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Beratungsangebote der Caritas sind weiterhin erreichbar

Auch in Coronazeiten sollen sie eine zuverlässige Anlaufstelle darstellen: Die Beratungsdienste des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer. Egal ob bei sozialen, familiären oder persönlichen Fragen – das Beratungsteam der Caritas-Centren in Geldern, Kevelaer und Straelen hilft weiter. Die Angebote sind vielfältig – von Beratung zu Erziehung und Familie, zu Integration und Migration, zu Schulden und Insolvenz bis zur Kurberatung und zum Thema Inklusion.

„Wer noch nicht genau weiß, welcher der vielen Fachdienste am besten weiterhelfen kann, wendet sich gerne zunächst an die Allgemeine Sozialberatung“, erläutert Gudrun Blumenkemper vom Caritas-Centrum Kevelaer. Das Angebot der Caritas ist kostenlos und  vertraulich. Ernst Heien vom Caritas-Centrum Geldern erklärt: „Die Beratung kann unter Einhaltung strenger Hygienebedingungen weiterhin vor Ort erfolgen. Genauso sind wir aber auch telefonisch und online für Sie da.“ Mehr Infos gibt es unter www.caritas-geldern.de und www.caritas.de/onlineberatung.

Päckchen packen für den Konvoi

Annika und Paula Lohmann sind schon „alte Hasen“, was die Aktion „Kinder helfen Kindern“ angeht. Erneut haben die beiden sich engagiert, um auch in diesem Jahr zu Hause Pakete für Kinder in Osteuropa zusammenzustellen. Und so ist diesmal eine „Päckchen-Pyramide“ mit 55 Paketen entstanden.

„Wir haben im vergangenen Jahr zu St. Martin auf dem Schulhof heißen Kakao und Kinderpunsch verkauft“, erzählt ihre Mutter Martina Lohmann nicht ohne Stolz. „Und von dem kompletten Erlös habe ich mit Annika und Paula ganz viele schöne Dinge für diese Aktion gekauft und in Weihnachtspäckchen für den Konvoi verpackt.“

Die drei sind nicht die einzigen Aktiven aus der Ortschaft, die sich im Zuge der Aktion engagiert haben. So hat beispielsweise Steffi van Look vom Büchelskath mit ihren beiden Mädchen gemeinsam Nüsse und Eiskaffee in Dosen verkauft, um von diesem Erlös die unterschiedlichsten Dinge für das Projekt zu kaufen, erzählt Lohmann.

Damit unterstützen sie Uwe und Hendrik Görtz, die am Paßkath einen Monat lang die zusammengepackten (Schuh-)Kartons mit allen möglichen Spielsachen vom Würfelspiel über den Teddybär bis zu Mal- und Schreibutensilien, Hygieneartikeln oder auch Süßigkeiten gesammelt haben. Unter anderem beim K&K-Schuhcenter in Kevelaer konnte man sich dazu auch leere Kartons zum Verpacken besorgen.

Das Ehepaar Görtz zeigte sich am Abend erschöpft. Der Grund dafür war so schlicht wie einleuchtend: „Wir haben heute mit Familie und Schwiegereltern 150 Päckchen zusammengepackt von Spenden, die wir bekommen haben“, sagt Uwe Görtz. Sein Mann Hendrik sei außerdem bei der Ostereiaktion „Hände gibt es überall“ mit von der Partie.

„Davon haben wir Sachspenden bekommen, die wir schön einpacken konnten. Aber wir können heute keine Schleifen und Papier mehr sehen“, bekennt der 39-Jährige.
Wie das Paar auf „Kinder helfen Kindern“ und den „Weihnachtspäckchen-Konvoi“ gekommen ist? „Ich arbeite bei ‚tel-inform‘ in Kleve. Mein Chef ist Mitglied der Vereinigung ‚Round table‘, die das mittragen“, erzählt Uwe Görtz. „Er ist vor vier Jahren bei dem Päckchen-Konvoi mitgefahren und hat uns als Mitarbeiter dafür begeistert.“ Daraufhin gründeten die Görtzens die Winnekendonker Anlaufstelle und unterstützen seitdem Jahr für Jahr die Aktion, die es seit 2001 gibt und die Helfer zunächst nach Rumänien führte.

Mittlerweile werden auch Bulgarien, Moldawien und die Ukraine angesteuert. Neben Mitgliedern der Service-Clubs „Round Table“, „Ladies’ Circle“, „Old Tablers“ und „Tangent Club“ haben sich wie in Winnekendonk über die Jahre weitere Unterstützer gefunden.
Zu Beginn waren es gerade einmal 200 Kartons, die in Winnekendonk zusammenkamen. Im vergangenen Jahr waren es dann schon sage und schreibe 351 Pakete, die gepackt wurden.

Annika und Paula Lohmann wollen anderen Kindern zu Weihnachten eine Freude bereiten.

„Stand heute haben wir mit dem Kempener Gymnasium und den Spenden von Martina Lohmann 550 Schuhkartons.“ Ein paar Nachzügler kommen aber noch, sodass Görtz von gut 600 am Ende ausgeht. Am Samstag werden die Schuhkartons nach Goch transportiert. „Da werden die Pakete nochmal umgepackt in große Pakete.“ Diese werden anschließend von freiwilligen Helfern auf Lastwagen geladen und im Dezember als Weihnachtsgeschenk in Richtung Osteuropa gebracht.

Eines ist den beiden besonders wichtig: den Spendern und ihrem wichtigsten Sponsor in diesem Jahr zu danken. „Wir können das nur möglich machen durch den Gartenbaubetrieb Wilfried Gundlach aus Emmerich. Der übernimmt die zwei Euro Transportkosten pro Paket. Die sind gerade mal mit fünf Mann und haben auch mit Corona zu kämpfen. Das ist enorm – und für uns mehr als selbstverständlich, uns zu bedanken.“

Kevelaer hält zusammen

Erst in der Krise zeigt sich, ob man sich aufeinander verlassen kann. Angesichts der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie bieten viele Menschen an, dass sie für Kranke, Ältere und Alleinstehende einkaufen gehen und Besorgungen erledigen, wenn diese das Haus nicht mehr verlassen können oder wollen. Koordiniert wird diese private Unterstützung vor allem über die sozialen Netzwerke.

UPDATE: Melden Sie sich bitte hier www.kevelaer-aktiv.de. Auf dieser Seite versuchen wir vom KB die Hilfs-/Serviceangebot für eine solidarische Nachbarschaftshilfe in Kevelaer und Umgebung zentral zu sammeln sowie die Lieferservices aufzulisten. Dies ist ein kostenfreier Service.

Dort bietet auch Marie Noel Brehl ihre Hilfe an. So schreibt die Winnekendonkerin: „Falls hier irgendwer gelegentlich Hilfe beim Einkaufen oder Gassi gehen braucht während der Quarantäne, ich würde helfen.“

Sich nicht nur in die Ecke hocken und darauf warten, was da kommt, dazu haben sich Silke Rosenetzke und ihre beiden Mitstreiterinnen der Kervenheimer Initiative „Mitfahrbank“ entschlossen (das KB berichtete). „Wir haben diese Gruppe vor ein paar Monaten gegründet, mit dem Wunsch, Mitfahrbänke zu organisieren.“ Bisher habe sich da in der Hinsicht noch nicht viel getan. Aber daraus sei nun die Whatsapp-Gruppe „Kervenheimer – WIR helfen“ entstanden. Die drei Frauen bilden das Administrator-Team. „Durch diese Aktion ist ein Netzwerk entstanden aus uns und dem Heimatverein. Und da gibt es noch die Gruppe „WIR für Kervenheim“, die auch schon länger existiert und mit der wir uns auch aktiv vernetzen.“

Praktische und schnelle Hilfe

Über die facebook-Gruppe „Kervenheimer“ werden alle gebeten, sich zu melden. „Die bekommen dann einen Link für die jetzt aktive Gruppe „Kervenheimer – WIR helfen“, erklärt Silke Rosenetzke. Dazu gibt es im Ort an allen öffentlichen Plätzen (der Burg, am Sportplatz, im ehemaligen Dorfladen, bei der Bäckerei Kürvers) Aushänge mit den notwendigen Informationen. „Wir sammeln erstmal Leute, die helfen wollen“, sagt die engagierte Frau. Dabei gehe es aktuell darum, „praktische und schnelle Hilfe anzubieten, zum Beispiel für alle, die ohne Auto aufgeschmissen sind.“ Denn es fährt ja kein Bürgerbus mehr nach Kervenheim. „Es gibt im Dorf nicht nur viele Ältere, sondern auch einige ohne Auto. Und hier kommt man halt nicht mehr weg.“

Es gehe dabei nicht um „Freizeitgestaltung, sondern, wenn jemand einkaufen, zum Arzt oder zur Therapie muss. Dass die, die helfen wollen, dann auch dann fahren, das wird über diese Whatsapp-Gruppe alles gesteuert.“ Neben diesen Personen gehe es auch um die „Leute, die nach Möglichkeit nicht mehr selbst einkaufen sollten, die Alten, aber auch die gesundheitlich Vorbelasteten, die Immunschwachen, die unterstützen wir genauso.“ Die sollten ihnen sagen: „Wir brauchen dies und das. Dann fahren wir los, kaufen ein, holen Rezepte beim Arzt, Medikamente in der Apotheke…“

Rosenetzke und Co. haben natürlich auch alle im Blick, die schon betroffen sind: „Diejenigen, die in Quarantäne sind, weil es einen bestätigten Corona-Fall gibt. Diese Leute brauchen auch Hilfe, haben vielleicht ein Haustier zum Ausführen, da helfen wir.“ Für alle sei die Geschichte rund um Corona „eine ganz neue Situation“, sagt Rosenetzke. Da gelte einfach eins: „Wir müssen jetzt gemeinsam zusammenstehen und da gemeinsam durch.“ Praktische Hilfe bringe da eine ganze Menge. „Zusammen stehen und zusammen helfen.“ Denn dass das keine leichte Zeit wird, von der keiner weiß, wie lange sie dauern wird, ist mittlerweile allen bewusst.

Es gehe halt darum, die Älteren und vorbelasteten Menschen „ob mit Covid-19, mit Herzinfarkt oder was auch immer“ zu schützen. „Da sollte sich jeder dazu aufgerufen fühlen. Wir hoffen, dass sich da ganz viele anschließen, wir da viel Solidarität bekommen. Und dass sich viele auch über die ‘Kervenheimer’-Gruppe mit einem Anliegen melden.“

Positive Resonanz

Die erste Resonanz ist auf jeden Fall positiv und das nicht nur in Kervenheim. So meldet sich zum Beispiel Ralf Schröder: „Super Idee und nochmal lieben Dank an Michael Holtmann, der mir schon vor einigen Tagen solch ein Angebot gemacht hat, obwohl ich mittlerweile in Weeze wohne. Zum Glück bin ich versorgt, für viele Bürger gerade in Kervenheim ist das so wichtig. Toll.“

Eingestellt auf die neue Situation durch das Coronavirus haben sich inzwischen auch die ersten Geschäftsleute. So bietet das Restaurant „Zum Einhorn“ eine kontaktlose Lieferung nach Hause an. Mittags und abends „Freihaus-Essen“ bietet nun auch die Pizzeria Elio an. Der Börgermeister hat ebenfalls kurzfristig einen Lieferservice auf die Beine gestellt. Und auch die Winnekendonker Schnitzelschmiede bringt das Essen bis vor die Haustür. Dort wird es abgestellt und der Besteller kurz telefonisch kontaktiert.

Alexander Florié-Albrecht & Christian Schmithuysen 

Ein Jahr in Ecuador

Mitten in den Abiturprüfungen auf der Gaesdonck im letzten Jahr hat sich Rebecca Held für etwas ganz Besonderes entschieden: einen einjährigen Freiwilligendienst in Ecuador. In dem Kinder- und Jugendzentrum „SALEM“ in Mindu in den ecuadorianischen Anden kümmerte sie sich dann als frisch gebackene Abiturientin um benachteiligte und gefährdete Kinder und Jugendliche. Ein Jahr konnte sie so neben vielen praktischen Berufserfahrungen auch eine völlig andere Kultur kennenlernen und ihre Spanischkenntnisse ausbauen. Nun ist sie zurück in Kevelaer und zieht Bilanz über ein Jahr in der Fremde.
Auf das Projekt „SALEM“ wurde sie über ihre Entsendeorganisation „Welthaus Bielefeld“ aufmerksam. Fest stand für sie auf jeden Fall, dass sie in ein spanisch sprechendes südamerikanisches Land reisen möchte. Das Projekt hat sie sofort begeistert und im vergangenen August packte sie für ein Jahr ihre Koffer und kam erst diesen August zum ersten Mal wieder zurück in die Heimat, – natürlich um vieles bereichert und mit der Gewissheit: „Es war ein rundum erfüllendes Jahr! Ich würde sofort wieder eine solche Entscheidung treffen!“
Mitten im Bergnebelwald

Rebecca lebte ein Jahr in Mindo, einer kleineren Ortschaft, die auf 1200 m Höhe liegt und sich mitten im Bergnebelwald an der Westseite der ecuadorianischen Anden befindet. „SALEM“ bietet für rund 45 sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche eine vielseitige Nachmittagsbetreuung an. „Viele können schlecht lesen, schreiben oder sprechen“, hat sie erfahren. Mit den Prinzipien der Montessori-Pädagogik hilft „SALEM“ den Kindern, ihre Begabungen zu entdecken und die schulischen Leistungen zu verbessern. Des Weiteren hat jeder die Möglichkeit am Gitarren-, Klavier- oder Gesangsunterricht teilzunehmen oder sich im Nähatelier kreativ auszutoben.
In „SALEM“ spiele die Familienhilfe und psychologische Betreuung der Eltern eine ganz zentrale Rolle, da die Rechte der Kinder und Jugendlichen oftmals verletzt würden, etwa durch Vernachlässigung, Kinderarbeit oder innerfamiliäre Gewalt, erzählt die Helferin. Die Mitarbeiter könnten nicht alle Probleme lösen, aber sie möchten Hilfe zur Selbsthilfe geben. Die Erzieherinnen und Psychologen suchten mit den Eltern gemeinsam Lösungen für alle Konflikte und Probleme. Die Kinder könnten in „SALEM“ jeden Nachmittag ganz Kind sein, werden gefördert, können lernen, spielen und lachen.
Nach den ersten, auf beiden Seiten noch etwas schüchternen Annährungsversuchen hat Rebecca die Kinder und diese sie jedoch schnell in ihr Herz geschlossen. Gemeinsam sang und musizierte sie mit den Kindern. Ihre Ukulele hatte sie aus Deutschland mitgebracht und gab manchen von ihnen auch Klavierunterricht.
Oft viel Armut

Oft gebe es viel Armut im Land. „Es gibt dort kein Geld vom Staat, kein Kindergeld, kein Bafög für Studenten, keine Sozialhilfe und auch keine Rente. Oft müssen die Leute sechs oder sieben Tage die Woche arbeiten, um über die Runden zu kommen. Die Kinder müssen dabei öfters auch mithelfen, um die Familie zu unterstützen und etwa an der Straße Kokosnüsse verkaufen. Die Menschen müssen wirklich ihren Lebensunterhalt selbst erarbeiten, auch noch 80-jährige Rentner!“, berichtet Rebecca.
„SALEM“ organisiere jedes Jahr ein Ferienprogramm, um dafür zu sorgen, dass die Kinder und Jugendlichen in den Schulferien ihre Freizeit besser nutzen, indem sie an tollen Unternehmungen teilhaben und ein gutes Zusammenleben in einer Gemeinschaft erleben könnten.
Gemeinsam mit zwei anderen Freiwilligen aus Deutschland und Österreich half Rebecca ein Jahr mit und war bald eine voll eingearbeitete Kraft, die auch schon alleine Verantwortung übernehmen durfte. Rebecca konnte in ihrem Freiwilligendienst nicht nur im Projekt helfen, sondern hat nach eigenen Angaben auch sehr viel über die Menschen, das Leben und über sich selbst dazu gelernt und ist daran gewachsen. Und sie wisse nun auch: Vieles, was für sie selbstverständlich war, wie Kindergeld, Sozialhilfe, Rente oder fließendes warmes Wasser ganz neu zu schätzen.

Frauengemeinschaft übergibt 2500 Euro an Bosnienhilfe

Grund zur Freude hatte jetzt die Bosnienhilfe der Duisburger Caritas mit ihrem Begründer Heribert Hölz. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Ursula konnte er im Priesterhaus von der KFD St. Marien eine Spende in Höhe von 2500 Euro entgegennehmen.
Die KFD hatte das Geld über zahlreiche Veranstaltungen – darunter das Adventscafé und die Benefizveranstaltung am 13. Dezember mit dem Familienchor in der Clarissenkirche – und im Rahmen der monatlichen Versammlungen zusammengebracht.
Die Kevelaerer Frauengemeinschaft unterstützt seit rund zwei Jahrzehnten die Aktivitäten von Hölz, der seit 1992 die Menschen in vom Krieg erschütterten Land auf dem Balkan mit Projekten und Hilfslieferungen unterstützt. Aktuell plant das Ehepaar seine 90. Bosnienfahrt, die voraussichtlich im Frühjahr stattfinden wird.
Hölz bedankte sich für die Spende. Es sei großartig, dass es so viele Menschen in Kevelaer und insgesamt am Niederrhein gebe, die seine Bemühungen und die seiner Frau über die Jahre mit unterstützt haben.
Die Hilfe sei in dem von Armut und Zerstörung nach wie vor geprägten Land weiterhin dringend notwendig – und die Menschen seien für die Unterstützung sehr dankbar. „Die schlimmste Katastrofe ist das Vergessen“, sagte der 76-Jährige.

Ganz viel Hilfe aus Kevelaer

Vor dem kleinen Häuschen knubbeln sich die Menschen auf zwei langen Holzbänken. Sie warten, geduldig und ruhig. Es ist heiß, gerade hat es wieder geregnet, die Luft wird dampfig, jede Bewegung treibt kleine Schweißperlen auf die Stirn. Dr. Rüdiger Kerner steckt den Kopf aus der Türe – um sofort wieder zu verschwinden. Keine Pause – das „Wartezimmer“ wird einfach nicht leer. Zwölf Tage lang war der Chefarzt am Marienkrankenhaus mit seinem Team im Buschkrankenhaus der Aktion pro Humanität (APH) in Benin, Westafrika.

Insgesamt war ein 19-köpfiges Team aufgebrochen, ehrenamtlich wieder Dienst zu tun mitten im Busch – Mediziner, Pfleger, Techniker – knapp die Hälfte der Mannschaft kommt aus Kevelaer. Hildegard Kleinen und Silvia Kölbel sind wieder mit im Endoskopie-Team – ein schon eingespieltes Team, auch wenn die Bedingungen im Busch anders sind als in einem Krankenhaus hierzulande. Die Kevelaerer Dr. Elke Kleuren-Schryvers und Peter Tervooeren (APH) haben die Reise wieder vorbereitet – und ihnen fällt ein Stein vom Herzen: „Auch die Zahnarztpraxis läuft.“ Das haben alle gehofft – aber wie das so ist, in Afrika: Man muss gute Pläne auch erst einmal umsetzen können – irgendetwas kommt immer dazwischen.

Die Endoskopen haben nun also neue Nachbarn: Dr. Roland und Dr. Angelika Klein, Zahnarzt und Allgemeinmedizinerin aus, ja auch aus Kevelaer. Die beiden waren im vergangenen Jahr schon in Benin – jetzt hat der Zahnarzt ein kleines Häuschen zum Arbeiten bekommen – und Sohn Martin, zum ersten Mal an Bord, hat den alten Zahnarztstuhl tatsächlich zusammengebaut bekommen – in viele Einzelteile zerlegt war der per Schiffscontainer nach Benin transportiert worden. In der gerade eröffneten Kinderabteilung – einmal quer über das Krankenhausgelände – ist der Andrang auch groß, der Moerser Kinderarzt Hans Hermann Pieper hat zu tun. „Wir werden seit der Eröffnung vor nun knapp fünf Woche fast 600 kleine Patienten hier behandelt haben“, so Kleuren-Schryvers.

Derweil schaut Rüdiger Kerner, dass er all seine Patienten versorgt bekommt. „Unsere Tage sind voll“, sagt er. „Heute zum Beispiel: 7.30 Uhr Frühstück, 8.00 Uhr Visite im Hospital. Danach 13 Gastroskopien, zwei Koloskopien, Sonographien, Punktionen und zu guter Letzt mit unseren neuen, sehr netten Nachbarn eine gemeinsame Patientenbehandlung, sozusagen fachgebiet­übergreifend! Das hat uns allen sehr viel Spaß gemacht, uns aber auch gefordert.“ – Mit den neuen Nachbarn meint er Familie Klein. Die freuen sich, „dass der Stuhl funktioniert, auch wenn seine Anschlüsse eine afrikanische Lösung sind – sie sind außerhalb des Stuhles. Alles sieht proper aus und funktioniert gut, es macht richtig Spaß in ,unser Zweitpraxis‘ zu arbeiten.“ Das Einsatzfeld hat sich von Zähne ziehen um Füllungen, Zahnreinigung und kleinere chirurgische Eingriffe erweitert. „Das Zahnbewusstsein bei jungen Menschen ist da, denn es gibt auch Nachfrage nach Prothesen. Den Wunsch können wir allerdings noch nicht erfüllen.“

Und dann hat das Endoskopie-Team noch Verstärkung bekommen: Rosaline Tuinenborg, internistische Assistenzärztin am Kevelaerer Krankenhaus, ist auch zum ersten Mal in Benin und packt überall da an, wo Hilfe gebraucht wird. „Sie wollte unbedingt mit“, freut sich Rüdiger Kerner. „Um ihrem Bestreben Nachdruck zu verleihen, hat sie schon mal ihren holländischen Reisepass bei meiner Sekretärin da gelassen, damit wir sie ja nicht vergessen. Rosa verstärkt tatkräftig unsere Mannschaft. Und sie senkt mit ihren 27 Jahren deutlich den Altersdurchschnitt bei uns Beninfahrern.“

Nicht zuletzt ist da noch das OP-Team mit Chirurgen, Anästhesisten, Intensiv-, OP- und Pflegepersonal – aus Xanten, Wesel, Geldern, Maastricht. Vier neue Hüften sind u.a. eingesetzt worden. „Dieser OP-Container ist ein Segen für die Menschen hier“, so Dr. Johannes Kohler, langjähriger Chefarzt am Xantener Krankenhaus und nun, im Ruhestand, Chirurg im OP-Container und „Chef de Mission“ in Benin.

++ Live aus Benin +++ Live aus Benin ++

Per Whatsapp haben wir mit den Kevelaerern in Westafrika in Kontakt gestanden – und ein paar der Nachrichten, die am späten Abend aus dem afrikanischen Busch an den Niederrhein geschickt wurden, haben wir hier zusammengestellt.

„Die Lebens- und Überlebensschicksale, das Erkranken ohne eine Perspektive haben zu können, das Sterben – alles ein ewiger natürlicher Zyklus hier. Ein Gesetz, gegen das man sich kaum aufbäumt. Bei uns in Europa ist das eher eine Frage von Machbarkeit, eine Frage des who is who, eine Frage des Versicherungsstatus.“
„Die wahrzunehmende Wiederzunahme an Aidserkrankungen und Aidswaisen bedrückt. Aber es gibt auch die Freude und tief empfundene Dankbarkeit dafür, dass wir auch viele Menschen – im Wortsinne – wieder zurück ins Leben holen dürfen.“
Dr. Elke Kleuren-Schryvers

„Wir haben Verstärkung bekommen. Modeste ist Krankenpfleger, hoch motiviert und interessiert an der Zahnheilkunde und er spicht englisch! Ein Schatz, da wir kaum ein französisches Wort sprechen, wie auch viele unserer Patienten, und Modeste kann übersetzen.“
Dr. Roland Klein

„Tief berührend ist die Patientenzahl im Projekt. So viele Patienten habe ich den sieben Jahren, die ich jetzt hier sein darf, noch nicht gesehen. In mir ist die Freude groß und ich bin glücklich dabei. Aber wie vor drei Jahren bei der Installation des OP-Containers ist da auch ein mulmiges Gefühl ob der Verantwortung gegenüber so vielen Menschen, die ihr Vertrauen und ihre Hoffnung in uns und das Centre Medical in Gohomey setzen. Ohne Gottvertrauen geht hier gar nichts und du würdest auch verrückt ob der vielen Dinge, die zu tun sind.“
Peter Tervooren

„Und so sind alle aus unserem Team, die fit genug waren, zum Blutspenden gegangen für die Menschen hier – Blut ist hier genauso knapp wie bei uns. Aber das Blut wird hier nicht wie bei uns für große OPs in Massen gebraucht, sondern meistens für Kleinkinder, die an Blutarmut leiden aufgrund von Malaria und Mangelerscheinungen.“
Silvia Kölbel

„Wir waren heute im Nachbardorf und haben Monsieur Amou besucht, der vor einiger Zeit einen Schlaganfall erlitten hatte. Wir waren schon 2016 bei ihm – ihn in der Hütte zu sehen war seinerzeit eines der prägendsten Erlebnisse der Reise. Es hat uns schlagartig deutlich gemacht, unter welchen Umständen die Menschen hier leben und was es bedeutet, krank zu werden – oft nämlich den Tod. Monsieur Amou ist nur deswegen noch am Leben, weil er als ehemaliger APH-Mitarbeiter weiter Gehalt bekommt – und Medikamente. […] Macht weiter, es ist so wichtig!“
Steffi Neu

 

Nachhaltige Zukunft für afrikanische Kinder

Erst vor einigen Tagen hat Leonie Aben Post von der Universität Wuppertal bekommen. Eine gute Nachricht gab es, ihr Master-Studium in Sachen Grundschullehramt hat die 24-jährige Kevelaererin nun erfolgreich abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Leonie aber schon nicht mehr in Deutschland: Nach Abgabe ihrer Masterarbeit ist sie nämlich für insgesamt drei Monate nach Afrika gereist, um zunächst als Volunteer für die humanitäre Organisation help2kids zu arbeiten, ehe noch eine Reise bis nach Kapstadt in Südafrika ansteht.

Zunächst ging es für die angehende Lehrerin nach Tansania, in die Stadt Daressalam. help2kids, das seinen Sitz in der Schweiz hat, unterhält dort unter anderem ein Kinderheim, eine Grundschule mit über 400 Schülern, einen Kindergarten, Sportprogramme, ein Gesundheitsprojekt sowie der sogenannte English Corner, in der beispielsweise lokale Fischer ihre Englisch-Kenntnisse und so zeitgleich ihre Situation auf dem Arbeitsmarkt verbessern können.

Leonie, die nun schon seit rund einem Monat in Afrika weilt, wird als Volunteer in verschiedenen Projekten eingesetzt. „Vormittags bin ich immer in der Grundschule vor Ort, um eine der Lehrerinnen im Unterricht zu unterstützen“, erklärt die 24-Jährige. Rund 60 Kinder zwischen sieben und acht Jahren besuchen dabei auf teilweise engstem Raum die Klasse, Leonie korrigiert Aufgaben und unterstützt trotz der sprachlichen Barriere beim Lösen von Aufgaben. Auch in den Pausen ist sie im Einsatz, um Zeit mit den Kindern zu verbringen. Am Nachmittag geht es dann rüber ins Kinderheim, in dem derzeit 31 Kinder im Alter zwischen drei und 19 Jahren wohnen. „Hier spielen wir mit den Kids, tanzen, singen Karaoke oder gehen mit ihnen spazieren“, sagt Leonie. „Ihr Englisch ist schon sehr gut und die Kinder fassen so schnell Vertrauen. Ich wurde bisher jeden Tag mit einem großen Lächeln und einer Umarmung empfangen.“

Doch die Lebensbedingungen für die Kinder, die in den unterschiedlichen Institutionen von help2kids ihre Zeit verbringen und versuchen, in Sachen Bildung bestmöglich voranzukommen, sind in keiner Weise vergleichbar mit den Bedingungen in Deutschland. „Viele Schüler haben Löcher in den Uniformen, tragen kaputte Rucksäcke und haben wirklich nur das Nötigste, um im Unterricht mitschreiben und -arbeiten zu können. Viele Kinder laufen täglich über eine Stunde zur Schule, auf dem Schulhof wird nicht mit einem Ball, sondern mit einer mit Sand gefüllten Flasche gekickt“, schildert Leonie ihre Eindrücke aus Daressalam. Nur sieben Lehrer kümmern sich außerdem in der Grundschule derzeit um rund 400 Schülerinnen und Schüler.

Am 24. Oktober, also rund einen Monat nach ihrem Abflug aus Deutschland, ging es für Leonie weiter nach Lifuwu in Malawi, wo ein weiterer einmonatiger Volunteer-Einsatz für help2kids ansteht. Auch in Lifuwu, einem kleinen Fischerdorf direkt am schönen Lake Malawi, dem drittgrößten See in Afrika, ist sie auf Kinder gestoßen, die mit einem äußerst geringen Lebensstandard aufgewachsen sind und für die Hilfe jeglicher Art notwendig ist. Hier hat sie bisher schon einige neue Aufgaben übernommen: Für die Achtklässler wurde ein Computerkurs angeboten, wobei die absoluten Basics wie das Starten des Laptops oder das Öffnen von Ordnern beigebracht wurden. Auch bei der Umsetzung von medizinischer Hilfe in den umliegenden Dörfern von Lifuwu hat Leonie mitgeholfen, für die Kinder vor Ort gibt es ein Angebot, bei dem auf spielerische Art und Weise Themen aufgearbeitet werden, die die Kinder interessieren.

Die Projekte die von help2kids in Malawi und Tansania betrieben werden, sind ständig auf Spenden angewiesen. „In Daressalam wird derzeit ein neues Kinderheim gebaut, da das alte zu klein wurde und völlig veraltet ist. Außerdem soll endlich eine weitere Lehrkraft eingesetzt werden, damit mehr Personal für die vielen Schüler sorgen kann. Hier kann jeder Euro weiterhelfen“, weiß Leonie. Das gemeinsame Ziel der Non-Profit-Organisation help2kids lautet dabei, den Kindern eine nachhaltige und gesicherte Zukunft zu ermöglichen.

Wer gerne für help2kids und die Kinderheime, Grundschulen, Gesundheitsprojekte und Kindergärten in Malawi und Tansania spenden möchte, kann dies über das folgende Spendenkonto tun:

Bank: Volksbank Westliche Saar plus

IBAN: DE47591902003902400000

SWIFT/BIC: GENODE51SLS

Clearing number: 5919020

Die Spenden kommen zu 100 Prozent der Non-Profit-Organisation help2kids zugute. Sie erhalten ab der Höhe von 50 Euro eine Spendenbestätigung für das Finanzamt.

Mehr Informationen über help2kids, die Projekteund  Voluntäreinsatz in Afrika finden Sie unter: www.help2kids.org

Feuerwehr rettet Pony aus Schlammloch

Am Donnerstagnachmittag (11.10.2018) wurde der Löschzug Winnekendonk der freiwilligen Feuerwehr Kevelaer gegen 14:45 zu einem Tierrettungseinsatz zum Steensweg gerufen. Vor Ort steckte ein zuvor von einem Reiterhof entflohenes Pony bis zum Hals in einem Schlammloch fest. Das Tier konnte sich aus eigener Kraft nihct mehr als dem Loch befreien. Mit Hilfe von Schläuchen und Gurten konnten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr das Tier nach kurzer Zeit gemeinsam aus dem Loch retten. Das Pony kam mit dem Schrecken davon.

Einsatz für soziale Belange

Am Dienstag fand im Raum des Seniorenbeirates der Wallfahrtsstadt Kevelaer die 25. öffentliche Sitzung des Seniorenbeirates statt. Neben den Tagesordnungspunkten, in denen administrative Vorgänge besprochen wurden (u.a. Rückblick Stadtfest, Besetzung Arbeitskreise, Vorbereitung Gesundheitsmesse am 18.11.2018 und neue Richtlinien des Seniorenbeirats) standen soziale Fragen im Mittelpunkt.
Arme Menschen
Dass in Kevelaer auch arme Menschen oder viele Menschen leben, die von Armut bedroht sind, muss aus Sicht des Seniorenbeirates thematisiert werden und darf nicht mit dem Mantel des Schweigens verdeckt werden. Alleine bei der Kevelaerer Tafel sind etwa 60 ältere Menschen (Dunkelziffer ist laut Hanni Hentemann, 2. Vorsitzende der Tafel, wahrscheinlich deutlich höher) auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Der Seniorenbeirat befürwortet die Erhebung einer Armutsstatistik, sieht jedoch auch die Schwierigkeit, die durch die Auflagen des Datenschutzes bestehen, dass keine konkreten Angaben zu bekommen sind. Ulrich Hünerbein-Ahlers schlägt eine „Kultur-Tafel“ vor, wie es sie in einigen Städten bereits gibt.
Karl Bay und Hans-Werner Ellerbrok hatten einen „Handwerkerpool“ vorgeschlagen, der ehrenamtlich kleinere Reperaturen, Ausbesserungen oder Hilfestellungen für ältere Menschen leisten könnte. Da dies mit vielen rechtlichen Problemen (Haftung, Versicherung) verbunden ist, soll in Mettmann, wo es eine solche Hilfe gibt, nachgefragt und versucht werden, einen Vertreter von dort zur Berichterstattung nach Kevelaer einzuladen. Auch bei der Stadt wird in ähnlicher Weise über eine solche Hilfestellung nachgedacht.
In Geldern am Krankenhaus sollen neue Stellplätze gebaut werden, um die bisherige Parkraumnot zu entschärfen. Nach Abschluss der Baumaßnahme sollen dann jedoch die Parkplätze am Krankenhaus gebührenpflichtig werden.
Gebühren in Geldern
Auch viele Kevelaerer müssen bei Untersuchungen oder bei Besuchen von Angehörigen dann bezahlen, was bei häufigen Anfahrten mit dem Auto für Menschen mit geringem Einkommen schnell zu einem Problem werden könnte. Der Seniorenbeirat der Stadt Geldern hat sich im Vorfeld zu Wort gemeldet und gegenüber dem Bürgermeister eine soziale Lösung angemahnt. Der Seniorenbeirat der Wallfahrtsstadt Kevelaer unterstützt dieses Anliegen und wird dies in einem Schreiben darlegen.
Die nächsten Sprechstunden des Seniorenbeirates sind am 8.10. (André Marchi und Karl Bay), 12.11. (Ursula Herrmann und Helga Neuhaus) jeweils um 10.00 – 11.30 im Raum hinter der Öffentlichen Begegnungsstätte.

Eine Kinderklinik für Gohomey

Nicht nur die Pfarrei St. Marien, auch viele Kevelaerer darüber hinaus unterstützen seit vielen Jahren die von der Kevelaerer Ärztin Dr. Elke Kleuren-Schryvers gegründete „Aktion Pro Humanität“. Im KB-Interview spricht die Gründerin über zwei Jahrzehnte Entwicklungshilfe und die Pläne für die zweite Hälfte 2018.

KB: Seit mehr als zwei Jahrzehnten engagieren Sie sich mit Ihrer Hilfsorganisation APH (Aktion pro Humanität) in Westafrika. Es konnte eine Krankenstation gebaut werden, vor vier Jahren wurde sogar ein Operationscontainer im Busch installiert – alles mit Hilfe von Spenden. Im November wird eine Kinderstation eröffnet. Werden Sie eigentlich nie müde?
Elke Kleuren-Schravers: Nein, in Anbetracht der Situationen, die die Menschen in diesen beiden Ländern vorgeben, ihre Lebensbedingungen, ihre Perspektiven, kann man gar nicht müde werden. Und wenn nahezu 70 Millionen Menschen auf der Flucht sind, können wir nicht die Beine hochlegen auf unserer Insel der Seligen. In Zeiten, in denen die Angst vor dem und den Fremden so geschürt wird, statt sie zu lindern, muss man agieren. Sich klar und unzweifelhaft für Mitmenschlichkeit und Solidarität aussprechen.

20 Jahre sind eine lange Zeit.
Das Krankenhaus der Aktion pro Humanität in Benin konnten wir 1995 eröffnen. Begonnen hat es mit wirklicher medizinischer Basisversorgung der Menschen. Wir hatten anfangs nicht viel zur Verfügung – einige Medikamente, ein paar Stethoskope und Blutdruckmesser, ein Mikroskop, einige Hals-Nasen-Ohren-Lampen und Mundspatel, ein bisschen Naht- und Verbandsmaterial, einige Infusionssets.

Das klingt abenteuerlich.
Das war es auch. Eine lokale Anästhesie vor einer Wundversorgung etwa kannte niemand. Die Menschen umarmten uns mit Tränen in den Augen, weil sie gar nichts spürten, wenn wir eine Kopfplatzwunde oder eine Macheten-Schnittwunde von der Feldarbeit versorgten. Und die Aidspatienten verstanden gar nicht, dass wir mit ihnen bei den Behörden streiten wollten, damit es endlich Aidsmedikamente im Land geben konnte. Heute ist unser Hospital in Gohomey, nah an der Grenze zu Togo, ein spezialisiertes Zentrum – das zweitgrößte im Land -für die Diagnostik und Therapie von HIV/Aids.

Wie muss man sich das Leben im westafrikanischen Busch im Jahr 2018 vorstellen?
Nun, ehrlich, in vielen Bereich wie vor 150 Jahren. In den Großstädten werden Infrastruktur-Fortschritte sichtbar. In den ländlichen Gegenden ist die Zeit aber noch stehen geblieben – viele Menschen leben nach wie vor in einfachen Behausungen, ohne Wasser und Strom, zu allermeist in bitterer Armut.

Wie finanziert sich das Krankenhaus?
Aus den vielen kleinen „Kostenbeteiligungen“ der Patienten für ihre Behandlungen. Diese liegen unter denen der staatlichen Krankenhäuser. Und dann sind es die Spendengelder vom Niederrhein. Wir können gar nicht laut genug Danke sagen. Und trotzdem bedeutet auch heute ein krankes Familienmitglied, das zur Behandlung im Krankenhaus ist, oft eine Mahlzeit weniger am Tag für den Rest der Familie.

2015 haben Sie in Benin Geschichte geschrieben.
Ein Jahr, das in die Geschichte des Projektes und der Gesundheitsversorgung der Menschen in dieser Region eingehen wird. Durch einen privaten Spender konnten zeitgleich eine digitale Röntgenanlage und ein Operationscontainer angeschafft werden. Somit wurde auch die operative Behandlung, insbesondere auch Kaiserschnittentbindungen möglich.
142 Geburten gab es im Mai dieses Jahres. 40 davon waren Kaiserschnitt-Entbindungen. Insgesamt gibt es monatlich ca. 60 Operationen in dem OP-Container. Pro Jahr werden aktuell sicher 25.000 bis 30.000 Menschen bis in die Nachbarländer hinein (Togo und Nigeria) versorgt. Das Krankenhaus pulsiert …

Gibt es ein Erlebnis, ein Schicksal, das Sie besonders in Erinnerung behalten haben?
Es gibt viele, tief bewegende Erinnerungen an einzelne Menschen und ihre Dankbarkeit über die möglich gewordene Hilfe – inzwischen sogar im ganzen Land. Eine besondere Erfahrung jedoch ist die Entwicklung des Projektes zum zweitgrößten Arbeitgeber in der Region. 85 beninische Mitarbeiter und ihre Familien stehen in Lohn und Brot der Aktion pro Humanität. Das ist die eine großartige Entwicklung. Das ist konkrete Lebensperspektive für die Menschen in ihrer Heimat.

Macht es Sie zornig, dass sich in all den Jahren am Alltag vieler Menschen in Benin nicht viel geändert zu haben scheint?
Nein, ich bin nicht zornig. Eher pragmatisch. Die Lebenssituation der Menschen in der Region Mono/Couffo hat sich schon deutlich verändert – durchaus zum Besseren. Durch das Krankenhaus sind Strom und Wasser in die Region gekommen, Schulen, die medizinische Versorgung ist adäquat bis fortschrittlich. Ebenso ist die medizinische Versorgung entschieden besser als in anderen Regionen. Und wir spüren sehr viel und wachsendes Vertrauen der Menschen in einer Region, die überwiegend noch vom Glauben an Götter, Geister und Ahnen dominiert wird.

Im November werden Sie erneut mit Medizinern aus Wesel, Emmerich, Xanten, Geldern, Kevelaer, Moers nach Gohomey aufbrechen und einen neuen Krankenhausbereich eröffnen.
Ja, wir werden eine pädiatrische Fachabteilung mit Neonatologie eröffnen. Kleinm aber ein wirklicher Segen. Damit ist ein weiterer Schwerpunkt gesetzt als Mutter-Kind-Behandlungszentrum. Eine kleine Zahnarztpraxis ist auf dem Krankenhausgelände ebenfalls in Bau. Wirtschaftlich betrachtet schafft unser Zentrum inzwischen ein Autofinancement von ca. 84 Prozent für die entscheidenden Kostenblöcke: Löhne der beninischen Mitarbeiter, Medikamente sowie medizinische Verbrauchsmaterialien. Das gilt als sehr herausragend im Land.

Das Interview führte Heike Waldor-Schäfer