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Im Glanz des Barock

Im Glanz des Barock präsentieren sich niederländische und deutsche Fayencen ab dem 1. März im Niederrheinischen Museum Kevelaer. Vielfältig bemalt und kunstvoll gestaltet dienten sie im 17. und 18. Jahrhundert der Repräsentation. Als Zierrat füllten unter anderem Vasen und Teller die Wände und Borden sowohl des Adels als auch des wohlhabenden Bürgertums und bereicherten so manches Kunstkabinett. Das blau-weiße zinnglasierte Steingut zeigt vorrangig asiatische Motive, die von importierten fernöstlichen Porzellanen übernommen wurden.

So war auch die Ostindienkompanie ursprünglich am Transport des in Europa populär gewordenen Guts beteiligt. Als die Lieferungen aus Fernost durch Unruhen unterbrochen wurden, versuchten niederländische Fayencebäcker dies durch Eigenproduktion auszugleichen.

Insbesondere in Delft entstanden zahlreiche Manufakturen, die später auch deutsche Produktionsstätten wie zum Beispiel in Frankfurt am Main beeinflussten. Doch nicht jedes zinnglasierte Stück kann heute einer Manufaktur oder gar einem Künstler zugeordnet werden, da derartige Quellen zu den einzelnen Objekten oft nicht überliefert sind.

Die ausgestellten Exponate sind durch die Eheleute Wolfgang und Marie-Luise Posten liebevoll gesammelt und ausgewählt worden. In ihrem Umfang zeigen die hochwertigen und besonderen Ausstellungsstücke die Entwicklungen der Motivik und die Einflüsse aus dem asiatischen Raum in ihrer barocken Zeit.

Die einzelnen Fayencen schaffen es, den Betrachter in eine opulente Zeit zurück zu versetzen und die damalige Bedeutung dieses nachgefragten Steinguts aufzuzeigen. Eine Handarbeit, die es heute nur noch selten zu bestaunen gibt. Ein umfangreiches Programm begleitet die Ausstellung und ein Katalog erscheint zur Ausstellungseröffnung.

Junge Streicher sorgten für besinnliche Atmosphäre

Rund 200 Zuhörer hatten sich im Museum in Kevelaer eingefunden, um dem Weihnachtskonzert der 39 Jungen Streicher Kevelaer zu lauschen. Unter Leitung von Maren und Thomas Brezinka zeigten die drei Orchesterformationen ihr musikalisches Können.

Nach den fünf Streichmäusen, die viele, aber kurze Stücke präsentierten, ließ die Cappella Piccola einige Orchesterbearbeitungen von Liedern hören, die vom Seemannslied „My Bonnie“ bis zum Spiritual „Swing Low“ reichten. Das Jugendstreichorchester schließlich wagte sich an Georg Friedrich Händels Wassermusik (3. Suite) und an eine Orchesterbearbeitung des Klavierstücks von Felix Mendelssohn-Bartholdy „Lied ohne Worte“.

Auch vier Ehemalige bereicherten das Jugendstreichorchester. Die jungen Musiker erhielten viel Beifall und revanchierten sich ihrerseits mit Zugaben. Am Ende konnten die Gäste auch alle drei Orchesterformationen bei gemeinsam vorgetragenen Weihnachtsliedern erleben. Konzertmeisterin Amelie Papke dankte Maren und Thomas Brezinka am Ende im Namen der Schüler und Eltern für ihre Arbeit und für ein „schönes Jahr voller Highlights und toller Momente“.

Eine Riesenfreude

Thomas Brezinka schilderte seinerseits die Orchesterarbeit als „Riesenfreude und das Schönste, was man sich überhaupt vorstellen” könne. Er verwies schon vorab auf das Konzert am 15. März 2020 und auf die Fortsetzung eines im Februar zum ersten Mal aufgeführten Ehemaligenkonzertes in wenigen Jahren.

Unter den Zuhörern waren auch viele Kinder im Kindergartenalter, die auf eigenen kleinen Stühlen in der ersten Reihe den Blick auf die jungen Streicher frei hatten und ruhig und diszipliniert das Konzert verfolgten. Unter den jungen Zuhörern war auch Nura. Die Vierjährige aus Geldern hat seit zwei Monaten selbst schon Geigenunterricht. Durch ihre große Schwester Sophia, die schon jahrelang in Krefeld und seit Kurzem in Kevelaer im Orchester Geige spielt, ist sie in ihrem jungen Alter schon richtig konzerterfahren und hofft, auch selber einmal als junge Orchestergeigerin vor Publikum spielen zu können.

Auf den Spuren von Busch, Hoffmann und Heine durch das Museum

Nicht nur etwa 50.000 verschiedene Spielzeugschätze von Juliane Metzger (1906-1992) beherbergt das Niederrheinische Museum Kevelaer in seiner Dauerausstellung. Das Museum besitzt auch rund 10.000 verschiedene Kinder- und Jugendbücher der privaten Sammlerin und Schriftstellerin, von denen immerhin ein guter Teil in der Sonderaussstellung aktuell zu sehen ist.

„Juliane Metzger hat einfach gesammelt, was ihr gefiel und was sie gut bekommen konnte, ohne Wert auf Vollständigkeit oder auf Raritäten zu legen“, so Museumspädagogin Indra Peters, die zum ersten Mal eine Gruppe auf einer neueingeführten Themenführung durch das Museum leitete.

Unter den vielen Klassikern und Märchen hob sie besonders die Werke dreier großer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts hervor: Wilhelm Busch, Heinrich Hoffmann und Heinrich Heine. Die Teilnehmer staunten, dass „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch etwa am Anfang vom Verleger abgelehnt wurde, weil dieser dachte, die Erzählung käme nicht gut an. Über einen anderen Verleger aber gelangten die lustigen Streiche der beiden Lausbuben in den Druck und wurden nach kurzer Zeit zu einem Riesenerfolg. Auch in zahlreiche andere Sprachen wurde diese berühmteste Erzählung von Wilhelm Busch übersetzt.

Ein persönliches Weihnachtsgeschenk

Eine verrückte Entstehungsgeschichte hat auch der Klassiker „Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann. Dieser suchte 1844 in Frankfurt nach einem passenden Bilderbuch als Weihnachtsgeschenk für seinen dreijährigen Sohn. Als er nichts Geeignetes fand, kaufte er einfach ein leeres Schreibheft und beschloss, selber ein Buch für seinen Sohn zu schreiben und zu malen. Dieses persönliche Weihnachtsgeschenk begeisterte nicht nur den Beglückten, sondern auch zahlreiche andere Erwachsene, die Heinrich Hoffmann, der eigentlich Arzt war, drängten, dieses Kinderbuch zu veröffentlichen.

Indra Peters führte durch die Ausstellung. Foto: DdB

„Der Struwwelpeter ist die wohl erste Bildergeschichte, die für Kinder gemacht wurde. Davor waren die Kinder wie Erwachsene behandelt worden, nun durften Kinder selber einfach Kinder sein“, wusste Indra Peters.

Anschließend ging es auf den Spuren dieser beiden berühmten Kinderbücher durch das Museum, wo eine Meerschaumpfeife aus dem 19. Jahrhundert, wie sie auch Meister Lämpel hatte, bestaunt, oder der Struwwelpeter zumindest in Buchform in den historischen Friseurladen gesteckt wurde. In einem historischen Schlafmobiliar wurde die Geschichte mit Onkel Fritz und den Maikäfern, die ihm Max und Moritz unter die Decke steckten, lebendig. „Ich hatte einmal einen im Schlafzimmer. Er war so laut, dass es klang, als würde ein Motorrad durch die Luft fahren. Da kann man schnell Panik bekommen“, fügte Indra Peters aus eigener Erfahrung an.

Anklänge an große Meister der Kunst

Nebenan gab es alte Utensilien der Backstube zu bestaunen, u.a. auch einen großen Löffel, mit dem die Witwe Bolte den Hund Spitz aus der Küche jagte. Die Führung endete mit dem Bilderzyklus von Martin Lersch über Heinrich Heines „Wallfahrt nach Kevlaar“. Dieses 1822 zum ersten Mal als Frühwerk Heines veröffentlichte Gedicht wurde 2009/2010 durch den Gocher Künstler Lersch wunderbar ausgearbeitet und die Teilnehmer konnten anhand des wechselnden Kunststils viele Anklänge an große Meister der Kunst entdecken. Angesichts des Todes des Protagonisten, das die Mutter zu dem Ausspruch „Gelobt seist Du, Marie“ verleitete, musste offen bleiben, ob der Nichtkatholik Heine einfach über katholische Frömmigkeit spottete oder aber den durch nichts aus dem Lot kommenden Glauben der einfachen Mutter bewunderte.

Die Teilnehmer, darunter auch ein Kinderbuchsammler seit 30 Jahren, brachten auf jeden Fall ihre Ideen und Argumente ein, sodass jeder am Ende bereichert nach Hause gehen konnte.

Selbstgebastelte Adventskalender

13 Kinder haben sich am vergangenen Samstag in der Museumsschule in Kevelaer eifrig ans Werk gemacht, um in einem Workshop den eigenen Adventskalender zu gestalten. 24 Türchen wurden in geduldiger Handarbeit mit bunten Bildern oder Collagen bedacht.

Bereits zum dritten Mal hatte Museumspädagogin Indra Peters zu diesem Adventskalenderworkshop eingeladen. „Etwas Selbstgemachtes ist einfach das schönste Geschenk“, so ihre Überzeugung. Am Ende bestaunte sie selber die Ideen, Kreativität und Geduld der Kinder, die nun mit ihrer Handarbeit Mama, Papa, Oma oder sich selber an jedem Tag der Adventszeit eine kleine Freude machen können.    

SPD im Museum

Die Mitglieder des SPD-Ortsvereins Kevelaer trafen sich mit Freunden zu einer Museumsführung im Niederrheinischen Museum Kevelaer. Die 15 köpfige Besuchergruppe wurde unter fachkundiger Leitung durch die unterschiedlichen Etagen des Hauses geführt.

Angefangen in einer alten Schulklasse ging es vorbei an alten Spielzeugen, Schaukästen mit Miniaturwelten und Geräten der Filmvorführung. Mit originalen Exponaten ausgestellt wurden unter anderem alte Handwerke wie Seiler, Glasmaler, Bildhauer  oder auch Schmied und Tischler.

Vorbei führte der Weg auch an Bildern und Materialien der Landwirtschaft, alten Betten und Öfen sowie Räumlichkeiten bäuerlichen und bürgerlichen Lebens vergangener Jahre. Jetzt wissen wir auch, was „auf die hohe Kante legen“ und „was an den Füssen haben“ bedeutet. Besonders interessant waren auch die Handwerke des Körpers.

Halloween, Bücher, Sütterlin und Sahne

„Nachts im Museum“ darf die Taschenlampe nicht fehlen. Foto: Museum

An Halloween darf sich auch im Niederrheinischen Museum ein bisschen gegruselt werden. Daher startet am Donnerstag, 31. Oktober, um 17 Uhr, wieder die beliebte Kinder- und Familienführung „Nachts im Museum“.

Dieses Mal werden die Kinder- und Jugendbücher in der aktuellen Sonderausstellung „Unendliche Geschichten – Die Buchsammlung Juliane Metzger“ erkundet. In der Dunkelheit erscheinen die Räumlichkeiten jedoch ganz anders als am Tag und man kann nie sicher sein, ob sich in der Ausstellung nicht noch etwas ganz anderes verbirgt. Also Taschenlampe mitbringen!

Anmeldungen bitte bis drei Tage vorher an der Museumskasse, unter Tel. 0 28 32 / 95 41 20 oder per Mail an info@niederrheinisches-museum-kevelaer.de.
Der Eintritt beträgt für Kinder 3,50 Euro und für Erwachsene 5 Euro. Auch Kinder unter sechs Jahren in Begleitung sind herzlich willkommen. Wer mag, darf natürlich gerne im Kostüm kommen.

Erwachsenenworkshop

Inspiration ist diese Sonderausstellung auch für den Erwachsenenworkshop, der am Samstag, 9. November, von 10 bis 14 Uhr stattfinden wird. Hier werden Kalligraphie, Tuschezeichnen und Märchenerzählen in Schreibwerkstatt und Museumsschule miteinander verbunden, indem Märchenblätter in Sütterlin mit Tuschfeder und Pastell entworfen werden. Mitmachen können Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren für einen Beitrag von 15 Euro.

Wer die Literaturgeschichte der vergangenen 100 Jahre erleben möchte, hat dazu bei einer öffentlichen Führung am Samstag, 16. November, um 15 Uhr, die Gelegenheit. Eintritt und Führung betragen zusammen 5 Euro. Das Besondere an dieser Führung: Nur hier können Teilnehmer einen Blick in die Bücher werfen.

Am Donnerstag, 28. November, um 15 Uhr, gibt es in „Aber bitte mit Sahne!“ noch etwas dazu: Im Anschluss an die Führung zu „Unendliche Geschichten“ treffen sich die Teilnehmer bei Kaffee und Kuchen zu einem gemütlichen Austausch. Der Beitrag liegt hier bei 6,50 Euro.

Im Kinderworkshop am Samstag, 16. November, von 10 bis 12 Uhr, stimmen sich die Teilnehmer ab 6 Jahren auf die Vorweihnachtszeit ein. „Bald, bald, bald…“ heißt an diesem Tag, wenn die Kinder ihren eigenen Adventskalender gestalten. Mitmachen kostet 6 Euro.
Anmeldungen zu den Veranstaltungen (außer zur öffentlichen Führung) bis mindestens zwei Tage vorher an der Museumskasse, unter Tel. 0 28 32 / 95 41 20 oder per Mail an info@niederrheinisches-museum-kevelaer.de.

Mit der Taschenlampe durch die Ausstellung

Der Raum der Sonderausstellung rund um die Feuerwehr im Kevelaerer Museum war am Freitagspätnachmittag komplett abgedunkelt worden und einige Kinder wagten sich allein oder in Begleitung in die besondere Führung mit dem Titel „Nachts im Museum“. „Keine Angst, ich kenne hier jeden Winkel, es wird auch nicht gruselig, aber hoffentlich spannend“, versicherte Museumspädagogin Indra Peters beim Eintreten.

Dass Leute der freiwilligen Feuerwehr ganz normale Menschen mit den unterschiedlichsten Berufen sind, das erkundeten die Kinder an der großen Wand im Eingangsbereich mit Fotos, Alter, Name und Löschzug verschiedener Freiwilliger. Gemeinsam mit den Kindern klärte Indra Peters dann die Frage: Woher hat die Feuerwehr eigentlich ihr Geld? „Die holt es sich von der Bank“, meinte ein Mädchen.

Die Arbeit ist unentgeltlich

Aber die jungen Besucher lernten schnell, dass die Feuerwehrleute zwar für ihre Arbeit ausgestattet werden, aber sie keinen Lohn dafür bekommen. „Ihre Arbeit ist unentgeltlich und dient dazu, anderen zu helfen. Wie Spülmaschine für Mama ausräumen eben!“, meinte Indra Peters. Die Kinder erfuhren, dass es oft auch Jugend- oder sogar Kinderfeuerwehren gibt, dass es Feuer selbst schon „ewig lang“ gibt, doch die Feuerwehr selbst erst rund 150 Jahre.

Begleitet von Theo Winkels von der Freiwilligen Feuerwehr Twisteden als Experte ging es dann näher an ein Gerät zum Feuerlöschen, eine Handpumpe aus dem Jahr 1713. Über Ochsen wurde das schwere Gerät zum Brandherd gezogen und über Menschenketten, die volle Eimer weiterreichten, mit Wasser versorgt. „Über eine Wippe mussten dann vier Leute hier pumpen. Das war so anstrengend, dass viele schon nach kurzer Zeit wegen totaler Erschöpfung ausgetauscht werden mussten“, wusste Indra Peters.

Die Temperatur der Feuerwehrleute messen?

Alte Wassereimer aus Leder, teils auch mit Initialen der Besitzer, gab es im Taschenlampenlicht zu sehen. Jeder Haushalt musste einen solchen haben und bei einem Brand galt es, als Nachbarschaften gemeinsam im Kampf gegen das Feuer zusammenzustehen. Einen langen Eisenstab mit einem eingebauten Thermometer gab es zu erkunden. Auf die Frage, was die Feuerwehr wohl damit mache, kamen verschiedenste Erklärungen der Kinder. „Damit misst man, ob das Feuer Fieber hat? Oder man misst die Temperatur der Feuerwehrleute?“ Theo Winkels gab nach einigem Rätselraten die Lösung: „Mit dieser Heusonde kann man die Temperatur von Heu in den Ställen messen. Heu kann sich nämlich bei großer Hitze selbst entzünden. Die Feuerwehr trifft mit dieser Heusonde auch Vorsorge bei Bauern“, erfuhren die Teilnehmer.

Dass es früher keine Alarmsirene gab, sondern einfach eine Glocke geläutet oder ein Horn geblasen wurde, kam zur Sprache und es wurden alte Uniformen und Pickelhelme angeleuchtet, die nicht nur „cool“ aussahen und die Träger größer machen, sondern den Aufprall von einstürzenden Mauerstücken mildern, indem diese an der Spitze zerschellen. Lustig fanden es die Kinder, dass es früher auch Helme mit Berieselungsanlage gab. „So ein Feuerwehrmann war dann wie ein lebendiger Springbrunnen und wurde durch das Wasser aus dem Helm umgeben, geschützt und gekühlt! Toll, nicht?!“, fand auch die Museumspädagogin.

Immer wieder Alarm

Richtig spannend wurde die Führung durch Matthias und Hermann-Josef Kaenders, die wie Theo Winkels bei der Freiwilligen Feuerwehr in Twisteden sind. Immer wieder gab es Alarm, mal gab es einen gespielten Einsatz wegen eines angebrannten Schweinebratens mit gebildeter Rettungsgasse aller Teilnehmer im Museum und der Vorführung einer alten Kübelspritze, dann war da noch eine Absperrung wegen eines verunglückten LKW mit ausgetretenen Chemikalien, die aber gerade noch rechtzeitig entfernt worden waren.  Matthias Kaenders, der auch lange beim Spielmannszug war, machte auch einen Trommelwirbel und berichtete über die Zusammenhänge zwischen Spielmannszügen und Feuerwehren.

Am Ende gab es für die drei Freiwilligen einen großen Applaus, denn, so Indra Peters: „Ein Dankeschön ist oft viel wert, egal, ob bei der Feuerwehr oder beim Spülmaschineausräumen.“ 44 Jahre schon ist Hermann-Josef Kaenders bei der Feuerwehr, sein Sohn trat früh in seine Fußstapfen und ist seit 25 Jahren dabei und aktuell Löschzugführer in Twisteden und ist nun einer der Nachfolger von Theo Winkels, der den Teilnehmern viel Wissen aus seiner Praxis und aus der Geschichte der Feuerwehr vermittelte.

„Es war spannend und lehrreich. Besonders schön war, dass auch die Kleinen von Anfang bis Ende mitmachen konnten“, meinte die 14-jährige Christin aus Wachtendonk, die mit ihren Cousinen aus Kevelaer an der Spezialführung durch die Sonderausstellung gerne teilnahm. Am 31. August 2019 gibt es eine zweite Kinder- und Familienführung durch die Sonderausstellung und zwar wieder „nachts im Museum“.

Faszination Feuerwehr

Zum Einstieg in die Führung setzen sich Museumspädagogin Indra Peters und der Twistedener Feuerwehrmann Matthias Kaenders erstmal mit den sechs Teilnehmern – die Gocher Daniel und Josie Neumann mit ihren beiden Kindern und den Großeltern – auf den Boden des Ausstellungsraums.
„Was meinst du, warum das freiwillig heißt“, fragte Peters den vierjährigen Jonas. „Muss man da was sagen? Was brauchst du dafür, um was zu tun?“ „Nix“, antwortete der Junge. Damit traf er den Nerv des Twistedener Feuerwehrmannes Matthias Kaenders. Was zähle, sei eben „ der Dank der Menschen, denen man hilft.“
Spannend wurde die Führung durch die Tatsache, dass mit Daniel Neumann selbst ein ausgebildeter Feuerwehrmann gekommen war. „Ich find die Geschichte interessant und die Kinder sind sehr interessiert an allem, was damit zu tun hat“, meinte der Familienvater.
So entwickelte sich eine durchaus interessante „Exklusivführung“, bei der dann nochmal ganz eigene Aspekte des Themas zur Sprache kamen. „Es ist überschaubar, aber bei den vielen Ereignissen vor den Ferien“ sei es wohl kein Wunder, ordnete Museumsleiterin Veronika Hebben die geringe Teilnahme an dem Angebot realistisch ein.
So klärte Kaenders darüber auf, welche Voraussetzungen man für den Job erfüllen muss – von den medizinischen Untersuchungen wie Röntgen oder EKG bis zum Aufnahmegespräch mit dem Wehrleiter „auch über die politische Gesinnung“, ob man der Feuerwehr zugewandt ist und den „300 bis 400 Stunden Grundausbildung“ und den folgenden Lehrgängen.
Die beiden Kollegen diskutierten auch über solche Fragen wie die Freistellung vom Job. „Man sollte damit nicht direkt ,ins Haus‘ fallen, aber die meisten Arbeitgeber stellen einen frei, da es im Kreis Kleve nur Freiwillige Feuerwehren gibt“, stellte Kaenders klar.
Entlang der einzelnen Stationen wurde die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehren von der Erstgründung in Karlsruhe um 1850 nach einem Theaterbrand bis zur Entwicklung im Kreis und in Kevelaer ab 1881 nochmal nachvollzogen. „In Winnekendonk gab es eine Feuerwehr ab 1902. Wir in Twisteden sind 1904 nachgezogen.“
An der Winnekendonker Pumpe wurde nochmal erklärt, dass das Befüllen nur mit Hilfe einer Menschenkette möglich war, es zu Anfang noch Handsprüher gab und heute die meisten Opfer „nicht durch das Feuer, sondern durch den Rauch“ sterben, wie Kaenders erläuterte.
Nachwuchsprobleme bei der Freiwilligen Feuerwehr würden durch die Jugendfeuerwehren im Kreis aufgefangen. „Ich habe auch sehr viele Quereinsteiger da.“ Als die kleine Gruppe an der historischen Hakenleiter vorbeiging, erklärte Kaenders: „Die Feuerwehr in Paris arbeitet in den engen Straßen noch damit, setzt die an die Fenstersimse an.“ Die alten Handfunkgeräte riefen bei Daniel Neumann persönliche Erinnerungen hervor. „Mit denen habe ich noch gearbeitet“. Für allgemeine Faszination sorgten die Rauchhelme von 1925 mit eigener Sprinkleranlage in der Vitrine – und die spannende Erklärung, warum es Pickelhauben-Helme gab. „Wenn die Decke von oben herunterkam, diente er als Schutz, spaltete das Holz“, erläuterte Indra Peters. „Solche Helme gab es bei der Berliner Feuerwehr noch bis in die 90er Jahre“, ergänzte Kaenders.
Am Ende durfte sich die Familie für die Wand der Feuerwehrleute fotografieren lassen, Papa Neumann seinen „Walk of flame“-Aufkleber für den Museumsbogen unterschreiben. Und als Belohnung für ihre Geduld erhielten die beiden Kids noch kleine Leckereien und Spielpräsente.

Sie retten, löschen, bergen und schützen

Wenn Veronika Hebben über die Ausgangsidee für die neue Ausstellung „Von Menschen und stillen Helden“ spricht, schwingt bei ihr deutlich der Respekt für die Personengruppe mit, um die es geht.
„Nicht nur die Objekte, sondern den Menschen wollten wir in die Ausstellung mit reinbringen“, beschrieb die Leiterin des Niederrheinischen Museums für Volkskunde den Ansatz der Ausstellung, bei der es bis zum 8. September um die Freiwillige Feuerwehr am Niederrhein geht.
„Ohne anderen Ehrenamtlern auf die Füße zu treten: Das ist ein Ehrenamt, das man nicht mit anderen Ehrenämtern vergleichen kann“, meinte Hebben. „Wenn Menschen neben ihrem Beruf 24 Stunden, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr bereit sind, für Menschen einzustehen, wenn sie Hilfe brauchen“, dann sei das schon etwas Besonderes.
Dementsprechend waren die Brandbekämpfer natürlich im Vorfeld in den Vobereitungsprozess – mit der Beschaffung der diversen Exponate, Papiere und Utensilien – eingebunden und sorgten mit ihrer großen Unterstützung bei den Machern für Kopfzerbrechen.
„Wir können nicht alle Feuerwehren am Niederrhein darstellen. Wir wären davon erschlagen worden“, erläuterte Hebben, warum man sich dann dazu entschieden hat, schwerpunktmäßig Leihgaben der Feuerwehren aus dem Kreisgebiet in der Ausstellung zu zeigen.
Und die Feuerwehrleute können sich quasi „interaktiv“ an der Ausstellung beteiligen. An einer „Wand der stillen Helden“ können sich sich mit einer Polaroid-Kamera fotografieren, dazu ihren Namen und ihre Feuerwehrzugehörigkeit notieren und das Bild aufhängen.
Außerdem gibt es in der Durchgangspassage des Museums einen „Walk of flame“, wo Feuerwehrleute sich auf einem speziellen Aufkleber mit Feuerwehremblem verewigen können. Dazu kommt noch ein Haspel, an dem Kinder Feuerwehr spielen und somit die Arbeit der Helfer praktisch nachvollziehen können.
In der Ausstellung selbst fnden sich viele Exponate, die das Alltagsleben, die Arbeit und die Historie der Freiwilligen Feuerwehr widerspiegeln. In den Vitrinen befinden sich alte Feuerwehr-Dienstvorschriften und Pässe, Presseberichte, Rauchhelme aus den 20er Jahren oder alte Sauerstoffgeräte.
Vergleiche zu Werksfeuerwehren wie Solvay oder Thyssen werden an den Wänden ersichtlich gemacht. Historische Brandglocken belegen, wie früher die Alarmierung der Menschen stattgefunden hat.
Alte Wassereimer und noch durch Handarbeit zu betätigende Wasserpumpen zeigen, wie mühselig in früheren Zeiten das Geschäft mit der Löschung von Bränden war – ausgelegte Stahlrohre belegen den Wandel zur Moderne.
In der Museumspassage findet sich ein altehrwürdiger Feuerwehrwagen. Objekte wie der Spreizer, das Beil oder Hitzeschutzmäntel zeigen, wie die Arbeit der Retter konkret vonstatten geht. Dazu kommen noch Verweise auf den kulturellen Rahmen des Feuerwehrwesens mit den Spielmannszügen. „Das ist wichtig, weil es ein Stück der Brauchtumspflege ist“, so Hebben.

Heinrich Lersch – der Mönchengladbacher Arbeiterdichter

Der Vorsitzende des Fördervereins des Niederrhein-Museums, Peter Hohl, begrüßte den Referenten Martin Lersch und dazu genau 15 interessierte ZuhörerInnen, die es am Schluss nicht bereut hatten, dem Enkel des Mönchengladbacher Künstlers, Schriftstellers und Autodidakten Heinrich Lersch zugehört zu haben.

Ein Werk Martin Lerschs hängt in der Museumskneipe. Foto: WiScho


Hohl legte Wert auf die Tatsache, dass „wir nicht nur ein Kevelaerer Museum sind, sondern uns Niederrhein-Museum nennen und daher auch die Verpflichtung haben, niederrheinische Künstler außerhalb Kevelaers zu Wort kommen zu lassen.“ Dazu wies Hohl noch auf drei Gemälde von Martin Lersch an einer Wand der Museumskneipe hin; sie zeigen Kevelaerer Gebäude und Motive von der Entstehungsgeschichte der Wallfahrt (s. Foto).
Martin Lersch, Geburtsjahr 1954, Studium für Design in Krefeld und an der Gesamthochschule Essen, trug Zitate, Gedichte und Texte seines Großvaters mit verhaltener, relativ leiser Stimme vor, die ein konzentriertes Zuhören erforderte. Er begann mit einem plattdeutschen Gedicht aus dem Roman „Hammerschläge“. Auch die weiteren Zitate und Texte ließen immer wieder den rheinischen Ursprung der Sprache erkennen. Sie stammten hauptsächlich aus dem obigen Buch sowie einem Sammelband verschiedener Gedichte und Prosaerzählungen, zusammengestellt 1967, der auch Reiseberichte und die „Hammerschläge“ enthielt; nicht zu vergessen der zweiteilige Roman „Manni“, dessen 2. Teil den Titel „Kinder in der Fremde“ trägt. Interessanterweise, sagt Lersch, habe der erste Teil keine Überschrift.
In „Manni“ kommt autobiographisch deutlich das Lebensschicksal des Großvaters Lersch heraus, der als „Kind der Arbeit“ zeitlebens mit Armut zu kämpfen hatte, zusätzlich zu seiner Asthmakrankheit und einem Lungenleiden, das ihn zu Aufenthalten in der Schweiz (Davos) nötigte.
Seine Texte sind geprägt von Kriegserlebnissen und der Frage, vor allem nach dem 1. Weltkrieg „Was haben wir gelernt?“ nebst der Erkenntnis „Es hat ein jeder Toter des Bruders Angesicht“.
Im Hinblick darauf ist auch ein zweifelnder Gedanke an Gottes Walten zu spüren, wenn er Briefe mit Freunden tauscht und sein berühmtes Gedicht „Soldatenabschied“ verfasst, das ihm falsch ausgelegt wird. Gerade der Refrain dieses Gedichtes war für die Nazis ein gefundenes Propagandafressen: „Lass mich gehen Mutter! Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!“
Wenn Lersch auch als „Arbeiterdichter“ betrachtet wird, sagt er von sich: „Auch ein Arbeiterkind will nicht immer nur über Arbeit schreiben“.
Hein Lersch, wie man ihn nannte, wurde 1889 in Mönchengladbach geboren. In den gut 46 Jahren seines kurzen Lebens lernte er zunächst von seinem Vater das Handwerk des Kesselschmieds. Dann bildete er sich autodidaktisch weiter und arbeitete in verschiedenen Städten. Schon 1916 erhielt er den Kleist-Preis. Seine Reiseberichte beziehen sich auf Capri 1925, wo er insgesamt drei Jahre verbrachte, und Griechenland 1931.
Rheinischer Literaturpreis

Ab 1935 bis zu seinem Tod in 1936 (Remagen) war er eineinhalb Jahre Mitglied der NSDAP, unterzeichnete gar mit vielen anderen Schriftstellern ein „Treuegelöbnis für Adolf Hitler“, erhielt 1935 den Rheinischen Literaturpreis.
Heinrich Lersch sagte selbst, man habe ihn zum Umformulieren seiner Texte gezwungen und er habe schweren Herzens zugestimmt.
Der OB von Mönchengladbach, Pöschl, bat ihn eines Tages, eine Hymne auf seine Vaterstadt zu dichten, wie es viele Bürgermeister damals taten. Überschrift: „Loblied auf meine Vaterstadt“.
Lersch tut es und schreibt begleitend einen Brief an Herrn Pöschl: „Sie lesen von den Noten eines erschöpften Mannes“, und damit meinte er nicht nur seine fortgeschrittene Krankheit.
Nach zwei Zugaben, die – laut Martin Lersch – „das Publikum soeben aus ihm herausgeprügelt hat“ (Schmunzeln und Lachen im Rund), erkennt man an der Reaktion der Anwesenden (viele interessierte Fragen an den Referenten), dass sie einen unterhaltsamen Vortrag und Vortragenden in der Museumskneipe erlebt hatten.