzdorf, Stella
Premaseelan, Gowshiga
Rütten, Verena
Schenk, Jana
Schink, Katharina
Tutkun, Filiz
Van Leuven, Sophia
Chor:
Baten, Lisa
Dejbus, Laura
Goldmann, Dominika
Heiser, Olivia
Jolien Helmus,
Klich, Patrycia
Markowska, Oliwia
Methner, Leonie
Mileti, Emilia
Müller, Hanna
Lutz, Laura
Potter, Potter
Rogowski, Ananda
Rosenkranz, Hannah
Schütt, Tom
Orchester:
Baumgart, Valentino
Below, Margit
Büschkes, Simone
Ehme, Phil
Gieser, Phoebe
Hendricks, Tim
Hieckmann, Lea
Hußmann, Sabrina
Ingendae, Matthias
Josephs, Dylan
Lamers, Stella
Quinders, Christian
Rottmann, Katharina
Spans, Marius
Wagner, Lara
Werner, Anna
Witschurke, Leonie
Bühnenbildprojekt:
Nazar, Benjamin
Hiep, Kira
Schmitz, Janina
Van Endern, Maja
Müschen, Patrick
Janßen, Hannah
Janssen, Vivian
Kosub, Josefine
Schmidt, Fabienne
Blenkers, Kathrin
Luyven, Lara
Schenk, Jana
Plenzdorf, Stella
Naber, Cornelius
Rosenkranz, Hannah
Grootens, Lutz
Klein, Jens
Kruse, Marco
Kosub, Emilia
Achten, Thomas
Aymans, Sophie
Maaßen, Daniel
Wilhelm, Alina
Technik und Requisite:
Achten, Thomas
Gavrill, Nicolaos
Herbach, Oliver
Klein, Jens
Kleintjes, Jonas
Koza, Adrian
Kruse, Marco
Müschen, Patrick
Nazar, Benjamin
Wilbers, Johanna
Zipser, Rene
Souffleuse:
Schmitz, Vivian
Am Projekt beteiligte Lehrer und Lehrerinnen:
Dorothee Menskes (Einstudierung Orchester)
Ingo Schäfer (Einstudierung, Leitung Theaterchor und -solisten)
Claudia Kanders (Choreographie, Einstudierung und Leitung Tanz)
Manfred Beckert, Eva Tannhäuser (Projekt Bühnenbild / Requisiten)
Andrea Schwanitz (Herstellung von Kostümen)
Michael Cuypers (Einstudierung Orchester, Orchesterleitung)
Saskia Reinkens (Einstudierung Schauspiel / Regie)

Erste Kevelaerer Ranzenbörse entpuppte sich als Erfolg

Greuel beantwortete schnell die Frage, was die ganzen Anbieter miteinander zu tun haben: „Ganzheitlicher Ranzenkauf ist wichtig für die gesunde Entwicklung der Zukunft unsere Kinder.“ Er zeigte auf, dass man bei Kindern gerade in dem Alter, in dem sie erstmals zur Schule gehen, ein besonderes Augenmerk auf alle Bereiche der körperlichen Entwicklung halten müsse. „Was nutzt es, wenn ein guter und rückenschonender Ranzen gekauft wird, wenn durch Schuhe oder Beinverkürzungen Fehlhaltungen entstehen? Was nutzt es, wenn die Autofahrer die Schüler wegen der Reflektoren am Ranzen gut sehen, die Kinder aber wegen Kurzsichtigkeit die Autos nicht erkennen oder wegen Höreinschränkungen ein Auto gar nicht erst kommen hören? Und was nutzt es, wenn der sichere Schulweg wegen ungesunder oder mangelnder Nahrungsaufnahme beim Frühstück unkonzentriert gegangen wird? Das alles spielt zusammen und deshalb war es uns wichtig diese Kauf- und Informationsveranstaltung zu veranstalten.“
So war das „Sehzentrum Optik Mayer“, Spezialist für Kinderoptometrie, vertreten und bot einen Sehtest an. Das „Sanitätshaus vor Ort“, reichte die helfende Hand und fertigte einen Fußabdruck, der dann am PC ausgewertet wurde. Beim „Hörzentrum Niederrhein“ konnte man seine Hörfähigkeit testen lassen und Michael Bol stellte den „M.A.K.S. Trainingssack“ vor, der in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ Investoren fand. Der Trainingssack wird auf dem Kopf balanciert und ist aus der modernen Prävention gegen Haltungsschäden und aus der Physiotherapie nicht mehr wegzudenken. Ein Stand mit Ernährungstips und Kostproben war ebenso aufgebaut, wie der Informationsstand der Sparkasse Goch-Kevelaer-Weeze. Das Kinderheft „Knax“, war beim Finanzdienstleister ebenso zu bekommen, wie ein Eltern-Ratgeber für das erste Schuljahr und Lose für eine Tombola. Als Hauptpreis gab es hier ein Fahrrad für den Schulweg zu gewinnen. Kinderschminken rundete das Angebot ab.
In einem Raum gab es eine Auswahl von gut 250 ergonomisch geformten Schulranzen und dem entsprechenden Zubehör von namhaften Herstellern. Zur Information standen zahlreiche Mitarbeiterinnen als „Ranzen Info“ bereit Nur einfach einen Ranzen kaufen, dies ist heute schon fast unmöglich. In gleicher Farbe oder Muster wird in der Regel eine Geldbörse, ein Federmäppchen, eine „Stifttasche“ und ein Turnbeutel direkt als Set mitverkauft. Mit Blick auf die Gesundheit und die Sicherheit (zahlreiche Reflektoren), haben die Ranzen aber auch ihren Preis. „Auslaufmodelle“ (Muster des vergangenen Jahres) waren für 99,90 Euro zu bekommen. Für Modelle mit aktuellen Mustern wurden auch schon einmal bis zu 250 Euro fällig. Ein Vater meinte schmunzelnd: „Deshalb ist die Sparkasse hier, wenn die Entwicklung so weitergeht, braucht man zum Ranzenkauf bald einen Kredit.“
Die Veranstalter waren mit dem Verlauf sehr zufrieden und lobten die positive Atmosphäre. Einige Eltern begrüßten die umfassende Information, die alle Aspekte des „Ganzheitlichen Ranzenkaufs“ berücksichtigten.

Zurück zum Abitur nach neun Jahren – Was halten die Kevelaerer davon?

In NRW läuft zurzeit das Volksbegehren „G9 jetzt in NRW“ mit dem Ziel, die Rückkehr zu einer Regelschulzeit mit Abitur nach neun Jahren in der Sekundarstufe II zu erreichen.
Seit dem Jahr 2005 wurde die Schulzeit an Gymnasien (zum zweiten Mal nach 1936) auf acht Jahre gekürzt. Dies ist das so genannte G8- oder Turbo-Abi nach Klasse 12.
Da die Zahl der Jahreswochenstunden am Gymnasium deutschlandweit festgelegt ist (265), haben Schüler am G8-Gymnasium durchschnittlich 33,1 Stunden Unterricht in der Woche. Bis zum Jahr 2013 waren es beim Abitur nach 13 Jahren 29,4 Schulstunden. Damit hatten die Kinder in den Klassen 5 bis 10 im Allgemeinen sechs Stunden Unterricht am Tag, sodass sie gegen 13.20 Uhr die Schule verlassen konnten. Mit dem Turbo-Abi wurde außerdem die 7. Unterrichtsstunde verboten und durch eine 60-minütige Pause ersetzt, sodass der Unterricht an den meisten Gymnasien in der Klasse 6 an einem Tag und ab Klasse 7 an zwei Tagen in der Woche erst um 15.50 Uhr endet.
Das KB hat sich umgehört, was die Bürger in Kevelaer von einer Rückkehr zu einem Abitur nach neun Jahren halten:


Mark-Thomas Hödtke

Mark-Thomas Hödtke


“Von den Schülern und Eltern bekomme ich als Privatlehrer, der auch Nachhilfeunterricht erteilt, die Rückmeldung, dass viele durch die G8 ins Stolpern kommen. Die Verkürzung wurde ja in der Mittelstufe durchgeführt, der zu vermittelnde Stoff blieb aber gleich. Besonders in Mathematik gibt es dadurch oft Defizite, die kaum wieder aufzuholen sind. Der Eindruck, den die Schüler und Eltern mir vermitteln, deutet eindeutig darauf hin, dass sie G9 wieder als reguläre Schuldauer eingeführt haben möchten.
Ich persönlich halte die starre Festlegung auf G8 oder G9 prinzipiell für nicht zielführend. Jedes Kind sollte in der Schule die Möglichkeit haben, nach seinen Fähigkeiten und Neigungen dann den Abschluss zu machen, wenn es sich dafür bereit fühlt. Dies würde aus meiner Sicht auch noch eine längere Schulzeit für einige Schüler bedeuten. Es ist doch nicht nachvollziehbar, dass alle nach der gleichen Zeit ihr Abitur machen müssen.”


Kirsten Humm

Kirsten Humm


“Als Mutter eines ehemaligen Gymnasiasten, der 2016 sein Abitur gemacht hat, finde ich G9 auf jeden Fall besser. Die Kinder haben sehr lange Schultage und müssen dann anschließend noch Hausaufgaben machen. Dadurch ist die Freizeit stark eingeschränkt. Unser Sohn war in der Kreisauswahl im Tennis und hatte daran viel Freude. Durch die hohe Belastung in der Schule konnte er nicht mehr zum Training und musste seinen Sport aufhören. Aber selbst mit Verzicht auf viele Freizeitaktivitäten war die Belastung so groß, dass unser Sohn freiwillig ein Jahr wiederholt hat.
Mit 17 Jahren wissen auch viele noch nicht, welchen Beruf sie anstreben wollen. Wenn sie dann bereits in eine andere Stadt ziehen, um zu studieren, lernen sie zwar schon früh Selbstständigkeit und auf eigenen Füßen zu stehen, die Verantwortung liegt aber immer noch bei den Eltern. Ich möchte noch ein wenig Unterstützung bieten können.”


Astrid Saborowski

Astrid Saborowski


“Ich finde es traurig, dass überhaupt ein Volksbegehren gemacht werden muss. Von Anfang an gab es in der Lehrerschaft, bei den Elternvertretern und den Schülern Widerstand gegen die Verkürzung, weil sie niemand wollte und auch niemand so richtig erklären konnte, wozu sie eingeführt wurde. Die wenigen Befürworter wurden in den Vordergrund gestellt und die immer lauter werdenden Stimmen gegen G8 und für G9 wurden ignoriert. Die vielen Unterrichtsstunden erzeugten bei den Schülern Stress und selbst unsere Tochter, die sicher keine schlechte Schülerin war, musste enorm viel Zeit investieren, um den Stoff des Unterrichts nachzuarbeiten weil in enormem Tempo der Unterricht abgehalten wurde.
Die Schulen und die Schüler sollten selbst wählen können, wie schnell sie das Abitur machen. Jetzt, wo die Wahlen in NRW anstehen, tut sich endlich etwas. Ich finde das Volksbegehren klasse und werde es unterstützen.”


Paula Foitzik

Paula Foitzik


“Als Schülersprecherin am Kardinal von Galen Gymnasium, Jahrgangsstufe Q2, gebe ich die Meinung der Schülervertretung wieder. Wir waren uns einig, dass wir zur G9 keine qualifizierte Äußerung abgeben können, da wir nur die G8 kennen. Vielleicht wäre der Lehrplan nicht so komprimiert, im Krankheitsfall bräuchte man nicht so viel nachholen, und wenn ein Lehrer wechselt, hätte man mehr Zeit, sich seinem Unterricht anzupassen. Der Gedanke, für alles mehr Zeit zu haben, ist aber nicht schlecht. Momentan wird das neunte Jahr oft zur Orientierung und für Praktika genutzt.
Manche machen auch ein Jahr im Ausland, bevor sie ein Studium beginnen. Das Jahr ,Zeitgewinn’ bei G8 wird manchmal auch genutzt, um eine Ausbildung zu beginnen. Diese senkt dann zusammen mit den Zeitgutschriften den Numerus Clausus, sodass größere Chancen bestehen, sein Lieblingsfach studieren zu können. Uns wird die G9 aber nicht mehr betreffen.”


Clemens Sieben

Clemens Sieben


“G8 ist erst einmal nichts Schlimmes und einige Jahrgänge sind ja auch bis zum Abitur gekommen. Schule ist nichts Leichtes. Aber man sollte sich nicht bange machen lassen bei der verkürzten Schulzeit. Die Landeselternpflegschaft treibt die Diskussion für die G9 stark voran. G8 spart Geld, dies sollte aber kein Argument sein. Die Ausbildung unserer Kinder sollte da Vorrang haben. Wenn ein Wechsel nach G9 kommt, sollten aber auch die Lehrinhalte überarbeitet werden und eine einheitliche Regelung für alle dabei herauskommen. Viele der Lehrinhalte sind nicht mehr zeitgemäß, das ist bei G8 und G9 gleich. Vor den nächsten Landtagswahlen wird aber nichts mehr passieren.
Die Elternpflegschaft des KvGG ist zur Zusammenarbeit im Rahmen der G9 bereit, sollte das Volksbegehren Erfolg haben. Auch die Zusammenarbeit mit den Abiturienten der Gesamtschule ist uns wichtig und muss vorangetrieben werden.”