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Figurentheater Raphael Mürle faszinierte beim „Puppenspiel 18+“

Der Charme des Makels

Das Besondere an den „Puppenspiel 18+“-Aufführungen unter dem Dach der Begegnungsstätte besteht darin, die Zuschauer immer wieder in neue Welt zu führen, beeindruckende Geschichten zu erzählen, abstrakt mit der Lebenswirklichkeit konfrontiert zu werden und Raum für die eigene Vorstellungskraft zu gewinnen.

Foto: Sergey Panteleev
Den Anfang macht „Deutschland. Ein Wintermärchen.“

Puppenspiel 18 + in Kevelaer

Statt erst am 26. September 2025 findet die Aufführung nun schon am 19. September statt.

Heike Klockmeier begeisterte mit grandiosem Puppenspiel, reichlich Witz, französischem Akzent, sächselnder Zunge und Berliner Schnauze mit ihrer Interpretation von „Der eingebildete Kranke“. Foto: FG
Puppentheater 18+ im Forum der ÖBS: Heike Klockmeier begeisterte mit Moliére-Klassiker

Grandiose Fingerfertigkeit

Im Forum der Öffentlichen Begegnungsstätte in Kevelaer spielte Klockmeier ganz alleine.

Ein magisches Puppenspiel von Christiane Weidringer

Schirme, Sterne und der kleine Prinz

Gemütliches Ambiente, angenehme Musik und ein französischer Akzent – am vergangenen Freitag begeisterte Christiane Weidringer, Puppenspielerin aus Erfurt, im Forum der ÖBS ihr Publikum.

Das Puppenspiel 18+ „Anna Karenina“ findet am 19. April 2024 in der Öffentlichen Begegnungsstätte statt. Foto: Hermannshoftheater
Am 19. April schließt das Puppenspiel die Saison in der Öffentlichen Begegnungsstätte ab

Puppenspiel 18+ „Anna Karenina“

Am 19. April 2024 findet mit der Aufführung „Anna Karenina“ das letzte „Puppenspiel 18+“ des Kulturprogramms 2023/2024 in der Öffentlichen Begegnungsstätte statt.

Für das „Puppenspiel 18+“ am 23. Februar 2024 sind noch Eintrittskarten verfügbar. Foto: Marc Schnittger Figurentheater
Fingerpuppen, Szenetheater und leidenschaftliche Spielfreude in der Öffentlichen Begegnungsstätte

Puppenspiel 18+ „LIFE.Stories“

Stabpuppen, Klappmaulpuppen, Marionetten – in der Reihe „Puppenspiel 18+“ waren schon nahezu alle Puppenarten vertreten.

Das Puppenspiel „Leonce und Lena“ der Reihe Puppenspiel 18+ findet am 24. November 2023, im Forum der Öffentlichen Begegnungsstätte statt. Foto: Wallfahrtsstadt Kevelaer
Am 24. November 2023 will das Ambrella Figurentheater begeistern

Puppenspiel 18+ „Leonce und Lena“ in Kevelaer

Am 24. November 2023 erwecken die Puppenspieler ihre Puppen zum Leben, die im Forum der Öffentlichen Begegnungsstätte von ihrer selbstbestimmten Geschichte berichten.

Ein heiteres Denkmal am 9. September 2022 im Forum der ÖBS

Dick & Doof am Anfang der neuen Kultursaison

In diesem Jahr markiert die Reihe „Puppenspiel 18+“ den Anfang der Kevelaerer Kultursaison. Das „Theatrium Steinau“ spielt am Freitag, 9. September 2022, 20 Uhr, das Stück „Laurel & Hardy“ im Forum der Öffentlichen Begegnungsstätte.

Im September beginnt die Bühnensaison für die städtische Theaterreihe und das Puppenspiel

Komik und Spannung ohne Einschränkung

Die neue Kultursaison steht quasi „vor der Tür“, auch wenn sie erst im September startet.

Figuren, die lebendig werden

Dieser Michael Kohlhaas ist so einer, von dem man sich nicht nur in Pandemie-Zeiten fernhalten will. Kann man aber nicht. Denn das, was die „Bühne Cipolla“ da zum Abschluss der Bühnensaison in Kevelaer auf die Bretter des Bühnenhauses brachte, war so intensiv, dass eine spürbare Gänsehaut die coronabedingten Lücken im Zuschauerraum vollständig ausfüllte.

Die Bühnenfassung, die 2017 Premiere feierte und die Autor, Schau- und Puppen-Spieler, Regisseur, Bühnen- und Maskenbauer Sebastian Kautz aus  Kleists Klassiker machte, ist in vielerlei Hinsicht besonders: Erstmal ist die Vorlage eine Novelle, also eher ein dickes Buch mit Anlage zum Kopfkino als eine Bühnenbreitseite. Den Erzähler, dem bei Kleist eine wichtige Rolle zukommt, lässt Kautz in seiner Spielfassung komplett weg und gibt dafür den handelnden Charakteren mehr Raum. Die Handlung wiederum setzt er über fantastische Puppen um, die, mal nur Maske, mal überlebensgroß und -echt, ihr Innerstes nach Außen tragen. So wird Kohlhaas‘ Gegenspieler, der Junker, zur hässlichen Fratze, der Knecht zum fröhlichen Smiley, der Nachbar zum Gartenzwerg und Martin Luther samt einberufenem Tribunal zu Kasperle-Handpuppen.

Das Tribunal.

Nichts auf dieser zunächst mit halb durchsichtiger Malerfolie verhüllten Bühne bleibt dem Zufall überlassen, die alten Ölfässer haben Aufgaben als Tische, Särge, ja selbst als glimmende Stadtteile; die Teppiche am Boden werden irgendwann zu Karten, auf denen sich die blutige Spur des zum Terroristen gewordenen Kohlhaas übers Land zieht. Einfühlsam unterstützt wird das alles durch ein ausgeklügeltes Lichtkonzept und den Musiker Gero John, der mit Cello und Keyboard zwischen Soundeffekten und Filmmusik ein ständiger, einfühlsamer Begleiter der Szenen ist.

Hipster und Hagens

Die Figur des Pferdehändlers, die Sebastian Kautz zumeist als Oberkörper vor sich her führt, macht auf offener Bühne eine sensationelle Verwandlung durch. Zu Anfang tritt der Geschäftsmann im grauen Zweireiher und mit rotem Hipster-Vollbart auf; am Ende gleicht er, ohne Haar und Kleidung, einem von Gunther Hagens präparierten Menschenkörper.

Die Aufführung strotzt vor Ideen und berührt – auch auf die den aktuellen Zeiten geschuldete Entfernung – die Zuschauer spürbar. Und da kommt wieder der Erzähler ins Spiel, denn trotz aller Kommentare durch die Charakterisierung der handelnden Personen bleibt die Frage der Kleistschen Novelle nach dem schmalen Grat zwischen berechtigter Empörung gegen eine ungerechte Obrigkeit und skrupelloser Selbstjustiz offen.

Dieses Stück aus der Reihe „Puppenspiel 18+“ hatte die große Bühne definitiv verdient. Seit Mitte März sei es die erste Aufführung des Stücks vor Publikum gewesen, sagte Kautz nach lang anhaltendem Applaus und Bravo-Rufen im Kevelaerer Bühnenhaus. Er bedauerte, dass ein gemeinsames „Nachspiel“ mit dem Publikum, das sich üblicherweise Bühne und Puppen ansehen und mit ihm und Musiker Gero John über die Produktion austauschen könne, in Corona-Zeiten nicht stattfinden kann. Aber er bot an, mit einer neuen Produktion in einer neuen Spielzeit wiederzukommen. Und das allein lässt schon hoffen.