Beiträge

„Stadtradeln“ beginnt am 23. Mai

Kevelaer fährt Fahrrad für den Klimaschutz

In diesem Jahr nimmt der Kreis Kleve wieder an der Aktion „Stadtradeln“ teil. Vom 23. Mai bis zum 12. Juni 2022 setzen sich 16 zugehörige Städte und Gemeinden für Radförderung und Klimaschutz ein.

KvGG engagiert sich für Nachhaltigkeit und Klimaschutz beim deutsch-niederländischen Schulwettbewerb

„Kleine Dinge im täglichen Leben können viel verändern!“

Oberstufenschüler des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums kommen dem Aufruf der Euregio Rhein-Waal nach, einen kreativen Wettbewerbsbeitrag zu erstellen, der den eigenen Lebensstil hinterfragt und auch die Nachbarn dazu motiviert, nachhaltiger zu handeln.

Die „Fridays for future"-Bewegung beteiligte sich am Klimastreik

Aktivist*innen demonstrierten vor dem Rathaus

Mit einer Demonstration auf dem Peter-Plümpe-Platz beteiligten sich die Kevelaerer Aktivist*innen von „Fridays for future“ als eine von bundesweit über 250 Ortsgruppen an dem ausgerufenen „globalen Klimastreik.“ 

Ein Abschied mit Wehmut

Ein bisschen Melancholie war schon wahrzunehmen, als Nina Jordan mit einer Tasse
frisch gekochten Tees an ihrem Schreibtisch im fünften Stock des Rathauses zum letzten KB-Interview als Klimaschutzmanagerin und Umweltbeauftragte der Stadt Kevelaer Platz nahm.

„Ich hatte zum Ende auf ruhige Tage gehofft, aber es war viel los. Viele haben sich verabschiedet, wollten warme Worte des Dankes ausdrücken“, sagt die 37-Jährige, der man schon anmerken konnte, dass nach zweieinhalb Jahren Kevelaer eine gewisse Verbundenheit mit den Akteuren vor Ort besteht.

„Die Mitgliederversammlung der ‚reparierBar‘ war sehr emotional“, räumt sie ein. „Das war so ein Baby von mir, aber jetzt ist es alt genug, selbst auf eigenen Beinen zu stehen und ‚erwachsen‘ zu werden.“ Als sie vor zweieinhalb Jahren in Kevelaer anfing, da „hatte ich keine Ahnung, worauf ich mich da eingelassen habe. Ich wusste nicht, wie Kommunalverwaltung funktioniert.“ Sie hatte „die Komplexität der Aufgabe unterschätzt“, sagt Jordan heute.

Wie anspruchsvoll das Thema Klimaschutz in der Praxis sein würde, habe sie in der Breite so nicht erwartet, auch wenn sie in Seminaren mit Themen wie Mobilität oder erneuerbaren Energien zuvor zu tun gehabt hatte. „Es kamen immer neue Aspekte dazu.“ Sachen wie Kräutergärten oder Blühstreifen hatte sie zuvor nicht auf dem Schirm. Und dann musste sie noch den Niederrheiner als solches „dechiffireren.“ Sie dachte damals: „Ich komme aus NRW und bin in NRW – aber der Unterschied war schon erkennbar.“

Wie war ihre Zeit in Kevelaer? „Es war spannend, kein Tag war langweilig und jeder Tag anders“, bilanziert die gebürtige Aachenerin, die ab dem 1. November in Stolberg in derselben Funktion unbefristet tätig sein wird. Sie gehe vor allem aber aus privaten Gründen, weil auch ihr Partner in der Region lebt. Die Erfahrung aus Kevelaer will sie mit in das neue Betätigungsfeld einbringen. Und vielleicht sei ja mal eine Klimapartnerschaft beider Städte möglich.

„Die Kevelaererinnen und Kevelaerer haben mich gut angenommen“, ist Jordan dankbar für die Unterstützung. Es sei eine Aufgabe gewesen, die Menschen und die Verwaltung als Ganzes mitzunehmen und für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu gewinnen. „Es gibt Leute, die halt mehr oder weniger aufgeschlossen sind. Und jede Zielgruppe braucht ihre
Ansprache“, resümiert sie. Über ihre persönliche Vorstellung machte sie sich in den Ortsteilen erstmal bekannt und baute Netzwerke auf.

Wie man die Schlüsselakteure identifizieren und vernetzen kann, das stehe in keinem Handbuch, sagt Jordan. „Das ist ein großer Anteil der Arbeit.“ Wenn man „ein reiner Fachidiot“ sei, der nicht zu den Leuten gehen will, sei man bei dieser Aufgabe fehl am Platz. Was sie dadurch vor allem gelernt habe, sei, „dass das mehr ein Kommunikationsjob als alles andere“ ist.

Sie habe gerade zu Beginn viel erklären müssen, was Klimaschutz eigentlich ist, teilweise vor nur wenigen Leuten Vorträge gehalten. Es gehe noch mehr darum, nicht nur die bereits für das Thema Sensibilisierten zu erreichen, sondern „die schweigenden 80 Prozent.“ Ihre grundlegende Aufgabe sei es gewesen, die 38 Maßnahmen in die Tat umzusetzen, die in demKlimaschutzkonzept der Stadt aufgeführt sind. „Dass man da nicht alles schafft, war klar.“ Man könne nicht „messen“, ob ihre Arbeit unter dem Strich CO2 eingespart hat.

Als Erfolg sieht sie auf jeden Fall die „reparierBar“ an. „Das ist ein Menschenzusammenbringer“ und fördere den Nachbarschaftsgedanken, den Selbstwert der Leute, die zusammen etwas erarbeiten und Lösungen finden können, anstatt neue Sachen zu kaufen. „Die Kultur des Reparierens zu erhalten, war mir ein Anliegen“, sagt Jordan. Und sie habe darüber Menschen erreicht, „die sonst beim Thema Klimaschutz mit den Augen gerollt hätten.“ Der Zuspruch sei da mittlerweile so groß, dass die Leute trotz Corona anrufen.

Klimaschutz rückt immer mehr in den Fokus

Und sie begrüßt die Gründung der „Klimapartnerschaft“ im Kreis Kleve durch die 16
Bürgermeister im vergangenen Jahr. „Ich war 2018 die einzige Klimaschutzmanagerin im Kreis.“ Das habe sich vielleicht auch über ihre Präsenz verändert. Und das „Fridays for future“-Jahr 2019 habe dazu beigetragen, das Thema “Klimaschutz” ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Die Kommunen im Kreis setzten mittlerweile stärker auf das Thema.

Kevelaer sei in Sachen Klimaschutz auf einem guten Weg, findet sie, könne aber noch mehr machen. Was in Kevelaer aus ihrer Sicht noch wichtig wäre? Da überlegt Jordan einen Moment. „Verkehr ist ein schwieriges Thema in Kevelaer“, sagt sie dann. Da gebe es fast sogar sowas wie einen Generationenkonflikt. „Die ältere Generation, die dem Auto verbunden ist, die wollen es nicht aufgeben und haben das Gefühl, das soll ihnen von den Grünen und den Jüngeren abgenommen werden.“

Man könne das an Debatten wie beim Peter-Plümpe-Platz oder bei der Radförderung sehen. „Es wird meistens abgelehnt, wenn etwas pro Rad zu entscheiden ist.“ Aber sie wolle die Gruppen nicht gegeneinander aufbringen. „Oft sind sie ja auch selbst beides – Autofahrer und Radfahrer.“ Es sei aber irgendwie paradox, dass Kevelaer eine Verbesserung in Richtung Radparadies erreichen kann, es „bislang dafür aber keine Mehrheit“ gegeben hat.

Kooperation zwischen Schule und Kommune

„Ich hätte auch gerne mehr mit Schulen gemacht“, räumt Jordan selbstkritisch ein. Mit so plastischen Beispielen wie der Vernichtung des Regenwaldes für die Fleischproduktion habe man gerade mehr Jugendlichen die Augen öffnen können. „2020 war eine Klima-AG in den Schulen geplant – aber da kam Corona dazwischen.“

Diese Art Kooperation zwischen Schule und Kommune sei nicht im Lehrplan vorgesehen. „Das muss man etablieren“, findet sie. „Aber vielleicht kann meine Nachfolgerin da weitermachen.“ Sie soll im Januar 2021 mit ihrer Arbeit in Kevelaer beginnen.

Und auch beim Thema Altbauten gebe es noch ein riesiges C02-Einsparpotenzial in der Stadt: Sie fände einen Grundsatzentscheid gut, nach dem auch Neubauten einen gewissen Energiestandard einhalten müssen, der über das gesetzliche Minimum hinaus geht.

Was sie an Kevelaer vermissen wird? „Den Ausblick aus dem Bürofenster, die kurzen Wege in Verwaltung und Stadt, das ist das Paradies.“ Das werde sie in Stolberg seit elf Jahren das erste Mal nicht mehr haben. „Da muss ich sieben Kilometer pendeln.“ Für die Fortbewegung wird sie sich aber kein Auto, sondern ein Pedelec anschaffen.

Startschuss für Fahrradklima-Test

Am 1. September startete die große Online-Umfrage zum ADFC-Fahrradklima-Test 2020. Alle zwei Jahre fragt der Fahrradclub ADFC mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Radfahrenden in ganz Deutschland, wie es um die Fahrradfreundlichkeit der Städte und Gemeinden bestellt ist. Der diesjährige Themenschwerpunkt ist das Radfahren in Zeiten von Corona.

Dazu erklärt Nina Jordan, Klimaschutzmanagerin Kevelaer: „Corona hat auf einen Schlag viele Menschen zum Radfahren gebracht, die das noch nie oder lange nicht mehr gemacht haben. Uns interessiert sehr, wie diese Neuaufsteiger das Radfahren wahrnehmen. Macht es Spaß? Ist es Stress? Was muss verbessert werden?“ Und Eckehard Lüdke vom ADFC Kreisverband Kleve e.V. ergänzt: „Die Einschätzungen der routinierten Radfahrerinnen und Radfahrer sind natürlich genauso wichtig. Je mehr Leute beim ADFC-Fahrradklima-Test mitmachen, desto besser. Je vielstimmiger die Rückmeldungen sind, desto klarer kann eine Kommune einschätzen, wo sie noch besser und einladender zum Radfahren werden kann.“

Vom 1. September bis 30. November 2020 können alle Bürgerinnen und Bürger im Internet unter www.fahrradklima-test.adfc.de an der Online-Umfrage des ADFC teilnehmen. Bei den 27 Fragen geht es darum, ob man sich auf dem Rad sicher fühlt, wie gut die Radwege sind und ob die Stadt in Zeiten von Corona das Fahrradfahren besonders fördert. Damit fundierte Ergebnisse erzielt werden können, müssen pro Stadt mindestens 50 Teilnahmen vorliegen.

Von Aachen bis Zwickau

Der ADFC-Fahrradklima-Test findet zum neunten Mal statt. Möglich gemacht hat das eine Förderung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Die Zahl der Teilnehmenden hat sich seither immer weiter gesteigert – 2012 waren es 80.000, 2018 haben schon mehr als doppelt so viele Menschen bei der Umfrage mitgemacht. 683 Städte und Gemeinden haben es 2018 in die Wertung geschafft, von Aachen bis Zwickau.

Die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2020 werden im Frühjahr 2021 in Berlin vorgestellt. Ausgezeichnet werden die fahrradfreundlichsten Städte nach sechs Einwohner-Größenklassen sowie diejenigen Städte, die seit der vorangegangenen Befragung am stärksten aufgeholt haben. Das Städteranking und die detaillierte Notenvergabe der Radfahrenden haben sich als wichtiges Zufriedenheitsbarometer für fahrradfreundliche, lebenswerte Städte etabliert, erklären die Verantwortlichen. Beim ADFC-Fahrradklima-Test 2018 lagen Bremen, Karlsruhe, Göttingen, Bocholt, Baunatal und Reken jeweils in ihrer Größenklasse vorn. Die Wallfahrtsstadt Kevelaer schloss bei ihrem ersten ADFC-Fahrradklima-Test in 2018 mit der Note 3,8 ab.  

Lebensraum für heimische Insekten

Zwischen Schottergärten und asphaltierten Plätzen haben es die heimischen Insekten schwer, Unterschlupf und Nahrung zu finden. Ihr natürlicher Lebensraum wird immer kleiner. Um dies zu ändern und um ein Umdenken anzustoßen, hat der Imkerverein für Kevelaer und Umgebung e.V. gemeinsam mit der Wallfahrtsstadt Kevelaer zwei Wettbewerbe zur Förderung des naturnahen Gärtnerns ausgerufen. Im zweiten Wettbewerb konnten sich Bürger mit ihrem bereits bestehenden, insektenfreundlichen Vorgarten bewerben. Es sind rund 25 Bewerbungen eingegangen, wovon nach einer ersten Vorauswahl zwölf Vorgärten besucht und nach fünf Kriterien bewertet wurden. Der erste Platz ging an Doris und Herbert Geske aus Wetten (das KB berichtete). Ein Bewertungskatalog wurde gemeinsam mit Theo Mohn vom NABU und Claudia Blauert vom Imkerverein aufgestellt.

Die Bepflanzung der Mülltonnenhütte von Familie Baumann gefiel der Jury auch sehr gut. Foto: Nina Jordan

„Besonders wichtig für Insekten ist es, ausreichend Nahrung, zum Beispiel in Form von Pollen und Nektar, aber auch Raupenfutterpflanzen sowie Unterschlupf, Brutmöglichkeiten und Orte für die Überwinterung zu finden – und zwar ganzjährig“, betont Jury-Mitglied Theo Mohn. Demnach wurden die folgenden Kriterien für einen insektenfreundlichen Garten festgelegt: ganzjährig blühend; offene Blüten; Vielfalt der Arten; geringer Anteil von versiegelter Fläche, Rasen oder für Insekten untaugliche Pflanzen; die Anzahl an einheimischen Pflanzen. Wichtig war der Jury auch, dass die Bewerber  giftfrei und torffrei gärtnern. Zusatzpunkte gab es für Trinkstellen für Vögel und Insekten, artgerechte kleine Wildbienenhotels und die Anlage verschiedener Lebensräume, z.B. durch Totholz. Abzüge gab es dagegen für insektenuntaugliche Pflanzen: die meisten Hortensien, Azaleen und Rosen sehen zwar hübsch aus, haben aber keinen Nektar oder Pollen.

„Wir möchten uns recht herzlich für die zahlreichen Bewerbungen bedanken. Es macht große Freude zu sehen, mit wie viel Herz hier viele Bürgerinnen und Bürger einen summenden, insektenfreundlichen Vorgarten angelegt haben,“ sagt Claudia Blauert. Auch die Umweltbeauftrage der Wallfahrtsstadt Kevelaer, Nina Jordan, ist begeistert von den eingereichten Bewerbungen und ist davon überzeugt, dass sich weitere Bürger anstecken lassen. „Oft mangelt es ja an Zeit oder Wissen, aber ein richtig angelegter, insektenfreundlicher Garten ist nicht pflegeintensiv, da er sich gewissermaßen ‚um sich selbst kümmert‘. Und es gibt so viele Ressourcen, ob online oder offline, wo man sich informieren und auch an geeignete Pflanzen kommen kann“. Hier verweist die Stadt Kevelaer neben BUND und NABU auch auf den Verein Naturgarten e.V.  (www.naturgarten.org/). Alle Teilnehmenden des Wettbewerbs erhalten als Sonderpreis eine heimische Wildpflanze sowie Infomaterialien.

Falls auch Sie den heimischen Insekten und damit vielen anderen Tier- und Pflanzenarten etwas Gutes tun möchten und eine Umgestaltung Ihres Gartens planen, können Sie auf der Webseite der Stadt Kevelaer vorbeischauen.

Platz 3: der Vorgarten von Fr. Wellmanns in Wetten. Foto: eg

Sie schufen eine Insektenoase

Viele Blüten sollte er haben, eine lange Blühzeit und wenig versiegelte Fläche – der insektenfreundlichste Garten Kevelaers. Auf der Suche danach rief die Stadt Kevelaer den zweiten Vorgarten-Wettbewerb ins Leben. Der erste Wettbewerb zielte darauf ab, die Umgestaltung von Steingärten in Insektenoasen voranzutreiben. Nun sollten auch diejenigen belohnt werden, die in ihrem Garten bereits auf einige Umweltaspekte Rücksicht nehmen. Und weil Doris und Herbert Geske aus Wetten der Meinung waren, dass ihnen das schon ganz gut gelungen war, entschieden sie sich kurz vor Bewerbungsschluss, ihren Garten ins Rennen zu schicken. Dass sie damit den ersten Platz belegen würden, damit hatte das Ehepaar nicht gerechnet.

Der Vorgarten von Familie Geske kann sich wahrlich sehen lassen. Schafgarbe, Lungenkraut, Waldsalbei, Königskerzen, Sternmiere, Johannisbeere und Waldmeister sind nur einige der Pflanzen, die in dem Vorgarten um die Wette blühen. Wem ein aufgeräumter Garten, in dem alles an Ort und Stelle wächst, am liebsten ist, der wird am Vorgarten der Geskes wohl keinen Gefallen finden. Das Wettener Ehepaar hat sich allerdings vor einiger Zeit bewusst dazu entschieden, den Vorgarten gänzlich umzugestalten. Bis zu diesem Zeitpunkt dominierten darin zahlreiche Rhododendren und Hortensien. Ständiges Wässern und eine recht begrenzte Blühzeit waren Kritikpunkte. „Dann haben wir uns überlegt, was wir ändern können“, sagt Herbert Geske.

Ein Gärtner machte schließlich bis auf wenige Pflanzen einen Kahlschlag in dem Wettener Vorgarten. „Wir haben ausschließlich nach heimischen Pflanzen gesucht“, betont Herbert Geske, während er eine Liste vorlegt, in der das Ehepaar vorab alles akribisch geplant hatte. Bei den Pflanzenarten wurde nicht nur darauf geachtet, dass sie von Insekten gut angenommen werden, sondern auch auf die Wuchshöhe, Trockenbeständigkeit und ob der bevorzugte Standort sonnig oder schattig ist. Außerdem wurden die Pflanzen so ausgewählt, dass der Garten nun vom Frühjahr an bis in den Herbst hinein blüht. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge erfreuen sich seitdem besonders an den Pflanzen, sagt Doris Geske.

Mehr Arbeit als vorher

Eine Bewässerung sei im Normalfall nur noch einmal in der Woche nötig. Ansonsten jedoch, da sind sich die Wettener einig, haben sie es sich mit der Umgestaltung nicht unbedingt leichter gemacht. „Es ist viel mehr Arbeit als vorher“, betont Herbert Geske. Durch die Vielfalt der Pflanzen und die unterschiedliche Art des Wachstums müsse man stets dafür sorgen, dass etwas zierlichere Pflanzen nicht von anderen überwuchert werden. Auch frei von Unkraut bleibe der Garten nicht. Die Geskes überlassen ihn zwar so weit es geht der Natur, aber „manche Unkräuter hole ich schon raus – die, die stark wuchern“, sagt Doris Geske. Das macht dem Ehepaar jedoch nichts aus. Die Naturliebhaber haben Spaß an der Gartenarbeit. Den Trend der Steingärten finden sie „schrecklich.“ Wenn man nicht viel Zeit für die Pflege habe, genüge auch ein einfach angelegter Garten, ist sich das Paar einig. „Jeder Einzelne kann im Kleinen etwas tun“, findet Herbert Geske.

Eine kleine „Belohnung“ für ihre Mühen zugunsten der Umwelt haben die Wettener nun erhalten. Die Jury des Vorgarten-Wettbewerbs der Stadt Kevelaer entschied sich unter allen Einsendungen für den Vorgarten der Geskes als Gewinner. „Wir hatten natürlich keine Vorstellung, wer sich sonst noch bewirbt, was die anderen Leute für Gärten haben“, sagt Herbert Geske, der mit seiner Frau Mitglied im Naturgartenverein ist. Für ihren recht naturbelassenen, „unaufgeräumten“ Garten seien sie hin und wieder belächelt worden. Eine Bestätigung, dass sie mit ihrer Bepflanzung aber auf jeden Fall etwas Gutes tun, erhält das Ehepaar nun in Form von zwei Dauerkarten für die Landesgartenschau in Kamp-Lintfort. „Da werden wir auf jeden Fall ein paar Mal hinfahren“, ist sich Herbert Geske mit seiner Frau einig.

Einsatz für den Artenschutz

Es war ein kleiner, aber auffälliger Stand mit einem Stehtisch, der am Roermonder Platz von den Initiativen „Naturschutzbund“ und „BUND“ aufgestellt war. Ein kleiner Banner mit der Aufschrift „Volksinitiative Artenschwund“ und ein Schild mit einer Biene und dem Mottto „Insekten retten. Artensterben stoppen“ machte auf das Anliegen der Unterschriftenaktion aufmerksam.

„Es ist eine Initiative, die vom BUND, vom NABU und von dem niedersächsischen Landesnatur-schutzverband LBU diese Woche Donnerstag gestartet wurde“, erläuterte die Umweltaktivistin Claudia Blauert. „Es geht um Artensterben, das wir auf der ganzen Welt haben. Das wird von Fachleuten so dramatisch gewertet wie der Klimawandel. Es liegt in unserer Verantwortung, dass für die nachfolgenden Generationen intakte Ökosysteme übrig bleiben“, sagte Blauert. Dafür brauche es den Artenschutz. „Darauf wollen wir die Politik aufmerksam machen – und das muss sauber mit der Politik und den Landwirten verhandelt werden.“ Die Unterschriften sollen dann in gut einem halben Jahr dem NRW-Landtag vorgelegt werden. „Wir brauchen 66.000 Unterschriften“, so Blauert.

Mit der Natur leben

Auch Jannik Berbalk von „Fridays for future“ Niederrhein beteiligte sich an der Unterschriftensammlung. „Der Artenschutz stellt ein riesiges Problem für das Ökosystem dar, gegen das wir ganz klar vorgehen wollen. Dass wir mit der Natur leben und nicht gegen den Naturschutz.“

Als langjähriges NABU-Mitglied unterschrieb die Kevelaererin Marianne Gruber selbstverständlich auch. „Ich bin interessiert, dass unsere Vielfalt mit Vögeln und Insekten erhalten bleibt“, meinte sie.

Auch Torsten van de Loo und sein elfjähriger Sohn Matthias sahen die Verpflichtung zur Unterschrift. „Insekten retten hört sich gut an, da sind wir dabei.“ Denn ihr Sterben sei „der Beginn, dass die Menschen auch sterben können. Im Kleinen fängt es an“, sagte van de Loo.

Man verzeichne eine gemischte Resonanz, unterstrich der Kevelaerer Theo Mohn von der NABU-Ortsgruppe und Mitglied im Kreisverband. „Wir hatten ein paar Niederländer, die wir nicht auf die Liste setzen können, haben ein paar Leute aus dem Ruhrgebiet erwischt. Wir haben zwei, drei Listen voll. Wenn man die Leute persönlich kennt, kommt man eher an eine Unterschrift.“ Die Unterschriftenaktion solle auf jeden Fall weitergeführt werden, unterstrich Blauert. „Wir wollen das gerne wiederholen, müssen die Stände dann anmelden.“ Angedacht sind Aktionen wohl samstagvormittags im August.

Zwei weitere ehemalige Steingärten in Kevelaer erstrahlen in bunten Farben

Der erste Vorgartenwettbewerb der Stadt Kevelaer trägt nun erste Früchte. Die Gewinnerin des ersten Preises hat ihre Gartenumgestaltung bereits erhalten (das KB berichtete). Nun ziehen die anderen beiden Gewinner nach. Nicole und Stephan Grüttner hatten beim Wettbewerb der Stadt Kevelaer den dritten Platz belegt. Sie erhielten einen Einkaufsgutschein für das Gartencenter Breuer und machten sich kürzlich bereits ans Werk, diesen sinngemäß einzusetzen (Bild links).

Mit dem Wettbewerb möchte die Stadt Kevelaer die Bürger von den inzwischen weit verbreiteten Steingärten abbringen. Familie Grüttner verabschiedete sich in Eigenarbeit vom rötlichen Schotter. Die bereits vorhandenen größeren Pflanzen ließen die Kevelaerer bestehen, dazu kamen bodendeckende Pflanzen, die den Garten auf lange Sicht pflegeleicht halten.

Auch die Zweitplatzierten haben ihren Gewinn bereits eingesetzt (Bild oben). Anna Oymann erhielt einen Gutschein des Gartencenters Breuer und eine Beratung durch einen Gärtner. In ihrem Garten wurden die bestehenden Pflanzen und der graue Schotter komplett entfernt. In der Mitte prangt jetzt eine weiße Hortensie, umgeben von Salbei, Geranie, Glockenblumen und Fetthennen.

Klimaschutz weiterhin als primäres Ziel

Als „Impulsgeber“ bezeichnet Rolf Lohmann, Regionalbischof für den Niederrhein und Recklinghausen im Bistum Münster, die jungen Menschen, die sich für den Umweltschutz und die Schöpfungsbewahrung engagieren. Anlässlich des fünften Jahrestages der Enzyklika „Laudato Si“ im Juni sagt der Umweltbischof der Deutschen Bischofskonferenz (DBK): „Es ist richtig, dass die jungen Leute uns aufzeigen, dass es so wie bisher nicht weitergeht.“ Dabei hat er insbesondere die „Fridays for Future“-Bewegung im Blick. Gleichzeitig warnt er davor, dass der Umweltschutz angesichts der aktuellen Corona-Pandemie nicht von der Agenda verschwinden dürfe. „Derzeit könnte der Eindruck entstehen, dass der Klimawandel und die Zerstörung der Umwelt zu einem sekundären Thema geworden sind. Aber das stimmt nicht. Klima- und Umweltschutz müssen das primäre Ziel aller Menschen bleiben“, betont Lohmann.

Die Enzyklika von Papst Franziskus, die am 18. Juni 2015 veröffentlich wurde, sei ein „wichtiger und starker Text, der die ganze Schöpfung in den Blick nimmt.“ Der Papst zeige auf, dass die Menschen neu denken und handeln müssen. Jedoch gelte, erklärt Lohmann: „Texte allein helfen nicht. Wir alle müssen uns fragen, was wir konkret tun können, etwa um den Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren und die Artenvielfalt zu erhalten. Das müssen jetzt konkrete Schritte sein, die die Menschen umsetzen müssen.“ Das sei auch das Ziel der deutschen Diözesen, die unter seiner Leitung Handlungsempfehlungen erarbeitet haben. „Wir haben uns vorgenommen, dazu Rechenschaft abzulegen“, sagt der Umweltbischof. Es gelte zum Beispiel, die kirchlichen Häuser und Einrichtungen hinsichtlich ihrer Energieeffizienz zu prüfen, bei der Verpachtung von Grundstücken möglichst auf die Einhaltung ökologischer Grundsätze zu achten und beim Einkauf auf Regionalität Wert zu legen. Lohmann ist zuversichtlich: „Ich meine, da sind wir schon auf einem guten Weg.“ So gebe es in den Bistümern „tüchtige Menschen, die zeigen, was möglich ist.“ Viele Ideen würden schon umgesetzt und beweisen, dass die Schöpfungsbewahrung ökonomischen Interessen nicht im Weg stehen muss.

„Zukunft einkaufen“

Im Bistum Münster etwa gebe es das Projekt „Zukunft einkaufen“, bei dem kirchliche Einrichtungen und Pfarreien für konkrete Maßnahmen zur Schöpfungsbewahrung zertifiziert werden. „Ich freue mich, dass es gerade auch auf Initiative der jungen Menschen nach vorne geht“, betont der Umweltbischof.

Die Enzyklika „Laudato Si“ ist das zweite päpstliche Rundschreiben von Papst Franziskus. Datiert ist es auf den 24. Mai 2015, veröffentlicht wurde es am 18. Juni desselben Jahres. Der Papst widmet sich darin insbesondere dem Umwelt- und Klimaschutz, zugleich setzt er sich mit den aus der Ressourcenausbeutung entstehenden sozialen Ungerechtigkeiten auseinander. Der Titel „Laudato Si“ („Gelobt seist Du“) bezieht sich auf den sogenannten „Sonnengesang des Franz von Assisi, der mit den Worten „Gelobt seist Du, mein Herr, mit all Deinen Geschöpfen“ beginnt.