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Wer im kommenden Jahr mit von der Partie sein möchte, sollte sich jetzt bewerben

Termine für die Landpartie am Niederrhein 2022 stehen fest

Zwei außergewöhnliche Jahre liegen hinter den Aktiven der Landpartie am Niederrhein. Trotz widriger Umstände gelang es auch in diesem Jahr mit Zuversicht und Durchhaltevermögen auf besondere Weise, Kunst und Kultur rund um Kevelaer an insgesamt einzigartigen 22 Ausstellungsorten zu präsentieren.

Der Auftakt war ein voller Erfolg. An zwei Wochenenden geht‘s weiter

Die Landpartie lockt weiter

Bei strahlendem Sonnenschein startete am vergangenen Wochenende die sechste Landpartie am Niederrhein. Unzählige Besucher*innen, viele auch von außerhalb, genossen die besondere „Fietstour“ vorbei an wunderbar blühenden Mohnfeldern und saftigen Wiesen.

Samstag geht‘s los: Kunst und Kreatives an drei Wochenenden entdecken

Die dreifache Landpartie

Die Vorfreude bei Publikum, Gastgeber*innen und Aussteller*innen ist groß: Endlich wird wieder gemeinsamer Kunst- und Kulturgenuss möglich, wenn auch unter Auflagen.

Vorbereitungen zur zweiten Landpartie unter Corona-Bedingungen laufen

Möglich machen, was eben geht

Sie meinen, „im Juni muss Kultur wieder möglich sein“, sagen Anne van Rennings und Raphaele Feldbrügge. Die beiden Initiatorinnen und Organisatorinnen der „Landpartie am Niederrhein“ wissen zwar vielleicht noch nicht was, aber dafür schon mal, wie‘s geht.

Kunst und Mensch im Dialog

Ein letztes Mal konnten Radfahrer, Touristen und Menschen aus der Nachbarschaft an den verschiedenen Standorten zwischen Weeze-Laar und Twisteden schauen, was die Künstler der sechsten Kevelaerer „Landpartie“ an originellen, besonderen und kreativenn Werken vom Holzgeschnitztem bis zum funkelnden Glas zu bieten hatten.

Ob in Bettina Hackmanns Atelier am Schloss Wissen, im Atelier der EIGENen Art in Schravelen, bei Flora Design mit seinem Angebot von Floristik bis Glasperlenschmuck und jeweils einer Yoga-Schnupperstunde der „Lebensart Kevelaer“ oder dem Quartier Klostergarten mit den Mitgliedern des „Fotoclubs Lichtstark“, es war eine große Vielfalt von Kunsthandwerklichem zu entdecken.

Das galt auch für die Kervenheimer Burg, wo sich nochmal alle Künstler tummelten und den Besuchern die Gelegenheit zum persönlichen Austausch über ihre Arbeiten gaben. Ob die Filzsachen von Silke Neumann, Karin Bucksteegs handbemalte Windlichte oder die rostige Skulpturen von Keusen-Joppich-Heyl, zum Stöbern gab es genug Möglichkeiten.

Schön für den Garten

Paul Riddermann blieb mit seiner Frau fasziniert bei den „Betonköpfen“ von Brigitte Polfers hängen. „Das ist sehr schön für den Garten“, sah das Paar aus Uedem die Werke als eine schöne Anregung an. „Ein paar von den Köpfen sind schon weggegangen“, hörte sich das aus dem Mund der Künstlerin nach einem annehmbaren Geschäft an.

Auch der Uedemer Kollege Roland Joppich mit seinen Rostskulpturen registrierte „mehr Besucher als ich gedacht hatte.“ Ein paar Meter weiter pries Nicole Hieckmann aus Kevelaer ihre „Glückswächter-Stelen“ an. „Die sind zur Landpartie entstanden und sie werden gut angenommen“, zeigte sie sich von dem „idealen Ambiente“ und den „lockeren Leute“ bei ihrer Burgpremiere sehr angetan.

Mit der Resonanz auf ihren eigenen Landpartie-Standort bei „Nicole´s Kreativwelt“ war sie auch zufrieden: „Das war gut dieses Jahr. Ich hatte auf jeden Fall nette Gespräche mit netten Leuten, die vorbeigekommen sind. Drei Monate waren ein bisschen lange. Aber die Wochenenden, die ich da war, haben sich auf jeden Fall gelohnt. Wenn der Termin passt, bin ich nächstes Jahr wieder dabei.“

Das Gelderner Ehepaar Gerry und Ruth de Raef fanden die Arbeiten von Marita Müller richtig schön. „Die Ton-Rose, die schenke ich mir zur Not selber“, hatte sie schon ihren „Favoriten“ ausgemacht. „Wir sind einfach mal mit dem Rad los“, betrachtete ihr Mann anerkennend die „Magd“-Figur, die die Uedemer Künstlerin erstmals auf eine Ausstellung mitgenommen hatte. „Als Wasserträgerin kommt sie gut zur Geltung.“

Ein Abschluss mit bunten Lichteffekten.

Als Ersatz fürs Kuchenbuffet, das wegen der Corona-Auflagen nicht möglich war, hatte der Verein „Wir für Kervenheim“ zumindestens Berliner und Brezel als kleine Nachmittagsergänzung organisiert. Und statt eigenem Kaffee hatte man – hygienisch einwandfrei – das kleine Kaffeemobil der Düsseldorfer Gabi und Markus Sedan engagiert. „Die Location ist einfach klasse, und die Niederrheiner sind so nett“, hatte Sedan jedenfalls nicht bereut, bei der Landpartie mit von der Partie zu sein. „Eine tolle Dorfgemeinschaft hier.“

Vereinssprecher Hans-Bernd Wessels zeigte sich zufrieden. „Wir haben bei der Anzahl der Künstler keine großen Massen erwartet.“ Er konnte mit dem Zuspruch gut leben, bis am letzten Nachmittag dann ein Regenschauer einsetzte. Auch Rita Skodek wirkte hinter ihrem Schmuckstand relativ entspannt. „Ich hatte den ganzen Tag Leute da. Es ist eine schöne Stimmung.“ Sie hatte dafür gesorgt, dass auf dem Burggelände Künstler mit ihren Arbeiten zu sehen waren.

Abschluss mit Regen und Lichteffekten

Den etwas regenfeuchten, aber optisch würdigen Abschluss der Landpartie feierten Brigitte Roth und ihr Partner auf dem Wyckermannshof in Laar. Dort bestand die Gelegenheit, ihre Kunstwerke jeweils bis 22 Uhr beleuchtet bewundern zu dürfen. „Am Tag waren es heute nochmal 44 Leute“, zeigte sie auf den Personenzähler in ihrer Hand. Schon am Vorabend hatten sie sich mit den einzelnen Gästen ein bisschen „verquatscht“, gestand sie lachend. Und auch am letzten Abend kamen tatsächlich noch ein paar Besucher, die sich trotz des Regens nicht davon abhielten ließen, die Skulpturen und anderen Arbeiten zu sehen.

Karin und Klaus Kammann aus Weeze wollten sich das Ereignis nicht entgehen lassen. „„Wir waren vor ein paar Wochen tagsüber hier. Da haben wir uns gedacht, wir fahren abends nochmal hin, um das mit Lichteffekten zu sehen“, erzähle die 56-Jährige. „Mein Mann hatte im Internet gesehen, dass die solange machen. Und wir wollen uns für den Garten was mitnehmen.“

Typisch Niederrhein

Sie hatte sich schon für einen der Weidenpfähle entschieden. „Das ist typisch Niederrhein“, versicherte sie. Ihr Mann war noch nicht ganz überzeugt: „Leisten können wir uns das, aber zu Anfang sagt man: super. Und nach drei Monaten ist der Effekt weg.“ Seine Frau widersprach: „Ich finde das immer schön. Da steckt soviel Arbeit drin, wo die Weidepfähle so ausgehärtet sind. Das hat man bestimmt sein Leben lang.“

Das Paar hatte insgesamt drei Landpartie-Touren hinter sich. „Das hat uns Spaß gemacht. Das war fast noch besser als nur an einem Wochenende.“ So habe man sich jeweils drei, vier Stationen aussuchen können. „Das war schön, wenn man mehrere Wochenenden Zeit hat.“ Und drei Wochenenden, das meinten beide, „kämen uns sehr entgegen.“

Anne van Rennings zieht ein Fazit der Landpartie 2020

Die Mit-Organisatorin der Landpartie 2020 , Anne van Rennings, zog ein positives Fazit der Veranstaltung. „Wir sind sehr zufrieden und sind froh, es gemacht zu haben.“

Sowohl vom Publikum wie von den Gastgebern habe man eine positive Rückkopplung bekommen, „dass es stattgefunden hat.“ Viele der Gäste hätten es genossen, in Ruhe „mal da oder auch mal da“ schauen zu können. Man habe natürlich nicht einschätzen können, wie sich das Ganze auch unter Corona-Bedingungen so entwickeln würde. „Im Juni und Juli waren die Standorte richtig gut besucht. Im August gab es dann richtig heiße Wochenenden, wo es schwierig war.“

Aber es seien auch tatsächlich viele Leute aus dem Ruhrgebiet oder anderen Regionen gekommen, die sich die Veranstaltung ausgesucht hätten, um hier quasi so eine Art „Kultururlaubs-Wochenende“ zu machen. „Die waren gezielt mit Camper und Rad hier. Das war tatsächlich eins der Tourismus-Events in diesem Jahr.“ Davon profitiere auch Kevelaers Ruf als Kultur-, Urlaubs- und Lebensstandort.

Die Aussteller hätten sich an unterschiedlichen Wochenenden präsentiert, nicht jeder hatte durchgängig geöffnet. Das habe aber in dem Ermessen jedes einzelnen Standortes gelegen.
Einer Wiederholung der Veranstaltung über eine so lange Dauer solle sich nach van Rennings im nächsten Jahr möglichst nicht wiederholen: „Das war ja Corona geschuldet.“ Die Tendenz laufe in Richtung drei Wochenenden. Es würden sich nicht alle Termine überschneiden. Aussteller und Besucher hätten mehr Flexibilität. Am richtigen Konzept „basteln wir aber noch.“

Sie werde sie sich mit ihrer Co-Initiatorin Raphaele Feldbrügge und allen Ausstellern zusammensetzt, die Interesse haben, daran mitzuwirken. „Wir hoffen, dass die Voraussetzungen 2021 leichter sind.“ Corona habe ganz viele Dinge, die zum Charakter der Landpartie gehörten, schon merklich beeinträchtigt, zum Beispiel auch Musikkonzerte, „wenn nicht wie bei Lisa Lepper die Künstler sogar selbst spontan Musik gemacht hätten.“

Auch Workshops wären in diesem Jahr so wie sonst nicht zu verwirklichen gewesen. Sowas wie die nette Tasse Kaffee und Kuchen dazu, das habe man halt nicht anbieten dürfen. „Es wäre schön, wenn das alles nächstes Jahr wieder ein Bestandteil des Ganzen wäre“, blickt Anne van rennings optimistisch nach vorne.

Die Chance, sich zu präsentieren

Um zu Brigitte Roth zu kommen, bedarf es erstmal des Weges entlang des Maisfeldes vorbei an einem anderen Wohnhaus. Ein Pfeil mit der Aufschrift „Kunsthandwerk Weeze“ weist den Weg zum mehrere hundert Quadratmeter großen Grundstück, dem Wyckermannshof mit dem offenen Torbogen.

Erst seit eineinhalb Jahren wohnt die 55-Jährige mit ihrem Liebsten Frank H. Rudolph in Laar. „Ich habe früher an der Alten Wember Straße in Kevelaer gewohnt. Da hätte ich nicht so gerne Gäste gehabt. Auf dem Garagenhof hätte es sich nicht ganz so schön gemacht“, gesteht sie.

„Doch hier kann ich mich richtig verwirklichen“, erzählt die Frau, die auch im Niederrheinischen Museum als Mitarbeiterin tätig ist. Zu ihrer Passion, das Grundstück künstlerisch zu gestalten, sei sie über ihren Job gekommen: „Ich habe mal angefangen zu malen, inspiriert durch die ganzen Künstler im Museum. Ich bin aber keine Künstlerin und will mich nicht mit solchen vergleichen. Ich bin Kunsthandwerkerin.“ Aber es mache ihr halt Spaß, „zu sehen, was ich da erschaffe. Und anderen Leuten gefällt es auch.“

Bei der Auswahl des Materials, mit dem sie zu Werke geht, ist sie sehr flexibel. „Ich kann mich da nicht entscheiden. Ich arbeite viel mit Holz, alten Weidezaunpfählen und Eisen, sehr gerne auch mit Glas, das hat so was bei Tageslicht und ich finde es auch abends total schön. Ich liebe auch Mosaikarbeiten, mache da grade einen Kurs im KuK-Atelier. Ich glaube aber, das ist das, was die Menschen hier anspricht“, nimmt sie ihre Gäste gerne mit auf einen Streifzug entlang der Objekte .

Die „Landpartie“ sei für sie „mehr als erfolgreich“ gelaufen, auch wenn es an diesem Tag vielleicht nur ein Dutzend Besucher waren und die Woche davor bei 35 Grad niemand gekommen wäre. „Ich hab gut verkauft auch, hatte im Durchschnitt zu Beginn über den Tag Sonntag 50 bis 70 Leute hier, Samstags waren es so an die 30. Deswegen kann ich mich nicht beschweren.“

Es ginge ja auch nicht um die Masse, sondern um das echte Interesse. „Schön war für mich die Chance, mich zu präsentieren. Sonst weiß ja kein Mensch, dass ich hier bin.“
Ideal sei dabei die „Radfahrautobahn“ und die Tatsache gewesen, dass mit Lisa Leppers Steinwerkstatt in Wemb und Bettina Hachmanns Atelier am Schloss Wissen zwei Mitkünstlerinnen quasi auf der Radstrecke liegen.

„Von Bettina durch die Unterführung zu mir und durch das Wildschweingehege dann zu Lisa nach Wemb. Das war super.“

Alle Gäste seien froh gewesen, dass die „Landpartie“ überhaupt stattfindet. Zweieinhalb Monate fände aber selbst die Mitorganisatorin Raphaele Feldbrügge „dann aber doch etwas überambitioniert.“

Als nächstes Projekt hat sie sich die Gestaltung begehbarer Mosaikplatten vorgenommen. „Da experimentiere ich jetzt“, verweist sie auf die bereits ausliegende Probeplatte. „Das finde ich spannend.“

Und an dem Wochenende, wo die „Landpartie“ endet, wird sie das Grundstück bis 22 Uhr für Besucher offen halten. „Ich habe ganz viele Objekte, die abends dann beleuchtet sind. Dann haben wir einen schönen Abschluss.“

Es bleibt mehr Zeit für die Besucher

Als Raphaele Feldbrügge die Tür zum Atelier EigenArt am Steensweg öffnet, hat sie gerade eine Besucherpause. „Es ist heute sehr ruhig, was ich dem Wetter zuschreibe“, lächelt die 61-jährige, die die „Landpartie“ gemeinsam mit Anne van Rennings organisiert . „Bei den Temperaturen bleibt man zu Hause oder am Pool.“

In ihrem weitläufigen Garten hat sie einige ihrer Makro-Fotografien und Bilder aufgestellt, die im Laufe der letzten Jahre gemacht hat. „Die kann ich hier ganz anders präsentieren und die Leute können sich vorstellen, wie sie im Garten wirken.“

Dazu kommen noch die Bilder ihrer beiden Künstlerkolleginnen Ellen Eva Regel aus Emmerich, die vielfältige Bilder aus dem Leben malt, und Ela Tophoven-Ravenslot aus Doetinchem, die in ihren großformatigen Arbeiten in Acryl und Kreide Begegnungen von Menschen darstellt. Ganz neu sind die „Landpartie“-Tassen, die sie „in den ersten zwei Wochenenden vergessen hat, rauszustellen“ – ein schönes Erinnerungs-Accesssoire für die Besucher.

„Ich bin über das ganze Organisieren seit dem letzten Jahr nicht dazu gekommen, neu künstlerisch tätig zu werde“, macht sie deutlich, wie aufwändig die Vorbereitungen für so ein Kulturevent tatsächlich sind. Zumal zu der normalen Arbeit für das Projekt noch die neue Situation mit der Coronakrise kam.Die Folge war die Besonderheit, das die „Landpartie“ diesmal ihr Angebot über einen ganzen Sommer bis Ende August verteilt. Mit der Resonanz ist Feldbrügge bislang zufrieden. Zu Anfang seien noch die gekommen, die man sowieso aus den letzten Jahren kenne. „Aber jetzt waren auch neue Leute da.“

Kleine Gruppen aus Düsseldorf, Duisburg oder Rheurdt hätten sich zusammengetan, seien mit dem Zug und anschließend mit dem Rad angereist. „Wir hatten Sonntage, wo über den Tag verteilt bis z 50 Leute da waren.“ An anderen Tagen wären aber auch deutlich weniger gekommen.

Unter www. landpartie-niederrhein.de/karte-zur-sommertour-2020 könnten sich die besucher erkundigen, welche Künstler ihre Tore, wann öffnen. „Die Besucher akzeptieren, dass nicht alle auf haben.“ Den Teilnehmenden stelle man ja frei, wann sie mit dabei sind. „Und letzte Woche war es einfach nur zu heiß und auch heute ist es grenzwertig.“

Ihr falle auf, dass „die Leute sehr interessiert sind, sich gezielt die Schilder angucken. Es ist fantastisch, wie sie mit der Hygiene umgehen. Alle haben eine Maske mit und fragen , ob sie sie aufsetzen müssen.“ Im Atelier selbst sei das natürlich nötig. „Aber da hat niemand ein Problem damit.“

Natürlich bedauerten die Menschen, dass es Musik oder Verköstigung nicht gebe, was natürlich die Gemütlichkeit und das Verweilen an einem Ort noch angenehmer mache. „Abere s gibt viel Verständnis dafür, dass alles anders ist.“ Und die Dankbarkeit dafür, dass die Landpartie überhaupt stattfindet, sei eh spürbar.

Die neue Situation, die Veranstaltung über so lange Zeit zu „strecken“, habe durchaus auch Vorzüge. „Ich habe wirklich Zeit, mit den Besuchern zu reden.“ So wie an diesem Tag, wo sie für ein Besucherehepaar aus Geldern, dass selber fotografiert, ausgiebig Zeit zum Fachsimpeln findet.

Mit Blick auf das kommende Jahr sei aber schon klar, dass die Veranstaltung „so eindeutig zu lang“ ist. „Das ist grundsätzlich nicht machbar, das ist definitiv Corona geschuldet.“ Aber es an „zwei bis drei Wochenenden“ auszurichten, das kann sich Feldbrügge schon vorstellen.

Schöne Kunst mit wenig Besuchern bei der Landpartie in Kevelaer

So richtige Begeisterung will in diesem „Landpartie“-Jahr bei Markus Nießen nicht aufkommen. Der in der Corona-Zeit 60 Jahre alt gewordene Tischler und Möbelrestaurator ist von Beginn an bei dem „Landpartie“-Projekt mit dabei. „Im ersten Jahr war ich noch bei Lisa Lepper in der Steinwerkstatt in Weeze-Wemb und danach dann immer wieder hier am Johanneshof.“ So richtig in Gang kommen tut das Ganze bei ihm in diesem Jahr bislang nicht. „Das erste Wochenende war ja noch ganz gut“, sehnt er sich natürlich nach der Zeit vor Corona, wo noch „hier ganz viel Zauber mit Livemusik und Weinausschank war, aber das durften wir alles nicht.“ Beim zweiten Mal, „da waren jetzt mehr Freunde und Bekannte hier als Besucher“, musste er enttäuscht zur Kenntnis nehmen. Die Maskenpflicht drücke da auf die Bereitschaft zu kommen, vermutet er. „Die Stimmung ist nicht so entspannt wie in den letzten Jahren.“

Selbst arbeitet Nießen seit 35 Jahren in seiner Werkstatt und Winothek an der Johannesstraße 28, wobei sich der Schwerpunkt vom Möbelbau und der -restauration auf kunsthandwerkliche Sachen verlagert hat. „Wir wollen ja auch nicht nur quatschen, sondern auch etwas verkaufen. Und da tut sich nicht so viel.“ Das ist umso bitterer, als ja auch für alle Kunsthandwerker die Marktsaison 2020 aufgrund der Corona-Krise ins Wasser fällt. „Wir wären ja sonst auch beim Krefelder Flachsmarkt, bei ‚Kunst auf dem Parkdeck‘ in Düsseldorf. Das ist alles abgesagt worden.“ Da blieb nur der Humor als Ventil. „Schön wär´s, wenn wir im Lotto gewinnen, dann machen wir solange ‚Landpartie‘, bis die Kohle zu Ende ist.“

Trotzdem lohne sich der Gang über seinen Hof, zumal er auch in diesem Jahr wieder interessante Künstlerkollegen für die „Landpartie“ gewinnen konnte – wie die Meerbuscher Goldschmiedemeisterin Katja Pollok, die bereits 2019 mit dabei war. „Dieses Jahr waren leider kaum welche da. Die waren zwar alle happy, dass sie raus konnten, aber kauffreudig waren sie nicht.“

Grafik-Design oder Goldschmiedin?

Schon von klein auf, „seitdem ich den Stift halten konnte“, war sie in irgendeiner Form künstlerisch tätig, erzählt die 54-Jährige. Mit 21 stand sie vor der Wahl. „Ich hatte Grafik-Design oder Goldschmiedin in petto.“ Das Praktikum in einer Werbeagentur gefiel ihr dann gar nicht. „Da bin ich auf die Goldschmiedeschule in Hanau gegangen für dreieinhalb Jahre.“ Und so blieb sie diesem Kunsthandwerk erhalten. Wenn sie beschreiben soll, was sie bis heute daran noch fasziniert, dann muss sie schon überlegen: „Schwer zu sagen, wenn man das so lange macht. Das ist fast der Entwurf und nicht speziell das Material. Sich etwas ausdenken und das dann daraus herstellen, ob in Silber oder Gold.“ Natürlich gebe es auch mal „zuerst schöne Steine, um die herum man sich ein Schmuckstück ausdenkt – das ist auch eine Challenge“, sagt sie.

Veranstaltungen wie die „Landpartie“ seien gerade in diesen Zeiten enorm wichtig. „Und dass man sich zeigen kann, ist generell wichtig, weil das immer weniger wird. Wir haben ja leider als Kunsthandwerker das ‚große Internet‘ als Konkurrenz und das ist zum Teil sehr traurig.“

Der Wunsch nach mehr Besuchern

Ilex Hild reiste aus Köln an, um ihr Kunsthandwerk in Kevelaer zu präsentieren. Sie produziert seit 40 Jahren Schals und Herrenwesten. Foto: AF

Für die 62-jährige Kölnerin Ilex Hild ist die „Landpartie“ 2020 ihre persönliche Premiere. „Der Markus hat mich eingeladen – wir sind gemeinsam in der Arbeitsgemeinschaft der Kunsthandwerker Düsseldorf, die heute ‚angewandte Kunst Düsseldorf‘ heißt“, erläuterte sie den Hintergrund. „Der Eindruck hier ist sehr gut, man fühlt sich sehr wohl, aber man wünscht sich mehr Besucher.“ Ihr Kunsthandwerk ist die Weberei. „Ich fand immer schon Stoffe und Textilien spannend und wollte dementsprechend was Handwerkliches machen.“ Ihre Eltern gaben ihr für diesen Traum vollständige Rückendeckung. „Mein Vater war von Beruf ja selbst Grafik-Designer, der hat das unterstützt.“

So produziert sie seit 40 Jahren Schals und Herrenwesten in verschiedenen Größen und Ausführungen. „Wenn sie mal nicht passen, dann kann man das mal auf Maß fertigen.“ Auf jeden Fall sind es keine maschinell hergestellten Stoffe, „sondern alles Unikate“, ist es ihr wichtig herauszustellen. Für ihre Kunst findet sie auf den diveren Ausstellungen immer wieder Abnehmer. „Normalerweise ist es so. Aber wenn alle Veranstaltungen ausfallen, dann geht gar nichts.“

Alle Beteiligten hoffen nach wie vor auf die Neugierigen, die sich von Corona nicht abhalten lassen. „Jetzt können wir uns das ja nicht aussuchen, diesmal müssen wir das ja entzerren“, meint Markus Nießen zum diesjährigen Format. „Wir hätten entweder komplett darauf verzichten können oder als ‚Landpartie light‘ machen können.“ Grundsätzlich findet er es persönlich schöner, „wenn man konzentriert alles an einem Wochenende hat, aber vielleicht ergibt sich ja jetzt ein anderes Konzept, dass man es ein bisschen länger zieht.“ Richtig überzeugt, das merkt man, ist er davon aber nicht. „Die Erfahrungen der Wochenenden tragen wenig dazu bei, so etwas nochmal so zu machen.“

Gesteigerte Zufriedenheit

Strahlende Sonne, entspanntes Feeling – so präsentierte sich das weitläufige Gelände der Steinwerkstatt von Lisa Lepper am ersten Juli-Wochenende. Zwischen ihren Stein-Wasserbrunnen, den Skulpturen und Figuren bewegten sich die eher vereinzelt kommenden Gäste, was die Gastgeberin sehr freute. „Dass das alles so vertraut ist, wie ruhig es ist und wie alles sich entwickelt“, sagte die 62-Jährige und verwendete den Begriff „menschengerecht“ für die Art und Weise, wie die „Landpartie“ in diesem besonderen Corona-Jahr 2020 verlief. „Bei den anderen Landpartien war mehr Betrieb, waren viel mehr Menschen aufeinander. Es steigert wirklich die Zufriedenheit“, war Leppers persönlicher Eindruck.

Töpferin Anke Dahmen-Wassenberg  holte sich zwischendurch mal eine Tasse Kaffee, unterhielt sich in der großen Ausstellungshalle an ihrem Stand längere Zeit mit Michael und Janneke Zoller aus Kleve. Beide hatten über sie von der „Landpartie“ erfahren.  „Wie sollen Künstler Kunst in diesen Zeiten an den Mann und die Frau bringen ? Das ist für die alle eine schwere Zeit – das muss man bekannter machen“, waren sich beide einig  – und diskutierten mit der Künstlerin über einen ihrer Kunst-“Fische“, der im Garten auf einem Stab stand und plötzlich verschwunden war. „Es sind ja fliegende Fische, vielleicht ist er weggeflogen“, scherzte die Töpferin.

Sie teilte den Eindruck, den Lisa Lepper an den vergangenen Wochenenden gewonnen hatte. „Man hat selbst mehr Zeit für die Besucher. Und hier lassen sich viele mehr Zeit, weil es viele Aussteller gibt“ – neben ihr und Lepper die Steinbildhauer Johanna Behl, Konstantin Döhler und Elmar Steinrücken sowie die Malerin Trix Rijpkema mit ihren großformatigen Arbeiten und die Goldschmiedin Anke Witzler.

Nebenbei: Musik

Die hatte ihren Schmuck sogar in eine Abendlampe hineingehängt und musste gestehen, dass sie aufgrund ihrer anderen Leidenschaft vom Verkauf zeitweilig doch sehr eingespannt war. „Ich mache hier ja auch so ganz nebenbei Musik“, sorgte sie mit ihrem Saxofon und mit dem Gitarristen Frank Schopmann mit alten Jazzstandards für die passende Untermalung des Nachmittags. „Für die Seele ist es wunderbar und macht mir sehr viel Spaß“, gestand die Künstlerin, die schon in den letzten Wochen immer wieder in neuen Konstellationen für schöne Klänge gesorgt hatte.

Zufällig setzte sich dann Franz Lesinck dazu und spielte ein paar Minuten das Cajon. „Vorige Woche war ich schon mal hier und habe direkt gesagt, dass ich nochmal zurückkomme“, war der Mann aus der niederländischen Gemeinde Bergen von den Exponaten überall sehr angetan.

Die Landpartie bietet immer wieder eine gute Gelegenheit, mit Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen.Foto: AF

Eine Dame aus Kranenburg hatte mit ihren drei Freundinnen zuvor schon das Schloss Wissen als „Landpartie“-Station aufgesucht und nahm auf einer Steinbank zum Verweilen Platz. „Wir sind beeindruckt von den Räumlichkeiten hier, die freie Gestaltung in der Natur und da der Raum – echte Kontraste“, genoss die Frau die kontroversen Diskussionen untereinander. „Jeder sieht die Objekte mit seinem Blick.“

Und selbst „Landpartie“-Mitinitiatorin Anne van Rennings nutzte die Chance, mit Mann und Kind auch mal außerhalb der „LandPartie“ nach Wemb zu kommen. „Wir haben bei uns so wie hier eine Installation auf der Wiese. Die ist nicht betreuungs-intensiv.“ An ihrer „Landpartie“-Station mit durchgemähten Wegen und Infoschränkchen sei es so, „wie  wir uns das wünschen würden. Wir fahren irgendwo hin, nehmen uns ein Kärtchen, machen bei schönem Wetter eine Radtour, finden ein schönes Fleckchen in der Wiese und machen ein Picknick.“ Tatsächlich seien schon Leute da gewesen.

Besser als gedacht

Wie sie die „Landpartie 2020“ bisher so erlebe? „Wir haben ein gutes Gefühl und viele positive Rückmeldungen von den Gastgebern. Es ist besser als gedacht“, zeigte sie sich aber eher skeptisch bei der Frage, ob man so eine Konzeption in den nächsten Jahren nochmal so durchziehen kann.  „Über so einen langen Zeitraum, wie es jetzt ist – es ist ja ein „Corona-Experiment“- das wird es nicht sein. Aber die Erfahrung wird in die nächsten Jahre mit einfließen“, ließ sie offen, ob man das Ganze dann über ein Wochenende, zwei oder eventuell vier Wochenenden laufen lassen wird.

Für das laufende Jahr könne man aber eins definitiv sagen, was Aussteller und das Publikum gemeinsam auf jeden Fall teilen: „Die meisten sind froh, dass überhaupt etwas passiert.“

Keramikausstellung bei der Landpartie

Am Sonntagnachmittag steht Jutta Friedrich vor ihrer Haustür an der Kuhstraße 11c und plaudert mit einem Paar aus Goch-Asperden. Sehr angetan zeigte sich Sabine Schreus von den Ausstellungsgegenständen. „Ich töpfere selbst ein bisschen und schaue gerne, was andere so machen.“ Die Künstlerin freute sich über den Austausch. „Heute hatte ich nur so um die drei, vier Leute da. Aber die haben auch gekauft“, zeigte sich Friedrich nicht unzufrieden mit der Resonanz des Tages.

Angesichts der Corona-Pandemie hatte sie sich in diesem Jahr dazu entschieden, nur ihren Vorgarten mit den Kunstwerken auszuschmücken. „Lieber 40/50 Quadratmeter Vorgarten als das Gehen durch den Garten mit Maske. (…) Letztes Jahr waren so 70 bis 100 Leute hier, da haben wir sogar im Garten gegrillt.“ Dass ihr die „Landpartie“ zumindest die Gelegenheit eröffne, ihre Objekte einem breiteren Publikum zu zeigen, fand die 58-Jährige gut, die sonst jedes Wochenende auf Kunsthandwerkermärkten ist. Aber da sei bis September alles abgesagt, meint sie.

Töpfern als Therapie für die Tochter

Jutta Friedrich

Sich mit Keramik und Töpfern zu beschäftigen, darauf kam die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau vor über 20 Jahren. „Das geschah über die Therapie meiner Tochter, die nicht richtig sprechen konnte.“ Um da etwas zu verändern, kaufte sie ihr Ton. Denn das Töpfern löse automatisch einen Prozess aus, bei der sich die Zunge bewege, erklärt sie. „Und dann hatte ich noch gut zehn Tonnen Ton und dachte mir, da kannste ja was mit machen.“ Gesagt, getan – und seitdem ist sie bei diesem sehr kreativen Kunsthandwerk geblieben.

Neben den Tieren fertige sie auch kleine Engel an. „Passend zum Thema habe ich auch welche mit Maske.“ Da werde mit einem Zahnstocher die Maske darauf glasiert, wofür es eine Brille und eine ruhige Hand brauche, beschrieb sie den technischen Prozess. Ein besonderer Clou seien aber die Keramik-Engel mit S04-Abbild. Sie habe geträumt, sie solle für einen Fußballclub Engel machen. Sie erzählte den Traum einem Kollegen aus Wesel. Der sagte, er hätte Kontakte zu einer Würstchenbude am Trainingsplatz auf Schalke. Und schon war Jutta Friedrich mitten drin im blau-weißen Trubel.

„Die Würstchenbude hat meinen Schalke-Engel an der Zapfsäule hängen“, verbindet sie mittlerweile eine ganze Reihe von Anekdoten mit den Engeln. „Sogar der Weltstar Raul hat die Engel für seine Kinder gekauft“, erzählt sie nicht ohne Stolz. Auf Baltrum habe sie dann sogar Schalke-Fans getroffen, die die Engel kannten und perplex waren, die Erschafferin zu treffen. „Und wenn ich nach Gelsenkirchen hinfahre und ein Paket aus dem Kofferraum hole und damit hochlaufe, sagen die Ordner jedesmal: „Da isse wieder, die Engeltante.“