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Pastor Lohmann ist nun Bischof Lohmann

Im St.-Paulus-Dom Münster wurde Pastor Rolf Lohmann durch Bischof Dr. Felix Genn, Weihbischof Wilfried Theising und dem niederländischen Weihbischof Theodorus Hoogenboom aus Utrecht zum Bischof geweiht. Lohmann ist nun als Weihbischof für die Region Niederrhein zuständig.
Viele hundert Menschen nahmen an der Weihefeier im Dom und am anschließenden Fest im Priesterseminar teil. Gut 200 waren aus Kevelaer angereist, um dem beliebten Geistlichen Glück und Segen für sein neues Amt zu wünschen.
Mit drei Bussen und in PKW waren die Kevelaerer gekommen. Bürgermeister Dr. Dominik Pichler und seine Frau Silvia hatten sogar ihren Jüngsten, den erst wenige Monate alten Anton, zur Weihe mitgenommen. „Wir hatten immer harmonisch zusammengearbeitet. Es ist schade, dass wir unseren Pastor nun an ein höheres Amt abgeben müssen“, sagte Pichler. Auch Diakon Jan Klucken, der viele festliche Liturgien mit dem Pastor gefeiert hatte und dem frisch geweihten Weihbischof als Diakon beim Pontifikalamt zur Seite stand, ist traurig über seinen Weggang.
Dem Empfang im Priesterseminar ging eine zweieinhalbstündige Weiheliturgie im St.-Paulus-Dom voran. Die musikalische Leitung lag bei Domkantorin Verena Schürmann und Domkapellmeister Alexander Lauer. Unter ihrem Dirigat sorgten drei Chöre, eine Sopranistin und ein Bläserensemble für Gänsehautfeeling. „Ganz große Klasse“, so Annegret Beckedahl über die musikalische Gestaltung. Hildegard Scheike fügte an: „Die Musik war himmlisch. Viele Tränen sind bei mir geflossen.“
Mehr als 20 Bischöfe aus Deutschland, den Niederlanden und dem Niger, unzählige Fahnen­abordnungen, Scharen von Priestern und Ministranten sorgten für einen triumphalen Ein- und Auszug. In der Predigt erinnerte Bischof Genn an das Wort des hl. Bischofs Augustinus: „Mit euch bin ich Christ, für euch bin ich Bischof.“ Das Bischofsamt solle nicht zu Stolz verleiten, sondern der Bischof müsse dieses von Gott verliehene Amt im Dienst für die Mitmenschen tragen.
Vor der Weihe wurde Pastor Lohmann nach seiner Bereitschaft gefragt, das Amt recht zu verwalten, das Evangelium zu verkünden und am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken. „Mit Gottes Hilfe bin ich bereit“, erwiderte Lohmann. Bei der Anrufung der Heiligen unmittelbar vor der Weihe legte sich Pastor Lohmann flach auf den Boden als Zeichen der Ganzhingabe an Gott. Anschließend kniete er sich hin, während die beiden Diakonen das Evangelienbuch über seinen Kopf hielten als Zeichen, dass er unter dem Wort Gottes stehe, das Schutz gibt. Kniend legten ihm dann Bischof Genn und alle anderen Bischöfe die Hand auf. Anschließend sang Bischof Genn das Weihegebet. Als Teilhabe des Bischofs am Priestertum Christi wurde ihm dann das Haupt mit Chrisam gesalbt.
Bischofsring, Mitra, Pektorale und Hirtenstab
Anschließend wurden Lohmann das Evangeliar und seine Insignien überreicht: Bischofsring, Mitra, Pektorale und Hirtenstab. Als Zeichen der Zugehörigkeit zum Bischofskollegium umarmten ihn alle Bischöfe. In einer kurzen Ansprache am Ende des Gottesdienstes dankte Lohmann seiner Mutter, die ihm das Leben schenkte, und allen, die ihm den Glauben vorgelebt haben. Er gratulierte seinem Bruder Franz zum Geburtstag und dankte allen Menschen, die ihm in den Stationen seines Wirkens ihr Vertrauen geschenkt haben, allen, die ihm die Insignien schenkten und ihm ihre Glückwünsche zukommen ließen. „Ich erbitte euer Gebet“, sagte er und fügte an: „Der Niederrhein ist mir ein Zuhause geworden. Das sagt ein waschechter Westfale!“
Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann aus Hamm, zu dem Lohmanns Heimatgemeinde Westtünnen gehört, verriet: „Wir haben uns immer schon gedacht, dass Du zu Höherem berufen bist.“ Kaplan Christoph Schwerhoff überbrachte die Glückwünsche der Pfarrgemeinde St. Marien.
Während beim Gottesdienst Weihrauchschwaden zum Himmel stiegen, tat es im weltlichen Teil der Feier der Rauch der Grillstände. „Hier ist alles super organisiert, man muss gar nicht lange anstehen und hat sofort Getränke oder frisch Gegrilltes“, freute sich Brigitte Haesters. Herzlich schüttelte Bischof Lohmann viele hundert Hände, umarmte die Menschen und scherzte. Jan Klucken zum Beispiel setzte er kurz seinen violetten Pileolus auf.
Zu den Gratulanten gehörten unter anderem Bundesumweltministerin Barbara Henricks, die aus Kleve stammt und Goldschmied Norbert van Ooyen, der den Bischofsstab aus Silber und Ebenholz anfertigt hatte. 110 Stunden in acht Tagen habe er dafür gebraucht.
Auch Georg Seegers, der den Bischofsring anfertigte, war angereist und spielte mit dem Kevelaerer Musikverein zünftig auf. Erzbischof Laurent Lompo aus dem Niger überreichte einen bunten Bischofsstab, der von den Tuareg angefertigt wurde. Mitarbeiter von St. Ida in Herzfeld übergaben Lohmann eine riesige Torte, die mit Bildern seiner Stationen verziert war. Bischof Genn, der dabei stand, meinte: „Das ist so schön, dass man es nicht essen kann!“
Kollekte für Kinder in Syrien
Dass der neue Bischof aber nicht nur gut feiern kann, sondern immer auch ein Auge für die Notleidenden hat, zeigt, dass er die Kollekte des Pontifikalamtes für Pater Firas Lutfi in Aleppo in Syrien bestimmt hat. Dort gibt es Therapiemöglichkeiten für kriegstraumatisierte Kinder und Jugendliche.
Bis September bleibt Lohmann noch in Kevelaer. Am Sonntag wird er sein erstes Pontifkalamt als Bischof Lohmann feiern.

Gemeindefest mit Ehrengast „Luther“

Martin Luthers Ausspruch „Hier stehe ich und kann nicht anders“ bestimmte den Familiengottesdienst, mit dem das Fest der Evangelischen Kirchengemeinde Kevelaer eröffnet wurde. Viele Familien mit Kindern waren der Einladung des Presbyteriums und dessen Vorsitzenden Pfarrerin Karin Dembek gefolgt.
Der Kinderchor der Gemeinde begrüßte in einem Lied die Anwesenden in zahlreichen Sprachen und machten klar „ohne uns geht gar nichts, ohne uns geht es schief.“ Dann erklärten Klara und Emil (zwei Handpuppen), dass manchen Menschen Luthers Ideen nicht gefallen haben.
Sie hätten Angst gehabt, mit der Furcht der Menschen kein Geld mehr verdienen zu können. Sie hätten auch nicht gewollt, dass die normalen Bürger selbst in der Bibel lesen konnten. Sie befürchteten, dass sie dann dem Klerus nicht mehr gehorsam wären und dieser dann seine Macht verlieren könnte. Luther wusste aus der Bibel, dass die Menschen aus Gnade allein und durch die Taufe zu Gott gehören würden und so gut sind, wie sie sind. Er wollte, dass dies alle Menschen wissen sollten. Er wollte den Menschen Mut machen.
Mut-Worte zählten dann auch die Kinder auf: „Du bist nicht alleine“, „Gott ist immer bei Dir“, „Gott ist mein Freund“ oder „Gott ist Liebe“, wurden aufgeschrieben und an die Leine geheftet, an der die 95 Thesen Luthers befestigt waren.
Im Anschluss an den Gottesdienst gab es viele Aktionen in und um die Jesus Christus Kirche. Märchenerzählungen, Sackhüpfen und Stelzenlaufen zählten ebenso dazu wie das Luther-Torwandschießen. Spanferkel vom Grill und mittelalterliches Bier warteten auf die Besucher. Das Singen von Lutherliedern, eine Türe an die neue und eigene Thesen zur heutigen Kirche angeschlagen werden konnten oder ein Gesprächstisch zu den Luther-Thesen zählten zudem zum Angebot für kleine und große Leute.
Ein „Ehrengast“ war bei dem Gemeindefest die ganze Zeit anwesend. Martin Luther, fast in Lebensgröße, als Figur von Playmobil, betonte immer wieder den Anlass des Gemeindefestes. „Mutmachworte“ an die Finder wurden bei einer Luftballon-Aktion in den Himmel geschickt und zeigten, dass „Luther 5.0o“ keine Gemeindegrenzen hat.

Der Regen fuhr mit

Der Auftakt der 34. Motorradfahrer-Wallfahrt stand unter keinem guten Stern. „Wetter, Wetter, Wetter, statt der 300 Biker im letzten Jahr sind diesmal nur gut die Hälfte da“, schüttelte ein ernüchterter MoWa-Vorsitzender Markus Appel nach den Regenprognosen den Kopf.
Alle, die gekommen waren, hatten unterschiedliche Erwartungen. „Mal sehen, ob das was für mich ist“, zeigte sich der Klever Andreas Sommer gespannt. „Echt aufregend“ fand die Rheinbergerin Michelle Kraus die Aussicht auf die erste MowA nach bestandener Führerscheinprüfung. „Mir ist wichtig, das für mich zu tun und zur Ruhe zu kommen“, sagte Reinhard Schulz. Der Recklinghausener fährt seit zwölf Jahren die Wallfahrt mit. „Wir kommen für den Glauben hierher, den Zusammenhalt und den Segen der Maschinen“, so Wolfgang Niederholz von dem „Knoasebikern Wetten“, ein Teilnehmer der ersten Stunde.
Am Kapellenplatz erwarteten einige Zuschauer die Fahrer. Unter ihnen war auch Josefine Pütz aus Merzenich. „Ich hab extra zwei Tage im Priesterhaus gebucht“, sagt die die 82-Jährige, bevor sich ihr Wunsch erfüllte, mal mit so einer Maschine mitfahren zu dürfen.
„Da kommen noch fünf“, sorgte Kaplan Christoph Schwerhoff zur Begrüßung seiner ersten kompletten Motorrad-Wallfahrt für Lacher. „Ich bräuchte Lärmschutz“, scherzte er angesichts des traditionellen Hupens. „Als Sozius merke ich, wie man die Kräfte während der Fahrt spürt“, so der Kaplan, der an beiden Tagen als Träger des Kreuzes auf dem Moped fungierte. „Da braucht man einen guten Engel. Ich habe gemerkt, das hat mit Freiheit zu tun.“ Und nach der Segnung der Maschinen gestand er, dass er anfangs zwar nervös, aber voller Freude gewesen wäre. Viele Biker zündeten vor der Fahrt an der Kapelle Kerzen an und hielten inne. „Einfach nur den Menschen gedenken und sie im Herzen mitttragen, die man geliebt hat“, erinnerten sich der Oberhausener Jürgen Seifert und der Voerde Daniel Baatsch gemeinsam an Fahrerkollegen und Freunde, die bei einem Unfall ums Leben gekommen waren.
Das aufklarende Wetter vermochte dann doch noch, Kurzentschlossene auf das Bike zu bringen. Rund „700 Maschinen und 1.200 Menschen“ zählte MoWa-Mitorganisator Willy Verhülsdonk auf dem Platz, nachdem die Kolonne ihre traditionelle Nachtfahrt absolviert hatte. Diese führte von Kevelaer über die Grenze bei Arcen und wieder zurück durch die Ortschaften Auwel-Holt, Lüllingen und die Kleindörfer. Später feierte der harte Bikern-Kern von knapp 200 Leuten am Zeltplatz zur Musik von „Sex in the Fridge“ bis in die Nacht.

„Schön, unbeschreiblich, und alle mit dem gleichen Lebensgefühl“, fand die Reeserin Carina Drost die Strecke und das Winken der Leute am Straßenrand toll. „Hier reinzufahren, ist der Hammer“, gab der Weseler Andreas Hecker bei seiner Premierenfahrt die frischen Eindrücke wieder.

Auf der Maschine des Bischofs Laurent Lompo aus dem Niger fuhr Rolf Lohmann ein letztes Mal als Wallfahrtsrektor mit: „Das ist schon was Besonderes, das nimmt man mit. Motorradwallfahrt kann man nicht erklären, das muss man erleben.“ In seiner Predigt unterstrich er die Bedeutung, „Menschen zu haben, auf die wir uns felsenfest verlassen können, wenn es einem dreckig geht“ und denen man alles sagen könne wie auch der Maria in Kevelaer. So sei es den Menschen vor 375 Jahren auch gegangen, als sie im Schatten des dreißigjährigen Krieges ihren Trost bei der Gottesmutter suchten.
„So soll es uns auch gehen, dass wir morgen wegfahren und spüren, es ist anders“, gab er nochmal ein flammes Plädoyer für den „besonderen Ort“ Kevelaer ab. Beim Verlesen der Verkehrsopfer wurde deutlich, wie sehr ihn der Moment bewegte. Wenn man überlegt, wie viele gestorben sind, das geht ans Herz“, reichte auch die Kevelaererin Bianca Lied­ke ihren Nachbarn beim „Vater unser“ die Hände.“ Zu der würdevollen Stimmung trugen auch Elmar Lehnen und Kerstin Sowislo mit ihren musikalischen Beiträgen wie „Tears in hea­ven“ oder „What if God is one of us“ bei.

Insignien für Weihbischof Rolf Lohmann

Für Norbert van Ooyen ist es der fünfte Bischofsstab, den er in seinen bislang 35 Berufsjahren gefertigt hat. „Jeder Stab ist etwas ganz Besonderes“ sagt er, während er noch einen prüfenden Blick auf sein jüngstes Werk wirft. Der Goldschmied aus Kevelaer hat Wallfahrtsrektor Rolf Lohmann, der am 8. Juli in Münster zum Bischof geweiht und als Weihbischof für den Niederrhein zuständig sein wird, in den vergangenen Wochen gemein-sam mit anderen Goldschmieden bei der Auswahl seiner Insignien beraten.
Stab, Ring und Brustkreuz, Pektorale genannt, gehören zu den sogenannten Insignien, die ihren Träger als Bischof ausweisen. Mit ihrer Bildsprache begleiten sie den geistlichen Würdenträger, sagen viel über seine Vorbilder und Geschichte aus. Für Lohmann war schnell klar, welche Bilder die Insignien tragen sollen, die Gestaltung aber überließ er weitgehend den Goldschmieden. Sie alle kommen aus Kevelaer. Herbert Cürvers hat das Pektorale gefertigt, Georg Seegers den Ring entworfen und geschmiedet. Für alle Gegenstände wurden zwei Materialien verwendet: Silber und Ebenholz. Das helle Silber und das tiefdunkle Holz ergänzen sich, „diese Verbindung ist klassisch“, sagt van Ooyen.
Ausgangspunkt für Gestaltung und Material war die Schüppe des Pastors, die bei Lohmann im Arbeitszimmer steht und bei besonderen Anlässen in Gottesdiensten genutzt wird. Auch sie besteht aus dunklem Holz und hellem Metall. Das Symbol des Pastors, des Hirten, der für seine Gemeinde da ist, wollte Lohmann auch als Bischof tragen. Daher erinnert der Bischofsstab an eben jene Schüppe. Vier Bilder von Heiligen und Seligen bilden den Knauf. Ludgerus, der erste Bischof von Münster, ist dargestellt. Er erinnert Lohmann zudem an seine ersten Stationen als Pastor. Ida von Herzfeld, die erste Heilige Westfalens, ist für den gebürtigen Westfalen wichtig. Kardinal von Galen bewundert er für seine Standhaftigkeit gerade in schwierigen Zeiten. Und Karl Leisner, der im Konzentrationslager heimlich zum Priester geweiht wurde, spiegelt die enge Verbindung zum Niederrhein wider. „Wenn ich den Stab halte, dann habe ich diese Vorbilder auf Augenhöhe und werde so an sie erinnert“, sagt Lohmann.
Der silberne Ring zeigt die Heilige Familie, wie sie in einem Rosettenfenster in der Pfarrkirche von Westtünnen dargestellt ist. Dort ist die Heimatgemeinde von Lohmann. In das Bild sind ebenfalls kleine Ebenholzstücke eingelegt. Sie bilden das Kreuz im Hintergrund der Fa-milie. „Damit wurde der ursprüngliche Gedanke, dass das Kreuz Jesu aus Holz war, in dem Ring aufgegriffen“, erklärt Seegers. Mit sakralen Goldschmiedearbeiten hatte er bislang nicht viel zu tun, er hat sich in Kevelaer insbesondere mit seinem Schützensilber einen Namen ge-macht. Umso größer war der Ansporn, das Bild aus dem großen Fenster in den kleinen Ring zu übertragen. „Der Ring muss tragbar sein“, betont er.
Aus der Hand von Cürvers stammt das Pektorale. „Das Kreuz ist in seiner Form sehr redu-ziert, aber auch konzentriert. Zu Pastor Lohmann hätten keine Ornamente oder Schnörkel gepasst“, erklärt er. In den Silberrahmen ist Ebenholz eingelegt. Dort, wo sich die Balken kreuzen, ist auf der Vorderseite eine plastische Darstellung der Kreuzigung Jesu zu sehen, mit Maria und Johannes am Fuß des Kreuzes. Das Motiv bezieht sich auf die Kevelaerer Votiv-messe nach dem Johannesevangelium (Joh. 19, 25.27). Die Rückseite zeigt Maria als Trösterin der Betrübten, die in Kevelaer verehrt wird.
Alle drei Goldschmiede betonen, dass ihnen Lohmann viel Freiheit bei der Gestaltung ließ. „Wir waren da sehr autark“, sagt van Ooyen, „wenn man diesen Freiraum hat, wird das Beste daraus.“ Bei der Wahl der Materialien haben sie sich abgesprochen, ansonsten aber für sich gearbeitet. So sind die Insignien nicht „aus einem Guss“, passen aber dennoch zueinander. Lohmann ist sehr zufrieden. „Es war mir wichtig, die Arbeiten vor Ort anfertigen zu lassen, es freut mich, dass die Handwerksmeister sich zusammengetan haben und von ihnen die Ideen kamen. Ich konnte es mir selber erst nicht richtig vorstellen und bin nun angetan von der guten und schönen Zusammenarbeit sowie den Ideen, die dahinterstehen. In den Insignien kann ich meine eigene Spiritualität wiederfinden“, sagt der künftige Weihbischof.
Das gilt auch für die Mitra, also die Kopfbedeckung des Bischofs. Sie wurde von Thomas Schmitt gewoben. Der Spezialist für Paramente – also die liturgische Kleidung – hat ein Ge-schäft in Köln mit einer Filiale in Kevelaer. Die Mitra für festliche Anlässe, die Lohmann auch bei seiner Weihe tragen wird, ist komplett per Hand aus Seide gewoben worden. Sie zeigt in der Mitte zwei blaue Dreiecke, die an die Darstellung der Gottesmutter Maria mit ihrem blauen Mantel erinnern. Jeweils links und rechts weisen sieben rote Balken auf die sie-ben Sakramente hin, die der Bischof spenden darf. Auf sie weisen auch die sieben Flammen hin, die auf dem silbernen Salbgefäß zu sehen sind, das aus der Werkstatt des Kevelaerers Wilhelm Polders stammt. Darin wird das Salböl Chrisam aufbewahrt, mit dem unter anderem Jugendliche bei der Firmung gesalbt werden.

Zum Mitsingen bewegen

Ein herumfuchtelnder Derwisch, 20 faszinierte Sänger und ein von Liedern wie „Herr Jesu Christ, Dich zu und wend und „Friede für dich“ klangerfülltes Kirchenschiff, das waren die „Zutaten“ zur ersten gemeinsamen Probe von Chorsängern der Evangelischen Kirche und Interessierten mit dem niederländischen Chorleiter Tom Löwenthal in der Jesus-Christus-Kirche.
Bei der Probe war auch Sebastian Belleil.  Der aus dem französischen Angers stammende Organist leitet seit zehn Jahren den Kirchenchor: „Das Presbyterium und Frau Dembek haben überlegt, wie wir vielleicht einen noch pfiffigeren Gottesdienst und Chor gestalten könnten.“ Darum habe man dieses Projekt gestartet, um die Erfahrungen miteinander auszutauschen „und ob er von seinen Erfahrungen als Chorleiter etwas geben kann.“ Das Ziel sei nicht nur, den Chor zu unterstützen, sondern den Gemeindegsang generell. „Ich merke selbst als Dirigent, dass die Leute nicht viel singen“, gesteht Beilleil. „Wir wollen einen Impuls kriegen, um mehr Gemeindegesang zu fördern.“ Viele Menschen zwischen 40 und 50 Jahren sagten oft, dass sie das Singen verlernt hätten. „Aber das ist wie Radfahren“, findet Beilleil. „Wer das nicht einübt. Man muss das den Leuten wieder beibringen.“
Dazu gehöre es auch, dass der Chor nicht auf der Empore singen soll, sondern unten als Teil der Gemeinde, um diese auch selbst zum Mitsingen anzuregen. „Wie wir das alles genau machen und wo der Chor steht, ist noch unklar.“
Über ein vielfältiges Repertoire (aus dem Gesangbuch, aber auch mit Gospel und anderen Songs, darunter einem Stück von Löwenthal selbst) wolle man die Leute zum Singen anregen.
Das Projekt ist ausgelegt für den Gottesdienst am Sonntag, 16. Juli. Löwenthal sorgte mit seiner Art der Ansprache jedenfalls für eine gute Stimmung. „Ich hab gehört, dass er kommt und dachte, versuch‘s mal“, meinte Julia Kaenders, die selbst zu so einer Probe noch nicht gegangen war. „Aber es ist ein gutes Gefühl. Es macht Spaß. Er ist sehr profesionell und nimmt einem die Scheu.“
Ähnlich angetan war Jürgen Kulcke: „Ich bin heute da, um was Neues zu machen. Er macht es locker, weiß aber, wie er es beibringen will. Das gefällt mir.“ Es sei wichtig, „auch mal Bahnen zu verlassen“, pflichtete im Hans aus Geldern bei. Man kann also gespannt sein, wie sich das Ergebnis am 16. Juli anhören wird.

Das große Treffen der Chöre

Der Deutsche Chorverband besteht seit 1951. Er wird heute von rund 400 katholischen Knabenchören, Mädchenchören, Kinderchören, Jugendchören und Schulen mit mehr als 16.000  Sängern getragen.
 Der Verband unterstützt kirchliche Knaben-, Mädchen-, Kinder- und Jugendchöre, -kantoreien und –schulen in Deutschland in ihrer musikalischen, religiösen, liturgischen, kulturellen und erzieherischen Arbeit. Er schafft Austausch, Begegnungen und Partnerschaften zwischen Chören, ihren Leitern und Sängern auf diözesaner, nationaler und internationaler Ebene.
Lob Gottes, Begegnung in Freundschaft und Einsatz für den Frieden sind traditionell die drei Säulen der Arbeit. Zum Wallfahrtsjubiläum fand mit fast 400 Kindern und Jugendlichen das Chortreffen der Pueri Cantores im Bistum Münster in der Marienstadt statt.
Chordirektor Romano Giefer, Andreas Müller, Vorsitzender des Diözesanverbandes Münster und der geistliche Beirat Clemens Lübbers begrüßten die Sängerinnen und Sänger mit ihren Begleitungen auf dem Kapellenplatz, bevor es zur Stellprobe und zum Einsingen in die Basilika ging. Unter Beteiligung von Basilikakantor Sebastian Piel und Basilikaorganist Elmar Lehnen und unter der Leitung von Giefer wurde an den Chorälen gefeilt, die im anschließenden Gottesdienst gesungen wurden.  Der Chordirektor zeigte freundlich aber bestimmt, dass Disziplin beim Chorgesang dringend erforderlich ist. „Alle Augen einmal nach hier, sonst klappt es nicht“, „Nicht rechts überholen“ oder „Die Basilika ist sehr lang. Ihr müsst bis ganz nach vorne singen. Wenn ihr das Gefühl habt, ihr seid etwas zu früh, dann seid ihr genau richtig“, waren seine klaren Ansagen. Auch gab er für das Chorsingen wertvolle Hilfen. „Ich liebe englische Chöre, denn bei ihnen sind die Notenblätter immer auf Halshöhe. Die Sänger können dann die Noten lesen und gleichzeitig einen Blick auf den Dirigenten werfen.“
Durch die Klangfülle und fantastischen Stimmen aus den Kinderkehlen, herrschte bei den Gesängen teilweise Gänsehautstimmung. Die Begleitungen der Chöre erschienen restlos begeistert.
In seiner Predigt zum Hochfest des Heiligen Johannes des Täufers sprach Clemens Lübbers die Sänger direkt an: „Ihr tragt durch euren Gesang dazu bei, dass Jesus wachsen kann. Ihr breitet die Botschaft des Sohnes Gottes durch euer Singen aus.“
Die Kinder und Jugendlichen, die unter anderem aus Münster, Rees, Telgte und Kevelaer (Kinderchöre der Basilikamusik und die Anthony-Singers von St. Antonius) kamen, verlebten bei einem „Chaotenspiel“ einen lustigen Nachmittag in Pastors Garten bevor im Forum Pax Christi ein offenes Singen stattfand. „Ein Sperling und ein Elefant“ und „Singen mit Herz und Mund und Ohr“ waren angesagt und bei „Simamakaa“ gab es zur allgemeinen Erheiterung eine Bewegungsaktion (steh auf, in die Hocke gehen, hüpfen, spazierengehen).
Beim gemeinsamen Abschlusssegen in der Basilika sah man viele strahlende Kinder und Jugendliche, die mit viel Gesang und Freude einen Tag in der Marienstadt verbracht hatten.
https://www.kevelaerer-blatt.de/chortreffen-in-kevelaer/

Evangelische Kirchengemeinde feiert 500. Geburtstag

Die evangelische Kirche feiert ihren 500. Geburtstag. Grund genug, ein großes Fest mit der ganzen Gemeinde zu feiern. Die Evangelische Kirchengemeinde Kevelaer lädt deshalb für Sonntag, 2. Juli, ab 11 Uhr zu einem großen Familienfest ein. Florian Hankwitz, Pfarrer im Probedienst und der stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums Pakal Janssen stellten das Programm für den Tag vor.
„Hier stehe ich und kann nicht anders“ hatte Luther vor dem Reichstag in Worms geantwortet, als er aufgefordert wurde, seine 95 Thesen zur Erneuerung der Kirche zu widerrufen, die er an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hatte. Unter diesem Motto wird der Gottesdienst stehen, mit dem das Fest eröffnet werden soll. Als Erklärung, wozu diese Thesen dienen sollten, hatte Luther diese mit der Aufforderung überschrieben: „Aus Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, diese zu ergründen, soll in Wittenberg unter dem Vorsitz des ehrwürdigen Vaters Martin Luther, Magisters der freien Künste und der heiligen Theologie sowie deren ordentlicher Professor daselbst, über die folgenden Sätze disputiert werden. Deshalb bittet er die, die nicht anwesend sein und mündlich mit uns debattieren können, dieses in Abwesenheit schriftlich zu tun. Im Namen unseres Herrn Jesu Christi, Amen.“
Luther war damals 34 Jahre alt. Die Kirchengemeinde Kevelaer hat alle 34-jährigen Gemeindeglieder angeschrieben und sie gebeten, Kritik und Gedanken zur heutigen Situation in der Kirche zu äußern. Auch die Jugendlichen der Gemeinde sind aufgefordert, ihre Meinung zur Situation in der Kirche, die sich immer wieder erneuern soll, zu veröffentlichen. So wird es die Möglichkeit geben, dass sie ihre „Thesen“ an eine Türe anschlagen können.
„Ein feste Burg ist unser Gott“ oder „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ werden nur einige  der zahlreichen Luther-Lieder sein, die bei einem offenen Singen erklingen werden. Passend zum Mittelalter wird es Märchenerzählungen zur vollen Stunde für Kinder geben. Kaffee, Kuchen, Spanferkel vom Grill und mittelalterliches Bier werden für das leibliche Wohl sorgen. Sackhüpfen und Stelzenlaufen sowie andere alte Kinderspiele ergänzen das Angebot für kleine und große Leute.
Ein „Ehrengast“ hat sich für das Sommerfest auch angesagt. Ein fast lebensgroßer Martin Luther von Playmobil wird anwesend sein. Damit das Reformationsjubiläum-Familienfest auch gemeindeüberschreitende Wirkung hat, werden Wünsche an Gott und „Mutmachworte“ an die Finder bei einer Luftballon-Aktion in den Himmel geschickt.

Motorradfahrer-Wallfahrt steht bevor

Auch in diesem Jahr hoffen die Veranstalter der Motorradfahrer-Wallfahrt (MoWa) wieder auf einen großen Andrang auf dem traditionellen Zeltplatz der MoWa an der Walbecker Straße. Vom 30. Juni bis zum 2. Juli 2017 werden Tausende Maschinen zur 33. Wallfahrt der Biker erwartet. Damit ist sie eine der größten Wallfahrten im Jubiläumsjahr 375 Jahre Wallfahrt Kevelaer.
Nach bewährter Tradition wird das Programm eine Mischung aus Ausfahrten, Gottesdiensten und Festival beinhalten, wobei in diesem Jahr ein neuer Duft über dem Zeltplatz der Motorradwallfahrt wehen wird. Catering Kanders hat das kulinarische Zepter – oder besser die Grillzange – für die 33. Motorradwallfahrt übernommen und wird die Verpflegung der Motorradwallfahrer in diesem Jahr übernehmen.
Aber nicht nur Essen und Trinken sorgen bei der 33. Motorradwallfahrt dafür, dass Leib und Seele eine Einheit bilden. Gerade die Abschlussfahrt der MoWa am Sonntag mit der Fahrt zum Kapellenplatz und der dort stattfindenden Segnung der Biker und ihrer Motorräder machen deutlich, dass es vielen Bikern auch auf den Schutz von ganz oben ankommt. „Es war für mich im letzten Jahr sehr beeindruckend zu erleben, wie wichtig es den Motorradfahrern ist, dass sie und ihre Maschinen gesegnet werden. Jede einzelne Maschine musste auch Weihwasser abbekommen“, sagt Kaplan Christoph Schwerhoff, der im letzten Jahr zum ersten Mal die Wallfahrt miterlebt hat.
Aus dem Programm der Motorradfahrer-Wallfahrt:
Freitag, 30. Juni
Anreise ab 16 Uhr
Samstag, 1. Juli
ab 13 Uhr Begrüßungskonvoi zum Kapellenplatz mit Andacht
20 Uhr Lichterfahrt zur Gnadenkapelle
Sonntag, 2. Juli
ab 11 Uhr Wortgottesdienst in der Zeltstadt
13 Uhr Abschiedsfahrt und Segnung auf dem Kapellenplatz

Weihbischof Wilfried Theising in Malteser Ritterorden aufgenommen

Während eines feierlichen Gottesdienstes in der Kevelaerer Marienbasilika sind 16 Frauen und Männer in den Malteser Ritterorden aufgenommen worden. Unter ihnen war Weihbischof Wilfried Theising, der Offizial in Vechta ist. Die Malteser waren zum Hochfest ihres Ordenspatrons, Johannes der Täufer, zur Generalversammlung der Deutschen Assoziation ihres Ordens am 17. Juni an den Niederrhein gekommen. Die neuen Mitglieder verpflichteten sich in der Aufnahme-Zeremonie unter anderem dazu, für Kranke und Hilfsbedürftige „nach Kräften zu sorgen“. Dazu traten sie mit ihren Paten vor den Altar, wo sie schließlich das Malteserkreuz in Empfang nahmen, um so Ritter, Dame oder Kaplan des Ordens zu werden.
Bischof Dr. Felix Genn, der zu dem Gottesdienst aus Münster in die Marienstadt gekommen war, deutete in seiner Predigt auf die Verbindung zwischen dem Wallfahrtsort und den Maltesern hin. Maria werde, erklärte Genn, als „Trösterin der Betrübten“ verehrt, wobei auch die Übersetzung „Trösterin der Angeschlagenen“ richtig sei. „Wie viele Menschen“, fragte Genn, „sind seelisch oder leiblich angeschlagen?“. Viele Menschen würden mit ihrem Leid und ihrer Not nach Kevelaer kommen, um ihre Anliegen vor Maria zu bringen.
Genn verwies auf die Dienste, die die Malteser etwa in Krankenhäusern, Hospizen und allgemein in der Sterbebegleitung leisten. „So viele von Ihnen sind Tröster von angeschlagenen Menschen“, wandte sich der Bischof direkt an die Helfer. Doch auch als Helfer sei man oft angeschlagen und verwundet, sagte Genn weiter“. Helfer würden sich dadurch verwundbar machen, dass sie sich im Herzen von Not und Leid, die ihnen begegnen, treffen lassen, statt ihnen mit kühler Objektivität zu begegnen. „Sie sind betroffen und leiden mit“, sprach der Bischof die Malteser an: „Wir geben Trost und wir brauchen Trost. Sie nehmen ihn aus der Kraft des Glaubens und Gottes Wort.“
Neu in den Orden aufgenommen wurden: Cecilia Gräfin von Bernstorff, Maria Freifrau von Boeselager, Carlotta Freifrau von Canstein, Max von Doder, Stephanie Fischer-Stabauer, Dr. Matthias Fischer-Stabauer, Florian Graf von und zu Hoensbroech, Monsignore Dr. Michael Kahle, Dr. Donatus Kaufmann, Dr. Rainer Löb, Sebastian Lutz-Bachmann, Agnes von Natzmer, Frank Schira, Weihbischof Wilfried Theising, Antonia Freiin von Weichs zur Wenne und Richard von Wietersheim.

Katholiken aus 40 Herkunftsländern pilgern nach Kevelaer

Unter dem Motto „Mit Maria. Gottes Wort leben!“ haben am 18. Juni etwa 850 Mitglieder aus den Missionen und Gemeinden anderer Muttersprache im Bistum Münster an der Wallfahrt nach Kevelaer teilgenommen. Die Wallfahrt findet alle zwei Jahre statt und es beteiligen sich Katholiken aus über 40 Herkunftsländern, die im Bistum Münster leben.
Bei strahlendem Sonnenschein schickte Weihbischof Dieter Geerlings, Bischöflicher Beauftragter für die Katholiken anderer Muttersprache, gegen Mittag die große Gruppe der Wallfahrer auf den Weg. An der Hubertuskapelle in der Bauernschaft Keylaer forderte er sie auf, sich mit Maria auf den Weg zu machen und Jesus, dem Licht und der Hoffnung der Welt, zu folgen.
Nach der Fußwallfahrt von etwa drei Kilometern Länge vertrauten sich die Beteiligten auf dem Kapellenplatz zunächst dem Gnadenbild der Maria an, die in Kevelaer als Trösterin der Betrübten verehrt wird. Sie baten um Versöhnung aller Völker und um den Frieden für die ganze Welt. Der anschließende Gottesdienst in der Basilika wurde in vielen Sprachen international gefeiert. Weihbischof Geerlings beschrieb in seiner Predigt Maria als eine Frau, „die offen und ansprechbar war – auch für Gott.“ Das sei nicht selbstverständlich und nicht einfach.
In Maria würden die Menschen erkennen, dass Gott bei ihnen sei und bleibe. Dieser Glaube helfe den Menschen, mit allen Schwierigkeiten, Dunkelheiten, Krankheiten und Grenzen zu leben. „Und dann treffen wir Maria, die Mutter Jesu, mit den anderen nach der Auferstehung im Abendmahlsaal. Da kommt das Wunder von Pfingsten. Und dieses Wunder ist auch heute hier anwesend: Menschen verstehen sich. Über Sprachgrenzen und Nationalitäten hinweg verbindet sie ein Glaube. Jeder darf seine eigene Sprache sprechen, seinen Dialekt, und wird trotzdem verstanden“, sagte Geerlings.
Nach dem Gottesdienst wurde die gemeinsame Wallfahrt fortgesetzt mit einem interkulturellen Fest der Nationen im Forum Pax Christi. Dabei wurden kulinarische Spezialitäten aus allen Herkunftsländern geteilt, Gesänge und Tänze aus den unterschiedlichen Kulturen wurden vorgetragen. Am Ende des Festes sandte der Weihbischof die Pilger noch einmal auf den Weg aus und stellte sie und ihre Angehörigen unter den Segen Gottes.