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Die Chance, sich zu präsentieren

Um zu Brigitte Roth zu kommen, bedarf es erstmal des Weges entlang des Maisfeldes vorbei an einem anderen Wohnhaus. Ein Pfeil mit der Aufschrift „Kunsthandwerk Weeze“ weist den Weg zum mehrere hundert Quadratmeter großen Grundstück, dem Wyckermannshof mit dem offenen Torbogen.

Erst seit eineinhalb Jahren wohnt die 55-Jährige mit ihrem Liebsten Frank H. Rudolph in Laar. „Ich habe früher an der Alten Wember Straße in Kevelaer gewohnt. Da hätte ich nicht so gerne Gäste gehabt. Auf dem Garagenhof hätte es sich nicht ganz so schön gemacht“, gesteht sie.

„Doch hier kann ich mich richtig verwirklichen“, erzählt die Frau, die auch im Niederrheinischen Museum als Mitarbeiterin tätig ist. Zu ihrer Passion, das Grundstück künstlerisch zu gestalten, sei sie über ihren Job gekommen: „Ich habe mal angefangen zu malen, inspiriert durch die ganzen Künstler im Museum. Ich bin aber keine Künstlerin und will mich nicht mit solchen vergleichen. Ich bin Kunsthandwerkerin.“ Aber es mache ihr halt Spaß, „zu sehen, was ich da erschaffe. Und anderen Leuten gefällt es auch.“

Bei der Auswahl des Materials, mit dem sie zu Werke geht, ist sie sehr flexibel. „Ich kann mich da nicht entscheiden. Ich arbeite viel mit Holz, alten Weidezaunpfählen und Eisen, sehr gerne auch mit Glas, das hat so was bei Tageslicht und ich finde es auch abends total schön. Ich liebe auch Mosaikarbeiten, mache da grade einen Kurs im KuK-Atelier. Ich glaube aber, das ist das, was die Menschen hier anspricht“, nimmt sie ihre Gäste gerne mit auf einen Streifzug entlang der Objekte .

Die „Landpartie“ sei für sie „mehr als erfolgreich“ gelaufen, auch wenn es an diesem Tag vielleicht nur ein Dutzend Besucher waren und die Woche davor bei 35 Grad niemand gekommen wäre. „Ich hab gut verkauft auch, hatte im Durchschnitt zu Beginn über den Tag Sonntag 50 bis 70 Leute hier, Samstags waren es so an die 30. Deswegen kann ich mich nicht beschweren.“

Es ginge ja auch nicht um die Masse, sondern um das echte Interesse. „Schön war für mich die Chance, mich zu präsentieren. Sonst weiß ja kein Mensch, dass ich hier bin.“
Ideal sei dabei die „Radfahrautobahn“ und die Tatsache gewesen, dass mit Lisa Leppers Steinwerkstatt in Wemb und Bettina Hachmanns Atelier am Schloss Wissen zwei Mitkünstlerinnen quasi auf der Radstrecke liegen.

„Von Bettina durch die Unterführung zu mir und durch das Wildschweingehege dann zu Lisa nach Wemb. Das war super.“

Alle Gäste seien froh gewesen, dass die „Landpartie“ überhaupt stattfindet. Zweieinhalb Monate fände aber selbst die Mitorganisatorin Raphaele Feldbrügge „dann aber doch etwas überambitioniert.“

Als nächstes Projekt hat sie sich die Gestaltung begehbarer Mosaikplatten vorgenommen. „Da experimentiere ich jetzt“, verweist sie auf die bereits ausliegende Probeplatte. „Das finde ich spannend.“

Und an dem Wochenende, wo die „Landpartie“ endet, wird sie das Grundstück bis 22 Uhr für Besucher offen halten. „Ich habe ganz viele Objekte, die abends dann beleuchtet sind. Dann haben wir einen schönen Abschluss.“

Es bleibt mehr Zeit für die Besucher

Als Raphaele Feldbrügge die Tür zum Atelier EigenArt am Steensweg öffnet, hat sie gerade eine Besucherpause. „Es ist heute sehr ruhig, was ich dem Wetter zuschreibe“, lächelt die 61-jährige, die die „Landpartie“ gemeinsam mit Anne van Rennings organisiert . „Bei den Temperaturen bleibt man zu Hause oder am Pool.“

In ihrem weitläufigen Garten hat sie einige ihrer Makro-Fotografien und Bilder aufgestellt, die im Laufe der letzten Jahre gemacht hat. „Die kann ich hier ganz anders präsentieren und die Leute können sich vorstellen, wie sie im Garten wirken.“

Dazu kommen noch die Bilder ihrer beiden Künstlerkolleginnen Ellen Eva Regel aus Emmerich, die vielfältige Bilder aus dem Leben malt, und Ela Tophoven-Ravenslot aus Doetinchem, die in ihren großformatigen Arbeiten in Acryl und Kreide Begegnungen von Menschen darstellt. Ganz neu sind die „Landpartie“-Tassen, die sie „in den ersten zwei Wochenenden vergessen hat, rauszustellen“ – ein schönes Erinnerungs-Accesssoire für die Besucher.

„Ich bin über das ganze Organisieren seit dem letzten Jahr nicht dazu gekommen, neu künstlerisch tätig zu werde“, macht sie deutlich, wie aufwändig die Vorbereitungen für so ein Kulturevent tatsächlich sind. Zumal zu der normalen Arbeit für das Projekt noch die neue Situation mit der Coronakrise kam.Die Folge war die Besonderheit, das die „Landpartie“ diesmal ihr Angebot über einen ganzen Sommer bis Ende August verteilt. Mit der Resonanz ist Feldbrügge bislang zufrieden. Zu Anfang seien noch die gekommen, die man sowieso aus den letzten Jahren kenne. „Aber jetzt waren auch neue Leute da.“

Kleine Gruppen aus Düsseldorf, Duisburg oder Rheurdt hätten sich zusammengetan, seien mit dem Zug und anschließend mit dem Rad angereist. „Wir hatten Sonntage, wo über den Tag verteilt bis z 50 Leute da waren.“ An anderen Tagen wären aber auch deutlich weniger gekommen.

Unter www. landpartie-niederrhein.de/karte-zur-sommertour-2020 könnten sich die besucher erkundigen, welche Künstler ihre Tore, wann öffnen. „Die Besucher akzeptieren, dass nicht alle auf haben.“ Den Teilnehmenden stelle man ja frei, wann sie mit dabei sind. „Und letzte Woche war es einfach nur zu heiß und auch heute ist es grenzwertig.“

Ihr falle auf, dass „die Leute sehr interessiert sind, sich gezielt die Schilder angucken. Es ist fantastisch, wie sie mit der Hygiene umgehen. Alle haben eine Maske mit und fragen , ob sie sie aufsetzen müssen.“ Im Atelier selbst sei das natürlich nötig. „Aber da hat niemand ein Problem damit.“

Natürlich bedauerten die Menschen, dass es Musik oder Verköstigung nicht gebe, was natürlich die Gemütlichkeit und das Verweilen an einem Ort noch angenehmer mache. „Abere s gibt viel Verständnis dafür, dass alles anders ist.“ Und die Dankbarkeit dafür, dass die Landpartie überhaupt stattfindet, sei eh spürbar.

Die neue Situation, die Veranstaltung über so lange Zeit zu „strecken“, habe durchaus auch Vorzüge. „Ich habe wirklich Zeit, mit den Besuchern zu reden.“ So wie an diesem Tag, wo sie für ein Besucherehepaar aus Geldern, dass selber fotografiert, ausgiebig Zeit zum Fachsimpeln findet.

Mit Blick auf das kommende Jahr sei aber schon klar, dass die Veranstaltung „so eindeutig zu lang“ ist. „Das ist grundsätzlich nicht machbar, das ist definitiv Corona geschuldet.“ Aber es an „zwei bis drei Wochenenden“ auszurichten, das kann sich Feldbrügge schon vorstellen.

Schöne Kunst mit wenig Besuchern bei der Landpartie in Kevelaer

So richtige Begeisterung will in diesem „Landpartie“-Jahr bei Markus Nießen nicht aufkommen. Der in der Corona-Zeit 60 Jahre alt gewordene Tischler und Möbelrestaurator ist von Beginn an bei dem „Landpartie“-Projekt mit dabei. „Im ersten Jahr war ich noch bei Lisa Lepper in der Steinwerkstatt in Weeze-Wemb und danach dann immer wieder hier am Johanneshof.“ So richtig in Gang kommen tut das Ganze bei ihm in diesem Jahr bislang nicht. „Das erste Wochenende war ja noch ganz gut“, sehnt er sich natürlich nach der Zeit vor Corona, wo noch „hier ganz viel Zauber mit Livemusik und Weinausschank war, aber das durften wir alles nicht.“ Beim zweiten Mal, „da waren jetzt mehr Freunde und Bekannte hier als Besucher“, musste er enttäuscht zur Kenntnis nehmen. Die Maskenpflicht drücke da auf die Bereitschaft zu kommen, vermutet er. „Die Stimmung ist nicht so entspannt wie in den letzten Jahren.“

Selbst arbeitet Nießen seit 35 Jahren in seiner Werkstatt und Winothek an der Johannesstraße 28, wobei sich der Schwerpunkt vom Möbelbau und der -restauration auf kunsthandwerkliche Sachen verlagert hat. „Wir wollen ja auch nicht nur quatschen, sondern auch etwas verkaufen. Und da tut sich nicht so viel.“ Das ist umso bitterer, als ja auch für alle Kunsthandwerker die Marktsaison 2020 aufgrund der Corona-Krise ins Wasser fällt. „Wir wären ja sonst auch beim Krefelder Flachsmarkt, bei ‚Kunst auf dem Parkdeck‘ in Düsseldorf. Das ist alles abgesagt worden.“ Da blieb nur der Humor als Ventil. „Schön wär´s, wenn wir im Lotto gewinnen, dann machen wir solange ‚Landpartie‘, bis die Kohle zu Ende ist.“

Trotzdem lohne sich der Gang über seinen Hof, zumal er auch in diesem Jahr wieder interessante Künstlerkollegen für die „Landpartie“ gewinnen konnte – wie die Meerbuscher Goldschmiedemeisterin Katja Pollok, die bereits 2019 mit dabei war. „Dieses Jahr waren leider kaum welche da. Die waren zwar alle happy, dass sie raus konnten, aber kauffreudig waren sie nicht.“

Grafik-Design oder Goldschmiedin?

Schon von klein auf, „seitdem ich den Stift halten konnte“, war sie in irgendeiner Form künstlerisch tätig, erzählt die 54-Jährige. Mit 21 stand sie vor der Wahl. „Ich hatte Grafik-Design oder Goldschmiedin in petto.“ Das Praktikum in einer Werbeagentur gefiel ihr dann gar nicht. „Da bin ich auf die Goldschmiedeschule in Hanau gegangen für dreieinhalb Jahre.“ Und so blieb sie diesem Kunsthandwerk erhalten. Wenn sie beschreiben soll, was sie bis heute daran noch fasziniert, dann muss sie schon überlegen: „Schwer zu sagen, wenn man das so lange macht. Das ist fast der Entwurf und nicht speziell das Material. Sich etwas ausdenken und das dann daraus herstellen, ob in Silber oder Gold.“ Natürlich gebe es auch mal „zuerst schöne Steine, um die herum man sich ein Schmuckstück ausdenkt – das ist auch eine Challenge“, sagt sie.

Veranstaltungen wie die „Landpartie“ seien gerade in diesen Zeiten enorm wichtig. „Und dass man sich zeigen kann, ist generell wichtig, weil das immer weniger wird. Wir haben ja leider als Kunsthandwerker das ‚große Internet‘ als Konkurrenz und das ist zum Teil sehr traurig.“

Der Wunsch nach mehr Besuchern

Ilex Hild reiste aus Köln an, um ihr Kunsthandwerk in Kevelaer zu präsentieren. Sie produziert seit 40 Jahren Schals und Herrenwesten. Foto: AF

Für die 62-jährige Kölnerin Ilex Hild ist die „Landpartie“ 2020 ihre persönliche Premiere. „Der Markus hat mich eingeladen – wir sind gemeinsam in der Arbeitsgemeinschaft der Kunsthandwerker Düsseldorf, die heute ‚angewandte Kunst Düsseldorf‘ heißt“, erläuterte sie den Hintergrund. „Der Eindruck hier ist sehr gut, man fühlt sich sehr wohl, aber man wünscht sich mehr Besucher.“ Ihr Kunsthandwerk ist die Weberei. „Ich fand immer schon Stoffe und Textilien spannend und wollte dementsprechend was Handwerkliches machen.“ Ihre Eltern gaben ihr für diesen Traum vollständige Rückendeckung. „Mein Vater war von Beruf ja selbst Grafik-Designer, der hat das unterstützt.“

So produziert sie seit 40 Jahren Schals und Herrenwesten in verschiedenen Größen und Ausführungen. „Wenn sie mal nicht passen, dann kann man das mal auf Maß fertigen.“ Auf jeden Fall sind es keine maschinell hergestellten Stoffe, „sondern alles Unikate“, ist es ihr wichtig herauszustellen. Für ihre Kunst findet sie auf den diveren Ausstellungen immer wieder Abnehmer. „Normalerweise ist es so. Aber wenn alle Veranstaltungen ausfallen, dann geht gar nichts.“

Alle Beteiligten hoffen nach wie vor auf die Neugierigen, die sich von Corona nicht abhalten lassen. „Jetzt können wir uns das ja nicht aussuchen, diesmal müssen wir das ja entzerren“, meint Markus Nießen zum diesjährigen Format. „Wir hätten entweder komplett darauf verzichten können oder als ‚Landpartie light‘ machen können.“ Grundsätzlich findet er es persönlich schöner, „wenn man konzentriert alles an einem Wochenende hat, aber vielleicht ergibt sich ja jetzt ein anderes Konzept, dass man es ein bisschen länger zieht.“ Richtig überzeugt, das merkt man, ist er davon aber nicht. „Die Erfahrungen der Wochenenden tragen wenig dazu bei, so etwas nochmal so zu machen.“

Gesteigerte Zufriedenheit

Strahlende Sonne, entspanntes Feeling – so präsentierte sich das weitläufige Gelände der Steinwerkstatt von Lisa Lepper am ersten Juli-Wochenende. Zwischen ihren Stein-Wasserbrunnen, den Skulpturen und Figuren bewegten sich die eher vereinzelt kommenden Gäste, was die Gastgeberin sehr freute. „Dass das alles so vertraut ist, wie ruhig es ist und wie alles sich entwickelt“, sagte die 62-Jährige und verwendete den Begriff „menschengerecht“ für die Art und Weise, wie die „Landpartie“ in diesem besonderen Corona-Jahr 2020 verlief. „Bei den anderen Landpartien war mehr Betrieb, waren viel mehr Menschen aufeinander. Es steigert wirklich die Zufriedenheit“, war Leppers persönlicher Eindruck.

Töpferin Anke Dahmen-Wassenberg  holte sich zwischendurch mal eine Tasse Kaffee, unterhielt sich in der großen Ausstellungshalle an ihrem Stand längere Zeit mit Michael und Janneke Zoller aus Kleve. Beide hatten über sie von der „Landpartie“ erfahren.  „Wie sollen Künstler Kunst in diesen Zeiten an den Mann und die Frau bringen ? Das ist für die alle eine schwere Zeit – das muss man bekannter machen“, waren sich beide einig  – und diskutierten mit der Künstlerin über einen ihrer Kunst-“Fische“, der im Garten auf einem Stab stand und plötzlich verschwunden war. „Es sind ja fliegende Fische, vielleicht ist er weggeflogen“, scherzte die Töpferin.

Sie teilte den Eindruck, den Lisa Lepper an den vergangenen Wochenenden gewonnen hatte. „Man hat selbst mehr Zeit für die Besucher. Und hier lassen sich viele mehr Zeit, weil es viele Aussteller gibt“ – neben ihr und Lepper die Steinbildhauer Johanna Behl, Konstantin Döhler und Elmar Steinrücken sowie die Malerin Trix Rijpkema mit ihren großformatigen Arbeiten und die Goldschmiedin Anke Witzler.

Nebenbei: Musik

Die hatte ihren Schmuck sogar in eine Abendlampe hineingehängt und musste gestehen, dass sie aufgrund ihrer anderen Leidenschaft vom Verkauf zeitweilig doch sehr eingespannt war. „Ich mache hier ja auch so ganz nebenbei Musik“, sorgte sie mit ihrem Saxofon und mit dem Gitarristen Frank Schopmann mit alten Jazzstandards für die passende Untermalung des Nachmittags. „Für die Seele ist es wunderbar und macht mir sehr viel Spaß“, gestand die Künstlerin, die schon in den letzten Wochen immer wieder in neuen Konstellationen für schöne Klänge gesorgt hatte.

Zufällig setzte sich dann Franz Lesinck dazu und spielte ein paar Minuten das Cajon. „Vorige Woche war ich schon mal hier und habe direkt gesagt, dass ich nochmal zurückkomme“, war der Mann aus der niederländischen Gemeinde Bergen von den Exponaten überall sehr angetan.

Die Landpartie bietet immer wieder eine gute Gelegenheit, mit Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen.Foto: AF

Eine Dame aus Kranenburg hatte mit ihren drei Freundinnen zuvor schon das Schloss Wissen als „Landpartie“-Station aufgesucht und nahm auf einer Steinbank zum Verweilen Platz. „Wir sind beeindruckt von den Räumlichkeiten hier, die freie Gestaltung in der Natur und da der Raum – echte Kontraste“, genoss die Frau die kontroversen Diskussionen untereinander. „Jeder sieht die Objekte mit seinem Blick.“

Und selbst „Landpartie“-Mitinitiatorin Anne van Rennings nutzte die Chance, mit Mann und Kind auch mal außerhalb der „LandPartie“ nach Wemb zu kommen. „Wir haben bei uns so wie hier eine Installation auf der Wiese. Die ist nicht betreuungs-intensiv.“ An ihrer „Landpartie“-Station mit durchgemähten Wegen und Infoschränkchen sei es so, „wie  wir uns das wünschen würden. Wir fahren irgendwo hin, nehmen uns ein Kärtchen, machen bei schönem Wetter eine Radtour, finden ein schönes Fleckchen in der Wiese und machen ein Picknick.“ Tatsächlich seien schon Leute da gewesen.

Besser als gedacht

Wie sie die „Landpartie 2020“ bisher so erlebe? „Wir haben ein gutes Gefühl und viele positive Rückmeldungen von den Gastgebern. Es ist besser als gedacht“, zeigte sie sich aber eher skeptisch bei der Frage, ob man so eine Konzeption in den nächsten Jahren nochmal so durchziehen kann.  „Über so einen langen Zeitraum, wie es jetzt ist – es ist ja ein „Corona-Experiment“- das wird es nicht sein. Aber die Erfahrung wird in die nächsten Jahre mit einfließen“, ließ sie offen, ob man das Ganze dann über ein Wochenende, zwei oder eventuell vier Wochenenden laufen lassen wird.

Für das laufende Jahr könne man aber eins definitiv sagen, was Aussteller und das Publikum gemeinsam auf jeden Fall teilen: „Die meisten sind froh, dass überhaupt etwas passiert.“

Keramikausstellung bei der Landpartie

Am Sonntagnachmittag steht Jutta Friedrich vor ihrer Haustür an der Kuhstraße 11c und plaudert mit einem Paar aus Goch-Asperden. Sehr angetan zeigte sich Sabine Schreus von den Ausstellungsgegenständen. „Ich töpfere selbst ein bisschen und schaue gerne, was andere so machen.“ Die Künstlerin freute sich über den Austausch. „Heute hatte ich nur so um die drei, vier Leute da. Aber die haben auch gekauft“, zeigte sich Friedrich nicht unzufrieden mit der Resonanz des Tages.

Angesichts der Corona-Pandemie hatte sie sich in diesem Jahr dazu entschieden, nur ihren Vorgarten mit den Kunstwerken auszuschmücken. „Lieber 40/50 Quadratmeter Vorgarten als das Gehen durch den Garten mit Maske. (…) Letztes Jahr waren so 70 bis 100 Leute hier, da haben wir sogar im Garten gegrillt.“ Dass ihr die „Landpartie“ zumindest die Gelegenheit eröffne, ihre Objekte einem breiteren Publikum zu zeigen, fand die 58-Jährige gut, die sonst jedes Wochenende auf Kunsthandwerkermärkten ist. Aber da sei bis September alles abgesagt, meint sie.

Töpfern als Therapie für die Tochter

Jutta Friedrich

Sich mit Keramik und Töpfern zu beschäftigen, darauf kam die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau vor über 20 Jahren. „Das geschah über die Therapie meiner Tochter, die nicht richtig sprechen konnte.“ Um da etwas zu verändern, kaufte sie ihr Ton. Denn das Töpfern löse automatisch einen Prozess aus, bei der sich die Zunge bewege, erklärt sie. „Und dann hatte ich noch gut zehn Tonnen Ton und dachte mir, da kannste ja was mit machen.“ Gesagt, getan – und seitdem ist sie bei diesem sehr kreativen Kunsthandwerk geblieben.

Neben den Tieren fertige sie auch kleine Engel an. „Passend zum Thema habe ich auch welche mit Maske.“ Da werde mit einem Zahnstocher die Maske darauf glasiert, wofür es eine Brille und eine ruhige Hand brauche, beschrieb sie den technischen Prozess. Ein besonderer Clou seien aber die Keramik-Engel mit S04-Abbild. Sie habe geträumt, sie solle für einen Fußballclub Engel machen. Sie erzählte den Traum einem Kollegen aus Wesel. Der sagte, er hätte Kontakte zu einer Würstchenbude am Trainingsplatz auf Schalke. Und schon war Jutta Friedrich mitten drin im blau-weißen Trubel.

„Die Würstchenbude hat meinen Schalke-Engel an der Zapfsäule hängen“, verbindet sie mittlerweile eine ganze Reihe von Anekdoten mit den Engeln. „Sogar der Weltstar Raul hat die Engel für seine Kinder gekauft“, erzählt sie nicht ohne Stolz. Auf Baltrum habe sie dann sogar Schalke-Fans getroffen, die die Engel kannten und perplex waren, die Erschafferin zu treffen. „Und wenn ich nach Gelsenkirchen hinfahre und ein Paket aus dem Kofferraum hole und damit hochlaufe, sagen die Ordner jedesmal: „Da isse wieder, die Engeltante.“

Filmprojekt zur Landpartie

Der Fotograf und Filmemacher Gerhard Seybert ist in diesen Tagen als rasender Reporter in Sachen Landpartie am Niederrhein unterwegs. Er besucht aktuell mit seiner Filmkamera die 24 Ausstellungsorte der diesjährigen „Etwas anderen Landpartie am Niederrhein“, die ab dem 13. Juni 2020 einen ganzen Sommer lang zu einer Radtour zu Kunst, Kunsthandwerk und Kreativem in und um Kevelaer einlädt (das KB berichtete).

Möglich wird dieses bereichernde Film-Projekt übrigens dank einer großzügigen Spende des Fonds „Energie für Kevelaer“ und mit zusätzlicher Unterstützung durch den Verein Natur und Kultur im Achterhoek e.V.. Das Kunst- und Kreativnetzwerk „wirKsam e.V.“ freut sich über die spontane Unterstützung für die Projektidee zur Landpartie am Niederrhein. Wolfgang Toonen von den Stadtwerken Kevelaer berichtet: „Die Mitglieder der Auswahlkommission waren sofort begeistert von der Idee zu den Filmen. Wir freuen uns, auf diese Art Künstler und Kulturschaffende in unserer Stadt zu unterstützen. Sie bereichern unseren Alltag mit ihrer vielfältigen Schaffenskraft.“

Energie für Kevelaer

Der Fonds „Energie für Kevelaer“ unterstützt in jedem Jahr eine große Anzahl unterschiedlicher Projekte von Vereinen in Kevelaer. Er wird gespeist von der NiersEnergie GmbH, den Stadtwerken Kevelaer, der Bürgerwind Kevelaer GmbH & Co KG und der Bürgerenergie Schwarzbruch-Nord GmbH & Co KG.

Gerhard Seybert hält mit dem Filmprojekt einige der persönlichen Einblicke fest, die den Landpartie-Gästen in diesem Jahr auf Grund der Corona-Schutzmaßnahmen größtenteils verwehrt bleiben. „Mir werden die zahlreichen schönen Gespräche in Erinnerung bleiben und die tollen Menschen, die ich bei meiner Arbeit für die Landpartie kennenlernen durfte,“ berichtet der Filmemacher, der es mit seiner ruhigen, professionellen Art gut verstand, den Akteuren Sicherheit und ein gutes Gefühl zu geben.

Aus den Mengen gesammelten Filmmaterials schneidet Seybert nun kurze Werkstatt- und Künstlerportraits und persönliche Grußbotschaften an die Landpartie-Radelnden. Die Filme werden ab dem 13. Juni 2020 über QR-Codes auf den Infoschildern an allen 24 Ausstellungsorten und direkt über die Internetseite www.landpartie-niederrhein.de abrufbar sein. Die stimmungsvollen bewegten Bilder bereichern die Landpartie-Radtour. Denn an den Ausstellungsorten selbst gestaltet sich die Sichtbarkeit der künstlerischen Arbeiten und die Zugänglichkeit in diesem Jahr natürlich ganz unterschiedlich – von der Hütte mit zahlreichen Infos, über dekorierte Fenster, Schaufenster und Vorgärten bis hin zu zugänglichen Höfen und Werkstätten.

Die vielen verschiedenen Ausstellungsorte haben in diesen besonderen Tagen ganz unterschiedliche Möglichkeiten, den Landpartie-Gästen ihre Arbeiten zu präsentieren. Natürlich ist so das Landpartie-Erlebnis ein anderes als in den ersten vier Jahren.

Wenn die bunten Fahnen wehen

Überall gilt jedoch: Wenn die bunte Landpartie-Fahne draußen weht, freuen sich die GastgeberInnen auf einen spontanen Besuch – unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Ein Mund-Nase-Schutz sollte also unbedingt zum Reisegepäck gehören.

Darüber hinaus kann man einige der Ateliers und Werkstätten auch nach persönlicher Terminvereinbarung besuchen. „Erst eine schöne Radtour genießen und Eindrücke sammeln – dabei die Filmchen an jedem Ort ansehen. Und dann bei den Künstlern, die einen besonders interessieren, einen Termin für einen der Folgetage vereinbaren“, empfiehlt Anne van Rennings vom Landpartie-Team. Die Kontakt-Infos gibt es auf den Schildern an den Ausstellungsorten, über eine interaktive Karte im Netz und auf der beliebten Landpartie-Karte. Diese gedruckte Karte wird dank der Unterstützung der Volksbank an der Niers auch in diesem Jahr überall kostenlos verfügbar sein.

Landpartie wird zur Sommer-Radtour

Alles ist anders in diesen Corona-Tagen – auch die Landpartie am Niederrhein, auf die sich viele bereits gefreut hatten, kann nicht in ihrer bekannten Form stattfinden. Jetzt melden die Aktiven: Es wird trotzdem eine Landpartie geben – und zwar einen ganzen Sommer lang.

„Als die notwendige Absage endgültig feststand war klar: Wir müssen unsere Landpartie in diesem Jahr anders denken, denn gar nichts machen, ist einfach nicht unser Stil“, sagt Anne van Rennings von „wirKsam e.V.“ „Auch und besonders unter den widrigen Umständen in diesem Sommer möchten wir unseren Teil dazu beitragen, dass KünstlerInnen, Kunsthandwerker, Kreative rund um Kevelaer für ein großes, bunt gemischtes Publikum sichtbar, erlebbar und erfahrbar bleiben,“ erklärt Raphaele Feldbrügge. Unzählige Märkte und Veranstaltungen fallen aus, wichtige Absatzmöglichkeiten brechen weg und auch der Austausch mit dem Publikum fehlt vielen. So war die Resonanz der Künstler groß, als die beiden Projektleiterinnen ihnen die etwas andere Landpartie vorstellten.

„Über 20 Orte werden auf der diesjährigen Landpartie-Karte verzeichnet sein,“ berichten die beiden begeistert und freuen sich über die vielen vertretenen Gewerke. Möglich wird die Umsetzung auch dank der Volksbank an der Niers, die weiter als Sponsor mit an Bord ist.

„Besonders in diesen Tagen ist es uns als Genossenschaftsbank vor Ort wichtig, unseren langjährigen Kooperationspartnern weiter zur Seite zu stehen und damit in diesem Fall vor allem die Kunst- und Kulturszene zu unterstützen und zu erhalten,“ versichert Michael Rütten, Geschäftsstellenleiter der Volksbank in Kevelaer, die weiterhin als Sponsor der Lantpartie auftritt.

Auch in Blumenwiesen wird Kunst zu entdecken sein, wie hier am Ausstellungsort Kerkenkath, der zum Verweilen auf der Obstwiese einladen wird. Foto: Landpartie am Niederrhein

Wieder mit Radkarte

Auch in diesem Jahr wird es eine Landpartie-Radkarte geben, die einen Überblick über 20 Orte voller Kunst, Kunsthandwerk und Kreativität liefert. Trotz des Wegfalls der beliebten Geselligkeit und der zahlreichen bereichernden Kulturveranstaltungen am Landpartie-Wochenende, können Gäste auf diese Weise ab dem 13. Juni an einem frei gewählten Tag einen ganzen Sommer lang ihre persönliche Kunst-Radroute in und um Kevelaer zusammenstellen und dabei lokale Künstler, Kunsthandwerker und besondere Orte entdecken. Alle Orte sind anhand einheitlicher Infotafeln leicht zu erkennen.

Bereichert wird diese individuelle „Landpartie-Radtour“ durch überraschende Einblicke in Kunst, Kunsthandwerk und Kreativarbeiten vor der Haustür, in Wiesen oder in Fenstern. Unter Berücksichtigung der Infektionsschutzbestimmungen sind auch spontane oder im Vorfeld abgesprochene Einblicke in Künstlerateliers, Galerien und andere besondere Orte entlang der Strecke möglich, sie bereichern die individuell zusammengestellte Tour. Die Zugänglichkeit und die Öffnungszeiten der Ausstellungsorte variieren dabei stark und werden auf der Karte und im Internet angegeben. Überall gilt jedoch: Wenn die bunten Landpartie-Bänder vor der Tür wehen, ist jemand da und freut sich über Gäste.

Die Aktiven freuen sich auf diese Art einige der schönen Landpartie-Begegnungen und Gespräche über den Sommer verteilt zu erleben und mit Gästen von nah und fern im Austausch zu bleiben. Und die wunderbaren Radwege rund um die Wallfahrtsstadt und die schöne niederrheinische Landschaft machen das Ganze zu einer besonderen Auszeit. Zusätzlich wird erstmals die Karte auch als interaktive Variante im Internet zur Verfügung stehen und einen leichten Überblick über Kunstschaffende in der Umgebung liefern.

Start am 13. Juni

Die „Etwas andere Landpartie am Niederrhein 2020“ kann ab dem 13. Juni den gesamten Sommer 2020 lang beradelt werden. Einzelne kleinere Veranstaltungen können den Sommer über kurzfristig dazu kommen, sofern weitere Lockerungen/Konkretisierungen von Schutzauflagen und Maßnahmen rund um Veranstaltungen dieses zulassen, versprechen die VeranstalterInnen zum Ausblick.

Auch eine gemeinsame Finissage im September ist möglich und angedacht. „Wir arbeiten auf Hochtouren und freuen uns die Radkarte und die Beteiligten Anfang Juni der Öffentlichkeit vorstellen zu können. Dazu finden Interessierte stets aktuelle Infos auf unserer Internetseite und bei Facebook.“

Vorfreude auf neugierige Fragen und Blicke

Die Teilnehmer der Landpartie stecken schon wieder mitten in den Vorbereitungen und ihr Treffen am Dienstagabend im KUK-Atelier beflügelte noch die Vorfreude auf das beliebte Kulturereignis, an dem am 13. und 14. Juni 20 Orte den Besuchern offenstehen werden.

Eine mittelalterliche Burg, ein Bunker, zwei ehemalige Klöster, verschiedene Werkstätten, Ateliers und alte Höfe sind darunter – und fünf davon sind ganz neu dabei. Beim Treffen in den Räumen des Vereins „wirKsam e.V.“ wurden dazu die druckfrischen Plakate und Flyer verteilt, die ab sofort auf das Ereignis im Juni hinweisen.

Erste Übersicht über die Ausstellungsorte

Detaillierte Beschreibungen gibt‘s dann wieder, wenn die einzelnen Programmpunkte feststehen, die am Dienstag erstmals besprochen wurden. Die „extralangen Flyer“, die aktuell ausliegen, bieten ein erste Übersicht über die 20 Ausstellungsorte der fünften Landpartie am Niederrhein und machen schon ordentlich Lust auf einen Besuch.
Für die Volksbank nahm Geschäftsstellenleiter Michael Rütten am Auftakttreffen teil, die Volksbank ist wieder als Sponsor mit dabei. „Die Landpartie am Niederrhein ist eine ganz besondere Präsentationsmöglichkeit für die zahlreichen hier in Kevelaer aktiven Künstler und Kunsthandwerker, die wir gerne unterstützen“, so Rütten. „Auch ich plane, wieder unterwegs zu sein und freue mich auf schöne Begegnungen und Entdeckungen.“

Die Vorfreude sei berechtigt, meint Raphaele Feldbrügge, die gemeinsam mit Anne van Rennings vor fünf Jahren die Idee zu der Veranstaltung hatte und mittlerweile mit weiteren Künstlern und Kulturschaffenden den Verein „wirKsam e.V.“ gründeten, der der Landpartie und weiteren Kunst- und Kulturprojekten eine Heimat gibt. In allen Kevelaerer Ortschaften, in der Innenstadt und sogar in Weeze-Laar gebe es Ausstellungsorte, verprechen die beiden Veranstalterinnen.

„Viele Aussteller*innen arbeiten vor Ort und freuen sich auf neugierige Fragen und Blicke“ schreibt Anne van Rennings in einer Pressemitteilung zu den außergewöhnlichen Begegnungen mit Kunst und Kultur der besonderen Art. „Erstmals wird ein Gitarrenbauer mit dabei sein und Führungen geben Einblick in eine private Sammlung im Achterhoek und in die Clemenskirche“, verrät Raphaele Feldbrügge schon mal ein paar Details.

Landpartie am Niederrhein 2020

13. und 14. Juni 2020.
20 Ausstellungsorte.
Ein ausführliches Programm mit Radkarte erscheint Ende April. Der Plan wird erstmals bei der „fahrRad-Pause Kevelaer“ am 26. April auf dem Peter-Plümpe-Platz ausgegeben.

Riesenerfolg für die Landpartie am Niederrhein

An den 20 Plätzen in und rund um Kevelaer gab es für die „Landpartie“-Gäste an den zwei Tagen immer wieder überraschende Momente zu erleben und tolle Entdeckungen zu machen.
Wer beispielsweise zum richtigen Zeitpunkt auf der Burg Kervenheim vorbeischaute, hatte das Vergnügen, die Kervenheimer Formation „De Jäcksges“ auf dem Rasen zu entdecken. Die sangen für den früheren Bezirksschützenkönig und Kervenheimer Michael Fichte und seine Angetraute Andrea zur Hochzeit ein Ständchen. „Meine Frau hatte erst Schnappatmung, als es hieß, da ist dann noch eine Veranstaltung“, umarmte der glückliche Bräutigam seine Frau, während Ortsvorsteher Martin Brandts fand, „dass das gerade so gut zusammenpasst.“
Die Besucher genossen jedenfalls den Anblick sowie die Grillwürstchen und Kaffee und Kuchen des gastgebenden Vereins „Wir für Kervenheim“. Daneben lockten die diversen Kunstbeiträge – von Dorothee Rühlkes Blumenarrangement-Workshop bis zu den Feinbeton-Skulpturen von Brigitte Polfers.
Historisch Interessierte wurden von Hobby-Archäologe Bernd Kibilka mit einem Bildervortrag in die Geschichte der Burg eingeführt. „Wir sind zufrieden mit dem Zulauf“, meinte Hans-Bernd Wessels für den Veranstalter.
Musikalisch konnten die Besucher eine anregende Vielfalt wahrnehmen: Von der innigen Musik der Formation „mentalLift“ im KuK-Atelier am Stalenus-Platz über das melodische Akustik-Trio „FreiBase“ an der Winnekendonker „Kerkenkath“ bis zu der wirklich bezaubernden Querflöten-Musik von Paulina Gilsbach im „Atelier der EIGENen ART“ in Schravelen.
Der „Theaterchor Niederrhein“ gab in dem verwunschenen „Garten(t)räume“-Garten von Jörg von der Höh am Sonntag 30er-Jahre-Songs zum Besten. „674“, verkündete der Gastgeber auf die Frage, wieviele Klicks er mit seinem Besucherzähler insgesamt gemacht hatte. „Da sind Tausend Besucher bis zum Abend drin.“ Die Krimilesung mit Klaus Stickelbrock trug ihren Teil dazu bei.
Wer den Samstagabend angemessen ausklingen lassen wollte, genoss den mitreißenden Irish Folk von „Paddy´s Fancy“ auf dem Johanneshof der Eheleute Nießen. „Wir sind das erste Mal hier, aber nicht das letzte Mal“, meinten Franz-Josef und Marita Steinhoff aus dem westfälischen Lippborg bei Soest begeistert.
Wie bei vielen zufällig befragten „Landpartie“-Besuchern war auch ihr Favorit die Wember Steinwerkstatt Lepper. „Nächstes Jahr kommen wir mit dem Laster, wir hätten alles mitnehmen können“, meinte das Paar. Bei Lepper überzeugten auch die Beiträge vom „Ratinger Tragödchen“ mit einer Hommage an Hanns-Dieter Hüsch.
Lediglich der offene Abend im KuK-Atelier, der sonst viele Akteure und Gäste nochmal zum Austausch und zum Musizieren zusammenbringt, war am Samstagabend nicht so gut frequentiert wie in den Jahren zuvor.
Am Ende der zweitägigen Veranstaltung saß Mitbegründerin Raphaele Feldbrügge gemeinsam mit ihrem Mann, ihren Künstlern und Helfern in ihrem „Atelier der EIGENen ART!“ am Steensweg in Schravelen und zog ein positives Fazit. „Es war einfach unglaublich“, schwärmte sie von der sagenhaften Resonanz. „Freunde aus Berlin, die vor drei Jahren schon da waren, sagten uns, dass sich die Besucherzahl seit damals verdoppelt, wenn nicht sogar verdreifacht hat.“
Vor Ort habe sie noch 200 Programmhefte gehabt. „Die sind alle weggegangen.“ Und einige Standorte hätten danach noch gefragt.Das zeige, dass noch viele spontane Fahrer dazugekommen seien – zu denen, die die „Landpartie“ eh schon für sich geplant hatten.
An ihrem Standort hätten sich die Leute sehr wohlgefühlt. „Viele sagten, das ist unsere letzte Station zur Entschleunigung.“ Für sie selbst hatte es einen ganz besonderen Moment an diesem Wochenende gegeben: „Als alle am Sonntag um 12.30 Uhr – wie an allen Standorten – zusammen ,Die Gedanken sind frei‘ sangen. Das war Gänsehaut.“
https://www.kevelaerer-blatt.de/landpartie-2019/

Tanz, Musik und Dichtung

Mit Tanz, Musik und Dichtung wurde die „Landpartie“ in der Wember Steinwerkstatt Lepper eröffnet. Passend zur Idee der „Landpartie“ waren Bruni Nolden und ihr Mann mit der „Fiets“ von Kevelaer aus nach Wemb zur Steinwerkstatt aufgebrochen, um den Auftakt der „Landpartie“ frei nach George Grosz „Turbulenzen der Welt ! Liebe Freunde – ahoi!“ mitzuerleben. 
Mein Mann hat die Stellen angekreuzt, die ich ihm empfohlen habe“, war sie wie viele auf die „verschiedenen Kunstobjekte, die Gärten und die Ideen, die man für sich mitnehmen kann“, im Rahmen der zweitägigen Veranstaltung gespannt.
„Man erlebt Landschaft und Punkte, wo man sich andere Welten erschließt“, sagte der Weseler Godehard Reul, der schon im Vorjahr auf Entdeckungsreise in Kevelaer und Umgebung gegangen war.
Rund 120 Kunstinteressierte und Künstler wollten in die Atmosphäre aus Kunst, Tanz und Klang eindringen. „Ich bin total begeistert, dass so viele gekommen sind“, freute sich Gastgeberin Lisa Lepper, die an der Darbietung aus Tanz und Dichtung ihren Anteil hatte. „So wechselt auch der eigene Blick“, sagte die bildende Küstlerin.
Ausdrucksvoller Bewegungstanz
Sie war Bestandteil der „dansWerkstatt“ von Edith Bongers-Reul und Petra Rühl, die im Wechselspiel mit dem Rezitator Johannes Lepper für künstlerische Spannung, Ausdruck und Faszination sorgten. „Wir wollen Frauen über 50 zeigen, dass sie auf einer Bühne bestehen können“, erklärte Petra Rühl.
Im Raum stehend, bewegten sich die sechs Frauen zunächst getragen mit schaftswollartige Vierecken auf dem Kopf, um dann im klassischen Gewand zu Pop-und Klang-Kompositionen fulminanten, ausdrucksstarken Bewegungstanz darzubieten. „Jeder hat die Möglichkeit, was er im Gehirn damit machen kann“, beschrieb Rühl, was es auslösen sollte.
Bei „With or without you“ von U2 überzeugte die Schlichtheit zweier Tänzerinnen, die sich langsam aufeinander zubewegen, um sich dann wieder aneinander vorbei von dem Anderen zu entfernen. „Das wollen wir weiter entwickeln“, verriet Rühl im Anschluss, dass es dazu schon mehrere Varianten gäbe. „Das soll jedesmal am Ende eine neue Pointe erhalten.“
Dadaistische Dichtung
Zwischen den Tanzdarbietungen „jagte“ Joahnnes Lepper „den toten Hasen“, wie sein Beitrag im Vorfeld angekündigt war. Er unterhielt das Publikum mit gerade fantastisch-dadaistisch wirkenden Texten wie „Von allem viel“, trug in Englisch vorgetragene Verkürzungen und Dehnungen zu „What a beauty bee“.
Und er erging sich in atemlos-furiosen Elegien, wo er Wortgedanken miteinander verband wie „unvollendete Forschung“, dass „der Mensch trotz der Abschaffung des Stuhlgangs droht abzumagern“ und „trotz Tennis der Kopf, die Steine – Unvollendete: Cut!“

Faszinierende Klänge Lateinamerikas
Den künstlerischen Abschluss des Auftaktabends bestriten Carlos Crespo Repetto und Esther Crespo-Damm mit Gitarre und Gesang. Der aus Uruguay stammende Gitarrist lebt seit 50 Jahrne in Deutschland, hat in dieser Zeit in mehreren renommierten deutschen Klassikorchestern gespielt und arbeitet als Musikprofessor an der Uni Mannheim.
Gemeinsam stimmte das Duo Lieder Mittel-und Lateinamerikas (von Paraguay über Chile, Argentinien bis Mexiko) an. Ob argentinischer Tango oder Melonga, das Duo konnte die Zuhörer mit seinen sehnsuchtsvoll klingenden Melodien in seinen Bann ziehen.

Den künstlerischen Abschluss des Auftaktabends bestriten Carlos Crespo Repetto und Esther Crespo-Damm mit Gitarre und Gesang.


Carlos Crespo Repetto überzeugte bei Liedern wie „Piedra y camina“ mit seiner warmen, in die Seele kriechenden Stimme, was sich wunderbar mit der zarten, im Timbre phasenweise fast verletzlich wirkenden Stimme seiner Tochter Ester ergänzte.
Darüber erhielten die Lieder etwas Besonderes, Magisches. Und selbst so ein spanischer „Popsong“ wie „Hijo de la luna“ oder ein Kinderlied wie „En cache va una nina“ verzauberte die Zuhörer.
Danach nutzen die Gäste noch die Gelegenheit zum Austausch und gingen in die Hofgalerie, um schon mal einen Blick auf die Kunstwerke von Lisa Lepper zu werfen. „Ich finde die Steine fantastisch. Die haben Farbe, Leben, Ausdruck”, zeigte sich die Weezerin Christiane Siao von ihren Arbeiten begeistert. “Die möchte ich am liebsten streicheln.”

Daneben waren Arbeiten der Malerin Trix Rijpkema, der Goldschmiedin Antje Witzler, der Töpferin Anke Dahmen-Wassenberg, des Malers Wolfgang Roesch und der freischaffenden Maler Peter Dreier und Michael Hanousek zu entdecken.