Beiträge

Sebastian Piel über seine musikalischen Aufgaben in Kevelaer und im Bistum

„Stimme als Instrument, das uns unser Leben lang gehört“

Seit 2015 wirkt Sebastian Piel als Basilikakantor in Kevelaer. Wie der 34-Jährige, der in Duisburg lebt, es schafft, seine vielfältigen Tätigkeiten unter einen Hut zu bekommen, darüber sprach er mit dem KB. 

Doris Daniels betreibt seit 2004 eine eigene Praxis für Systemische Therapie

„Ich liebe das, was ich tue“

Seit fast 30 Jahren arbeitet Doris Daniels mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die Heilpädagogin, Systemische Therapeutin, Familientherapeutin, Traumapädagogin und traumazentrierte Fachberaterin ist seit 2004 mit einer eigenen Praxis tätig. 

Zum Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch: ein Interview

In schwerem Fahrwasser

Die Diskussion um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche erhitzt zur Zeit verstärkt die Gemüter. Das KB hat mit dem Niederrhein-Weihbischof Rolf Lohmann über dieses Thema gesprochen.

Strategie in der Pandemie

Aus der aktuellen KB-Serie „Zukunft für Kevelaer“

Kevelaerer Blatt: Frau Rohde, Sie haben in Zeiten der Corona-Pandemie mit ihren besonderen Herausforderungen Ihre Aufgabe als Verantwortliche für Tourismus und Kultur begonnen. Wie läuft‘s bislang?

Verena Rohde: Es läuft trotz Corona sehr gut, da wir diese besondere Zeit sinnvoll nutzen und diverse Aufgaben erledigen, die für die Zukunft wichtig sind. Natürlich gab und gibt es immer wieder Rückschläge, da wir geplante Veranstaltungen, Theaterstücke und touristische Angebote absagen mussten, aber dennoch haben mein Team und ich zu keiner Zeit den Kopf hängen lassen. Wir arbeiten intensiv an neuen coronakonformen Formaten und fokussieren uns insbesondere auf unsere strategische Ausrichtung, um Kevelaer in den Fokus zu rücken.

Der Start der Veranstaltungssaison fand unter den Vorzeichen der Pandemie statt. Viele Veranstaltungen auf der Bühne mussten aufgrund der Schutzbestimmungen abgesagt werden. Ist Änderung in Sicht? Gibt es
Pläne, beispielsweise für eine schrittweise Öffnung in Richtung Veranstaltungen?

Verena Rohde: Leider kann keiner von uns zum heutigen Zeitpunkt sagen, wann wir endlich wieder Theaterstücke aufführen können. Ich gehe allerdings davon aus, dass es – wie im vergangenen Jahr – Schritt für Schritt vorwärtsgeht und wir vielleicht im Herbst vor einer kleineren Zuschauerzahl Aufführungen anbieten können. Daher haben wir Anfang Januar das Theaterabonnement gänzlich storniert, um in diesem Fall einen Einzelkartenverkauf durchzuführen.

Die Ungewissheit erschwert unsere Arbeit, dennoch heißt das nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen. Ganz im Gegenteil: Die Planungen für die letzte März-Woche, in der wir den Fokus anlässlich des Kneipp-Jahres auf das Thema „Wasser“ legen, laufen auf Hochtouren. Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, aber für diese Woche haben sich meine Mitarbeiterinnen ein abwechslungsreiches Programm überlegt, das in entzerrter Form zur Verfügung steht, damit nur wenige Menschen zusammenkommen. Daher haben wir bewusst die Angebote auf eine ganze Woche verteilt. Keine Frage, dass dies mehr Aufwand erfordert, doch dazu ist das gesamte Team gerne bereit.

Wie geht man mit abgesagten Veranstaltungen um? Welche Vereinbarungen gibt es mit den Theatern/Künstler*innen, deren Auftritte abgesagt wurden? Müssen hier seitens der Stadt als Veranstalter Ausfallhonorare gezahlt werden?

Verena Rohde: Wir haben im vergangenen Jahr ein Theaterstück abgesagt, obwohl wir zu diesem Zeitpunkt noch vor 300 Zuschauern hätten spielen lassen dürfen. Allerdings war mir das Risiko zu groß, sodass wir uns für eine Absage entschieden haben. Natürlich mussten wir in den sauren Apfel beißen und das volle Honorar bezahlen, dennoch habe ich diese Entscheidung bis heute nicht bereut. Alle weiteren Absagen verliefen anstandslos ohne Erstattung, da auch die entsprechende Corona-Schutzverordnung nichts anderes zuließ.

Bemerken Sie Änderungen, etwa bei den Spielplänen von Tourneetheatern (Absagen, Ausfall der Angebote etc.), die Auswirkungen auf Ihre Planung für die laufende/kommende Spielsaison haben?

Verena Rohde: Nein, bislang stehen die zuvor gebuchten Theaterstücke. Wir reagieren nun von Stück zu Stück, da bekanntlich die Hoffnung zuletzt stirbt. Sollten Lockerungen eine Aufführung vor geringer Zuschauerzahl erlauben, werden wir fallbezogen entscheiden. Schließlich möchten auch wir die Theater unterstützen, mit denen wir seit vielen Jahren gut und gerne zusammenarbeiten. Dennoch hat der Sicherheitsaspekt höchste Priorität.

Verhalten optimistisch blicken wir in die neue Theatersaison 2021/2022 und hoffen, dass diese im September, wenn auch mit reduzierter Zuschauerzahl, starten kann. Das neue Kulturprogramm erscheint daher bewusst in diesem Jahr erst im Sommer, um den Kartenvorverkauf so weit wie möglich nach hinten zu verschieben. Wir hoffen, dass wir zu diesem Zeitpunkt mehr Klarheit über die weitere Vorgehensweise haben.  

In Kevelaer gibt es eine aktive Landschaft von Vereinen, ebenso zahlreiche freischaffende Künstler*innen, die von der derzeitigen Situation besonders betroffen sind. Stehen Sie in Kontakt zu den Vertretern dieser Kulturszene?

Verena Rohde: Mit einzelnen Akteuren stehen wir in Kontakt, da wir versuchen, diese bei geplanten Maßnahmen – sofern irgendwie möglich – mit einzubeziehen. Uns ist ihre schwierige Situation durchaus bewusst, allerdings sind uns genauso wie allen anderen in vielerlei Hinsicht leider die Hände gebunden.

Im zurückliegenden Shutdown hat die Stadt als Veranstalter relativ spontan mit neuen Formaten, etwa den „Puppenspieltagen“ im Internet, reagiert. Gibt es ähnliche oder neue Pläne in diese Richtung, vielleicht
auch bezüglich anderer Kulturformen (Theater, Konzerte etc.)?

Verena Rohde: Wir haben einen Teil unserer Gästeführer*innen dafür gewinnen können, zu unterschiedlichen Themen innerhalb Kevelaers digitale Stadtführungen anzubieten. Diese hat eine Mitarbeiterin unseres Social Media-Teams selbst gedreht und zusammengeschnitten. Schritt für Schritt werden diese rund 10-minütigen Führungen zu den Themen „Orgelpräsentation, Solegarten, Marienbasilika und Kapellenplatz“ Interessierten kostenlos auf unserem YouTube-Kanal „Wallfahrtsstadt Kevelaer“ zur Verfügung gestellt. 

Des Weiteren arbeiten wir an neuen Veranstaltungsformaten, an denen mit Abstand teilgenommen werden kann und zu denen es jeweils ergänzende digitale Inhalte geben wird. Gespräche mit Bands inklusive Streaming haben bereits stattgefunden. Eine finale Entscheidung steht allerdings noch aus sowie die Verabschiedung des Haushalts, ohne den wir keine frühzeitigen, großen Ausgaben tätigen können, wenn diese nicht zwingend erforderlich sind.

Wie unterstützt Sie die Kevelaerer Politik bei Ihren Bemühungen im Kulturbereich und welche zusätzliche Unterstützung könnten Sie sich vorstellen oder würden Sie sich wünschen?

Verena Rohde: Ein sehr erfolgreicher, erster „Tourismus- & Kulturausschuss“ liegt hinter mir. Diese Form war mir bis dato nicht bekannt, ich bin allerdings positiv überrascht, wie produktiv der Austausch innerhalb des Ausschusses – unter der Leitung von Martin Brandts – war. Gemeinsam haben wir entschieden, dass der Ausschuss ab sofort dreimal jährlich tagt. Dies hat auch für meinen Bereich den Vorteil, dass viele Inhalte gemeinsam besprochen und entschieden werden. Mit der Rückendeckung des Ausschusses ist es auch für mein Team und mich viel einfacher, Dinge zu realisieren. Von daher bin ich dankbar für den guten Austausch und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.

Derzeit scheinen eher die Bereiche Bildung (Schulen) sowie Wirtschaft (Hotellerie und Gastronomie, Einzelhandel) im Fokus der Landes- und Bundespolitik zu stehen. Wie, denken Sie, kann die Kultur und ihre
wirtschaftliche Bedeutung wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt werden?

Verena Rohde: Die Symbiose aus Kultur und Wirtschaft sollte verstärkt in den Fokus gerückt werden. Daher müssen auch wir uns noch intensiver dafür einsetzen. Wir planen derzeit eine Social Media-Kampagne, die in Verbindung mit Kultur sowie unserem Konzert- und Bühnenhaus und der Öffentlichen Begegnungsstätte steht. Darüber hinaus möchten wir auch unseren Künstlern, Vereinen etc. vor Ort eine Plattform bieten. Leider scheint sich die Landes- und Bundespolitik der großen Bedeutung des kulturellen Sektors – auch in Bezug auf die Wirtschaft – nicht ausreichend anzunehmen. Natürlich kostet Kultur erst einmal Geld, allerdings darf man deren Wirkung nicht unterschätzen. Für mich persönlich wird Kultur insbesondere für unsere Wallfahrtsstadt perspektivisch einen immer größeren Stellenwert einnehmen.

Die Fragen stellte Michael Nicolas

Adventszeit ist schön und stressig

Auch in dieser Woche geht unsere Interview-Reihe zum Advent weiter. Die Kevelaererin Heike Eichhofer, die seit 2008 den Hüdderather Hofladen betreibt, hat mit dem KB über ihre Adventszeit gesprochen und darüber, was sie in dieser Zeit besonders gerne isst: Apfel-Zimt-Brot. Wer dafür gerne selbst den Ofen anschmeißen möchte, für den gibt‘s das passende Rezept dazu.

Wie erleben Sie in Ihrem Hofladen die Adventszeit?

Heike Eichhofer: Für mich ist die Adventszeit die anstrengendste Zeit im Jahr. Es heißt dann immer – statt wie sonst im Jahr um 5 Uhr morgens – bereits um 3 Uhr aufzustehen, um die Teige vorzubereiten und die Plätzchen, Stollen, Kuchen und Brote zu backen, die wir ja im Laden täglich frisch anbieten. Im Advent heißt es, etwa zwei Drittel mehr zu backen als im übrigen Jahr. Aber da ich immer schon gerne gebacken habe und mir alles zur Herzensaufgabe geworden ist, ist die Arbeit schnell vergessen.

Der Advent ist für mich so auch die schönste Zeit im Jahr, denn dann gibt es viele schöne und leckere Dinge, die das Herz begehrt und die es sonst nicht gibt: wie Apfel-Zimt-Brot, Quarkstollen, Nussecken mit Marzipan, Vanillekipferl, Spritzgebäck, Stollenkonfekt. Gerne experimentiere ich auch mit neuen oder alten Rezepten, viele Rezepte benutze ich auch von meiner Schwiegermutter, Oma Quinders.

Sie verkaufen in Ihrem Laden jährlich auch viele Adventskränze. Wann beginnt somit Ihre Vorbereitung auf die Adventszeit?

Heike Eichhofer: Im September und Oktober kaufe ich die Weihnachtsfloristik und etwa drei Wochen vor dem Advent beginne ich mit dem Binden der Kränze. Dieses Jahr gab es sogar eine stärkere Nachfrage, weil es keine Weihnachtsmärkte gab. Neben dem Backen ist die Floristik meine zweite Hauptleidenschaft.

Ist der Advent dieses Jahr für Sie auch sonst anders?

Heike Eichhofer: Durch die Pandemie in diesem Jahr haben wir viele neue Kunden aus Nah und Fern dazu gewonnen, die unsere Regionalität und die hofeigenenProdukte schätzen und lieben gelernt haben. Wir hatten viele interessante Gespräche und mussten oft feststellen, dass es uns im Grunde ja noch recht gut geht, und es vielen Menschen schlechter geht. Wir können hier immer raus und haben die Natur und den schönen See direkt vor der Tür. Glücklicherweise durfte und darf ich meinen Laden auch in Corona-Zeiten immer öffnen.

Dieses Jahr wurden auch mehr Präsentkörbe bei uns bestellt, weil Firmen nun nicht essen gehen können und ihren Mitarbeiter stattdessen etwas anderes schenken.

Dann können Sie sich vom Stress der Adventszeit hoffentlich in der Weihnachtszeit erholen?

Heike Eichhofer: Nach Heiligabend ist der Laden immer für gut zwei Wochen geschlossen. Weihnachten ist für mich die Zeit der Familie, die ich mit unseren sechs Kindern und vier (bald fünf) Enkelkindern genieße. Dann heißt es Ausschlafen und sich und die Lieben verwöhnen. Diese Zeit kann ich dann einfach genießen.

Heike Eichhofers Apfel-Zimt-Brot

Zutaten:
1 kg Äpfel, 150 g Zucker, 320 g Rosinen, 1 EL Rum, 600 g Weizenmehl (Typ 550 oder 812), 150 g gemahlene Nüsse, 1 Handvoll ganze Nüsse, 2 EL Kakao, 2 TL Zimt, 1 TL Lebkuchengewürz, 2 Päckchen Backpulver. Die angegebenen Zutaten reichen, um zwei Kastenformen zu füllen.

Zubereitung:
Die Äpfel grob raspeln und mit dem Zucker, den Rosinen und dem Rum mischen. Einige Stunden, am besten über Nacht, stehen lassen. Danach die restlichen Zutaten zugeben und unter die Apfelmasse heben. Zwei Kastenformen einfetten, evtl. mit Haferflocken ausstreuen und Masse einfüllen. Bei Umluft 200 Grad eine Stunde backen.

Traditionen im Advent erhalten

Nicht nur privat erleben viele Menschen die Adventszeit durch die Corona-Pandemie anders als in den Jahren zuvor. Auch die jungen Schüler*innen, für die die Vorweihnachtszeit in der Schule meist etwas ganz Besonderes ist, sind in ihren Weihnachtsaktivitäten eingeschränkt.

Tanja Kocken, seit 2017 Leiterin der St. Franziskus-Grundschule in Twisteden, hat dem KB im Interview einen Einblick in die schulischen Adventsaktionen gegeben. Denn gänzlich ausfallen müssen diese nicht.

Was macht in der Grundschule die Besonderheit der Adventszeit aus?

Tanja Kocken: Die Adventszeit ist eine sehr traditionsreiche Zeit. Wir haben mit den Kindern wieder die Klassenräume geschmückt: die Fenster werden mit Basteleien der Kinder geschmückt, es gibt in den Klassenräumen Tannengrün und Lichterketten, um eine adventliche Atmosphäre zu schaffen. Alle Lehrerinnen starten an den Adventstagen den Unterricht mit dieser gemütlichen Beleuchtung und einer kleinen Geschichte zum Einstieg morgens.

Jede Klasse hat einen Adventskalender, es wird ein besonderes Präsent für die Eltern gebastelt, die größeren Schüler wichteln auch. Gerade den Kleineren merkt man es an, wie sie immer aufgeregter werden, je näher Weihnachten kommt. Generell ist die Adventszeit bei den Kindern sehr beliebt. Man merkt auch, wie sie sich auf den Einstieg morgens in der gemütlichen Atmosphäre freuen.

Gab und gibt es dieses Jahr wegen Corona viele Einschränkungen der Adventsaktivitäten?

Tanja Kocken: Wir haben an den Adventsmontagen sonst immer alle Kinder im Schulhof um einen Adventskranz versammelt und in der großen Runde Lieder gesungen, die Christian Franken meist mit dem Akkordeon begleitet hat. Das war über Jahre hinweg eine schöne Tradition, die dieses Jahr leider ausfallen muss. Auch haben wir sonst vor den Weihnachtsferien immer mit allen Schülern zusammen Weihnachtslieder gesungen, um sie auf das Fest einzustimmen.

Der Advent ist ja eine Zeit, in der am meisten gesungen wird. Diese Einschränkung merkt man dieses Jahr sehr stark. Auch in den Klassen darf ja nicht gesungen werden, sodass wir auf Musik von der CD zurückgreifen müssen, um Adventsstimmung zu verbreiten. Und es wurden sonst in der Regel auch in allen Klassen Plätzchen gebacken und verziert. Das fällt dieses Jahr leider auch ganz aus.

Welchen pädagogischen Wert des Advent sehen Sie für die Kinder?

Tanja Kocken: Die Kinder lernen über den Advent, dass man vieles im Leben nicht sofort bekommt, sondern sich oft auf einen längeren Weg machen muss. Aber auch wenn das Weihnachtsfest noch in weiter Ferne ist, können sie erfahren, dass jeder Tag wichtig und ein Schritt auf dem Weg zum großen Ziel ist, dass jeder Tag ein Geschenk ist und oft schöne Überraschungen mit sich bringen kann.

Gerade beim Adventskalenderöffnen in der Klasse lernen sie, sich mit dem Kind zu freuen, das an diesem Tag öffnen durfte. Und sie machen über das Wichteln oder das Basteln für ihre Eltern selbst anderen eine Freude. Die Adventszeit spricht auch in der Schule sehr das Herz und die Emotionalität an. Es können sich auch Kinder, die im Lesen und Rechnen vielleicht nicht so stark sind, einbringen durch ihre Ideen, indem sie etwa ein schönes Buch vorstellen oder ein Gedicht vortragen. So können auch andere Talente der Schüler entdeckt werden.

Wie feiern Sie mit Ihrer Familie die Adventszeit?

Tanja Kocken: Wir machen an den Adventssonntagen die Kerzen des Adventskranzes an, singen Lieder und gehen in den Gottesdienst. Normalerweise ist die Adventszeit sonst auch stressig, weil es viele Termine und Konzerte gibt. Es ist schade, dass die Zusammenkünfte bei diesen Gelegenheiten nun ganz wegfallen, aber es gibt auf jeden Fall viel mehr Zeit für die Familie, sodass der Advent 2020 sehr viel ruhiger ist als sonst.

Tanja Kockens Lieblingsplätzchen

Zutaten
250 g Honig, 50 g brauner Zucker, 100 g Butter, 3 TL Kakaopulver, 1 Päckchen Lebkuchengewürz, 1 Ei, 500 g Mehl, 1 Päckchen Backpulver; (für 40 Stück, 2 Backbleche)

Zubereitung
Honig mit Zucker und Butter unter Rühren aufkochen, bis sich der Zucker gelöst hat. Etwas abkühlen lassen, dann Kakaopulver, Lebkuchengewürz und das Ei unterrühren. Das Mehl mit Backpulver mischen. Mit der Honigmasse zu einem glatten Teig verkneten. In Folie wickeln und 12 Stunden ruhen lassen.

Den Backofen auf 175 Grad (Umluft 160 Grad) vorheizen. Zwei Bleche mit Backpapier belegen. Den Teig 0,5 cm dick ausrollen. Beliebige Figuren in unterschiedlichen Größen (z.B. Herzen, Nikolausstiefel, Engel) ausstechen oder mithilfe der aufgelegten Schablonen ausschneiden. Die Figuren auf die Bleche legen. Im Backofen ca. 12 Minuten backen. Mit dem Papier vom Blech ziehen und abkühlen lassen.

Advent als Zeit der Geduld

Nachdem zuletzt Pastor Andreas Poorten mit uns einen Blick auf seine Adventszeit geworfen hat, setzen wir unsere Serie nun mit Romano Giefer fort. Er wirkt seit 2009 als Chordirektor in der Marienstadt. Im Gepäck hat er für uns sein Lieblingsrezept für Eifeler Spritzgebäck.

Welche besondere Zeit ist der Advent für Sie als Musiker und Kirchenmusiker?

Romano Giefer: Der Advent hat ein wunderbares Liedgut, das von Erwartung und Hoffnung erzählt. Dieses Warten und Stillhalten, nicht am Ziel zu sein von etwas, erzeugt den ganz eigenen Tonfall dieser Musik. Adventliche Musik richtet sehr den Blick nach innen auf das, was noch nicht sichtbar ist, aber sichtbar werden will. Man kann auch sagen:

Adventliche Musik ist Musik des „noch nicht“. Nicht von ungefähr sind in dieser Musik viele Texte der Propheten des Alten Testamentes vertont. Der Prophet Jesaja hat ausgesprochen, warum es für das Volk wirklich Grund zur Hoffnung gibt, indem er auf den Spross aus dem Stamm Davids verwies. Vor allem der Gregorianische Choral kann das hörbar machen.

Hat die Zeit des Advents Sie schon als Kind fasziniert?

Romano Giefer: Ja, der Advent war schon als Kind meine Zeit, ich bin wohl ein adventlicher Typ. Seit ich mich erinnern kann, freue ich mich jedes Jahr darauf. Wir saßen immer in der Familie an den Adventssonntagen um den Adventskranz und haben gesungen. Mir war das enorm wichtig und oft habe ich meine Eltern und Geschwister gedrängt, doch endlich zu kommen, sobald es draußen dunkel wurde. Auch wusste ich als Kind die Gotteslobnummern der Adventslieder auswendig, weil ich die so schön fand.

Wie gestalten Sie mit Ihrer Familie diese besondere Zeit?

Romano Giefer: Wir nehmen uns Zeit, auch in äußerlich geschäftigeren Jahren als in diesem. Bei uns hängt ein großer Adventskranz von der Decke. Wir machen das Licht aus und genießen den besonderen Schein der Adventskerzen. Da erzählen wir uns etwas, manchmal singen und musizieren wir auch. Die Adventsstimmung ist so etwas Eigenes. Darin ergeben sich oft Gedanken und Gespräche, die manchen Dingen vielleicht tiefer auf den Grund gehen als sonst.

Advent in Zeiten von Corona – welche Chancen bietet der diesjährige Advent?

Romano Giefer: Die Zeit vor Weihnachten wird dieses Jahr zwangsläufig weniger öffentlich stattfinden. Vielleicht erlebt man dadurch auch in den Straßen tatsächlich einmal die andere Seite von Advent, nämlich nicht nur die Zeit, in der alles volle Fahrt aufnimmt Richtung Weihnachten, sondern eine Zeit der Entschleunigung und Besinnung darauf. In anderen Jahren muss man dem Trubel dafür eher gezielt aus dem Weg gehen. Dieses Jahr müssen Glühweinstände und Jingle-Bells-Lautsprecher aber eben ein Jahr Pause machen. Das wird vielen Leuten fehlen, mir persönlich nicht.

Das Beste aus einer Situation zu machen heißt aber ja keinesfalls, sie als Dauerzustand haben zu wollen. Meine Geschwister sind Mediziner; wenn sie von ihrer gegenwärtigen Arbeit im Krankenhaus erzählen, macht mir das große Sorgen, genauso, wenn mir Kevelaerer Geschäftsleute berichten, was gerade abgeht. Ich habe den allergrößten Respekt vor solchen und unzähligen anderen Menschen, die gegenwärtig alles dafür tun, damit wir diese Krise hoffentlich überstehen. Dazu sollte jeder von uns seinen persönlichen Beitrag leisten.

Wie machen Sie als Chorleiter – aktuell ohne Chorproben – das Beste aus dieser Zeit?

Romano Giefer: Wir machen verstärkt Einzelstimmbildung mit unseren Kindern und Jugendlichen. Mit den Erwachsenen dürfen wir unsere Gottesdienste im Rahmen der Vorschriften gestalten, wenn auch aus dem Stegreif und ohne nennenswerte Vorbereitung. Da leben auch wir gegenwärtig sozusagen vom Ersparten. Es ist natürlich schön, einmal jedem Einzelnen im Chor die volle Aufmerksamkeit schenken oder Sachen in kleiner Besetzung singen zu können. #

Aber natürlich fehlt uns allen in dieser Arbeit auch das Wesentliche, nämlich die Selbstverständlichkeit, ohne Einschränkungen gemeinsam zu singen und zu musizieren. Das ist bei allen Möglichkeiten, die wir Gott sei Dank haben, einfach durch nichts anderes zu ersetzen.

Romano Giefers Eifeler Spritzgebäck

Zutaten
225 g gute Butter , 200 g Zucker, 1 bis 2 Päckchen Vanillezucker, 3 Eigelb, 375 gesiebtes Mehl, 50 g gemahlene Mandeln, Nüsse oder Kokosflocken (je nach Geschmack)

Zubereitung
Den Teig gründlich zu einem festen Mürbeteig verkneten, dann zu einem Stollen formen und 48 Stunden kellerkühl lagern. Der Teig ist danach recht fest. Das Spritzgebäck wird daher am besten in gewünschter Form durch den Fleischwolf gedreht und beliebig angerichtet. Die Plätzchen bei 160 Grad Umluft hellbraun anbacken, nach Belieben mit Kuvertüre überziehen.

Am besten schmecken sie, wenn sie vor Verzehr noch ein bis zwei Tage in einer Blechdose lagern.

Das Warten auf Jesus

Die Adventszeit ist nicht nur eine Zeit der Ruhe und Besinnung. Auch das Plätzchenbacken gehört einfach dazu. Das KB möchte sich in der Vorweihnachtszeit einmal umhören, wie bekannte Kevelaerer den Advent begehen und auf welches Rezept sie schwören. Den Anfang macht Andreas Poorten. Er ist seit 2012 Pastor in Kevelaer und und leitet die Kirchengemeinde St. Antonius.

Was für eine Zeit ist der Advent in theologischer Hinsicht?

Andreas Poorten: Der Advent ist die Zeit der Erwartung: Wir warten auf das Kommen Jesu. Im Grunde genommen ist dies ein dreifaches Kommen Jesu, dessen wir im Advent gedenken: Das erste Kommen war das Kommen Jesu durch seine Geburt in Bethlehem vor 2000 Jahren. Daran denken wir an Weihnachten. Advent ist die Zeit der Vorbereitung, in der uns dieses Geheimnis prägen soll, hier und heute. Die Geburt Jesu war nicht nur ein punktuelles Ereignis, sondern Gott hat dadurch die ganze Welt verändert, ihr die Liebe Gottes geoffenbart.

Das zweite Kommen Jesu ist sein Kommen in unsere Seele, also eine geistliche Begegnung. Das drückt sehr schön Angelus Silesius aus, indem er sagt: „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du gingest ewiglich verloren!“ Und das dritte Kommen Jesu, auf das wir im Advent vorausschauen, ist das Kommen Jesu am Ende der Zeiten, seine Wiederkunft.

Der Advent ist noch nicht die Zeit des großen Festes, aber der frohen Erwartungen. Die alttestamentlichen Lesungen dieser Zeit sind geprägt von der Verheißung des Messias. Oft hört man auch in den liturgischen Texten den Ruf zur Umkehr, um sich für das Kommen Jesu bereit zu machen. Sich bereiten hat immer mit Verzichten zu tun, aber die Adventszeit ist keine Zeit der strengen Buße, wie es die Fastenzeit ist. Aber die liturgische Farbe ist wie in der Fastenzeit violett.

Welche Erinnerungen aus der Adventszeit haben Sie als Kind geprägt?

Andreas Poorten: Wir hatten in der Familie immer einen Adventskranz als sichtbares Symbol für die Adventszeit. Und am Frühstückstisch brannte eine Kerze mit 24 Zahlen. An jedem Tag wurde eine Zahl abgebrannt. Einen Adventskalender hatten wir noch nicht. Ich erinnere mich, wie wir als Familie oft am Spätnachmittag um den Adventskranz zusammensaßen und Spekulatius aßen und wir die einbrechende Dunkelheit durch das Licht der Kerzen vertrieben. Zum Weihnachtsfest gehörten immer Vanillekipferl, die wir im Advent gebacken haben. Aber gegessen wurden sie erst zu Weihnachten, im Advent gab es immer nur Spekulatius.

Daneben haben meine zwei Schwestern und ich im Advent regelmäßig am Sonntagabend nach der Tagesschau die damalige fünfminütige Chormusik im Advent gehört. Leider gibt es heute ja kaum CDs mit Adventsliedern zu kaufen, aber zwei habe ich schließlich doch gefunden, die ich abends im Advent gerne anhöre und die ein Relikt von diesen Abenden sind.

Was stört Sie am Advent, wie er heute begangen wird?

Andreas Poorten: Weihnachtsmärkte gehören für mich eindeutig nicht zur Vorbereitung auf Weihnachten. Schon als Student in den 80er-Jahren in Münster fand ich die großen Weihnachtsmärkte bedrückend, beengend und unpassend von ihrer ganzen Atmosphäre her. Es lief schon Weihnachtsmusik, es wurde Glühwein getrunken. Natürlich gehört es für viele dazu, im Advent noch Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Ich bin aber froh, dass wir in Kevelaer einen Krippenmarkt haben mit eindeutig christlichem Gepräge, keinen Weihnachtsmarkt.

Welche Anregung für den Advent haben Sie für die Leser?

Andreas Poorten: Ich bete seit vielen Jahren das Brevier und wenn ich darin in der Adventszeit all die vielen Prophetentexte höre, komme ich automatisch in adventliche Stimmung. Auch die Texte der heiligen Messe im Advent sind sehr geeignet, um sich auf Weihnachten vorzubereiten. Besonders auch die Roratemessen stechen im Advent heraus und bilden die Dunkelheit des wartenden Gottesvolkes und das durch Jesus aufgehende Licht wunderschön ab. Die Liturgie im Advent ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, um sich auf Weihnachten vorzubereiten.

Pastor Poortens Vanillekipferl

Zutaten
250 g Mehl, 1 Messerspitze Backpulver, 125 g Zucker, 1 Vanilleschote (Mark), 2 Eigelb, 200 g kalte Butter, 125 g gemahlene Mandeln, 50 g Puderzucker, 4 Pck. Vanillezucker, Mehl für die Arbeitsfläche

Zubereitung
Das Mehl mit dem Backpulver in einer Rührschüssel vermischen. Den Zucker, das Mark einer Vanilleschote, die Eigelbe, Butter und Mandeln hinzufügen und alles mit den Knethaken eines Mixers gut durcharbeiten.

Den Teig anschließend auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche zu einem glatten Teig verkneten. Aus dem Teig bleistiftdicke Rollen formen und auf einem großen Teller für ca. 30 Minuten in den Kühlschrank geben. Die Rollen in 4 bis 5 cm lange Stücke schneiden, die Enden etwas dünner rollen und zu Hörnchen geformt auf das mit Backpapier ausgelegte Blech legen. Im vorgeheizten Backofen bei 180°C Ober-/Unterhitze ca. 10 Minuten backen.

Den Puderzucker mit dem Vanillezucker mischen und die heißen Kipferl sofort nach dem Backen damit etwas bestreuen. Die Kipferl erkalten lassen und im Rest des Vanillezuckers wenden.

„Wir müssen noch einiges tun“

Seit 2018 hat Kevelaer mit Dr. Nina Jordan eine Klimaschutzmanagerin. Jetzt steht die Verlängerung der Stelle um zwei Jahre an. Das Kevelaerer Blatt sprach mit Nina Jordan über ihre bisherigen Erfahrungen, Klimakrise in der Coronakrise und die vor uns allen liegenden Aufgaben.

KB: Frau Dr. Jordan, wie haben Sie die Situation in Kevelaer bei Ihrem Amtsantritt erlebt?

Dr. Nina Jordan: Mein erster Eindruck war der European Energy Award und eine große Teamsitzung dazu. Der Energy Award ist in Kevelaer ja ein seit vielen Jahren gut etabliertes System. Da habe ich gemerkt: Hier fängt man nicht bei null an.

Womit haben Sie selbst denn angefangen?

Ich habe mich zunächst in allen Ortschaften vorgestellt, mit einem Vortrag zu Klimawandel und Klimaschutz. Das war natürlich sehr allgemein, aber ich wusste ja nicht, wo die Leute stehen. Viele dieser Menschen sehe ich noch heute regelmäßig wieder, wenn ich etwas organisiere, zum Beispiel bei der Filmreihe, da waren die gleichen Leute oft bei drei bis fünf der Filme dabei.

Welche Aufgaben haben Sie hier seitdem erwartet?

Das meiste sind Dinge, die man einmal anfängt und die dann nicht mehr weggehen (lacht). Oft macht es keinen Sinn, die Dinge nur einmal zu machen, zum Beispiel den Handwerkermarkt, der in diesen Tagen leider ausfallen muss. Letztes Jahr habe ich für die Medien das Thema Photovoltaik aufbereitet. Das müsste ich eigentlich dieses Jahr wieder machen, denn viele Anlagen werden jetzt 20 Jahre alt und fallen aus der Förderung heraus.

Ein großes Thema, das mich begleitet, ist zudem die Altbausanierung, verbunden mit dem Netzwerk Altbauneu. Da ist immer was los wie jetzt die geänderten Förderbedingungen und damit eine neue Broschüre. Man erreicht auch nicht immer jeden zu jeder Zeit. Wer jetzt ein Haus kauft, interessiert sich heute und nicht in einem Jahr für das Thema Sanierung.

Welches Thema konnten Sie noch nicht so voranbringen, wie Sie es gern getan hätten?

Ich versuche schon länger, das Thema Neubau zu platzieren, aber da muss man viel erklären. Das Potenzial beim Altbau verstehen viele, aber wir dürfen den Neubau nicht aus den Augen verlieren, denn neue Häuser stehen für 100 Jahre. Wir wollen 2050 klimaneutral sein, also müssen wir jetzt schon klimaneutral bauen. Dazu müssen wir mehr beraten und als Verwaltung mit gutem Beispiel vorangehen. Aber das ist abhängig vom politischen Willen.

Am politischen Willen ist auch die Ausrufung des Klimanotstands für Kevelaer gescheitert. Wie beeinflusst das Ihre Arbeit?

Es hat keinen Einfluss auf meine Arbeit, weil dadurch nicht beschlossen wurde, alle Anträge der Politik auf die Klimafolgen abzuklopfen, wie das andere Kommunen machen. Für mich ist die Entscheidung ein zweischneidiges Schwert: Mit Klimanotstand würde ich wohl nicht mehr von den Vorlagen loskommen. Aber ich mache gerne Vorschläge, was man noch anpacken kann. Wir sind auf einem guten Weg, aber mehr geht immer.

Bedeutet Ihr Job oft Reibung mit den Kollegen und der Politik?

Klimaschutzmanager sind per se Störenfriede in der Verwaltung. Es ist nicht meine Aufgabe, mich beliebt zu machen, sondern das „Wir-haben-das-immer-so-gemacht“ zu hinterfragen. Ist das so gut für uns und fürs Klima? Das gilt natürlich auch für jeden einzelnen von uns, wenn wir zum Beispiel entscheiden: Fahren wir mit dem Auto oder dem Fahrrad zum Sport?

Wie beeinträchtigt die Coronakrise Ihre Arbeit gegen die Klimakrise?

Durch Corona war es ein paar Wochen etwas ruhiger, gut um Dinge abzuarbeiten. Es trifft meine Arbeit, weil keine Veranstaltungen mehr stattfinden, aber ich mache Medienarbeit, kann Maßnahmen vorbereiten und stehe zur Telefonberatung zur Verfügung. Im Moment läuft die Vorbereitung für das Stadtradeln, das in diesem Jahr mehr Vorbereitung erfordert, da erstmals alle Kommunen im Kreis teilnehmen. Außerdem laufen ja meine beiden Wettbewerbe zu klima- und insektenfreundlichen Vorgärten ganz normal.

Wenn der Haupt- und Finanzausschuss wie erwartet die Stelle der Klimaschutzmanagerin verlängert – welche Aufgaben bringt das dann für die zusätzlichen zwei Jahre mit sich?

Ich sehe wie schon angesprochen großes Potenzial beim Thema Neubau, aber auch für das Thema Grün in der Stadt – Dach- und Fassadenbegrünung – sowie bei nachhaltiger Mobilität. Die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses wird diesbezüglich sehr spannend, weil sie richtungsweisend wird beim Thema Peter-Plümpe-Platz. Da kann man vieles richtig oder falsch machen. Ich wünsche mir weniger Parkplätze und mehr Aufenthaltsqualität. Man plaudert miteinander, wenn man zu Fuß unterwegs ist, aber nicht, wenn man im Auto sitzt. Eine lebenswerte Stadt hat viele Vorteile für die Bürger, auch beim Umgang mit ganz unterschiedlichen Krisen, selbst bei einer Pandemie.

Zusammengefasst: Ist Kevelaer denn beim Klimaschutz auf Kurs?

Ich habe im vergangenen Jahr die CO2-Bilanzierung gemacht. Da kam heraus, dass wir Stand 2017 gegenüber 1990 20 Prozent eingespart haben. Damit stimmen wir in etwa mit dem Landesziel von NRW überein. Das bedeutet aber auch, dass wir noch einmal ungefähr den gleichen Zeitraum haben, um 80 Prozent einzusparen. Da müssen wir noch einiges tun. Schwierig. Wir können aber auch nicht alles als Kommune erreichen. Manche Hebel liegen höher, in Berlin oder Brüssel.

Das Interview führte Björn Lohmann.

„Man lernt immer dazu“

In unserem Blick hinter die Kulissen des Kevelaerer Blattes stellen wir heute Doris de Boer vor, eine unserer „rasenden Reporterinnen“, die sich jetzt allerdings erst einmal etwas Ruhe gönnen wird.

KB: Doris, Du stammst gebürtig aus Süddeutschland. Was hat Dich nach Kevelaer geführt?

Doris de Boer: Die Liebe. Mein Mann ist Holländer, eigentlich „fliegender Holländer“, denn er ist beruflich sehr viel in der ganzen Welt unterwegs. Als ich noch in München Theologie studiert habe, haben wir uns dort auf einer Wallfahrt kennengelernt. Er hat sich schließlich in Kevelaer niedergelassen, weil er mehr in Deutschland arbeitet als in Holland und hier nah an seiner Heimat ist. Der Wallfahrtsort gefiel ihm schnell. Er war calvinistisch und ist dann zum Katholizismus konvertiert, den er hier natürlich in Fülle vorfindet. Nach meinem Studium bin ich ihm sehr gerne nach Kevelaer gefolgt.

Und wie bist Du schließlich zum KB gekommen?

Ich habe anfangs für die RP geschrieben und war dafür auch oft in den umliegenden Städten, zum Beispiel in Aldekerk und Nieukerk unterwegs. Aber ich bin gern mit dem Fahrrad unterwegs und wollte lieber über Kevelaer schreiben, schließlich gibt es hier auch genug zu berichten. Mich interessieren die Heimatgeschichte und natürlich das Wallfahrtsleben. Deshalb habe ich einfach mal beim KB angerufen und stieg dann gerne beim KB ein.

Wie gehst Du ans Schreiben ran?

Früher hat es immer gedauert, einen Einstieg in den Text zu finden. Inzwischen bin ich seit zehn Jahren dabei, und wenn ich erst mal den ersten Satz habe, schreibt sich der Text fast wie von allein. Man lernt schnell zu formulieren. Ebenso wie man lernt, die richtigen Fragen zu stellen.

Fürs KB schreibst Du oft über Kirche und Wallfahrt. Woher stammt Dein Bezug zum Thema?

Ich interessiere mich einfach für Spiritualität, gelebten Glauben und die frohe Botschaft der Bibel. Glaube heißt für mich, dass es mehr gibt als das Sichtbare, dass wir uns einem höchsten Wesen verdanken, der aus Liebe die Welt ins Sein rief, der mit den Sinnen nicht greifbar ist, aber der doch hinter allem steht. Glaube im Alltag hat für mich viel mit Reifen und Wachsen zu tun, aus den Erfahrungen des Lebens, auch aus Fehlern oder Krisen zu lernen, in Dankbarkeit heraus jeden Tag zu leben, seine Talente zu entfalten, Gutes zu tun oder Freude zu schenken.

Trotzdem berichtest Du über viele Themen – das KB ist ja auch keine Kirchenzeitung.

Ja, das stimmt. Aber man lernt immer dazu, wenn man etwas aus einer anderen Perspektive sieht. Sich mit neuen Themen zu beschäftigen, ist stets ein Gewinn. Und jeder Mensch hat seine Geschichte, seine Botschaft, die einem auf Vieles einen neuen Blick eröffnen.

Was interessiert Dich persönlich neben dem Glauben besonders?

Musik. Kevelaer ist wunderbar, was das Angebot an Musik angeht. Die Chöre, die Orchester, die vielen Möglichkeiten, ein Instrument professionell zu erlernen… Aber ich finde es schwierig, über Musik selbst zu schreiben. Gern schreibe ich Porträts von Menschen – ob über eine Hundertjährige oder einen Handwerker am Lebensabend. Menschen interviewen finde ich unglaublich toll. Ich habe meine Großeltern kaum gekannt, darum liebe ich es, von alten Menschen zu hören, von ihren Lebenserfahrungen, was ihnen weiterhalf, gerade auch in den schlimmen Zeiten. Ich finde es auch toll, dass man als Journalist herausragenden Menschen Fragen stellen kann – was man sonst nicht so leicht kann. Gern bin ich auch bei Veranstaltungen und frage die Beteiligten, Veranstalter oder Künstler, warum etwas so oder so gemacht wurde.

Als Mutter zweier, bald dreier Kinder sieht man Dich fürs KB besonders bei Veranstaltungen für Familien.

Ich finde Kindertheater toll. Da kann ich als Mutter mit meinen Kinder hingehen und berichten. Oder über Veranstaltungen aus dem Kindergarten oder der Schule berichten. So lässt sich prima Berufliches und Privates verbinden.

Die baldige Geburt Deines dritten Kindes bedeutet aber auch, dass für die rasende Reporterin jetzt erst einmal Babypause ist, oder?

Ja, der Termin ist im Februar. Ich habe mal über Bischof Johann Michael Sailer geforscht, der vor gut zwei Jahrhunderten für die Kirche und das Glaubensleben in Deutschland ganz entscheidend war und ich würde gern ein Buch mit seinen heute noch wegweisenden Gedanken herausbringen. Dafür nutze ich die Zeit, während ich auf die Geburt warte oder dann danach. Nach der Geburt werde ich erst einmal keine Zeit für Termine haben – aber man wird sicher weiter immer mal was von mir im KB lesen.