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Musikalisches Bekenntnis zu Europa

Kevelaer. Fast sommerliche Temperaturen, geschäftiges Treiben und noch sehr aktiver Wahlkampf von SPD, CDU, Grünen und FDP prägten am Samstagvormittag das Stadtbild rund um den Roermonder Platz, als gegen zehn nach elf eine Trompete des Kevelaerer Musikvereins und erste Stimmen in Richtung des Kevelaerer Kaffeehauses zu vernehmen waren. Drei Musiker mit Akkordeons, mehrere ältere Herren und Gerhard Löffler näherten sich dem Straßenübergang und sangen immer lauter voll Inbrunst „Freude schöner Götterfunken“.
Bei Stassen saßen bereits wartend einige Mitglieder des Niederrheinchores, die sich erhoben und mit einstimmten, während von der Bahnstraße und auf dem Roermonder Platz weitere Sängerinnen und Sänger auf dem Platz vor Rewe zusammen die Europahymne intonierten.
Minuten zuvor hatten sich die gut 80 Sängerinnen und Sänger im Gemeindesaal von St. Antonius versammelt, um nochmal die Abläufe zu besprechen und die beiden vorgesehenen Kompositionen – neben den Beethoven-Melodien noch die bekannte Melodie „Die Gedanken sind frei“ – einmal durchzuüben.
„Wir haben den Niederrheinchor angesprochen – uns war der europäische Gedanke einfach wichtig“, unterstrich Löffler als stellvertretender Dirigent des Männergesangvereins.
Und so eroberten die beiden Chöre den Roermonder Platz, die Aufmerksamkeit der Passanten  – und der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Die gesellte sich spontan zu den Musikern und den Sängern, sang mit Inbrunst die erste und dritte Strophe des Liedes „Die Gedanken sind frei“ und lobte  das Engagement der Beteiligten als „wichtigen Impuls“.
Anschließend wiederholte die groß gewordene Gesangsgruppe inmitten des Getümmels unmittelbar vor Stassen ihre Aktion – und nutzte dann die Gelegenheit zum Austausch bei einem gemeinsamen Gläschen und einem Plausch.

Zweite Landpartie mit über 100 Aktiven aus Kevelaer und Umgebung

Kevelaer. Am 10. und 11. Juni ist es zum zweiten Mal soweit: KünstlerInnen und Kreative laden gemeinsam zur selbstorganisierten „Landpartie am Niederrhein“. Zu entdecken gibt es Kunst, Kultur und Kulinarisches an insgesamt 16 Ausstellungs- und Veranstaltungsorten in Kevelaer und Umgebung.
Nach der erfolgreichen Premiere 2016 sind in diesem Jahr über 100 Kulturengagierte mit dabei und laden ihre Gäste zu einem Wochenende in ihre Ateliers, Werk- und Wirkungsstätten ein. Neben dem aus dem vergangenen Jahr bekannten und in der zweiten Ausgabe noch einmal verfeinerten Ausstellungs- und Freizeitprogramm ist vor allem der Veranstaltungsteil erheblich gewachsen. So gibt es in diesem Jahr viel Musik zu hören, aber auch Autorenlesungen und weitere künstlerische Darbietungen. Schon am „Vorabend“, Freitag, 9. Juni,  startet die Landpartie wieder mit einem „Eröffnungskonzert“ in der Feldscheune im Achterhoek (mit der Charlestown Jazzband, NL, VVK 10 Euro, Ticketkontingent begrenzt, Anfragen unter info@nuk-achterhoek.de).
Die Idee, einen guten Mix anzubieten, sei an den Standorten und bei den Veranstaltern sehr gut angekommen, sagen Raphaele Feldbürgge und Anne van Rennings, zwei der Initiatorinnen der selbstorganisierten Landpartie. Anhand eines Flyers und eines Faltblattes kann sich jeder Interessierte eine persönliche Tour zu den ausgewählten Standorten selbst zusammenstellen; auf einer Karte sind für die Fahrradfahrer sogar die Entfernungen zwischen den einzelnen Punkten angegeben. Neben der geografischen Auswahl gibt es natürlich auch die Möglichkeit, sich an dem Gebotenen zu orientieren. So könne man zum Beispiel gezielt Angebote für Familien heraussuchen, zu den Vorführungen und Workshops fahren oder eine „musikalische Tour“ unternehmen. Die Faltblätter und Flyer sind beim Kevelaer Marketing im Rathaus und bei den Standorten erhältlich. Im Internet kann man das Faltblatt herunterladen: www.landpartie-niederrhein.de.
Die Standorte:
Atelier Bettina Hachmann, Schloss Wissen, Schlossallee 26, Weeze.
Atelier für künstlerische Keramik, Jägerstraße 70, Kevelaer.
Ein ‚malerischer‘ Garten, Römerstraße 54, Kevelaer.
Flora Design, Vorst 14, Kevelaer.
Garten(t)räume, Koxheidestraße 104, Kevelaer.
Inge Leenen, Grüner Weg 7, Winnekendonk.
Johanneshof, Johannesstraße 28a, Kevelaer.
Kerkenkath, Ploodyck 3, Winnekendonk.
Kreativschmiede Schelbergen, Hungerwolfsweg 12, Achterhoek.
KUK-Atelier, Johannes-Stalenus-Platz 8, Kevelaer.
Martina Nowak, Kuhstraße 13 c, Twisteden.
Natur und Kultur im Achterhoek e.V., Vereinswiese, Achterhoeker Schulweg 34, Achterhoek.
Naturhof Etzold, Hestert 10, Winnekendonk.
Steinwerkstatt Lepper, Am Bruch 10, Weeze-Wemb.
Wurzelwerk – Der Miteinandergarten, Geldernerstraße 380, Kevelaer.
Zeltplatz Anna Fleuth, Niersstraße 39, Winnekendonk.

Gelungene Premiere für Casanovas Comeback

Kervenheim. Was Autor Andreas Wehning als „Komödie in drei Akten“ vorschlägt, ist eigentlich mehr ein Schwank – bis auf ein paar holprige Kalauer im ersten Akt ist das sogar durchaus positiv zu verstehen. Die Kervenheimer würzten das einfach konstruierte Stück mit ein wenig Lokalkolorit und peppten einige der Figuren gehörig auf – schon reichte es für einen sehr unterhaltsamen und lustigen Abend im ausverkauften Saale Brouwers.
Vor der mit Spannung erwarteten Wiedergeburt des alten Schwerenöters erlebte das Publikum zunächst einmal eine Ausgeburt an Langeweile. Gewollt natürlich, denn so lernt das Publikum den erfolglosen Vericherungsvertreter Ralf Boring (wunderbar wandelbar: Karl-Heinz Brouwers) kennen. Der hat mit seiner Frau (Karin Gorthmanns, in der Folge als „Kleopatra“ ebenso wie verwandelt) vor allem im Bett nicht mehr viel zu tun. Stattdessen hat er Flossen im Kopf: Er widmet sich hingebungsvoll seinen Guppy-Fischchen. Bis Freunde seiner Frau (routiniert, aber nicht gelangweilt: Michaela Leisten und Markus Scheffer) mit ihrem Esoterik-Tick seine Wandlung zu Casanova und damit den ersten Höhepunkt des Abends einläuten.
Im zweiten Akt hat der knackige Kervenheimer Casanova dann alle Frauen auf seiner Seite: Hinter ihm her sind zwei nervige Nachbarinnen (urkomisch: Cäcilia Horlemann und Anne Ophey), eine fröhlich flirtende Arbeitskollegin (flott: Marlene Büssers), und sogar der Abteilungsleiter der Versicherung (Heinz Schmitz wurde nach einem kleinen ungewollten, aber komischen Versprecher gleich vom Publikum ins Herz geschlossen) kann ihm ob seines Erfolges nicht widerstehen. Da kann auch der rührige Bruder seiner Frau (Uwe Magney gab in dieser Rolle einen großartigen Einstand bei den gemütlichen Kervenheimern) kaum den Überblick bewahren.
Dass am Ende unter der Spielleitung von Gisela Franzen und nach reichlicher Verkleidungs-Schlacht wieder alles gut wird, versteht sich von selbst. Doch bis dahin bieten Casanova, Marilyn Monroe, König Ludwig II. sowie die eine oder andere Kleopatra reichlich Gelegenheit zu Gelächter und Zwischenapp­laus. Die schicke Bühne ging auf das Konto von Clemens Spittmann und Peter Koppers, Technik und Ton besorgte Rudi Rühlke, Frisuren und Maske Kerstin Slodczyk und als Souffleuse konnten sich die Spieler auf Susanne Lembert verlassen.
Die Premiere des Comebacks war gelungen, der Vorsitzende des 138-jährigen Kervenheimer Theatervereins, Erich Derricks, bedankte sich beim Ensemble und den Partnern, die die Bewirtung im Saal übernommen hatten.
Mehr Fotos in der Fotogalerie.
Am Samstag, 13. Mai, gibt es eine weitere Aufführung um 19.30 Uhr. Dafür gibt noch Restkarten bei den Vorverkaufsstellen und  auch an der Abendkasse. Info: www.tvg-kervenheim.de.

Stunk in der Mariechen-Stadt

Kevelaer. Die Marienstadt scheint auch ein Gnadenort für begnadete und begnadigte Kabarettisten zu sein: Das „dreckige Dutzend“ – zwölf Mitglieder der Kölner „Stunksitzung“ – jedenfalls machte in der vergangenen Woche das Bühnenhaus randvoll mit Besuchern, mit Sketchen, mit allerlei parodistischer Musik. Das bunte Programm setzt sich aus diversen „Highlights“ vergangener Sitzungen zusammen, die längst noch nicht verstaubt wirken, beileibe nicht langweilig geworden sind und auch ohne große Kulissen, eben „unplugged“ auskommen.
Dabei kamen die Kabarettisten aber um den Karneval nicht ganz herum, schließlich spielte man in der Stadt der „ersten Mariechen-Erscheinung“, wie eingangs festgestellt wurde. Am Beispiel des Umgangs der Kölner Roten Funken mit einem Westfalen lässt sich das Thema Inklusion auch bestens erläutern, das „Missionswerk Rheinischer Frohsinn“ coachte ein Dreigestirn und das „Hänneschen-Welttheater“ versammelte diverse Pointen zu Potentaten. Zwischendurch bot sich ein Blick  ins „Lehrerzimmer der Mariechen-Gesamtschule Kevelaer“, in der die unterschiedlichen Verschleierungstaktiken religiöser Entfaltung von Kopftuch bis Burka diskutiert wurden. Und der unnachahmliche Professor Grzimek führte ein Exemplar des gemeinen braunen Hohlkopfes vor.
Augenzwinkernd moderiert von Reiner Rübhausen und musikalisch kräftig unterstützt von der „Juffes-Pig-Band“ mit Songs aus den Kölner Stunk-Sitzungen – wie zum Beispiel „Sexy“ von Bauer Schmitz oder „Mach ma ‘n Komma“ vom verlassenen Lehrer ging der Abend viel zu schnell rum. Am Ende jedenfalls stand das Publikum im Bühnenhaus der Mariechenstadt wie ein Mann auf und  sang „op Kölsch“ mit.

Landpartie wirft ihre Schatten voraus

Der nächste Schritt zur Landpartie ist eingeläutet. Am 10. und 11. Juni wird in und um Kevelaer an 16 Standorten, von über 100 Aktiven aus der Region, Kunst, Kultur und Kulinarisches geboten. Unter der Regie von Anne van Rennings und Raphaele Feldbrügge findet die zweite Landpartie am Niederrhein statt.
Um die 25.000 gedruckten Flyer und 500 Plakate in Empfang zu nehmen, trafen sich jetzt die Standortbetreiber und einige der Künstler, Aussteller und alle, die für das leibliche Wohl sorgen werden bei Fredda Wouters im KUK-Atelier an der Basilika. Ab sofort liegen die Flyer in vielen Geschäften in Kevelaer und Umgebung aus. Zudem machen Plakate die Interessierten schon bald auf das große Fest der Kunst, und Kultur aufmerksam.