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Die Aktion pro Humanität und das Brunnenprojekt im Niger

Wasser ist die Quelle des Lebens

„Wasser ist Leben”, Erzbischof Laurent aus dem Niger, mit dem die Kevelaerer Stiftung „Aktion pro Humanität“ seit vielen Jahren im Niger zusammen arbeitet, sagt gern bei seinen Besuchen am Niederrhein: „Wasser, das ist der Champagner Afrikas.“ Im Sahel ist sauberes Trinkwasser für die Menschen noch mehr, „eine im Niger wirkliche Linderung ihrer vielen Leiden.“

Ein einfaches Dach über dem Kopf

Zelte, Strohhütten, ein einfaches Dach über dem Kopf – die Aktion pro Humanität (APH) aus Kevelaer will dieses kleine bisschen Geborgenheit zu Weihnachten noch möglichst vielen Menschen möglich machen (das KB berichtete über die Anschaffung von Zelten für Flüchtlingslager).

Nahezu von der Weltöffentlichkeit unbemerkt leiden auch die Menschen im bitterarmen westafrikanischen Niger, erklärt die APH jetzt. Vor wenigen Wochen haben sintflutartige Regenfälle nicht nur die Hoffnungen auf eine Ernte vernichtet. Viele Dörfer und Hütten wurden von den Fluten weggespült, 300.000 Menschen sind entlang des Flusses Niger obdachlos geworden. Der Klimawandel hat lange schon auch Afrika erreicht – und trifft die Ärmsten der Armen.

Baumaterial für 480 Familien

Mit Unterstützung ihrer Spender und einer erneuten Kooperation und Unterstützung der Stiftung der Familie Seibt in Wesel-Flüren und des Vereins „Wir helfen Kindern weltweit“ konnten bereits 480 Familien mit Baumaterialien für ein einfaches, bescheidenes Zuhause bedacht werden. Und sogar eine kleine „Ziegelstein-Produktion“ ist angelaufen.
„Mit 90 Euro können wir eine Familie im Niger unterstützen – damit kann der Kauf der Baumaterialien finanziert werden“, so Kleuren-Schryvers.

Eine Hütte für 90 Euro.

90 Euro kostet der Bau einer Rundhütte (5 Meter im Durchmesser) – ein Einraum-Appartement für eine oft zehnköpfige Familie. Man könne angesichts der Dramatik und des Elends in den Flüchtlingscamps u.a. in Europa, in Syrien nicht einfach wegschauen. Dennoch: „Wir bitten die Menschen am Niederrhein um ihre fortgesetzte Hilfe für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in ihren Heimatländern, insbesondere in Benin und im Niger. Damit sie in ihrer Heimat bleiben können. Das bleibt unsere oberste Priorität“, “, sagt Dr. Elke Kleuren-Schryvers.

APH hat Spendenkonten eingerichtet, unter anderem bei der Volksbank an der Niers das Konto DE39 3206 1384 4330 1300 11.

Flüchtlingsfamilien finden Zuflucht

Die Unterkünfte sind einfach, doch sie schenken Hoffnung. Und so deutet sich bei den Frauen, die auf dem Foto auf einem Stück Teppich mit ihren kleinen Kindern vor der Behausung sitzen, für einen Moment so etwas wie der Ansatz eines Lächelns an. Die, die hier einen Platz gefunden haben, sind glücklich – sie können nachts wieder in Sicherheit schlafen, es gibt für jeden eine gute Mahlzeit am Tag, die (von der Aktion pro Humanität) gebauten Brunnen in der Nähe liefern Wasser – und bislang wagen sich auch die gewaltbereiten, oft islamistischen Banditenhorden nicht hierher.

563 Famlien, allesamt Flüchtlinge im eigenen Land, im westafrikanischen Niger, haben dank eines Projektes der Kevelaerer Aktion pro Humanität (APH) eine sichere Bleibe gefunden.

Erzbischof Laurent Lompo hatte über die Aktion pro Humanität in Kevelaer um Hilfe gebeten und für seine „Patenfamilien-Idee“ per Video-Botschaft geworben. Mit einer Spende von 30 Euro kann eine mehrköpfige Flüchtlingsfamilie einen Monat lang versorgt werden – und bei nigrischen Patenfamilien ein kleines „Zuhause“ finden. 563 Familien konnten nun so bei nigrischen Gastfamilien unterkommen.

„Mit dem Geld schaffen es die Gastfamilien, den Flüchtlingsfamilien zu helfen, ihnen eine einfache Unterkunft zu bauen, ihnen mit Essen und vor allem auch mit Gemeinschaft zur Seite zu stehen“, erklärt Dr. Elke Kleuren-Schryvers vom Vorstands-Team der APH. Viele der Geflüchteten haben Angst, Gewalt und Terror erlebt.

„Die Gemeinschaft lindert da viel Leid, schenkt Perspektive. Allerdings ist die Aufgabe für die Gastfamilien damit nicht zu Ende. Kranke Menschen müssen Versorgung finden, der Hunger so vieler muss irgendwie gestillt werden. Das alles geht natürlich nur mit Hilfe von außen. Dafür hatte Erzbischof Lompo am Niederrhein um Hilfe gebeten und wir sind sehr glücklich, dass doch so viele Menschen hier bereit sind zu helfen“, fügt Kleuren-Schryvers hinzu.

Immer mehr Flüchtlinge

Die Geflüchteten könnten nach Angaben der APH so in ihrer Heimat bleiben, müssten nicht den lebensgefährlichen Weg durch die Wüste und über das Mittelmeer Richtung Europa antreten. Die Zahl der Binnenflüchtlinge im Niger – wie im gesamten Sahel – steige kontinuierlich an. Ende April meldete der UNHCR, die Flüchtlingshilfe-Organisation der UNO, für den gesamten Niger knapp eine Viertelmillion Binnenflüchtlinge. Das sind nur die Registrierten.

Die Menschen fliehen in erster Linie aus ihren Dörfern vor dem immer übermächtiger werdenden IS-Repressalien und dem Terror, schreibt APH. Ihnen werde verboten, ihre Felder zu bebauen, Gottesdienste zu besuchen, die Kinder in staatliche oder Missionsschulen zu schicken. Koranschulen seien erlaubt. Auch für alltägliche Handlungen wie Garten- oder Feldarbeiten würden Verbote erteilt.

Ebenso sei es unter Androhung von Folter und Tod untersagt, sich in bestimmten Konstellationen in den Dörfern zu versammeln oder zu treffen.

„Menschen in leitenden Positionen, Lehrer, Bürgermeister, Dorfchefs werden, so sie angeblich zu gemäßigte Muslime oder gar Christen in dem mehrheitlich muslimischen Sahelstaat sind, immer wieder brutal getötet. So ist es mehr als verständlich, dass viele Menschen in ihren Dörfern keine Perspektive mehr sehen für sich, für ihre Familien und mit ihrer wenigen Habe aufbrechen“, sagt Kleuren-Schryvers.

Sie möchten Danke sagen

Eine weitere Viertelmillion Menschen waren Laut UNHCR Flüchtlinge aus Nachbarländern wie Nigeria, Mali, Burkina Faso, die in den Niger fliehen – ebenfalls in erster Linie vor terroristischer Gewalt. Die 563 von APH unterstützen Familien, oft sieben oder noch mehr Mitglieder groß, leben nun in der Gegend um die Stadt Torodi, in der Region Tillaberi, eine der sieben Regionen des Niger. Auch die Hauptstadt des Niger, Niamey, liegt in dieser Region. Tillaberi ist eine der bevölkerungsreichsten Gegenden des Niger. „Und alle möchten Danke sagen“, berichtet Erzbischof Laurent Lompo dieser Tage in einem Telefongespräch.

Die Flüchtlingsfamilien haben einen Flüchtlingsrat gegründet und ihr Dankeschön formuliert. „Wir als APH geben diesen Dank weiter“, erklärt Kleuren-Schryvres, „an die Stadt Kevelaer, Ratsmitglieder in privatem Engagement, Familien, Privatpersonen, Unternehmen, Vereine, Kirchengemeinden. Viele waren aktiv, um diese Hilfe zu realisieren. Ein Brief des Bürgermeisters Dr. Dominik Pichler ging in den Niger an Erzbischof Lompo.

Nach der Beschreibung der Zielintention für die Hilfe der Stadt Kevelaer schreibt der Bürgermeister der Wallfahrtstadt Kevelaer: Bitte richten Sie Erzbischof Laurent Lompo meine herzlichen Grüße aus, verbunden mit der Hoffnung, mit dieser Spende möglichst vielen Flüchtlingen helfen und so einen kleinen Beitrag zu mehr Menschlichkeit leisten zu können.“

Ein Licht am Horizont und jeden Tag ein bisschen Weihnachten

Dass es Regionen gibt, in denen Weihnachten auf andere Art und Weise und vor allem auch unter anderen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stattfindet als bei uns, mit dieser Realität sehen sich die Helfer und Aktivisten der „Aktion pro Humanität“ Jahr für Jahr in den Gebieten, in denen sie tätig sind, konfrontiert. Seit 25 Jahren engagiert sich Elke Kleuren-Schryvers mit dem Team der Stiftung Aktion pro Humanität und den Menschen am Niederrhein für die Menschen in Westafrika – aktuell in Benin und im Niger. Gerade im November ist das Ärzteteam um die Medizinerin Kleuren-Schryvers und den Kevelaerer Arzt Rüdiger Kerner aus dem Krankenhaus in Benin zurückgekehrt.

Dieses Krankenhaus hatte es in einem nationalen Ranking nach internationalen Qualitätsstandards gerade zuvor geschafft, zum besten Krankenhaus Benins aufzusteigen – eine Bestätigung für die beninischen und deutschen Ärzte, die versuchen, auch in den ländlichen Regionen eine menschenwürdige und fachlich nach internationalen Standards ausgerichtete medizinische Versorgung auf die Beine zu stellen.

Fehlende Basisversorgung

„In der Fläche betrachtet fehlt eine adäquate Basisversorgung“, sagt Kerner und nennt als Beispiele die Unfallchirurgie und auch die Gelenkersatz-Chirurgie. Bestimmte Erkrankungen führen bei sehr jungen Menschen unter anderem zu Hüftkopfzerstörungen. „Es ist kein Hexenwerk mehr, ein neues Hüftgelenk zu implantieren. Aber es fehlen dort die Materialien und die Fachärzte, die das leisten können. Immer noch sterben Kinder an absolut behandelbaren Krankheiten, weil Eltern erst gar nicht ins Krankenhaus gehen, weil sie meinen, das Geld nicht aufbringen können. „Und dann kommen noch die epidemischen Erkrankungen hinzu: Lassa oder Ebola”, ergänzt Kleuren-Schryvers.

Kerners nachhaltigste Patienten-Erfahrung bei dieser Reise war eine erst 20 Jahre alte Frau, deren Leben durch eine Eiteransammlung in der kollabierten Lunge bedroht war und die Fachärzte zusammen vor Ort die Technik zusammen „improvisierten“, um die Lunge angemessen behandeln zu können. „So eine Patientin, die noch nicht über den Berg war, zurücklassen zu müssen, das fällt nicht leicht“, berichtet der Chefarzt der Inneren Abteilung des Marien-Hospitals in Kevelaer. Ein Therapieplan aber steht – und über das Internet tauscht sich Kerner mit dem Chefarzt vor Ort, Dr. Gilles Mensah, aus, sieht Röntgen- und Laborbefunde ein und kann Hinweise geben.

Humanitäre Hilfe vor Ort wird schwieriger

Es werde deutlich, sagt Kleuren-Schryvers, dass es das Team der „Stiftung Aktion pro Humanität“ vor Ort immer schwerer hat, unter friedlichen Bedingungen humanitär zu agieren. Das deutet sich in Benin durch bestimmte politische Entwicklungen an und sei im Niger bereits Realität. „Falls die internationale Gemeinschaft nicht zu Hilfe kommt, kann es durch den im Sahel massiv zunehmenden IS-Terror eine Blockade der humanitären Entwicklungszusammenarbeit geben.“ Die Leidtragenden seien dann die Menschen.

Der Transport von Wasser. Foto: privat

Die Ursachen dafür reichten von den ungerechten Verhältnissen des Welthandels über die politische Führung von Staaten durch Autokraten und Potentaten, denen eine Perspektive für ihre Bevölkerung nicht wichtig sei – und eben der alles zersetzende, mörderische Vernichtungsterror des IS. Nach Angaben der „Agentur Fides” wurde am 10. Dezember ein Massaker an über 70 nigrischen Soldaten in Inatés nahe der Grenze zu Mali begangen. Im Rahmen der dreitägigen Staatstrauer hatte der Bischof Lompo, der in Kevelaer schon häufig zu Gast war, eine mahnende Grußbotschaft verfasst, in der es unter anderem hieß: „Der Anschlag am 10. Dezember in Inatés (…) zeigt uns die Situation, in der wir leben.“

Und ein Pater erinnerte daran, dass es aufgrund der Tatsache, dass der Pater Pierluigi Maccalli am 17. September 2018 entführt wurde, einige Gemeinden der Diözese Niamey geben wird, in denen Weihnachten ohne einen Priester gefeiert werden wird.

Der IS-Terror gefährdet Entwicklung

In Burkina Faso ist die aktuelle Lage für die Christen noch dramatischer, sagt Kleuren-Schryvers. „Früher haben wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort die Projekte entwickeln dürfen und konnten sie dann mit Hilfe der Menschen am Niederrhein auch zumeist sehr zeitnah realisieren.“ Die Lebensqualität wurde durch den Zugang zu sauberem Trinkwasser, zu adäquater medizinischer Basisversorgung, durch den Bau von Schulen oder durch Mikrokreditprojekte verbessert – und das mit einem interreligiösen Ansatz. „Das humanitäre Tun war zugleich auch immer Friedensarbeit – zwischen Männern und Frauen, zwischen Ethnien und Religionen, so dass die Menschen ihre Zukunftsperspektive in ihren Heimatländern sahen.

„Die Situation im Sahel hat sich so desaströs entwickelt, dass der Bischof uns sagte: Es geht nicht mehr um Geld – es geht ums Gebet und die Tatsache, dass wir euren Mund und die Hände brauchen, um die Menschen hier in Europa zu sensibilisieren, dass wir in der Situation des islamistischen Terrors keine Chance mehr auf Entwicklung haben.“ Als Beispiel nennt Kleuren-Schryvers den Brunnenbau. Sonst gab es zur Weihnachtszeit im Niger immer drei oder vier neue Brunnen, die durch die Förderer der Aktion pro Humanität möglich waren. Auch diesmal wurde das Geld dafür schon in den Niger transferiert. Die Brunnenbau-Teams sind mit ihren Fahrzeugen und ihrer Technik aus Burkina Faso bereits vor Ort. „Aber die Regierung des Niger befürchtet Terror-Attacken auf die Teams.“ Das heißt, dass erst der Militärschutz organisiert werden muß. „Den Brunnenbau wird das verzögern, allerdings nicht verhindern“, versichert die „APH“-Begründerin.

Die zunehmend unsichere Situation zeige aber eins: „Wenn Erzbischof Laurent einzig um unser intensives Gebet für Schutz und Sicherheit für die Menschen im Sahel bittet, dass Frieden werden kann, dann zeigt sich daran, wie viel aussichtsloser die Situation ganz aktuell ist im Vergleich mit jeder schweren oder schwersten Hungerkrise des Niger.“ Für den Schutz und die Sicherheit der Menschen im Niger engagiert sich gerade keiner effektiv. „Wir müssen lernen, neue Wege humanitärer Hilfe in dieser Region zu gehen“, sagt Kleuren-Schryvers. „Wenn die jungen Leute dort sehen, was es in Europa alles gibt, dann ist das ein starkes Motiv, um sich in ihrer Situation auf den Weg zu machen“, sagt Kerner. Und dann riskierten sie halt ihr Leben – in der lybischen Wüste oder auf dem Mittelmeer.

APH-Projekte schaffen Hoffnung

Die APH-Projekte in Benin und im Niger sind aktuell von diesen Tendenzen (noch) nicht berührt. Die Menschen, die dort Arbeit gefunden haben, stehen in Lohn und Brot der Stiftung Aktion pro Humanität, der Erzdiözese Niamey über APH oder demnächst vielleicht auch des Bistums Münster. Ein entsprechendes Angebot des Weltkirche-Referates gibt es dazu. „Das geplante Krankenhaus-Projekt für den Niger in der ländlichen Region Makalondi wird eine Leuchtturm-Funktion haben können“, glaubt Kleuren-Schryvers. „Denn auch dort können – wie in Benin – über 100 Menschen, oft junge Menschen mit guter Ausbildung, Arbeit, Lohn und Brot finden.“

Das Weihnachtsfest feierten Bürger in Westafrika auf andere Art und Weise als wir in Deutschland. Foto: privat

Das wird auch auf die Entwicklung im Umfeld Einfluss nehmen, wenn kleine Handwerksbetriebe vermehrt an Aufträge kommen können und so noch mehr Menschen von dem Projekt profitieren. „Den Menschen eine Alternative zum Angebot des IS zu geben, den interreligiösen Dialog sehr ernst und engagiert weiter zu betreiben, den Menschen an der Seite zu sein in ihrer verzweifelten Lebenssituation aus Armut, Hunger, Angst und Terror – das ist die große Herausforderung für unsere Arbeit in den nächsten Jahren”, so Kleuren-Schryvers.

Hilfe nach Flutkatastrophe

Zu den bereits beschriebenen Problemen kam Ende Oktober/Anfang November noch eine in den westlichen Medien kaum beachtete Flutkatastrophe im Benin dazu, bei welcher der Grenzfluss zum Nachbarland Togo über die Ufer trat, die Lehmhütten der Bewohner wegspülte und die Not vor Ort vergrößerte. „Das war eine der bedrückendsten Situationen, die ich in den Jahren im Benin erlebt haben – dieser Matsch und Modder in den überfluteten Gebieten, die eingebrochenen Hütten in den Dörfern, die Moskito-Schwärme mit tausendfachem Malaria-Infektionspotenzial“, erzählt Kleuren-Schryvers.

Ein kleiner Lichtblick war da die von der APH hier am Niederrhein am Nikolaustag gestartete Weihnachts-Reis-Aktion für die Kinder in den Flutgebieten. „Wir haben da eine WhatsApp-Liste mit Spendern einer zurückliegenden Hirse-Sammelaktion gegen den Hunger im Niger reaktiviert“, erinnert sich Kleuren-Schryvers. Am Ende des Nikolaustages waren es mehr als 6.000 Kilogramm Reis, die gespendet worden waren – ein Kilo zu 50 Cent. „Es bewegt einen enorm, wenn das Handy permanent blinkt, weil Menschen sich hier engagieren mit ihren Kindern, Familien, Chören und Vereinen.“ Das zeige, wie ausgeprägt das Mitfühlen auch für den fernen Nächsten in unserer Region verankert ist, dankt Kleuren-Schryvers allen für ihr Mitwirken.

So haben dann am Heiligen Abend 3.000 Kinder je einen Kilo Reis erhalten und haben zusätzlich einen Kilo mitnehmen können, um es ihren Familien zu schenken. Gerade für die Kinder sei das etwas Außergewöhnliches. „Welches afrikanische Kind bekommt schon mal etwas geschenkt im Leben? Das sind Kinder, die in den Dörfern mit den alten Reifen und dem Stock spielen, die nur ein paar Flip-Flops haben, wenn es hoch kommt, nur eine Hose, ein Shirt und ein-, maximal zweimal am Tag etwas zu essen.“ Da sei eine solche Spende „wie ein Licht am Horizont. Dann wäre quasi jeden Tag Weihnachten.“

Weihnachten wird auch in Westafrika gefeiert

Das Weihnachtsfest selbst haben beide Mediziner vom Niederrhein dort in Westafrika noch nicht erlebt. Einmal allerdings war die Ärzte-Mission zu St. Martin vor Ort. Und man feierte mit den Aids-Waisenkindern und den Kindern und Müttern aus der Kinderkrippe im Projekt.„Da sind wir mit Kerzen in der Dunkelheit mit den Kindern durch das Gelände gezogen und haben da Martinslieder gesungen“, erinnert sich Kerner auch an gebackene Teilchen aus der Bäckerei in Dobo als Weckmann-Ersatz. „Die Kinder strahlten – und wir waren froh, dass wir bei den Martinsliedern in tropischer Nacht noch einigermaßen textsicher waren.” „Als wir jetzt das Krankenhaus-Projekt in Gohomey verließen, stand in der kleinen Projektkapelle schon die Weihnachtskrippe in der Sakristei bereit und der Plastiktannenbaum“, erzählt Kleuren-Schryvers.

Zu Weihnachten gab es ein großes, leuchtendes Kreuz an der Kapelle. „Und für alle Kinder aus der Kinderabteilung des Krankenhauses, aus der Kinderkrippe und den Waisenhäusern kommt am ersten Weihnachtstag Papa Noel ins Projekt.“ Da hat dann der „Weihnachtsmann“ in voller Montur „mit Rauschbart und Kapuze bei mindestens 35 Grad“ allen Kindern kleine Geschenke gebracht. „Für die Kinder ist das wunderbar, die Erwachsenen freuen sich – und es wird viel gelacht, gesungen, getanzt, getrommelt.“

In solchen Situationen drücke sich vor allem eines aus, sagt die erfahrene Kämpferin für das Menschliche: „Die Sehnsucht nach einem Moment, in dem einem im Leben auch mal etwas geschenkt wird und man nicht nur kämpfen muss – und das gilt gerade für die Kinder.“

Niederrheiner bauen ein Krankenhaus in Afrika

Wer in der Region Torodi im afrikanischen Niger ernsthaft erkrankt, muss lange Wege auf sich nehmen, um das nächste Krankenhaus zu erreichen. Selbst ein Röntgenapparat steht erst rund 150 Kilometer entfernt. Mit viel Hilfe vom Niederrhein soll nun ein Krankenhaus in der Gemeinde Makalondi auf einem Grundstück entstehen, dass die Kirche zur Verfügung gestellt hat. Darüber informierte die Aktion pro Humanität (APH) aus Kevelaer im St.-Josef-Hospital in Xanten.
Schon bevor der Grundstein gelegt ist, kann Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Vorsitzende der APH, über ein breite Unterstützung freuen. So hat die Zevens-Stiftung des Klever Investors Bernd Zevens zugesagt, den Bau aller geplanten Module des Krankenhauses zu finanzieren. „Sonst kann man alle paar Jahre ein neues Modul bauen und muss dann sparen, bis man das nächste angehen kann“, erklärte Kleuren-Schryvers.
Durch Zevens’ Engagement können nun wohl schon innerhalb von fünf Jahren Gebäudemodule für eine Notaufnahme, eine Mutter-Kind-Station, einen Operationssaal, eine Pädiatrie, ein Labor und auch die Verwaltung gebaut werden. Die „action medeor“ aus Tönisvorst hat in Aussicht gestellt, bei der technischen Ausrüstung zu helfen und die Familie Seibt von der Grav-Stiftung will sich mit ihrer Stiftung um die Wasser- und Stromversorgung kümmern. Unterstützt werde APH auch immer wieder durch das Bistum Münster, betonte die Vorsitzende.
Alle, die mit ihrer Unterstützung die Grundlage für das geplante Krankenhaus geschaffen haben hoffen nun, damit gleichzeitig ein Signal zu setzen. Denn weitere Spenden werden dringend benötigt, um die notwendige Ausrüstung und den Betrieb des Krankenhauses zu ermöglichen. Er wünsche sich, sagte Weihbischof Rolf Lohmann, dass die Region Niederrhein die Region Torodi in Afrika unterstützt. Das bisherige Engagement sei „großartig“ betonte er und bedankte sich bei allen, die schon ihre Hilfe zugesagt haben.
Erzbischof Laurent Lompo aus dem Niger, der ebenfalls nach Xanten gekommen war, konnte man die Freude über die guten Nachrichten ansehen. „Ich werde mit einem Gefühl der Dankbarkeit nach Hause zurückkehren“, sagte er, „die Hilfe vom Niederrhein bringt Hoffnung in meine Heimat. Das gibt den Menschen eine Perspektive und ermutigt sie, in ihrem Land zu bleiben.“
Gleichzeitig richtete Lompo einen dringenden Appell an die internationale Gemeinschaft: „Wie könnt Ihr uns helfen, aus dieser lebensbedrohlichen Situation im Niger herauszukommen? Wenn es keine Hilfe und internationale Unterstützung gibt, werden die Menschen weiter flüchten und das Land verlassen.“ Der Niger gilt mit rund 20 Millionen Einwohnern als eine der ärmsten Regionen der Welt. Zahlreiche Menschen sind akut vom Hunger bedroht, außerdem verbreiten Dschihadisten Angst und Schrecken unter der Bevölkerung.
Durch das Krankenhaus soll nicht nur den Menschen eine Perspektive gegeben werden, die dort künftig behandelt werden, ergänzte Kleuren-Schryvers: „In einem vergleichbaren Krankenhaus der APH in Benin finden rund 100 Menschen und damit ihre Familien regelmäßig seit 25 Jahren Lohn und Brot. Kleine Handwerksbetriebe in der Umgebung sind mit ihren Dienstleistungen einbezogen in das Projekt. Wir möchten auch im Niger mit dem Bauunternehmen vertraglich vereinbaren, dass über die gesamte 50 Prozent der Hilfs- und Facharbeiter aus der Region rekrutiert werden.  Damit werden Chancen eröffnet, Hoffnung gegeben.“
Im Anschluss an das Gespräch führten Dr. Ulrich Meder, Chefarzt der Inneren Abteilung, und Dirk Henricy, OP-Leiter in Xanten und seit fünf Jahren in Benin engagiert, Erzbischof Lompo durch das Xantener Krankenhaus.
Weitere Informationen zur Aktion pro Humanität und Spendenmöglichkeiten für das geplante Krankenhaus im Niger und weitere Hilfsprojekte gibt es unter: www.pro-humanitaet.de

Im Niger sichern 40 Cent am Tag das Überleben eines Menschen

Während selbst am Niederrhein der trockene Sommer den Landwirten zu schaffen macht, warten auch die Menschen im afrikanischen Niger dringend auf Regen. Kommt der nicht, droht in einem der ärmsten Staaten der Welt eine Verschärfung der Hungersnot. „Wir hoffen noch, dass es gut wird“, sagt Laurent Lompo, Erzbischof des Bistums Niamey, am 9. August 2019 bei einem Besuch in Kevelaer.

Doch bis zur nächsten Ernte dauert es noch zwei bis drei Monate – 700 Menschen sind in der Region, in der Lompo Erzbischof ist, konkret vom Hunger bedroht, 50 Kleinkinder sind so schwer unterernährt, dass nur Spezialmilchprodukte jetzt noch ihr Leben retten können.

Hunger und Übergriffe islamischer Dschihadisten

Dazu kommen Übergriffe islamistischer Dschihadisten, die aus den Nachbarländern Mali und Burkina Faso einfallen und die Landbevölkerung in Angst und Schrecken versetzen. „Die Unsicherheit wird immer stärker, die Menschen verlassen aus Angst die Dörfer und flüchten in die schon jetzt überbevölkerten Städte“, erklärt Lompo. „Junge Menschen sind besonders gefährdet. Sie lassen sich wegen der Perspektivlosigkeit leicht von Dschihadisten einfangen.

Wir als Kirche müssen an ihrer Seite bleiben und ihnen eine Perspektive geben.“ Kurzfristig geht das mit Lebensmittelspenden, langfristig will man Jugendlichen eine gute Ausbildung ermöglichen. „Die Erfahrung zeigt, dass sie nach der Ausbildung zurückkommen und ihr Wissen mit den anderen Dorfbewohnern teilen, sodass alle davon profitieren“, erklärt der Erzbischof. Durch die Hilfe vor Ort wird so ganz konkret verhindert, dass die Menschen aus ihrem Land flüchten müssen.

Probleme gemeinsam lösen

Die Dschihadisten, betont Lompo, bekämpfen übrigens nicht alleine Christen, auch Muslime zählen zu ihren Opfern. „Deshalb brauchen wir den interreligiösen Dialog. Wir können die Dinge nur miteinander lösen und nicht gegeneinander“, sagt er. „Auf dem Land tun sich Christen und Muslime schon jetzt zusammen, um Entwicklung zu ermöglichen. Man steht dort zusammen.“ Für ihn ist das ein wichtiges Zeichen der Hoffnung, denn er weiß: „Wenn wir uns von der Angst regieren lassen, sind wir alle tot – dann ist es vorbei!“

Dankbar ist Lompo für die Hilfe, die er bereits jetzt von vielen Niederrheinern über die „Aktion pro Humanität“ aus Kevelaer erhalten hat: „Es tut uns gut zu wissen, dass Menschen aus Deutschland an unserer Seite sind, auch wenn sie nicht selbst vor Ort sind. Es ist gut, dass Menschen da sind, die uns in unserer Situation unterstützen.“ Und er hofft, dass er nicht mit leeren Händen in seine Heimat zurückkehren muss. Besonders dramatisch ist die Lage für etwa 50 schwer unterernährte Kinder. Für sie hatte Pater Macalli ein Projekt ins Leben gerufen – jedoch wurde er von Dschihadisten entführt und gilt als verschollen. Die Kinder brauchen dringend spezielle Nahrung – die kostet für drei Monate 200 Euro pro Kind und bietet dem Kind gute Chancen, am Leben zu bleiben.

Hilfe brauchen auch 700 von Hunger bedrohte Familien. Lompo rechnet vor: „Eine Familie mit sieben Personen benötigt im Monat zwei Säcke Hirse, die zusammen rund 80 Euro kosten. Drei Monate müssen noch überbrückt werden, das kostet also rund 240 Euro pro Familie.“ Auf eine Person herunter gerechnet bedeutet das, dass rund 40 Cent pro Tag deren Überleben sichern.

Auf nachhaltige Hilfe ausgelegt ist der Bau einer zweiten Klasse der Grundschule in Torodi. Dort werden christliche und muslimische Kinder gemeinsam unterrichtet. Die erste Klasse wurde im vergangenen Jahr aus einem Teil der Spenden zur Bischofsweihe von Weihbischof Rolf Lohmann errichtet. Für die zweite Klasse fehlen zeitnah noch 7.500 Euro.

Aktion pro Humanität

Wer Erzbischof Lompo unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende an die „Aktion pro Humanität“ in Kevelaer tun. Das Geld, versichern Lompo und die Vorsitzende Elke Kleuren-Schryvers, wird auf einem Konto außerhalb des Niger sicher verwahrt und kommt direkt bei den Menschen an, die die Hilfe benötigen. Wer für einen bestimmten Zweck, also zum Beispiel die unterernährten Kinder oder Hirsesäcke, spenden möchte, kann dies bei der Überweisung im Verwendungszweck angeben.

Kontakt- und Spendenmöglichkeiten sind zu finden auf www.pro-humanitaet.de. Schon jetzt dankt Kleuren-Schryvers der Stiftung der Familie Seibt von der Grav-Insel in Wesel, der Familie Janssen und weiteren Menschen aus Sonsbeck sowie einer Familie aus Kleve, die alle den Bau von Brunnen ermöglicht haben.

Wo schon ein halber Sack Hirse helfen kann

Ein paar Tage war Laurent Lompo, Erzbischof aus dem Niger, nun wieder am Niederrhein. Und täglich erreichten ihn Anrufe aus seinem Heimatland – Menschen, die die bange Frage stellten, ob es Hoffnung geben kann für sie. Sieben Millionen Menschen im Niger hungern in diesem Moment, in diesen Tagen und Wochen, drei Millionen davon sind Kinder. Und nicht nur im Niger ist das so, auch in vier weiteren westafrikanischen Ländern. Der Grund einmal wieder: Es fällt kein Regen. Seit Wochen ist es heiß und trocken, die Kinder suchen Blätter und Gräser, um die spärlichen Reste zu kochen – und um damit überhaupt irgendetwas in den Magen zu bekommen.
Die Welternährungsorgansiation (FAO), UNICEF, PAM und viele große internationale Organisationen berichten, dass in der Sahelzone die schlimmste Hungerkrise seit Jahren herrscht. In Mali, Burkina Faso, dem Niger, Mauretanien, dem Senegal und Tschad haben bereits jetzt Millionen Menschen nichts mehr zu essen. Eine solche Krise habe es seit 2012 nicht mehr gegeben in der Region. Die Rate akut mangelernährter Kinder in den sechs Ländern sei seither um 50 Prozent gestiegen.

Erzbischof Lompo sagt „Danke“
Diese Situation wird sich in den nächsten drei Monaten – bis zur nächsten Ernte – noch deutlich verschlimmern. Aus den Spendenmitteln des Niederrheins vom Beginn des Jahres wurden Nahrungsmittel eingekauft und eingelagert, um sie jetzt – in den schlimmsten Monaten des Hungers – an die Menschen in der ländlichen Region Makalondi im Niger zu verteilen. Das ist die Region, in der die Stiftung Aktion pro Humanität (APH) mit ihren Partnern seit 2005 gemeinsam mit Erzbischof Laurent Lompo inzwischen 41 Brunnen-Projekte realisieren konnte.
Und auch jetzt ruft die APH wieder auf, den Menschen im Niger zu helfen. Ein Sack Hirse, mit dem eine 8-10 köpfige Familie einen Monat überleben kann (mit jeweils einer Portion Hirsebrei am Mittag und einer kleinen Portion am Abend) kostet 50 Euro. Die Mitarbeiter des Erzbischofs können wegen der langen Menschenschlangen und der vielen bittenden Menschen derzeit nur jeweils halbe Säcke an die Familien ausgeben. Wieder einmal hat die Familie Seibt auf der Grav-Insel in Wesel-Flüren, ihre Stiftung und der Verein „Wir helfen Kindern weltweit“ sofort Hilfe zugesagt und noch einmal 50.000 Euro zur Nahrungsmittelhilfe für den Niger bereitgestellt.
„Ich sage Danke im Namen aller Menschen im Niger für diese großzügige und schnelle Hilfe“, so Erzbischof Lompo bei seinem Besuch auf der Grav-Insel vor wenigen Tagen. „Ich kann meinen Landsleuten nun Hoffnung schenken. Tausend Dank.“
Die Lage im Niger ist drama­tisch. „Die Menschen sind aktuell schon sehr schwach, müssen aber jetzt in diesen Wochen Feldarbeiten bewältigen für die nächste Ernte im Oktober“, so die Medizinerin und APH-Vorstandsvorsitzende Dr. Elke Kleuren-Schryvers. Aber auf Ernte hoffen kann man nur, wenn es regnen wird…
„Die Kinder sind natürlich die schwächsten Glieder in der Kette. Die Ernährungszentren müssen immer mehr schwerst unterernährte Kinder mit entsprechenden Milchprodukten und medizinischer Behandlungserfordernis aufnehmen“, so Kleuren-Schryvers. Und wir in Europa, in Deutschland, diskutieren gerade immer noch, wie wir mit den Menschen umgehen, die solch wiederkehrende Szenarien von Hunger, Angst und Perspektivlosigkeit nicht mehr länger aushalten können und fliehen. „Die, die in ihrem Heimatland bleiben, schlafen abends vor Hunger nicht ein. Mütter wissen nicht, was sie mit ihren weinenden Kindern, die essen wollen, tun sollen….“.
Unter der Überschrift „Ein Sack Hirse für den Niger“ ruft die APH nun zu Spenden auf. Wer helfen möchte und kann – kann das APH Spendenkonto nutzen.
Spendenkonto Stiftung Aktion pro Humanität: Volksbank an der Niers, IBAN DE39 320 613 84 4330 1300 11; Sparkasse Kleve              IBAN DE98 324 500 00 0005 0276 51, Stichwort „Hirse für den Niger“.
Infos: www.pro-humanitaet.de.