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Ein Fest für Groß und Klein

Ausgelassenes Herumtollen und fröhliche Feierstimmung kennzeichneten den diesjährigen Familientag, der im Zuge der traditionellen Hubertuskirmes im Keylaerer Festzelt stattfand. Schon früh hatten sich die ersten „Jäger“ auf dem kleinen Spielzeug- und Kinderflohmarkt im Festzelt umgesehen. „Von zehn bis zwölf war alles voll. Hauptsächlich CD‘s und Porzellan sind gut gegangen“, erzählte Angelika Dicks, die wie ihr 13-jähriger Sohn Niklas mit dem Verkaufsergebnis vollauf zufrieden war.

Gleiches galt für die „Jäger“ wie Annika Genzel. „Die Tüte ist voll, das Portmonee ist leer“, konstatierte die 36-jährige Kevelaererin, die „als ‚Fee vom Christkind‘ schon vor Weihnachten noch was tun“ musste, wie sie lachend gestand. Die Kinder konnten sich an der Hüpfburg, den diversen freien Spielgeräten wie einer Mini-Eishockey-Spielarena und weiteren Geräten austoben – der absolute Renner waren allerdings die reitbaren Stoffpferde, an denen die Kinder den ganzen Tag ihre helle Freude hatten.

Gemeinsames Frühschoppen

Der Schriftführer der Hubertusgilde, Bernhard Peters, verkaufte an einem kleinen Tisch Exemplare mit dem Jahrbuch zum 875-jährigen Bestehen Keylaers. „Das läuft noch nicht so gut, dafür aber der Familientag an sich“, nahm er diesen kleinen „Wermutstropfen“ angesichts der Atmosphäre gerne hin. Um die Theke herum in dem „Keylaer-Paradies“ versammelten sich die Schützen zum gemeinsamen Frühschoppen – ausgedehnt zu einem Früh-Nachmittagsschoppen. König Theo Bors klönte bei einem leckeren Gläschen mit seinen Freunden. „Wir waren auch bei der Popschlagernacht gestern – wir nehmen alles mit“, bekannte seine Majestät bestens gelaunt. „Das Bier ist preiswert und gut“, ergänzte sein Vorgänger Fabian Keysers.

Die aktuelle Königin Martina war derweil hinter der Kaffeetheke beschäftigt, den Gästen, die auf den Bänken Platz nehmen und sich austauschen konnten, leckeren Kuchen mit anzubieten. „Wir haben gut verkauft, es wird auch viel mit nach Hause genommen“, hatte sie an dem Zusammenspiel der Frauen und dem Tag insgesamt ihre Freude. Und diejenigen, die ihre Kinder toben und es sich bei einem leckeren Stück Kuchen gut gehen ließen, genossen wie Sebastian Wessels den Augenblick. „Für unsere Verpflegung ist gesorgt, es ist angenehm kurzweilig und wir haben auch mal unsere Ruhe.“

Ein gelungener Abschluss des Jubiläums

Tauschläger, Holzschnitzer, Bauern und Spinner waren nur einige der Berufsgruppen, die den Besuchern auf Keylaer am Hauptfesttag ihr Handwerk vorführten. Der Bauern- und Handwerkermarkt auf dem Hubertusplatz lockte Groß und Klein, Keylaerer und Nicht-Keylaerer, Jung und Alt auf den Hubertusplatz.

„Zu verkaufen steht nicht im Vordergrund“, sagte Horst Kuhrt, Vorsitzender des Imkervereins für Kevelaer und Umgebung e.V. Es sei einfach schön, dabei zu sein und Präsenz zu zeigen. Kuhrt führt ebenfalls ein eigenes Geschäft für Imkereibedarf in Kevelaer und hatte an diesem Tag eine kleine Auswahl an verschiedenen Artikeln rund um den Honig mitgebracht. Lippenpflegestifte, Cremes, Bonbons und Seife waren einige der Produkte. Das Interesse an seinem Stand war groß. Wann auch immer man bei Kuhrt vorbeikam, meist tummelten sich viele Interessierte um ihn herum. „Bienen und Insekten sind ein Thema im Moment“, machte er deutlich, dass ihm die Aktualität des Themas bewusst ist.

Besonderes Handwerk

Unter einem großen Zelt windgeschützt untergebracht waren unter anderem Korbflechter, Drucker und Holzschnitzer. Meist gab es einen großen Verkaufsstand und zusätzlich einen Stand, an dem das Handwerk live vorgeführt wurde. Anblicke, die die meisten unter uns sicherlich nicht oft zu sehen bekommen.

„Das ist mein Hobby seit über 40 Jahren“, erzählte Andre Scaf, während er an einer großen Holzschnitzerei an seinem Stand weiterarbeitete. „Von Beruf habe ich nichts mit Holz zu tun“, lachte der Niederländer. Er sei eher im technischen Bereich zuhause. 800 Stunden Arbeit steckten bereits in seinem Werk, das vor ihm lag. Die Preise der Schnitzereien am Verkaufsstand wirkten dagegen sehr gering. „Das sind symbolische Beträge. Und wenn ich nichts verkaufe, dann ist das so“, lächelte Scaf und machte deutlich, dass es ihm vor allem um die Freude an der Arbeit ging.

Jeden Monat sei er in den Niederlanden auf einem Markt vertreten und daraufhin sei man auf ihn zugekommen, ob er nicht beim Jubiläum auf Keylaer auch dabei sein wolle. Für den Niederländer kam nur eine Zusage in Frage, was er nicht zu bereuen schien. Ein wenig Geschäft und vor allem Gespräche mit interessierten Bürgern waren die Belohnung.

Musikalisch wurde der Markt von der Blaskapelle „Die Stall-Freunde“ aus den Niederlanden begleitet. Für die kleinen Gäste gab es eine Hüpfburg und ein Kinder-Karussell. Für Begeisterung bei allen Altersgruppen sorgten die Traktoren, die am Rande des Hubertusplatzes aufgestellt waren. Vor allem die Fahrzeuge älteren Baujahrs boten einen besonderen Anblick.

Nicht ganz so historisch, aber dafür mit viel Action kamen die Kaltblüter der „Kaltblutfreunde“ aus Uedem daher. Tauziehen gegen ein Pferd und hinter einem der Tiere „surfen“ standen auf dem Unterhaltungsplan. Für das Surfen wurde eine große Plane hinter das Pferd gespannt. Der Surfer konnte sich an einem Seil festhalten. Lediglich zwei Freiwillige fanden sich, um den Surfspaß auszuprobieren. Das Grinsen im Gesicht danach verriet den Spaß der Teilnehmer an der Aktion.

Ein vergebliches Ziehen

Das Tauziehen war wie zu erwarten ein kurzes Schauspiel. Auch wenn sich sieben Leute fanden, die sich der Herausforderung stellten: gegen die Hunderte Kilos des Pferdes kamen die Besucher nicht an. Der Spaß war dennoch garantiert. Die jüngeren Gäste, die an beiden Aktionen nicht teilnehmen konnten, durften anschließend auf dem Rücken des sanftmütigen Riesen ein paar Runden drehen.

Eine Woche, neun Veranstaltungen und viele zufriedene Gesichter – das ist das Ergebnis der Jubiläums-Woche auf Keylaer. Alles in allem sei es „mehr als wir erwartet haben“, sagte Reinhard Peters vom „Arbeitskreis Heimatfreunde Keylaer“. Alle Veranstaltungen seien gut angekommen und gut besucht gewesen. Ob man irgendetwas hätte besser machen können? Nicht wirklich, meinte Peters. Er denkt, dass man bei einem weiteren Jubiläum alles wieder genauso machen würde.

Eine Fotogalerie zum Hauptfesttag finden Sie hier.

Woher kommt eigentlich unser Kevelaerer Wasser?

Bis zu 6.000 Kubikmeter Wasser werden im Sommer täglich durch das Wasserwerk der Stadt Kevelaer auf Keylaer gepumpt – im Winter circa 3.000. Diese Zahlen sorgten bei den Besuchern des Wasserwerks für erstaunte Gesichter. Arno Voss, stellvertretender Wassermeister, Marco Maas, Rohrnetzmeister und Anna Walter, technische Leiterin, führten interessierte Besucher gruppenweise durch das Wasserwerk auf Keylaer.

Seit 1976 ist das Wasserwerk in Betrieb. Zu diesem Zeitpunkt war das alte Wasserwerk jedoch noch nicht vollständig abgeschaltet, um in der Startphase für einen Notfall gerüstet zu sein. Ab Januar 1977 lief das neue Wasserwerk dann alleine – bisher ohne größere Zwischenfälle, berichtete Anna Walter.

Es gibt vier Brunnen, aus denen das Wasser bezogen wird. Zwei sind in der Regel aktiv, sagte Arno Voss – im Sommer auch mal mehr. Die Brunnen liegen „ein paar hundert Meter weiter in einem Waldstück“ und sind circa 20 Meter tief gebohrt. Man habe mal noch tiefer gebohrt, was jedoch nicht von großem Erfolg gekrönt war. „Das Wasser konnte man nicht gebrauchen, das sah aus wie Cola“, erzählte Voss.

Sechs Pumpen nach Kevelaer

Der stellvertretende Wassermeister erklärte den Besuchern den Weg, den das Wasser nimmt, bevor es bei den Verbrauchern aus dem Hahn kommt: Zunächst wird das Wasser vom Brunnen ins Gebäude des Wasserwerkes gepumpt. Anschließend versuche man, „den Eisenanteil zu minimieren“, bevor das Wasser in einen Reaktor gepumpt wird. Dort werden Eisen und Schwermetalle entfernt und das Wasser wird anschließend gefiltert. Zum Schluss wird dem Wasser Kohlensäure hinzugefügt, um den pH-Wert zu neutralisieren, der vorab hochgepumpt wurde. „Über sechs Reinwasserpumpen wird das Wasser nach Kevelaer gepumpt“, erklärt Voss weiter. 

All diese Schritte hören sich nach einem langen Prozess an. So lange braucht das Wasser jedoch gar nicht, bis es bei uns in der Leitung ist. Circa zwei Stunden vergehen, bis das Brunnenwasser durch die Anlage gelaufen und bereit ist, in die Leitungen nach Kevelaer zu fließen.

Keine Wasserknappheit zu befürchten

Vor allem in trockenen Sommern steigt der Wasserverbrauch an. Wasserknappheit brauchen die Kevelaerer Bürger allerdings aktuell nicht zu befürchten. „Wir haben zwei Millionen Kubikmeter Wasserrecht im Jahr“, erklärte Voss.

Er betonte in seinen Erläuterungen die gute Wasserqualität: „Wir brauchen nicht chloren. Unser Wasser ist fast keimfrei.“ Auch die hohe Nitratbelastung, die es mal gab, bestehe heute nicht mehr. Nachdem eine Kooperation mit den Bauern geschlossen worden sei, die unter anderem eine geringere Düngung vorsieht, sei der Nitratgehalt stark zurückgegangen. Von einem Höchstwert von circa 50, der die Grenze darstellt, sei der Wert auf circa 24 gesunken – also alles im grünen Bereich.

Eine Information von Arno Voss brachte die Besucher zum Schmunzeln: „Man kann auch gut sehen, wenn mal Länderspiel ist, wenn da Halbzeitpause ist. Oder auch an Silvester, wenn um kurz vor 12 alle nochmal auf Toilette gehen.“

Das Feedback der Besucher war positiv – nicht nur zu diesem Teil des Keylaer-Jubiläums. „Es gibt jeden Tag etwas Neues“, schätzt Elli Kisters das abwechslungsreiche Angebot der Jubiläums-Woche. Auch Reinhard Peters, einer der Köpfe des „Arbeitskreises Heimatfreunde Keylaer“, zeigte sich zufrieden – nicht nur mit der Führung durchs Wasserwerk: „Eigentlich sind bei allen Veranstaltungen unsere Erwartungen übertroffen worden.“

Ein zwangloser Hubertuslauf auf Keylaer

Neben dem Bauern- und Handwerkermarkt kam am Hauptfesttag des Keylaer-Jubiläums auch der Sport nicht zu kurz. Knapp 45 Läufer und Walker hatten sich zusammengefunden, um ausgehend von der Hubertuskapelle eine Runde zu laufen. Organisiert wurde der Lauf vom „LWT Lauf- und Walking Treff Kevelaer“. Die längste Strecke ging über 7,1 Kilometer, gefolgt von einer 5,2-Kilometer-Strecke und die Walker liefen 4,6 Kilometer. „Das soll ein ganz einfacher, zwangloser Lauf sein“, meinte Gottfried Winkels vom LWT Lauf- und Walking Treff Kevelaer. Ganz so schien es auch zu sein. Die Läufer kamen sichtlich zufrieden und gut gelaunt ins Ziel.

„Das ist eingebettet in die ganze Aktion hier auf Keylaer“, nannte der stellvertretende Bürgermeister und Mitglied des Lauf- und Walkingtreffs Kevelaer, Johann-Peter van Ballegooy, den Anlass des Hubertuslaufs, „seit über 25 Jahren bin ich dabei.“ Hauptsächlich waren Mitglieder des Lauf- und Walkingtreffs anwesend. Ein paar wenige weitere Läufer hatten sich eingefunden und auch ein Vierbeiner lief tapfer mit ins Ziel.   

Weitere Fotos vom Lauf finden Sie hier.

Die Mundart lebt in und auf Keylaer

Rappelvoll – anders kann man das Innere des Hubertus-Saales auf Keylaer nicht beschreiben. 120 Mundart-Interessierte bedeuteten ein ausverkauftes Haus, sehr zur Freude von Hans-Gerd Op de Hipt, der als Vorstandsmitglied der „Heimatfreunde Keylaer“ und  Moderator souverän durch einen überaus kurzweiligen, teils vergnügten, teils nachdenklich-besinnlichen Abend führte.

Zwei Stunden „holländischer Dialekt“

Herzlich begrüßte er den anwesenden Ehrenbürger der Stadt Kevelaer, Pastor Richard Schulte Staade und zitierte, auf das Thema des Abends überleitend, den Bischof von Utrecht, der gesagt haben soll „Deutsch ist ein Dialekt der holländischen Sprache“, und um diesen Dialekt ging es in den folgenden gut zwei Stunden.

Fünf Akteure des Mundart-Abends. Foto: WiScho

Religiöses Gedankengut spielte von Anfang an eine Rolle, wo Heinrich Baumanns gleich mit einer Litanei loslegte. Hierbei bat er das Publikum, stets den Kehrvers „Bewoare ons“ zu wiederholen. Vor was sollte der Herr uns alles bewahren? Es ging um „Koppinn on Buckpinn“, „kalde Füüt on affstehende Ohre“, um „Huste und Pruste“ und nicht zuletzt um „Fraulüj, die knippe on bitte“. Letztere wollten sich wohl ein bisschen rächen: Er meinte zum Schluss, er komme noch einmal wieder. „Bewoare ons!“, war die logische, aber wohl nicht ganz ernst gemeinte Retourkutsche.

Mehrere Lieder (unter anderem Texte von H. Tenhagen, J. Croonenbroeck), alle mit Bezug zu Kevelaer und von großer Heimatliebe zeugend, wechselten sich mit den weiteren Vorträgen ab. Musikalisch begleitet und unterstützt wurde das sangesfreudige Publikum von Hans Grüntjens, der das Akkordeonspielen wahrlich nicht verlernt hatte.

Maria Verhülsdonk erntete viel Beifall für ihre Erzählung, was die Familie früher alles mit „Ons alde Komm“ angestellt hatte: Sie (die Komm!) musste alles tragen und ertragen, vom Backteig bis zum Aerpeleschlaat, von Vaters Fußwäsche bis zum gewaschenen Kinderpopo, der sie auch noch als Nachttopf leicht zweckentfremdete. Es folgte eine optisch-rhythmische Augenweide, als eine Tanzgruppe von acht Landfrauen in hübschen, farbigen Kleidern zu südamerikanischen Rhythmen auftraten. Die kleine Zugabe danach ergab sich automatisch ohne Zurufe des Publikums, das umso kräftiger applaudierte.

Knochenfunde im Schwarzbruch

Knochenfunde im Schwarzbruch! Wilfried Renard rezitierte ausdrucksstark, sozusagen „met Händ on Füüt“, eine schaurig-schöne Ballade von Jupp Tenhaef, in der es zunächst „nur“ um ein Fußballspiel zwischen Hasen und Füchsen, im späteren Verlauf aber mehr um Mord und Totschlag ging (daher die gefundenen Knochen).

Die Tanzgruppe begeisterte die Zuschauer. Foto: WiScho

Nach so viel Hektik kam Maria Verhülsdonk mit dem besinnlichen Text „Was ist Heimat?“ besonders gut an. Sie zählte auf, was an Dingen und Begebenheiten alles dazu gehört, und man konnte aus jedem Satz und Beispiel die tiefe Heimatverbundenheit heraushören.

Heftzwecken und Hexenschüsse

Diese Vorträge ließ man sodann in einer 20-minütigen Pause „sacken“, bis es Heinrich Baumanns gelang, das schwere Leben eines Beamten darzustellen, der sich endlich mal von seiner Arbeit erholen wollte. Dabei machten ihm Heftzwecken, Hexenschüsse und „ennen Bruch“ das Leben aber auch wirklich schwer, einschließlich der uneinsichtigen Ehefrau, die Kohlen holen als guten Zeitvertreib für ihn ansah. Schließlich wollte er wohl doch lieber wieder zur Arbeit gehen…

Die erwähnte Tanzgruppe hatte sich inzwischen grüne und orange Overalls angezogen und legte, völlig untypisch zur Kleidung, eine Polka nach kölscher Musik und kölschem Text hin. Die Zugabe entfiel – die Damen waren „pim-aff“ und wurden mit herzlichem Applaus für die gelungene Darstellung verabschiedet.

Elli Kisters und Cläre Peters unterhielten mit einem pointenreichen Dialog auf der Parkbank. Foto: WiScho

Zu einem echten Highlight nahmen Elli Kisters und Cläre Peters auf einer Parkbank Platz und dann ging ein Feuerwerk von Pointen los, sodass das Publikum aus dem Lachen nicht mehr herauskam. „Grit on Trüj“ kamen „van’t Höckske op et Stöckske“, eine sprach von dreifacher Diät (denn von einer wird man ja nicht satt!).

Es war die Rede von Weihnachten im Kuhstall, idyllisch und schön, egal, ob die „kuhen dor pesse of schitte“, auch die Liebe war ein Thema nach dem Motto „m-m-s“ =montags-mittwochs-samstags in abgeschwächter Form blieb es bei m-m-s = März–Mai–September. Und mit demselben Seufzer schloss man das Thema ab: m-m-s = möchte manchmal schon! Das Publikum hatte einen Heidenspaß an den beiden Damen und ihrem mehr als perfekten, frei vorgetragenen Dialog.

Danach wurde es wieder besinnlicher und Wilfried Renard zitierte mit gewohnter Betonung zwei Gedichte von Theodor Bergmann mit Schwerpunkt auf „Ons Modertaal“. Es waren der Highlights noch nicht genug: Maria Verhülsdonk betete ausdrucksvoll zur Abend­ruh zum lieben Gott. Ihre Zeit könne vielleicht bald vorbei sein, „äwel, wenn’t gett, vannach noch ni“.

Wor hör ek t‘hüß

Zum alles krönenden Abschluss schmetterte der ganze Saal die vier Strophen unseres Heimatliedes „Wor hör ek t’hüß“ und der Chronist meint, er habe dabei hier und da ein Tränchen gesehen. Hans-Gerd Op de Hipt verabschiedete die Gäste und schloss dabei einen herzlichen Dank an Gilde, Landfrauen, Mitarbeiter und die Presse mit ein.

875 Jahre Bauernschaft Keylaer

Die bevorstehende Jubiläumswoche anlässlich der 875. Wiederkehr der ersten Erwähnung der Bauernschaft Keylaer im Jahr 1144 beginnt am kommenden Samstag mit der alljährlich stattfindenden Hl. Messe mit Kräuterweihe in der Hubertuskapelle. Anschließend findet auf dem Hof bei der Kapelle noch ein gemütlicher Liederabend statt. Musikalisch begleitet von Theo Janssen können die Teilnehmer in gemütlicher Runde gemeinsam Volks- und Heimatlieder singen. Für die Verpflegung sorgt an diesem Abend der Arbeitskreis Heimatfreunde Keylaer, neben Getränken werden Reibekuchen und Bratwürstchen angeboten. Der Abend eröffnet somit die Jubiläumswoche.

Geschichts-Café

Am Sonntag, 4. August 2019, wird im Rahmen eines Geschichts-Cafés eine Bilder-Ausstellung zum Thema Keylaer eröffnet. Hier werden die Entwicklung von Keylaer im Laufe der Jahrhunderte sowie mit einigen älteren Fotos das Landleben im vergangenen Jahrhundert dargestellt.

Umfangreiche Festschrift

Die Festwoche beginnt mit einer Kräutersegnung in der Hubertuskapelle. Foto: KB Archiv (DdB)

Die zum Jubiläum erstellte Festschrift ist ein Buch mit 160 Seiten geworden. In mehreren Beiträgen wird die Geschichte von Keylaer vom Mittelalter bis heute beleuchtet. Für einen Beitrag über Keylaer im Mittelalter und Hintergründe zur Keylaerer Glocke aus dem Jahr 1477 konnte der niederländische Historiker Rien van den Brand gewonnen werden. Die Stadtarchivarin Dorothee Flemming-Lühr beleuchtet die Siedlungsgeschichte Keylaers vom Mittelalter bis zum Jahr 1900. In akribischer Arbeit hat sie, anhand von Steuerlisten und Katasterkarten, die Geschichte der Besiedelung von Keylaer dargestellt.

Außerdem finden sich in dem Buch weitere Beiträge zur Hubertuskapelle und den Aktionen im Rahmen der Festwoche, so die Hausnummernaktion und die Radwanderung zum Thema Denkmäler und Wegekreuze rund um Keylaer. Während des Geschichts-Cafés werden einige der Autoren sowie der Malermeister Gottfried Winkels kurze Vorträge zu verschiedenen Themen rund um die Inhalte der Festschrift halten. Die Teilnehmer haben Gelegenheit, sich bei Kaffee und Kuchen zu unterhalten und vielleicht auch eigene Erinnerungen auszutauschen. Der Bürgermeister hat für diesen Tag sein Kommen zugesagt.

Mehrere interessante Betriebsbesichtigungen

Am Montag, 5. August 2019, beginnt mit der Besichtigung des Gartenbaubetriebes Dirk und Theo Keysers GbR ein Reigen von Betriebsbesichtigungen. Dazu treffen sich Interessierte um 19 Uhr an dem Betrieb an der Wember Str. 292. Die nächste Besichtigung zum Thema „Energiegewinnung auf Keylaer“ wird als Radwanderung durchgeführt. Sie beginnt am Dienstag, 6. August, um 18 Uhr, bei der Biogas-Anlage an der Eckstraße 90. Der Betreiber Jakob Baers wird einige Erläuterungen zu der Anlage geben, von dort aus geht es weiter zu den neuen Windkraftanlagen im Schwarzbruch. Hier wird Johannes Ermers von der Betreibergesellschaft „Bürgerenergie Schwarzbruch-Nord“ Erläuterungen zur Gewinnung von Strom aus Windkraft geben.

Den Abschluss bildet die Besichtigung der Solaranlage beim Byfangshof auf Keylaer. Am Mittwoch wird dann ein Bauernhof besichtigt. Der Milchviehhalter Herbert Joosten wird seinen Betrieb vorstellen. Dazu trifft man sich am 7. August um 19 Uhr an dem Betrieb auf Keylaer, Hausnummer 73. Im Anschluss an diese Veranstaltungen werden noch Erfrischungen angeboten und es besteht die Möglichkeit, sich mit den Betriebsinhabern und den anderen Teilnehmern auszutauschen.

Am Donnerstag besteht dann die Möglichkeit, im Rahmen eines Tages der offenen Tür, an Führungen durch das Wasserwerk der Stadt Kevelaer teilzunehmen. Der Tag der offenen Tür beginnt am 8. August um 14 Uhr am Wasserwerk der Stadt Kevelaer auf Keylaer. In Kleingruppen werden die interessierten Besucher durch das Wasserwerk geführt. Bei allen Veranstaltungen werden auch die Festschrift und Keylaer-Souvenirs angeboten. Der Erlös aus dem Verkauf der Souvenirs ist für die Erhaltung der Hubertuskapelle bestimmt.

Radwanderung: Alte Wege und Heiligenhäuschen

Am Freitag treffen sich interessierte Teilnehmer dann erneut zu einer Radwanderung unter dem Motto „Alte Wege und Heiligenhäuschen“ rund um Keylaer. An neun Stationen werden Heiligenhäuschen, Denkmäler und Wegekreuze auf und rund um Keylaer vorgestellt. An den einzelnen Stationen erhalten die Teilnehmer kurze Erläuterungen zu den entsprechenden Stationen. Auf der Fahrt über Keylaer werden die Teilnehmer auf alte Wege hingewiesen. Dazu treffen sich die Teilnehmer am 9. August um 18 Uhr an der Hubertuskapelle zu Keylaer. Die Veranstaltung findet ihren Ausklang im Hubertushaus.

Mundartabend

Am Samstag, 10. August, findet um 20 Uhr ein Mundartabend im Hubertushaus statt. Die Veranstaltung wird ausschließlich mit heimischen Akteuren bestritten. Ihre Teilnahme haben zugesagt: Elli Kisters, Maria Verhülsdonk, Heinrich Baumanns und Wilfried Renard sowie die Tanzgruppe der Landfrauen. Musikalisch begleitet wird der Abend von Hans Grüntjens.

Um besser planen zu können, ist für den Mundartabend vorab der Kauf einer Eintrittskarte erforderlich. Es wird keine Abendkasse geben. Karten zum Preis von 5 Euro sind erhältlich bei Zweirad Peters auf der Annastraße und bei der Bäckerei Janssen-Heursen auf der Busmannstraße.

Bauern- und Handwerkermarkt

Den Abschluss bildet eine Festmesse an der Hubertuskapelle mit einem Bauern- und Handwerkermarkt. Der Tag beginnt um 10.30 Uhr mit einer Hl. Messe auf der Wiese hinter der Hubertuskapelle (bei schlechtem Wetter in der Scheune des Schanzhofes). Nach Begrüßungsworten findet ein historisches Fahnenschwenken statt, ausgeführt durch die St. Hubertus-Gilde. Danach setzt sich die Veranstaltung auf dem Hubertus­platz fort.

Traktoren-Segnung

Foto: privat

Zu Beginn wird gegen 13 Uhr dort eine Traktoren-Segnung stattfinden. Hierzu sind ausdrücklich auch Traktoren eingeladen, die nicht an der Ausstellung teilnehmen. Die Traktoren sammeln sich auf einem Acker in der Nähe des Festplatzes und werden dann in einer Vorbei-Fahrt gesegnet. Hierzu sind sowohl alte als auch neue Maschinen willkommen. Alte und neue Landmaschinen werden zur Schau gestellt.

In Zusammenarbeit mit dem Freilichtmuseum „De Locht“ in Melderslo ist es gelungen, Repräsentanten einer Reihe von alten Handwerken zu finden, Spinner, Drucker, Tauschläger, Klumpenmacher, Holzschnitzer und Korbmacher werden auf dem Platz ihre Arbeit und Arbeiten vorführen, sowie eine Gruppe „Flegler“, die Getreide mit der Hand dreschen. Daneben werden ein in Kevelaer ansässiger Bierbrauer und ein Saftmacher aus Kapellen ihre Arbeit und Produkte zeigen. Auch ein Bauer wird seine Produkte zeigen und anbieten. Die Kaltblutfreunde aus Uedem werden Vorführungen zu alten Arbeitstechniken mit Pferden machen. Für den musikalischen Rahmen sorgen die „Die Stallfreunde“, die böhmische Blasmusik spielen werden.

Viel Spaß für Kinder

Auch für die Kinder ist gesorgt, der Hubertus-Kindergarten wird einiges für Kinder zum Mitmachen anbieten. Daneben gibt es eine Hüpfburg und ein Kinderkarussell. Auch wird es ein Unterhaltungsprogramm speziell für Kinder geben, hierfür sorgen Dominik und Hubert Lemken. Planwagen- und Kutschfahrten runden das Programm ab. Die Bewirtung übernimmt die Hubertus-Gilde und für Kaffee und Kuchen sorgen die Landfrauen Kevelaer.

Zu allen Veranstaltungen mit Ausnahme des Mundartabends ist der Eintritt frei. Bei allen Veranstaltungen können die Besucher die Festschrift und auch Keylaer-Souvenirs erwerben. Dies sollen dazu beitragen, die Identität und das Bewusstsein für Keylaer aufrecht zu erhalten. Der Erlös aus dem Verkauf ist für den Erhalt und die weitere Verschönerung der Hubertuskapelle bestimmt. Die Bilderausstellung wird ab Montag, 5. August, in der Hubertuskapelle für eine Woche frei zugänglich sein.

Es laden ein die St. Hubertus-Gilde Keylaer in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Heimatfreunde Keylaer.

Ein Märchen durch 1000 und eine Arbeitsstunde

Im nächsten Jahr startet die Hubertuskirmes – Klassiker und Traditionsveranstaltung am Niederrhein mit der 60sten Auflage. Grund genug, um auf eines der größten Volksfeste unserer Region Rückblick und Ausblick zu halten. Das Kevelaerer Blatt unterhielt sich mit Dominik Lemken als einem von acht Mitgliedern im Kirmesteam der St. Hubertus-Gilde Keylaer e.V..

KB: Herr Lemken, Brauchtum in dörflichem Charakter zu pflegen, ist Ihnen und der St. Hubertus-Gilde Keylaer wichtig. Woran denken Sie zuerst, wenn Sie auf die gerade beendete 59. Hubertskirmes zurückblicken?
Lemken: Es war wieder einmal eine tolle Veranstaltung und für die Gilde schön zu sehen, dass unsere Neuerungen Anklang gefunden haben. Seit nun fast 60 Jahren entwickelt sich, finanziell gut aufgestellt und risikominimiert durch die Hubertus Betriebsgesellschaft mbH., die Hubertuskirmes immer weiter. Die Gilde hat es geschafft, ein Volksfest durch ständig neue Highlights und Verbesserungen am Leben zu erhalten, wo andere Kirmesveranstaltungen im ländlichen Gebiet mehr und mehr aus finanziellen Gründen verschwinden. In diesem Jahr hatten wir ein neues Veranstaltungszelt, das uns erlaubt hat, die räumliche Gestaltung zu optimieren. Das Zelt der Firma Jans aus Siebengewald hat eine Größe von 30×45 Metern und besitzt mit einer Seitenhöhe von drei Metern einen imponierenden First. Mit Stoffbahnen hatten wir einen Himmel eingehängt, der eine tolle Stimmung und einzigartige Atmosphäre unter Palmen entfaltete. Die zusätzlichen Garderoben-, Eingangs-, Sekt- und Raucherzelte schufen mit dem Gastrobetrieb zusammen einen ansprechenden Hofcharakter.

KB: Welche Veränderungen gab es bei den vielseitigen Angeboten?
Lemken: Neben traditionellen Veranstaltungen wie dem Königsball, Patronatsfest und einer Heiligen Messe in der Hubertuskapelle haben wir zum Auftakt in diesem Jahr eine Halloween-Party unter dem Titel „Blood´n´Bass“ veranstaltet. Die DJs Bugatty, Da Hool, DJ Dune, DJ Quicksilver und Sylver verschafften den passenden Beat. Hiermit haben wir den Trend der E-Pop-Musik, wie sie auf dem Parookaville Festival gespielt wird, aufgegriffen und uns so neu aufgestellt. Veranstaltungen wie das Oktoberfest oder den Comedyabend haben wir dagegen wieder verworfen, weil sie zu dem Zeitpunkt, als wir sie initiiert haben, nicht genügend Anklang gefunden haben. Auch haben wir bei den Verpflichtungen der Musiker neue Akzente gesetzt. Die Popschlagernacht wurde mit Live-Diskofox-Music von den Stargästen Julia Buchner und Nico Gemba sowie der Live-Band „X.O.“ gestaltet. Auf dem legendären Bullenball spielte die Top-Band Q5-NewStyle aus den Niederlanden und bei der 80er-90er Party präsentierte die Band „Sup-X“ hervorragende Unterhaltung.

KB: Neben den ganzen erstklassigen Veranstaltung gab es aber nicht so etwas wie einen Jahrmarkt?
Lemken: Doch, ein Sonntag steht immer ganz im Zeichen der Familie, dann finden im Festzelt eine große Indoor-Kirmes für Groß und Klein, ein Kindertrödelmarkt und ein Frühschoppen statt. Außerdem gibt es eine Cafeteria. Der Eintritt und die Nutzung von Karussell, Hüpfburgen, Gabelstapler-Parcours und allen Spielen ist kostenlos. Dies können wir durch die Erlöse der Abendveranstaltungen finanzieren, bei denen wir den Ausschank (bei durchaus humanen Preisen) in Eigenregie durchführen und nur durch die Live Gastro GmbH. von Michael Kamps personell unterstützt werden.

KB: Das hört sich gut an, ist aber sicher auch mit viel Arbeit verbunden.
Lemken: Diese Veranstaltung wird von einem Verein getragen, der eine lange Geschichte hinter sich hat. Die Hubertusgilde hat sich als Gründungsjahr das Jahr 1634 auf ihre Fahnen geschrieben und zählt heute etwa 180 Mitglieder. Außer den Hochbetagten sind wirklich fast alle in die Vorbereitungen und Durchführung der Hubertuskirmes eingebunden. In mehr als 1000 Arbeitsstunden packen alle mit an und bereiten so durch den Aufbau einer kompletten Infrastruktur die Möglichkeit, ein solches Märchen der Traditionspflege auf die Beine zu stellen. Der Umfang der zeitaufwendigen Arbeiten wird auf den ersten Blick gar nicht wahrgenommen. Neben den planerischen und administrativen Aufgaben und Angelegenheiten ist die Dekoration zu erstellen, die Bestuhlung auf- und wieder abzubauen, Bauzäune zu errichten, die Strom- und Wasserversorgung herzustellen sowie die Abwasserentsorgung zu gewährleisten. Neben vielen weiteren Arbeiten ist der Bon-Verkauf durchzuführen und die Garderobe aufzubauen.

KB: Im nächsten Jahr gibt es ein kleines Jubiläum. Die 60. Hubertuskirmes steht an. Gibt es darüber schon etwas zu berichten?
Lemken: Im nächsten Jahr wird die Hubertuskirmes vom 31.10. bis zum 16.11. stattfinden. Nach den guten Erfahrungen in diesem Jahr werden wir wieder mit der gleichen musikalischen Besetzung antreten. Für die Popschlagernacht werden wir uns mal wieder richtig ins Zeug legen. Für diese Veranstaltung wird eine namhafte Künstlerin/ein namhafter Künstler verpflichtet. Wer dies sein wird, bleibt aber noch ein Geheimnis. Im Kartenvorverkauf haben wir uns den Veränderungen der Zeit ja bereits in diesem Jahr angepasst und werden diesen neben den bekannten Vorverkaufsstellen bei Zweirad Peters, Annastr. 4 und Bäckerei Janssen-Heursen, Busmannstr. 17, auch Online anbieten.

KB: Vielen Dank, dass Sie unseren Lesern einen so ausführlichen Überblick gegeben haben. Wir wünschen der Gilde und der Hubertuskirmes auf lange Sicht eine erfolgreiche Zeit, die wir gerne weiter redaktionell begleiten werden.

Das Interview führte Jörg von der Höh

Kräuterweihe und Liederabend

Mit rund 120 Besuchern aus allen Kevelaerer Gemeinden war die Hubertuskapelle bei der Kräuterweihe am Samstagabend übervoll – und so wurden noch Bänke vor den Eingang gestellt. Der Arbeitskreis Heimatfreunde Keylaer (Reinhard Peters, Willi van Lick, Theo Achten, Michael Tenhagen, Hans-Gerd op de Hipt und Jürgen Adamaschek) hatte eingeladen, um im Rahmen des jährlichen Liederabends Gemeinschaft zu pflegen.
Im nächsten Jahr feiert Keylaer 875 Jahre Dorfgeschichte und Reinhard Peters wies bei der Begrüßung darauf hin, dass der Liederabend ein Überbleibsel und so bereits ein wenig Tradition des letzten Festjahres vor 24 Jahren ist.
Auch Kaplan Christoph Schwerhoff hatte in der vorangestellten Messe mit Kräuterweihe auf die gepflegten Traditionen aufmerksam gemacht, die charakteristisch für Keylaer seien. „So, wie in der Kräuterweihe, wird hier in Keylaer das Leben gefeiert, das wir genießen dürfen. Unter dem Wort dessen, der dieses Leben geschaffen hat, können wir teilnehmen an dem wahren Leben.“ Mit Verweis auf das Johannesevangelium zeigte Schwerhoff auf, dass Jesus das Brot des Lebens sei, welches nicht nur satt mache, sondern das das Leben lebenswert mache. „Nur wenn wir das Leben genießen können, dann können wir auch anderen gönnen zu genießen. Die Heimatfreunde Keylaer geben die Freude am Leben anderen weiter, weil sie dem dankbar sind, der dieses Leben schenkt.“
Bei Reibekuchen, Würstchen und Getränken wurde dann gemeinschaftlich in den Abend gefeiert. Theo Janßen, Tütten Thei junior, begleitete die Anwesenden wie jedes Jahr mit seinem Akkordeon und war deshalb extra angereist. „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“, „Lustig ist das Zigeunerleben“, „Wenn wir erklimmen“, „Jetzt kommen die lustigen Tage“, „Die Gedanken sind frei“ oder „Hoch auf dem gelben Wagen“ und andere „Mundorgellieder“ wurden geschmettert und erinnerten an Lagerfeuerromantik der Sechziger-Jahre. Aber auch Heimatlieder wurden gesungen. „Kävelse Moppe“ von Jupp Tenhaef, „Keylaer“ von Heinrich Tenhagen (dessen Sohn Michael mit im Arbeitskreis ist und auf dessen Grundstück der Liederabend stattfand) und letztlich das Heimatlied von Theodor Bergmann.
Ein weiteres musikalisches Erlebnis boten die Vorträge der Blashorngruppe „Hegering Kevelaer-Weeze“. Mit ihren zehn Mitgliedern boten sie den begeisterten Gästen einen Leckerbissen für die Ohren.
Was auffiel, waren die zahlreichen jüngeren Besucher, unter ihnen auch ein neun Jahre alter Junge. „Am Brunnen vor dem Tore“ sang dieser textsicher und mit kräftiger Stimme mit. „Das haben wir in der Hubertus-Grundschule gelernt“, erklärte er. So wird Tradition weitergegeben.

Messe zwischen Stroh und Kühen

Keylaer. Gut vierzig Gläubige versammelten sich am vorletzten Tag des ausgehenden Jahres nahe dem Gnadenbild, um sich gemeinsam auf einen ganz besonderen Weg zu begeben, darunter auch viele der neuen Kommunionkinder, die gespannt sein konnten auf das, was sie erwartete.
Kaplan Christoph Schwerhoff, der im vergangenen Jahr erstmals den Bethlehemgang nach Keylaer mitgemacht hatte, las einen Part aus dem Lukas-Evangelium und der Weihnachtsgeschichte, ehe er die Beteiligten zum Aufbrechen aufforderte. „Sie alle kennen den Weg besser als ich“, meinte der junge Gottesmann bescheiden.
„Der Gottesdienst im Stall ist einfach anders als in der Kirche“, formulierte Stefanie Fleischer, warum das Erleben so anders ist: „Es ist das besondere Krippengefühl“, die Atmosphäre aus Stroh, Tieren, Geräuschen, die das Ganze so außergewöhnlich machten. Im Stall formulierte der Kaplan es später so: „Rustikaler und erdiger, aber um so ehrlicher und näher an der Schöpfung dran.“
Auf dem Weg nutzten die Menschen die Chance zum Austausch oder ließen, wie der Kevelaerer Bürgermeister Dominik Pichler, noch mal das Jahr „mit Bundespräsidentenbesuch, 375-Jahr-Feier, dem Stadtfest und dem neuen Advents-Krippenmarkt“ als besondere Hilghlights Revue passieren. Für das neue Jahr hoffe er auf einen reibungslosen Beginn des Stadtumbaus – und „auf einen Feststellungsbeschluss für die OW1“ Ende des Jahres 2018.
Im Stall wartete die Familie Ermers bereits mit den großen Töpfen voll Glühwein, Kakao und Kinderpunsch, die nach dem Gottesdienst an die insgesamt gut 100 Anwesenden ausgegeben wurden. „Wir machen das hier jetzt dreizehn Jahre lang und es werden immer mehr“, freute sich Gastgeberin Margit Ermers über das stetig steigende Interesse.
Begleitet von Romano Giefer an der Ziehharmonika, zelebrierte Schwerhoff mit den Anwesenden dann eine gut dreiviertelstündige Messe mit dem „Stern von Bethlehem“-Lied als Ausgangspunkt und Ende, einer gemeinsamen Kommunion, Weihnachtsliedern wie „Stille Nacht“ – und das alles in einer Atmosphäre schmatzender und furzender Kühe im Stroh.
In seiner ziemlich „lebensrealen“ Predigt knüpfte Schwerhoff an die Geschichte der Begegnung von Maria und Josef mit Jesus bei Simeon im Lukas-Evangelium an.
Der Kaplan fragte die Kinder nach ihrem Traumberuf wie „Ärchäologe“ oder „Feuerwehrmann“. Er stellte heraus, dass das Evangelium wie eine „Vorhersage“ sei, wenn Maria und Josef Jesus zu Simeon bringen und der in ihm den Retter sah.
Aber so könne man das nicht für jedes Kind einfach sagen, was es werde. „Passen die Erwartungen dazu, die Eltern heute an ihre Kinder haben? Er nannte sich selbst als ein Beispiel. „Als ich sagte, ich will Priester werden, hat sich meine Mutter erschreckt. Sie sah sich als Oma und diejenige, die sich um die Kinder kümmert.“ Heute würde sie sagen: „Du bist auf einem guten Weg.“
Wichtig sei: „Was kann ich von dem Kind erwarten?“ Und nicht: „Das Kind muss das und das erreichen, was ich nicht erreicht habe.“ Es sei gefährlich, Erwartungen zu hoch zu schrauben. Und es sei möglich, dann auch „Kinder frei zu geben“, erinnerte er sich an das eigene Abitur, als man den Eltern sagte: „Jetzt müssen Sie loslassen.“
Im Anschluss an die Messe genossen Groß und Klein die wärmenden Getränke, tauschten sich kurz vor dem Jahrswechsel noch mal ausführlich aus und wünschten sich das Beste für ein friedvolles und gutes Jahr 2018.