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Die Rolle als emotionale Stütze

Während in vielen Berufen die Arbeit aktuell ruht oder ins Home Office verlegt wurde, muss in anderen Bereichen der Arbeitsalltag weitergehen. Mehr noch: In der Pflege beispielsweise herrscht ein erhöhtes Arbeitspensum, die Mitarbeitenden leisten in vielen Fällen mehr als außerhalb der Corona-Pandemie − so auch im Pflege- und Betreuungsdienst „Lebensgarten“ mit Sitz in Kevelaer. Die stellvertretende Pflegedienstleitung und Praxisanleitung Viola Haesters berichtet, dass man sich mit den zusätzlichen Hygienemaßnahmen schnell arrangiert hätte und die Schwierigkeiten an anderer Stelle liegen. Bei vielen Patient*innen sei eine große Verunsicherung und Überforderung zu spüren, in vielen Fällen herrsche Einsamkeit vor und der Wunsch nach Menschen, die ihnen rund um Corona-Fragen beratend zur Seite stehen. Dass die Beachtung all dieser individuellen Probleme mitunter eine größere Herausforderung darstellen kann als die Umsetzung aller Corona-Maßnahmen, wird im Gespräch mit Heasters deutlich.

Entgegen vieler Annahmen berichtet Viola Haesters für den Kevelaerer Pflegedienst nicht von chaotischen Strukturen oder Mitarbeitenden, die am Limit ihrer Kräfte sind. Man habe sich zu Beginn der Pandemie auf die verstärkten Hygienemaßnahmen einstellen müssen, dies sei inzwischen aber zur Normalität geworden. „Die Pflege läuft ja weiter. Jetzt kommt eben ein Schippchen drauf“, sagt Haesters. Ein erheblicher Mehraufwand wird aktuell durch die tägliche Temperaturkontrolle der Patient*innen und der Mitarbeitenden sowie Schnelltests bei den Mitarbeitenden mehrmals wöchentlich verursacht. Zudem mussten die Mitarbeitenden, die die Testungen durchführen, vorab eingewiesen werden. Außerdem wurde eine Vollzeitkraft zusätzlich eingestellt. All diese Neuerungen haben eine dynamische Umstrukturierung der Betriebsabläufe verursacht.

Eine Sache allerdings kann nicht durch eine neue Organisation geregelt werden: die Sorge der Patient*innen. Während der Einsätze sei bei vielen von ihnen eine große Unsicherheit spürbar, es kämen häufig Fragen rund um die Corona-Maßnahmen auf. Oft werde auch nach der persönlichen Meinung der Pflegefachkraft zu Dingen rund um die Pandemie gefragt. Zudem seien viele der Menschen schlichtweg einsam, da im Zuge der Schutzmaßnahmen kaum mehr Angehörige zu Besuch kommen. Als Fachkraft versuche man, so Haesters, die Menschen mit ihren Sorgen aufzufangen. Dabei gehe es nicht allein darum, bei Fragen Rede und Antwort zu stehen, sondern auch darum, etwas Normalität in den Alltag der Menschen zu bringen. „Die Situation ist sowieso schwer genug, dann muss man sie nicht noch schwerer machen“, sagt die 29-Jährige. 

Gute Laune und Geborgenheit

Man dürfe die Arbeit letztlich nicht allein von Covid-19 bestimmen lassen. Es sei wichtig, auch an altbewährten Strukturen festzuhalten, weiterhin „gute Laune“ mitzubringen und den Menschen auch in Zeiten der Unsicherheit Geborgenheit zu vermitteln. „Sie sind dankbar, dass jemand da ist, der sie in der schweren Zeit begleitet“, schildert die stellvertretende Pflegedienstleitung. Die Aufklärungsarbeit rund um Corona-Themen sei aktuell besonders wichtig. 

Vor allem in den vergangenen Wochen seien viele Fragen rund um die Impfung aufgekommen. Die Pflegefachkräfte informieren bei Bedarf über die Impfung und verteilen Informationsmaterial, erklärt Claudia Claßen, die als Leitung einer Pflegeschule eng mit dem „Lebensgarten“ zusammenarbeitet. Wichtig sei es, dabei Neutralität zu bewahren, ergänzt Haesters, die sich dem Einfluss der Pflege- und Betreuungskräfte bewusst ist. Denn teilweise seien sie aktuell die einzigen Personen, mit denen die Patient*innen Kontakt haben. „Man legt denjenigen die Entscheidung in die eigene Hand“, so Claßen. Man müsse „für die Menschen mitdenken, die es nicht so können, die Ängste haben.“ 

Wertschätzung und Dankbarkeit

Bei all der emotionalen Mehrarbeit ist es für Haesters einmal mehr wichtig, dass alle Kolleg*innen zusammenhalten. „Man hat wirklich ein gutes Team an seiner Seite und hinter sich.“ Gestärkt werde diese, trotz der Pandemie positive, Grundstimmung durch die Reaktionen der Patient*innen. Diese sind geprägt von Wertschätzung und Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit, berichten Haesters und Claßen.

Dass die Pflegefachkräfte auch in der kommenden Zeit weiterhin wichtige Ansprechpartner bleiben werden und bei vielen älteren Menschen einen wichtigen Teil dazu beitragen, gegen eine völlige Isolierung zu wirken, ist Haesters bewusst. Dennoch ist sie voller Hoffnung − vor allem mit Blick auf die Impfungen. „Ich freue mich auf die Zeit, die danach kommt. Ich sehe mit Zuversicht in das Jahr.” Ein besseres Jahr wird kommen, da ist sich die 29-Jährige sicher. Es dauert, aber es wird kommen.”

Gemeinsam gegen den Notstand

Im Christopherussaal des Hotel Klostergarten waren 20 CDU-Politiker aus Bund, Land und den Kreiskommunen auf Einladung der CDA Kreis Kleve und der Caritas Geldern-Kevelaer zusammengekommen, um über das große Thema Pflege und die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum zu sprechen.

Das Ziel der Veranstaltung sei, „Politik und Praxis zusammenzubringen“, eröffnete Matthias Wirth für die Kreis-CDA die Veranstaltung. Anschließend sprach der neue sozialpolitische Vorstand der Caritas Geldern-Kevelaer, Stephan von Salm-Hoogstraeten, von der Bedeutung des Themas auf globaler, ländlicher und regionaler Ebene und warb für den integrativen Ansatz des Klostergartens.

In ihrem kurzen Impulsreferat verwies die Leiterin des Uedemer Laurentius-Hauses, Susanne Heinrichs, für die Caritas auf die komplexere Pflegesituation und den existierenden Pflegefachkräftemangel. Der soll durch das 2017 verabschiedete und 2020 in Kraft tretende Pflegereformgesetz mit einem Studium für Kinderkrankenhilfe, Altenpflege und Krankenhauspflege verringert werden. „Das Ziel ist, den Menschen von klein auf bis zum Sterben zu begleiten.“

Man habe seitens der Caritas im Herbst 2019 dazu extra einen Ausbildungsmentor eingeführt, sagte sie, erwähnte aber auch akute praktische Probleme bei der Umsetzung. Die Rahmenpläne für die Ausbildung seien erst im August 2019 gekommen. Die Finanzierung sei nicht für alle Bereiche geklärt. Und dass erst 400 Stunden Bildung erfolgen, bevor die Bindung an die Einrichtung erfolge, bezeichnete sie als „schwierig“.

Aktuell seien ihre Ausbildungszahlen für 2020 bei der ambulanten und stationären Pflege von 35 prognostizierten Azubis auf zwölf eingebrochen. Sie führte das darauf zurück, dass das Krankenhaus  wohl attraktiver sei, bei dem Generalstudium eine Auswahl erst im letzten Ausbildungsjahr erfolge und statt der Hauptschulabschluss die Mittlere Reife gefordert sei. Corona erwähnte sie nicht.

Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Sabine Weiss, sprach im Zusammenhang mit dem Pflegereformgesetz von einem schwarz-roten „Kraftakt“ unter Beteiligung der Politik und der Träger. „Wir wollen nicht nur, wir müssen“, gestand sie den hohen Pflegemangel in Deutschland zu. Das sei bei jedem angekommen. Sie räumte ein, dass die Rahmenpläne spät gekommen seien. „Es wurde aber gewuppt“, meinte sie etwas salopp. Die Prognose für die Ausbildung 2020 sei „vorsichtig optimistisch“.

Ihre wesentlichen Eckpunkte zur Attraktivierung der ambulanten und stationären Pflege waren einmal, mehr Teilzeitkräfte wieder für Vollzeit zu begeistern. „Das würde insgesamt 100.000 Pflegestellen ausmachen.“ Da seien die Arbeitgeber gefragt, die als Träger bisher oft nur Teilzeit anböten. Da bräuchte es eines flexibleren Einsatzes und eine stärkere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Dazu komme die „Konzertierte Aktion Pflege“ mit der Steigerung der Ausbildungs- und Einrichtungszahlen um zehn Prozent bis 2023 mit entsprechender Öffentlichkeitskampagne – und die Schaffung von 5000 Nachbildungsplätzen für PflegehelferInnen bis 2023. „Wir brauchen mehr Vollzeitkräfte und Helferkräfte, damit sich die Vollzeitkräfte mehr auf ihre Aufgaben konzentrieren können.“

Ergänzend dazu sollen Fachkräfte aus dem Ausland herangezogen werden, ging sie ausführlich auf das Beispiel Philippinen ein. Für diesen „hoch motivierten“ und „mit hoher Zuwendung“ ausgestatteten Personenkreis sei Deutschland als Arbeitsplatz „das heilige Land.“ Corona habe da aber „deutlich Lücken gerissen“, weil die Philippinen ihren ganz eigenen Lockdown gehabt hätten. Sie hoffe, dass das wieder in Gang komme.

Alten- und Krankenpflege hätten die gleiche Wertigkeit – Arbeitgeber müssten da attraktive Angebote machen. „Einen gesunden Wettbewerb da finde ich gut“, sagte Weiss. Der gleiche Lohn stehe da nicht an erster Stelle, habe sie festgestellt. Später stellte sie fest, dass auch Lohnanreize wichtig sein können – ein inhaltlicher Widerspruch an diesem Punkt.

Man müsse „anfangen, gut über die Pflege zu reden“ und nicht nur die negativen Fälle hervorheben, sagte die Staatssekretärin. Ihr Bundestagskollege Stefan Rouenhoff pflichtete ihr an dieser Stelle bei. Der „Klostergarten“ sei ein gutes Beispiel, wie man auch ältere Menschen in ein Gemeinschaftsleben mit einbinden könne.

Zuvor hatte Diakon Helmut Leurs von der vielfältigen Einsamkeit alter, bettlägeriger Menschen in Pflegeheimen aufgrund der zu geringen Zeit der Pflegekräfte gesprochen und den aus Weiss‘ Sicht „lobenswerten“ Einsatz der Pflegekräfte in der Coronakrise als „Totschlagargument“ bezeichnet, damit diese Zuwendung nicht auch von den Pflegekräften erfolgt. Das sei „nicht ihre Aufgabe“, so Weiss. Dem widersprach Regina Schüren, Bereichsleiterin der ambulanten Pflege der Caritas. „Als Krankenschwester will ich Menschen ganz kennenlernen.“ Das sei auch ein wichtiger Teil der Attraktivität des Berufes.

Einen spannenden Einwurf zum Versorgungs-Grundsatz „Ambulant vor stationär“ machte Caritas-Chef Karl Döring. Die gedankliche Trennung „ambulant oder stationär“ sei nicht mehr zeitgemäß. „Die Wohnform kann nicht entscheidend sein, wie jemand versorgt wird, das finanziert wird.“

Einigkeit bestand bei den Anwesenden in der Frage der Entlastung pflegender Angehöriger. „Die vergessen wir oft viel zu schnell“, unterstrich die CDU-Landratskandidatin Silke Gorißen, die im vergangenen Jahr erlebte, wie ihre Mutter plötzlich Pflegefall wurde. „Angehörige gehen oft auf dem Zahnfleisch.“ Daher sei es nötig, dafür mehr Kräfte zur Verfügung zu stellen.

Kurz ging die Runde noch auf die Frage der Landarztversorgung ein. Sabine Weiss lobte in dem Kontext die Bemühung der CDU-geführten Landesregierung, die Studienplätze dafür zu erweitern und einen Studienanreiz zur Bevorzugung von Ärzten zu schaffen, die auf das Land gehen wollen. Mit der Aufhebung der Niederlassungsbeschränkung habe man vom Bund aus „Leitplanken“ gesetzt, sagte sie und schlug auch „intelligente Modelle“ wie die der „alten Gemeindeschwester“ vor. Rouenhoff sah in dem Modell der Ärztezentren eine Chance, aus der Region stammende Mediziner nach ihrer Ausbildung wieder zurück in die Region zu holen.

Pflegende Angehörige an der Belastungsgrenze

Ebenso wie den Eltern mit Schul- und Kindergarten-Kindern ergeht es derzeit vielen Angehörigen pflegebedürftiger Menschen. „Die Leute sind erschöpft“, sagt Ursula Ingenpaß, Kurberaterin beim Caritasverband in Geldern. „Die Belastungsgrenzen sind bei vielen erreicht.“

Vor der Corona-Pandemie konnten die Pflegebedürftigen die Tagespflege besuchen und Enkel, Nachbarn oder Ehrenamtliche unterstützten die Angehörigen. „Das fiel mit dem Beginn der Pandemie dann alles weg“, sagt Ingenpaß. Die Kurberaterin rät erschöpften Angehörigen deshalb, sich wegen einer Kurmaßnahme beraten zu lassen. „Eine Kur kann pflegenden Angehörigen die dringend benötigte Erholung bringen und helfen, ihre Gesundheit zu erhalten. Dann können diese gestärkt wieder dem Alltag begegnen.“

Da die Vorsorge- und Rehabilitationskliniken unter Beachtung eines Hygienekonzeptes wieder öffnen dürfen, könne man ab sofort auch wieder Kurmaßnahmen beantragen, so Ingenpaß, die bei der Beantragung auf Wunsch hilft. Die Beraterin unterstützt auch dabei, die Versorgung des Angehörigen während der Kur sicherzustellen. In einigen Kliniken besteht die Möglichkeit, den Pflegebedürftigen mitzunehmen oder in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung in der Nähe unterzubringen.

Pflegenden Angehörigen ist häufig nicht bekannt, dass sie eine Kur – eine stationäre Vorsorge- und Rehamaßnahme – in Anspruch nehmen können, um ihre Gesundheit und Pflegefähigkeit zu erhalten. Die ganzheitliche medizinische Maßnahme dient der körperlichen und seelischen Stärkung und berücksichtigt die individuelle Situation des Pflegenden. Etwa zwei Drittel der pflegebedürftigen Menschen werden von ihren Angehörigen oder anderen Bezugspersonen zu Hause gepflegt, gibt der Caritasverband Geldern-Kevelaer an.

Diese Belastung bleibe nicht ohne Folgen: Pflegende Angehörige seien oftmals körperlichen, psychischen, finanziellen und sozialen Belastungen ausgesetzt; eigene Bedürfnisse müssten hinten anstehen – und das auch ohne Corona-Pandemie. „In unserer Beratungsstelle erhalten Sie Informationen zu allen Fragen der Beantragung einer Kur, zur Klärung der Versorgung Ihres pflegebedürftigen Angehörigen, zu Fragen der Finanzierung der Kur und zur Auswahl der Klinik“, verspricht Ursula Ingenpaß.

Speziell dafür qualifiziert wurden sie und ihre Kolleginnen und Kollegen in den Kurberatungsstellen in Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Projekts „Zeit & Erholung für pflegende Angehörige in NRW – Kurberatung für pflegende Angehörige“, das vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird.

Weitere Informationen sind bei Ursula Ingenpaß vom Caritasverband-Geldern-Kevelaer unter Tel. 02831-9102340 und per Mail unter kurberatung@caritas-geldern.de erhältlich.

Blumen, Masken, Pralinen und Eis als Motivation

Die Klienten und Mitarbeitenden des Pflege- und Betreuungsdienstes der Lebenshilfe Gelderland durften sich über 170 Blumensträuße und weitere Aufmerksamkeiten freuen. Geschäftsführer der Welbers Kieswerke GmbH Paul Schaffers möchte den Menschen in dieser schweren Zeit eine Freude bereiten. Zurzeit gibt es viele Senioren, die alleine Zuhause sind und bei denen täglich nur der Pflege- und Betreuungsdienst vorbei schaut. Für den Einsatz der Pflegekräfte, die täglich hilfsbedürftige Menschen versorgen, gilt Schaffers‘ besonderer Dank. Die Firma Welbers konnte nicht mit Schutzmasken oder anderer Schutzkleidung helfen – so möchte das Unternehmen auf diesem Wege „Danke“ sagen und die Mitarbeitenden motivieren. Blumen Brüx aus Straelen hat die bunten Blumensträuße gebunden.

Einen ähnlichen Gedanken hatte Michael Dahlen, Geschäftsführer der Firma Bongardt GmbH aus Wesel. Die Wohnbetreuungseinrichtungen, Klienten und Mitarbeitenden der Lebenshilfe Gelderland durften sich über 500 Tüten Lindt Pralinen freuen. Außerdem verteilte eine Eisdiele Eis an die Wohnbetreuungseinrichtungen in Weeze, Kevelaer und Geldern. Der Lebenshilfe Gelderland wurden von Einzelpersonen auch selbst genähte Masken zur Verfügung gestellt.

„Auch die Lebenshilfe Gelderland möchte sich auf diesem Weg bei ihren Mitarbeitenden ganz herzlich für ihren Einsatz und ihr Engagement bedanken. Sie leisten mit ihrer Arbeit in diesen schwierigen Zeiten einen unverzichtbaren Beitrag. Dafür haben sie unsere größte Anerkennung und unseren größten Respekt. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Spendern und Mitmenschen, die in der Corona-Krise ein hohes Maß an Solidarität zeigen. Bleiben Sie gesund“, so Günter Voß, Geschäftsführer der Lebenshilfe Gelderland gGmbH.

Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes freuen sich über Gesten der Bürger

Auch für ambulante Pflegekräfte ist die aktuelle Zeit von Covid-19 eine besondere Herausforderung. Pflege geht nicht ohne Nähe zueinander. Umso mehr haben sich die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kreisverband Kleve-Geldern, über besondere die Anerkennung und den Ausdruck von Wertschätzung gefreut, die ihnen in den letzten Tagen entgegengebracht wurden.

So hat jemand zum Beispiel vor der Geschäftsstelle des DRK in Geldern einen bunt bemalten Stein abgelegt, beschriftet mit den Worten: „Danke, dass es Euch gibt & was Ihr leistet!“ Außerdem gaben Angehörige einen persönlichen Dankesbrief ab und betonten, dass sich gerade in solch schwierigen Zeiten besonders liebevoll um ihre Mutter gekümmert werde. Eine Seniorin hat eine Tasche voll selbst genähter Mund- und Nasenschutzmasken abgegeben mit den Worten „Sie tun so viel Gutes, damit kann ich Sie vielleicht etwas unterstützen.“ Die Erfahrungen der vergangenen Tage sind für die Mitarbeiter Motivation und Ansporn zugleich, auch weiterhin mit Einsatz, Freude und Menschlichkeit tätig zu sein.

Die Pflege steht nicht still

Während zahlreiche Geschäfte geschlossen sind und das öffentliche Leben heruntergefahren wurde, können die Pflegekräfte derzeit wohl kaum über mangelnde Arbeit klagen. Die Abläufe in Pflegeeinrichtungen haben sich verändert, wurden der Situation angepasst. Vor welche Herausforderungen Pflegekräfte in Zeiten des Coronavirus gestellt werden und wie die Arbeit mit Menschen der Risikogruppe sich verändert hat, darüber berichten dem KB die Leiter Kevelaerer Pflegeeinrichtungen.

„Es sind sehr viele Dinge im täglichen Arbeitsablauf, die angepasst wurden, um mögliche Übertragungswege zu minimieren. Neben dem Tragen von Mundschutz durch die Mitarbeiter haben wir natürlich auch die Desinfektionshäufigkeit insbesondere von kritischen Punkten – zum Beispiel Türklinken, Klingeln, Aufzugknöpfe – erhöht“, berichtet Silvia Albat, Leiterin des St. Elisabeth-Stifts in Kevelaer. Des Weiteren seien die Mitarbeiter nicht mehr an einem Tag in mehreren Wohnbereichen tätig, sondern festen Etagen zugeordnet. Damit solle die Wahrscheinlichkeit minimiert werden, dass das Virus im Falle eines Ausbruchs in der Einrichtung auf weitere Bereiche übergreift.

Das Besuchsverbot des Landes stoße bei den meisten Bewohnern und Angehörigen auf Verständnis. „Ausnahmen sind nur unter strengen Schutzauflagen in besonderen Einzelfällen, zum Beispiel wenn ein Bewohner im Sterben liegt, nach Rücksprache möglich“, erklärt Albat. „Dennoch ist die Situation natürlich für alle Beteiligten sehr belastend. Aus diesem Grund haben wir das Angebot des Sozialen Dienstes angepasst und machen vermehrt Einzelbesuche. Wohnbereichsübergreifende Angebote mit Bewohnern aus dem gesamten Haus fallen derzeit leider aus. Die Aktivitäten finden stattdessen in kleinem Kreis nur im eigenen Wohnbereich mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen statt“, fügt die Einrichtungsleiterin hinzu.

Auch Ursula Steegmann, Leiterin des Josef-Hauses in Wetten, berichtet von einem großen Verständnis der Bewohner. „Gemeinsame Aktivitäten im allerkleinsten Rahmen mit vorgegebenen Abständen und Einzelbetreuungen füllen den Alltag sehr gut aus. Wir ermöglichen zur Freude unserer Bewohner Videochats mit ihren Angehörigen über WhatsApp auf dem hauseigenen Tablet. Kurze Spaziergänge an der Luft, gegebenenfalls in Begleitung einer Betreuungskraft, werden ebenfalls angeboten“, sagt Steegmann.

Angehörige übernehmen Pflege und Betreuung

Birgit Stienen, Leiterin des Caritas-Pflegeteams in Kevelaer, sieht in der Arbeit ihres Teams keine großen Veränderungen seit der Ausbreitung des Coronavirus: „Der Ablauf der Arbeit ist nicht anders wie zu Zeiten von Norovirus-Infektionen oder MRSA-Infektionen, aber der Gesprächsbedarf über die aktuelle Situation bei den Klienten ist deutlich höher.“ Einige Patienten sagten jedoch aktuell ambulante Einsätze ab, um den Kontakt gering zu halten. „Bei einigen sind auch die sonst außer Haus berufstätigen Angehörigen da, um Pflege und Betreuung zu übernehmen“, sagt Stienen.

In vielen Supermärkten, Discountern und Drogeriemärkten ist bereits seit einiger Zeit kein Desinfektionsmittel mehr verfügbar und auch der Kauf eines Mundschutzes von Privatpersonen gestaltet sich oft als schwierig. Doch wie ist die Situation bei den Pflegekräften, die häufig auf genau diese Mittel angewiesen sind, um ihren eigenen und den Schutz der Patienten zu gewährleisten? „Glücklicherweise hatten wir ein großes Depot. Unser einziger Engpass waren Schutzmasken und da unser Umfeld, sensibilisiert durch die Medien, auf uns zukam und Masken, waschbar bis 60 Grad, für uns genäht hat, sind wir da auch gut aufgestellt. Auch da waren wir sehr gerührt von der Anteilnahme und niemand wollte dafür entlohnt werden“, berichtet Silvia Schöneis vom Pflege- und Betreuungsdienst „Lebensgarten“.

Ähnlich zeigt sich die Situation im Clemens-Haus in Kevelaer. Engpässe bestehen dort aktuell nicht. „Aber trotzdem wissen wir auch um die Situation, dass Mundschutz auf dem Markt schwierig zu bekommen ist, daher gehen wir mit diesen besonders sorgsam um. Bei Desinfektionsmitteln ist der Bedarf nicht wesentlich höher als vor der Corona-Krise, auch vor Corona wurde besonders auf Hygiene geachtet“, erklärt Einrichtungsleiter Dirk Winthuis. Auch in den übrigen Einrichtungen erwarten die Leitungen derzeit noch keine gravierenden Engpässe.

Mitarbeiter sind hier verwurzelt

Außerdem wurde deutlich, dass die Verantwortlichen derzeit keinen Personalmangel erwarten. Dass viele Pflegekräfte aus dem Ausland aktuell in ihre Heimatländer zurückkehren, diese Entwicklung ist in den Kevelaerer Einrichtungen nicht zu spüren. „Wir haben zwar einige Mitarbeiter mit ausländischem Hintergrund, allerdings ist von diesen niemand kurzerhand in die Heimat zurück. Alle sind hier stark verwurzelt“, berichtet Silvia Schöneis vom „Lebensgarten“. Im St. Elisabeth-Stift verzeichnet Silvia Albat sogar eine größere Personalverfügbarkeit als erwartet: „Es ist tatsächlich eher so, dass Mitarbeiter aufgrund der Reisebeschränkungen ihren geplanten Heimaturlaub nicht antreten und damit für den Einsatz in der Einrichtung bereitstehen. Viele Mitarbeiter haben auch von sich aus angeboten, den Urlaub oder freie Tage bei Bedarf zu verschieben. (…) Das höhere Risiko liegt eher darin, dass Mitarbeiter aufgrund von Corona-Infektionen oder Quarantäne ausfallen. Bislang haben wir einen solchen Fall aber glücklicherweise noch nicht.“

Auch Birgit Stienen erwartet im Kevelaerer Caritas-Pflegeteam keinen Personalmangel. Ihre Sorge liegt woanders: „Problematisch ist es aus unserer Sicht mit den Betreuungskräften, die aus dem Ausland kommen und nicht mehr wie gewohnt die 24-Stunden-Betreuung im ambulanten Bereich sicherstellen. Das stellt uns bzw. die Familien vor große Herausforderungen. Da müssen kurzfristig andere Lösungen gefunden werden wie zum Beispiel Kurzzeitpflegen, die bisher ebenfalls nur über knappe Ressourcen verfügen.“

Die Auszubildenden engagieren sich

Silvia Schöneis erfährt in ihrem Team des mobilen Pflegedienstes derzeit einen starken Zusammenhalt. „Alle rücken zusammen, niemand hat sich aufgrund von Corona krankschreiben lassen. Alleinerziehende Mütter geben ihre Kinder per Sondergenehmigung in die Kita. Wirklich alle sind bemüht, das Beste für ‚ihre Patienten‘ zu geben und diese zu schützen und übernehmen noch mehr als sonst Verantwortung. Zusätzlich positiv ist auch das Verhalten unserer vier Auszubildenden – dieses ist durchweg hoch engagiert. Ab dem 16. März konnten diese nicht mehr in die Altenpflegeschule Geldern gehen und wurden für die Betriebe freigestellt. Sie sind so motiviert und teamfähig, dass es tief berührt.“

Auch Silvia Albat blickt trotz aller Herausforderungen positiv in die Zukunft und möchte mit ihrem Team die Wohnatmosphäre im St. Elisabeth-Stift erhalten: „Wir sind dabei, nun kreative Lösungen zu schaffen, um diese Zeit gemeinsam gut zu überbrücken und Bewohnern und auch Mitarbeitern die Zeit so angenehm wie möglich zu machen. Wir freuen uns besonders darüber, dass aus der Bevölkerung – sogar von ‚Fremden‘ – Post und einfach Nettigkeiten, wie gemalte Bilder von Kindern oder ein ‚Tagebuch von draußen‘ für unsere Bewohner geschickt werden. Wir fassen diese Dinge nun zusammen und gestalten für unsere Bewohner eine zusätzliche Hauszeitung, in der sie die Post durchschmökern und sich daran erfreuen können. (…) Die uns entgegengebrachte Solidarität, Wertschätzung und Unterstützung freut uns wirklich sehr und macht uns zuversichtlich, dass wir die Situation gemeinsam gut meistern werden.“

Tränen, Sehnsucht und Abstand

Mit 32 Jahren Berufserfahrung zählt Ellen Ricken zu den erfahreneren Kräften im St. Elisabeth-Stift. Die 52-jährige examinierte Altenpflegerin arbeitet seit 18 Jahren beim Deutschen Orden. So eine Situation wie aktuell, die hat sie so noch nicht so erlebt. „Das ist alles sehr bedrückend“, sagt sie auch in Bezug auf das Besuchsverbot, das im Haus seit dem 13. März gilt. Das fängt dann schon bei Alltäglichkeiten an, die für ältere Menschen im Heim oft eine wichtige Bedeutung haben. „Es gibt keine Fußpflege, keinen Friseur“, erzählt Ricken. „Wir mussten den Leuten teilweise schon die Haare selbst schneiden. Das ist natürlich schwierig.“

„Du hast nicht mehr diese Masse, dass die abends zusammensitzen. Die müssen dann ins Zimmer, Musik hören oder Fernsehen, weil Menschenansammlungen nicht sein dürfen.“ Die mobilen Personen dürften auch mal begleitet vor die Tür oder auch mal spazieren gehen. „Aber dabei darfst du keinem über den Weg  laufen.“ Und die Angehörigen dürfen ihre Lieben im Heim nicht sehen, „außer du hast Leute, die in der Sterbephase sind. Da wird nach Absprache entschieden, dass die sie nochmal besuchen können oder nicht.“ Da gelten natürlich auch verschärfte Bedingungen. „Mit Schutz und Handschuhen dürfen sie sich verabschieden, das ist für alle sehr kräftezehrend. Und die Psyche, die leidet.“ In der Pflege selbst werde auch nochmal verschärft auf Hygienemaßnahmen geachtet.

Immer wieder komme es zu Situationen, in denen Bewohner am Tisch sitzen und weinen. Das berühre sie sehr. „Da kann man sie nur so gut wie möglich trösten, dass es besser wird.“ Aber es gibt auch Bewohner, die mache das teilweise wütend, erzählt Ricken. „Eine Bewohnerin sagte am Montag: Was habe ich mit Corona zu tun?“ Und es sei eine Unsicherheit zu spüren unter denen, die das Ganze gedanklich noch verstehen können. Den Kontakt halten viele Angehörige über das Telefon. „Die rufen an, damit sie wenigstens solange reden können, wie sie wollen. Das hilft wenigstens ein bisschen.“ Wie lange man so einen Zustand insgesamt aushalten kann? „Keine Ahnung“, antwortet Ricken.

Situation bringt viele Neuerungen

„Wir sind im Moment noch nicht betroffen, dass wir einen positiven Bewohner haben. Bis jetzt ist der Kelch noch an uns vorübergegangen“, schwingt bei Pflegedienstleiter Patrick Znak Erleichterung mit. Aber auch beim Personal „gibt es Mitarbeiter, die selbst vorerkrankt sind und Ängste haben.“ Schon jetzt gebe es da „den einen oder anderen Verlust zu beklagen, weil Mitarbeiter nicht zur Arbeit kommen können, weil da die Psyche nicht mitmacht.“ Darunter seien Menschen, die Asthmatiker sind oder COPD haben. „Die haben  einfach Angst, das Haus zu verlassen.“ Somit kämpfe man aktuell vor allem „an drei Fronten: die Bewohner, die Mitarbeiter und die ganzen Gesundheitssachen, die neu kommen.“

Corona, das sei das eine. Aber das Besuchsverbot und nicht raus zu können, da befürchtet Znak, „dass sie in ein anderes Problem reinschlittern“ wie Depressionen, gerade auch bei entsprechenden Vorerkrankungen. „Das merkt man bei ein, zwei Bewohnern. Die weinen Rotz und Wasser. Die fragen sich, wo die Angehörigen bleiben. Die können das emotional-gedanklich nicht umsetzen.“ Es gebe die Besuchs-Ausnahme bei denjenigen, „die präfinal und im Sterben liegen“, sagt Znak. „Aber mit Mundschutz, Handschuhen und Schutzkittel, da fehlt die Nähe, man kann sich nicht trösten. Das ist nicht so, wie man sich die letzten Tage so vorstellt“, ist er sich mit seiner Kollegin Ellen Ricken einig.

Und auch sonst führt der Zustand zu abstrakten Situationen. „Wir haben eine Lebensgefährtin, die kommt an die Straße, er ans Fenster und die unterhalten sich auf Luftlinie. Wir haben zwei Personen, wo wir den Kontakt über Videoanruf oder einmal über Skype gemacht haben. Ansonsten telefonieren die am meisten.“ Über einen Skyperaum habe man bisher noch nicht nachgedacht. Zwei, drei Bewohner gingen in Begleitung  schon noch nach draußen und in die Stadt. „Wir haben denen abgeraten, die mobil und geistig auf der Höhe sind. Aber festbinden kannst du sie auch nicht.“ Das Personal sei da „mehr gefordert denn je, weil die auf die Bewohner eingehen und emotional abholen müssen.“ Bei 21 zu versorgenden Bewohnern auf einer Station sei das jedoch oft nicht so einfach umzusetzen. „Die Kohle holt da der soziale Dienst aus dem Feuer, weil die die meisten Berührungspunkte zu den Menschen haben. Aber das ist schon nicht ohne.“

Die Corona-Situation macht Einrichtungsleiterin Silvia Albat durchaus unruhig. „Das empfinde ich wie die Ruhe vor dem Sturm momentan.“ Die noch bestehende Situation, dass es bislang keinen Corona-Fall im Haus gibt, sei derzeit kein Ruhekissen. „So eine Anspannung, die ist da.“ Die Bewohner dürften schon vor die Tür, „aber sie dürfen nur Kontakt zu den Bewohnern und den Mitarbeitern, aber nicht zu Dritten haben. Und sie dürfen sich auch nicht außerhalb des Hauses mit Angehörigen verabreden.“ Mitarbeiter gingen mit den Bewohnern raus, auch der Soziale Dienst. „Die Bewohner sitzen mit denen in der Sonne und halten dabei Abstand.“

Eine Osterkarten-Aktion für die Bewohner

Um die Isolation etwas zu überwinden, habe das Haus jetzt passend zum Osterfest eine Osterkarten-Aktion gestartet. „Wir haben von jedem Bewohner ein Foto mit Osterhasen gemacht und schicken dieses Bild an die Angehörigen.“ Auf diese Art und Weise könne man zumindest eine gewisse Nähe zu ihren Lieben herstellen.

Wie lange man den Zustand jetzt aufrecht erhalten kann, darauf hat auch Albat keine Antwort. In den Gesprächen mit der Heimaufsicht habe sich aber eines klar gezeigt: „Alle sind sich einig, dass das Aufheben der Maßnahmen am 19. April zu früh wäre, weil hier die Risikogruppen sind. Das aufzuheben, ist nicht zielführend. Das Schlimmste wäre, wenn Corona ins Haus kommt und unkontrolliert rein und raus könnte.“

„Sicherheit und Geborgenheit geben“

Seit fünf Jahren bietet das Regina Pacis, Haus für Senioren, in Kevelaer zusätzlich zur stationären Pflege eine Tagespflege an. Die Gäste werden montags bis freitags in der Zeit von 8 bis 16 Uhr so professionell wie liebevoll betreut: Mit einem ganzheitlichen Konzept, mit pflegerischer und persönlicher Zuwendung vermitteln die Mitarbeiter den Besuchern ein Gefühl von Geborgenheit.
Das integrative Tagespflege-Konzept war bei seinem Start in Nordrhein-Westfalen das erste seiner Art. „Die Mitarbeiter gestalten gemeinsam mit den Gästen den Tagesablauf“, erläutert Regine Camps, Leitung der Tagespflege. „Dabei möchten wir alltagspraktische und geistige Fähigkeiten ganz individuell fördern und erhalten.“
Die Betreuung der elf Tagespflegegäste findet gemeinsam mit den Bewohnern der vollstationären Pflege statt, Ruheräume bieten dabei immer die Möglichkeit zum Rückzug oder zur Mittagsruhe. Zu den Ruheräumen gehört etwa ein liebevoll eingerichtetes Wohnzimmer.
Neben den pflegerischen und therapeutischen Maßnahmen verhindern vor allem die persönliche Zuwendung und die Gesellschaft der andern Menschen die Einsamkeit und Langeweile: „Wir wollen unseren Gästen Sicherheit und Geborgenheit geben und damit einen Rahmen bieten, in dem sich die Gäste vor allem wohlfühlen“, sagt Regine Camps.
Senioren, die nicht selbstständig ins Haus kommen, werden morgens vom Fahrdienst abgeholt und nach dem Nachmittagskaffee wieder nach Hause gebracht. Eine wichtige Aufgabe der Tagespflege besteht auch darin, die pflegenden Angehörigen zu unterstützen.
Die Tagespflege bietet deshalb Betreuung, Beschäftigung und Pflege nach individuellen Wünschen. „Im Vordergrund stehen aktivierende, kommunikative Anregung und pflegerische Versorgung“, versichert Regine Camps. Das reicht von der Hilfestellung beim Frühstück bis zum gemeinsamen Backen, von der gemeinsamen Zeitungsrunde bis zum Besuch der heiligen Messe, von klangtherapeutischen Arbeiten bis zum gemeinsamen Kegeln.
Wer Interesse an einem Platz in der Tagespflege hat, kann sich direkt bei Regine Camps melden unter Telefon: 02832/502250.
Das Regina Pacis, Haus für Senioren, gehört zum Katholischen Alten- und Pflegehilfenetzwerk am Niederrhein (KAN). Unter dem Dach des KAN versammeln sich mehr als 20 Pflegeeinrichtungen und Wohnanlagen für Senioren in den Kreisen Kleve und Wesel, dazu ein Pflegezentrum zur ambulanten Betreuung, ein ambulantes Hospiz und ein Fachseminar für Altenpflege zur Ausbildung angehender Altenpflegekräfte.

Hohe Zufriedenheit der Patienten mit den Pflegeteams

Die Patienten der ambulanten Caritas-Pflegeteams sind fast ausnahmslos hochzufrieden mit den Leistungen der Caritas. Dies ist das Ergebnis einer Befragung unter den rund 1.600 Patienten, die der Verband im südlichen Kreis Kleve betreut.

85 Prozent gaben an, dass der Pflegedienst sehr flexibel auf Wünsche der Patienten reagiere, sogar 87 Prozent empfehlen die Caritas gerne an Freunde und Bekannte weiter.

Zufrieden zeigten sich die Befragten auch mit der Pünktlichkeit der Mitarbeitenden und damit, dass sie nur von einer überschaubaren Anzahl von Pflegekräften betreut werden. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal der Caritas, wie Regina Schüren, Leiterin des Bereiches „Pflege und Hilfe zu Hause“, erklärt: „Durch unser Bezugspflegesystem schaffen wir es, dass die Patienten immer von den gleichen Mitarbeitenden betreut werden, die sie und ihre Bedürfnisse kennen. Nur so kann eine zwischenmenschliche Beziehung und ein Vertrauensverhältnis zwischen Pflegenden und Patienten entstehen.“ Diese außerordentliche Beziehungsqualität sei für viele Patienten ein wesentliches Merkmal der Caritas-Pflegeteams.

Mit den Ergebnissen der Befragung ist Regina Schüren vollauf zufrieden: „Die Ergebnisse zeigen, dass wir es trotz des gesetzlich verordneten Zeitdrucks schaffen, neben der professionellen Pflege die menschliche Zuwendung nicht zu kurz kommen zu lassen. Ich bin wirklich stolz auf meine Mitarbeiter und auf das, was sie jeden Tag für ihre Patienten leisten.“

Bei Anruf … Ausbildung

Mit einer ungewöhnlichen Aktion will die Caritas in den kommenden Wochen insbesondere junge Menschen für eine Ausbildung in der Pflege interessieren.
Unter dem Motto „Bei „Anruf … Ausbildung“ müssen Interessenten nach Angaben der Caritas kein formelles Bewerbungsverfahren durchlaufen, sondern erhalten „direkt die Möglichkeit, einen Ausbildungsplatz zu bekommen“.
Dazu können sich junge Leute auf der Suche nach einer Ausbildung in der Pflege unter der Nummer 02831-132290 an die Caritas wenden. Die Ausbildung in der Ambulanten Pflege oder doch lieber in einem Seniorenheim machen – die persönliche Präferenz werde direkt bei einem persönlichen Gespräch geklärt, versprechen die Verantwortlichen.
Als formale Voraussetzungen müssen die Bewerber mindestens 16 Jahre alt sein und einen Hauptschulabschluss mitbringen, der auch ohne Qualifikation sein kann. Losgehen soll die Ausbildung am 1. Oktober.
„Wir haben eine doppelte Verantwortung – als einer der größten Arbeitgeber im Kreis Kleve – wo jetzt am Freitag letzter Woche auch der letzte Schultag war. Und wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Bewohnern – 1500 ambulant und 465 stationär“, unterstrich Karl Döring, Mitglied des Caritas – Vorstands.
Man müsse bei einer stark wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen und der anstehenden geburtenschwachen Jahrgänge da halt aktiv werden, so seine Überzeugung. „Da muss man auch niederschwellige Angebote machen.“
Man bilde bereits 54 Azubis für drei Jahre aus, ergänzte Markus Kremer. „Aber die Anfragen gehen eher zurück – deswegen suchen wir über den Weg die Chance, Fachkräfte zu bekommen.“ In dieser Woche sollen bereits die ersten Bewerbungsgespräche beginnen – in einer Art „speed dating“ in Geldern.
20 neue Azubis seien das Ziel, so Döring. „Es geht auch mehr“, meinte der Caritas-Vorstand. Die aktuell 395 examinierten Fachkräfte brauche die Caritas, „um den aktuellen Patientenbestand zu versorgen“, machte er deutlich, wie notwendig aktuell so eine Ausbildung sei.
Im Rahmen der Gespräche könne man herausbekommen, ob die betreffende Person sich wirklich vorstellen kann, den Beruf auszuüben.
Der praktische Teil der Ausbildung findet in den ambulanten Diensten oder den stationären Einrichtungen der Caritas im Südkreis Kleve statt, der schulische Teil im Xantener Altenpflegeseminar. In der Ausbildung verdienten die Pflegekräfte zwischen 1140 und 1300 Euro und würden in den Zeit von erfahrenen Praxisanleitern begleitet.
So könnten sich viele ein realistisches Bild über den Pflegeberuf machen, unterstrich Regina Schüren, Leiterin des Bereiches ambulante Pflege bei der Caritas. Für die Caritas spreche „die hohe Zufriedenheit der Mitarbeiter und eine geringe Fluktuation.“

Die Ausbildung bei der Caritas
Der 25-jährige André Zwar, selbst im dritten Lehrjahr, hatte zuvor in einem anderen Unternehmen gearbeitet und zeigte sich bezüglich der Caritas „sehr zufrieden. Hier wird wirklich versucht, den Azubis die Erfahrungen weiterzugeben. Und man wird immer angeleitet.“
Jennifer Legemann war zufällig über Bekannte erst als Pflegehelferin an den Beruf gekommen. „Da hab ich gemerkt, wie sehr mir das zusagt“, hatte die heute 28-Jährige dann 2012 mit der Ausbildung begonnen. „Ich bin zur Caritas nach Kevelaer mit einer einzigen Bewerbung gekommen.“
Sie fasziniere vor allem „der tägliche Umgang mit den Menschen – da sind so viele unterschiedliche Charaktere und man bekommt soviel Dankbarkeit zurück. Das bedeutet einem schon viel.“
Eines ist den Initiatoren der Ausbildungsaktion aber auch noch wichtig: „‚Bei Anruf … Ausbildung‘ ist ein dynamischer Slogan jetzt im Rahmen der Ferien – das heißt aber nicht, dass nicht auch Ältere kommen können.“