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Ein eigenständiger Geist

Dr. Edmund Bercker zieht sich nach der Abgabe des Vorsitz der Bürgerstiftung „Seid einig“ auch von seiner Aufgabe als Ortsvorsteher Kevelaers zurück. Das KB besuchte den Kommunalpolitiker.

Bei der Frage, wie lange er eigentlich das Amt des Ortsvorstehers ausgeübt habe, kommt der vierfache Vater angesichts der vielen Mandate, die er im Laufe seines Lebens schon angenommen hat, selbst ins Grübeln: „Sicher schon vor Stibi unter Paal, wo ich stellvertretender Bürgermeister und auch Ortsvorsteher war .“ Genauer gesagt seit 1999.

2009 schied er aus dem Rat aus, bekleidete das Amt des Ortsvorstehers aber weiter. „Das ist eigentlich ein ganz tolles Amt, weil man insbesondere sehr viel Kontakt zu der älteren Generation hat, die unsere Firma kannte. Man hat sofort ein Gesprächsthema und das artet manchmal soweit aus, dass wir dann einen zweiten Termin machen. Da kann man dann in Ruhe alles bequaken.“

Warum er jetzt den Weg für einen Nachfolger freimache, sei eigentlich ganz einfach, sagt Bercker: „Mit zunehmendem Alter ist es nötig, dass jüngere Leute mit Verve drangehen.“
So hatte er es schon bei der „Bürgerstiftung seid einig“ praktiziert, als er die Amtsgeschäfte als Vorsitzender Stefan Jansen übergab. Und so sei es jetzt auch. „Irgendwann muss man sich sagen, dass man nichts für die kommende Generation blockieren sollte.“

Ein bewegtes Leben

Als kleines Kind war Edmund Bercker nicht in Kevelaer. „Wir wurden 1942 ins Allgäu evakuiert“, erinnert er sich. Die Deutschen nutzten das großelterliche Haus an der Friedenstraße als Kommandozentrale „zur Eroberung unserer Nachbarn“. Später saßen dort die Engländer, „um den Übergang über den Rhein zu leiten.“

Bei der Großmutter in Kempten (Allgäu), die dort Verlegerin war, begann der kleine Edmund sich für Literatur zu interessieren. „Sie nahm mich auf den Schoß, wenn neue Bücher kamen.“ 1942 wurde er dort eingeschult. Als er nicht zum Religionsunterricht wollte, fragte ihn seine Lehrerin nach dem Grund. „Meine Großmutter und meine Mutter haben immer gesagt, vor den Braunen muss man sich fürchten.“ Dabei war der Mann Kapuziner und trug das entsprechende Gewand. „Da haben alle gelacht“, erinnert sich Bercker.

1946 kam er wieder nach Kevelaer zurück, ging auf die Volksschule am Markt und zum sogenannten „Pro-Gymnasium“ in Kevelaer. Später kam er auf ein Internat zu den Jesuiten nach Godesberg. Dort blieb er sechs Jahre bis zum Ende der Oberprima.

Der auch medizinisch interessierte junge Mann studierte dann Theologie in Tübingen, wo er auch seine zehn Jahre jüngere Frau kennenlernte. Beide heirateten 1967. „Ich war immer in der Kirche mit eingebunden“, erinnert er sich. Er hatte einen Bezug zu dem Pfarrer von St. Antonius, Heinrich Maria Jansen, klopfte Steine beim Wiederaufbau von St. Antonius. Bis heute ist Bercker Kirchenvorstand in St. Marien.

Zur Promotion in Theologie fehlten ihm aber „die niederen Weihen“, sagt Bercker, sodass er schließlich promovierter Philologe wurde. Im Bistum Rottenburg hätte er einen Verlag übernehmen können, dem Weg seines Doktorvaters an der Uni folgen können. Stattdessen kam der Vater nach Tübingen, um ihn in den Verlag nach Kevelaer zu holen.

Verlagsübernahme 1966

Das Verlegerkind in der vierten Generation übernahm 1966 bei „Butzon & Bercker“ den Bereich Verlag und Kunstwerkstätten, sein Bruder Klaus Bercker den technischen Bereich. 1970 wurde er Geschäftsleiter. Sieben Jahre später begann die Umsiedlung von der „Luga“ zwischen Johannesstraße und Neustraße zum Hoogeweg ins Gewerbegebiet.

Einer seiner persönlichen Höhepunkte war der Besuch von Johannes Rau. Der damalige NRW-Ministerpräsidenten stellte ihm direkt eine Frage: „Wissen Sie, dass ich Autor bei Ihnen bin?“ Denn ein Jesuit hatte ein Gesangbuch mit einem Text von Rau bei dem Verleger herausgegeben. „Ich habe aber nie mein Honorar bekommen“, sagte Rau. Bercker muss bei der Anekdote auch heute noch immer schmunzeln.

Auch für Politik habe er immer ein Faible gehabt, sag Bercker, schon im Studium, wo er Kontakt zu Persönlichkeiten wie den Kirchenhistoriker Karl August Fink oder den Theologen Fridolin Stier hatte, der mit dem großen jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber befreundet war.

Prägend war auch der Vater, der „eindeutig CDU“ war, „aber er hat Fürchterliches insofern erfahren müssen“, weil er in der Nazizeit NSDAP-Mitglied wurde, um sein Unternehmen zu retten. Dafür hätte er später heftige Kritik einstecken müssen. „Er hat sich dafür aber nicht interessiert, hatte damit gar nichts zu tun, wurde schwer im Krieg verwundet“, erzählt der 84-Jährige. Der Vater hätte sich auch später mit der Reichsschriftenkammer in Berlin angelegt, „wenn die uns Schriften verweigerten.“

Das gipfelte nach Berckers Erinnerung in Aussagen wie „„Wenn Sie nicht als Verleger mitkriegen, wo der Unterschied zwischen unserer Auffassung und der des Autors ist, sind Sie nicht geeignet, einen Verlag zu führen. Dann entziehen wir Ihnen den Verlag.“

Politisch engagierte sich Bercker zunächst in der SPD, bedingt durch seinen Kontakt zu dem SPD-Bundestagsabgeordneten und Ehrenbürger Helmut Esters. „Wenn Kevelaer keinen Helmut Esters und die SPD gehabt hätte, wäre Kevelaer heute nicht das, was es ist“, sagt er mit voller Überzeugung. „Das ist den meisten Kevelaerern überhaupt nicht klar.“

Aber Bercker blieb nicht lange bei den Genossen. Bis in die Kundschaft sei er als „Linksradikaler“ verleumdet worden, sodass er schließlich austrat „damit das Gequatsche aufhört“, sagt er heute. Was es nicht tat: Als er Vorsitzender der „Deutschen katholischen Verleger und Buchhändler Deutschlands, Österreichs und der Schweiz“ werden sollte, besuchte ihn eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz, um ihn wegen seiner früheren SPD-Mitgliedschaft von der Kandidatur abzubringen.

Trotzdem wird er gewählt, aber in Bezug auf das Amt hätte er fast „die Bocken hingeschmissen.“ Damals wären die Zeiten halt andere gewesen.

Längere Zeit war er politisch dann nicht aktiv. Erst gegen Ende der 70er-Jahre trat Bercker in die CDU ein. „weil es die einzige Partei war, wo man die Möglichkeit hatte, was zu bewegen.“ Auch wenn ihm in manchen Punkten die FDP inhaltlich näher erschien.

„Ich mache keinen Hehl daraus, wie ich denke“, schlägt er den Bogen zu seiner Großmutter, die ihm sagte: „Wenn Du weiter so kritisch bleibst , habe ich um Dich keine Bange.“ Das sei er immer geblieben. Sich nach ganz vorne drängen sei aber nicht seine Sache gewesen. „Ich habe immer versucht, Leute zu überzeugen.“

Bekenntnis zu Gnadenbild und Kapellenplatz

Stolz mache ihn, dass er „ganz zu Anfang nicht als Politiker, sondern als Kevelaerer Bürger den Verkehrsverein“ habe leiten dürfen. Was ihn immer wieder fasziniere, sei das „unscheinbare Gnadenbild, und wie es behandelt wird.“ Der 84-Jährige erhofft sich, „dass die Kevelaerer nie vergessen, was der Mittelpunkt ist: der Kapellenplatz.“ Und dass, „wenn da an dem Gnadenbild was kommen sollte, was nicht soll, die Bürger kommen und sagen: so nicht.“

Was er nie verstanden habe, sei, dass die Stadt nie bereit war, „am Peter-Plümpe-Platz eine gescheite Toilettenanlage und gescheite Sitzplatzmöglichkeiten für Pilger zu schaffen, die in der Hitze oder im Regen warten müssen auf den Bus.“

Er hoffe, dass sich bei der Neugestaltung des Platzes in der Hinsicht etwas tut. Und man dürfe nicht vergessen, sagt Bercker, „dass es viele Ältere gibt, die mit der Fiets in die Stadt kommen, oder Schwerbehinderte, die die Gelegenheit zum Parken haben müssen.“

Für ausreichend Beschäftigung werden auch nach dem Abschied von seinen Ämtern die acht Enkelkinder sorgen. Zwei hätten jetzt einen Führerschein und „brauchen betreutes Autofahren“, meint er lächelnd.

Genug zu Hause zum Aufräumen ist auch noch zu tun. „Ich hab zuletzt die Abschiedsrede von Heinz Paal gefunden“, fällt ihm spontan ein. Und mit seiner Frau will er weiter aktiv am gesellschaftlichen Leben der Stadt teilhaben.

Das Ende einer Ära

Hansgerd Kronenberg wird sein Amt als Ortsvorsteher der Ortschaft Winnekendonk nicht weiter fortsetzen.

Das bestätigte der 85-jährige Ehrenbürger Kevelaers auf Anfrage des KB, nachdem sich die Winnekendonker CDU mit ihm zu einer Beratung über diese Frage getroffen hatte. „Ich habe das selbst entschieden, die Gründe für diesen Entschluss sind persönlicher beziehungsweise familiärer Art“, sagte Kronenberg.

Damit endet eine jahrzehntelange Ära, die im Februar 1970 mit seiner Wahl zum Ortsvorsteher ihren Ausgangspunkt genommen hatte. Seitdem gilt Kronenberg quasi als „Mr. Winnekendonk“, der die Ortschaft mit seiner ausgleichenden Art durch alle Höhen und Tiefen geführt hat.

Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählen unter anderem das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland 2003 und die Verleihung der Ehrenbürgerwürde im vergangenen Jahr.

Ein Nachfolger Kronenbergs, der sich bereits bei der Kommunalwahl nicht mehr um ein weiteres Mandat beworben hatte, steht mit Erich Reiser auch schon fest. Der 62-jährige Diplom-Holzwirt ist mittlerweile im Vorruhestand. Seit dreißig Jahren ist er in Winnekendonk zu Hause und seit 1995 politisch bei der CDU aktiv. Künftig wird er das Amt des Ortsvorstehers von Winnekendonk ausfüllen.

„Mir sind 30 Jahre Winnekendonk durch den Kopf gegangen und die Entwicklung, die in Winnekendonk mit Hansgerd Kronenberg so eine positive Richtung genommen hat“, erzählte Reiser im Gespräch mit dem KB, was seine ersten Gedanken waren, als er für das Amt ausgewählt wurde.

„Persönlich habe ich lange überlegen müssen, ob diese großen Schuhe zu mir passen“, gestand der CDU-Politiker. „Das ist eine große und anspruchsvolle Aufgabe. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich das Amt würdig vertreten kann.“

Einer, der viele Impulse gegeben hat

Josef „Jupp“ Kobsch begrüßt mich an der Gartentür und bittet herein. Sein erster Gedanke: „Heute hätten wir Kirmesmontag gehabt. In meinem letzten Jahr hatten wir nix an Veranstaltungen“, stellt der 63-Jährige fest, während er zum Gespräch am Gartentisch Platz nimmt.

Wie er vor 13 Jahren Ortsvorsteher von Twisteden wurde, daran kann sich Kobsch noch gut erinnern. „Franz Wustmans warf damals 2007 als Ortsvorsteher hin.“ Dessen Draht zum damaligen Bürgermeister Axel Stibi galt nicht als der Beste. Die Suche nach einer Nachfolge gestaltete sich schwierig, „so wie heute auch“, gesteht Kobsch, der nach seiner Geburt erst in Wetten lebte, dann in Twisteden zur Grundschule ging.

In Kevelaer absolvierte er die mittlere Reife und fand nach zwei Jahren Fachschule den Weg über die Krankenpflegeausbildung hin zum Rettungssanitäter bei der Stadt. Heute ist er als Leitstellendisponent auf der Kreisleitstelle in Kleve. „Da bin ich jetzt 24 Jahre, insgesamt 42 Jahre im Beruf.“

An einem Sonntagabend kam es damals zu einem Gespräch mit seiner Frau Angelika, die Vorsitzende des Ortsvereins der Twistedener CDU war. „Wir tranken zwei Gläschen und ich hab aus Leichtsinn gesagt: „Bevor wir keinen kriegen, mach ich et!“ Kurzerhand wurde an dem folgenden Mittwoch der Twistedener CDU-Vorstand einberufen mit dem einzigen Tagesordnungspunkt „Wahl des Ortsvorstehers“. Die Wahl wurde durchgeführt, Kobsch dem Rat vorgeschlagen und auf der letzten Ratssitzung 2007 zum Ortsvorsteher gewählt.

Dass er überhaupt einen Draht zur Politik hatte, sei aus der Schulzeit gewachsen. „Irgendwann war ich Mitglied in der Jungen Union. Das hat sich halt so ergeben.“ Zunächst arbeitete er sich hoch, ließ die aktive Politik berufsbedingt dann aber ruhen.

Dafür war seine Frau Angelika in der Politik engagiert. Seit 2004 saß sie im Rat, war fünf Jahre lang Schulausschussvorsitzende, sodass der Informationsfluss über die politischen Dinge in Kevelaer für den Ortsvorsteher stets bestand. Kennengelernt hat Kobsch seine Frau 1983 zu Altweiber in Wemb, wo diese wohnte. „Da ist sie mir ins Auge gefallen – und dort geblieben“, lächelt er. Auch wenn die gelernte Verwaltungsfachangestellte in Düsseldorf arbeitet, habe beide die Großstadt nie gereizt. „Wir sind Niederrheiner und hiermit verbunden – Dorfkinder halt.“

In dem Geist zu handeln, „als wenn ich ein normaler Bürger wäre“, so habe er sein Amt verstanden. „Ich wurde viel angesprochen, zu Veranstaltungen eingeladen.“ Anfags sei es ungewohnt gewesen, seinr nicht selbst bezahlen zu müssen. „Ich hab mir an der Hauptschule einmal eine Stange Biermarken gekauft, was die Schulleiterin total irritiert hat.“

Auch als er das erste Mal am Ehrenmal stand, sei das ein neues Gefühl gewesen: „Da hat mich jeder angeguckt, weil man was von dem neuen Ortsvorsteher erwartet.“ Er schlug sich tapfer, und sogar sein alter Lehrer Winfried Janssen und Helmut Leurs „schlugen mir auf die Schulter“, erinnert er sich.

Befürchtungen, er bilde mit seiner Frau ein „Küchenkabinett“, versuchte er zu zerstreuen. Vorbehalte gab es. Bei seiner ersten Sitzung im Rat kam FDP-Fraktionschef Klaus Sadowski auf ihn zu. „Für Sie als ,neutrales‘ CDU-Mitglied haben wir mit Bauchschmerzen abgestimmt“, hörte er da. Ein halbes Jahr später meinte die gleiche Person zu ihm: „In Twisteden läuft es wieder – und das ist gut so.“

Wichtig sei ihm gewesen, „für alle Twistedener da zu sein, egal welches Parteibuch.“ Vieles sei damals eingeschlafen gewesen. „Ich hab vieles gemacht.“ Dass er in seiner Funktion den Besuch des Bundespräsidenten in Kevelaer 2017 erleben durfte, „war das Highlight“ für ihn. „Und die Bischofsweihe von Tebartz-van-Elst war damals was Besonderes.“

In den 13 Jahren gab es viele Aufreger und Ereignisse – von der Debatte um die Aufnahme von Flüchtlingen über die späteren Ereignisse um Tebartz-van-Elst. die Insolvenz des „Plantaria“, die Projekte zur Weiterentwicklung der Ortschaft, viele schöne Feiern. Und es vollzogen sich Entwicklungen, die es woanders auch gibt. „Alle Kirmesveranstaltungen hatten Schwund, weil zu viel angeboten wird. Das war früher ein Highlight, weil es nichts anderes gab. Heute sind die Menschen oft übersättigt.“

Sorgen um das Fest macht er sich angesichts von Corona. „Wenn es zwei Jahre lang keine Kirmes gibt, dann sehe ich schwarz, dass es noch einmal eine gibt. Das ist für das Gemeinschaftsverständnis vor Ort einfach wichtig.“

Worauf er im Nachhinein stolz ist? „Das erste Baugebiet Elisabethstraße, da läuft gerade jetzt der zweite Bauabschnitt.“ Da gebe es diverse Anfragen für, lässt er durchblicken, wie wichtig Neuansiedlungen für die Perspektive des Ortes sind.

„Für den Kunstrasenplatz hab‘ ich mich sehr ins Zeug gelegt“, erinnert er sich gern an die Eröffnung im Jahr 2017. Und auch die Verkehrsberuhigung der Dorfstraße habe Sinn gemacht. Wichtig sei ihm zuletzt der Anstoß für den Umbau des Dorfplatzes gewesen, der aufgrund von Corona gerade „auf Eis“ liegt. „Wann er eröffnet wird, mal sehen.“

Die Besuche bei den Menschen, die waren ihm immer ein Anliegen, und so hofft er, dass sein Nachfolger das weiterführt. „Ich bin stolz auf das, was ich dreizehn Jahre gemacht habe“, sagt er – auch und gerade als „Quereinsteiger“ in das Amt. „Vielleicht kriegt man ja eines der Ratsmitglieder dazu, das Amt wahrzunehmen.“

Seit Januar ist bekannt, dass er und seine Frau aufhören werden, da die jeweiligen Ämter auslaufen. „Da müssen auch mal andere ran.“ So wird mehr Zeit sein, sich als Fahrer im Bürgerbusverein zu engagieren, den er mit gegründet hat, sich dem Garten und seiner Frau zu widmen. Und wenn in 282 Tagen der berufliche Ruhestand beginnt, werden die Spielräume dafür noch größer sein.

Kevelaers Ortschaften haben viel vor

Viel Aufmerksamkeit hat im vergangenen Jahr auf der Stadtmitte Kevelaers gelegen – und mit den anstehenden und laufenden Projekten wird auch in diesem Jahr die Stadtmitte großen Anteil am politischen Geschehen haben. Ein Grund mehr für das Kevelaerer Blatt, zum Jahresbeginn den Blick auf die Ortschaften und die dortigen Ereignisse zu lenken. In diesem Rück- und Ausblick berichten die jeweiligen Ortsvorsteher, was war, was ist und was die Bürger in ihren Dörfern sich für 2019 wünschen.
Josef Kobsch, Twisteden
In 2018 konnten in Twisteden die Verkehrsinseln auf der Dorfstraße endlich fest installiert werden. Die bisherigen Inseln (die nur Übergangs- bzw. Probe-Lösung sein sollten) konnten entfernt werden.
Dank der guten Verhandlungen der Stadt Kevelaer konnte der Grunderwerb für die Erweiterung des Baugebietes Elisabethstraße abgeschlossen werden. Das Planverfahren zur Aufstellung des Bebauungsplanes soll in 2019 durchgeführt werden.
Für die Zukunft stehen umfangreiche Renovierungsarbeiten im Bürgerhaus an. In diesem Zusammenhang sehe ich Handlungsbedarf, da der durch die Stadt Kevelaer vorgesehene Abriss des Hauses „Gerberweg 1“  neue Optionen für eine Gesamtnutzung bzw. Gesamtgestaltung des Geländes eröffnet.
Der Brunnen auf dem Dorfplatz ist defekt und kann nicht repariert werden. Daher wurde versucht, eine Förderung der möglichen Umgestaltung des Dorfplatzes durch das LEADER-Programm zu erhalten. Leider erfolglos. Nunmehr soll ein Antrag über ein Förderprogramm des NRW-Bauministeriums gestellt werden. Um praxisorientiert und hinreichend konkret zu überlegen, welche Funktionalität der Dorfplatz künftig haben soll, wird hierzu mit allen Vereinen ein Termin im Januar stattfinden.
Besonders freue ich mich – und natürlich auch die Twistedener – auf das Dorffest am ersten Wochenende im Juli 2019. Das Fest findet dieses Mal im und am Bürgerhaus statt, da das Bürgerhaus (30 Jahre) und der Bürgerhaus-Verein (40 Jahre) Jubiläum feiern.
Johanna Ambrosius, Kleinkevelaer
In Kleinkevelaer lief und läuft alles wie immer. An Heiligabend trafen sich viele Menschen zum Einstimmen auf Weihnachten an der Kapelle. Deren Außenanlage müsste erneuert werden – eine Aufgabe, der sich der Kapellenverein eventuell in diesem Jahr annehmen wird. Wiederholt werden soll 2019 außerdem die auch 2018 erfolgreich durchgeführte Müllsammelaktion, die von der Kreis Klever Abfallwirtschaftsgesellschaft unterstützt wird.
 
Beate Clasen, Wetten
Offensichtlich ist in Wetten viel los. Das liegt auch an den Kanalsanierungen auf der Hauptstraße und den Tiefbauarbeiten des Niersverbandes, wodurch das Klärwerk durch eine Pumpstation ersetzt wird. Alle Maßnahmen verlaufen im geplanten Zeitraum, sodass voraussichtlich im ersten Halbjahr 2019 die begonnenen Arbeiten inklusiv der bevorstehenden Arbeiten auf bzw. unter der Twistedener Straße abgeschlossen werden können.
Einige dorfprägende Gebäude werden unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes so aufgewertet, dass sie eine Wohnqualität erhalten, die aktuellen Standards entspricht.
Es ist gelungen, 2018 die Planungen für ein dringend benötigtes Baugebiet weiter voranzubringen. Das optimiert die Bedingungen für junge Familien, die in Wetten ein gut funktionierendes Betreuungs- und Lernangebot für Kinder vorfinden. Damit das so bleibt, wird weitsichtig der Raumbedarf berücksichtigt, damit es zu keinen Engpässen kommt.
Um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu optimieren, sind die Wettener und die Stadtverwaltung gut vernetzt mit Kreis- und Landesbehörden. Das Rad- und Fußwegenetz wurde in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, ist aber ausbaufähig. Dafür ist es auch wichtig, die gut frequentierten Bahnübergänge auf dem Wettener Gebiet zu erhalten.
Die Wettener Vereine sorgen für viele interessante Freizeitangebote. Der Sportverein ist mit mehr als 1000 Mitgliedern der größte Verein. Aufgrund der intensiven Sportplatznutzung ist es zeitnah erforderlich, die stark beanspruchten Außenanlagen instand zu setzen, damit der Spielbetrieb weiter garantiert bleibt.
Hansgerd Kronenberg, Winnekendonk
Winnekendonk hat engagierte Vereine und ein aktives Dorfleben. In diesem hat es 2018 eine Vielzahl von turnusmäßigen Veranstaltungen gegeben. Möglich waren diese nur durch großen ehrenamtlichen Einsatz vieler Mitbürger, sodass auch 2019 ein reichhaltiges Programm angeboten wird.
Daneben sind einige besondere Ereignisse zu vermelden. Dazu zählen die Feiern nach 70 Jahren Erstkommunion von St. Urbanus und zum 30-jährigen Bestehen des Marienkäfer-Kindergartens in Schravelen.
Sportlich waren die Fußballdamen nach ihrem Aufstieg weiterhin erfolgreich. Der A-Jugend-Nachwuchs der Viktoria schaffte den Sprung in die Leistungsklasse.
Ein besonderer Höhepunkt war das Gemeinschaftskonzert des Musikvereins mit der Königlichen Harmonie des Moresnet aus Belgien im Bühnenhaus.
Das Zirkusprojekt der Grundschulen in Kervenheim hat viele Besucher und die Kinder begeistert. Die Sorgen an den Schulen sind erst einmal beruhigt.
In Achterhoek wurde durch NuK der alte Bildstock wieder hergerichtet. Am Hungerwolfsweg entstand ein neues privates Kleindenkmal.
Bedauerlicherweise sind die Hoffnungen, die die Winnekendonker in das LEADER-Programm gesetzt hatten, nicht erfüllt worden. Jetzt soll daran gearbeitet werden, im Rahmen eines neuen Förderprogrammes weiterzukommen. Vorrangiges Ziel ist die Erhaltung und Verbesserung der dörflichen Infrastruktur. Dabei ist die Neugestaltung von Denkmalbereich und Hauptstraße anzugehen, eine Maßnahme, die bereits vor mehr als zehn Jahren mit einer städtischen Planung eingeleitet war.
Neben der Regelung des Straßenverkehrs in diesem Bereich sind Markierungen und Beschilderungen aller Straßen und insbesondere der Einmündungen zu überprüfen. So sollte an der Kreuzung L491/L362 in der Dorfmitte eine Ampelanlage in Betracht gezogen werden. Auch Geschwindigkeitsbegrenzungen in Schravelen und auf dem Achterhoeker Schulweg werden für erforderlich gehalten.
Einige Wanderwege bedürfen der Ausbesserung. Eine Ausdehnung des Netzes müsste noch im einzelnen geplant werden.
Sicherlich wartete Winnekendonk auf den Baubeginn der OW1. Diese neue Straße führt zwar am Ortskern vorbei, hat aber gewiss erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Dorfstruktur.
Das gilt auch für die Umlegung des Sportgeländes von der Kevelaerer Straße zur Sonsbecker Straße. Zur Zeit sind hinsichtlich des Grundstückes noch Kaufverhandlungen im Gange. Bei deren erfolgreichem Ausgang ist eine Baumaßnahme im Bereich des Viktoria-Parks notwendig, bietet aber auch die Gelegenheit, die ständig wachsenden sportlichen Aktivitäten zu fördern. Insofern werden weiterhin Überlegungen angestellt, wetterfeste Trimm-Geräte innerhalb des Dorfbereiches aufzustellen und die Trimm-Dich-Strecke in der Schravelener Heide wiederherzustellen.
Für Achterhoek gibt es Anregungen, einen neuen Gemeinschaftsraum zu erstellen. Hier bedarf es noch genauer Planung.
Erfreulich ist schließlich die Tatsache, dass die Mühle Kerssenboom im Rahmen des Denkmalschutzes saniert werden soll.
Martin Brandts, Kervenheim
In Kervenheim sind die letzten Mängel im Zuge der Glasfaser-Verlegung (weitestgehend) beseitigt worden. Insofern ist die Freude an dem Glasfasernetz und den qualitativ hochwertigen Produkten endlich ungetrübt – jedenfalls in den Kernbereichen, in denen die Glasfaser liegt. Glasfaser ist bislang erst innerhalb der geschlossenen Ortschaft verfügbar. Insofern sind eine Vielzahl von Haushalten bislang noch nicht angeschlossen. Hier besteht großer Handlungsbedarf, wobei die Hoffnung besteht, dass über das kreisweit ausgeschriebene Förderprogramm für den Außenbereich Abhilfe geleistet werden kann.
Der Standort Burggelände hat sich als Standort für unsere Kirmes bestens gewährt und etabliert. Das Burggelände lockt aufgrund der besonderen Atmosphäre nicht nur zur Kirmes, sondern auch zu den sonstigen Veranstaltungen wie insbesondere dem „Burgzauber“ und dem Maifest zahlreiche Interessierte auch aus dem Umland nach Kervenheim. Insoweit sind wir der evangelischen Kirchengemeinde für ihre Gastfreundschaft und die hervorragende Zusammenarbeit außerordentlich dankbar.
Die Pappeln entlang des Wasserwerkes wurden zwischenzeitlich gefällt. Damit ist die Grundvoraussetzung für eine Sanierung der Straße „Et Everdonk“ geschaffen. Die entsprechenden Arbeiten sollen bei planmäßigem Verlauf in der ersten Jahreshälfte erfolgen.
Konkret steht der Endausbau des Neubaugebietes „Haagsches Feld“ an, nachdem die Bebauung der Grundstücke praktisch abgeschlossen ist. Insoweit müssen insbesondere Lösungen gefunden werden, wie gerade die Zuwegungen, die ja auch noch für die Erschließung der weiteren Bauabschnitte benötigt werden, hier gestaltet werden sollen.
Ein Dauerthema ist die Sanierung der Burg – insoweit besteht der tiefe Wunsch, das Gebäude genauso wie schon das Gelände einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen bzw. zu halten. Umso erfreulicher ist es, dass auch die evangelische Kirchengemeinde ein klares Bekenntnis hierzu abgegeben hat und dass gemeinsame Überlegungen und Anstrengungen erfolgen, sinnvolle Konzepte zu erarbeiten und dann schrittweise umzusetzen.
Ein gemeinsames Ziel der Geselligen Vereine ist es, noch mehr aktive Mitstreiter für die zahlreichen Aktivitäten zu finden. Natürlich sind die Veranstaltungen, die ja auch in 2019 wieder stattfinden werden, mit einem zum Teil sehr großen zeitlichen Engagement verbunden. Ziel ist es, diese Aufgaben auf mehr Schultern zu verteilen, sodass das hohe Niveau der Veranstaltungen gehalten, bestenfalls sogar noch weiter erhöht werden kann.
Ganz wichtiges Ziel ist es auch, die junge Generation wieder mehr für die Vereine und die Vereinsarbeit zu begeistern. Dies gelingt etwa im Bereich des Fußballs bei Union Kervenheim dank des persönlichen Engagements einiger Eltern schon sehr erfolgreich. In Kervenheim sind wieder viele junge Familien ansässig, die ein riesiges Potenzial darstellen.