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Auf dem Standesamt gibt‘s kaum weniger zu tun

Wenn Ralph Müschen über seine eigene Eheschließung nachdenkt, hört man durch das Telefon sein Schmunzeln heraus. „Ich habe vor 30 Jahren geheiratet, auch in Kevelaer.“ Und die Ehe bestehe noch, so der Hauptstandesbeamte der Stadt, der in der Corona-Krise nicht wirklich weniger zu tun hat als zuvor. „Es ist tatsächlich nicht anders von den Zahlen her als im Vorjahr. Wir haben sieben, acht Trauungen weniger, das fällt also nicht so ins Gewicht“, schaut er in die Statistiken. „Wir hatten tatsächlich 126 Eheschließungen 2020, in dem Jahr davor 118.“ Und er habe erlebt, dass einige Brautpaare mit den Umständen momentan gar nicht so das Problem haben. „Es gab einige, die sogar sagten: Prima, da müssen wir nicht so groß feiern. Das ist auch das, was die Kollegen in den umliegenden Standesämtern so rückspiegeln.“ 

Er verstehe auch Brautleute, die groß feiern wollten und sagen: Wir verschieben das. „Das ist auch passiert. Im März haben sich Paare angemeldet und die Hochzeit auf die Nach-Corona-Zeit verschoben.“ Unter Umständen könne das dann ja auch „ein Gradmesser sein, um zu gucken, ob es hält bis dahin“, meint er augenzwinkernd. 

Natürlich sei Hochzeit in Corona-Zeiten eine andere Situation. „Wir haben viel mehr zu beachten, mit Masken, den Desinfektionsmitteln – und allein die Kugelschreiber zu desinfizieren.“ Man gehe natürlich davon aus, dass jemand, der infiziert ist, nicht dort aufschlägt. Und bisher habe es trotz Nachverfolgung noch keinen einzigen Corona-Fall gegeben.

Eigentlich sei es einem Standesbeamten egal, „ob es zwei oder 200 Menschen sind. Es gibt die Traurede und die Zuhörer.“ So gesehen habe sich in der Hinsicht kaum etwas verändert. „Wir müssen die Kontaktbögen vorbereiten, es kommen im Vorfeld viel mehr Nachfragen, wie viele Leute dürfen dran teilnehmen?“ Das mache dann eher schon Probleme. „Das ändert sich Woche für Woche. Ich kann die Kristallkugel leider noch nicht lesen“, sagt Müschen. „Da gebe ich immer nur die Wasserstandsmeldungen der letzten fünf Stunden ab. Aber das funktioniert irgendwie.“ Und natürlich sei das, was im Standesamt passiere, eine andere Sache als das, was außerhalb der Mauern passiert. „Das ist natürlich etwas, was das Standesamt nicht tangiert. Das machen die Gäste und Brautleute.“ Sobald man das Rathaus verlasse, gelten ja die Corona-Regeln. „Wir sind ja mehr eine Veranstaltung und können sagen, mit Mundschutz zehn Leute. Das ist aktueller Stand.“

Manche Leute agierten dabei sehr kreativ. „Die Sache mit den Stationen, die fand ich sehr originell“, spielt er auf die Eheschließung an, bei der das Paar verschiedene Stationen abfuhr, wo ihre Freund*innen und Angehörige dann standen (das KB berichtete). 

„Man sieht von oben draußen mehr Luftballonsachen“ und dass – aus seiner Sicht leider – noch immer auf dem kleinen Rasenstück Sekt getrunken wird. „Ich hoffe, dass wir da einen kleinen Platz davor bekommen. Denn da ist ja Autoverkehr am Freitag. Da schwitze ich manchmal schon, insbesondere bei den Fotos, wenn der Fotograf da immer weiter auf die Straße geht.“ Das sei aber ein unabhängig von Corona zu beobachtendes Phänomen. 

Die digitalen Ideen machen auch vor dem Standesamt nicht Halt

Und tatsächlich habe er auch einige „geskypte Hochzeiten“ gehabt, wo diejenigen, die eigentlich dabei sein sollten, das von zu Hause aus verfolgen konnten. Die IT des Hauses hatte das freundlicherweise eingerichtet. „Da steht dann ein Laptop auf dem Tisch, einmal war es nur ein Handy, das es übertragen hat.“ Zu der Zeit waren einfach weniger Leute zugelassen. „Alle anderen wurden zugeschaltet.“ Das sei sicher etwas, was die Eheschließung bereichern könne, sagt Müschen. Das werde man auch so weitermachen. „Wo Angehörige sind, die bettlägerig sind zum Beispiel, da halte ich das für eine tolle Sache.“ Filmaufnahmen habe man nicht so ganz gerne – nicht nur, weil da auch rechtliche Fragen tangiert sind. „Kollegen von uns sind da ziemlich mit reingefallen, wo die Hochzeiten in sozialen Medien mit anderen Texten unterlegt worden sind.“ Hier habe es das bislang aber noch nicht gegeben.

Natürlich komme es auch mal zu Engpässen – auch wenn man insgesamt mit dem Bürgermeister im Gepäck über acht Personen verfüge, die die Trauungen vornehmen. „Irgendwann Ende Herbst 2020, als die neue Welle sich aufbaute, haben wir gesagt, dass wir nur mit den vier Leuten vom Stammpersonal Eheschließungen machen. Die anderen sind ja auch in anderen Ämtern wegen Corona tätig.“ 

Trauung mit Abstand

Trauungen außerhalb des Standesamtes gebe es momentan nicht. „Wir haben die Möglichkeit, in Winnekendonk und Kervenheim Trauungen zu machen. Die sind durchgeführt worden, das ist aber weniger geworden.“ Das sei auch eine Platzfrage. „Winnekendonk wäre zu klein, da könnte man mit zehn Personen nicht sitzen. Überall würden Sicherheitsvorkehrungen mit Abstand vorzunehmen sein. Das ist bei uns im Trauzimmer zu gewährleisten.“

Zum Jahresende seien sogar einige Heiratswillige aus den Großstädten gekommen, die hier nachfragten, weil sie dort keinen Termin bekamen. Da habe aber auch ein Bezug zu Kevelaer bestanden. „Einer kam aus Düsseldorf, der war hier geboren. Da haben wir das auch gemacht.“ Und eine Person lebt heute in Frankfurt.

Ob Corona-Ehen länger oder weniger lang als „normale“ Ehen halten? „Das werden wir in zehn, fünfzehn Jahren sehen“, lacht der Standesbeamte. „Aber das wird genauso sein wie bei allen anderen auch“, lautet seine Prognose. Momentan ist es ruhig. „Die nächste Hochzeit ist erst Mitte Februar. Januar bis Anfang Februar wird nicht soviel geheiratet.“  Woran das genau liegt, vermag Müschen nicht zu sagen, aber es werde wohl an der eher bedrückenden Jahreszeit legen. „Man sieht eben gerne bei der Hochzeit den Sonnenschein“, mutmaßt er. Das sei auch der Grund, warum der Wonnemonat Mai immer noch zieht. „Nach den Sommerferien zieht es dann an.“ Und auch im Dezember ist viel los. „Da kommen die Spontanheiraten, wo nicht lange vorher geplant und gefragt wird: können wir nächste Woche heiraten?“ 

Aber keiner solle glauben, dass man sich im Stil an den ganzen Hochzeitsserien orientiere. „Da wird viel mit US-Traditionen – Hochzeit im Garten – und sowas gearbeitet. Mit diesem Bild kommen Leute zu uns und wollen auch so heiraten. Da müssen wir oft genug sagen, das geht leider nicht.“

Die Bindung nach Kevelaer bleibt

Heiraten in Coronazeiten liegt nicht unbeginnt im Trend. Vielfach wurden die Trauungen verschoben oder mussten im kleinen Kreis gefeiert werden. Monika und Christoph Zeidler konnten an ihrem Hochzeitstermin festhalten, durften mit über 50 Gästen feiern und konnten danach auch noch vermelden, dass alle gesund geblieben sind.

Mitte August gab sich das Paar im alten Rathaus von Dorsten das Jawort. Dass sich dieses Ereignis jetzt im KB wiederfindet, hat Monika Zeidler ihrem Lebensweg zu verdanken. Denn den größten Teil ihres Lebens hat die 53-Jährige in Kevelaer verbracht. „Ich habe im Marienhospital das Licht der Welt erblickt, bin in Kevelaer zur Schule gegangen und war auch im Antoniuschor aktiv“, erzählt die dreifache Mutter.

Auf einer Zugfahrt nach Magdeburg hat sie vor einigen Jahren ihren jetzigen Mann kennengelernt. Da er aus Gladbeck kommt, habe man die erste Zeit viel gemailt und telefoniert. „Und als die Beziehung immer enger wurde, sind wir viel hin und her gependelt“, erinnert sich die Frischvermählte. Das sei aber keine Dauerlösung gewesen.

So entschloss sich Monika Ingenpaß (wie sie vor der Hochzeit hieß) vor vier Jahren, nach Gladbeck zu ziehen. „Dieser Schritt war nicht einfach“, erinnert sie sich an ihren Abschied aus Kevelaer. Entgegen kam ihr dabei ihre berufliche Stellung. Als Mitarbeiterin bei der Agentur für Arbeit wechselte sie nur den Standort, von Goch nach Dinslaken.

Obwohl sich ihr neuer Lebensmittelpunkt nun in Gladbeck befindet, ist Monika Zeidler immer noch oft in Kevelaer anzutreffen: „Zwei meiner drei erwachsenen Söhne leben noch hier. Und auch sonst habe ich noch guten Kontakt zu vielen Freunden.“

Das nächste Mal kommt sie am 8. Oktober in die Wallfahrtsstadt. Eine Gemeinschaftsveranstaltung ihres Betriebes findet hier statt. Auf dem Programm stehen eine Stadtführung, Besuch der Hostienbäckerei und ein Abstecher zum Solegarten. Ansonsten beziehen die Zeidlers das Stadtgeschehen aus dem Kevelaerer Blättchen. Denn das lassen sich die Eheleute auch nach Gladbeck zuschicken. „Mit dem KB hole ich mir jede Woche ein Stück Heimat aus dem Briefkasten“, erklärt Monika Zeidler ihre Verbundenheit mit der Wallfahrtsstadt.

Richtige Flitterwochen waren dem Ehepaar wegen der Pandemie bislang noch nicht vergönnt. „Wir haben einige Tage in einem Wellnesshotel verbracht und waren kurz an der Nordsee“, verrät die 53-Jährige, „mit unserem Hund.“ Der wäre auch gleich zu ihrem neuen „Hobby“ geworden. Sind die Zeidlers doch gerne an der frischen Luft. „Oder auf dem Fußballplatz“, ergänzt sie. Schließlich sei ihr Mann nicht nur Schalke-Fan. Er würde auch noch selber die Fußballschuhe schnüren.

Seit 50 Jahren glücklich verliebt

Waltraud und Clemens Spittmann wissen sehr wohl um ihr Glück. Dieses weiß das Goldpaar aus Kervenheim auch sehr gut einzuschätzen. „Wir sind glückliche Eltern und glückliche Großeltern – das ist unser Lebenselixier“, bringt es Clemens Spittmann auf den Punkt und erhält damit die uneingeschränkte Zustimmung seiner Frau. „Besser kann man es nicht beschreiben“, sagt die Goldbraut mit glänzenden Augen und dankbarem Blick zu ihrem Mann. Heute, am 9. Juli vor 50 Jahren, gaben sich Waltraud und Clemens Spittmann in der Beichtkapelle zu Kevelaer ihr Jawort und vertrauten sich damit gegenseitig ihr Leben an.

„Für mich ist es unglaublich, dass das schon 50 Jahre her ist“, entfährt es der in Kevelaer aufgewachsenen Waltraud Spittmann, die sich noch genau daran erinnern kann, wann und wo sie ihrem späteren Mann begegnet ist. „Es war vor dem Lux-Theater in Kevelaer“, beschreibt sie die erste Begegnung. Gemeinsam mit ihrer eineiigen Zwillingsschwester wartete die junge Frau auf ihre eigentliche Verabredung. Außenstehende allerdings hatten mitunter große Mühe, das Zwillingspärchen auseinanderzuhalten. Für den in Kervenheim aufgewachsenen Clemens Spittmann, der in Düsseldorf bei der Post den Beruf des Fernmeldetechnikers erlernte und bis zum Ruhestand 1999 am Niederrhein im technischen Bereich und Service tätig war, war dieses jedoch kein Problem. „Ich wusste immer, wer vor mir stand, das spürte ich – erklären kann ich das nicht“, berichtet der 73-jährige Goldbräutigam.

Im September 1968 verloben sich die junge Waltraud Mülders und Clemens Spittmann. Ein knappes Jahr später treten sie vor den Traualtar. 1972 bereichert Tochter Michaela das Familienleben, zwei Jahre darauf Tochter Alexandra. Um der Familie genügend Platz zu geben, bauen sie sich 1975 in Kervenheim ein eigenes Heim. Stefan macht 1977 das Familienglück perfekt. „Ab jetzt war für mich der Zeitpunkt gekommen, zu Hause zu bleiben“, erklärt die gelernte Friseuse, die sich bei den Vorsehungsschwestern noch vor der Heirat in der Küche und Hauswirtschaft ausbilden lässt.

Die schönste berufliche Zeit

2013 wagt Waltraud Spittmann einen völlig neuen beruflichen Schritt. Da ist sie bereits 63 Jahre. Da sie in den 1990er-Jahren als Kinderbetreuung in verschiedenen Familien tätig war, rät ihr das Jugendamt Geldern zu einer Ausbildung als Tagesmutter. „Das war allerdings eine Herausforderung, denn alle angehenden Tagesmütter um mich herum waren wesentlich jünger“, berichtet die Jubelbraut. Mit großer Unterstützung ihres Mannes betreut sie bis im August vergangenen Jahres täglich fünf Kleinkinder. Ihnen schenkt sie ihre Liebe und Zuwendung. „Für mich die schönste berufliche Zeit“, gesteht Waltraud Spittmann mit bewegten Worten.

Großen Wert aber legt das Paar seit jeher auf gemeinsame Familienurlaube. Am liebsten an der Nordsee. Und das ist auch heute noch so. Einmal jährlich fährt die komplette Familie mit Kindern, Schwiegerkindern und sechs Enkelkindern, im Alter von 5 bis 14 Jahre, ins Familienwochenende. „Das möchte keiner von uns missen“, garantiert das Paar, das sich stark im Vereins- und im Kirchenleben engagiert.

Engagiert in der Heimat

Der sportlich trainierte Clemens Spittmann absolvierte 35 Jahre in Folge das Sportabzeichen, ist Mitglied im Sportverein Union Kervenheim, hat sich als Bühnenschauspieler und Bühnenbauer im Theaterverein Gemütlichkeit verdient gemacht, ist hier zum Ehrenmitglied ernannt worden. Zum Ehrenpräsident machten ihn die Geselligen Vereine Kervenheim. Seine Frau Waltraud engagierte sich als Katechetin, in der ortsansässigen Frauengemeinschaft und im Pfarrgemeinderat. Ihre gesangliche Stimme setzt sie im Kirchenchor ein, erhielt dafür aus Regensburg die ACV (Allgemeiner-Cäcilien-Verband) Verdienstnadel.

Ein Rezept für ein so langes und erfülltes Eheleben hat das Paar natürlich nicht. Aber: „Jeder sollte sich seine Eigenständigkeit bewahren und diese auch so akzeptieren“, verkündet das jugendlich wirkende Paar einstimmig, das sich mit Fahrradfahren sichtlich fit hält. Den heutigen Hochzeitstag, zu dem die Nachbarn am Haus des Jubelpaares einen Kranz aufgehängt haben, verbringt das Goldpaar im Kreise der Familie und lässt diesen mit einem gemeinsamen Essen ausklingen. Eine Goldhochzeitsfeier möchten Waltraud und Clemens Spittmann aber auf jeden Fall zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.

Von Arbeitskollegen zum Liebespaar

Zu zweit gemeinsam einen Weg gehen. Dieses Versprechen gaben sich am vergangenen Freitag Birgit Hebben und Angelo Carbone auf dem Kevelaerer Standesamt. Begleitet wurde das Brautpaar von den beiden Trauzeuginnen Bärbel Hebben, Mutter der Braut, und Maria Carbone, Schwester des Bräutigams, die als einzige der Zeremonie beiwohnten. „Na ja, geplant hatten wir das schon etwas anders“, erklärt das frisch gebackene Brautpaar. Wie schon so häufig in diesem Jahr, erfordert auch hier das Coronavirus eine Planänderung – zumindest was eine Feier mit Familie und Freunden angeht. Denn ihren gemeinsamen Schritt vor den Traualtar wollte sich das deutsch-italienische Hochzeitspaar auf gar keinen Fall nehmen lassen. „Schließlich machen wir das für uns“, bekräftigt Angelo Carbone. Und so traten sie am 3. Juli 2020, fast schon heimlich, vor dem Standesbeamten und besiegelten ihre gewachsene Liebe.

„Dieses Datum haben wir dann letztendlich bewusst geheim gehalten“, gesteht das glücklich wirkende Paar auch, um damit ein größeres Gratulationsaufkommen zu Corona-Zeiten zu vermeiden. „Eine schöne große Feier mit Familie und Freunden werden wir aber irgendwann nachholen“, verspricht der temperamentvolle Italiener. Geboren wird Angelo Carbone 1960 in Pozzuoli, (hier ist auch Sophia Loren aufgewachsen), einem kleinen Fischerdorf in Italien. Am Golf von Neapel verbringt er seine Kindheit, bis sein Vater in den 1960er-Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland kommt. 1990 führt ihn sein Weg nach Winnekendonk, dem Heimatdorf von Birgit Hebben. Dass sie beide irgendwann einmal einen gemeinsamen Weg gehen werden, ahnen sie zu diesem Zeitpunkt nicht einmal ansatzweise.

Denn Angelo Carbone wie auch Birgit Hebben leben in einer Beziehung mit eigener Familie. Seine Leidenschaft zu Kaffee und Espresso, inklusive deren Zubereitung, treibt den gelernten Kaufmann 1995 zu einem Schritt in die Selbstständigkeit. Der dreifache Familienvater gründet das Unternehmen „Macafe“ mit Sitz in Kervenheim. Mit diesem Unternehmen erhält er 2008 den Marketingpreis der Stadt Kevelaer. Da der Unternehmer noch während der Gründungsphase auf der Suche nach einer geeigneten Mitarbeiterin ist und Birgit Hebben just zu diesem Zeitpunkt rein zufällig einen neuen Arbeitsplatz sucht, finden beide, zumindest auf beruflicher Ebene, zusammen. Als Jobvermittlerin fungiert die Nachbarin des damaligen Jungunternehmers, die wiederum Birgit Hebbens beste Freundin ist.

Sie ergänzen sich gegenseitig

22 Jahre agieren Hebben und Carbone als perfektes Team in Sachen Kaffeebohne. Das Verständnis und auch die Verlässlichkeit finden ohne große Worte statt. Schon hierbei zeigt sich die zweifache Mutter als absoluter Ruhepol im Leben des Kaffeeliebhabers, dem als Segler keine Weltmeere fremd und als Wanderer keine Berge, ob in Kanada oder am Himalaja, zu hoch sind.

2010 wird für beide jedoch zum Schicksalsjahr. Beide erfahren eine Trennung. Und so stürzen sie sich noch intensiver in ihre Arbeit, die weiterhin auf harmonischer Basis funktioniert. „Irgendwann aber war da noch mehr“, gesteht das Paar. Denn plötzlich war die Liebe mit im Spiel. Ein gutes Jahr später kaufen sie sich in der Marienstadt ein gemeinsames Haus. Während vieler gemeinsamer Urlaube, zu Wasser und an Land, erleben sie ihren starken Zusammenhalt und ihre Vertrautheit. „In dieser Zeit haben wir festgestellt, dass wir einfach zusammengehören“, berichtet der vor Lebensfreude sprudelnde Angelo Carbone, der die ausstrahlende Ruhe seiner Frau sehr genießt. „Ich glaube, wir ergänzen uns da sehr gut“, sagt Birgit Hebben, die 2018 zur Zentralrendantur der katholischen Kirche in Kevelaer wechselt. Im gleichen Jahr entscheiden sie sich gemeinsam, ihre Liebe mit einem Ja zu besiegeln. Dieses „Ja“ schenkten sich Birgit Hebben und Angelo Carbone am vergangenen Freitag. „Alles ist gut, so wie es ist – es soll nichts besser werden, aber auch nicht schlechter“, verkündet das sympathische Paar, das in der Marienstadt eine gemeinsame Heimat gefunden hat.

Im Taxi sprang der Funke über

Eigentlich hatten Iris und Rainer Roosen ja eine riesengroße Hochzeitsparty mit ungefähr 160 Hochzeitsgästen geplant. „Eigentlich“, betont der Bräutigam, „und eigentlich haben wir das Fest schon dreimal umgeplant und gebangt und gehofft bis zuletzt“, führt er weiter aus. Den geplanten Hochzeitstermin aber wollte das Twistedener Brautpaar dann doch nicht verschieben. Und schon gar nicht aufgrund eines Virus mit dem Namen Corona. „Das wäre ja noch schöner“, betonen Iris und Rainer Roosen lachend. Am vergangenen Freitag gaben sie sich in einem etwas kleineren Kreis im Kevelaerer Museum das Jawort und wollten sich dieses Glück von nichts und niemandem nehmen lassen.

„Zwar mussten wir unsere Hochzeitsfeier ganz schön abspecken, etwa 130 Gäste mussten wir ausladen, dennoch gehört dieser Hochzeitstag uns“, strahlt das frisch vermählte Brautpaar, bevor es sich gemeinsam mit den verbliebenen Gästen zu einer Gartenparty im kleinen Kreis zurückzog. „Alles andere holen wir irgendwann nach“, verspricht das gesellige Paar, das sich die Hochzeit bei Antragstellung auch anders vorgestellt hatte. Den Heiratsantrag gab es so ziemlich genau vor einem Jahr. „Ich glaube, wir hatten an diesem Tag gefühlte 50 Grad Außentemperatur“, erinnert sich die 39-jährige Braut schmunzelnd, die sich zudem noch gut daran erinnern kann, dass an diesem Tag in ihrer gewohnten Umgebung so ziemlich viel schief lief.

Der Antrag auf einem T-Shirt

Daran kann sich auch der 45-jährige Bräutigam noch gut erinnern. Als jedoch die damals sechsjährige Mariella auftaucht, nimmt der Tag eine besondere Wendung. Mariella ist die Tochter eines befreundeten Ehepaares und hat vor Jahren schon das Brautpaar einfach so als zweites Elternpaar adoptiert. Warum? Ganz einfach: „Weil die so nett sind“, berichtet das pfiffige Mädchen. Mariella jedenfalls trägt am Antragstag ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Iris – willst du meinen Rainer heiraten?“ Ja, natürlich will Iris das. Nur wenige Tage später waren die Vorbereitungen für eine bevorstehende Hochzeit inklusive Feier bereits geplant. „Alles war fertig – wir hätten ohne Corona heiraten können“, lacht das Paar. Allerdings sollte die Trauung dann doch ein Jahr später stattfinden.

Die Herzen der beiden Twistedener fanden im Karneval 2015 während einer gemeinsamen Taxifahrt zueinander. Bis dahin hatten sich beide Karnevalisten schon mehr als tausendmal gesehen, miteinander gefeiert und auch berührt. „Eigentlich kannten wir uns schon ewig“, sagt Rainer Roosen. „Wie das eben so ist auf einem Dorf“, schmunzelt die in Twisteden aufgewachsene Iris Maags.

Engagiert im Karneval

Die gelernte Kranken- und Gesundheitspflegerin und heutige Betreuerin in der Wohnungslosenhilfe, wie auch ihr Mann, engagieren sich im Twistedener Karneval. Vor fünf Jahren rufen sie als Mitorganisatoren das Möhnefrühstück ins Leben, bereichern mit ihren Auftritten das Bühnenprogramm, waren gemeinsam im Vorstand des KFT (Karnevals-Freunde-Twisteden) aktiv. Der gelernte Maler und Lackierer Rainer Roosen, der die ersten Lebensjahre in Wetten verbrachte, kennt als Berufskraftfahrer und ehemaliger Busfahrer den Trubel auf den Straßen. Sein Ruhepunkt aber liegt seit Jahrzehnten schon auf dem Rücken seines Pferdes.

Entspannung und Erholung findet das frisch vermählte Paar während ihrer Ausflüge auf dem Fahrrad. „Nicht zu vergessen unsere Treffen mit Freunden, die uns wunderbare Junggesellenabschiede bescherten“, betonen Iris und Rainer Roosen, die ihr Leben so lieben, wie es ist. „Möge es immer so bleiben“, verkünden beide glücklich strahlend und genossen beim herrlichen Sommerwetter ihren Hochzeitstag. 

Die Liebe im Heimatdorf gefunden

Vor rund 20 Jahren, als Marie-Christin Idahl und Robin van Afferden den gleichen Kindergarten besuchten, konnten beide wahrlich nicht ahnen, dass ihnen der zukünftige Ehepartner bereits gegenüberstand. Erst viele Jahre später, Ende 2014, traten die gebürtigen Wettener über das Internet in Kontakt. Von da an verloren die beiden keine Zeit mehr. Das erste Treffen? „Da habe ich ihr Auto repariert“, lacht der Bräutigam. Nach dem ersten richtigen Date im Kino folgten einige weitere Treffen, bis die beiden schließlich einen Monat nach dem richtigen Kennenlernen am 24. Januar 2015 ein Paar wurden. Als die gelernte Hotelfachfrau dann aus einem gemeinsamen Urlaub mit einer Freundin zurückkehrte, stellte sie die Koffer bei ihrem Liebsten ab… und blieb. Das Thema „Zusammenziehen“ war damit auch erledigt. Und nun gab sich das junge Paar am vergangenen Samstag in Kevelaer das Jawort.

Wenn die Braut vom Heiratsantrag erzählt, macht sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht breit. Als der Tag gekommen war, ahnte die 24-Jährige jedoch nichts. Denn eigentlich war am 4. August vergangenen Jahres die ganze Aufmerksamkeit auf ihren Cousin gerichtet, der seine Hochzeit feierte. Im Hotel, im familiären Kreis fragte der gelernte Kfz-Mechatroniker seine Marie-Christin dann, ob sie seine Frau werden möchte. „Mit einem Blackout“, lacht die Braut. „Ich hatte mir vorher schön Stichpunkte zurechtgelegt“, gesteht der 25-jährige Bräutigam, der vor lauter Aufregung vergessen hatte, was er seiner Liebsten eigentlich sagen wollte. „Und dann gab‘s warmen Sekt“, erinnert sich Marie-Christin van Afferden zurück, die mit ihrem Mann heute darüber lachen kann, dass nicht alles nach Plan lief. Und dieses „Lachen, weil nicht alles nach Plan läuft“, sollte im Laufe der Zeit noch ordentlich auf die Probe gestellt werden.

Hochzeit mit dem „Extra-Flair“

„Bis Februar waren wir noch voll drin“, sagt Robin van Afferden mit Blick auf die Hochzeitsplanungen. Als dann allerdings klar war, dass unter Corona-Auflagen nur eine Hochzeit im Kevelaerer Konzert- und Bühnenhaus ohne Gäste möglich wäre, entschied sich das Paar, die Feierlichkeiten zu verschieben. Kurz vor der neu geplanten standesamtlichen Hochzeit am 20. Juni kam dann sogar die Lockerung, dass Hochzeiten mit bis zu 50 Gästen erlaubt sind. Eingeladen hatte das Paar die rund 40 Gäste ins Trauzimmer des Niederrheinischen Museums in Kevelaer. Dass dort eine Ausstellung zur Adelsfamilie van Afferden zu sehen ist, fanden die beiden passend. „Es war wie in einem Wohnzimmer“, fand die Braut die gesamte Atmosphäre dort „schöner als in einem normalen Standesamt.“ „Das hatte den Extra-Flair“, pflichtet der Bräutigam ihr bei.

Auf der Hauptstraße in der Kevelaerer Innenstadt wartete dann eine große Überraschung auf die frisch Vermählten. Dort hatten sich seine Kollegen der Feuerwehr und ihre Kollegen des THW versammelt – eine Geste, mit der das Paar erst bei der kirchlichen Trauung gerechnet hatte. Und auch sonst sind Marie-Christin und Robin van Afferden dankbar für die Unterstützung der Familie und Freunde. „Auch die Trauzeugen haben uns echt den Rücken freigehalten“, berichtet die Braut. „Wir hatten einen viel schöneren Tag, als wir uns erdacht haben.“ Nach einem Essen im Goldenen Schwan – dort arbeitet die Braut – ging es bei Kaffee, Kuchen und Snacks in den Garten. Ganz unverhofft wurde das Brautpaar dort zum Hochzeitstanz aufgefordert. „Leichter Wiegeschritt und alles ist gut“, lacht der Bräutigam rückblickend beim Gedanken an die spontane Performance.

Die kirchliche Hochzeit haben die Wettener, die gerne für immer in ihrem Heimatdorf bleiben wollen, auf Juli nächsten Jahres verschoben. Das Paar hofft, dass es bis dahin über die Planänderungen und erforderlichen Maßnahmen lachen kann. Doch schon heute, nur einige Tage nach dem Fest, erzählen beide lächelnd und positiv über die standesamtliche Hochzeit. „Trotz Corona hatten wir eine wunderschöne Hochzeitsfeier“, sagt Marie-Christin van Afferden.

Hochzeit in schwierigen Zeiten

Von Brautpaaren wird in diesen Tagen viel Flexibilität abverlangt. Das erging auch dem Kevelaerer Brautpaar Ilona Beckers und Robert Wassenberg nicht anders. Sie trauten sich im allerkleinsten Kreis vor dem Standesbeamten in der Alten Schmiede in Weeze und gaben sich das Jawort.

Eigentlich war dieser Tag für die kirchliche Trauung mit einer anschließenden Hochzeitfeier mit 120 Gästen vorgesehen. Doch schon Anfang März war für das Paar klar, dass dieser Termin auf Grund der aktuellen Coronalage nicht stattfinden würde. Ein Ausweichtermin, auch mit allen wichtigen Dienstleistern, war schnell gefunden.

Nur die Trauringe trugen schon das Hochzeitsdatum der kirchlichen Trauung. „Die standesamtliche war für den 8. Mai vorgesehen“, erklärt der Bräutigam. Aber dank der Flexibilität des Standesbeamten und des Brautpaares entschieden sich alle Beteiligten für eine alternative und gelungene Lösung.

Kirchliche Hochzeit erst im September

Die kirchliche Hochzeit planen Ilona und Robert Wassenberg aktuell für den September. „Es scheint sich für uns alles in allem also irgendwie „zum Guten gewendet“ zu haben“, sagt ein strahlendes Brautpaar.

Hochzeit planen trotz Covid-19?

Es sollte der schönste Tag im Leben vieler Paare werden: der Hochzeitstag. Doch die Planungen für dieses besondere Ereignis werden für viele Paare während der Corona-Krise aktuell zum Albtraum. Wird die Hochzeit stattfinden können? Müssen wir ohne Gäste feiern? Bleiben wir bei einer Absage auf den Kosten sitzen? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigen sich angehende Brautpaare derzeit. Patricia J. ist als freie Traurednerin tätig und steht den Paaren mit Ratschlägen zur Seite. Im Interview mit dem KB spricht sie über mögliche Alternativen zur klassischen Trauung und  gibt Ratschläge, worauf die Paare bei einer Absage oder Verschiebung der Trauung achten sollten.

Wie erleben Sie als Traurednerin aktuell die Stimmung bei den Hochzeitspaaren?

Man merkt eine ganz, ganz große Verunsicherung. Die Vorfreude vieler Paare ist verflogen, stattdessen hängen sie in der Luft. Das liegt vor allem daran, dass es im Moment keine bundesweiten Regelungen für Trauungen gibt: Was ist erlaubt, was nicht? Für viele Paare tritt auch eine wesentliche Frage mehr und mehr in den Vordergrund: Selbst wenn es erlaubt sein sollte, unsere Trauung im Sommer zu feiern, wollen wir das dann überhaupt unter den Voraussetzungen? Die meisten haben verstanden, dass ihre Hochzeit wahrscheinlich mit gewissen Einschränkungen verbunden sein wird. Ein Paar hat mir auch von der großen Angst berichtet, am Ende mit ihrer Feier vielleicht verantwortlich zu sein, wenn nach der Hochzeit jemanden an Covid-19 versterben sollte. Da sind schon große Ängste im Spiel. Es gibt natürlich auch Paare, die noch relativ entspannt sind – das sind dann die, die im Spätsommer/Herbst heiraten würden. Aber im Allgemeinen ist die Verunsicherung schon sehr, sehr groß.

Auch auf dem Standesamt machen die Paare derzeit keine schönen Erfahrungen:  Eine Hochzeit alleine, maximal mit den Trauzeugen, teilweise hinter Plexiglas, mit Mundschutz verhüllt und auf die Hälfte der normalen Trauzeit reduziert – so stellt sich kein Paar den romantischsten Tag in seinem Leben vor. Viele schätzen besonders den Moment, vor ihren Liebsten „Ja“ zu sagen. Das fällt alles weg. Paare, die eigentlich nur standesamtlich heiraten wollten, fragen aus diesem Grund derzeit verstärkt bei freien Traurednern an, ob nicht doch eine kleine Trauung vor den Liebsten in diesem Jahr möglich sein könnte – quasi, um den romantischen Moment nachzuholen.

Gesetzlich ist es aktuell nicht so richtig geregelt. Leider können auch die Ordnungsämter im Moment keine verlässlichen Prognosen für den Sommer stellen, dennoch rate ich den Paaren, sich beim Ordnungsamt der Gemeinde zu erkundigen, in der die Hochzeit stattfinden soll.

Viele Paare haben sicher auch Angst, die Hochzeit vorzeitig abzusagen und dann festzustellen, dass die Feier doch hätte stattfinden können.

Ja, viele haben das Gefühl: Wie sie es machen, können sie es eigentlich im Moment nicht richtig machen und das ist natürlich der allgemeinen Situation geschuldet. Deswegen rate ich meinen Brautpaaren im Moment, sich vorsorglich einen Plan B zu überlegen. Das gibt ihnen etwas Kontrolle zurück und das Gefühl, in dieser Situation wenigstens irgendetwas tun zu können. Die finale Entscheidung über Plan A oder Plan B zu fällen, empfehle ich ungefähr sechs Wochen vor der Trauung. Und solange würde ich mir das auch immer offen halten, sonst ist die Enttäuschung umso größer, wenn die Trauung doch hätte stattfinden können.

Was raten Sie den Paaren, die sich mit ihrer Entscheidung noch unsicher sind?

Auf jeden Fall Ruhe zu bewahren und sich auch darauf zu besinnen, worum es eigentlich bei der Hochzeit geht. Und da geht es natürlich um die Liebe zwischen dem Brautpaar. Mit dem Plan B in der Tasche fällt es vielen Paaren auch leichter, die Unsicherheit bis zum Sommer auszuhalten. Ein Plan B könnte zum Beispiel sein, einen anderen Termin zurechtzulegen. Dazu würde ich empfehlen, eine Rangliste der involvierten Dienstleister zu erstellen und abzufragen, wie es mit Alternativterminen aussieht. Und dann muss die Entscheidung getroffen werden: Auf welchen Dienstleister wollen wir auf keinen Fall verzichten, für welchen würden wir notfalls auf einen Wochentag oder einen Sonntag ausweichen?

Einige Paare freunden sich im Moment auch mit einer Winterhochzeit an. Das hat den Vorteil, dass die Dienstleister möglicherweise auch an den Wochenenden noch Kapazitäten haben und keine Umbuchungskosten berechnen. Ich sage auch: Keine Angst vor solchen Terminen. Die Gäste werden sich unter diesen Voraussetzungen ganz sicher Zeit nehmen für das Brautpaar.

Eine Absage birgt auch finanzielle Risiken. Wer trägt die Kosten einer Verschiebung?

Viele Dienstleister zeigen Kulanz: Für Dienstleistungen, die innerhalb von 2020 verschoben werden, werden oft keine zusätzlichen Gebühren berechnet. Manchmal wird eine kleine Aufwandsentschädigung verlangt. Anders sieht es für Paare aus, die mit einem Termin in der nächsten Hochzeitssaison 2021 liebäugeln: Ein neuer Wochenendtermin in der Hochsaison von Mai bis Oktober kommt nicht selten einer neuen Buchung gleich. Was zunächst wenig entgegenkommend klingt, muss man sich so erklären: Hochzeitsdienstleister verdienen ihr Jahreseinkommen an einigen wenigen Wochenenden im Jahr. Eine kostenlose Übertragung auf die nächste Saison kommt dem Entfall eines gesamten Jahreseinkommens gleich. Aber auch das regeln die meisten Dienstleister so, dass es für beide Seiten mit möglichst wenig Schmerz verbunden ist. Ich berechne beispielsweise 20 Prozent Aufschlag für einen komplett neuen Termin im Sommer 2021, was von den Paaren sehr positiv aufgenommen wird. Man kann alternativ auch auf Termine im März oder April 2021 gehen oder auf einen Freitag.

In den Verträgen mit den Dienstleistern sind außerdem Storno-Bedingungen geregelt. Diese gelten auch in Coronazeiten. Einzige Ausnahme: Wenn zum Beispiel die Location aufgrund einer gesetzlichen Regelung nicht öffnen darf, muss das Brautpaar auch nicht zahlen. Der Dienstleister kann seine Leistung nicht erbringen. Ich rate den Brautpaaren auf jeden Fall, offen und verständnisvoll auf die Dienstleister zuzugehen – genauso wie die Dienstleister das mit den Brautpaaren derzeit auch machen. Prinzipiell ist es für die Paare die teuerste Variante, komplett abzusagen. Denn ohne gesetzliche Grundlage erfolgen Stornierungen aus eigenem Ermessen der Brautpaare – und die AGBs greifen regulär.   

Um diese Umbuchungen und eine verschobene Hochzeit zu umgehen, halten einige Paare aktuell trotz der Corona-Krise an ihrem ursprünglich geplanten Hochzeitstermin fest. Was gibt es denn für Corona-gerechte Alternativen zur großen Feier?

Einige Anpassungen an der ursprünglich geplanten Feier wird es sicherlich geben müssen. Ich rate Paaren, sich schon einmal vorsorglich die Gästeliste anzusehen und eine Entscheidung zu treffen: Sollten Hochzeiten bis zu einer gewissen Personenanzahl erlaubt sein, wären wir dann bereit, Gäste aus dem weiteren Bekanntenkreis wieder auszuladen, damit die Trauung stattfinden kann? Dafür werden viele sicher Verständnis haben. Zudem hängen Hochzeiten ja in der Regel davon ab, ob die Location, etwa das Hotel oder Restaurant, wieder öffnen darf. Hier kann sich das Paar fragen, ob eine Alternative vielleicht eine schöne Gartenhochzeit sein kann. Das bietet Unabhängigkeit von einer Location.

„In“ sind seit vergangenem Jahr auch sogenannte „Elopement Hochzeiten“ – das ist Englisch und bedeutet so viel wie „fliehen“ oder „durchbrennen“. Einige besinnen sich derzeit auf sich selbst zurück und können sich vorstellen, eine solche ganz intime Feier nur zu zweit oder im engsten Kreis durchzuführen. Sie planen dafür, wegzufahren, an einen Ort, der dem Paar etwas bedeutet. Man kann ans Meer fahren, wandern gehen, ein Picknick machen. Natürlich kann man zusätzlich noch über eine Feier im kommenden Jahr nachdenken, um das Trauversprechen nochmal vor Gästen zu wiederholen.

Es gibt auch Dienstleister, die Live-Streaming-Optionen anbieten. So kann man die Hochzeit für alle, die nicht dabei sein können – wenn zum Beispiel Risikopatienten nicht kommen können – live streamen oder aufnehmen. Ganz hoch im Kurs ist aktuell auf jeden Fall das Thema „im Freien sein“. Die Paare können sich auch überlegen, eine Art freie Trauung mit ihren Freunden selbst zu gestalten. Das kann man sehr persönlich gestalten – mit guten Wünschen der Freunde an das Paar, Geschichten aus dem Leben des Paares und traditionellen Hochzeitsspielen. Viele versuchen, sich darauf einzustellen, das Beste aus der Situation zu machen.

Worauf sollten Paare achten, wenn sie sich doch dazu entscheiden, die Hochzeit zu verschieben?

Die Paare sollten alles abwägen, kalkulieren und mit allen Dienstleistern sprechen, damit sie eine Basis haben, auf der sie besser entscheiden können. Vielleicht merkt man dann auch, dass die Sachen, die sie einem anbieten, gar keine schlechten Alternativen sind. Es ist auch eine Typfrage: Sind wir grundsätzlich Menschen, die mit der Ungewissheit und einem Plan B bis kurz vor knapp leben können, oder wollen wir von Anfang an Klarheit und verschieben lieber gleich? Und am Ende würde ich es natürlich auch von dem Gefühl abhängig machen, ob man sich die Trauung mit gewissen Einschränkungen vorstellen kann. Kann ich es mir zum Beispiel vorstellen, auf meiner Hochzeit einen Mundschutz zu tragen? Oder kann ich mir vorstellen, notfalls Leute auszuladen? Paare sollten außerdem abschätzen, welchen Wert die Atmosphäre für sie hat. Man freut sich am Ende nur über das beste Essen und das schönste Kleid, wenn auch die Stimmung auf der Feier entsprechend ist.

Das Interview führte Elena Gavriil.

Infobroschüre

Patricia J. hat für angehende Hochzeitspaare eine Infobroschüre zusammengestellt mit Ratschlägen und Informationen zum Thema „Trauungen während der Corona-Krise“. Auf zehn Seiten berichtet die freie Traurednerin aus ihrer Erfahrung und gibt Tipps für die Planung in dieser ungewissen Zeit. Wer Interesse an der Broschüre hat, kann sich per E-Mail unter dietraurednerin@outlook.de melden. Sie lässt den Interessenten dann die entsprechende PDF-Datei zukommen.

Vorerst gibt es keinen Tag der Ehejubiläen

Für viele Paare, die einen „runden Hochzeitstag“ begehen, ist der zweimal im Jahr stattfindende Tag der Ehejubiläen des Bistums Münster ein wichtiger Teil ihrer Feierlichkeiten. Darauf müssen 140 Paare jetzt verzichten: Sie hatten sich für den am Samstag, 23. Mai, geplanten Tag der Ehejubiläen des Bistums Münster angemeldet, den das Bistum jetzt wegen der Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie abgesagt hat.

Die angemeldeten Paare erhalten die Absage mit einem Schreiben von Bischof Felix Genn. Dieser hätte eigentlich mit ihnen einen Gottesdienst gefeiert, danach hätten einige Programmpunkte zur Auswahl gestanden. Die verhinderten Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden voraussichtlich im Juni noch einmal angeschrieben, kündigt Eva Polednitschek-Kowallick vom Referat Ehe- und Familienseelsorge des Bistums an. Man werde abfragen, ob die Paare alternativ an dem zweiten Termin am Samstag, 26. September, teilnehmen möchten. Nach jetzigem Stand findet der Termin statt. Ob es dabei bleibt, hängt von der Entwicklung der Corona-Krise ab.

Polednitschek-Kowallick bedauert die Absage. „Viele Paare freuen sich auf diesen Tag und erleben ihn als zusätzlichen Feiertag ihres Jubelfestes“, weiß sie. „Sie möchten den Segen im Dom erhalten und genießen mit den vielen anderen den Austausch und die verschiedenen Angebote.“ Zudem wählten viele Paare den jeweiligen Termin bewusst, da sie damit Erinnerungen verbinden oder die Familie zum entsprechenden Datum eingeladen haben. „Umso mehr hoffen alle Kolleginnen und Kollegen, die an der Vorbereitung und Durchführung mitarbeiten, dass es den Tag der Ehejubiläen im September geben wird und wir uns dann im Dom sehen werden“, sagt Polednitschek-Kowallick.

„Eine ganz starke Nummer“

Ein überdimensionales Herz zierte am Wochenende den großen Platz rund um die Häuser am Kreuzweg. Stundenlang hatten Alina, Lucia, Hanna und Hanne an dem Kreide-Kunstwerk gearbeitet, dabei natürlich den Abstand gewahrt und sich da schon mal ein Gläschen gegönnt. Inmitten des Herzens standen die Namen der beiden Jungvermählten – Louis und Julia – die die vier jungen Damen erwarteten. „Die beiden haben sich auf einem BWL-Auslandssemester in Spanien kennengelernt“, berichtete Alina, die mit den anderen auf Klappstühlen in angemessenem Abstand Platz nahm und das Sektglas zum Anstoßen bereithielt. „Trotz der aktuellen Situation, weil ja Standesamt und eine Feier mit Leuten nicht so richtig gehen, wollten die beiden trotzdem heiraten“, erzählte die 26-Jährige. So entstand eine ungewöhnliche Idee.

Denn die Twistedenerin Jana Bogers und die Essenerin Lena Leitreiter wollten sich ihre „Rolle“ als Trauzeuginnen nicht nehmen lassen. „Zur Trauung ins Bühnenhaus durften nur die beiden mit der Standesbeamtin und einer Fotografin rein“, erzählte Bogers. „Und sonst macht man nach der Trauung ja einen Sektempfang, aber alles an Feiern geht ja wegen Corona nicht.“ So überlegten die beiden im Vorfeld, wie man diesen Tag irgendwie besonders machen kann.

In einer Art „Nacht- und Nebel-Aktion“ entwarfen sie den Plan, verschiedene Stationen mit Verwandten, Freunden und Bekannten des Paares zu organisieren. Und so funkten die beiden das gesamte Umfeld an. „Wir hatten nur die Stationen vorgegeben. Was die da an Aktionen machen, das haben wir denen selbst überlassen.“ An insgesamt 25 Stationen – vom Hotel Klostergarten über das Hülsparkstadion bis zum Twistedener Dorfplatz – platzierten sich die Freunde, Anverwandten und Bekannten, natürlich coronagemäß mit Abstand. 

„Einfach Wahnsinn“

„Wir waren total geflasht, wie kreativ alle waren“, wirkte Bogers nach Abschluss der zweieinhalb Stunden andauernden Tour fast so sprachlos wie das Ehepaar. „Einfach Wahnsinn.“ Freunde, mit denen das Paar 2019 in Afrika war, wo im südafrikanischen Kapstadt auf dem Tafelberg auch der Hochzeitsantrag erfolgte, hatten sich als Ranger verkleidet „und das Original-Bier aus Windhoek in Namibia mit dabei.“ Ein Kegelclub hatte via Ipad einen guten Freund von der Bundeswehr aus München auf einen Hocker „dazugestellt“, damit er den besonderen Moment der Freude mitbekommt.

An einem Pavillon des Onkels durften die beiden den Hochzeitstanz vorführen. Es gab auch einen „Hochzeits-TÜV“ einer Gruppe, die sich wie bei einem Boxenstopp verkleidet hatte und das Ehepaar „prüfte“. Und dann gab es die Kreide-Aktion der Freundinnen am Kreuzweg. „Das ist echt aufregend, wir sind voll überrascht“, konnte die 29-jährige Braut ihr Glück ob der besonderen Hochzeit kaum in Worte fassen. „Eigentlich hatten wir uns auf einen ruhigen Tag eingestellt“, sagte die Braut. Auch ihr drei Jahre jüngerer Bräutigam war in Unwissenheit gelassen und so auch von der Geschichte komplett überrollt worden. „Eine ganz starke Nummer“, war das, was er angesichts der vielen Eindrücke da nur noch sagen konnte. Er stieß am Kreuzweg mit den Mädels auf die Hochzeit an.

An der Biegstraße mussten die beiden mit dem Wagen durch den klassischen Hochzeitsbanner hindurchfahren, eine Tante hatte woanders die Hochzeitstorte zum Anschneiden vorbereitet. Und am Twistedener Dorfplatz hatte die Gärtnerfamilie ein Riesenherz aus Petunien gestaltet. „Wir sind ja eine Gärtnerfamilie“, musste Bogers nur das Stichwort „Gartencenter Breuer“ nennen. „Und Julia arbeitet jetzt bei ‚Gasa Germany‘ in Kevelaer, hat also jetzt auch mit Blumen zu tun.“

In Twisteden endete bei den Eltern des Bräutigams die Tour. Dort fand sich wirklich nur der allerengste Kreis zu einem kleinen Grillabend zusammen, der bis in den späten Abend andauerte. Freuen können sich die beiden nun auf ein gemeinsames Leben, das mit einer einmaligen Hochzeit als bleibende Erinnerung begann – dokumentiert vom Cousin der Braut mittels einer Drohne und vom Kevelaerer Blatt.