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Infektionsschutz beim Zahnarztbesuch

Schon am Empfang signalisieren der angereichte Mundschutz und die blauen Überzieher für die Schuhe, dass in der Zahnarztpraxis Paeßens an der Hüls in Bezug auf den Infektionsschutz in Corona-Zeiten einiges passiert. Seit Januar läuft in Kevelaer der Praxisbetrieb in Nachbarschaft zum Rilano-Komplex. Mit der neuen Situation sei man von Anfang an konstruktiv umgegangen, schildert Fritz Paeßens. „Wir sind wirklich seit sechs Wochen voll im Thema“, sagt der 28-jährige Zahnarzt, einer von insgesamt 15 Medizinern, die an den drei Paeßens-Standorten in Kevelaer, Kleve und Kalkar aktiv sind.

„Seit der zweiten Märzwoche haben wir angefangen, mit Fragebögen die Patienten ausführlich zu fragen, ob sie in Risikogebieten waren, ob irgendwelche Symptome aufgetreten sind – gerade das Thema Geschmacksverlust, Fieber und Husten sind da zu nennen. Da haben wir auf Behandlungen auch ganz streng verzichtet, wenn ein Kriterium zugetroffen hat.“ Ab der „zweiten, dritten Märzwoche“ führte die Praxis Fiebermessungen durch. Da, wo eine deutliche Überschreitung der Normaltemperatur festzustellen war, habe man die Patienten nach Hause geschickt. Paeßens schätzt, dass das so ungefähr jeder Zehnte war. „Weil wir sowohl die Gesundheit der Patienten als auch die Gesundheit der Mitarbeiter schützen wollten – und trotzdem weiter geöffnet bleiben wollen, um dem Versorgungsauftrag gerecht zu werden.“

Schmerzfälle mit akutem Handlungsbedarf behandele man in einer separaten Sprechstunde als letzte Patienten. „Das sind die, die Husten hatten, aber eine dicke Backe haben. Der Arzt ist dann ohne Assistenz alleine, alle Patienten sind dann schon außerhalb des Hauses.“ So minimiere man nochmals mögliche Risiken. „Das hatten wir jetzt vielleicht fünf, sechs Mal. Wir sind froh um jeden Fall, wo das nicht nötig ist.“ Auch im Kleinen habe man Dinge verändert, berichtet der Arzt. „Wir haben Anfang März alle Zeitschriften und Spielsachen an allen drei Standorten, wo wir tätig sind, entfernen lassen. Und wir haben überall die Anzahl der Wartestühle reduziert.“ In Kevelaer kam den Ärzten zugute, „dass wir sowieso schon diesen großzügigen Wartebereich haben, große Räume“ und auf verschiedenen Stockwerken liegende Warte- und Patientenbereiche, so Paeßens. „Dadurch ist gewährleistet, dass man sich in Abstand zu anderen Patienten gut positionieren kann.“

Mundschutz für die Patienten

Zusätzlich zu diesen Vorsorgemaßnahmen habe man Anfang März den Auftrag für die Waschstation im Erdgeschoss vergeben. „Die steht da jetzt auch schon seit drei Wochen. Das machen wir zusammen mit der Clivia und dem Karl-Leisner-MVZ hier im Haus.“ Auf diese Weise haben die Patienten des gesamten Hauses im Eingangsbereich die Möglichkeit, „sich separat die Hände zu waschen und zu desinfizieren und haben so nochmal eine Schutzvorrichtung mehr. Wir verschenken an jeden unserer Patienten einen Mundschutz, den sie im Wartebereich anwenden können, aber auch für zu Hause oder für den Einkauf.“ Außerdem kann man kontaktlos Türen öffnen, kontaktlos Wasser, Seife und Desinfektionsmittel nutzen und auch kontaktlos bezahlen.

Die Maßnahmen kommen bei den Patienten an: „Mittlerweile hat sich das normalisiert, aber insbesondere am Anfang mit den Überziehern und Fragebögen, den Temperaturmessungen hörten wir, dass sie das toll finden“, sagt Fritz Paeßens. „Man spürt auch, wie dankbar die Menschen sind, weil die oft schon bei anderen Praxen nach Hause geschickt wurden. Da ist man froh, wenn man helfen kann.“ Auch das Personal trifft für sich Vorsorge. Alle Mitarbeiter und behandelndes Personal „tragen FFP2- oder FFP3-Masken, die gegen das Virus schützen und ganz dicht sind. Dazu kommen Kopfhauben und der Fußschutz, was man sonst nur im chirurgischen OP hat.“

Mediziner fühlen sich ausreichend geschützt

Der gebürtige Ungar Miklos Koltay arbeitet seit eineinhalb Jahren bei Paeßens. „Dazu kommen Schutzbrillen mit Visier, die Masken. Wir waschen die getragene Kleidung jeden Tag auf 60 Grad, haben separate Fächer für gewaschene und benutzte Wäsche.“ So fühle er sich auch als Mediziner ausreichend und sicher geschützt. Die Kevelaererin Makbula Akpinar ist seit dem 1. April im Betrieb. Die 24-jährige Zahnärztin wurde in der Corona-Krise neu eingestellt. „Die Maßnahmen hier geben mir als Neueinsteiger schon viel Sicherheit. Und die Patienten merken richtig, dass wir uns hier Mühe geben, dass hier nicht schlampig gearbeitet wird und wir sehr auf Hygiene achten.“

Besonders ist die Corona-Zeit natürlich auch für Kinder. Für sie sei die Situation „zu Beginn schon sehr ungewohnt gewesen mit den Hauben und Masken und wenn man so mit Montur auf sie zukommt“, berichtet Ann-Kristin Heckrath, die sich in der Praxis hauptsächlich um die Kinder kümmert. An drei Nachmittagen werden in der Arztpraxis Kinder betreut. „Man hat das den Kindern dann erklärt, dass man heute mal etwas anders aussieht und warum man das macht. Und dann haben die das schon verstanden. Die Kinder kriegen ja sowieso schon an anderen Stellen mit, dass vieles anders ist.“ Eine Umstellung sei es natürlich, dass die „Spielhöhle“ im Warte-Spielzimmer weg ist. „Das war für viele oft das Highlight.“ Die Kooperation mit den Kindergärten, die jetzt in Bezug auf Zahnputzen und Hygiene anlaufen sollte, habe man in der Corona-Phase erst mal ruhen lassen müssen. „Das holen wir dann halt nach.“

Die Situation sei schwierig, „aber wir sind im Grunde mit all den Dingen, die wir etabliert haben, in der Lage, die Situation vollkommen zu beherrschen“, sagt Praxisinhaber Theo Paeßens. Bislang habe es weder auf Patienten- noch auf Personalseite einen Corona-Fall gegeben. In Sachen Masken macht er sich keine Sorgen: „Wir haben einfache Masken genügend vorgehalten.“ Auch die FFP2- und FFP3-Masken seien „gut zu bekommen, wenn du dich darum kümmerst.“ Die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Lieferanten habe sich da ausgezahlt, ergänzt der Junior. „Da haben wir uns als Familienunternehmen in der Krise bewährt.“

Ein Update für Arzt und Patient

Zwei Tische der Deutschen Schmerzliga – Ortsgruppe Kevelaer – und der IGSL empfingen die Besucher des Patientenabends im Bühnenhaus, der dem fünften Schmerz- und Palliativtag vorgeschaltet war. Zahlreiche Interessierte waren gekommen, um aus Betroffenensicht ein Mehr an Information und vielleicht auch den einen oder anderen Hinweis für den Umgang mit ihrem Schmerz zu erhalten. „Alle paar Jahre wollen wir die Kollegen und die Patienten ‚aktualisieren‘, ein Update geben, was da so läuft“, erläuterte der Wettener Schmerzmediziner Dr. Johannes Horlemann, der das regionale DGS-Schmerzzentrum in Kevelaer leitet und als Präsident der „Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin“ den Tag mit gestaltet hatte.

Er erläuterte die Bedeutung des Schmerzes als „Volkskrankheit“. Denn laut einer Erhebung der Bundesregierung gebe es 32 Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen, von denen 3,4 Millionen „endgradige oder hochgradige“ Schmerzen erleiden müssen. Allein am Kevelaerer Schmerzzentrum gebe es 460 Patienten, „Tendenz klar steigend und mit steigenden Anmeldungen“, sagte der Fachmann. „Chronischer Schmerz ist der Hauptfaktor der Kosten im Gesundheitswesen – 22 Milliarden Euro alleine für den Rückenschmerz“, gab er an. „Da geht es um Beträge, da kann man Griechenland mehrmals mit retten. Und dafür haben wir bundesweit 1.200 Therapeuten, das ist viel zu wenig.“

Für den Patientenabend hatten sich insgesamt fünf Mediziner zur Verfügung gestellt, die zu den diversen Facetten des Themas „Was bedeuten chronische Schmerzen im Alltag?“ und wie man sie therapieren kann, in geraffter Form Erläuterungen geben konnten. Die Medizinerin Dr. Silvia Maurer, Leiterin  des regionalen Schmerzzentrums Bad Bergzabern, beschrieb, wie die Diagnostik und die verschiedenen Therapiemöglichkeiten vonstatten gehen. Ihr Tipp lautete, als Schmerzpatient durchaus aktiv zu bleiben. „Es heißt ja auch Bewegungsapparat – passiv wird es schwer.“ Sie unterstrich die Bedeutung von alternativen Behandlungsformen wie Akupunktur, Blutegel  oder auch Weihrauch als Entzündungshemmer neben der „klassischen“ Tablettenmedizin. Man könne aber nicht alles miteinander kombinieren.

Mit Geduld und Disziplin zur richtigen Medikation

Der Chefarzt der Schmerzklinik in der Helios-Klinik Witten-Herdecke, Dr. Thomas Cegla, machte deutlich, dass gerade ältere Patienten glaubten, dass man eben im Alter mit Schmerzen leben müsse. Das Tragische daran sei, dass viele nicht darüber reden. „Aber das ist nicht so. Man muss zwar altersbedingt viel einstecken, aber man muss keine Schmerzen erleiden.“ Mit Einschränkungen könne man auch ein Leben mit Dualität führen. „Aber es gibt da keine einfachen Lösungen – die Nebenwirkungen sind da zu beachten.“ Und auch die Kombination der Medikation spiele eine Rolle. Nervenschmerzen seien vielschichtig – ob bei einer Zuckerkrankheit mit Taubheit in den Füßen, bei Gürtelrose oder nach einem Sturztrauma. „So vielschichtig wie die Erkrankungen sind die Behandlungsmöglichkeiten. Hier wirken auch Medikamente, aber man braucht da viel Geduld und Disziplin, weil man für die Medikamente einen gewissen Spiegel oft braucht oder wechseln muss.“ Oft arbeite man auch mit schmerzlindernden Pflastern.

Viele Interessierte und Betroffene verfolgten die Ausführungen der Fachmediziner. Foto: AF

„Wenn man mit allem durch ist, kann man auch Cannabis geben, das in einigen Fällen helfen kann.“ Manchmal helfe auch die Kombination mehrerer Verfahren. „Entspannung und Meditation ist immer gut.“ Teilweise könne man aber Schmerzfreiheit nicht erreichen. „Es gibt Schmerzen, die nicht weggehen. Aber man kann es so drehen, dass sich nicht alles um den Schmerz dreht“ – und so für besseren Schlaf und bessere Beweglichkeit sorgen.

Dr. Astrid Gendolla, Fachärztin für Neurologie und Spezialistin für Migräne, stellte klar: „Wenn Sie Kopfschmerzen haben und Sie den Kopf runterhalten und schütteln und es wird schlimmer, ist es wahrscheinlich Migränekopfschmerz.“ Migräne sei immer chronisch und sie bleibe im Leben immer vorhanden. Es sei eine „teuflische Krankheit“, weil man als einzigen „Beweis“ dafür das Kopfschmerztagebuch und das Gespräch mit dem Arzt habe, es dafür keinen Maßstab wie Laborbefunde oder so etwas gebe. „Zehn Prozent aller Deutschen haben das. Das ist eine Volkskrankheit.“

„Licht aus, Lärm aus, Rückzug“

Im Falle erster Anzeichen wie Heißhunger, Stimmungsschwankungen oder Kopfschmerzen solle man schnell reagieren: „Licht aus, Lärm aus, Rückzug“. Im Beruf benötige man eine ausreichend hohe Schmerzmedikation. „Und man kann ausprobieren, was noch hilft: starker Kaffee mit Zitrone zum Beispiel oder Kälte.“ Vorbeugen könne man mit Sport und Meditation, „was den Schmerz runterreguliert“. Bei chronischen Schmerzen könne man für ein paar Wochen Medikamente nehmen, die auch gegen andere Krankheiten wie Depressionen oder Epilepsie angewandt werden. Und es gebe mittlerweile Stoffe, die sich speziell gegen Schmerz-Botenstoffe richten, die wichtig bei Migräne seien und in speziellen Fällen von den Kassen übernommen werden. „Da ist seit 20 Jahren erstmals Licht am Horizont.“ Wichtig sei es, dass man sich über die Erkrankung klar ist, und das dann mit dem Umfeld zu kommunizieren.

Dr. Norbert Schürmann, Palliativmediziner am St. Josef-Krankenhaus Moers, betonte beim Thema Tumorschmerz und Palliativmedizin vor allen den primären Ansatz, medikamentös die Schmerzen zu lindern: Palliativmedizin sei der Versuch, den Patienten ganzheitlich zu behandeln, den psychologischen Aspekt mit einzubinden – und auch die Betreuung der Angehörigen zum Beispiel durch Begleiter. „Zentraler Punkt ist da der Hausarzt“, so Schürmann. Oft mache der Schritt ins Hospiz zur Entlastung der Angehörigen einen Sinn, aber auch zu Hause könne man mit der Familie den Patienten versorgen. Und die Begleitung der Angehörigen durch Palliativhelfer sei „eine ganz wichtige Säule“ der Palliativmedizin. „Als meine Mutter mit 92 starb, war ich auch nur Sohn. Es war ein schwerer Gang. Ich war froh, dass jemand da war, der auch mich behandelte.“

Schürmann machte auch klar, dass Cannabis eine Behandlungsmöglichkeit sein könne, wenn alles andere nicht funktioniert. „Ich setze es seit 20 Jahren ein“, sagte er, machte aber auch klar, dass es „kein Allheilmittel“ sei oder Opiate ersetzen könne, sondern als ergänzende „Add-on“-Therapie „zu weniger Schmerzen, Übelkeit und besserem Appetit“ beitragen könne. Die Krankenkassen würden die Übernahme nur in „Ausnahmefällen“ ablehnen. Bei Palliativ-Patienten werde es zu 30 bis 35 Prozent abgelehnt. Das sei aber von Region zu Region unterschiedlich.

Vorsicht bei Opioiden

Dr. Johannes Horlemamn nahm dann abschließend zur Frage der Opioide – Substanzen mit morphinähnlicher Wirkung – Stellung. Bei chronischem Schmerz könne eine Therapie mit Opioiden Sinn machen. „Eine solche Therapie muss aber einen Dosis-Wirkungs-Bezug haben. Das ist bei vielen Patienten nicht der Fall. Ich muss also sehr genau überlegen, was ich damit erreiche“, sagte Horlemann. Und natürlich mache sie wenig Sinn bei Personen, die eine Vorgeschichte mit Opiaten haben. In den USA zum Beispiel werde mit Opioiden undifferenzierter umgegangen. Der Fehlgebrauch liege dort 20-mal höher, weil man dort vermittele, dass ein Medikament schnell alle Schmerzen beseitigen kann. „Die Hoffnung wird dann enttäuscht.“

Man erreiche mit einer hohen Dosis Opioiden dann oft eher das Zentrum der „Belohnung“ als eine Wirkung gegen den Schmerz selbst. Acht Prozent der 18-Jährigen hätten in den USA eine Suchtabhängigkeit davon angegeben. In Deutschland gebe es eine solche Gefahr nicht, da dort eine klare Kontrolle stattfinde. Notwendig sei eine gute Ausbildung und eine umfassende Information der Patienten.

Wie schütze ich mich vor dem plötzlichen Herztod?

Mit zwei Veranstaltungen informieren die Experten der Klinik für Kardiologie und Nephrologie des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums am 6. November 2019 in Kevelaer und am 13. November 2019 in Kleve über bedrohliche Herzrhythmusstörungen.

„Der plötzliche Herztod ist in aller Regel kein schicksalhaftes Ereignis“, betont Dr. Norbert Bayer, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Nephrologie des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums. Gefährdet sind Menschen mit einer strukturellen Herzerkrankung, vor allem der koronaren Herzkrankheit (KHK). Sie wird begünstigt von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und  Fettstoffwechselstörungen (hohes Cholesterin).

Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel

Bei der koronaren Herzkrankheit sind die Herzkranzgefäße verengt. Sie versorgen das Herz mit sauerstoff- und nährstoffreichem Blut. „Die Verengung kann zu einer Mangelversorgung des Herzmuskels führen, ein vollständiger Verschluss zu einem Herzinfarkt“, erklärt Dr. Norbert Bayer. Auch erbliche Faktoren und der Lebensstil spielen eine Rolle, unter anderem „Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel“, fasst der Chefarzt zusammen. Ursachen des plötzlichen Herztods können aber auch Herzmuskel- oder Herzklappenerkrankungen sowie angeborene Herzfehler sein. „Die beste Strategie ist es, Herzerkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln“, sagt Bayer. „Deshalb liegt uns die Aufklärungsarbeit so sehr am Herzen.“

Das Katholische Karl-Leisner-Klinikum betreibt am Marienhospital Kevelaer und am St.-Antonius-Hospital Kleve eine vollausgerüstete kardiologische Abteilung inklusive Herzkatheterlabor. Im Rahmen der von der deutschen Herzstiftung organisierten Herzwoche informieren die Experten des Klinikums am Mittwoch, 6. November 2019, um 18.30 Uhr in Kevelaer (Konzert- und Bühnenhaus) und am Mittwoch, 13. November 2019, um 18.30 Uhr in Kleve (Hochschule Rhein-Waal, Hörsaal 2) über das Thema Herzrhythmusstörungen. Chefarzt Dr. Norbert Bayer erläutert aktuelle medizinische Entwicklungen, Behandlungsmethoden und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema. Eine Anmeldung zu den Informationsveranstaltungen ist nicht erforderlich, der Eintritt ist kostenlos.

Hilfe zu den Kranken bringen

Tenas bedeutet auf äthiopisch ‚Gesundheit‘“, erklärt Margret Lörcks, Sprecherin der Initiative, die Bedeutung des Namens. Um die Gesundheit in Äthiopien zu fördern, sammelt die Initiativeder Pfarrgemeinden St. Antonius Kevelaer und St. Quirinus Twisteden seit 2001 Spenden für das „Attat Hospital“. Das Krankenhaus steht unter der Leitung von Schwester Dr. med. Rita Schiffer aus Sonsbeck und feiert in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen.

Schwester Rita ist seit über 20 Jahren im Krankenhaus tätig. Neben der Leitung der Einrichtung trägt sie eine weitere große Aufgabe: Sie ist die einzige Gynäkologin für über 100.000 Menschen. Doch sie meistert ihre Aufgaben und ist weit über das Krankenhaus hinaus bekannt. Die Menschen dort nennen sie auch den „Engel der Armen“, erzählt Lörcks.

Ein anderer Standard 

In den letzten Jahren haben die Mitglieder der Initiative es geschafft, dem Krankenhaus monatlich einen festen Betrag zu überweisen, der von den Verantwortlichen eingeplant werden kann. Von dem Geld wurden in der letzten Zeit unter anderem ein Röntgengerät, ein Mikroskop und eine Industriewaschmaschine gekauft – Gerätschaften also, die in deutschen Krankenhäusern selbstverständlich sind. Die Gesundheit wie vieler Menschen im Krankheitsfall vom Attat Hospital abhängt, erklärt Lörcks knapp: „Das Krankenhaus liegt im Einzugsgebiet für 800.000 Menschen.“ Vor allem die Gynäkologie ist ein großer Teil der Einrichtung. „Im letzten Jahr sind hier 4.000 Kinder geboren“, so Lörcks. Das Krankenhaus umfasst 97 Betten.

Obwohl die Menschen für ihren Aufenthalt in der Einrichtung umgerechnet ein paar Euro Eigenanteil leisten müssen, sind die Verantwortlichen auf Unterstützung angewiesen. 32 Prozent der Kosten werden durch die Zahlungen der Patienten gedeckt. Geld für laufende Kosten und wichtige Anschaffungen kommt seit 2001 auch von der „Tenas Initiative“.

Dass das Geld an der Stelle wirklich benötigt wird, machen Lörcks und der Schriftführer der Initiative, Meinulf Hagemeier, deutlich. In diesem Gebiet gibt es zum Beispiel keinen Krankenwagen. Die Patienten müssen den oft beschwerlichen Weg zu Fuß auf sich nehmen.

Brunnenbau ist teuer

Bis vor Kurzem haben die Bewohner der umliegenden Dörfer ihr Trinkwasser noch aus Gewässern bezogen, in denen die Wäsche gewaschen und auch Autos gereinigt werden. Dagegen musste etwas unternommen werden. „Das Krankenhaus hält inzwischen 122 Brunnen am Laufen“, erzählt Lörcks. So gehe man natürlich auch gegen die Verbreitung von Krankheiten an. Der Brunnenbau sei jedoch wesentlich teurer als zum Beispiel in Deutschland, da es in Äthiopien nur zwei bis drei Firmen gebe, die den nötigen Brunnenbau ermöglichen können.

Auch Schulen fördert das Krankenhaus. Dort werden zum Beispiel Toiletten in kleinen Verschlägen gebaut, damit die Menschen ihre Notdurft nicht mehr im umliegenden Gelände verrichten müssen. Unter anderem diese Maßnahmen fallen unter das Konzept „Vorsorgen statt heilen“, indem man versucht, der Verbreitung und Entstehung von Krankheiten vorzubeugen.

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Einrichtung waren auch Margret Lörcks und Meinulf Hagemeier nach Äthiopien eingeladen. Sie verschafften sich bei ihrem Besuch einen Überblick über die Zustände vor Ort und über die Veränderungen, die durch die vielen Spenden möglich waren. Was Hagemeier besonders in Erinnerung blieb, ist „die große Freundlichkeit, Lebensfreude und Höflichkeit der Menschen – trotz der Armut“, erzählt er. Es sei ein „ganz rücksichtsvoller Umgang“, den man vor Ort unter den Menschen beobachten könne, fügt Lörcks hinzu. In Zukunft wolle man dieses Projekt auf jeden Fall weiter unterstützen und „einfach den Hahn am Laufen halten“, sagt Hagemeier.