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Führung inmitten von LEGO®-Steinen

Die aktuelle Sonderausstellung des Niederrheinischen Museums in Kevelaer meint es mit dem Titel „Kleine steine – große Ideen“ ganz wörtlich: Sie präsentiert die berühmten kleinen dänischen Noppensteinchen in sämtlichen Formen und Farben und zeigt in vielen Themenkomplexen, was sich alles daraus bauen lässt. Dabei sind fast vergessene Objekte aus den frühen 70er Jahren sowie ganz aktuelle Sets zwischen Harry Potter™ und LEGO® Friends bis hin zu völlig frei kreierten Fantasieszenen um eine schwarze Burg und eine schaurige Unterwasserwelt zu sehen.

Die Entwicklung des berühmten Spielbausteins ist für viele durch ihre Kindheit und ihre eigenen Kinder greifbar. Doch wussten Sie, dass die Geschichte von LEGO® schon vor über hundert Jahren begann und dass die ersten Spielsachen von LEGO® noch überhaupt nichts mit buntem Kunststoff zu tun hatten?

Am Samstag, 1. August, um 15 Uhr, lädt Sie das Museum ein, bei einer öffentlichen Führung inmitten der farbenfrohen Themenwelten die Historie einer der weltweit führenden Familienunternehmen kennenzulernen. Eintritt und Führung betragen an diesem Nachmittag 5 Euro pro Person. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Teilnehmerzahl ist jedoch begrenzt. Der Treffpunkt ist im Foyer des Museums. Die Besucher werden gebeten, ihre Schutzmasken mitzubringen.

Steinchen, die die Welt bedeuten

Gespannt standen die zehn Kinder mit ihren Eltern und Großeltern mit Masken geschützt vor dem Eingang des Niederrheinischen Museums. „Das ist was Neues für uns“, waren die zwölfjährige Lara und ihr vier Jahre jüngerer Bruder Alexander schon neugierig auf das Kommende. „Ein Sommeratelier ist es aber gerade nicht – es ist kalt, total gute Voraussetzungen für draußen malen“, schwang in den Worten ihrer Patentante Ute Jedamzik das Bedauern schon mit. Museumspädagogin Indra Peters zählte die Kinder durch. „Ich habe mir die Gesichter ohne Maske gemerkt“, scherzte sie. Anschließend führte sie die Kids in die Museumsschule, in das „vertraute Wohnzimmer“, wie sie anmerkte. „Und dann bauen und basteln wir uns eine eigene Welt.“

Was man sich darunter vorstellen konnte, erläuterte sie, als alle Kinder an ihrem Platz saßen. Bewusst hatten die Geschwister oder jedes einzelne Kind jeweils ihren eigenen voneinander getrennten Tisch, um dort in Ruhe werkeln zu können. „Wir haben die so weit auseinander gestellt, ich habe noch gestern alles desinfiziert. Die Steine sind in großen Behältern, da können wir uns was mit Maske holen. Am Platz haben wir so viel Abstand, dass wir ohne Maske da arbeiten können. Ich finde, man ist auch ohne Maske kreativer“, erklärte sie, worum es ging.

„Der Workshop heißt ja „Steinchen, die die Welt bedeuten“ – natürlich inspiriert von der  aktuellen Ausstellung im Museum. Die Kids haben die Möglichkeit, dafür auf hochwertigen Holzplatten eine eigene Welt zu malen und LEGO®-Steine da mit einzubringen. Ich möchte gerne, dass die ganze Platte ausgefüllt ist.“

In der Hand zeigte sie ein Beispielbild, wo sie unter anderem eine kleine „Weltkugel“, einen Ententeich und ein Safariauto gestaltet hatte. „Ich nehme ja auch Spachtelmasse und Farbe mit rein, hantiere damit, wenn man da Figuren einfügt. Und wenn das trocknet,  dann kann man das auch an die Wand hängen“, gab sie den Kindern auf diesem Weg schon mal ein paar Anregungen mit. „Ihr könnt einfach Du sagen, ich bin die Indra.“

Von der Wüstenstraße bis zur Weltraumlandschaft

Entsprechend angeregt, gingen die Kinder dann in den folgenden zwei Stunden mit großem Eifer zu Werke. „Da kommt die Straße hin, ein Strich und ´ne Wüste, so mit Sand“, beschrieb der zehnjährige Joel sein Objekt. Er sei schon dreimal mit dabei gewesen bei so einem Workshop „und es macht echt Spaß.“

Jedes Kind konnte sich beim Workshop kreativ austoben. Foto: AF

Die achtjährige Caroline und ihr zwei Jahre älterer Bruder arbeiteten einträchtig-konzentriert nebeneinander. „Ich mache die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter“, erzählte Caroline – „Frühling mit Blumen, Sommer mit Sonne, Herbst mit Blättern und Winter mit Schnee.“ Sie malte die vier Felder jeweils mit der passenden Farbe aus, nahm dazu weiße Steine als Grenze zwischen den Jahreszeiten. „Dass wir so kreativ sein können, finde ich cool“, meinte sie.

Ihr Bruder gestaltete ein „Haus mit einer Straße – und da ist das LEGO®-Auto halt, das da fährt“, wurde die mit grauer Spachtelmasse verstrichene Straße schnell erkennbar. Das Haus von Niklas in sattem Grün war aus LEGO®-Steinen mittig angelegt. „Dann kommt ein Garten drumrum, da unten rechts ein See und ein Lagerfeuer.“ Und der siebenjährige Finley gestaltete eine Weltraumlandschaft, seine vierjährige Schwester Emma erhielt beim Ausmalen ihrer Grünlandschaft von Indra Peters Unterstützung.

Zwölf verschiedene, eigene Kunstwerke

Die Museumspädagogin lief maskiert zwischen den Tischen hin und her, half mal da, einen Pinselstrich zu setzen, brachte den Kindern Spachtelmassel und Kreidefarbe an die Tische, schwärmte dabei noch von dem Druckgrafik-Sommeratelier eine Woche zuvor. „Es ist auch in letzter Zeit echt ausgeglichen, was Mädchen und Jungen betrifft“, freute sie sich auch darüber, dass sogar Kinder „aus der Krefelder Ecke“ zu den Workshops kommen – so wie Lara aus St. Tönis, die eine blaue Erde mit den verschiedenen Kontinenten und Tieren aus LEGO®-Steinen schuf. „Es spricht sich also rum.“

Zwischendurch schauten mit Lucia Höller aus Weeze und der 15-jährigen Enkelin Leona zwei neugierige Museumsbesucher mal kurz rein. „Ich habe hier mal vor ein paar Jahren ein Bild gemalt“, freute sich Leona über die Aktivität der Kleinen. „Sowas gab es bei uns nicht – wir hatten gerade mal eine Puppe für vier Kinder“, erinnerte sich ihre 68-Jährige Großmutter. Am Ende erfüllte sich die Hoffnung von Indra Peters, dass „zwölf verschiedene Ergebnisse“ bei der Gestaltung der Farben und Steine auf dem Holz herauskamen. Beim sechsjährigen Marius war es „eine Landschaft mit einer LEGO®-Maschine und einem Wasserfall“, die seine Mutter Silvia van de Langenberg bewundern durfte. „Zu Hause fällt ihm sowas eher schwer. Man muss die Kinder halt nur ein bisschen kitzeln.“

Kevelaerer Museum zeigt eine bunte LEGO®-Welt

Wer schon mal mit bloßen Füßen draufgetreten ist, vergisst sie nie wieder, diese kleinen bunten Steinchen, die seit Ende der 50er-Jahre für Freude und Fantasie-Schübe sorgen. Die Gefahr dieser schmerzhaften Bekanntschaft mit LEGO®-Steinen besteht im Niederrheinischen Museum in Kevelaer nicht, denn im Gegensatz zum gängigen Kinderzimmer ist hier in der Ausstellung “Kleine Steine – große Ideen“ alles mehr oder weniger aufgeräumt. Jeder, der je mit LEGO® Steinen gebaut hat oder noch baut, wird etwas in der Sammlung wiedererkennen und gleichzeitig Dinge entdecken, die er noch nie zuvor gesehen hat oder sich vielleicht erträumt hätte.

Szenen wie eine riesige Burg oder ein Aquarium, Spielesets von Star Wars™, BIONICLES®, LEGO® Technic™, LEGO® Friends und DUPLO® werden in dieser bunten Ausstellung für die Kleinsten, Kleinen und Größeren präsentiert. Wer hier nicht staunend vor den großen Tischen steht und keine Anregungen mitnimmt, aus dem wird wohl kein Konstrukteur mehr. In Corona-Zeiten ist das mit dem Anfassen und Ausprobieren ein bisschen schwieriger als sonst, deshalb sorgt das Museum mit einem Wettbewerb für Fantasieschübe: Mitmachen können alle Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich für das Bauen mit LEGO® Steinen begeistern. Als Inspiration soll dabei den Teilnehmenden der Kreis Kleve dienen.

Veronika Hebben präsentiert die Welt der kleinen Steinchen.

Das bedeutet, dass alles, was die LEGO®- Fans mit dem Kreis Kleve verbinden, auch als Modell dienen kann: seien es Häuser oder Einrichtungen, Plätze, Parks oder Landschaften, Skulpturen oder Wahrzeichen oder einfach der persönliche Lieblingsort – der Fantasie sollen keine Grenzen gesetzt werden. Alle Spielsteinobjekte können fotografisch bis zum 28. August 2020 an info@niederrheinisches-museum-kevelaer.de gesendet werden: Bitte drei Bilder vom Projekt, und wer mag, schickt noch einen kleinen Erläuterungstext von maximal ½ Seite mit dazu. Die Preisverleihung findet am Aktionstag des Museums, am 27. September 2020 statt. Zudem werden die LEGO®-Werke der Gewinner von diesem Tag an bis zum Ende der Ausstellung am 18. Oktober 2020 im Niederrheinischen Museum im Original präsentiert.      

Atelier-Kurse im Niederrheinischen Museum Kevelaer

Bis zum 5. August werden noch drei weitere Sommeratelier-Kurse stattfinden. Am 22. Juli lautet das Motto „Farben des Lichts“ – ein experimenteller Glasmalerei-Workshop. Am 5. August kann man unter dem Motto „Der Berg ruft“ ganz individuell gestaltete Bergwelten auf die Leinwand zaubern. Beginn ist jeweils um 11 Uhr.

Wer mitmachen will, sollte sich bis zwei Tage vor Beginn per Mail (info@niederrheinisches-museum-kevelaer.de), an der Museumskasse oder telefonisch unter 0 28 32 / 95 41 20 anmelden. Die Kosten liegen zwischen 5 und 6 Euro. Kinder unter sechs Jahren sollten von einem Erwachsenen begleitet werden. Aufgrund der aktuellen Lage finden die Sommerateliers selbstverständlich unter den gegebenen Auflagen statt und stehen unter Vorbehalt.