Beiträge

Zwei Wilfrieds kämpfen wie Siegfried für ihre „Modertaal“

Kevelaer. Rappelvoll war’s am späten Freitagnachmittag in der „wort.werk—galerie“, Busmannstraße 28, als die Hausherrin gut 35 Gäste und natürlich die beiden Hauptakteure Wilfried Renard und Wilfried Wiesmann begrüßte.
Renard, von Kindesbeinen an mit Kävels Platt aufgewachsen, hatte sich zum energischen Ziel gesetzt, unsere plattdeutsche „Modertaal“ wieder zum Leben zu erwecken bzw. zu verhindern, dass sie völlig in Vergessenheit gerät. Dazu passte sehr gut seine Eingangsbemerkung „hoch met de Maue“.
Nach dem einleitenden „Lucky man“ (Emerson, Lake & Palmer), das Wilfried Wiesmann mit seiner Gitarre und trotz leichter Erkältung stimmlich brillant vortrug, machte Renard Ernst mit den Hemdsärmeln.
Es folgte eine einzige Hommage an das Kävels Platt und außerdem eine Huldigung an unseren Heimatdichter Theodor Bergmann, der diesen Dialekt auch auf seiner Grabplatte hat verewigen lassen: „Hier hört hän t’hüß“. Renard zitierte in perfekt vorgetragenem Platt aus Bergmanns Gedichtbändchen „Maisüches on Heijblumme“, zunächst die Prosageschichte vom Räuberhauptmann Kronenberg; der soll Jahrhunderte zuvor mit seiner Bande den Niederrhein unsicher gemacht haben. Dass es bei dieser „Räuberpistole“ nicht immer ganz ernst zuging, war einerseits dem Erzählgeschick Bergmanns, andererseits dem ausdrucksstarken Vortragenden zu verdanken.
„You’ve got to hide your love away“ (Beatles) folgte als nächstes Gitarren- und Gesangsintermezzo von Wilfried Wiesmann, wobei die Auswahl der Musikstücke allgemein sehr gut zu den meist nachdenklichen Proben aus dem Bergmann’schen Gedichtband passte, ebenso wie das spätere „Crow on the cradle“ (Jackson Browne).
Das berühmte und allseits bekannte „Antöneke Flaeß“ durfte in Renards Auswahl ebenso wenig fehlen wie die „Verdummde Haerek“: Herrlich, wie Renard ganz genüsslich das affektierte Hochdeutsch des heimgekehrten Sohnes nachsprach! Aber es gab auch Besinnliches, als er „Dreckes stoervt“ (Thema: Liebe über den Tod hinaus) rezitierte oder auch „Et Maisüt“, Heimatliebe in völlig anderer Tonlage, wie Renard meinte.
Humoristisch ging es noch ein paarmal zu, als z.B. Hunder = Hühner den Aufstand gegen ihren Hahn wagten und zum Schluss kleinlaut und eingeschüchtert vor seiner Autorität kapitulieren mussten und „van Ängst et Eike falle liete“.
Zwei Höhepunkte – und das zum Schluss – krönten einen gelungenen „Modertaal-Oawend“:
Renard bekundete seine und Bergmanns Liebe zu unserer Sprache mit der Wahl des Gedichts „Min Modertaal“, wonach ein 35-stimmiger Chor voller Inbrunst alle vier Strophen unseres Heimatliedes „Wor hör ek t‘hüß?“ sang.
„da capo“ verdient
Nach dem abschließenden „Norwegian Wood“ (Beatles) erhielten die beiden Protagonisten für ihre gelungene Darbietung Blumen von der „wort.werk“-Galeristin überreicht. Sie verabschiedete ihre Gäste mit guten Wünschen und der Ankündigung der nächsten Ausstellung über meisterliche Glaskunst.
Ein vorbereiteter Imbiss und viele Gespräche folgten noch an diesem Abend, der unbedingt ein „da capo“ verdient. Ein großer Dank an die beiden Wilfrieds!

Wilfried Schotten