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Björn Lohmann

Neue Impulse, alte Verhältnisse?

Ein Kommentar von Björn Lohmann.

Dr. Dominik Pichler bleibt Bürgermeister von Kevelaer. Das dürfte für die Wenigsten ein überraschender Ausgang der Wahl am vergangenen Sonntag gewesen sein. Pichler agiert in der Politik trotz seines SPD-Parteibuchs meist überparteilich und Brücken schlagend. In der Bevölkerung ist er beliebt und hat sich in seiner ersten Amtsperiode keine großen Schnitzer geleistet. Doch trotz der Unterstützung durch SPD, KBV, Grüne und FDP dürfte die Deutlichkeit seines Sieges – 77,7 Prozent – überrascht haben. Sie beweist, wovon der ehemalige CDU-Fraktionschef und Stadtverbandsvorsitzende Paul Schaffers früh überzeugt war: Auch bei vielen CDU-Mitgliedern und CDU-Wählern wird Pichlers Arbeit geschätzt. Ein eigener CDU-Kandidat war von Beginn an chancenlos.

Es ist Mario Maaßen aus Parteisicht hoch anzurechnen, dass er dennoch seinen Hut in den Ring geworfen hat. Maaßen ist gradlinig und qualifiziert, seine Bekanntheit vor der Kandidatur war vermutlich mit der von Pichler bei dessen erster Kandidatur vor fünf Jahren vergleichbar. Das Ergebnis ist daher wohl vor allem ein Sieg Pichlers und weniger eine Niederlage Maaßens, die sich beide im Wahlkampf mit Respekt begegnet sind. Umso mehr erstaunt das Verhalten des CDU-Vorstands am Wahlabend: Der ließ Maaßen mit seiner Niederlage geschlossen allein. Letztlich war es dessen Mitbewerber Pichler, der öffentlich eine Lanze für den CDU-Mann brach und zudem Vorfreude auf die weitere Zusammenarbeit im Rat bekundete. Zwar erklärte der kommissarische CDU-Vorsitzende Michael Kamps später, er wolle weiter auf Maaßen bauen und auch der Wahlverlierer selbst zeigte sich kämpferisch. Wie die CDU aber tatsächlich mit der Niederlage umgeht, wird sich wohl erst bei der nächsten Wahl des Fraktionsvorsitzenden zeigen.

Zweischneidig dürfte für die CDU in Kevelaer auch das Ergebnis der Ratswahl sein. Einerseits hat die Partei in gewohnter Stärke mit einer Ausnahme alle Direktmandate geholt und ist mit Abstand wieder stärkste Fraktion geworden. Andererseits hat sie nach dem herben Verlust in 2015 nun noch einen weiteren Verlust erlitten und liegt nur noch bei 40,5 Prozent. Nominell ist damit ihre Position im neuen Rat etwas geschwächt – faktisch braucht sie wie bisher lediglich eine beliebige Fraktion als Verbündeten, um ihre Positionen durchzusetzen. Pichler wird also weiterhin kaum darum herumkommen, den Kompromiss mit der CDU zu suchen.

Bitter ist das Ergebnis für die Partei des alten und neuen Bürgermeisters. Während dieser die überwältigende Mehrheit der Bürger hinter sich weiß, rutscht die Zustimmung zur SPD auf ein neues Rekordtief. Der Ortsverband hat einige Konflikte hinter sich, ist zuletzt öffentlich und im Rat eher blass geblieben. Wer so wenig vom eigenen Bürgermeister profitieren kann, darf die Schuld nicht nur in der Bundespolitik suchen.

Die KBV hat ihre Stimmgewinne von 2014 in dieser Wahl wieder abgegeben. Da es keine Analysen zur Wählerwanderung gibt, kann man nur spekulieren, wem sich die Abgewanderten zugewandt haben. Der verjüngten FDP? Den in Kevelaer ebenfalls bürgerlichen, aber progressiveren Grünen? In jedem Fall bleibt die KBV auch geschwächt eine relevanter Akteur der Kevelaerer Politik.

Die beiden Wahlsieger sind jedenfalls klar die Grünen und die FDP. Nachhaltigkeit, Klimaschutz, lebenswerte Innenstädte – das sind Themen, deren Bedeutung für die Wähler zunimmt und die Kernkompetenzen der Grünen sind. Kaum eine Partei fällt im Rat zudem mit so vielen Vorschlägen auf. Damit ist die Partei nach dem zweiten Stimmgewinn in Folge auf Platz zwei in Kevelaer aufgestiegen, wenngleich nur knapp vor der SPD und noch weit hinter der CDU. Ob das genügt, damit die grünen Ideen künftig häufiger eine Ratsmehrheit finden, bleibt dennoch abzuwarten.

Klar aufwärts geht es auch für die FDP: Nach den Verlusten 2014 ist die Partei neu erstarkt. Zwar bildet sie weiterhin die kleinste Fraktion im Rat, aber die Nadelstiche, die die FDP regelmäßig gegen die Verwaltung oder andere Parteien gesetzt hat, dürfte das verjüngte Team mit viel Lust und Energie fortsetzen, wie man schon am Abend der Wahlparty spüren konnte.

Bleibt ein Wort an die größte Fraktion des Wahlsonntags: die Nichtwähler. Eine Wahlbeteiligung von 54 Prozent ist peinlich. Damit ist Kevelaer zwar alles andere als ein Sonderfall, aber bei aller Kooperation, die oft zwischen den Parteien zu beobachten ist – und die etwas Gutes darstellt –, gibt es ganz klare Unterschiede in der Grundhaltung und in einzelnen Forderungen. Dadurch dürften sich weit mehr Menschen in einem der Wahlprogramme wiederfinden, als jetzt an die Wahlurne getreten sind. Aber wer nicht wählt, darf hinterher auch nicht meckern, wenn sich andere Positionen als die eigene politisch durchsetzen.

„Ein Hammer-Ergebnis, mit dem ich nicht gerechnet habe”

Es war um kurz nach zehn, als Wahlleiter Ludger Holla den alten und neuen Bürgermeister Dominik Pichler und seinen Herausforderer Mario Maaßen von der CDU auf das Podium des Konzert- und Bühnenhauses holte. Er bedankte sich bei beiden für den „fairen Wahlkampf“, was angesichts solcher Beispiele wie Xanten nicht unbedingt selbstverständlich sei. Kurz zuvor hatte er das vorläufige amtliche Endergebnis der Bürgermeisterwahl verkündet, das mit 77,69 Prozent für Pichler das zweitbeste Ergebnis aller Bürgermeister im Kreisgebiet darstellt. Bei seiner Dankesrede wurde deutlich, dass Pichler die Bedeutung dieses besonderen Wahlergebnisses schon erfasst, aber nicht so ganz begreifen konnte. „Es ist einigermaßen unfassbar, was da abgestimmt wurde. Ein Hammer-Ergebnis, mit dem ich nicht gerechnet habe. Jetzt gehe ich erstmal ein Bier trinken.“

Vor drei Tagen habe er noch mit Jörg Ambroz von der CDU spekuliert. „Da haben wir von ganz anderen Zahlen geredet, wir lagen beide weit daneben.“ Ein Ergebnis wie dieses „erfüllt mich mit Freude, mit Stolz, aber auch mit Demut, weil der Bürger ein klares Votum abgegeben hat, was er will.“ Vor fünf Jahren sei er noch mit einer Hypothek gestartet, weil damals „klar kommuniziert worden ist: Junge, du bist gewählt worden, weil wir den Alten nicht wollten.“ Da wisse man nicht so ganz genau, „ob das, was man tut, gut ist und vernünftig ist und von den Menschen so gewollt wird.”

Letztendlich habe der Bürger sein Votum abgegeben. „Und das ist das, wofür wir den ganzen Kram hier machen – für die Bürger. Wenn die Bürger sagen, das passt, dann ist es richtig. Wenn sie sagen, es passt nicht, ist es nicht richtig.“ Er dankte den Wählern ausdrücklich für das Vertrauen, wobei er den Stimmbezirk Wetten II ausnahm. „Da habe ich vor fünf Jahren mit 29 zu 71 auf die Birne gekriegt, das hat weh getan. Und jetzt ist es wieder das schlechteste Ergebnis mit 70 Prozent“, scherzte er. Und sein Dank ging ausdrücklich an seine Frau, die aktiv mitgewirkt hatte und „in den letzten Wochen einen sehr monothematischen Mann ertragen musste.” Das sei nicht leicht, wenn man dann noch sechs Kinder hat. „Das ist auch Familiengefüge, das besteht neben dem Job.“

Jetzt stehe noch viel Arbeit vor ihm und dem Rat, blickte er voraus. „Da kann ich nur hoffen und dafür plädieren, dass wir weiter im Gespräch bleiben und uns miteinander unterhalten und nach richtigen, guten Wegen suchen und sie finden“, bot er erneut die überparteiliche Zusammenarbeit aller Fraktionen in Sachfragen an. „Ich sehe die Verantwortung und ich sehe, was auf mich zukommt.“

Mario Maaßen und Dominik Pichler.

Er dankte auch seinem Konkurrenten Mario Maaßen für den fairen Wahlkampf, den man sich auch „in die Hand versprochen“ habe. „Es muss ja irgendwie weitergehen. Und das geht nicht, wenn man sich vorher in die Schnauze haut. Und das haben wir nicht, und das ist gut so.“ Dann wandte er sich überraschend an die CDU. „Und ich kann nur hoffen, dass mein Gegenkandidat, der den Arsch in der Hose hatte, zu sagen, ich trete an, dass der bitte nicht nach den üblichen politischen Gegebenheiten in den Orkus gejagt wird. Denn das ist einer von den Gescheiten, mit dem ich gerne weiter zusammenarbeiten möchte“, zeugten diese Sätze von hohem Respekt und Wertschätzung.

Auch Mario Maaßen bewies in der Niederlage Größe. „Das war eine respektable Leistung“, erkannte er den Triumph des Amtsinhabers an. „Wer sich zur Wahl stellt, muss damit rechnen, dass er einen auf die Mütze bekommt, das habe ich heute ganz gewaltig. Aber ich wäre kein Niederrheiner, wenn ich nicht damit umgehen könnte. Ich schlafe eine Nacht drüber und morgen wird die Sache schon wieder ganz anders aussehen. Und ich denke, dass ich nicht den Kopf in den Sand stecken werde, sondern genauso da weitermache, wo ich zuletzt aufgehört habe.“ Das verband er allerdings auch mit einer klaren Warnung an Pichler. „Allerdings für Dich heißt das, du hast die nächsten fünf Jahre immer jemanden im Nacken. Das wird gut klappen, in dem Bereich sind wir alle für Kevelaer unterwegs. Wir haben uns immer gut gestritten, und wir sind immer dann ein Bierchen trinken gegangen. Und das soll auch so bleiben. Viel Glück.“

Gegenüber dem KB meinte Maaßen ergänzend„Wir haben mit Dr. Pichler ja keinen Schlechten, ich weiß die Stadt in guten Händen. Jetzt baue ich darauf auf.“ Was den zukünftigen Rat angeht, „der wird natürlich aufgepumpt. Wir haben zwar alle Direktmandaten gezogen, aber sind prozentual gefallen, werden Überhangmandate bekommen und über 40 Leute in den Rat.“ Was seine Position angeht, machte er deutlich: „Ich bin sowieso bis zum 1.11. Fraktionsvorsitzender, und dann muss das die Fraktion neu bestimmen. Ich bin kein Typ, der aufgibt.“

CDU setzte sich durch

Bei der Wahl zum Rat wurde deutlich, dass es keine politische Kraft gibt, die alleine durch regieren kann. Stärkste Partei wurde die CDU, die zwar fast alle Direktmandate holte (im Wahlbezirk 3, Kevelaer Nord II ging eines an Jan Ehren, KBV), mit 40,53 Prozent der Stimmen aber Verluste von 4,71 Prozent zu verzeichnen hat. „Das Ziel ist nicht ganz erreicht, die 45 Prozent zu halten“, sagte der kommissarische Vorsitzende der CDU Kevelaer, Michael Kamps. „Wir müssen analysieren, warum. Das ist nicht ganz das Ziel, was ich mir erhofft hatte.“

Die Kandidatur von Mario Maaßen sei „nicht erfolgreich“ gewesen. „Wir haben ihn aufgestellt. Und das Ergebnis ist zu respektieren.“ Ob der Schritt, ihn aufzustellen, ein Fehler war? „Es war kein Fehler“, antworte er nach langem Zögern, „aber es stellte sich auch nicht die Frage. Eine Mitgliederversammlung hat gesagt, sie will einen Kandidaten. Und man kann sich darüber nicht hinwegsetzen.“ Mario Maaßen sei „ein gutes und wichtiges Mitglied der CDU-Familie in Kevelaer. Er muss das Ergebnis erstmal auf sich wirken lassen. Ich zähle fest auf Mario, schauen wir mal, in welcher Funktion. Und vor allem muss er selber sagen, was er will. Das Ergebnis hat nichts mit der Position in der Partei zu tun.“

Die Wahlergebnisse wurden parallel über unterschiedliche Kanäle verfolgt.

Was die weitere Arbeit im Rat anbetrifft, zeigte er sich gesprächsbereit. „Wir haben im letzten Rat auch nicht die absolute Mehrheit gehabt und sind mit den anderen Parteien zurechtgekommen. Man muss sehen: Welche Leute sind bei welchen Parteien dabei? Das muss man erstmal sacken lassen.” Ob das Votum des früheren Stadtverbandsvorsitzenden Paul Schaffers der Partei geschadet hat? „Die Einstellung war vielen Leuten bekannt. Er hat nichts Neues erzählt. Ich denke nicht, dass er der Partei geschadet hat. Wir haben ja in unserem Wahlprogramm drin, dass es bei uns eine Meinungsvielfalt gibt und wir die aushalten können. Das wird die Zukunft jetzt zeigen.“

Jutta Bückendorf, Vorsitzende der CDU im Ortsverband Kevelaer-Mitte, meinte: „So wie es aussieht, sind wir die stärkste Fraktion, also werden wir auch Politik machen. In den größten Teilen der Entscheidungen sind wir nah beieinander, in den strittigen Punkten muss man gucken, ob man Partner findet. Und die Frontalstellung ‘Alle gegen die CDU’ wird sich nach der Wahl wieder auflösen. Pichler hatte den Amtsbonus und war präsenter als alle anderen Kandidaten.“ Friktionen habe es im Wahlkampf nicht gegeben. „Und was von außen kam, keine Ahnung, wie groß der Eindruck da ist. Wir hatten den Eindruck, dass die letzten beiden Querschläger keine große Auswirkungen gehabt haben“, war sie beim Thema Paul Schaffers eher kurz angebunden. „Paul kennt mich gut genug, um zu wissen, wie ich das einschätze. Und damit wissen das genug Leute.“

Schaffers selbst verfolgte den Wahlabend „als Zivilist“ vor Ort mit. „Ich finde es als CDU-Mitglied schade, dass die CDU Stimmen verloren hat. Sich zu Maaßens Ergebnis zu äußern, das „steht mir nicht zu“, machte er deutlich. Dass der richtige Bürgermeister gewählt worden sei, „da stand ich ja zu. Ich habe als normaler Bürger und Unternehmer meine Stimme dazu abgegeben. Dass ich noch CDU-Mitglied bin, ist was anderes. Aber ich glaube, dass schon ganz viele Leute nicht mehr wussten, wer ich eigentlich war, wenn ich aktiv war. Die Welt ist sehr schnelllebig. Und ob alle wussten, was ich vorher gemacht habe, weiß ich nicht.“

Matthias Wirth, CDU-Kreistagsmitglied, meinte: „Die Anspannung ist riesig gewesen. Ich bin froh, dass es von Kreistagsseite für Frank Tunnissen und mich gut aussieht. Und was mich freut, ist das Landratsergebnis, auch wenn wir nicht sicher wissen, was es wird. Für Mario tut es mir sehr, sehr leid.“

Kein Bürgermeisterbonus für die SPD

Karin Raimondi von der Kevelaerer SPD musste mit ihren GenossInnen einen Verlust von 3,16 Prozent verkraften. Die SPD liegt jetzt bei 17,76 Prozent. „Es ist enttäuschend, dass die Wähler nicht honorieren, was man macht. Die wählen Schwarz, und gibt es Probleme, stehen sie bei uns vor der Tür.“ Warum der Bürgermeisterbonus bei der SPD nicht angekommen sei, wusste auch Raimondi nicht zu sagen. „Das verstehe ich auch irgendwo nicht. Er kommt ja von uns. Wir haben ihn ja da hingesetzt, wo er jetzt ist. Der Aderlass der beiden zu den grünen abgewanderten Ex-SPDlern Brigitte Middeldorf und Björn Völlings habe sicher Stimmen gekostet. „Aber wir sind ja nicht die einzige SPD, die diesen Verlust erleidet.“

Szenen aus dem Bühnenhaus…

Der stellvertretende Bürgermeister Norbert Baumann sah das etwas entspannter. „Ich persönlich bin sehr zufrieden mit 35 Prozent. Wir hätten mehr holen können, auch müssen – bei dem, was wir die letzten fünf Jahre geleistet hatten“, sagte er, sah das aber nicht als „Beinbruch“ an. „Das Ziel war Halten, das haben wir nicht ganz geschafft. Wir haben viele junge Leute neu dabei, die sich einarbeiten müssen. Das kommt wieder.“

Die KBV, bislang drittstärkste Partei im Rat, büßte 2,44 Prozent ein und liegt jetzt bei 13,45 Prozent. Johann-Peter van Ballegooy, ebenfalls stellvertretender Bürgermeister, fiel es nicht leicht, das einzuordnen. „Schwer zu sagen, woran es gelegen hat. Wir haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Der Wähler hat entschieden. Damit müssen wir leben. Mal sehen, wie die Karten gemischt werden.“ Online sei seine Partei „sehr präsent“ gewesen. „Daran haben wir gearbeitet, weil es für die jungen Leute ein verpflichtender Faktor ist. Wir haben Flyer verteilt und Wahlzeitungen, am Stand waren wir vertreten und es waren genügend Leute da.“ Es gehöre zur Geschichte der KBV, dass es mal nach oben, mal nach unten ginge. „Diesmal haben wir einen Kurs nach unten. Jetzt muss die neue Mannschaft weitermachen. Als Partei könne man sich nur für Kevelaer positionieren. „Das hat den Nachteil, dass es keine Kontakte zu überörtlichen Gruppierungen und Stellen gibt.“

Ein Wahlsieger in Kevelaer sind die Grünen, die ihren Stimmenanteil um fast sechs Prozent auf 17,99 Prozent steigern konnten und erstmals den Stimmen nach vor der SPD an Position zwei liegen. „Megagut, wenn man überlegt, wo wir herkommen, auch als durchaus polarisierende Partei“, freute sich Ulrich Hünerbein-Ahlers über das Ergebnis. Themen wie Umweltschutz, Naturschutz oder der Peter-Plümpe-Platz, „wo wir gesagt haben, wir wollen die radikale Lösung mit einer Tiefgarage mit Parkplätzen, einen Park und Aufenthaltsqualität“, das habe die Wähler bewegt.

Und auch die FDP verbesserte mit 10,28 Prozent ihren Stimmenanteil um 4,35 Prozent. „Wir sind sehr zufrieden“, meinte der Ortsverbandsvorsitzende Jan Itrich. „Wir haben uns in allen Wahlbezirken verbessern können, in einigen erheblich. Wir sind froh über das deutliche Ergebnis von Dominik Pichler. Bei der Landratswahl sieht es schwieriger aus. Für Kevelaer sind wir sehr zufrieden.“ Er sprach von einem guten Wahlkampf seiner Partei, die „den Generationswechsel vollzogen hat und beim Austausch von Jung / Alt ein ausgewogenes Team aufgestellt hat. Wir hatten ein Wahlprogramm, mit denen wir konkrete Projekte für Kevelaer umsetzen wollen. Das ist beim Wähler gut angekommen. Wir müssen gucken, wieviele Leute in den Rat rein kommen und versuchen, für unsere Anliegen Mehrheiten zu suchen.“

Stichwahl mit Silke Gorißen und Peter Driessen

Was die Landratswahl anbetrifft, zeigte sich an dem Abend ein deutlicher Vorsprung der CDU-Bewerberin Silke Gorißen mit 48,68 Prozent, die in der Stichwahl gegen den von SPD, FDP, Grünen und Freien Wählern unterstützten Kandidaten Peter Driessen (24 Prozent) antreten wird. Knapp hinter ihm landete Guido Winkmann mit 23,09 Prozent.

Der in Kevelaer anwesende Driessen zeigte sich enttäuscht. „Nach den Zahlen der Unterstützer hätte ein deutlich anderes Ergebnis kommen sollen. Wir müssen analysieren: Woran liegt das? Haben wir vergessen, was zu kommunizieren? Winkmann habe ich ehrlich gesagt schwächer eingeschätzt – ohne Unterstützer und ganz kurz vorher raus, dass er so viele Stimmen auf sich vereinigt.“ Er habe nicht damit gerechnet, so weit zurück zu liegen. „Wie wir uns anders aufstellen, darauf habe ich noch keine Antwort.“ Die Diskussionen um die Stelle seiner Frau beim Kreis habe keinen Einfluss gehabt. „Das glaube ich nicht, weil die Hälfte der Leute das Ganze per Briefwahl gemacht haben. Da kriegen Sie keinen Umschwung mehr hin. Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.“

Der SPD-Kreisvorsitzende Norbert Killewald aus Kevelaer hatte für seine SPD Verluste zu beklagen und das Driessen-Ergebnis zu verdauen. „Im Kreistag wird es nochmal bunter, aber leider grüner. Die SPD wird nur dritte Kraft sein, das ist kein guter Tag für die Sozialdemokraten. Die SPD im Kreis Kleve bricht sonst die Trends, bei der Europawahl und der Bundestagswahl war das anders. Das ist erstmals der Tag, wo wir das abbekommen.“ Was in Sachen Landrat schief gelaufen sei, „das werden wir morgen um 7.45 Uhr mit Grünen, FDP und Freien Wählern und Driessens Wahlkampfleiter besprechen. Da werden wir beraten, wie wir das gedreht kriegen.“ Zu möglichen Debatten um den SPD-Kreisvorstand sagte er: „Wir haben als SPD im Vorstand gesagt, wir machen erst Kommunalwahl und dann die Personen. Ich weiß, was ich tun werde, aber das werde ich erst dem Vorstand sagen.“

Die Kreis-Grüne Birgitt Höhn freute sich für ihre Partei kreisweit und in Kevelaer über ein „fulminantes Ergebnis. In Straelen sind wir weit vorne, im Kreistag haben wir uns fast verdoppelt. Dass wir gut abschneiden, war zu erahnen – dass wir uns verdoppeln, etwas weniger.“ In Sachen Landratswahl klang sie optimistischer: „Da ist noch gar nichts schief gelaufen. Die CDU hat im Kreis verloren. Wenn die Stichwahl da ist, ist die Stichwahl da. Dann ist es der Etappensieg, und den setzen wir im Team weiter um.“

Klare Tendenz bei der Bürgermeisterwahl in Kevelaer

Die Auszählung der Stimmen zur Kommunalwahl 2020 sind aktuell in vollem Gange. Im Konzert- und Bühnenhaus in Kevelaer haben sich Politiker und Gäste eingefunden, um die Wahlergebnispräsentation zu verfolgen.

Schon am Nachmittag zeichnete sich ab, dass die Wahlbeteiligung etwas höher liegen würde als bei der vergangenen Kommunalwahl. Im Wahllokal an der Biegstraße verzeichneten die Wahlhelfer gegen 16 Uhr bereits eine Beteiligung von 50 Prozent. „Für dieses Wahlrecht haben unsere Vorväter schwer gekämpft”, sagte Thorsten van de Loo und gab seine Stimme ab. Als einer der Wahlhelfer zeigte sich der kommissarische Kevelaerer CDU Ortsvorsitzende Michael Kamps bei den Aussichten auf das Ergebnis der Wahl verhalten. „Es wäre schön, wenn wir die 45 Prozent vom letzten Mal halten können.”

Einige seiner Ratskollegen, die Vertreter der Parteien und einige Neugierige kamen im Konzert- und Bühnenhaus zusammen, um den spannenden Verlauf der eingehenden Ergebnisse auf der Leinwand zu verfolgen. Naturgemäß befanden sich darunter auch die beiden Kevelaerer Bürgermeisterkandidaten Dominik Pichler und Mario Maaßen.
Stimmen aus dem Konzert- und Bühnenhaus
Mit welchen Gefühlen machte Mario Maaßen sich auf den Weg ins Bühnenhaus? „Ganz normal, es war ein ganz normaler Wahlkampf. Wir haben immer darauf geachtet, dass wir nicht persönlich werden, sondern immer auf der sachlichen Ebene unsere Politik gemacht. Die Plakate in der letzten Woche sollten ‘Eyecatcher’ sein. Wir wollten nur mal ein bisschen ‘Drive’ da reinbringen. Die Köpfe hat jeder schon gesehen, wir haben die teilweise auch nachher noch mal überklebt und das waren Sprüche, die eigentlich jede Partei für sich vereinnahmen kann, die also bei uns im Rat gelegt werden. Und daher verstehe ich auch nicht die Aufregung, die zum Beispiel bei der SPD entstanden ist. Das war ein bisschen, habe ich schon gesagt, ein bisschen dünnhäutig. So war die Aktion gar nicht geplant – und jetzt warten wir mal die nächsten anderthalb Stunden etwa ab.”
Auch Peter Driessen ist in Kevelaer, „weil hier der Kreis in der Mitte zusammenkommt und jeder die gleiche Anfahrt hat – auch auf dem Weg nach Hause nachher. Ich habe kein schlechtes Gefühl, muss ich sagen. Ich hoffe, dass die Wahlbeteiligung unglaublich nach oben geht. Ich glaube alles getan zu haben, um heute Abend auch als Sieger hervorzugehen.”
Ulli Hütgens, SPD Kevelaer: „Ich weiß nicht, was passieren wird. Kann gut gehen, kann auch nicht so gut ausgehen, ich bin sehr gespannt. Meine Prognose steht für Dominik Pichler, eindeutig.”
Und mit welchen Gefühlen verfolgt Dominik Pichler diesen Abend heute? „Es ist alles ungewiss und noch bin ich optimistisch, aber ich habe gerade schon auch zu Mario gesagt,  wir müssen jetzt die ersten zwei, drei Bezirke in außen und in Mitte abwarten. Vorher lässt sich ja gar nichts sagen. Ich glaube, jeder hat ein bestimmtes Gefühl, aber für Gefühle kann man sich nichts kaufen. Ich würde gerne weitermachen, aber ob ich weitermachen darf, werden wir in den nächsten zwei Stunden erfahren. Wir haben sehr konzentrierten Wahlkampf geführt. Wir haben die Marke Dominik Pichler klar in den Vordergrund gestellt. Kompliment an Mario – er hat stets fairen Wahlkampf geführt, wir sind gut miteinander umgegangen. Ich gehe davon aus, dass er das genauso sieht. Wir sind nie unter die Gürtellinie gegangen, haben uns das von Beginn an versprochen, haben uns beide dran gehalten – mal abwarten.”
Stand 20.02 Uhr zeichnet sich eine deutliche Tendenz bei der Bürgermeisterwahl für Dominik Pichler ab. Bei sieben ausgezählten Stimmbezirken (von 22) entfallen 76,67 Prozent auf Pichler und 23,33 Prozent auf Maaßen. Die Anwesenden verfolgen weiterhin die Live-Ergebnisberichte im Konzert- und Bühnenhaus.

Dominik Pichler bleibt Kevelaers Bürgermeister

Nun steht es fest: Dr. Dominik Pichler wird für weitere fünf Jahre das Amt des Kevelaerer Bürgermeisters innehaben. Mit 77,69% der Stimmen setzte er sich deutlich gegen seinen Herausforderer Mario Maaßen durch (22,31%). Alle Zahlen bilden das vorläufige Endergebnis; Stand 13. September 2020, 22.19 Uhr.

Für den Kevelaerer Stadtrat sicherte sich die CDU 40,53% der Stimmen, gefolgt von den Grünen (17,99%), der SPD (17,76%), KBV (13,45%) und FDP (10,28%).

Mit 48,68% der Stimmen im Kreis Kleve setzte sich Silke Gorißen (CDU) bei der Landratswahl durch. Peter Driessen (24%) und Guido Winkmann (23,09%) liegen deutlich dahinter, außerdem Friedrich Ernst Eitzert (4,23%). Eine Stichwahl folgt in zwei Wochen.

Für den Kreistag gaben die Kevelaerer Bürgerinnen und Bürger die meisten Stimmen der CDU (43,42%). Es folgen: Grüne (19,14%), SPD (18,38%), FDP (10,25%), AfD (3,38%) Vereinigte Wählergemeinschaften Kreis Kleve (3,04%), Linke (1,88%) und BSD (0,51%).

Einen ausführlichen Bericht zur Kommunalwahl finden Sie hier auf unserer Website.

Eine Frage – fünf Antworten

Wir haben den Parteien in Kevelaer in der finalen Vorbereitung auf die Kommunalwahl am kommenden Sonntag folgende Frage gestellt: „Wofür steht Ihre Partei und warum sollten die Kevelaerer Bürgerinnen und Bürger am Sonntag das Kreuz bei Ihnen setzen?“

CDU: „Die CDU Kevelaer ist Mitglied einer großen politischen Familie. Somit haben wir den direkten Draht nach Düsseldorf und Berlin. Das ist enorm wichtig, zB. bei der OW1. Bürgermeisterkandidat Mario Maaßen und die Ratskandidaten der CDU sind ein eingespieltes Team. Zusammen betrachtet das beste Team.
• Wir übernehmen Verantwortung und stehen für Sachpolitik.
• Wir setzen auf das Miteinander und haben immer das große Ganze im Blick.
• Naturschutz und Wirtschaftsförderung sind für uns kein Widerspruch.
• Wir stehen für ein Miteinander von Fußgänger, Fahrrad, ÖPNV und Auto.
• Wir haben den Mut, alte Positionen neu zu überdenken.
• Demokratie heißt Meinungsvielfalt, die halten wir aus!“

FDP: „Die FDP-Kevelaer tritt mit einem jungen Team und frischen Ideen an, um unsere Heimatstadt zu gestalten, zu verbessern und Gutes zu bewahren. Ergänzt um die große Erfahrung unserer langjährigen (Rats-)Mitglieder verbinden wir Ideenreichtum und Gestaltungswillen mit Erfahrung und (Fach-)Wissen.
Wir möchten Menschen einladen, mit uns einen neuen Stil im Kevelaerer Rat zu etablieren, in dem das Wort und das Argument gelten und nicht das Parteibuch. Wir sind fortschrittlich und zukunftsgewandt und wünschen uns eine ebensolche Politik.
Kurz: Das Team der FDP-Kevelaer steht für eine neue Generation Politik in Kevelaer.
Wer mehr über uns und unser Programm für Kevelaer erfahren möchte: https://fdp-kle.de/kevelaer/unser-programm-fuer-kevelaer/.“

Bündnis 90/ Die Grünen: „Kevelaer sozialer, grüner und lebenswerter gestalten! Im Mittelpunkt grüner Politik steht der Mensch mit seiner Würde und seiner Freiheit. Die Werte, die unsere Politik tragen, sind:
• Ökologie, weil unsere Zivilisation nur innerhalb der Belastungsgrenzen der Erde überleben kann!
• Gerechtigkeit, weil wir soziale Ungleichheit abbauen wollen!
• Selbstbestimmung, weil ein freies Leben nur ohne Diskriminierung möglich ist!
• Demokratie, weil sie Freiheit und Mitsprache bei Entscheidungen bedeutet!
• Frieden, weil das unser Ziel auch in unfriedlichen Zeiten ist!
Wir verstehen uns als Bündnispartei, die permanent an einer gelebten Gemeinsamkeit arbeitet. In Kevelaer wollen wir gemeinsam eine nachhaltige und generationengerechte Politik umsetzen.“

KBV: „Für die kommenden 5 Jahre ist es wichtig, dass auch zukünftig keine Fraktion über eine absolute Mehrheit im Rat verfügt. Nur dann werden die Sachargumente aller Fraktionen bei den Entscheidungen des Stadtrates berücksichtigt. Die KBV als bürgerliche Fraktion hat hier zu guten Entscheidungen beigetragen. Der entscheidende Unterschied von Parteien und Bürgervereinigungen wie die KBV, ist, dass Parteien immer auch übergeordnete Gesichtspunkte berücksichtigen müssen. Die KBV vertritt seit 26 Jahren ausschließlich die Belange der Bürgerinnen und Bürger vor Ort.
Diese bürgernahe Politik für alle Altersgruppen wollen wir weiterhin fortsetzen. Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Wahlprogramm auf: www.kevelaerer-buergervereinigung.de.“

SPD: “Wir stehen für Gemeinschaftlichkeit, offenes Denken, die weibliche und die männliche Seite der Gesellschaft.
Wir haben gelernt, gemeinsam an neuen Ideen zu arbeiten – notwendiger als je zuvor in einer Zeit, in der sich alles ändert. Mehr Engagement bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, Klima, Verkehrswende und Umweltschutz zählen dazu.
Mehrere von uns kommen aus dem sozialen Bereich oder dem Gesundheitsbereich – wir können ein Gegenpol sein in der Kommunalpolitik. Wir sind weiblich und männlich, alt und jung, erfahren und neu, mit wenig oder mehr Einkommen, mit Schachtelsätzen oder einfacher Sprache.
Wenn die Kevelaerer Bürger ihr Kreuz bei uns setzen, dann bekommen sie soziale, verantwortungsvolle und demokratische Politik.“

Umfrage Kommunalwahl 2020 (2)

Die Kevelaerer haben in dieser nicht repräsentativen Wahlumfrage zur Kommunalwahl am 13.9.2020  abgestimmt.

Jetzt verbleibt noch eine Woche, bis das offizielle Wahlergebnis bekannt gegeben wird. Wir in der Redaktion sind sehr gespannt, wie nah dran oder wie weit weg dieses Umfrageergebnis von den tatsächlichen Werten entfernt sein wird.

Wir möchten alle Wahlberechtigte auffordern: „Bitte nehmen Sie an dieser Wahl teil und üben Sie damit Ihr demokratisches Grundrecht aus. Viele Menschen in der Welt beneiden uns um dieses Recht“.

Wichtige Infos für Kevelaerer Wähler

Für die Kommunalwahl am 13. September werden in Kevelaer und den Ortschaften insgesamt 22 Wahllokale eingerichtet (Hubertusschule 4, Antoniusschule 6, Schule Twisteden 3, Schule Wetten 2, Schule Winnekendonk 3, Schule Kervenheim 1, ehemalige Schule Achterhoek 1, Kita Schravelen 1, Jugendheim Ferienpark 1). Bis auf die drei Letztgenannten handelt es sich um Grundschulen, in denen jeweils ein Klassenraum als Wahllokal genutzt werden kann. Es werden pro Raum zwei Wahlkabinen aufgestellt. Wähler und Begleitpersonen müssen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen und sollten eigene Stifte mitbringen. Es dürfen sich maximal vier Wähler und Begleitpersonen gleichzeitig im Wahllokal aufhalten. Die Ausgabe der Stimmzettel erfolgt kontaktlos. Zur Kontaktpersonennachverfolgung ist das Wählerverzeichnis ausreichend. Vor den Wahllokalen sind Desinfektionsspender aufgestellt. Der Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden.

Die Mitglieder des Wahlvorstandes sitzen jeweils an einem eigenen Tisch und sind durch Spuckschutzwände geschützt, sodass sie an ihren Tischen die Mund-Nasen-Bedeckung abnehmen dürfen. Regelmäßig werden die Wahllokale gelüftet, Tische und Wahlkabinen desinfiziert. Bei der Briefwahl zeichnet sich übrigens ein deutlicher Trend zu einer Zunahme ab: Schon 4.300 Anträge waren beim Wahlamt am vergangenen Montag eingegangen.                                        

In sechs Minuten erledigt

Manchmal geht Demokratie sehr schnell: Gerade mal sechs Minuten dauerte es, bis der Wahlauschuss im Rathaus seine Arbeit abgeschlossen hatte. Das vierköpfige Gremium plus Wahlleiter Ludger Holla sprach sich dabei einstimmig für die in den Wahllisten angegebenen Kandidatinnen und Kandidaten aus.

Unstrittig war dabei auch die Personalie des CDU-Kandidaten Michael Kamps für den Wahlbezirk 4. Gegen den kommissarischen Stadtverbandsvorsitzenden der CDU, der 2017 als stellvertretenden Bürgermeister mit breiter Mehrheit abgelehnt worden war, hatte es zwei Beschwerden gegeben, wonach der Hauptwohnsitz des Kandidaten nicht im Stadtgebiet Kevelaer liegt.

Man habe den Fall, der bereits 2014 einmal zur Debatte stand, nochmals geprüft und die Prüfung dabei ausgeweitet. Holla machte anhand der sehr ausführlichen Bemerkungen in der Verwaltungsvorlage nochmal klar, dass demnach der Lebensmittelpunkt des Kandidaten Kamps sehr wohl in Kevelaer ist. Dem schloss sich das Gremium an.

Insgesamt bewerben sich in den 17 Wahlbezirken 85 Kandidaten von CDU, SPD, KBV, Grünen und FDP um die Ratsmandate. Dazu wurden noch die Reservelisten der Parteien bestätigt.
Außerdem bestätigte der Ausschuss auch die Kandidaturen der beiden bereits öffentlich bekannten Politiker für das Bürgermeisteramt: Amtsinhaber Dominik Pichler (SPD) und Mario Maaßen von der CDU werden in den kommenden Wochen bis zum Wahltag am 13. September um die Stimmen der Wähler werben.

FDP Kevelaer beschließt ihr Wahlprogramm

Die Freien Demokraten der Wallfahrtsstadt haben auf einem Parteitag ihr Wahlprogramm für die Kommunalwahl beschlossen. Der Vorstand der FDP Kevelaer konnte hierzu gut ein Drittel aller Mitglieder begrüßen. In der Sitzung wurde das Wahlprogramm für die anstehende Kommunalwahl im September vom Vorstand vorgestellt, erläutert und diskutiert. Mit ihrem Wahlprogramm möchte die FDP dem Wähler eine neue Generation Politik für Kevelaer anbieten.

Im Bereich Bildung und Zukunft möchten die Beteiligten Schulhöfe modernisieren und umgestalten, Office-Anwendungen für jeden Schüler von zu Hause aus zugänglich machen sowie Konzepte für Digitales Lernen schaffen. Den Bürgerservice möchte man um ein mobiles Bürgerbüro erweitern, welches auch am Samstag in den Ortschaften vorhanden ist, um allen Bürgern den Zugang zur Behörde so leicht wie möglich zu machen. Auch möchte die Fraktion Rats- und Ausschusssitzungen auf die Ortschaften verteilen, um dem Bürger eine Nähe zur Politik zu bieten. Hinzu kommt, dass sich die FDP für eine „Kevelaer-App“ ausspricht, die Informationen rund um Kevelaer zusammenfasst und einen digitalen Mängelmelder aufweist.

Im Bereich des Klimas und der Umwelt plädieren die Liberalen für den Ausbau der Ladesäulen für E-Mobilität, mehr Stadtbegrünung, Bauen mit Holz und einer Wetterstation, um den Bürgern punktgenau Wetterdaten zu liefern. Die Jugendlichen der Wallfahrtsstadt finden im Programm ebenfalls Beachtung. Hier möchte man einen Ersatz für die „Wiese“ schaffen, indem der nach dem Bau der Skate-Anlage verbleibende Bereich des Ascheplatzes in einen Raum für Jugendliche mit Grill-, Sitz- und Freiflächen aufgewertet werden soll. Auch soll ein Proberaum mit Aufnahmemöglichkeiten für junge Musiker geschaffen werden und die Einrichtung eines Jugendparlaments erfolgen, um auch den Jugendlichen eine Stimme in der Stadt zu geben.

Unterstützung für die Vereine

Mit am wichtigsten für die FDP war das Thema Vereinsleben. „Die Vereine in Kevelaer sind die Grundlage für das soziale Mitein­ander und wichtiger Bestandteil für unsere Kommune“, sagte Jan Itrich, Vorsitzender im Ortsverband Kevelaer. Deshalb möchte die FDP die Errichtung einer Vereins- und Sportstättenkommission, wo die Vereine ihre Wünsche und Bedürfnisse hervorheben, aber auch Mängel und Missstände an die Kommune und Politik herantragen können. „Es geht darum, eine Plattform zu schaffen, wo sich unsere Vereine im Stadtgebiet explizit an uns und auch an das Rathaus wenden können. Es geht darum, Barrieren abzubauen und schnellere Kommunikation zwischen Vereinen, Politik und Verwaltung zu ermöglichen“, erläuterte Jens Auerbach, der stellv. Vorsitzende des Ortsverbandes.

Mit dem Kevelaerer Einzelhandel möchte man den Austausch intensivieren, um mit den „Profis vor Ort“ Ideen zu entwickeln, die nachhaltig weiterhelfen. Man möchte den Einzelhandel stärken, indem man die Parkkosten auf dem Peter-Plümpe-Platz am Wochenende entfallen lässt und so ein kaufkräftiges Publikum in die Stadt lockt, aber auch den Einheimischen die Möglichkeit gibt, diese Gelegenheit zu nutzen. Die Stadtentwicklung soll durch einen technischen Beigeordneten ergänzt werden, der als Planungsfachmann für die Stadt fungiert. Gleichzeitig soll ein Konzept entwickelt werden, wie Kevelaer in der Zukunft aussehen soll und in welchen Bereichen Bedarfe entstehen könnten. Wichtig für die FDP ist auch die Anschließung an das Glasfasernetz für Kevelaer und seine Ortschaften.

Jürgen Hendricks, Fraktionsvorsitzender des Ortsverbandes Kevelaer, war zufrieden mit dem Wahlprogramm: „Wir haben ein umfassendes Wahlprogramm auf die Beine gestellt, welches von allen Seiten der Partei begrüßt wurde und inhaltlich mit guten Ideen heraussticht. Wir hoffen, dass sich viele Kevelaerer damit identifizieren können und wir spätestens im September darauf ein gutes Feedback bekommen.“

Das Team der FDP Kevelaer: (v.l.) Felix Naber, Philipp Schmidt, Marie-Therese Konculic, Jürgen Hendricks, Jan Itrich, Jonas van Hagen, Jens Auerbach. Foto: MedienManufaktur Niederrhein

Die SPD setzt auf offensiven Wahlkampf

Bevor es an die inhaltlichen Fragen des zukünftigen Kommunalwahlprogramms ging, galt es für die zwei Dutzend Mitglieder des SPD-Ortsvereins erst einmal eine wichtige Personalie zu klären – nämlich die des stellvertretenden Ortsverbandsvorsitzenden. Im Vorfeld hatte sich Thomas Ammich als möglicher Kandidat für den Posten angeboten. Am Ende wurde der 47-jährige kaufmännische Angestellte und Entspannungstrainer, der seit 26 Jahren bei der SPD Mitglied ist, bei nur einer Enthaltung zum neuen Stellvertreter von Ulli Hütgens gewählt. Als seine politischen Schwerpunkte benannte Ammich „Familie, Jugend, Kinder.“ Was für Kevelaer in den nächsten fünf Jahren dringend verwirklicht werden sollte? „Aus dem Bauch heraus was für die Schulen und Kindergärten, dass wir vor allem in Kindergarten und Grundschule dafür sorgen, dass Kinder kostenlos Essen haben und dass Kindergartenbeiträge möglichst weg- kommen.“ Damit ging die Debatte auch nahtlos von den Personalien zu der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Kommunalwahlprogramm der SPD über, das bei drei Enthaltungen angenommen wurde.

Thomas Ammich wurde zum Stellvertreter für Ulli Hütgens gewählt. Foto: AF

Der stellvertretende Bürgermeister und SPD-Ratsmitglied Norbert Baumann trug die wichtigsten Punkte zu dem zwölf Kernthemen umfassenden Papier vor, das er als „Leitfaden für die nächste Legislaturperiode“ charakterisierte, wobei immer wieder ergänzende Diskussionen entstanden. Beim Thema „Jugend und Schule“ stand eine kostenfreie Bildung im Fokus, die man allerdings nicht ohne die Unterstützung der NRW-Landesregierung stemmen will. Auch die Forderung nach kostenfreier Verpflegung in Kindergarten und Offenem Ganztag ist im Programm enthalten. Was die Bildung betrifft, will die SPD die schulische Bildung und die Grundschulstandorte der Ortschaften stärken. Auch die Neueinstellung von Schulsozialpflegern wie an der Antonius-Grundschule ist für die SPD ein Thema. Und „Jugendliche sollen motiviert werden, einen Schülerrat einzurichten“, vermisste Borgmann da aber auch das Engagement der jungen Leute über den Skaterpark hinaus. Im Bereich „Digitale Medien“ hofft die SPD, dass bis Anfang des neuen Schuljahres alle Schüler mit eigenen Laptops ausgestattet sein können – für den Fall, „dass eine zweite Corona-Welle“ kommen sollte.

Bei „Sozialem“ soll es bei Neubauten 30 Prozent sozialen Wohnraum verbindlich geben, „aber keine Ghettobildung“, wie Borgmann meinte, „sondern eine Durchmengung“ der verschiedenen Gesellschaftsschichten. Man solle auch privaten Investoren da Hifestellung geben, schlug Karin Raimondi vor. Bürgermeister Dominik Pichler wies darauf hin, dass viele Private von sich aus sagten, „dass sich das nicht rechnet.“

Glaubenskämpfe

Ausführlich geriet die Debatte zum Thema „Gesundheit“, bei der Pichler auf den Umstand hinwies, dass die Ratsmehrheit bei der Drogenberatung „sich geweigert habe, auch die Diakonie zu bezahlen und nicht nur die Caritas.“ Er sprach da von „Glaubenskämpfen.“ Klaus Hölzle regte an, auch gesetzlich Versicherte kardiologisch ambulant behandeln zu lassen. Die kassenärztliche Vereinigung bewege sich da nicht, gab Pichler zu bedenken. Harte Kritik äußerte Hölzle auch an dem Notfallsystem. Der Bürgermeister ging zudem auf die Debatte um die Ärztequote in der Stadt ein. Man habe noch eine vergleichsweise gute Facharzt-Quote, aber die Altersstruktur bei den Hausärzten werde „nach hinten raus relativ schnell dünn“ – und das gerade in Ortschaften wie Twisteden, Wetten oder Winnekendonk. „Da wird es in den nächsten fünf bis zehn Jahren erhebliche Probleme geben.“ 

Das Ehrenamt soll in dem Bereich „Vereine / Kultur“ unterstützt werden. Im Bereich „Wirtschaft“ soll auf gerechte Bezahlung und auf Mindestlohn bei Firmenvergaben, auch im Kontext von Corona und dem Fall Tönnies, auf die Unterkünfte von Hilfsarbeitern geachtet werden. In Bezug auf „Wallfahrt und Tourismus“ wolle man mit der Wallfahrt zusammenarbeiten.

Nach dem Punkt „Umwelt / Naturschutz und Energie“ unterstrich Borgmann beim Thema „Verkehr“ die Punkte „Mehr Sicherheit für Radfahrer“ und die Unterstützung für die OW1. An dem Punkt konnte Pichler vermelden, dass einer der beiden Kläger die Klage im Hauptsacheverfahren zurückgezogen hat. Die zweite Klage sei Anfang Juli im Hauptsacheverfahren erstinstanzlich abgelehnt worden. „Der zweite Kläger hat aber die finanziellen Mittel, das fortzusetzen“, sagte Pichler, äußerte aber „Zweifel, ob er das mit dem nötigen Ernst betreibt.“ Die Bezirksregierung sei sich bei dem Verfahren sehr sicher. „Das Ding ist nach wie vor noch nicht rechtskräftig, aber die erstinstanzliche Entscheidung ist eindeutig.“

Nicht im Normalmodus

Mit klarer Mehrheit sprach sich die Versammlung noch dafür aus, den Text noch „gendermäßig“ redaktionell anzupassen. Anschließend verlas Ulli Hütgens noch ein Vorwort zu dem Programm, in dem er ausführlich auf die Auswirkungen der Corona-Krise einging. „Aktuell entsteht der Eindruck, wir sind wieder im Normalmodus. Das sind wir aber nicht.“  Inwieweit sich die Auswirkungen auf das Wahlprogramm bemerkbar machen werden, wisse man nicht. „Wir werden uns jedenfalls verantwortlich und angemessen verhalten und den Fokus auf unsere sozialpolitischen und umweltpolitischen Themen erhalten.“ Die Bevölkerung sei durch den Bürgermeister umfassend informiert und mit Hilfe der SPD Maßnahmen ergriffen worden, die finanzielle Nachteile für Familien und Geschäftsleute gemindert hätten.

Im Anschluss daran nutzte Dominik Pichler die Gelegenheit zu einer aufrüttelnden Rede, um seinen Genossen Mut für die Wahlauseinandersetzung zu machen, Er forderte sie zu einer „kämpferischen“ Haltung im Wahlkampf auf und „dass wir den Wahlkampf ernst nehmen.“ Die Ausgangslage sei gut, eine Dominanz der CDU keinesfalls zementiert. Das politische Klima sei in den letzten fünf Jahren ein anderes gewesen, ein konstruktives Klima entstanden. „Der langhaarige Bombenleger wurde Bürgermeister und die Stadt ist trotzdem nicht zusammengefallen“, meinte er rhetorisch etwas leger-überspitzt. Diesen Weg wolle er fortsetzen. „Ziel solle sein: Der Bürgermeister ist nicht CDU – und die absolute Mehrheit liegt nicht bei der CDU.“

Aktuell „knabbere“ die CDU Kevelaers an der „Merz-Revolution“ und der Ablösung von Paul Schaffers vom Partei- und Fraktionsvorsitz. Er lobte ausdrücklich dessen Art, die für Kevelaer „viele gute Kompromisse“ hervorgebracht habe und der „die gute Arbeit des Bürgermeisters unterstützt“ habe. Die CDU bemühe sich in der Zeit nach Schaffers „recht glücklos“ um ein eigenes Profil. Sein Konkurrent Mario Maaßen  habe „mehr klare Kante“ gefordert. Pichler benannte die politischen Themen „bezahlbaren Wohnraum“, „Klima“ und „sichere Häfen“ als Negativbeispiele. „So sieht das aus, wenn man da klare Kante zeigt.“ Und auch auf ein Programm warte man bei der CDU noch. „Die haben genug Probleme“, erinnerte Pichler an die diversen „legendären“ Kämpfe innerhalb der CDU in den letzten Jahren. Es sei angesichs der Schaffers-Geschichte erstaunlich, dass Maaßen auch gegenüber der SPD den Kontrast Gemeinschaft-Einzelkämpfertum aufmache. Natürlich habe es auch bei der SPD „erhebliche Streitereien“ gegeben, der Blick gehe jetzt aber „ganz klar nach vorne.“

Den Vorwurf, von der SPD unterstützt zu werden, wo er doch parteiübergreifend antreten wollte, konterte Pichler. „Was hätte er gesagt, wenn die SPD ihren Bürgermeister nicht unterstützt hätte“, verwies er auf die Tatsache, dass Grüne und FDP ihn bereits unterstützten, man lediglich noch auf die Festlegung der KBV warte, die inzwischen auch feststeht (das KB berichtete).