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Kirmes

Hilfe für die Schausteller

Die Standgebühren sollen den Schaustellern zur Hälfte erlassen werden.

Bischof-Janssen-Straße wird in Kastanieneck umbenannt. Rat distanziert sich von Janssens Ehrenbürgerwürde.

Einstimmige Entscheidung des Rates

In der jüngsten Sitzung des Rates der Wallfahrtsstadt Kevelaer haben sich die Mitglieder einstimmig für eine Umbenennung der Bischof-Janssen-Straße ausgesprochen.

Der Kevelaerer Rat fällt seine Entscheidung am 10. März

Unternehmervereinigung beantragt verkaufsoffenen Sonntag für 3. April

Der Rat der Wallfahrtsstadt Kevelaer trifft sich am kommenden Donnerstag, 10. März 2022, zu einer Sitzung im Konzert- und Bühnenhaus. Einziger Tagesordnungspunkt, über den die Mitglieder entscheiden sollen, ist der „Erlass einer ordnungsbehördlichen Verordnung für das Offenhalten von Verkaufsstellen am 03.04.2022“.

Das bisschen Haushalt…

Zu Beginn der Ratssitzung am Dienstagabend im Bühnenhaus bot Ludger Holla, in dessen Zuständigkeitsbereich die Kevelaerer Feuerwehr fällt, die perfekte Überleitung zu den Haushaltsreden der Fraktionsvorsitzenden.

Der Rat sprach sich einstimmig für eine neue Ampelfigur aus

Ampelbusmann regelt zukünftig den Verkehr

Ein paar augenzwinkernde Bemerkungen zum Thema „Ampelmännchen“ gab‘s durchaus noch im Rat – etwa ob in Zeiten zunehmend eingeforderter Genderisierung nicht lieber von einer „Ampelfigur“ gesprochen werden solle…

Wirtschaftsförderung braucht Fakten für verkaufsoffene Sonntage und mehr

Kevelaer zählt Besucher*innen in der Innenstadt

Es ist ein Wortungetüm und man kann es sich gut in der Überschrift einer Excel-Tabelle vorstellen. Und genau da gehört sie auch hin, die Passantenfrequenzmessung…

Investor will Rewe-Markt erhalten

Nun ist der Weg frei: Der Kevelaerer Immobilien-Investor Josef Schoofs kann das von ihm erworbene Rewe-Areal mitsamt der Parkplätze gestalten. Die Mehrheit im Rat der Stadt bestätigte am vergangenen Donnerstag im nicht-öffentlichen Teil die Dringlichkeitsentscheidung zum Verzicht der Stadt auf das Vorkaufsrecht für das Areal. Zuvor hatten die Grünen öffentlich diesen Entschluss als „undemokratischen Coup von CDU und KBV“ bezeichnet. Und auch die FDP hatte bemängelt, dass diese Debatte nicht öffentlich geführt worden sei. Doch wie bewerten die anderen Parteien und die Verwaltung diese Entscheidung und welche Perspektive soll das Areal jetzt in Zukunft haben?  

Bürgermeister Dominik Pichler sieht die Situation pragmatisch. Ein Vorkaufsrecht wäre juristisch nicht ganz einfach gewesen, der Abriss auf dem Areal hätte sicher „ein Schweinegeld“ gekostet. „Wir müssen mit den Gegebenheiten umgehen, die sich ergeben haben und gucken, was möglich ist“, sagt der Erste Bürger der Stadt. Es gehe da „um eine vernünftige Lösung. Investoren müssen Geld verdienen, klar. Wir haben aber auch unsere Interessen. Wenn das übereinander geht, gibt es Möglichkeiten, wie man das zusammenbindet.“ Man wolle natürlich jetzt wissen, was Schoofs konkret vorhat. Denn je nachdem was ansteht, müsse man ja auch unter Umständen den Bebauungsplan ändern. „Man kann gegen einen Investor eine Bebauungsplanänderung machen, aber das ist nicht Sinn der Übung. Aber wenn sich die Interessenlagen decken“, könne man sich verständigen.

Natürlich habe man als Stadt ein Interesse daran, dass die Parkplatzsituation gesichert bleibe und der „extrem hässliche Klotz“ eine Verbesserung erfahre. In Sachen Parkplätze seien natürlich auch die Öffentliche Begegnungsstätte und die Frühförderstelle betroffen, sodass das Interesse bestehe, dass die Parkplätze offen bleiben. Der Roermonder Platz sei das Eingangstor der südlichen Innenstadt, an dem jetzt „ein architektonischer Schandfleck“ stehe. „Da muss man kein Tuch drum binden.“ Da sei es sicher mit ein bisschen Farbe nicht getan. „Ein Teilabriss oder den Kasten weg“, lautet da Pichlers Ansage für Schoofs. Solche Ideen habe er hier und da von ihm gehört, sagt Pichler. Klar sei auch, dass das Ganze „nicht in der Hinterkammer ausdiskutiert“ werde. Die Diskussionen werde es geben, wenn der Bebauungsplan anstehe und alle Behörden beteiligt sind. 

„Man hätte seinen Einfluss geltend machen können“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Norbert Baumann machte deutlich, dass die Politik in Sachen Kaufcenter relativ spät von der Verwaltung informiert worden sei. „Das ist ja so eine Sache, wann man sie einbezieht. Das war hier zu spät.“ Man habe sich für das Vorkaufsrecht ausgesprochen, auch für die Prüfung des Vorkaufsrechtes durch einen Gutachter. Das wäre auch nach dessen Angaben möglich gewesen. „Und wenn es nur für den hinteren Teil gewesen wäre. Man hätte seinen Einfluss geltend machen können.“ Allerdings wäre es für die Stadt finanziell schwierig gewesen, das Areal zu kaufen – nicht zuletzt auch wegen Corona, so Baumann. „Und wir haben ja noch andere Sachen, die wir in Angriff nehmen können.“ Aus seiner Sicht sei es wichtig, „dass das jemand angreift. Das ist ja nicht das schönste Gebäude in Kevelaer.“ Wichtig seien auch die Parkplätze „nicht nur für das Kaufcenter, sondern für die Besucher und die ÖBS. Die müssen möglichst für die frei sein.“ Da müsse man auf den Investor einwirken. „Das wäre sonst eine Katastrophe.“

Baumann geht davon aus, dass dort wieder ein Einzelhandelsgeschäft an den Standort kommt. „Der Einzelhandel muss in der Innenstadt bleiben, davon bin ich überzeugt. So hat sich der Investor auch geäußert.“ Er habe in der Fraktionsvorsitzendenrunde vor einigen Wochen mal vorgestellt, was er ungefähr geplant habe. Baumann könnte sich auch Wohnungen im Obergeschoss vorstellen. „Wohnungen brauchen wir in Kevelaer ohne Ende. Das fände ich auch ganz gut.“ 

Keine „Vorentscheidung der Gestaltung der Fläche“

Für den Grünen Ulrich Hünerbein-Ahlers richtet sich der Blick nach vorne, auch wenn er wie sein Parteikollege Röhr im Ausschuss die Dringlichkeit für den Verzicht nicht gesehen hat. „Hätte die Stadt ein Vorkaufsrecht und gesagt, der Bereich ist uns so wichtig, da grätschen wir rein und kaufen das Kaufcenter mit den Parkplätzen – dann ist die Situation eine andere. Dann wäre die Stadt der Eigentümer der Immobilie und hätte einen größeren Gestaltungsrahmen, was damit passiert.“ So sei jetzt der Rahmen klar. Von einer „Vorentscheidung der Gestaltung der Fläche“ nach dem Kauf von Schoofs würde er noch nicht sprechen. „Wenn einer diesen sensiblen Bereich kauft, ist die erste Frage: was passiert mit dem nicht ansehnlichen Kaufcenter – Abriss, Umbau – und was kommt da hin?“

Der zweite Punkt sei aus seiner Sicht: „Was passiert mit den Parkplätzen, weil sie ja mit dem Peter-Plümpe-Platz verbunden sind. Wenn die da wegfallen, sollten sie als Ausgleich auf dem Rewe-Parkplatz genutzt werden können.“ Verwaltung und Politik müssten ausloten, welche Vorstellungen Schoofs nun hat und inwieweit sie sich mit denen von Rat und Verwaltung decken.

Am Montagabend hatten die Grünen und Schoofs bereits die Gelegenheit zum Gedankenaustausch zu dem Projekt. „Wir haben uns das zeigen lassen und darüber diskutiert“, bestätigte der Grüne Wolfgang Röhr. Klar sei geworden, dass Schoofs das vorhandene Gebäude renovieren wolle. „So detailliert hat er dazu noch nicht Stellung genommen.“ Klar sei auch, dass er Rewe als Mieter erhalten und Parkplätze zur Verfügung stellen wolle, die zeitlich begrenztes, aber kostenfreies Parken ermöglichen sollen. „Da sind natürlich noch ganz viele Zwischenschritte zu tun, da müssen Genehmigungen der Stadt da sein. Jetzt ist da erstmal das Bauamt dran.“ Dass der Kevelaerer Gestaltungsbeirat in die Diskussion um die Gestaltung des Areals einbezogen wird, halte er für selbstverständlich, sagt Röhr.

Auch CDU-Fraktionschef Mario Maaßen blickt nicht lange auf den Rat zurück. „Wir hätten das Zepter gerne direkt abgegeben, weil wir in den letzen Jahren von Verwaltung und Politik keine realisierbaren Umplanungen in dem Bereich gesehen haben.“ Das Konzept von Stadtplanerin Verena Möller für einen offenen Platz hätte zur Folge gehabt, dass es da kein Kaufcenter mehr gegeben hätte. „Und in den jetzigen Zeiten fünf Millionen Euro oder so dafür in die Hand nehmen“, sei vielleicht auch nicht die beste Idee. 

Man habe das Thema in der Fraktion lange erörtert. „Man kann jetzt sagen: Was wäre wenn? Wenn man zum Beispiel Parkplätze rausgenommen hätte, wäre es für den Investor nicht attraktiv gewesen. Das Ergebnis war: Das muss durch einen Investor gestemmt werden, weil wir das Geld im Moment für was anderes brauchen.“ Man müsse den Erhalt der Nahversorgung in Kombination mit der Feldstraße sehen, wo Schoofs auch aktiv ist. „Das Kaufcenter als Magnet in Kevelaer behalten“, dafür spricht sich Maaßen aus.

Der Investor müsse „jetzt mit uns über die Parkplatzfläche sprechen, dass das Bühnenhaus angeschlossen ist.“ Die CDU wolle den „Status quo“ erhalten, aber man sehe auch, dass die einzelnen Parkplätze aktuell zu klein sind und bei einer Vergrößerung Plätze wegfallen würden. Als Ausgleich für die wegfallenden Parkflächen am Peter-Plümpe-Platz könne man das Areal nicht mehr betrachten. Eine Tiefgarage unter dem Kaufcenter sei eine Option.

Eine Stütze für Norma

Die CDU habe aber nicht nur das Kaufcenter-Areal im Blick. „Es gibt ja noch andere Entwicklungsmöglichkeiten in dem Bereich. Wir haben an der Marktstraße ja noch einige Häuser“, sagt Maaßen. „Es ist ein Ratsbeschluss da, diese Gebäude zu veräußern.“ Die seien besonderes interessant, wenn der Peter-Plümpe-Platz fertig sei. Bislang sei „Norma“ in Kombination mit Rewe für die Nahversorgung eine Stütze gewesen, sagt Maaßen. „Auch Norma muss gestützt werden.“ Beide Läden lebten seit Jahrzehnten ganz gut. Norma müsse sich zukunftsorientiert anpassen. Das wird auch geschehen“, sagt Maaßen. Denkbar sei in der Landschaft hinter der Marktstraße, dass wenn man drei, vier Häuser nebeneinander hätte, ein Geschäft entwickeln könnte, was großräumiger wäre. So könne man Marktstraße, Busmannstraße und Hauptstraße beleben, sagt Maaßen. „So sehen wir die Entwicklung in der CDU auch, dass da unten Verkaufsfläche und oben drüber altersgerechte Wohnmöglichkeiten wären – mit Aufzug zum Beispiel – gerade für unsere Älteren.“ Auch da müsste sich ein Privatinvestor engagieren.

In Sachen Grünen-Kritik hat der kommissarische CDU-Chef Michael Kamps eine klare Haltung. „Undemokratisch ist, wenn es gegen die Mehrheit geht. Mehrheitsentscheidung ist Mehrheitsentscheidung. Auch wenn das nicht einer gewissen Partei entspricht, ist es nichtsdestotrotz demokratisch.“ Das Kaufcenter-Gelände sei erstmal „ein Gelände mit einem großen Gebäude“, sagt Kamps. „Es kann nur schöner werden.“ Seine Vorstellung ist, dass sich Investor, die Stadt und Teile der Politik an einen Tisch setzen und sehen, wie es weiter geht. Es seien Gespräche nötig um auszuloten, was machbar und nicht machbar ist. Gespräche mit dem Investor „im Vorfeld“ hätten ergeben, „dass sich eine gemeinsame Lösung finden wird.“ Soweit es Veränderungen betrifft, „braucht der Investor die Stadt – und die Stadt braucht den Investor.“ Auch die Parkplatz-Frage spiele eine Rolle. „Am Marktplatz bauen wir Parkplätze ab, da kämpfen wir um jeden Parkplatz.“ Es sei für Rewe wichtig, dass die Kunden vernünftig parken können. Das Wichtigste aber sei, dass man einen Markt an dem Standort erst mal halte. „Ich fände es schön, wenn er Rewe heißen würde.“

Was sagt der Investor?

Eine Stellungnahme von Josef Schoofs lag der Redaktion trotz mehrfacher Nachfrage bis Redaktionsschluss am Mittwochnachmittag nicht vor. Allerdings äußerte sich die Pressestelle des Unternehmens mit einem Schreiben. Darin heißt es, dass „der auf die Entwicklung von Einzelhandelsimmobilien spezialisierten Schoofs-Gruppe mit Sitz in Kevelaer es nach intensiven Verhandlungen im Jahr 2020 gelungen“ ist, das „Kaufcenter“ samt Stellplatzanlage zu erwerben. „Der Eigentumsübergang konnte noch zu Ende des Jahres 2020 erfolgen.“ Bereits im Vorfeld habe die Schoofs-Gruppe „in Abstimmung mit der Verwaltung und den politischen Fraktionen der Stadt Kevelaer die Ankaufs- und Entwicklungschancen erörtert. Hierbei hat die Schoofs-Gruppe insbesondere deutlich  gemacht, dass es keine ‚Denkverbote‘ im Zusammenhang mit der Entwicklung“ gebe. 

„Der Schoofs-Gruppe ist die besondere Bedeutung dieser innerstädtischen Immobilie an exponierter Lage bewusst“, heißt es weiter. „Darüber hinaus muss selbstverständlich auch bei der Entwicklung dieses Projektes  der wirtschaftliche Aspekt im Fokus stehen.“ Es wurden diverse Varianten diskutiert: „Von einer Aufwertung der vorhandenen Gebäudestruktur im Rahmen der gültigen planungsrechtlichen Vorgaben bis über eine Änderung der Geschossigkeit und damit einhergehenden Erforderlichkeit hinsichtlich der Anpassung des Baurechtes.“ In diesem Zusammenhang werde „auch die von einigen Beteiligten gewünschte Neupositionierung der Immobilie  mit einem damit verbundenen kompletten Abriss und Neubau  untersucht. Inwieweit die lokalen Gegebenheiten, nachbarschaftliche Belange sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen dieses Szenario zulassen, ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht geklärt.“ Welche Variante dann schlussendlich umgesetzt werden kann oder soll, werde „in den kommenden Wochen in diversen Gesprächen mit allen Beteiligten zu erörtern sein.“

Das Schreiben enthält ein klares Bekenntnis zum Rewe-Standort: „Bei allen Überlegungen hinsichtlich der Entwicklung steht im Vordergrund, einen für die Firma REWE geeigneten, zukunftsfähigen Standort zu schaffen und damit die qualitativ hochwertige Nahversorgung für den südlichen Innenstadtbereich langfristig zu sichern.“ Dazu zähle „sowohl auch eine Verbesserung der Anbindung der Verkaufsfläche an die rückwärtige Stellplatzanlage als auch eine Verbesserung der Erreichbarkeit des Standortes insgesamt.“ Dies stehe auch „im besonderen Zusammenhang mit der geplanten Umgestaltung des Peter-Plümpe-Platzes und der angedachten Verkehrsberuhigung der Marktstraße, da hierdurch Auswirkungen auf die Immobilie des ‚Kaufcenters‘ zu erwarten sind.“

Wohn- oder Büroflächen

Als Ziel formuliert die Schoofs-Gruppe, „über den im Erdgeschoss gelegenen Einzelhandelsflächen eine attraktive und barrierefreie Wohn- oder Büronutzung zu schaffen.“ Unter dem Komplex könnten Autos parken. „Da das Gebäude vollständig unterkellert ist, bietet sich hier auch die Unterbringung einer Tiefgarage für die zukünftigen Bewohner und Nutzer der Immobilie an.“ Was die vorhandenen ebenerdigen Stellplätze angeht, sollten diese „im Zuge der Revitalisierung der Immobilie runderneuert und kundenfreundlicher gestaltet werden“ und „eine zeitgemäße Dimensionierung (Stellplatzbreite/-anzahl) erhalten“, heißt es in dem Papier.  

Die Rahmenbedingungen der Entwicklung sollen demnach in den  nächsten Wochen besprochen werden und „zeitnah gegebenenfalls die politischen Beschlüsse zur Änderung des Bebauungsplanes gefasst werden.“

Kevelaerer Rat stellt die Weichen für digitale Gremienarbeit

Was seit Oktober 2016 schrittweise und vorerst auf freiwilliger Basis umgesetzt wurde, hat der Rat der Wallfahrtsstadt Kevelaer in seiner jüngsten Sitzung nun fest beschlossen: die Einführung der digitalen Gremienarbeit. Zukünftig werden den Ratsmitgliedern die Sitzungsunterlagen grundsätzlich nur noch digital zur Verfügung gestellt. Angelehnt daran besteht für die sachkundigen Bürger*innen ebenfalls die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis an der digitalen Gremienarbeit teilzunehmen. Dieses Angebot wird bereits zahlreich genutzt.

Die Gremienarbeit ist ein zentraler Bestandteil der kommunalen Selbstverwaltung. Seit 2014 nutzt die Kevelaerer Stadtverwaltung in dem Zusammenhang das digitale Sitzungsmanagement „SD.net“ für die Erstellung, Bearbeitung und Archivierung aller Sitzungsunterlagen. Mit der damit verbundenen „RICH“-App können die Rats- und Gremienmitglieder mit ihren Notebooks und Tablets nun schneller und kostengünstiger arbeiten. Sie können, ebenso wie die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung, die Unterlagen wie bei einem E-Book-Reader bearbeiten: Lesen, Durchsuchen, Markieren, Kommentieren oder auch Anmerkungen mit anderen Nutzer*innen austauschen.

Neben der damit verbundenen Papierersparnis sind die Sitzungsunterlagen für bis zu 40 Gremiensitzungen im Jahr zukünftig auch früher bei den Mandatsträger*innen, da der Postweg entfällt.

Das Ratsinformationssystem ist als Internetportal, in dem alle öffentlichen Unterlagen als PDF verfügbar sind, auch für die Bürger*innen zugänglich und unter https://ris.kevelaer.de/ zu finden.

Erste Sitzung des neuen Rates: Die Arbeit hat begonnen

Der Rat der Stadt Kevelaer hat sich für die kommenden fünf Jahren konstituiert. Die Sitzung fand aufgrund der Corona-Pandemie nicht im Rathaus, sondern im Konzert- und Bühnenhaus und „auf Abstand“ statt. Zunächst vollzog sich eine kurze Änderung der Tagesordnung, die von dem „Alterspräsidenten“ des Rates, Jürgen Hendricks (FDP), mit der Vereidigung und Amtseinführung des Bürgermeisters vor der Vereidigung der Ratsmitglieder beantragt wurde. Pichler trat dazu vor die Bühne, um sich von Hendricks anschließend vereidigen zu lassen und die Urkunde in seiner Eigenschaft als alter und neuer Bürgermeister der Marienstadt zu bekommen. Und dazu gab es noch eine Flasche Kevelaerer Marienlikör als „Sorgentropfen für schwere Stunden.“ 

„Die letzten fünf Jahre empfand ich trotz der vorgeblich schwierigen Konstellation, keine eigene Mehrheit zu haben, als sehr konstruktiv“, machte der Bürgermeister an die im Rat vertretenden Fraktionen das Angebot zur Zusammenarbeit. „An mir soll‘s nicht liegen. Ich bin weiterhin gesprächsbereit mit allen von Ihnen und harre der Dinge, die da kommen.“

Ernennung des Twistedener Ortsvorstehers Paul Schaffers.

Auch die anwesenden 39 Ratsmitglieder – Brigitte Middeldorf (Grüne) fehlte an diesem Tag – erhoben sich später von ihren Stühlen, um in ihr Amt eingeführt und darauf verpflichtet zu werden. „En bloc“ wurden dann die drei neuen stellvertretenden Bürgermeister Pichlers gewählt. Im Vorfeld waren die Personalien bestimmt worden. Erste stellvertretende Bürgermeisterin ist nun Jutta Bückendorf (CDU), Hans-Peter Aengenendt (Grüne) zweiter und Hubert van Meegen (CDU) dritter stellvertretender Bürgermeister. Anschließend erhielten sie ihre Ernennungsurkunden von Pichler.

Gleiches galt für die Ortsvorsteher. In Winnekendonk übernimmt Erich Reiser die Nachfolge von Hansgerd Kronenberg, der fünf Jahrzehnte lang für den Ortsteil gewirkt hat. In Wetten wird Guido Küppers dieses Amt zukünftig ausüben. Mit Johanna Ambrosius (Kleinkevelaer) und Martin Brandts (Kervenheim) blieben die Ortsvorsteher im Amt. Für Twisteden wird sich zukünftig der frühere Kevelaerer CDU-Vorsitzende Paul Schaffers als Ortsvorsteher einbringen, der noch im März wegen mangelnder Unterstützung in der Bürgermeisterfrage zurückgetreten war. Und mit dem langjährigen Kreistagsmitglied Peter Hohl tritt für den Ortsteil Kevelaer ein sehr erfahrener Politiker die Nachfolge von Edmund Bercker an.

Gratulation für den Kevelaerer Ortsvorsteher Peter Hohl.

Der Rat bestätigte danach im Schnellverfahren die von den jeweiligen Fraktionen vorgeschlagenen Mitglieder in den diversen Gremien, von Vorsitz und Mitgliedschaft in den diversen Ratsausschüssen bis zu der Besetzung der Vertreter für die Gesellschafterversammlung der Bürgerwindenergie Kevelaer und des Verbandsausschusses des Wasser- und Bodenverbandes Kervenheimer Mühlenfleuth.

Der Rat bestätigte auch die 13 Mitglieder des Seniorenbeirates, bestehend aus: Karl Bay, Liesel Borman, Karin Bosen, Dr. Helmut Bolten, Gerhard Geurtz, Günther Grader, Katharina Haas, Josef Lipka, André Marchi, Waltraut Metten, Helga Neuhaus, Josef Pauls und Stephanie Pichler. In Sachen „Verkehrsentwicklungsstudie“ bestätigte Pichler auf Anfrage eines Bürgers, dass „wir da noch nicht fertig“ sind, aber ein Verkehrskonzept entwickelt werde. 

Ludger Holla vom Ordnungsamt nahm dann nochmal zu den aktuellen Zahlen und Ereignissen rund um Covid-19 Stellung. Man habe bewusst vor zwei Wochen den „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“ wieder regelmäßig jeden Montag einzuberufen. Die ständig neuen Vorschriften stellten die Behörden „vor große Herausforderungen, aber nicht nur uns, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger. Die Verwirrung steigt, und keiner weiß, was es eigentlich gerade aktuell gibt“, sagte Holla. 

Die Ernennung des Winnekendonker Ortsvorstehers Erich Reiser.

„Wir haben seit Beginn der Corona-Krise 177 positiv getestete Bürgerinnen und Bürger.“ Es gebe „einige kleinere Hotspots“, nannte Holla das Elisabeth-Stift an der Friedenstraße, einen Ausbruch in einer Gemeinschaftsunterkunft der Stadt Kevelaer, wo man Quarantäne verfügt habe. Man habe außerdem das Priesterhaus „auch aufgrund eines Ausbruchs“ zur Zeit geschlossen. Und aktuell sei eine weitere Kindertagesstätte dazugekommen,“ wo wir etwa 40 Personen unter Quarantäne stellen mussten.“

Zeitweilig habe man bis zu 250 Ordnungsverfügungen an einem Tag ausstellen und persönlich zuschicken müssen. Das Ordnungsamt sei damit „deutlich an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit“ und werde „zukünftig bei Kontrollen sowie Kontaktnachverfolgung und den Quarantäneüberprüfungen von insgesamt 16 weiteren Kolleginnen und Kollegen unterstützt, die sich dazu freiwillig gemeldet haben. Andere Städte wie Geldern oder Kleve hätten ihre Personalkapazitäten verdreifacht, während man in Kevelaer mit dem gleichen Personalstamm durch die acht Monate gekommen sei, dabei sogar „in aufopferungsvoller Arbeit“ den Ausfall dreier langzeiterkrankter Mitarbeiter kompensiert habe. „Ich glaube, die Arbeit, die das Ordnungsamt in den letzten acht Monaten geleistet hat, war nicht schlecht.“

Gruppenbild mit Dominik Pichler, seinen Stellvertretern und allen Ortsvorstehern.

Michael Kamps darf für Rat kandidieren

Michael Kamps bleibt eine Figur, die polarisiert. Nach dem Eklat um seine gescheiterte Aufstellung für das Amt als stellvertretender Bürgermeister im vergangenen Jahr gibt es nun Aufregung um seine erneute Kandidatur bei der kommenden Kommunalwahl für einen Sitz im Rat. Nachdem die CDU Kevelaer Kamps für den Wahlbezirk 4 aufgestellt hatte, gingen beim Wahlleiter Ludger Holla zwei Beschwerden ein. Diese hat Holla nun abschließend geprüft und für unbegründet befunden.

Im Detail ging es in beiden Fällen um den Vorwurf, Kamps habe seinen Hauptwohnsitz nicht in Kevelaer, sondern in Weeze, und dürfe daher von Rechts wegen nicht für den Kevelaerer Rat kandidieren. Gegenüber dem Wahlausschuss, der letztlich darüber befindet, ob die Kandidaturen für die Kommunalwahl zulässig sind, wird Holla seine Entscheidung am kommenden Dienstag in der Ausschusssitzung ab 18.30 Uhr im Ratssaal ausführlich begründen.

Unter anderem hatte der Wahlleiter festgestellt, dass Kamps sowohl seine Hauptwohnung als auch seinen Unternehmenssitz und seine Fahrzeuge in Kevelaer gemeldet hat und dass seine Kinder in der Wallfahrtsstadt Kindergarten und Schule besuchen beziehungsweise besuchten. Fragen bezüglich eines in Weeze gemeldeten Fahrzeugs erklärte Kamps mit einer vergessenen Ummeldung, die für die dortige Wohnadresse angemeldete Müll, Papier- und Gelbe Tonne sowie Glaskörbe mit einer Nutzung durch sein Unternehmen.

Der Wahlausschuss hätte am kommenden Dienstag dennoch die Möglichkeit, den Vorschlag der Kandidatur Kamps‘ zurückzuweisen. Dagegen könnten dann die Vertrauensperson des Wahlvorschlags, der Wahlleiter oder die Aufsichtsbehörde Beschwerde einlegen.