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Eine große Geste für einen kleinen Jungen

Als Sebastian Müller mit seinen Teamkameraden in der Halbzeitpause in der Kabine saß und eins seiner Kinder auf dem Schoss hatte, hatte der jungen Familienvater eine Sekunde um zu reflektieren, was gerade passierte: „So viele Menschen, die helfen wollen. Das ist der Hammer.“ Zugunsten seines an Krebs erkrankten Sohnes trat der Kreisligist SV Union Kervenheim in einem Benefizspiel gegen den Landesligisten SV Hönnepel-Niedermörmter an.
Über 500 Zuschauer säumten die Et Everdonk-Platzanlage, spendeten, nahmen an der Verlosung teil und unterstrichen mit ihrer Anwesenheit die persönliche Verbundenheit mit dem Schicksal des dreijährigen Jungen. „Wir haben vor zwei Monaten erfahren, dass Fynn einen Gehirntumor hat“, erklärt der Präsident des Klubs, Rainer Kürvers, den Grund für die Veranstaltung. „Da kam aus dem Team selbst der Wunsch, was zu tun.“
Der sportliche Leiter des SV, Thomas van Wickeren, wandte sich daraufhin an den Landesligisten. „Unser Coach Georg Mewes hat sofort zugesagt“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des SV Hö-Nie, Christian Knippschild. „Das ist ein Schicksal, das keinen kalt lässt. Das kann jedem von uns passieren. Da kann ich mich als Patenonkel voll reindenken.“
Mewes selbst machte klar: „Ich hab‘s gehört, den Jungs gesagt und wir alle haben nicht lange überlegt. Wir wollen zeigen, dass es Wichtigeres gibt als Fußball.“ Und sein Mannschaftskapitän Stephan Schneider fügte an: „Das ist das Schlimmste, was einem passieren kann. Wir hoffen für den Jungen nur das Beste. Für uns ist das eine gute Sache, so ein Highlight damit zu liefern.“
Als der SV das Ganze dann über Facebook verbreitete, „ging das durch die Decke“, erzählte Rainer Kürvers. „Wir bekamen Zuspruch von Vereinen und Unternehmen.“ Man hoffe, dass was Erkleckliches dabei zustande komme.
Ganz praktisch packten der Vorsitzende Peter Schlossarek und seine alten Herren vom SV Viktoria Winnekendonk mit an: „Der Sebastian hat auch bei uns im Verein gespielt. Wir fühlen uns da natürlich solidarisch, und wenn es nur die Arbeit hier am Getränkestand ist.“
Neben Fußball sorgten Hüpfburg, Kinderschminken, Fotoshooting sowie kulinarische Köstlichkeiten für eine familiäre Atmosphäre. „So ein Schulterschluss war hier noch nie da. Wenn es um das Leben eines Kindes geht, dann mobilisieren alle“, meinte der Kervenheimer Ralf Koenen.
Für Udo und Renate Klusmeier war das Kommen keine Frage: „Wir haben selbst drei Kinder großgezogen, meine Schwester hatte behinderte Zwillinge, von denen eins gestorben ist. Bei sowas hier hätte ich selbst gerne gekickt“, erzählte Klusmeier, der vor Jahrzehnten zusammen mit Frank Mill bei Rot-Weiß Essen in der zweiten Liga gespielt hatte.
Sogar die „Night Riders“-Rockergruppe aus Kleve war gekommen, nachdem sie von dem Schicksal des Jungen erfahren hatten. „Wir wollen was Gutes tun für den kleinen Mann. Es gibt nichts Schlimmeres als diese Krankheit“, so Daniel, der Präses vom Chapter Kleve. Und der Betriebsrat der Gelderner Firma Fonteyne, wo Sebastian Müller arbeitet, übergab dem Vater einen Geldumschlag. „Da haben alle 136 Kollegen für zusammengelegt“, versicherte der Betriebsratsvorsitzende Roland Hamann.
So verwirklichte sich der Gedanke des Kervenheimer Ortsvorstehers Martin Brandts. Bei einem „außergewöhnlichen sportlichen und menschlichen Ereignis“, ginge es darum, „Fynn und seiner Familie Kraft und Mut zu schenken und zu zeigen: Ihr seid gerade in wirklich schwierigen Zeiten nicht allein.“ Sebastian Müllers Ehefrau Mandy zeigte sich überwältigt, dass so viele Menschen da seien. „Dass das so ein Ausmaß annimmt, damit hatte ich nicht gerechnet“, sagte die 27-Jährige. Ihr Junge bekomme die ganze Zeit Chemo. Der Tumor sei entfernt worden, aber es gebe aufgrund der Streuung noch Reste. Langsam fange ihr Sohn wieder an, sich zu bewegen und zu sprechen.
„Das hat uns alle aus der Bahn geworfen und das Leben komplett verändert“, erinnerte sich Oma Dagmar Müller an die Zeit seit dem 12. Mai, als Fynn ins Hospital kam. „Das hier ist eine große Hilfe“, blickte sie voraus auf die Zukunft, wenn Vater Sebastian wieder ins Berufsleben voll zurückkehren muss, der Junge aus dem Krankenhaus kommen sollte und zu Hause noch lange betreut werden muss.
Am Ende siegte der Landesligist standesgemäss mit 6:0. „Das ist im Rahmen“, fand Rainer Kürvers. Klar war aber auch, dass das Ergebnis überhaupt nicht wesentlich war. SV-Geschäftsführer Rainer Kaiser fasste zusammen, was alle dachten: „Die „Sieger heute sind Fynn und seine Eltern.“
Aufstellung und Torschützen
Union Kervenheim: Gunkel, Schiks, Schmitz, Piper, Baers, Müller, van de Loo , Horsten, Cleve, Machat, Wischnewski (eingewechselt: Jacobsen, Geurtz, Engler, Stickel, Tüffers)
SV Hö-Nie: Hauffe (46. Sheridan), Schütze, Weiß, Schneider, Boldt (46. Kimbakidila), Yildirim (46. Ntinas), Plum, Fritsch, Müller (46. Simsek), Hermsen (46. Can, 68. Zitzke), Kratzer (68. Hanysek).
Tore: 0:1 Weiß (14.) 0:2 Boldt (21.) 0:3 Kratzer (39.) 0:4 Hanysek (70.) 0:5 Ntinas (75.), 0:6 Kimbakidila (88.).

Schwester M. Clara starb im Alter von 92 Jahren

Die Kevelaerer kennen sie: Viele Jahre versah Schwester Clara ihren Dienst an der Pforte des Klarissenklosters am Klara-Platz,  still und fröhlich und oft mit einem veschmitzten Lächeln. Nun ist Schwester Clara tot. Am 60. Jahrestag ihrer Gelübde-Ablegung, wurde sie auf dem Klosterfriedhof beigesetzt.
Am 28. Oktober 1924 erblickte  Johanna Ulbricht in Duisburg-Hamborn das Licht der Welt. Mit ihren acht Geschwistern wuchs sie in einer christlichen Familie auf. Früh verlor sie ihren Vater. Doch durch die Liebe und Güte ihrer Mutter erfuhr sie die tiefe Geborgenheit, die ihr Leben prägte. So war es für Johanna selbstverständlich, den Beruf der Säuglingsschwester zu erlernen. Mit viel Liebe und Bereitschaft war sie für die Kinder da.
Umso mehr überraschte es, dass sie am 25. März 1952 in den Klarissenkonvent zu Kevelaer eintrat. In der Stille und Zurückgezogenheit des kontemplativen Lebens wollte sie vor Gott da sein, um so durch ihn für die Menschen da zu sein. Im Jubiläumsjahr der heiligen Klara von Assisi (1953) begann sie ihr Noviziat. Ihre neue Namenspatronin, Klara von Assisi, war für sie das Vorbild.
Am 9. April 1954 legte Schwester M. Clara ihre zeitlichen und am 12. April 1957 ihre Ewigen Gelübde ab.
Schwester M. Clara wurde sehr schnell mit der Pflege und Betreuung der alten Schwestern beauftragt. Nebenher versorgte sie den Speisesaal und übernahm andere kleinere Aufgaben. Durch ihre Offenheit und ihren Humor trug sie zum Aufbau der Gemeinschaft bei. Auch bei der Errichtung des ausgebombten Klosters half sie tatkräftig mit. Gern erfreute Schw. M Clara die Mitschwestern mit ihrem Akkordeonspiel. Ihre ganze Kraft setzte sie bei der 27 Jahre dauernden Pflege der halbseitig gelähmten Schwester M. Cäcilia ein.
Ihre Treue zum Gebet und das selbstverständliche Leben in der Gemeinschaft schenkten ihr die Kraft dazu. Gerne versah Schwester M. Clara in den letzten Jahren den Pfortendienst und häkelte mit Eifer Babysöckchen für neugeborene Kinder; auch die Babys in Benin und im Niger tragen diese Söckchen.
Die zunehmenden Gebrechen des Alters machten Schwester M. Clara in den letzten Monaten das Leben immer beschwerlicher. Bis ein paar Tage vor ihrem Tod nahm sie an der täglichen Eucharistiefeier und am Chorgebet der Gemeinschaft teil. Ihr stilles Leben strahlte aus. In dieser Zurückgezogenheit gab Schwester M. Clara plötzlich und still ihr Leben Gott zurück.

Dank der Spenden gibt's jetzt ein wenig Hoffnung

Es sind Nachrichten, die ein wenig Hoffnung machen. Und es ist ein bemerkenswertes Spendenergebenis, das die Aktion pro Humanität gemeinsam mit der Kevelaerer Pfarrgemeinde St. Marien mit vielen privaten Spendern auf die Beine stellen konnte. Knapp 40.000 Euro sind zusammengekommen. So konnte Father Firas, der Franziskanerpater in Ost-Aleppo, bereits aktiv werden.
Die Räumlichkeiten für die Arbeit mit traumatisierten Kindern wurden geschaffen, Heizmöglichkeiten angeschafft und vor allem: Es konnten Lebensmittel gekauft werden. Die ersten Fotos, die Dr. Elke Kleuren-Schryvers von der Aktion pro Humanität erreichten, zeigen fröhliche Kinder, trotz allen Elends, das sie umgibt.

Die Hoffnungsträgerin für Afrika erhielt eine hohe Auszeichnung

“Aufgeregt anders” beschrieb Elke Kleuren-Schryvers ihren Gemutszustand vor der Verleihung des außergewöhnlichen Preises. “Es sind so viele Freunde, Förderer und Mitstreiter da, die ich auch aus Afrika kenne”, war ihr beim Begrüßen und Umarmen so vieler vertrauter und liebgewonnener Gesichter nach dem Marienlob in der Kerzenkapelle und später im großen Saal des Priesterhauses die Freude anzusehen.
Schon unmittelbar nach dem Marienlob hatte eine Delegation aus Benin, wo die Stiftung tätig ist,  ihr noch im Vorraum der Kerzenkapelle einen Blumenstrauß überreicht. Überraschend war auch die Botschafterin Benins in Deutschland, Josseline da Silva Gbony, aus Berlin angereist. Sie dankte später in ihrer Rede für das außergewöhnliche Engagement von Kleuren-Schryvers im Benin und im Niger.
“Ich bin froh, dass Sie überhaupt gekommen sind”, verwies Wallfahrtsrektor Rolf Lohmann dann im großen Saal des Priesterhauses bei seinem Grußwort auf die Tatsache, dass Kleuren-Schryvers viele lobende Worte über sich nicht gern hört und einige öffentliche Ehrungen schon abgelehnt hat. “Einen Papstorden konnten Sie aber nicht ablehnen”, meinte er mit einem verbalen Augenzwinkern. Freundliche Worte über sich müsse sie einmal ertragen. Und es sei irgendwie dazu passend gewesen, dass er ihr die frohe Botschaft für den Silvesterorden am Silvestertag überbracht habe.
Lohmann streifte den Lebenslauf der bald 58-Jährigen, von ihrer Geburt in Kleve-Kellen und dem Abitur am dortigen Konrad Adenauer Gymnasium, dem Studium der Humanmedizin in Düsseldorf und Promotion bei dem Herzchirugen Prof. Körfer. “Immer war da der Wille, an den Niederrhein zurückzukehren und Landärztin zu werden”, sei ihr der intensive  Kontakt zu den Patientein und die umfassende hausärztliche Begleitung ein Leben lang wichtig gewesen.
Nach dem Studium eines Berichtes über den Benin als erstem demokratisiertem Land Westafrikas habe sie sich 1994 auf die erste Reise dorthin gemacht. Die Bedingungen dort hätten sie sofort veranlasst, etwas zu tun. “Da muss geholfen werden, das war klar”, beschrieb Lohmann den Impuls, der mit ihrem verstorbenen Mann Herbert damals zum Aufbau der Krankenstation und der Klinik in der Region Mono/Kouffo 1995 geführt hat.
Eine Hoffnungsträgerin für Afrika
Mittlerweile sei sie mehr als 70 mal in Afrika im Projekt in Gohomey eigenfinanziert unterwegs gewesen. Kleuren-Schryvers sei “Hoffnungsträgerin für viele Menschen in Afrika”. Sie sammele unermüdlich Geld für Projekte – für Menschen , die “unter einen Dollar pro Tag zu leben haben, Frauen, die sterben und Kindern, die drohen zu sterben, weil ihnen die Ernährung fehlt.” Dazu komme noch das AIDS-Problem. “Aus einer kleinen Krankenstation wurde ein großes Krankenhaus”, in dem 20.000 Menschen pro Jahr versorgt würden. “Das Unglaubliche wurde wahr”, erinnerte Lohmann an die dort im vergangenen Jahr eingerichtete OP-Station und der Kopie des Gnadenbildes, die jetzt auch die Afrikaner und Menschen andere Religionen ” als Bindeglied zwischen den Völkern” anziehe.
Kleuren-Schryvers habe im Nachbarland Niger mit dem Bau von 30 Brunnen 600.000 Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglicht. Sie habe mit dem Bischof der Diözese Niamey, Laurent Lompo, einen engagierten Partner. “20 Jahre nachhaltige Hilfe” wäre ohne diese “couragierte Helferin, die nicht müde wird”, nicht möglich gewesen.
Daneben übernehme sie in Pfarrgemeinde St. Marien vielfältige ehrenamtliche Aufgaben, habe mit Rupert Neudeck die Interreligiöse Friedenswallfahrt initiiert, das Projekt “spiritual care”, sich für Flüchtlinge und deren Rettung im Mittelmehr engagiert, habe das Lampedusa-Kreuz “als mahnendes Symbol der Barmherzigkeit” nach Kevelaer geholt und sei aktiv in der Syrienhilfe. “Danke für Deine Werke, Deine Persönlichkeit und dass Du hier bist, um ihm in Empfang zu nehmen.”
Der Weihbischof und bischöfliche Offiziat Wilfried Theising dankte ihr vor dem Anstecken des Ordens für ihr “großartiges Engagement”, richtete den Dank des Bischofs aus und verwies auf die große Bedeutung des Ordens als einziger Auszeichnung, die der Papst autark vergeben könne. Mit der Auszeichnung seien auch die Rechte verbunden, “sich eine Silvesteruniform schneidern zu lassen, ein Schwert schmieden zu lassen und mit dem Pferd die Treppen des Petersdoms hinaufzureiten”, sorgte er für Gelächter im Saal. Von dem Orden seien alle mit berührt, so dass sie den Orden ruhig öffentlich tragen solle, so seine Aufforderung.
Bürgermeister Dominik Pichler sprach danach von einer “bemerkenswerten Lebensleistung”, auf die Elke Kleuren-Schryvers zurückblicken könne. “Es erfüllt mich schon mit Stolz, eine Bürgerin hier zu wissen, die all diese Dinge getan hat”, machte er aber deutlich: “Sie sehen aber nicht so aus, als wären Sie schon fertig.”
Das Feuer der Nächstenliebe schüren
Diesen Impuls griff die Geehrte nach der Verleihung des Ordens und der in latenischer Sprache verfassten Urkunde dazu in ihrer dreiviertelstündigen Rede auf. “Jeder, der mich kennt, der weiß , dass Dame gar nicht geht”, sprach sie von einem “Gefühl großer Freude” , der “dynamischen, lebensfrohen Gemeinschaft, mit der alles gelingen kann” und dankte für die “nachhaltige Radikalität” der Unterstützung an dem Ursprungsort Kevelaer “für die Geplagten und Geschundeten unserer Zeit.”
Kleuren-Schryvers hielt ein flammendes , von großer Humanität geprägtes Plädoyer, in dem sie dazu aufrief,  die zurzeit sehr infektiöse “Schlafkrankheit der Seele” zu überwinden, in einer verwirrenden Zeit von Rechtspopulisten, Terror, Hunger und einem Amerika, wo man “einem unberechenbaren Mann im mittelalterlichen Sinne den Schlüssel” übergeben habe.
Diese “Krankheit” äußere sich in Gleichgültigkeit, Bequemlichkeit, Lethargie, der inneren Ehgozentrik und dem dem “ewigen Gefühl von egal” , zitierte sie die Preisträgerin des Frreidenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels von 2016, Carolin Emcke: “Mitgefühl ist das natürliche menschliche Gefühl, nicht die Gnadenlosigkeit.”
In Zeiten des Achtungsverlustes der Kirche mache sie in ihrer Arbeit eine “starke Erfahrung von Authentizität der Kirche” und viele positive Erfahrungen. “Wort und Werk müssen eine lebendige und ehrliche Symbiose sein. Wir Christen sollten uns das zur Aufgabe machen”, so ihr Plädoyer.
Wichtig seien Werte wie Mitgefühl, Respekt, Toleranz und Gerechtigkeit, verwies sie auf ihren “humanitären Ziehvater” Rupert Neudeck und dessen Gedanke der “humnitären Radikalität.” Es gehe “um Einigkeit gegen Spaltung, um Weite gegen Sturheit und Enge.” Kleuren-Schryvers verwies auf die Tatsache, dass es nicht gelinge, Fluchtkorridore zu schaffen, Menschen auf der Flucht auf dem Mittelmeer weiter stürben.
Man könne Menschen nicht übel nehmen, sich hierher auf den Weg zu machen, wenn “in der besten aller Welten ein Fünftel vier Fünftel aller Güter” verbrauchten. Das werde ihr über die Arbeit im Niger bewusst, wo chronischer Hunger herrsche und Hunderttausende nur einmal pro Tag zu essen haben.
“Zu lange hat die Erste Welt die Dritte Welt hängen lassen”, ohne zu sehen, dass man teilen müsse, benötige es einer Umkehr. “Es müssen sich Kapital- und Expertenströme in die Herkunftsländer dieser Menschen begeben.” Den Menschen müssse man dort eine Perspektive geben. Das bekämpfe auch den Terror, denn es werde deutlich, “dass wir nichts mehr in der Hand haben, egal wieviel Videokameras und Polizisen wir haben. So begegnen wir dem IS nicht.”
Man brauche ein “Weckmittel”, um sich aufzumachen – “nicht das Feuer der Zerstörung, sondern der Nächstenliebe”, so Kleuren-Schryvers. So ein Feuer könne alle Menschen mit Kraft versehen. “Wir können alle zu Brandstiftern Gottes im konstruktiven Sinne werden”, sprach sie von einem “Perspektivwechsel” unserer Gesellschaft – weg von Profit und Gewinnmaximierung hin zu einer anderen Form der Wirtschaft, “die sich nicht um die Opfer kümmert, die sie selbst produziert.”
Sie berichtete von einer Kreuzwegandacht im Niger vor einigen Jahren, in der mehr als 1.000 Menschen in die Kathedrale kamen und sich die Frauen in dem Bewusstsein auf den Boden warfen wie Maria den selben Weg des Verlustes ihres Kindes gegangen zu sein. “In diesem Erleben werde ich sehr klein.”
Jeder Einzelne müsse mehr tragen als bisher, ein mulmiges Gefühl reiche nicht mehr. “Seid vernünftig – verlangt das Unmögliche” zitierte sie den früheren französischen Philosophen Albert Camus und meinte mit Blick auf die afrikanischen Gäste. “Mission possible- on y va.”
 

Bescheiden und gerührt nahm Elke Kleuren-Schryvers Lob und Applaus der Anwesenden entgegen.


Nach dem Orden gab´s von Theisiung auch die Urkunde.


Die Botschafterin Benins bedankte sich ausdrücklich bei Kleuren-Schryvers für ihre Hilfe in Afrika.


Bürgermeister Dominik Pichler drückte seinen Stolz über die Lebensleistung von Elke Kleuren-Schryvers aus.


Der frühere Weibischof Theising hob die Verdienste von Kleure-Schryvers hervor.


Wallfahrtsrektor Rolf Lohmann lobte ausführlich die Verdienste der Geehrten.

Wen Gottes Wort berührt, der kann sprachlos werden

Unter großer Beteiligung der Gemeinde und von Kolleginnen und Kollegen aus dem Kirchenkreis begleitet, wurde Pfarrer Florian Hankwitz am Sonntag in der Jesus-Christus-Kirche in Kevelaer ordiniert. Die Ordination erfolgte durch Superintendent Pfarrer Hans-Joachim Wefers, der mit “bischöflichen Funktionen” den evangelischen Kirchenkreis Kleve leitet und Pfarrer in Xanten ist.
In der evangelischen Kirche bedeutet Ordination die Berufung, Segnung und Sendung zum Dienst der öffentlichen Wortverkündigung, Seelsorge und Sakramentsverwaltung. Sie erfolgt nach dem zweiten theologischem Examen, vor dem ein zweijähriges Vikariat abgelegt werden muss. Dabei erfolgt die Verpflichtung auf die Bibel und die jeweils geltenden Bekenntnisschriften. Der Ordination geht ein Gespräch mit der ordinierenden Superintendentin oder dem Superintendenten sowie die Teilnahme an einer Ordinationstagung mit dem Präses (Vorsitzender der Landeskirche) voran.
Nach der Barmer theologischen Erklärung „ist der Dienst der öffentlichen Wortverkündigung, Sakramentsverwaltung und Seelsorge gegründet in dem einen Dienst der ganzen Gemeinde, die Botschaft der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.“ Das aus der Ordination gegründete Rechte und die Pflichten gehen bei Austritt aus der evangelischen Kirche oder aufgrund einer Entscheidung der Kirchenleitung über die Beanstandung der Lehre einer oder eines Ordinierten verloren, die Ordinationsurkunde muss zurückgegeben werden (hier ist der Unterschied zur Priesterweihe – als Sakrament – deutlich).
In der Ordinationsansprache hob Superintendent Wefers hervor, dass für Hankwitz mit der Ordination ein Herzenswunsch in Erfüllung gehen würde. „Ein langer Ausbildungsweg mit inneren Selbstprüfungen, ob das Amt eines Pfarrers die richtige Aufgabe ist, mit einer langen und schweren Krankheit, die fast das Leben gekostet hätte und nach zwei anspruchsvollen theologischen Prüfungen und strengen Auswahlverfahren bei der Rheinischen Landeskirche haben Sie zu diesem Amt ja gesagt. Sie sind nun berufen, der Gemeinde aber auch der Gesellschaft, manchmal auch mit deutlicherem Nachdruck christliche Glaubensinhalte nahe zu bringen.“

Wefers machte Hankwitz Mut. „Gott gibt dazu seinen Segen und seine Kraft und wenn einem Menschen durch Ihren Dienst geholfen wird, dann ist das nicht einer Genialität des Herrn Hankwitz zu verdanken, der perfekt und fehlerlos sein muss, sondern der Kraft Gottes. Deshalb können wir in unserer Arbeit unverzagt sein, denn Gott spricht aus unserem Handeln. Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Worte, ihre Seelsorge und ihre Arbeit wie der Regen auf fruchtbaren Boden fallen und den christlichen Glauben zum Wachsen bringt.“

Bei der Ordination wurden Pfarrer Hankwitz von zahlreichen seiner Kollegen, von Presbytern und von seinem Vater Segensworte mit auf den Weg gegeben (u.a.: „Gottes Bund mit Dir wird niemals wanken“ oder „Mit Gott kannst Du über Mauern springen.“). Zuvor hatte er sich auf den Inhalt der Bibel und die Bekenntnisschriften der Evangelischen Kirche verpflichten lassen. Auf die Frage von Superintendent Wefers, ob er seinen Dienst in diesem Sinne verrichten wolle antwortete Hankwitz vor der Gemeinde laut: „Ja, sowahr mir Gott helfe.“

Sprachlos und den Tränen nahe

Dann ging Hankwitz zur Kanzel und es kam ein Moment im Gottesdienst, den alle Anwesenden tief rührte. Nach einem kurzen stillen Gebet wollte er mit der Predigt beginnen. Das Erleben seiner Ordination und die Worte Gottes, die ihm zugesprochen worden waren ergriffen ihn so stark, dass er einige Minuten kein Wort herausbekam und sichtlich mit sich und seinen Tränen rang. Alle erlebten: „Wen Gottes Wort berührt, der kann sprachlos werden.“ „Ein Mensch, der bereit ist die große Aufgabe des Pfarrers zu übernehmen, zwar hinter den Talar zurücktritt und das Amt in den Vordergrund stellt, aber trotzdem eben nur ein Mensch bleibt.“, „Ein Mensch, versieht nicht nur durch die Kraft Gottes seinen Dienst, sondern bedarf auch des Beistandes seiner Schwestern, Brüder und der Gemeinde.“, so der Tenor nach dem Gottesdienst.

Nach der Predigt, die unter anderem von der Liebe Gottes zu den Menschen, Gottes Nähe durch Christus zu den Menschen und Gottes Verheißung dass er uns trägt handelte, war ein lautes vernehmbares und zustimmendes „Amen“ („so ist es“) vieler Gottesdienstbesucher zu hören.

Pfarrerin Karin Dembeck begrüßte im Namen des Presbyteriums der Kirchengemeinde Kevelaer nach dem Gottesdienst noch viele Gäste bei einem Empfang. Nicht nur eine große Abordnung aus Leverkusen, wo Hankwitz sein Vikariat (2 Jahre, eine Art Anerkennungsjahr) durchgeführt hatte, sondern auch viele Kollegen aus dem Kirchenkreis Kleve und den benachbarten katholischen Pfarreien, Gemeindegruppen und ehemalige Studienkollegen aus Wuppertal  sprachen Grußworte und übergaben kleine Präsente. Ebenso war Marc Buchholz als Vertreter der Stadt Kevelaer anwesend.
Viele wünschten sich, dass das Pfarreramt Florian Hankwitz nicht zu sehr als Verwalter „verschlingen“ wird, sondern ihm viel Raum für Wortverkündigung und Seelsorge lässt. Denn so Beate Clasen, Ortsvorsteherin von Wetten: „Hier haben wir erleben dürfen, dass sich Himmel und Erde berühren und dieses Geschenk des Himmels sollte den Dienst so versehen können, das er weiter so viel Menschen im Herzen berührt wie heute.“

Am Sonntag wird Pfarrer Florian Hankwitz zur Anstellung in Kevelaer ordiniert

Umwege führten Florian Hankwitz in den Pfarrberuf. Am Sonntag, 19. Februar, wird der Pfarrer zur Anstellung in Kevelaer ordiniert. Statt des 11 Uhr-Gottesdienstes beginnt der Gottesdienst zur Ordination um 14:30 Uhr in der Jesus-Christus Kirche, Brunnenstraße 70. Diese ist zurzeit durch Bauarbeiten in der Lindenstraße/Egmontstraße ebenfalls nur über Umwege erreichbar. Am besten fahren auswärtige Gottesdienstbesucher neben der Haltebucht an der B9 zwischen Kevelaer und Weeze in die Weezer Straße, biegen rechts in die Nordstraße ab und fahren später links in den Drissenpaß zur Kirche.
Hankwitz hatte vor der Theologie zunächst andere Interessen. Er begann ein Jura-Studium, versuchte sich als Landschaftsgärtner, Journalistik war für ihn auch denkbar. „Bis mich der Pfarrberuf gefunden hatte.” Das Theologie-Studium führte den 37-jährigen nach Wuppertal, Göttingen und Bonn, sein Vikariat leistete er in Leverkusen und Köln. Bereits seit dem 1. Dezember ist Hankwitz in Kevelaer, die Zeit „zur Anstellung” beträgt offiziell zwei Jahre, von denen er zumindest das erste Jahr definitiv in Kevelaer verbringt.
„Die Menschen sind offen und neugierig auf mich zugegangen”, beschreibt Hankwitz die erste Zeit in Kevelaer. Der junge Seelsorger darf alle Amtshandlungen eines Gemeindepfarrers wahrnehmen. Er kann sich ausprobieren, ohne bereits die Gesamtverantwortung für die Gemeinde tragen zu müssen. Ab Sommer 2018 kann er sich dann auf ausgeschriebene Pfarrstellen in der rheinischen Kirche bewerben. Einen Schwerpunkt sieht Hankwitz in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Am 11. März steht nach einiger Zeit ein Kinderbibeltag auf dem Programm (ab 10 Uhr), am Sonntag, 19. März ein Jugendgottesdienst, mit, von und für Jugendliche (11 Uhr). Hankwitz schwebt ebenso ein Angebot für Männer um die 30 vor, vielleicht ein Vater-Kind Angebot. „Diese Ergänzung zu unserer hauptamtlichen Kinder- und Jugendarbeit will auch das Presbyterium”, meint Presbyteriumsvorsitzende Pfarrerin Karin Dembek.
Superintendent Pfarrer Hans-Joachim Wefers wird Hankwitz am Sonntag einführen, bei der Predigt schwankt Hankwitz allerdings noch zwischen zwei Bibeltexten. Vielen Wegbegleitern will er „Danke” sagen. „Ohne sie säße ich heute nicht hier”, Hankwitz wurde durch einen Hirntumor zu einer zweijährigen Auszeit gezwungen. „Die Erkrankung hat mich den Glauben nochmal von einer anderen Seite betrachten lassen, es hat sicher zu einer Vertiefung geführt”, meint Hankwitz. Seine Freizeit gestaltet er gerne sportlich: Joggen, Fahrradfahren, Wandern und dem 1. FC Köln die Daumen drücken.