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Der Umbau des Kapellenplatzes soll Schönheit bewahren und Aufenthaltsqualität verbessern

Kevelaers holpriger Charme

Es war eines der ersten Projekte, mit denen Gregor Kauling als ,frischer‘ Wallfahrtsrektor in der Marienstadt in Berührung kam. Der gelernte Stadtplaner erinnert sich noch gut an die beiden Botschaften, die er in der Planungsphase der Umgestaltung des Kapellenplatzes aufnahm…

Startschuss ist am letzten Oktoberwochenende

Kapellenplatz wird nun umgebaut

Seit Anfang 2018 laufen die Planungen zur Umgestaltung des Kapellenplatzes. Nun sollen die Bagger anrollen.

Zunächst soll der Kanal zwischen Kerzenkapelle und Forum Pax Christi saniert werden

Umgestaltung des Kapellenplatzes soll im Herbst beginnen

Für den Umbau des Kapellenplatzes und des Johannes-Stalenus-Platzes sind in den letzten Monaten die Ausführungsplanung und die Ausschreibungsunterlagen erarbeitet worden. 

Die Kirche hatte um eine Beteiligung gebeten

Stadt beteiligt sich an Kosten für Baumbewässerung

Bei zwei Gegenstimmen sprach sich der Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend für eine Beteiligung an den Kosten zum Bau einer Bewässerung für die Bäume auf dem Kapellenplatz aus.

Kirche will die Umgestaltung des Kapellenplatzes um Maßnahmen ergänzen und bittet die Stadt um finanzielle Beteiligung

Wasserversorgung für die Bäume

Die Umgestaltungen des Kapellenplatzes und des Johannes-Stalenus-Platzes sind – sicherlich auch der intensiven Beschäftigung der Öffentlichkeit mit der Umgestaltung anderer Kevelaerer Plätze geschuldet – ein wenig aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten.

Kerzenkapelle bald wieder ohne Gerüst

Wer durch Kevelaer geht in dieser Zeit, hat sich vielleicht gefragt, warum schon länger ein Gerüst an der Kerzenkapelle steht. Das KB hat nachgefragt: Es gibt einige Reparaturarbeiten, die am Dachsims nötig sind. Bei dieser Gelegenheit werden auch andere kleine Schäden beseitigt, die aufgefallen sind und die man gut erledigen kann, wobei das Gerüst sehr hilfreich ist. Der Winter und auch die Umstände der Pandemie haben ein gutes Arbeiten oft nicht möglich gemacht. So steht das Gerüst länger dort als gedacht.

Wegen der vielen Kerzen in der Kapelle sind regelmäßige Renovierungen nötig, aber die können auch gut ohne ein Gerüst erfolgen und fallen aktuell noch nicht an. Sie sind erst vor einigen Jahren erfolgt. Die Kerzenkapelle ist in einem guten Zustand, berichtet Dr. Rainer Killich. Es sei nichts marginales, was dort in Ordnung gebracht wird. Er hoffe, dass die Kerzenkapelle bald wieder ohne Gerüst steht. 

Umgestaltung des Kapellenplatzes wird teurer als geplant

Zwei Millionen Euro teurer als ursprünglich angesetzt wird die Umgestaltung des Kapellenplatzes und des Johannes-Stalenus-Platzes. Das bedeutet rund 825.000 Euro Mehrkosten an Eigenanteil für die Stadt Kevelaer. Darüber informierte die Verwaltung im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss. Grund für die Mehrkosten sind die nicht berücksichtigten jährlichen Baukostensteigerungen. Für Teilmaßnahmen, die im Handlungskonzept im Jahr 2015 kalkuliert wurden, aber erst in den nächsten Jahren umgesetzt werden, ergibt sich daraus eine Kostensteigerung. Die Anwesenden nahmen den Hinweis zur Kenntnis, Heinz-Josef van Aaken (KBV) machte dennoch deutlich, dass es schön gewesen wäre, wenn die Kostensteigerungen beachtet worden wären.

Für deutlich mehr Diskussionsbedarf sorgte im Anschluss der Entwurf zur Bebauung des Sportplatzes in Winnekendonk an der Kevelaerer Straße. Tancu Mahmout vom beauftragten Planungsbüro VDH Projektmanagement GmbH stellte den Entwurf im Ausschuss vor und erläuterte die Vorhaben zur Umsiedlung des Edeka-Marktes, zur Errichtung eines Verwaltungsgebäudes sowie zum Bau eines Wohnbereiches. Die Anwesenden bemängelten im Anschluss an die Präsentation, dass den Fraktionen der Entwurf nicht vorab bereits vorgelegt wurde. „Ich sehe da noch Beratungsbedarf in der Fraktion“, meinte Wilhelm Gerats von der FDP.

Zur Kenntnis genommen

Auch Ulrich-Hünerbein Ahlers (Grüne) sprach sich dafür aus, den Beschluss, dem städtebaulichen Entwurf zuzustimmen und das Bauplanverfahren auf dieser Basis durchführen zu lassen, zur Kenntnis zu nehmen, dem aber noch nicht zuzustimmen. Lediglich van Aaken brachte der vorherrschenden Meinung deutliche Worte entgegen: „Wir sehen uns in der Lage, das Verfahren schon heute auf den Weg zu bringen und dem Beschluss der Verwaltung zu folgen.“ Es wurde einstimmig beschlossen, der Verwaltung nach der Fraktionssitzung ein Signal zu geben und den Beschluss zunächst lediglich zur Kenntnis zu nehmen.

Im Anschluss stellte Michaela Roudbar-Latteier vom „Büro stadtVerkehr“ aus Hilden die ersten Ergebnisse und weiteren Vorhaben der Verkehrsuntersuchung zur Umgestaltung des Peter-Plümpe-Platzes vor. Ziel der Untersuchungen sei es, die Verkehrsflüsse zu optimieren und die Innenstadt zu beruhigen, machte Roudbar-Latteier zu Beginn deutlich. Eine Parkraumerhebung am Donnerstag, 10. Oktober 2019, und Freitag, 11. Oktober 2019, habe ergeben, dass auch zu Spitzenzeiten auf dem Peter-Plümpe-Platz stets freie Parkplätze zu finden seien. Ob die Ergebnisse realistische Zahlen lieferten in Anbetracht der Tatsache, dass die Termine unmittelbar vor den Herbstferien gewählt wurden und kein Wochenendtag einbezogen wurde, stellte Gerats in Frage. Er selbst habe am Samstag, 26. Oktober 2019, um 14.30 Uhr, eigenständig die Parksituation betrachtet und habe maximal 20 freie Parkplätze beobachten können – und der Rewe-Parkplatz sei ebenfalls „komplett zu“ gewesen.

Fünf Vorschläge mit Variation

Dass man nicht alle Eventualitäten abdecken könne, machte Franz Heckens daraufhin klar. Zur Kirmes jedoch – um ein Beispiel zu nennen – breche der Verkehr in Kevelaer auch nicht zusammen, obwohl an diesen Tagen kein Parkplatz auf dem Peter-Plümpe-Platz zur Verfügung steht. Allgemeinere Bedenken hegte Hünerbein-Ahlers. „Wir wollen was Grundsätzliches. Wir wollen nicht nur den Peter-Plümpe-Platz betrachten, sondern wir wollen Kevelaer betrachten“, machte er deutlich. Auf Näheres zum Konzept könne man jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht eingehen, meinte Roudbar-Latteier. Der Ausschussvorsitzende Michael Kamps machte deutlich, dass man die Untersuchungen abwarten müsse und dass die fünf unterschiedlichen Vorschläge am Ende Variation bieten würden.

Im Anschluss wurde mit einer Enthaltung beschlossen, für den Planungsprozess zur Umgestaltung einen Planungswettbewerb mit Realisierungsabsicht und nachgeschaltetem Verhandlungsverfahren durchzuführen.

Hohe Kosten, geringe Einnahmen

Der Antrag der FDP-Fraktion, öffentlich zugängliche Ver- und Entsorgungseinrichtungen für Wohnmobile zu schaffen, wurde abgelehnt. Die Verwaltung erklärte in ihrer Stellungnahme, dass die Wohnmobil-Stellplätze am Europaplatz bereits von drei auf 13 erhöht worden seien und dass im Gegenzug zu den hohen Kosten für die Schaffung einer Infrastruktur am Europaplatz und für die Wartung der Geräte mit geringen Einnahmen zu rechnen sei. Die Verwaltung präferiere die Lösung, dass auf dem Hüls-Parkplatz am Schulzentrum zunächst fünf neue Stellplätze ausgeschildert werden. Außerdem gebe es eine Absprache mit der Eigentümerin des „Reisemobilhafen Den Heyberg“ in Twisteden, dass auf der Hüls und am Europaplatz Hinweisschilder aufgestellt werden dürfen, die auf die Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten des Reisemobilhafens verweisen.

Heinz-Peter Angenendt (Grüne) sprach sich in dem Zusammenhang für den Antrag der FDP aus: „Wir würden den Antrag der FDP voll unterstützen.“ Die „Billigvariante“ erachte er als keine zufriedenstellende Lösung – vor allem, da die Wohnmobilisten für Kevelaer eine gute Zielgruppe seien. Formhalber wurde im Anschluss über den Antrag der FDP abgestimmt – mit vier Stimmen dafür, die Übrigen stimmten gegen den Antrag.

Kompromiss zu Kapellen- und Stalenus-Platz vorgestellt

Dass Bürgermeister Dominik Pichler nach der 90-minütigen Veranstaltung von einer recht „ruhigen“ und sachlichen „Debatte“ sprechen konnte, hatte sich schon früh abgezeichnet. Mit ihren Wortbeiträgen hatten der Wallfahrtsrektor Gregor Kauling und Dominik Pichler selbst den Ton und damit auch ein Stück die Richtung vorgegeben, in der die Diskussion anschließend verlief. „Das ist im Kompromisscharakter gut gelöst worden“, machte der Wallfahrtsrektor bei der Begrüßung der gut 80 Bürger und Bürgerinnen im Petrus-Canisius-Haus deutlich.

Drei Aspekte wesentlich

Drei Aspekte seien bei der Gestaltung des Platzes letztendlich wesentlich gewesen, sagte Kauling: „Dass es um den Erhalt der ökologischen Substanz geht“, dass der Kapellenplatz städtebaulich von seiner Idee her erhalten wird und „dass es möglich ist, mit Handicap gehgerecht auf dem Kapellenplatz unterwegs zu sein.“

Bei den Zielkonflikten, die dabei entstehen, seien diese Ansprüche „nicht in in allen Faktoren hundertprozentig lösbar“, machte er klar. Er zeigte sich dankbar darüber, dass es „so ein intensiver Prozess“ war, auch wenn es zwischendurch mal „gezuckt und geknallt“ hat, meinte er auch in Bezug auf die Baumdiskussion. „Da muss man dann immer neu drauf gucken und schauen, was ist den Menschen wichtig.“

Bürgermeister Dominik Pichler freute sich über den doch noch regen Zuspruch, machte aber ganz klar deutlich, „dass ich mir mehr Kommunalpolitiker hier gewünscht hätte“, damit sie auch die Stimmungslage der Bürger mitbekommen, wo das Ganze doch noch in den Hauptausschuss und im Rat zur Schlussberatung und Entscheidung ansteht.

„Lohnt es sich, den Platz überhaupt anzupacken oder den zaghaften Versuch zu wagen, in allen Punkten 90 Prozent zu erreichen?“ Diese Frage habe man sich in der Verwaltung und der Politik schon gestellt – und sich am Ende dafür entschieden. Auch Pichler begrüßte den Kompromiss und beschrieb sowas wie die Quadratur des Kreises, die man da angegangen sei, „dass man dem Kapellenplatz nicht ansehen soll, dass er sich verändert hat“, obwohl man ihn verändert. Der Stalenus-Platz, der eh „nicht so ein großer Wurf“ sei, könne eine größere Veränderung erfahren. Er gab dann Stadtplaner Franz Heckens das Wort.

Kopfsteinpflaster glätten

Heckens durfte dann die Pläne zu beiden Plätzen nochmal ausführlich erläutern. Beim Johannes-Stalenus-Platz gehe es um die Schaffung einer Aufenthaltsqualität, statt den Bereich nur als Durchgang zu verwenden. Die Oberfläche soll erneuert, die Hauptkanäle und der Regenabfluss sollen in Angriff genommen werden. Das vorhandene Kopfsteinpflaster soll auf beiden Plätzen mit denselben Steinen, aber etwas glatter, ausgelegt werden. Dazu kommen noch zwei Meter breite Wegestreifen, die auch aus dem gleichen Grauwacke-Naturstein stammen, aber mit einer geschnittenen Oberfläche, um den Platz für Rollstuhlfahrer begehbar zu machen.

Den Kapellenplatz neugestalten, ohne dass man es ihm ansieht – kann das gelingen? Foto: Archiv

Auf Nachfrage räumte Heckens ein, dass es sich bei den Wegestreifen nicht um eine hundertprozentig glatte Fläche handelt, die auch nicht unbedingt der DIN-Norm entspricht. „Dazu müsste man Rippen- und Noppenplatten weiß einlegen. Das würde aber den Charakter des Platzes zerstören.“ Deswegen würden die Flächen also „nicht so sein […], wie es für sehbehinderte Menschen wünschenswert wäre.“ 

Das kritisierte der frühere Verwaltungsleiter von St. Marien, Gottfried Mölders. „Nach spätestens zwei Jahren nimmt man die Unterschiede der Flächen optisch nicht mehr wahr.“ In Sachen Denkmalschutz habe man oft „extrem andere Wege gewählt. Es geht um Sicherheit“, machte er deutlich. „Das ist sonst rausgeschmissenes Geld.“ Heckens beharrte: „Es geht auch um den Platz.“ 

Die Eiben werden beseitigt, neue Bäume kommen

Was den Baumbestand betrifft, sollen die beiden Zierkirschen am Eingang der Basilika und die Platane hinten bleiben. Die Eiben zwischen Toilette und Basilika würden aufgrund der Feuchtschäden-Problematik beseitigt werden, sagte Heckens. „Das Ganze wird heller und freundlicher“, versicherte er. Ergänzend dazu sollen schmalkronige Bäume entlang der Fassaden gesetzt werden, die aber nicht an die Fassaden heranreichen und deren Wurzeln so geschützt werden, dass die nirgendwo tief einwachsen. Doppelbänke und Bewegungselemente sollen das Ensemble ergänzen. „Was da hinkommen kann, das klären wir aber mit der Kirche.“

Ein Anlieferverkehr werde am Parkplatz weiter möglich sein, Pilger werden dort auch mit Rollator aussteigen können, wenn man die Poller dort kurz wegnehme. Nahe der Basilika sollen ebenso Fahrradständer hinkommen.

Keine Rennstrecke

Beim Kapellenplatz werde das gesamte Pflaster aufgenommen und mit barrierearmen Streifen wie bereits beschrieben verlegt.  „Man wird gucken, ob man die Drainagerohre, die unter dem Kapellenplatz liegen, auch herausnehmen muss oder nicht, und die Zuleitungen zur Entwässerung“, so Heckens. Im Bereich der Busmannstraße sollen Heckenstrukturen und Baumpflanzungen entstehen – „keine geschlossenen Hecken, sondern kleinere Heckenbüsche zwischen den Bäumen im Meterbereich“, sagte Heckens. Die gemauerten Pflanzkübel, die dort zur Zeit bestehen, sollen weg. „Wir werden die Pflanzkübel so hinstellen, dass es keine ‚Rennstrecke‘ wird“, versicherte Heckens.   

Das führte zu einer kurzen Debatte aus dem Plenum über die Frage, ob man gerade die Gehbehinderten lieber nicht auf dem Weg entlang der Bäume schicken sollte. Sowohl Pichler wie Kauling machten klar, dass es doch eigentlich der Wunsch sei, dort Fußgänger und Rollstuhlfahrer zu haben und so automatisch auch Autofahrer zur Schrittgeschwindigkeit veranlasst würden.

Interessierte Bürger hörten sich die Pläne zur Umgestaltung des Kapellenplatzes an. Foto: AF

Unter den Bäumen parallel zur Kerzenkapelle sollen Doppelbänke und eine Grünfläche hinkommen. Und im Bereich der Eisdiele soll eine rechteckige Grauwacke-Oberfläche im Läuferverband entstehen, die sich vom Kapellenplatz abgrenzt. Inmitten dieses kleinen Platzes sollen Doppelbänke und drei kleine Bäume platziert werden. Der Verkehr werde dort in einem spitzeren Bogen geführt, „um die Geschwindigkeit da rauszunehmen“, sagte der Stadtplaner. Eine optische Beeinträchtigung der Wege und Geschäfte werde dadurch nicht entstehen, antwortete er auf eine entsprechend kritische Frage.

Keine Kalbshaxe an Karfreitag

Die Frage nach der Außengastronomie im Bereich Busmannstraße beantwortete Gregor Kauling. Es gehe da um die „Transparenz zwischen Welt und Heiligtum“, man werde da einen Weg zwischen Welt und Kirche finden. „Wir wollen das öffnen und haben es im letzten Dreivierteljahr positiv wahrgenommen, dass dort Menschen sitzen, vor allem auch Pilger.“ Zu gewissen Feiertagszeiten sollte es aber Gastronomie draußen nur zu bestimmten Zeiten geben, blickte Kauling auf seine Zeit in Altötting zurück, wo es am Karfreitag Kalbshaxe neben einer Prozession“ gegeben habe.

Bei der Frage, wann die Baumaßnahmen anlaufen sollen, blieb Heckens im Ungefähren. „Wenn alles gut läuft, Ende 2020 – vorsichtig gesagt.“ Einen Hauch präziser äußerte sich Norbert de Ryck, der technische Leiter der Stadtwerke-Tiefbauabteilung. „Wenn wirklich alles gut läuft, so nach dem Winter 20/21 im Frühjahr.“ Die Maßnahme werde man dabei nicht in einem Rutsch machen und sich mit der Kirche absprechen, sagte Heckens. Was die Reihenfolge betrifft, skizzierte de Ryck grob die Schritte, wie er sie sich vorstellen könnte: „Kerzenkapelle, Forum (als separate Maßnahme, wo die feste Bestuhlung durch lockere Bestuhlung ersetzt wird), Busmannstraße, Kapellenplatz, Maasstraße und Amsterdamer Straße bis Eisdiele, Gnadenkapelle bis Priesterhaus und dann Johannes-Stalenus-Platz.“

Angesprochen auf die weiteren Stadtentwicklungsschritte bezüglich des Luxemburger Platzes machte Heckens klar, dass man das für die anderen Maßnahmen zurückgestellt habe und mit der Kirche absprechen wird, „wann wir das aufgreifen.“ Und Dominik Pichler meinte nach der Veranstaltung bezüglich des Peter-Plümpe-Platzes nur: „Da müssen wir viel verändern, da ist Luft nach oben.“

Eine Frage des Charakters

Dass der Mechelner Platz vorerst nicht umgebaut wird, war zu Beginn der Sitzung am vergangenen Dienstagabend noch eine echte, wenn auch nicht mehr ganz taufrische Nachricht gewesen. Auf die Ausschreibung sei kein einziges Angebot eingereicht worden, meldete Franz Heckens. Eine erneute Ausschreibung könne nicht vor Herbst erfolgen, sodass sich der Baubeginn erheblich verzögere, „wenn wir denn ein Angebot bekommen“, erklärte er. Doch da sei man guten Mutes. Zudem „bemühen wir uns um eine Zwischenlösung“ für die Nutzung des Platzes.
Die folgende Diskussion um die Kevelaerer Plätze mit kirchlicher Nutzung wurde zunächst von der allgemein als frohe Botschaft angesehenen Nachricht überstrahlt, dass der Kirchenvorstand von St. Marien Zugeständnisse bei der Außengastronomie am Kapellenplatz signalisiert habe. „Eine Reihe Tische“ solle dort aufgestellt werden dürfen. Was den umstrittenen Luxemburger Platz betreffe, solle dort die Außengastronomie „noch großflächiger“ erlaubt werden, führte Thomas Selders von St. Marien aus.
Bürgermeister Dominik Pichler bemühte sich noch, die beiden Punkte Außengastronomie und Gestaltung des Luxemburger Platzes auseinander zu halten. „Außengastronomie zulassen, dagegen habe ich nix“, sagte er. Doch beim „Streitpunkt Luxemburger Platz“ stehe er „für andere Planungen nicht zur Verfügung“, erklärte er. Er fühle sich an sein Wort von vor fünf Wochen gebunden.
Heinz-Josef van Aaken (KBV) forderte mit Blick auf den Luxemburger Platz, man solle „jetzt nicht an jedem Einzelstück rumdoktern“, die Bürger hätten sich klar für den Erhalt der Bäume ausgesprochen; er sehe die Plätze als „Ensemble“, „dazu gehört auch der Bewuchs und die gewachsene Struktur“.
Horst Blumenkemper (SPD) geht davon aus, „dass nur Bäume beseitigt werden, die krank sind“. Der „Charakter der Innenstadt“ müsse erhalten bleiben, man solle „nicht vom Gestaltungsbeirat abweichen und langsam zu Potte kommen“.
Willi Gerats (FDP) verwies ebenfalls auf das Statement des Gestaltungsbeirates zum Erhalt der „natürlichen Kathedrale“ auf dem Luxemburger Platz. Der Gestaltungsbeirat habe zudem eine Empfehlung ausgesprochen, „die in dem vom Rat beschlossenen Integrierten Handlungskonzept aus 2015 fast gleichlautend wiederzufinden ist.“ In den Vorgaben des IHK heiße es bezüglich des Maßnahmenkataloges Kapellenplatz: „Es sind Anpassungsmaßnahmen bei der Pflasterung, Entwässerung, Technik und Beleuchtung zu überprüfen und gegebenenfalls umzusetzen.“ Zudem gelte es, den „dichten und unregelmäßigen Baumbestand als Grundlage für das Erscheinungsbild beizubehalten und damit den Gesamtcharakter zu erhalten“.
Die FDP meldete zudem noch bei laufender Sitzung über „facebook“, die Planungen für die Umgestaltung des Kapellenplatzes seien vorerst gestoppt worden. Der Planungsstopp habe „massive Auswirkungen“, hieß es dort: „Da die Planung des Kapellenplatzes Teil des ,Integrierten Handungskonzeptes‘ (IHK) ist, und nicht mehrere Planungen parallel betrieben werden können, verschieben sich die Planungen zum Peter-Plümpe-Platz weiter ins Ungewisse.“ Nach Ansicht der Freien Demokraten sei „spätestens hiermit der Versuch gescheitert, die Stadtplanung durch interne Kräfte zu stärken, auch die Einstellungen und Umbesetzungen auf Sachbearbeiter-Ebene zeigen sich nicht als ausreichend.“
Der Ausschussvorsitzende Michael Kamps überließ in der Sache dem Kevelaerer Ortsvorsteher und St. Marien-Vorstandsmitglied Dr. Edmund Bercker das Schlusswort. Bercker merkte an, die Frage „Was wollen die Pilger?“ sei noch nicht gestellt worden. Zudem warb er um Verständnis für die Situation der Kirchengemeinde. Mit dem plötzlichen „Personalwechsel“ habe es „ein Jahr Stillstand“ gegeben. „Geben Sie dem Pfarrer und der Gemeinde die Zeit, das neu anzupacken“, schloss er.

Siehe auch: https://www.kevelaerer-blatt.de/zukunft-der-plaetze-bleibt-weiter-offen/

Zukunft der Plätze bleibt weiter offen

Die Verärgerung war Bürgermeister Dominik Pichler deutlich anzumerken: Gerade einmal anderthalb Tage vor der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses hatte der Kirchenvorstand von St. Marien den Ratsfraktionen eine Stellungnahme zur Vorentwurfsplanung zum Kapellenplatz zukommen lassen. Darin lässt der Kirchenvorstand die Zukunft des eingeschlossenen Luxemburger Platzes völlig offen. Thomas Selders, der in der Sitzung die Kirchengemeinde den „sehr frischen Standpunkt“ des Vorstands vertrat, sagte, es gehe darum, eine „neue Vision für den Platz“ zu finden, „ein Ziel für den Platz zu definieren“ oder eine „bessere Idee für den Platz“ zu haben. Deshalb ziehe man hier die „Reißleine“, sagte er.
Das kam bei den Grünen und der CDU gut an. Paul Schaffers (CDU) begrüßte, dass die „Grundlagen komplett neu erarbeitet werden“ sollten für diesen „hochsensiblen kirchlichen Bereich“. Wolfgang Röhr (Grüne) hatte die Stellungnahme der Kirchengemeinde „mit Freude und Zustimmung zur Kenntnis genommen“, sagte aber auch: „Wir sollten darauf bestehen, die Bäume im Wesentlichen zu erhalten.“
Damit traf er genau die Kritik des Bürgermeisters: Der erinnerte die Politiker daran, dass man vor fünf Wochen gemeinsam ein eindeutiges Statement zum Erhalt der Bäume abgegeben hatte und zeigte sich verärgert über die „Halbwertszeit“ politischer Zusagen. „Wieso soll ich mir Gedanken machen, wie es ohne Bäume aussieht, wenn ich die Bäume erhalten will?“, fragte er. In ihren Stellungnahmen nach der Sitzung des Gestaltungsbeirates und der Bürgerversammlung hätten sich alle für die weitestgehende Erhaltung des Baumbestandes ausgesprochen. „Dazu stehe ich nach wie vor“, machte Pichler klar, und deshalb bedürfe es keiner Planung in andere Richtungen.
Doch auch der Hinweis von Franz Heckens aus dem Verwaltungsbereich Stadtplanung, die planerischen Spielräume für den Luxemburger Platz seien bei Erhalt der Bäume „marginal“ und eine Aufschiebung eines Beschlusses zeitlich, planerisch und finanziell aufwendig, konnte die Mehrheit der Ausschussmitglieder nicht umstimmen: Sie folgten nach anderthalbstündiger Diskussion der Forderung Schaffers zu erneuten Gesprächen mit dem Kirchenvorstand und einer völlig neuen Planung zum Luxemburger Platz.

Siehe auch: https://www.kevelaerer-blatt.de/eine-frage-des-charakters/