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Scala Jazzband & Friends im Goldenen Apfel

Rachel Montiel Foto: Veranstalter

Am Donnerstag, 14. November, sorgt die Scala-Jazzband dafür, dass das Traditionshaus Goldener Apfel (am Kapellenplatz 13 in Kevelaer) sich wieder in einen Jazzklub verwandelt. „LA BELLE VIE – Frz. Chanson trifft auf Gelsenkirchener Aktionskünstler“ ist die Veranstaltung überschrieben. Die Sängerin Rachel Montiel, bekannt für ihre exzellent interpretierten Chansons trifft auf den Performer und Aktionskünstler Norbert Lapatzki aus Gelsenkirchen. Der Saxophon und Klarinette spielende Ausnahmekünstler, auch bekannt als “Mr. Mamboo”, wird an diesem Abend die Gäste mitnehmen auf eine Reise zwischen Jazz, Klezmer und Chanson. Hanns Hübner am Kontrabass, Stefan Janssen am Schlagzeug und Wolfgang Czeranka am Piano werden wieder dafür sorgen, dass ihre musikalischen Freunde sich gut aufgehoben fühlen. Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt frei, um eine Spende wird gebeten.

Tradition mit Klang und Feeling

Eine mittlerweile lieb gewordene Tradition für Musikliebhaber ist der „Jazz im Apfel“ auf der Busmannstraße, der am Donnerstag, 11. April, wieder für eine vollbesetzte Gaststätte und einen stimmungsvollen Abend sorgte.

Zum mittlerweile 18. Mal zeigten der Pianist Wolfgang Czeranka und seine musikalischen Mitstreiter Hanns Hübner (Bass) und Stefan Janßen (Schlagzeug) ein neues Programm  – diesmal angereichert mit Swing, Latin, Pop, Balladen und Bossanova. Dazu gesellten sich wie so häufig spannende Gäste – wie der Saxofonist Art Gisolf, der Klassiker wie Stevie Wonders „Isn´t she lovely“ mit seinem Spiel veredelte, der Sänger Peter Riccius mit Lieder wie „Ain´t misbehavin“ oder ein talentierter Schlagzeuger aus Holland. 

Nachdem sie das eine oder andere Mal nicht dabei war, durfte diesmal auch wieder Daniela Rothenburg mit ihrer stimmlichen Präsenz und ihrem Auftreten das Publikum verzaubern. Bei Stücken wie „Maladie d ´amour“, „The more I see you“ oder Aretha Franklins „Natural woman“ bewies die Dortmunderin ihre Klasse am Mikrofon – und nach zweieinhalb Stunden verbeugte sich eine zufriedene Combo vor dem ebenfalls zufriedenen Publikum.    

Boogie Woogie Company im Löwen

Am Freitag, 29. März, gastiert um 20 Uhr die Kölner Boogie Woogie Company auf der Bühne im Goldenen Löwen, Amsterdamer Straße 13, in Kevelaer.
Das Jazz-Quartett aus der Domstadt wurde 1964 nach einer Jamsession des Boogie-Woogie-Pianisten Leo von Knobelsdorff und des Modern-Jazz-Gitarristen Ali Claudi nebst Rhythmusgruppe im Kölner Kintopp-Saloon gegründet. Das Publikum war begeistert. So etwas hatte man noch nicht gehört. Boogie Woogie als Bandkonzert mit virtuosen Solisten.
Mit der Frische und Power ihrer Musik hatte sich die neu gegründete Band nach kurzer Zeit in die Herzen der Zuhörer gespielt. Es ist somit die erste deutsche, wenn nicht gar erste europäische Boogie-Band. Sie hat seitdem mehr als 2600 Konzerte gegeben und war auf allen Festivals im Inland und im benachbarten Ausland zu Gast. 2019 feiert die Boogie Woogie Company ihr 55-jähriges Bestehen.
Zahlreiche junge Boogie-Pianisten profitieren von ihrer Vorarbeit, denn es war der Band gelungen, die Tradition der großen Boogie Woogie Klassiker A. Ammons, M.L. Lewis, J.P. Johnson unter anderem mit modernen Jazzelementen zu verbinden und so einen zeitgenössischen Boogie-Woogie-Stil zu schaffen. Und nicht nur dies. Im typischen Rhythmus dieses gut 100 Jahren alten „Tanz-Jazz“ lassen sich auch Arrangements von E. Clapton, G. Gershwin oder W. Littlefield spielen, um nur ein paar der bekannten Jazz-Interpreten aufzuzählen.
Zwei der Gründungsmitglieder, Ali Claudi und Kalle Hoffmeister, tragen bis heute die Band. Der dritte, Boogie-Altmeister Leo von Knobelsdorff, ist 2013 verstorben.
Für das Konzert in Kevelaer ist folgende Besetzung geplant, wenn es heißt „Let the good time roll“: Claudi (Guit. + Voc.), Daniel Paterok (Piano), Paul G. Ulrich (Bass + Voc.) und Kalle Hoffmeister (Drums). Ein Ohrenschmaus genialer Jazz-Oldies mit viel Fingerfertigkeit am Piano und Rhythmus-Gefühl wird geboten. Einlass ist ab 19 Uhr. Der Eintritt kostet 15 Euro.

Heilige Drei Könige und ein Poet

Beim Rotary-Benefizkonzert „Swing meets Kabarett“ überzeugten die „Three Wise Men“ mit furiosen Jazzklassikern – und Konrad Beikircher als Humorist und Interpret von Paolo-Conte-Songs. Am Ende strahlten drei Musiker und ein neu dazugewonnener Sänger mit Kabarettqualitäten um die Wette und nahmen die Standing Ovations des Publikums entgegen.
Schon vor eineinhalb Jahren hatten die „Three Wise Men“ – Saxofonist Frank Roberscheuten, Pianist Rossano Sportiello und Schlagzeuger Martin Breinschmid – mit ihrer musikalischen Kunst das Publikum im Bühnenhaus „gerockt“. An diesem Samstagabend durften sie in ihrer Runde einen weiteren Mitstreiter auf den Bühnenbrettern begrüßen.
Der Humorist und beißende Gegenwartskommentator Konrad Beikircher durfte seinen Beitrag zu dem Abend leisten – in vielfältiger künstlerischer Hinsicht, wie sich später herausstellen sollte.
Vor dem Start in schwungvolle zwei Stunden Wort und Klang dankte der Initiator des Abends, Peter Schaap, den Sponsoren des Abends. Der aktuelle Rotary-Governer des Distrikts Geldern, Ralf Esser, wies auf den Zweck des Abends hin. „Wir sind 1,2 Millionen Rotarier, die versuchen, die Welt ein Stück besser zu machen“, machte er klar, dass jährlich 360 Millionen Dollar in weltweite sogenannte „Global grants“-Projekte fließen, mit denen nachhaltige Hilfs- oder Bildungsprojekte unterstützt werden.
„Ich bin ja eher der Rocktyp – Stecker rein und drei Akkorde“, gestand Bürgermeister Dominik Pichler beim Grußwort an seinem 43. Geburtstag aber, dass ihm das erste Konzert der drei Musiker hinsichtlich des Jazz doch einen neuen Input gegeben hatte.
„Und was wir gemeinsam haben: wir haben beide in Bonn studiert und waren beide im Knast – beruflich natürlich“, stellte er dann noch einige Berührungspunkte mit Konrad Beikircher fest.
Ständchen für das Geburtstagskind

Anschließend betraten die Protagonisten des Abends die Bühne – Beikircher setzte sich dabei erstmal am Bühnenrand auf einen Stuhl und verfolgte lächelnd die Darbietung des kongenialen Trios. Der niederländische Saxofonist, der in New York lebende italienische Pianist und der aus dem „21. Bezirk in Wien“ stammende Schlagzeuger boten dem Geburtstagskind erstmal ein Ständchen, das kollektiv per Gesang begleitet wurde, ehe es dann richtig swingig wurde.

Foto: AF


Beginnend mit dem fetzigen „Jeepers creeper´s“ von Louis Armstrong und dem dezenten „Flamingo“ setzte vor allem Frank Roberscheuten mit der Klarinette einen Klangakzent. Und bei „Bei mir bist Du schön“ durfte Martin Breinschmid zeigen, dass er auch auf einem Tablett leerer Flaschen melodische Rhythmen und Melodien spielen kann.
„Jazz macht Spaß“, meinte Beikircher angesichts des virtuosen Kunstgenusses und freute sich, „mit den Heiligen drei Königen hier“ anschließend Paolo-Conte-Lieder vortragen zu dürfen. Und es gelang ihm anschließend, bei Liedern wie „Sotto le stelle del jazz“, „Gelato al limon“, später „Azzurro“ oder „Via Con Me“, im Verbund mit dem Trio, diesen lässsigen, lakonischen Ton des Originals gut zu treffen – und stimmlich tatsächlich eine „bella figura“ zu machen.
Sprache ist Musik

Foto: AF


„Ich hab zur Sprache als Kind einen Zugang gehabt, der musikalisch ist“, verwies er auf seine Kindheit im südtirolischen Bruneck mit italienischen Nachbarskindern, dem lokalen Akzent und der Mutter, „die unter Mussolini Deutschuntericht gab.“ Sprache sei für ihn „Musik, ich höre sie immer schon als Farben, Rhythmen, Melodien.“ Anschließend referierte er kultur- und humorvoll über den „Tanz“ der rheinischen Sprache, bot dazu sogar einen echt „kölschen“ Rap dar und ließ sich später über die diversen Sprachrhythmen als „Wolken voller Regionalfarben“ aus.
Dabei kleidete er das Wienerische („Das ist nicht nur das Knautschen, ist so ein bisschen nasal, im Gaumen wird was zerquetscht und sehr gelangweilt“), das Norddeutsche oder das Hessische („Die verschlucken viel“) in Sätze, die keiner vom Sinn her verstand. „Die Württemberger haben eine Umlautkultur, die ist sehr musikalisch“, sorgten seine diversen Sprachbeispiele für lautes Gelächter und viel Beifall.

Foto: AF


Die Musik geriet natürlich nicht ins Hintertreffen: Das Trio sorgte auch im zweiten musikalischen Teil für beste Unterhaltung und wippende Beine.
Anmutig schön geriet dabei „Midnight in Paris“ von Sidney Bechet – und richtig in Fahrt geriet das Konzert nach Sportiellos großartigen Variationen von „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ mit dem Drei-Sterne-Koch (!) Breinschmidt, der die Melodie mit Pfannen, Töpfen und Mixer-Stab „interpretierte.“
Mit Beikircher am Gesang gaben die Musiker bei „Buona sera Senorita“ nochmal beschwingt Gas – und ohne ihn gab es von jedem der Musiker bei „Glory hallelujah“ nochmal eine Kostprobe individuellen Könnens. Der Trommelorkan, mit dem das Konzert endete, stand sinnbildlich für einen Abend voller Vitalität und Musik.

Swing, Kabarett und guter Zeck

Die Auftritte von Konrad Beikircher im Kevelaerer Bühnenhaus sind zumeist ausverkauft. Und auch „The Three Wise Men“, alias Saxofonist Frank Roberscheuten, Niederländer mit Wohnsitz in Belgien, Pianist Rossano Sportiello, Italiener, der seit vielen Jahren in New York lebt, und Schlagzeuger Martin Breinschmid aus Wien, haben in der Wallfahrtsstadt nicht nur ob ihres Namens einen klingenden solchen. Einer, der seit meherern Jahren ein Ohr für gute Jazz-Musik und dazu ein Händchen für gelungene Benefiz-Konzerte hat, heißt Peter Schaap und bringt die vier jetzt im Dienste einer guten Sache zusammen: „Swing meets Kabarett“ ist die Zusammenkunft überschrieben, die am 9. März ab 19 Uhr im Kevelaerer Konzert- und Bühnenhaus stattfinden wird.
Dass Konrad Beikircher, der zunächst das Südtiroler Licht der Welt erblickte, bevor sich in Bad Godesberg niederließ, weit mehr auf der Zunge hat als Kölschen Klüngel aller Art, wissen die Fans des Kabarettisten natürlich schon lange. Aber in einer solchen Konstellation dürften ihn auch sie noch nicht erlebt haben. Man darf gespannt sein, auf welche Weise sich der studierte Musikwissenschaftler als vierter Weiser in die musikalischen Weisen der Band einfindet.

The Three Wise Men Foto: Archiv


Ursprünglich sollte das Zusammenspiel der drei Weisen aus unterschiedlichen Ländern nur ein einmaliges Projekt für ein Festival sein – mittlerweile sind die drei Improvisationskünstler aber als Trio schon eine feste Größe geworden. Der Spaß in Jazz und Swing haben sie sich dabei immer erhalten.
Konrad Beikircher jedenfalls „war mit dem Experiment sofort einverstanden“, erklärt Peter Schaap. Und nicht zuletzt der Tatsache, dass die Gelder des von ihm veranstalteten Abends in ein Rotary-Projekt fließen sollen, habe den ehemaligen Rotarier Konrad Beikircher überzeugt.
Das Geld fließe aber, anders als in den Vorjahren, nicht direkt in bestimmte, von einer Organisation oder einem Club betriebene Projekte. Ziel sei ein „Global Grant“, bei dem sich mehrere Clubs aus unterschiedlichen Ländern einbringen. Mindestens 30.000 US-Dollar müssen dafür zusammenkommen. Rotary kann dieses Grundkapital durch Zuschüsse verdoppeln. Da die Vorbereitung und Durchführung eines solchen Projektes viel Zeit in Anspruch nehme verspricht Schaap jetzt schon, dass Besucher im Internet unter „auxilium2014.de“ verfolgen können, was mit ihren Spenden und Eintrittsgeldern passiert.
Eintrittskarten für das Konzert am 9. März, 19 Uhr, im Bühnenhaus, kosten 29.50 Euro. Es gibt sie im Internet unter www.rotarybenefizkonzert.de. und an der Abendkasse.

Ein musikalischer Netzwerker

Musikalisch immer wieder offen sein und Menschen verbinden – das sind zwei Grundkonstanten im Leben von Wolfgang Czeranka, der am 9. März 1969 in Sögel geboren wurde. „Magnetschwebebahn, Meppen und 2. Bundesliga, 30 Kilometer Schutzgrenze zu den Ostfriesen“, nennt er ein paar Stichworte, die den Ort lokalisieren.
Der Großvater war Lehrer in Schlesien, der Vater Oberstufenkoordinator am Gymnasium. „Ich wusste schon früh, dass ich Lehrer werden würde, auch wenn der Weg zum Musiker da war.“
Seine Wegbegleiter von klein auf waren Mozarts Klaviersonaten und die Winterreise von Schubert, die der Vater spielet. Im Radio lief von morgens bis abends Radio Hilversum 3. Und noch heute kann Czeranka auf das Wissensreichtum seiner Mutter in Sachen klassischer Musik zurückgreifen. Mit sechs Jahren begann er eine klassische Klavier-Ausbildung, spielte sich im Familenensemble bis zu seinem zehnten Lebensjahr von Sopran- bis Bassflöte im Quartett durch die verschiedene Register.
Beim Onkel hörte er dann mit zwölf Jahren zum ersten Mal Pop. „Der hatte eine erstklassige Revox-Tonbandmaschine. Ich setzte die Kopfhörer auf – und dann lief „Help“ von den Beatles.“ Eine Initialzündung für den jungen Wolfgang und seinem Bruder – und der Auftakt zu einem vielfältigen Musikerdasein.
Die beiden gründeten ihre erste Band, den Klassikunterricht brach der junge Wolfgang dafür ab. Bis zum Studium spielte er sich ohne Lehrer durch die klassische Klavierliteratur. „Das ist ein Ding, was ich echt bedauere“, meint er heute.
Mit Sandro Giampietro, der schon als Junge Hendrix und Van Halen spielen konnte, vereinte er in der Band „Allegro“ klassische Musik mit Hardrock und tourte mit Eigenkompositionen durchs Emsland.
Daneben organisierte Czeranka in der katholischen Kirche einen Jugendtreff, rockte mit Jungs in der evangelischen Kirche. Und der Bruder des weltberühmten Jazzpianisten Keith Jarrett, Chris, spielte regelmäßig zu Weihnachten in der evangelischen Kirche.
Der junge Wolfgang probierte sich in Jazzclubs in Köln, spielte in Düsseldorf beim Kirchentag 1986 vor über 10.000 Menschen. „Wir haben auch vor von Weizsäckers gespielt und wurden in die Villa Hammerschmidt eingeladen. Ich habe alles einfach gemacht, weil es in mir war.“
Musik und Sport

Nach Abitur und 24 Monaten Zivildienst studierte Czeranka erst Geschichte und Geografie, machte dann seine Musik-Aufnahmeprüfung und konzentrierte sich am Ende seines Studiums in Dortmund und Bochum auf Musik und Sport auf Lehramt.
Anfang der 90er gründete er in das Jazzduo „Clavea“ mit der Essener Jazzsängerin Birgit Zacher, spielte über mehrere Jahre in einer Hohenlimburger Punkrockband und stieg als Gitarrist und Keyboarder in der Dinslakener Coverband „Meet the Beatles“ ein. Daneben war er langjährig in einem Essener Renaissance-Chor und einem Dortmunder Ensemble, das auf die Chorliteratur des 20. Jahrhunderts spezialisiert war, aktiv. Dabei knüpfte er weiter viele musikalische Kontakte. „Daher kenne ich auch die Dani“ – gemeint ist Daniela Rothenburg, die häufig bei der „Scala Jazz Band“ singt. In seinem anderen aktuellen Projekt „Scala Groove Band“ spielt der Krefelder Gitarrist Thomas Ratz mit. Mit ihm teilte er sich in Dortmund über Jahre gemeinsam eine WG.
Nach dem Referendariat in Duisburg reiste er mit seiner Frau um die Welt. 1999 erhielt er am Gymnasium Straelen eine Stelle als Musiklehrer, sie zogen dorthin. Ein Jahr später bauten beide eine Scheune in Weeze-Wemb zu Ihrem neuen Zuhause um. Sohn und Tochter kamen zur Welt.
Bei Fortbildungen im Bereich Jazz – unter anderem in der Jazzhausschule Köln und der Europäischen Jazzakademie – traf er auf Koryphäen wie Peter Herbolzheimer und Jiggs Whigham, gründete mit seinem Bruder ein Jazztrio und trat unter anderem auch in Kevelaer auf.
In der Zeit begründete er in Straelen die Big Band „Director’s Cut“, die seit fast 20 Jahren regional und überregional unterwegs ist. Mit ihr wird er in diesem Jahr zum dritten mal in Kooperation mit dem KvGGG zur „Maymusic“ im Kevelaerer Bühnenhaus zu hören sein. Außerdem organisiert er das Projekt „music connects“, eine euregionale Produktion mit einer Bigband von der Gaesdonck und aus Venlo. Nach dem Tod seiner Frau zog er sich aus der aktiven Szene zurück, komponierte bisher noch unveröffentlichte Musik. 2014 ging er dann auf die Weseler „Kulturnacht“, lernte dort Musiker kennen. Und er spielte wieder. Denn unter den neuen Bekannten fand sich auch der Bassist Hanns Hübner. So entstand die „Scala Jazz Band“, die seit 2014 regelmäßig im „Scala“ in Wesel auftritt.
Czeranka schloss sich der deutsch-niederländischen Band „Hands up“ aus Nijmegen an, spielt in der Lehrerbigband NRW – auch mit seinem alten WG-Mitbewohner Thomas Ratz, mit dem er in Kevelaer die neunköpfige Soulband „Scala-Groove“ begründet.
Bei Czeranka reifte dann die Idee, mit dem Kern der „Scala“-Band und ambitionierten Musikern das aktuelle Live-Projekt nach Kevelaer zu holen. Jutta Pesch-Braun vom „Goldenen Apfel“ war der Idee gegenüber aufgeschlossen. Er fragte aber im „Goldenen Löwen“ höflicherweise nach, ob das okay ist. „Da war zu dem Zeitpunkt auch Pause im „Löwen“ mit den Konzerten.“
Seit 2017 läuft jetzt die Reihe. „Da ist so eine richtige Netzbörse draus geworden“, sagt Czeranka. Neue Musiker treffen sich, tauschen sich aus, verabreden sich neu, und alte Freunde schneien rein. „Wir werden die 25 feiern“, signalisiert er, dass für ihn damit noch lange nicht Schluss ist.
Und im Mai wird er den Theaterchor mit einer extra von ihm zusammengestellten Band musikalisch unterstützen. Mit der Lebensphase im Moment ist der Vollblutmusiker zufrieden. „Für mich ist alles okay, wenn das Berufsleben gut läuft und das hier auch.“

Jazz-Höhepunkt kommt aus Köln

Am Freitag, 22. Februar, spielt die Climax Band Cologne in Kevelaer in der Amsterdamer Straße 13 im Rahmen der Konzertreihe Jazz im Löwen. Die Geschichte dieser Band reicht bis zum Jahre 1973 zurück. Damals gründeten in Köln sechs von der Chris Barber Jazz- und Bluesband inspirierte Musiker die Gruppe, die sich dem englischen traditionellen Jazz verpflichtet fühlte. Diese von Chris Barber bis zur Perfektion gebrachte Kombination von Jazz und Blues stellte auch für die Climax Band Cologne eine unerschöpfliche Inspirationsquelle dar. Das kam beim Publikum gut an, bis sich 1979 nach einem Konzert in Köln (mit Chris Barber, Acker Bilk, der Dutch Swing College Band) Chris Barber ungemein darüber aufregte,dass die Climax fast alle seine Arrangements spielte.
Nun war musikalische Weiterentwicklung seitens der Bandmitglieder angesagt. Bis zum Erreichen einer stilistischen Vielfalt hat es dann zwar noch eine Weile gedauert, aber heute ist genau diese das Markenzeichen der Band. Mit „All that Jazz,” könnte man daher das Repertoire beschreiben. In jedem Set gibt es mindestens drei Stilrichtungen, was bisher nur wenige Zuhörer überfordert hat und viele erfreut. Bei der Climax Band Cologne wird es auf jeden Fall nicht langweilig mit dem breit gefächerten Programm von Dixie über den Swing und über Shuffle Rhythmen à la Louis Prima und Fats Domino bis zu poppig-rockigen Titeln. Gemeinsame Auftritte mit den drei großen Bs der englischen traditionellen Szene (Ball, Barber, Bilk) sowie eine mehr als 20-jährige Zusammenarbeit mit der aus Chicago stammenden Sängerin Jean Shy haben aus der Amateurtruppe eine Band gemacht, die den Vergleich mit professionellen Formationen nicht zu scheuen braucht.

Konzertbeginn ist um 20 Uhr, Einlass ca. 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 15,-€.

Ein Hauch von New Orleans in Kevelaer

Eine angesagte Musikbar in New Orleans vor 90 Jahren, eine nicht minder angesagte Band mit coolen Musikern betritt die Bühne und lässt schon gleich be ihren ersten Tönen die Füße der Zuhörer mitwippen. So oder so ähnlich kann an sich den Effekt vorstellen, den das erste „Löwen“-Jazzkonzert in diesem Jahr beim Publikum im vollbesetzten Saal auslöste.
Der Burscheider Engelbert Wrobel, ein seit Jahrzehnten angesehener Klarinettist und Saxofonist, der im Verlauf seiner Karriere schon mit Größen wie Chris Barber oder Clarke Teerry zusammen gespielt hat, präsentierte sich an diesem Abend mit dem hochklassigen Ensemble „Hot Jazz Five“, das ein wenig von der Atmosphäre des „Hot Jazz“ der 20er bis 40er Jahre in die altehrwürdige Spielstätte zauberte.
Unterstützt von seinen „Spielgefährten“ – dem Trompeter und Sänger Boris Odenthal, dem niederländischen Hony-Tonk-Pianisten Harry Kanters, dem sehr souveränen Gitarristen und Banjospieler Johannes Zink und dem europäischen Sousaphon-Spieler Clive Fenton – sorgte Wrobel und für flotten Swing und lockere Partystimmung im Raum.
Ob zu Fats Wallers „Ain´t misbehavin“, dem flotten „I´m gonna sit down and write myself a letter“ mit „Puttin on the ritz“-Zitat, Klassikern wie „Exactly like you“ oder der Ballade „New Orleans“ – alle Musiker erhielten eine Menge Raum, sich mit ihrem individuell reichen Spiel an dem Song zu beteiligen und immer wieder eigene Impulse zu setzen.
Odenthal brillierte als Armstrong-naher Sänger bei bei „South“ oder „That´s my home“, Kanters durfte zwischendurch mit einem flüssigen Boogie-Woogie Solo für Begeisterung sorgen.
Johannes Zinks filigrante Linie überzeugte sogar Kollege Clive Fenton („Der spielt so entspannt“). Und Fenton selbst brachte sein Sousaphon gekonnt zum Klingen, überzeugte als Sänger bei „Honeysuckle Rose“ und sorgte im Verbund mit seinen Kollegen an der Trompete beim „Snake rag“ für Tempo.
Dazu kam ein bestens aufgelegter Wrobel, der sich bei Stücken wie „Sunny side of the street“ selbst auf den Arm nahm („Das hat einen Makel: Ich sing dat!“), mit dem Sopran-Saxophon Sidney-Bechet-Songs wie „Dans les rues d´Antibes“ das elegante Vaudeville-Flair verlieh; butterweich „si tu vois ma mére“ interpretierte und mit seinen Jungs und seiner Klarinette „I love Paris“ darbot. „Das spielen sie bestimmt für uns – wir haben jahrelang in Paris gelebt“, schmunzelte Irmgard Baers hinter der Theke.
Mit „Its time like that“ endete ein dreistündiger Ausflug in die Welt von Swing und New-Orleans- und mit dem kurzen „Sleepy time“ von Louis Armstrong rundete das Quartett einen fröhlich-entspannten Musikabend ab.

Jazziges „Nikolaus special“ im Goldenen Apfel

Ein stimmungsvolles Ambiente und schöne Musik kennzeichneten das erste „Nikolaus special“, dass Gastwirtin Jutta Pesch-Braun am besagten Feiertag in ihrem Lokal den Gästen im vollbesetzten Lokal bot.

Die „Scala Jazz Band“ um den Pianisten Wolfgang Czeranka hatte sich für den Premierenabend einen bunten Reigen aus bekannten und weniger bekannten Songs zur Weihnacht herausgesucht, um beim letzten Konzert des „Apfel“-Jazzjahres für einen besonderen Abend zu sorgen. Entsprechend fiel auch die optische Ausrichtung von Sängerin Daniela Rothenburg aus. „Ich bin nicht die Frau vom Nikolaus“, scherzte die erneut mit ihrer klaren Stimme und ihrem charmanten Auftreten betörende Sängerin aus Dortmund angesichts ihrer roten Abendgarderobe.

Das letzte Konzert des „Apfel“-Jazzjahres begann dann allerdings mit einer Überraschung. Denn eigentlich hatte der Vibrafonist Karl-Heinz Becker angekündigt, die Mannschaft zu dem Nikolaus-Special zu verstärken. Wenige Minuten vor Beginn des Konzerts machte der sich aber auf den Weg, so dass die Combo den Ablauf des zweiten Konzertblocks entsprechend anpassen durfte.

Mit ihrem „etatmäßigen“ Vibrafonisten Stefan Bur, Hans Hübner am Bass und Stefan Janssen am Schlagzeug entwickelten sie trotzdem einen atmospärisch schönen Musikabend.

Am Saxofon sorgte Christian Köhler gleich bei dem Medium-Swing „Shiny Stockings“ und mit der Bossa-Nummer „Wave“ als Gast für die passenden Klangakzente, ehe Rothenburg die Bühne betrat – und sofort das Publikum für sich einnehmen konnte.

Vom flotten Swing „Santa Claus is coming to town“ über das bezaubernde „Santa Baby“, die Ballade „Have yourself a very merry christmas“ bis zu „Süßer die Glocken“ im Bossanova-Gewand reichte die Palette der weihnachtlichen Lieder.

Originell war auch die Auswahl des aus Hawaii stammenden Weihnachtssongs „Mele Kalikimaka“. Der eigentliche Höhepunkt war aber die wunderbar-gefühlvolle Darbietung des Klassikers „Es ist ein Ros entsprungen“ im dezenten Trio-Gewand.

Als „Überraschungsgäste“ bereicherten Enrico Santonocito bei „Let it snow“ und Sänger Peter Riccius mit „Moanin“ und „I was made for lovin you“ von Kiss (!) die Szenerie.
Spontan gesellte sich der Aldekerker Sänger und Musiker Nikolaus Hähnel zu den Musikern, machte bei „Night and Day“ dann auch keine so schlechte Figur. „Ich hab Enrico getroffen, wir haben was zusammen gemacht und er hat mir von dem Abend erzählt“, sagte der 57-Jährige und fand die „Atmosphäre sehr schön und die Musik sehr einfühlsam.“

Während die Band spielte, wichtelten Karla Kirchner und ihre Freundinnen – passend zum Anlass mit Weihnachtsmützen und einem guten Gläschen Sekt – an einem der Tische. „Wir wollen gerne ein Nikolauswichteln nächstes Jahr hier mit allen Gästen, Tombola und natürlich Musik machen“, erzählte die Neu-Kevelaererin. Mal sehen, ob aus dieser Idee was wird.

Mit „Rockin around the christmas tree“ und „I´m dreaming of a white christmas“ endete der Abend – und auch im Jahr 2019 wird es im „Apfel wieder heißen: „Let´s swing it, boys!“

Musik zum Genießen und Mitsingen

Seit 2015 leisten der Pianist Wolfgang Czeranka und seine Mitstreiter der „Scala Jazz Band“ in der Gaststätte am Kapellenplatz ihren regelmäßigen Beitrag zur musikalischen Abendkultur in der City. „Man ist nicht nur nah dran, sondern auch richtig drin und dabei“, traf Peter Hohl als Gast mit dieser Beschreibung den Nagel auf den Kopf.

Auch diesmal konnte Czeranka mit seinen Mitstreitern Hanns Hübner (Kontrabass), Stefan Janssen (Schlagzeug) und den Gästen Daniela Rothenburg, Querflötinist Enrico, Peter Riccius am Gesang sowie Christian Mallach am Saxofon die Gäste mitreißen.

Erneut boten sie eine spannende Mischung aus mitreißendem Swing, elegantem Bossanova und Samba, tiefgründigem Pop und knackig-komplexem Jazz.

Dazu trug der schwungvolle Start mit dem swingigen „Line for Lyons“ und das melodische Saxofonspiel von Mallach bei der „Samba Cantina“ bei. Die Dortmunder Sängerin Daniela Rothenburg überzeugte mit ihrer klaren Stimme, ihrer natürlichen Art und ihrem Charme bei so Stücken zwei „All cats join in“ aus „Aristocats“ oder „Beginning to see the light.“
Sehr atmosphärisch geriet die Version von Stings Ballade „Fragile“, ehe Riccius zum dritten Mal überhaupt in seinem Leben vor ein Jazzpublikum treten durfte. „Und Du hast hier keine Proben und musst direkt auf den Zug aufspringen“, meinte er später in einer Pause. Ohne Zeit zum Nachdenken bleibe man aber spontan und unmittelbar – und genauso kam er dann auch mit seinem Gesang rüber.

Später überzeugte der Nicht-Profi auch bei Songs wie „It don´t mean a thing“ und „Cheek to cheek“ im gesanglichem Zusammenwirken mit Rothenburg.

Mit „Take ten“ irritierte die Band die Zuhörer, weil die Nähe zu dem Brubeck-Klassiker „Take five“ unüberhörbar schien. „Das liegt daran, dass Komponist Paul Desmond damals einen weiteren Song in der Art geschrieben hat“, sorgte Czeranka für Aufklärung.

Der Pianist bewies später auch an der Ukulele bei so launigen Songs wie „Perfect“ von Fairground Attraction sein Talent an seinem „Nebenpassions“-Instrument.

Richtig Dynamik bekam das Konzert bei dem Ricccius-Rothenburg-Duetten und dem lässig-heißen Bossanova „Sway“ mit einer anmutig sich bewegenden Sängerin und einem kompakt-brennenden Saxofon.

Und Drive kam dann nochmal richtig rein, als Rothenburg und Co. den „Choo Choo Ch´Boogie“ anstimmte. Als Zugabe gab es mit Armstrongs „What a wonderful world“ nochmal einen gefühlvollen Akzent – und das Publikum sang aufgrund der besonderen Stimmung gerne mit.