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Eine Ära geht zu Ende

„Schönen guten Morgen – wie kann ich Ihnen helfen?“, empfängt Marianne Kohfeld mit einem strahlenden Lächeln ein älteres Ehepaar – und kommt direkt mit ihnen ins Gespräch.
Kommunikation ist eine der besonderen Stärken der 75-jährigen Wahl-Kevelaererin. Seit 1984 bietet sie in ihrer „Kunststube“ in der Busmannstraße 30 Dinge wie Seidenblumen, Floristik, Accessoires, Geschenkartikel und Tischdecken an.
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Das Leben von Frau Kohfeld

„Ich komme aus Duisburg, bin aber in Pommern geboren“, plaudert sie dann ganz entspannt aus dem persönlichen Nähkästchen. „Ich war dann 17 Jahre in Sonsbeck, war auch schön. Da hab ich das alles hier nebenbei gemacht“, verrät die frühere Justizangestellte.
„Ich war zehn Jahre am Gericht in Duisburg, 25 Jahre in Geldern am Amtsgericht als Protokollführerin“. Bis heute besteht zu den damaligen Kollegen noch guter Kontakt, worüber Marianne Kohfeld sehr glücklich ist.

Aber der Laden an der Busmannstraße, „das war mein liebstes Kind“, gesteht Kohfeld. 1984 ergriff sie eher aus Verlegenheit die Chance, einen Laden zu eröffnen. „Mein Mann verlor die Arbeitsstelle, dann haben wir aus der Not das Geschäftsmodell gemacht.“
Zu der Zeit „war das auch „so ´ne Marktlücke, so mit Salzburger Gebinde und sowat. Ich hatte nachher sechs Mädchen bei mir zuhause, die für mich angedrahtet haben“, erinnert sich Marianne Kohfeld lebhaft. Und das alles, obwohl sie selbst zugesteht: „Ich bin in Handarbeit eine Null – und das hat sich so weiterentwickelt.“
Dann wurde bei Veronika Ophey etwas frei und trotz der Zweifel am „Sträußkes-Verkauf‘ denkt sie gerne an diese Zeit zurück. „Wir hatten so viele Freunde, – und wir hatten tolle selbstgeschmiedete Lampen. Das lief von ganz alleine.“

Die Veränderung

Im Laufe der Zeit holte sie immer mehr Kunden ran – auch aus Köln, Mönchengladbach, Düsseldorf, sogar aus München oder Salzburg, die bei ihr bestellten, denen sie die Ware schickte. „Die Leute wussten immer: Das ist kein gewöhnlicher Laden und hier gibt´s mal lecker Sekt oder Kaffee.“ Eine großartige Verkäuferin sei sie nie gewesen, die Menschen seien einfach gekommen und hätten gekauft, sagt sie.
Ein Ergebnis ihrer Arbeit und ihres Fleißes war die Verleihung des Kevelaerer Marketing-Preises 1992. Sechs Tage später hörte sie bei der Justiz auf – und arbeitete ganze Tage im Laden.

„Wir haben sehr viel hier miteinander gefeiert, das war eine super Kameradschaft.“ Das habe ein bisschen nachgelassen. „Weißte, da kommen neue und junge Leute, die machen das nicht so. Und die anderen sterben halt alle weg. Das ist halt Veränderung“, konstatiert sie nüchtern.
Heute bleiben die Kunden bei ihr zunehmend aus, weil die langjährigen Stammkunden eben auch älter werden „und auch, weil kein Sonntag mehr ist“.

Der Sonntag fehlt

Da fahren ihre Kunden dann eher nach Venlo, Brüggen oder Marienthal, wo man alles in einem machen kann – Shoppen, Kaffee trinken und beten. Das habe sie als Inhaberin hart getroffen. Zu diesem Thema will Kohfeld nicht viel sagen oder bewerten. „Meine Ära ist vorbei“, sagt sie.

Dazu kommt noch die persönliche Komponente mit dem Tod des Ehemannes vor drei Jahren, weswegen ihr das Ganze „nicht mehr so viel Spaß macht“ wie früher. Froh ist sie aber darüber, „dass wir neun Monate vorher Goldhochzeit mit den Kollegen von der Straße gefeiert“ haben. „Da hatte er richtig Spaß.“
Jetzt ist für sie die Zeit des Umbruchs gekommen. „Ich verkauf‘ auch mein Haus, mach den Laden zu, alles bis zum Jahresende.“

Marianne Kohfeld will in eine Wohnung nach Xanten ziehen und nach zehn Jahren ohne Urlaub „vielleicht noch ein bisschen reisen.“ Kevelaer wird ihr sicher im Herzen bleiben – und vielleicht werden die Stadt und ihre Menschen diese Frau mit ihrer unverfälschten, direkt-menschlichen Art auch vermissen.

Realschule startet ins letzte Schuljahr

Auch an der Städtischen Realschule ist der Start ins neue Schuljahr vollzogen, allerdings zum letzten Mal. Am Ende des Schuljahres schließt die Schule mit der Entlassung der vier 10er-Klassen für immer ihre Pforten. Erfreulicherweise ist der Personalstand gut, sodass alle Stunden in vollem Umfang unterrichtet werden können. Im Moment freuen die Jugendlichen sich auf die bevorstehenden Klassenfahrten.

Die Legenden nahmen Abschied

Nachdem sich Sarah Kresse im Namen aller zehnten Abschlussklassen bei den Lehrern und insbesondere beim kommissarischen Schulleiter Tobias Jaschke mit den Worten „Sie sind der beste Schulleiter, den man sich wünschen kann“ bedankt hatte, kam der auf die Bühne, herzte die junge Dame und zeigte sich „dankbar und tief berührt“ von dem, was ihm entgegengebracht wurde.
Die Szene war symptomatisch für den gesamten Verlauf der Entlassfeier der zehnten Klassen der Realschule im Bühnenhaus: Wenig Klimbim und spektakuläre Vorträge, dafür ganz viel Persönliches und eine spürbare Verbindung zwischen Lehrern und Schülern – auch vor dem Hintergrund, dass die Schule 2019 ihre Pforten schließt.
Entsprechend war auch der ehemalige kommisarische Schulleiter Horst Passelewitz gekommen. „Ich war der erste Leiter, der diesen Auflösungsprozess mitgestalten durfte. Zwei Jahre mit den ganzen Zukunftsängsten, das war schon hart“, blickte aber auch er mit Stolz auf die Schüler, von denen er noch eine ganze Reihe kannte.
Auch für die Eltern wie Sandra Helmus war die Feier ein bewegendes Ereignis. „Ich denke gerade daran, wie er mit dem ,Wilde Kerle‘-T-Shirt“ und der Schultüte bei der Einschulung saß – jetzt ist er groß. Man muss loslassen.“
Bürgermeister Dominik Pichler erinnerte mit Sokrates an die Generationen von Schülern, die seit 2400 Jahren sich vorhalten lassen müssen, „Autoritäten nicht anzuerkennen und ihre Lehrer zu tyrannisieren“, schlug aber auch den Bogen zu dem Abschlussmotto der Schüler „Von Anfang bis Ende – wir bleiben eine Legende“: Das bedeute entweder Ruhm oder Berühmtheit oder eben „eine Geschichte, die seit Langem erzählt wird und an der wenig stimmt“, verband Pichler das mit „den Leuten, die alles von Ihnen wissen: Amazon, Google, Facebook und Co.“.
Er mahnte angesichts der Aufhebung des Datenschutzes über den amerikanischen „Cloud Act“ und irrationaler Ängste vor Terror, eigenständig zu denken und möglichst ohne Vorurteile durch das Leben zu gehen. „Der Schule wünsche ich noch eine gelungene Schlussrunde, im nächsten Jahr heißt es Abschied zu nehmen.“
„Wir haben es geschafft – die Lehrer sind am Ende“, machten die Schülersprecher Cano Gümushan, Cornelius Naber und Sinan Ürün augenzwinkernd klar. „Wir bleiben AK 18 und keiner wird uns vergessen“, erinnerten sie an einige der besonderen Schulerlebnisse und dankten den Lehrern, mit denen sie sich immer gut verstanden hätten.
108 Absolventen
Für die Eltern ging Angelika Achten auf das bevorstehende Schulende ein. Drei Kapitäne hätten bereits das sinkende Schiff verlassen, jetzt stiegen die Schüler in die Rettungsboote, um jeder für sich einen Zielhafen anzulaufen. „Passt auf Euch auf“, sagte sie und wünschte den Schülern, „allzeit gute Fahrt und eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“.
Schulleiter Tobias Jaschke dankte dem Duo Dembek/Rütten für den schönen Gottesdienst zuvor, den Eltern für ihre Unterstützung und hob auf seine „verantwortungsbewussten Schüler“ ab, die auch in vielen Schulstunden eigenverantwortlich gearbeitet hätten.
Von den 108 Absolventen hätten 52 den mittleren Abschluss mit Qualifikation für das Gymnasium geschafft, 50 den mittleren Schulabschluss und sechs den Hauptschulabschluss, resümierte der Schulleiter.
„Legendär“ hätten sie immer wieder gehandelt, ob bei der Vorbereitung der Mottotage, den Theatervorführungen oder zuletzt bei der Ausrichtung des Frühstücks für die Lehrer. „Wir entlassen Euch mit einem gewissen Rüstzeug. Viel Glück und Gottes Segen und passt auf Euch auf.“
Danach ging es an die Ausgabe der Zeugnisse und den Dank an alle Klassenlehrer in Form kleiner Präsente der Schüler. Auch für Ille Düxmann bedeutete der Tag einen Abschied: Die Klassenlehrerin der 10c beendete nach 23-jähriger Lehrtätigkeit ihren Dienst. „Ich habe das gern gemacht – Ihr seid eine tolle Klasse“, rief sie ihren Schülern zu.

„Geisterritter“ lehren das Gruseln

Kevelaer. Die Theater- und die Musik-AG der Städtischen Realschule Kevelaer und der Gesamtschule Kevelaer-Weeze zeigen in diesem Jahr „Geisterritter“, ein musikalisches Theaterstück nach dem gleichnamigen Roman von Cornelia Funke mit musikalischen Arrangements von Michael Cuypers, Dorothee Menskes und Ingo Schäfer. „Die Zuschauer erwartet diesmal ein zauberhaftes Bühnenspektakel, mit einem opulent fantastisch gestalteten Bühnenbild, mit einem musikalischen Repertoire zwischen Rap und Rock und magisch-mysteriösen Tanzeinlagen sowie ein Szenario, das der Spielfreude der Schauspieler alle Möglichkeiten eröffnet“, versprechen die Organisatoren.
Zum Inhalt: „Mit elf gibt es nichts Schlimmeres als Freunde, die dieselben Süßigkeiten mögen“, findet Jon Whitcroft, der gerade von seiner Mutter auf ein Internat in Salisbury geschickt wurde. Obwohl, von seiner Mutter auf ein Internat geschickt zu werden, weil man ihren neuen Vollbart-Freund nicht mag und nächtelang Grabsteine mit seinem Namen gezeichnet hat, ist vielleicht doch schlimmer.
Scheußliche Schuluniformen
Im englischen Salisbury erwartet Jon neben Dauerregen, dunklen Gemäuern, unnützen Regeln und scheußlichen Schuluniformen auch ein Zimmer, das er sich mit drei Mitschülern teilen muss. Und bereits in seiner ersten Nacht im Internat erscheinen – als wenn sein Heimweh nicht schon schlimm genug wäre- plötzlich drei Geister, die ihm nach dem Leben trachten. Doch zum Glück gibt es jemanden in Salisbury, der sich mit blutrünstigen Geistern auskennt: Ausgerechnet ein Mädchen und ihre verrückte Großmutter… Ein Internatsaufenthalt wider Willen und eine allzu lebendige Geisterschar – Cornelia Funke verbindet in ihrem Roman beides mit historisch belegten Personen, Hintergründen und Schauplätzen.
Wie in der Programm- und Filmmusik üblich, dramatisiert die Musik die Bühnenhandlung. Ein wichtiges Auswahlkriterium für die aufgeführten Stücke war der Inhalt der Texte, unabhängig davon, ob er auf Deutsch oder Englisch abgefasst ist. Die Musik hat dabei stets einen direkten Bezug zur Szene.
Um die Stücke für das Schulorchester spielbar zu machen, musste die Musik von Michael Cuypers, Dorothee Menskes und Ingo Schäfer überarbeitet und neu arrangiert werden. Dabei stand nicht die Werktreue zum Original im Vordergrund. Das aus Rhythmusgruppe, Bläsern und Orffinstrumenten gebildete Orchester stellt aufgrund seines spezifischen Klanges besondere Anforderungen an ein Arrangement. Bei der musikalischen Umsetzung wurden oft unkon­ventionelle Wege eingeschlagen.
Dem Orchester an die Seite gestellt ist der speziell für das Musik-Theater zusammengestellte Chor, der die Solisten des Stücks gesanglich ergänzt und unterstützt. Zahlreiche Songs werden nach choreografischen Ideen des Tanzensembles unter der Leitung von Claudia Kanders tänzerisch „in Szene gesetzt“.
Öffentliche Aufführungen sind am 21. und 22. März, 19 Uhr, im Bühnenhaus. Karten (Erwachsene 7 €, Kinder/Jugendliche 4 €, gibt es in der Bücherstube im Centrum und in der 1. großen Pause in der Gesamtschule.)

Das Ensemble des Projekts

Orchester
Baumgart, Valentino; Biehl, Gabriel; Büschkes, Simone; Ehme, Phil; Großkämper, Lea; Heinen, Katharina; Hieckmann, Lea; Ingendae, Matthias; Küppen, Fynn; Muellemann, Sophie; Quinders, Christian; Sarsi, Lena; Schloots, Alexa; Spans, Lara; Spans, Marius; Verhoeven, Lea; Wagner, Lara; Wieggers, Jesse; Wilhelmi, Jan.
Chor Berlo, Jana; Bremner, Tabea; Brey, Katja; Czaja, Sandra; Dejbus,Leane; Eskes, Mia; Goldschmidt, Scarlett; Hieckmann, Pascal; Jans, Pia; Josan, Rhythm; Kabasele-Maka, Abigail; Kroppen, Surena; Markowska, Nikola; Nöding, Mayleen; Osso, Aylin; Rogowski, Ananda; Szuster, Dominika; Viljehr, Patricia.
Schauspiel
Ader, Timon; Aymans, Sophie; Boetselaars, Daniel; Brouwers, Roxana; Daamen, Raul; Davies-Garner, Leonard; Diebels, Ronja; Föhles, Marvin; Grootens, Lutz; Hebben, Nele; Hoever, Lara; Klein, Jens; Köllner, Tim; Kösters, Ida; Kostyra, Lilli; Kürvers, Janis; Kürvers, Luca; Lamers, Stella; Landwehr, Ann-Sophie; Maaßen, Daniel; Moeselagen, Zoe; Müller, Hanna; Naber, Cornelius; Peters, Joshua; Piotrowicz, Xenia; Schmetten, Anna; Schmitz, Vivian; Schütmaat, Maret; Torres-Götz, Katharina; Van den Berg, Jos; Vogel, Jessica; Wagner, Lara; Wagner, Lena; Witschurke, Leonie.
Tanz
Arnert, Sarah; Esperanza, Ladonna; Fingskes, Sarah; Hußmann, Sabrina; Kaschubat, Lynn; Markowska, Oliwia; Naimor, Leonie; Premaseelan, Gowshiga; Rütten, Verena; Schink, Katharina; Szamocka, Malwina; Tutkun, Filiz; Van Leuven, Sophia.
Bühnenbildprojekt
Achten, Thomas; Aymans, Sophie Beig, Laura; Füngers, Sebastian; Grootens, Lutz; Haido, Midya; Hebben, Nele; Hiep, Rebecca; Hoever, Lara; Ingenstau, Katharina; Köllner, Tim; Kösters, Ida; Kosub, Emilia; Kruse, Marco; Kürvers, Luca; Loock, Emily; Maaßen, Daniel; Naber, Cornelius; Piotrowicz, Xenia; Premaseelan, Gowshiga; Schlutt, Vivian; Schmitz, Vivian; Thür, Indira; Tutkun, Filiz; Van den Berg, Jos; van Dick, Lina; Venhoven, Lisa; Vos, Bastian; Weinhold, Lenard; Wilhelm, Alina.
Kostüme
Wahlpflichtfach Textiles Gestalten im 8. Jahrgang.
LehrerInnen:
Dorothee Menskes, Einstudierung Orchester; Ingo Schäfer, Einstudierung/ Leitung Theaterchor und -solisten: Claudia Kanders/Astrid ten Klooster, Choreographie, Einstudierung und Leitung Tanz; Manfred Beckert/ Eva Tannhäuser, Projekt Bühnenbild/ Requisiten; Andrea Schwanitz, Kostüme und Maske / Leitung Wahlpflichtfach Textiles Gestalten.
Gesamtleitung Musik Michael Cuypers.
Leitung Schauspiel/Regie Saskia Reinkens.

Money-Check an der Realschule

Die Mensa der Realschule war gut gefüllt, nachdem die Zehntklässler zur Übergabe der Zertifikate und der offiziellen Feierstunde ihre Plätze eingenommen hatte. Einer von ihnen war der 16-jährige Jens. Sein Fazit: „Es war ganz interessant. Ob es zwingend was gebracht hat, muss man sehen.“
Das, was der junge Mann so „ganz interessant“ nannte, waren vier Schultage vor den Sommerferien, als die damaligen 109 Neuntklässler der Realschule jeweils für zwei Tage von Mitarbeitern der Volksbank und der Schuldnerberatung der Caritas aufgesucht wurden. Unter dem Projekt-Titel „Money Check“ wurden verschiedene Themen rund ums Geld angesprochen: Haushalts- und Budgetplanung, Vertragsgestaltung, Kreditverträge und Online-Banking.
In den Gruppen seien Inhalte vermittelt worden, die „exorbitant wichtig für Euch sind“, verwies Schulleiter Tobias Jaschke darauf, dass man „mit einem Klick einen Vertrag abschließt, hinter dem sich drei verbergen“ können. Man könne nicht Schüler aus der Schule entlassen „ohne das Grundwissen, was man da macht und wie man sich da organisiert“ – zum Beispiels, wenn es die Finanzierung einer Mietwohnung gehe.
Prävention ist besser als Schuldnerberatung
„Prävention ist besser als Schuldnerberatung“, unterstrich Caritas-Sprecher Tobias Kleinebrahm. Dabei ging es unter anderem um so praktische Fragen wie: „Wie gerät man in eine Schuldenfalle?“, „Wann schließen ich einen Handyvertrag ab?“
Anhand offener Handyrechnungen habe sich gezeigt, „wie sich Forderungen erhöhen, aus 200 plötzlich 1200 Euro werden können und welche Vollstreckungsmaßnahmen dann zu erwarten sind“, ergänzte Projektleiterin Andrea Verhoeven. „Wir haben viel diskutiert, und einige haben sich da echt erschrocken.“
Ein Drittel aller Schuldner unter dreißig Jahren könne seine Schulden nicht mehr bedienen, betonte Caritas-Insolvenzberaterin Maria Tekath. Entsprechend sei es wichtig gewesen, solche Dinge anzusprechen wie: „Was entstehen für Kosten bei der eigenen Wohnung, passt es zum Einkommen?“
Interessanter Erfahrungsaustausch
Das Bankgeschäft habe sich verändert, man könne heute schlechter den Überblick über seine Finanzen behalten, unterstrich Volksbank-Vorstandsmitglied Johannes Janhsen, wie wichtig das Erlernen von eigenständigem Umgang mit Geld für junge Leute heute sei.
Für die Volksbank-Mitarbeitern Andrea van Doornick und Heiner Vos, die mit der Kollegin Katrin Klenner in den Klassen waren, waren die Beratungstage eine spannende Erfahrung. „Es war mal was Anderes, teilweise sehr lebhaft und engagiert“, hätten sie die Schüler als sehr interessiert erlebt. Und noch etwas ist bei Heiner Vos hängengeblieben: „Die wissen teilweise nicht, was ein Konto ist. Manche hatten keins – oder eben keine Erfahrung damit. Sie bestellen aber alles über das Internet.“
In einem kurzen Grußwort lobte Margret Vosseler als Schirmherrin des Projekts das Engagement der beiden Institutionen und die Bereitschaft der Schüler, aktiv mitzuwirken. „Wer im Kleinen nicht lernt zu wirtschaften, kann das im Großen später nicht umsetzen.“ Sie habe selbst in ihrem „vorherigen Leben“ Hauswirtschaft studiert und so den Bezug zu Geld gelernt, warb sie „für ein eigenständiges Schulfach Hauswirtschaft oder Verbraucherbildung an Schulen“.
Die meisten Schüler äußerten sich positiv über das, was sie in den vier Tagen an Information erhalten hatten. „Dass wir Verträge von realen Personen bekamen, die da Sachen echt abgeschlossen haben und in der Schuldenfalle drin waren“, habe ihn überrascht, meinte der 16-jährige Celal, den alle nur „Cano“ nennen. Was er gelernt hat? „Wie man mit Geld umgehen kann. So können wir das sicher besser und wissen, was wir machen sollten.“
„Das war schon wertvoll für mich“, hatte der 16-jährige René mitgenommen, „wie gefährlich Onlineverträge sind und wie versteckt so was sein kann. Ich werde in Zukunft vorsichtig sein und Verträge genau durchlesen.“ Der 15-jährige Robin hatte schon im Sozialwissenschafts-Unterricht mit dem Thema zu tun gehabt. „Aber fürs Vertiefen war es echt ganz gut.“

Auf in die Unabhängigkeit

Die zehnte Jahrgangsstufe der Realschule Kevelaer feierte im Bühnenhaus ihren Abschluss.
„Independence Day“ (Unabhängigkeitstag) lautete das Motto der Schüler. Dazu erklärt der Schülersprecher Leonard Heller, dass der Vogel als freies, unabhängiges Tier gelte und somit den Abschluss widerspiegelt, da jetzt ein neuer Abschnitt des Lebens beginne.
Zuallererst wurde der Abend mit einem Lied, gesungen von zwei Schülern und einem Chor im Hintergrund, eingestimmt. Die Anrede beginnt und Schulleiter Tobias Jaschke spricht einen großen Dank an die Schüler für die Hilfs- und Leistungsbereitschaft der vergangenen Jahre aus. Selbstverständlich wurden auch die Lehrer, Eltern, die Sekretärin und der Hausmeister geehrt.
Humorvolle Lebensweisheit
Nach einer kurzen Pause meldete sich der Bürgermeister Dr. Dominik Pichler zu Wort. „Drei Arten von Menschen werden Euch auf Eurem Lebensweg begegnen: der Schleimer, der Chef und der Saboteur.“ So begann er seine Rede und lockerte die Stimmung im Raum auf, was man gut dem Lachen der Leute entnehmen konnte. „Der Schleimer, der versucht sich am Erfolg anderer hochzuziehen. Der Chef, der Ihnen sagt, dass Sie dumm wie zehn Meter Feldweg sind, und der Saboteur, der dir sagt, dass du lächeln sollst, denn du kannst sie nicht alle töten.“ So gab der Bürgermeister den Schülern indirekt wichtige Lebensweisheiten für die Zukunft mit. Die Gäste im Bühnenhaus applaudierten.
Nach einer weiteren kurzen Pause sangen die Entlassschüler der Realschule ein weiteres Lied, um den nächsten Abschnitt des Abends anzukündigen. Dann waren die Schüler an der Reihe und durften auf die Bühne treten, um sich das letzte Zeugnis der Realschule persönlich übergeben zu lassen. Dazu erhielten sie eine Rose und die Abschlusszeitung, um so die alten Erinnerungen bewahren zu können

Liebe und Vorurteile auf der Bühne

Die Theater- und Musik-AG der städtischen Realschule Kevelaer und der Gesamtschule Kevelaer-Weeze zeigt in diesem Jahr das Stück „Yamas – Prost Mahlzeit“. Beteiligt sind insgesamt rund 100 Schülerinnen und Schüler aus allen Jahrgangsstufen im Orchester, im Chor, im Tanzensemble, als Schauspieler und im Bereich Bühne. Öffentliche Aufführungen sind am 5. und 6. April um 19 Uhr im Bühnenhaus. Karten kosten 4 Euro für Kinder/Jugendliche und  7 Euro für Erwachsene. Es gibt sie in der Bücherstube im Centrum und in der Realschule (1. große Pause).
Die diesjährige Inszenierung ist seit Langem wieder ein eigenes Stück, dessen Themen und Dialoge erstmals gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der Theater-AG entstanden sind. Das Stück basiert auf der Auseinandersetzung mit Themen wie Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung und Ausgrenzung und verarbeitet persönliche Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler.
Es handelt von der Liebesbeziehung der Protagonisten Costa und Marie, die an immer neuen gesellschaftlichen Vorurteilen zu scheitern droht, und spricht die unterschiedlichen Alltagsprobleme wie Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Zukunftsängste der anderen Akteure mit an.
Wie bereits bei Shakespeares „Romeo und Julia“ scheint die Herkunft über das Liebesglück zu entscheiden, welches zu zerbrechen droht, bevor es richtig beginnt. Doch ein so tragisches Ende wie bei Romeo und Julia soll das Stück der Theater AG nicht nehmen. Mit Live-Musik, Schauspiel und Tanz erzählt es von Schicksalen, Freundschaft und Feindschaft und versteht sich damit als ermutigender Appell, jeden Tag für Demokratie und Menschlichkeit einzutreten und sich in seinem Handeln nicht von Stereotypen leiten zu lassen.
Das Ensemble des Theaterprojekts:
Städt. Realschule Kevelaer
Gesamtschule Kevelaer-Weeze
Schauspiel:
Aengeneyndt, Mona
Aymanns, Sophie
Blenkers, Kathrin
Dicks, Christian
Falana, Lena
Fiethen, Julia
Grootens, Lutz
Heller, Leonard
Herbe, Sven
Janßen, Hannah
Janssen, Vivian
Köllner, Tim
Maaßen, Daniel
Müller, Emely
Naber, Cornelius
Nilkens, Verena
Schmidt, Fabienne
Schmitz, Vivian
Van Endern, Maja
Tanz:
Alajbegovic, Sumeija
Arnert, Sarah
Flassenberg, Melina
Kaschubat, Lynn
Kenner, Dagmara
Naimar, Leonie
Plenzdorf, Stella
Premaseelan, Gowshiga
Rütten, Verena
Schenk, Jana
Schink, Katharina
Tutkun, Filiz
Van Leuven, Sophia
Chor:
Baten, Lisa
Dejbus, Laura
Goldmann, Dominika
Heiser, Olivia
Jolien Helmus,
Klich, Patrycia
Markowska, Oliwia
Methner, Leonie
Mileti, Emilia
Müller, Hanna
Lutz, Laura
Potter, Potter
Rogowski, Ananda
Rosenkranz, Hannah
Schütt, Tom
Orchester:
Baumgart, Valentino
Below, Margit
Büschkes, Simone
Ehme, Phil
Gieser, Phoebe
Hendricks, Tim
Hieckmann, Lea
Hußmann, Sabrina
Ingendae, Matthias
Josephs, Dylan
Lamers, Stella
Quinders, Christian
Rottmann, Katharina
Spans, Marius
Wagner, Lara
Werner, Anna
Witschurke, Leonie
Bühnenbildprojekt:
Nazar, Benjamin
Hiep, Kira
Schmitz, Janina
Van Endern, Maja
Müschen, Patrick
Janßen, Hannah
Janssen, Vivian
Kosub, Josefine
Schmidt, Fabienne
Blenkers, Kathrin
Luyven, Lara
Schenk, Jana
Plenzdorf, Stella
Naber, Cornelius
Rosenkranz, Hannah
Grootens, Lutz
Klein, Jens
Kruse, Marco
Kosub, Emilia
Achten, Thomas
Aymans, Sophie
Maaßen, Daniel
Wilhelm, Alina
Technik und Requisite:
Achten, Thomas
Gavrill, Nicolaos
Herbach, Oliver
Klein, Jens
Kleintjes, Jonas
Koza, Adrian
Kruse, Marco
Müschen, Patrick
Nazar, Benjamin
Wilbers, Johanna
Zipser, Rene
Souffleuse:
Schmitz, Vivian
Am Projekt beteiligte Lehrer und Lehrerinnen:
Dorothee Menskes (Einstudierung Orchester)
Ingo Schäfer (Einstudierung, Leitung Theaterchor und -solisten)
Claudia Kanders (Choreographie, Einstudierung und Leitung Tanz)
Manfred Beckert, Eva Tannhäuser (Projekt Bühnenbild / Requisiten)
Andrea Schwanitz (Herstellung von Kostümen)
Michael Cuypers (Einstudierung Orchester, Orchesterleitung)
Saskia Reinkens (Einstudierung Schauspiel / Regie)

Musikalischer Grenzübergang

Kevelaer – Die Theater- und Musik-AG der Städtischen Realschule Kevelaer und der Gesamtschule Kevelaer-Weeze zeigen in diesem Jahr „Sonnenallee“, ein musikalisches Theaterstück nach dem gleichnamigen Film von Leander Haußmann und dem Roman „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ von Thomas Brussig. Michael Cuypers, Dorothee Menskes und Ingo Schäfer haben dazu die musikalischen Arrangements geschrieben, Regie führt Saskia Reinkens.

Die Inszenierung thematisiert das Leben der Ost-Berliner Jugend im Angesicht der Mauer in der DDR der 1970er Jahre. Am südlichen Ende der Sonnenallee befand sich während der deutschen Teilung ein Grenzübergang zwischen West- und Ost-Berlin. Erzählt wird die Geschichte von Michael Ehrenreich und den Jungs seiner Clique.

Bericht: Ausgabe 9, Seite 3