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Christian Möllerke hat sich mit seinem Unternehmen „Steelbuddy“ in Kevelaer selbstständig gemacht

Mit Mut zur eigenen Firma

Noch hat Christian Möllerke seine eigene Garage zur Werkstatt umfunktioniert. Auf ewig soll das allerdings nicht so bleiben. Denn sein Unternehmen „Steelbuddy“, das der Kevelaerer derzeit nebenberuflich führt, soll in Zukunft noch wachsen.

Das Gocher Familienunternehmen Reffeling hat auf der Weezer Straße eine Filiale eröffnet

Ein neuer Bäcker

Ein freundliches „Was darf´s sein“ begrüßte jeden der Kund*innen der neuen Reffeling-Filliale, die am Freitag an der Weezer Straße einen Steinwurf entfernt von ALDI neu eröffnet und bereits am Premierentag gut besucht war.

Sitzen, stehen, in Bewegung bleiben

In vielen Berufen – insbesondere bei Bürotätigkeiten – muss die Arbeit nicht zwingend vor Ort in der Firma erledigt werden. An dieser Stelle nutzen Arbeitnehmer*innen häufig die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Die Entwicklungen in den Bereichen Homeoffice und mobiles Arbeiten haben sich im Laufe der Corona-Pandemie enorm beschleunigt. Dieser Trend wird sich vermutlich fortsetzen, denn viele Firmen überlegen bereits jetzt, wie sie die Arbeit verlagern und Bürokapazitäten abbauen können. Um aber auch in den eigenen vier Wänden effektiv arbeiten zu können, sollte der Arbeitsplatz entsprechend eingerichtet sein. Auch die Tischler*innen im Kreis Kleve beschäftigen sich mit entsprechenden Wünschen fürs Homeoffice.

„Den Küchentisch oder das Sofa als Arbeitsbereich zu nutzen, kann als Notlösung kurzfristig funktionieren. Auf Dauer sollte man aber auf Ergonomie achten und den Arbeitsplatz so anlegen, dass man ungestört tätig sein kann“, betont Heinz-Josef van Aaken, Obermeister der Tischler-Innung des Kreises Kleve. Ein ruhiger Bereich ist beispielsweise vor allem für diejenigen wichtig, die regelmäßig an Videokonferenzen teilnehmen.

Mit der richtigen Planung müsse man beim Arbeiten daheim auf keine Annehmlichkeiten verzichten. Im Gegenteil: Ein individuell eingerichteter Arbeitsplatz lässt sich auf die persönlichen Bedürfnisse und Anforderungen zuschneiden – von der geschickten Integration der Technik bis hin zu Ablageflächen und Stauraum für Unterlagen.

Ergonomie spielt dabei eine zentrale Rolle. „Früher galt, dass aufrechtes Sitzen am besten für den Rücken sei. Das ist mittlerweile überholt“, betont Richard Thielen, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Kleve. „Wer seinen Rücken schonen möchte, sollte sich regelmäßig bewegen.“ Als Faustregel gelte: Besonders günstig für den Rücken ist ein regelmäßiger Wechsel zwischen Sitzen (60 Prozent), Stehen (30 Prozent) und Bewegung (10 Prozent). „Ideal ist es daher, einen zusätzlichen Steharbeitsplatz einzurichten“, sagt der Obermeister. „Das geht beispielsweise mit einem stufenlos höhenverstellbaren Arbeitstisch, einem Aufsatzmodul für die Arbeitsplatte oder einem Stehpult.“

Schränke auf Rollen

Wichtig ist ein großzügiger Stauraum, um Platzreserven für Unterlagen und Utensilien zu haben. „Besonders auf kleinem Raum sind Schränke auf Rollen praktisch“, erklärt Heinz-Josef van Aaken. „Während der Arbeit sind sie als Raumteiler oder als zusätzliche Ablagefläche nutzbar. Nach Gebrauch können sie – je nach Höhe – raumsparend unter den Schreibtisch oder in eine Ecke des Raumes geschoben werden.“ Unsichtbare Kabelkanäle im Tisch verhindern zudem ein Kabelgewirr. Der Bildschirm und Ablagen lassen sich in einem ausfahrbaren Regal unterbringen.

Bei der Planung des Arbeitsplatzes spielen zudem die Akustik und die Beleuchtung eine wichtige Rolle. Mit speziellen, schallabsorbierenden Elementen lassen sich ruhige Ecken schaffen. In Sachen Licht, so der Obermeister, komme es vor allem darauf an, dass der Arbeitsbereich gut beleuchtet ist, sich aber gleichzeitig sowohl Tages- als auch künstliches Licht nicht in Bildschirmen spiegelt. 

Eine neue Tür hat sich geöffnet

Die Voraussetzungen für eine Unternehmensgründung könnten wahrlich besser sein. Neben einer wirtschaftlichen Unsicherheit bringt die Corona-Pandemie häufig auch eine erschwerte Kommunikation mit diversen Ämtern mit sich. Und eine Frage musste Jörg Ophey sich zusätzlich stellen: Nehmen die Leute in dieser für viele finanziell unsicheren Zeit tatsächlich Geld in die Hand, um Schönheitsreparaturen an ihren Autos vornehmen zu lassen? Als Autolackierer ist das Teil seines Geschäfts. Trotz aller Widrigkeiten entschied sich der Kevelaerer Mitte vergangenen Jahres für die Selbstständigkeit. Am Gewerbering 9a in Kevelaer betreibt er nun seit dem 4. Januar seine eigene Autolackiererei.

„Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere“ – diese Floskel beschreibt wohl ganz gut, vor welcher Situation Jörg Ophey im vergangenen Jahr stand. Nachdem er acht Jahre lang als Lackierermeister in einem Autohaus gearbeitet hatte, stand für ihn eine berufliche Neuorientierung an. Dass genau zu diesem Zeitpunkt eine Werkstatt im Kevelaerer Gewerbegebiet leer stand, war Zufall. Nach einigen Gesprächen mit seiner Frau Birgit Ophey, die sich in der Firma mit um Büroangelegenheiten kümmern wird, mit Familie und Freunden stand dann recht schnell fest: Ophey wollte den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Die Entscheidung beeinflusst hatten unter anderem zwei Faktoren: Zum einen handelt es sich bei der Werkstatt um ein Mietobjekt, zum anderen war bereits eine Lackierkabine installiert. Dadurch sei das Risiko überschaubar gewesen, sind sich Jörg und Birgit Ophey einig. Eine große Schwierigkeit, vor der die beiden schließlich standen, war die Kommunikation mit diversen Ämtern. Durch die Corona-Pandemie werde dort der Großteil online geregelt, das habe unheimlich viel Zeit in Anspruch genommen. Währenddessen standen außerdem die Überprüfung der Lackieranlage, Renovierungsarbeiten und die Beschaffung des Equipments auf dem Plan – alles gestemmt mit tatkräftiger Unterstützung durch Opheys Söhne.

Die Leidenschaft war schon früh geweckt

Pünktlich zum neuen Jahr steht Jörg Ophey, der seine Ausbildung zum Lackierer bei „Lücke“ in Weeze absolvierte und 1992 seinen Meister erhielt, nun für seine Kunden bereit. Mit zum Team gehört der Geselle Marcell Bonten. Leicht sei die Personalsuche in dem Bereich nicht, sagt Ophey. „Es gibt relativ wenig Fahrzeuglackierer.“ Ihn selbst habe dieser handwerkliche Nischenbereich von Beginn an begeistert. Vor allem das schnell sichtbare Ergebnis der eigenen Arbeit sporne einen dabei an. „Das, was Du heute anfängst, ist in der Regel spätestens in zwei Tagen fertig“, sagt der 52-jährige gebürtige Kevelaerer. 

Durch seine Arbeit habe er mit den Jahren einen ganz eigenen Blick entwickelt, mit dem er Autos betrachtet. Das merke er unter anderem an den Autos seiner beiden Söhne, verrät Ophey augenzwinkernd: „Der eine nutzt sein Auto, der andere mag sein Auto.“ Dass auch heute noch viele Menschen Wert darauf legen, die Spuren des Parkremplers oder die einer fremden Autotür beseitigen zu lassen, davon ist der Unternehmer überzeugt. Derartige kleine Schönheitsreparaturen gehören allerdings nicht allein zu seinem Arbeitsbereich. Auch größere Schadensreparaturen nach Unfällen und das Lackieren von Industrieteilen stehen auf dem Plan.

Dass es günstigere Zeitpunkte einer Unternehmensgründung gibt als inmitten einer Pandemie, dessen sind sich Birgit und Jörg Ophey bewusst. Die Möglichkeit allerdings hat sich ihnen eben genau in dieser Zeit geboten. Und die Kevelaerer haben sie ergriffen. Durch das jahrzehntelange Verkehren in der Branche und den Kontakt zu den Bürger*innen der Heimatstadt dürfte eine gute Grundlage vorhanden sein, sagt Birgit Ophey, die trotz der Krisenzeit positiv auf den Firmenstart blickt. „Wir hoffen, dass alles gut anlaufen wird“, pflichtet ihr Mann bei. 

Die Vorweihnachtszeit künstlerisch eingeläutet

Schon vor der Eingangstür des „Kävelse Lüj“ verbreitete Hausherrin Silvia Molderings vorweihnachtlich-duftendes Flair. „Das sind die weltbesten Poffertjes“, sagte sie, während sie die Leckereien in der Hitze des Öls wendete und an den vereinzelt vorbeikommenden Passanten weitergab. Anschließend trug sie die Teigbällchen in das Lokal zum weiteren Verkauf. Dort genoss ihr Mann Thomas Molderings die Mischung aus Lichtern, entspannter Gitarrenmusik des 17-jährigen Simeon und dem Austausch der Kunsthandwerker mit den eintretenden, mit Mund-Nasen-Schutz ausgestatteten Gästen, die neugierig auf die ausgestellten Exponate waren. „Wir hatten Lust, sind selber in Aktion getreten“, unterstrich Molderings, wie wichtig es ist, auch als Gastronom in diesen Zeiten den Kopf nicht in den Sand zu stecken.

„Die Leute sind nicht unbedingt im Kaufrausch“, freute er sich aber über jeden, der sich die Keramikskulpturen von Marloes Lammerts, die Holzarbeiten und Lichtgläser von Stephanie Hiep, die Filzarbeiten von Monika Derrix und die diversen Glückswächter und Figuren von Nicole Hieckmann anschauten und die eine oder andere Kleinigkeit als Advents- oder Weihnachtspräsent mitnahmen.

Bis zuletzt für den Advents- und Krippenmarkt gekämpft

Unter den Besuchern war auch Gottfried Mülders, einer der Marktleiter des Advents- und Krippenmarkts, mit seiner Frau. „Wenn meine Tochter hier ausstellt, die auch sonst auf dem Krippenmarkt ist, muss ich ja mal reingucken“, sah er das Ganze schon mit einem weinenden Auge. „Wir haben dafür bis zum letzten Atemzug gekämpft und schweren Herzens abgesagt. Heute wäre es losgegangen.“ Er begrüßte die Idee, jetzt dafür Lokale und leerstehende Räume zu nutzen. Die 43-jährige Tanja war seiner Meinung. „Schön, dass überhaupt was gemacht wird“, plauderte sie in Abwesenheit von Nicole Hieckmann mit deren Mann Michael.

Ähnlich sah es auch die Weezerin Susanne Fritsche, die die übergroßen Brunnen- und Gartenelemente von Christin Tebartz im „Hotel zum Goldenen und Silbernen Schlüssel bewunderte. „So kommt Weihnachtsfeeling auf – das belebt die Stadt und macht Spaß“, war ihr persönlicher Eindruck. Auch Tebartz freute sich über die Gelegenheit, ihre Werke auszustellen. „Super, dass wir das dürfen.“ Das sei wenigstens ein kleiner Trost zu den vielen Messen, auf denen sie sonst auftreten. „Da müssen wir halt durch.“

Gleiches galt im „Goldenen Apfel“, wo Inhaberin Jutta Pesch-Braun ihren „Glühwein to go“ vom Fenster aus an die Menschen brachte und Rita Skodeks Schmuckdesign für anregende Entdeckungen und Gespräche sorgte.

Traditionsunternehmen im Wandel

Dass die Digitalisierung in den vergangenen Jahren bei immer mehr Unternehmen Einzug erhalten hat, dürfte hinlänglich bekannt sein. Vor allem in Büroangelegenheiten wollen Firmen damit Prozesse erleichtern. Jan van Meegern vom Kevelaerer Betrieb „van Meegern Bedachungen“ hat mit uns darüber gesprochen, warum Digitalisierungsprozesse auch in einem Handwerksunternehmen von Bedeutung sind und wie sich sein Familienbetrieb dadurch in den vergangenen Jahren gewandelt hat.

Seit 1954 gibt es den Dachdeckerbetrieb van Meegern in der Wallfahrtsstadt – gegründet durch Johann van Meegern, bis heute weitergeführt von Willi van Meegern. Mit Jan van Meegern ist vor einigen Jahren die dritte Generation in den Familienbetrieb eingestiegen. Er begann vor drei Jahren, die firmeninternen Prozesse zu digitalisieren – unter anderem die Arbeitszeiterfassung, Kostenerfassung und die allgemeine Analyse der anstehenden Baustellen. Man könne so Arbeitsabläufe erleichtern und transparenter gestalten. Vor allem sei die Arbeit für die Mitarbeiter im Büro bedienerfreundlicher geworden. „Planung und Ablauf zu digitalisieren, ist die Zukunft im Baugewerbe“, ist van Meegern überzeugt.

Welche Veränderungen machen Sinn?

Um die theoretischen und praktischen Abläufe miteinander verbinden zu können, hat das Unternehmen im August diesen Jahres Martin Ophey als technischen Leiter eingestellt. Der Dachdeckermeister aus Kevelaer, der über das technische Fachwissen verfügt, ist deshalb so wertvoll für Jan van Meegern, da er auch das praktische Know-How über den Dachdeckerberuf besitzt, um das Geschehen auf den Baustellen zu betreuen. „Er ist für mich sozusagen die eierlegende Wollmilchsau“, lacht van Meegern, der dankbar ist, den 33-Jährigen als Fachkraft an seiner Seite zu haben. Ophey beurteilt bei seiner Arbeit unter anderem, welche Prozessoptimierungen überhaupt sinnvoll sind. Man müsse sich bei allen Veränderungen die Frage stellen: „Was macht einem den Berufsalltag leichter und was erschwert ihn eher?“

Dass all diese Prozesse und Neuerungen keinen positiven Effekt bringen, wenn die Mitarbeiter nicht mitziehen, da sind sich die beiden einig. Die Mitarbeiter müssen einbezogen werden und hier bietet sich die Chance, der jüngeren Generation mehr Verantwortung zu übertragen. Junge Mitarbeiter können als Bindeglied eingesetzt werden und weitere Aufgaben übernehmen. Wenn Abläufe geändert werden, sei das oftmals für die langjährigen Mitarbeiter eine große Umstellung, sagt van Meegern, der den Familienbetrieb zum Ende diesen Jahres übernehmen wird. Für die Zukunft sieht er die Digitalisierung nicht nur als Chance, den Arbeitsalltag zu erleichtern, sondern auch als Möglichkeit, das Handwerk wieder attraktiver für junge Nachwuchskräfte zu machen.

Und genau das sei ein weiteres Ziel der kommenden Jahre – das junge Team weiter ausbauen und die Qualität erhalten. Van Meegern nimmt in der Regel jedes Jahr einen Auszubildenden auf, bekommt dabei aber zu spüren: „Junge Leute, die ins Handwerk gehen, sind rar.“ Der 33-jährige, baldige Unternehmensleiter hofft nun, durch moderne Strukturen – zu denen auch die Digitalisierung gehört – motivierte, junge Handwerker für den Beruf begeistern zu können und sie auf Dauer im Betrieb zu erhalten.

Chancen für Nachzügler

Im Tischlerhandwerk sind zum üblichen Starttermin des Ausbildungsjahres am 1. August noch viele Lehrstellen frei – auch im Kreis Kleve. Wer sich jetzt kurzfristig für eine Lehre entscheidet, kann nach Absprache in einigen Betrieben auch noch nach dem 1. August eine Tischlerausbildung beginnen.

Idealerweise sollten sich Schülerinnen und Schüler mindestens ein Jahr vor ihrem Schulabschluss bewerben. Doch welcher Ausbildungsberuf der richtige sein könnte, ist für viele Jugendliche schwer zu entscheiden, sodass die Bewerbungsphase häufig hinausgezögert wird. In diesem Jahr hat der coronabedingte Lockdown die Berufswahl und die Suche nach einem Ausbildungsplatz zusätzlich erschwert. Dabei haben laut Arbeitsagentur schon 2019 in NRW knapp 7.400 Schulabgänger keine Lehrstelle gefunden, 10.100 Ausbildungsstellen blieben unbesetzt.

Auch im Tischlerhandwerk werden wohl 2020 mehr Ausbildungsplätze als im Vorjahr unbesetzt bleiben, befürchtet Heinz-Josef van Aaken aus Kevelaer, Obermeister der Tischler-Innung des Kreises Kleve: „Viele Berufsmessen und Praktika, die wichtig sind, um unsere Betriebe mit Bewerbern zusammenzubringen, sind in diesem Jahr ausgefallen. Dazu kommt, dass viele Betriebsinhaber mit der Umstellung auf Corona und den Lockdown komplett ausgelastet waren. Deshalb sind im Tischlerhandwerk so kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres noch einige Lehrstellen frei.“

Im Vergleich zu anderen Branchen habe das Tischlerhandwerk die Krise – mit Ausnahmen im Messe- und Ladenbau – bisher gut gemeistert, meint van Aaken. „Die Auftragsbücher waren vor der Krise meist gut gefüllt und jetzt macht sich bemerkbar, dass die Menschen in den letzten Monaten viel zu Hause waren. Da haben sich einige entschlossen, ihre Küche erneuern zu lassen, die Fenster auszuwechseln oder andere Modernisierungen beim Tischler in Auftrag zu geben.“

Der Obermeister erklärt, welche Voraussetzungen Bewerber und Bewerberinnen erfüllen sollten: „Er oder sie sollte natürlich Lust darauf haben, mit unserem wichtigsten Werkstoff Holz zu arbeiten – und zwar an modernen Maschinen, die zum Teil computergesteuert sind.“ Auch mit Mathe sollten Interessenten nicht gerade auf Kriegsfuß stehen. Tischlerinnen und Tischler benötigen außerdem ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen.

Formal reicht ein Hauptschulabschluss. Das Tischlerhandwerk ziehe jedoch Schulabgänger aller Schulformen an, sagt van Aaken. „Es gibt unter unseren Azubis auch viele Abiturienten und zunehmend Studienabbrecher, die sich neu orientieren, um in einem anspruchsvollen Handwerk ihre Ausbildung zu machen. Und wir haben auch Quereinsteiger, die nach einigen Jahren im Büro lieber in der Werkstatt arbeiten wollen, wo sie am Ende des Tages ein konkretes Ergebnis in der Hand haben.“

„Viele Betriebe übernehmen ihre Azubis, wenn die Zusammenarbeit gut funktioniert. Außerdem werden Fachkräfte immer gefragter. Wer Tischler wird, hat sehr gute Jobaussichten“, führt der Obermeister weiter aus. Wer möchte, kann sich nach dem Gesellenbrief zum Tischlermeister weiterbilden und in der Karriereleiter aufsteigen. Auch Spezialisierungen sind möglich.

Infos zur Tischlerausbildung gibt es unter www.tischler.nrw/aus-weiterbildung/die-ausbildung/ und www.born2btischler.de. Tischlereien finden Interessenten unter www.tischler.nrw/fuer-kunden/ihr-tischler-vor-ort.

Tischler können Hoffnung haben

Die Geschäftslage im nordrhein-westfälischen Tischlerhandwerk hat durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie einen Dämpfer erlitten. „Nach mehreren Jahren der Hochkonjunktur zeichnet sich nun eine Verschlechterung der Lage und eine deutliche Verunsicherung ab. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage des Fachverbandes Tischler NRW“, sagt Dipl.-Ing. Heinz-Josef van Aaken aus Kevelaer, Obermeister der Tischler-Innung des Kreises Kleve. Anders als in vielen anderen Branchen könne man aber nicht von einer Vollbremsung sprechen. Denn noch immer beurteilen 32,1 Prozent der Tischlerbetriebe die derzeitige Geschäftslage als gut, weitere 43,4 Prozent als befriedigend.

„Deutlich düsterer sieht es beim Blick auf die Erwartungen für das nächste halbe Jahr aus“, sagt van Aaken. Nur jeder 20. der befragten Betriebe glaubt an einen baldigen Aufschwung. Drei Viertel der Unternehmer hingegen sehen für die nächsten Monate einer sich verschlechternden Geschäftslage entgegen, wobei die Skepsis mit der Betriebsgröße wächst.

Zum saisonal üblichen Auftragsrückgang kommen in diesem Frühjahr die aktuellen Effekte hinzu. Heinz-Josef van Aaken: „Schon ohne die Pandemie war der Auftragsbestand gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig. Die Corona-Maßnahmen und das Herunterfahren der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens haben diesen Trend verstärkt.“ Zwar sind bei der Mehrheit der Unternehmen die Bestände stabil geblieben (46,1 Prozent) oder sogar gestiegen (14,6 Prozent); mit 39,3 Prozent liegt der Anteil der Tischlereien mit Auftragsverlusten jedoch um rund 20 Prozentpunkte über denen der Vorjahre, wie die Konjunkturumfrage ergab. Besonders deutlich zeigen sich die Einschnitte bei der Auftragsreichweite (5,9 Wochen).

Sorge vor Arbeitsplatzverlust

Drei Viertel aller befragten Betriebe geben an, in den letzten Monaten keine Anpassungen vorgenommen zu haben. Unter den besonderen Umständen kam es lediglich bei 12,9 Prozent der Unternehmen zu Personalabbau. Gleichzeitig vermelden 11,1 Prozent der befragten Betriebe zusätzliche Einstellungen. „Das ist allerdings eine Momentaufnahme. Die Sorge ist groß, dass sich die Personalsituation verschlechtern wird“, so van Aaken. Ein Drittel der Branche (35,6 Prozent) rechnet mit dem Verlust von Arbeitsplätzen.

„Wenn die zukünftige Entwicklung von so viel Unsicherheit geprägt ist und mit Skepsis betrachtet wird, dann wachsen auch Befürchtungen hinsichtlich der eigenen Verkaufspreise“, erklärt Heinz-Josef van Aaken. Insgesamt hatten die Tischler in NRW zuletzt durchaus erfolgreich ihre Stundenverrechnungssätze den gestiegenen Kosten entsprechend anpassen können. „Mit weiteren Steigerungen müssen Kunden vorerst aber nicht rechnen“, sagt van Aaken. Eine Mehrheit der befragten Unternehmen (65,1 Prozent) setzt auf Preisstabilität. Jeder fünfte Betrieb (20,2 Prozent) erwartet, dass die Verbraucherpreise sinken werden.

„Bei allen berechtigten Sorgen können wir als Tischler aber durchaus Hoffnung haben, die Coronakrise relativ glimpflich überstehen zu können“, erwartet der Obermeister. „Anders als andere Branchen sind wir kaum von Produktionsstilllegungen, Schließung von Geschäften oder unterbrochenen Lieferketten betroffen.“ Dennoch machen zahlreiche Betriebe von der Möglichkeit der Kurzarbeit Gebrauch, um Entlassungen zu vermeiden. Heinz-Josef van Aaken: „Die insgesamt gute Auftragsreichweite und unverhoffte Neuaufträge von Einrichtungen, die die Corona-bedingte ‚Auszeit‘ für überfällige Renovierungsmaßnahmen nutzen, halten viele Betriebe über Wasser. Von Vorteil ist zudem die gute Eigenkapitalausstattung, die viele Unternehmen in den zurückliegenden Jahren aufbauen konnten.“

Der weltbeste Hobbyhandwerker

„Eigentlich wollte ich ja Elektriker werden“, erzählt der 93-jährige Polstermeister Erwin Schneider, der in diesem Jahr mit dem Eisernen Meisterbrief der Handwerkerinnung Kleve ausgezeichnet wurde. „Ich hatte schon eine Stelle, aber als dann am 1. September 1939 der Krieg ausbrach, wurde mein Meister eingezogen und so musste ich mir einen anderen Ausbildungsplatz suchen.“
Dass es ein Handwerk sein sollte, das stand fest, denn „Handwerker haben immer einen goldenen Boden, sie kommen überall durchs Leben“. Bei einem Sattler und Polsterer in seiner Heimat Üls in Schlesien kam Schneider schließlich in die Lehre.
Doch gerade als er die Gesellenprüfung in der Tasche hatte, wurde er selbst als Soldat eingezogen. Er kam nach Russland, wo er im Juni 1944 verwundet wurde. Ihn traf der Splitter einer Handgranate in den Rücken. „Das war mein Heimatschuss. Die Wunde hat mich wohl gerettet, denn ich konnte zurück in die Heimat!“, steht für ihn heute fest.
Nach dem Lazarett in Rügen kam er zum Genesungsurlaub an den Niederrhein und danach in britische Gefangenschaft in Remagen. Nur eine Handvoll trockenes Brot und Wasser bekamen die Gefangenen dort, aber es reichte aus um zu überleben.
Einer seiner vier Brüder, der wie er nach Russland kam, sollte aus diesem Land nie mehr zurück kommen, er galt bald als vermisst. Erwin Schneider konnte einige Zeit nach der Vertreibung seine Eltern sowie zumindest drei Brüder und seine Schwester wiedersehen.
Doch der junge Mann ging nun seine eigenen Wege, lernte in Kevelaer seine spätere Braut kennen, die die 1950 heiratete und in deren Elternhaus auf der Wember Straße er heute noch leben kann. Er fand als ausgebildeter Polsterer bald Arbeit in der Polstermöbelfabrik Meyer in Kevelaer und 1953 und 1954 machte er neben der Arbeit noch über die Abendschule seinen eigenen Meister. „Ich bin SPD – Sattler, Polsterer und Dekorateur“, so lacht er verschmitzt.
Auch als Meister arbeitete er noch lange in Geldern bei der Polsterei Gammerschlag, wo er später auch Lehrlingsausbilder war. „Ich habe immer gern mit jungen Leuten gearbeitet. Früher kamen sie meist schon mit 14 Jahren in die Lehre und sie waren in so jungen Jahren immer sehr aufmerksam bei der Sache!“, weiß er aus Erfahrung.
24 Jahre arbeitete der Polsterer bei Dorenbusch in Nieukerk und dann als Lehrlingsausbilder bei der Firma Brinkel in Rheinhausen. Arbeit von früh bis spät war sein tägliches Leben. Die beiden Kinder Ruth und Helmut sahen ihren Vater werktags immer erst abends, aber zum Ausgleich sorgt nach dem Tod seiner Frau vor 23 Jahren nun Tochter Ruth intensiv für ihn.
Vieles an schönen Möbeln hat Erwin Schneider im Laufe seines langen Berufslebens geschaffen und mit Näh- und Zupfmaschine sowie mit viel Geduld und Handarbeit unzählige Arbeiten hinterlassen. Neben Leder und Stoff hat er immer gern mit Holz gearbeitet und sich Gestelle aus Holz für die Sitzmöbel und später viele filigrane Holzschränkchen gemacht. „Ich fühlte mich wie der weltbeste Hobbyhandwerker. Holz war mein Lieblingsmaterial. Daraus konnte ich in der Schreinerwerkstatt eines Freundes viele schöne Möbel machen“, erzählt er. Auch für seine Enkel und Urenkel fertigte er viele kleine Kindermöbel.
Nun allerdings ist es mit Handarbeiten vorbei. Seit Kurzem hat er kein Gefühl mehr in den Händen und seine hinterlassenen Werke kann er nur noch genießen, nicht mehr vermehren. Aber eines ist ihm immer noch wichtig: Alles zu hinterfragen, immer neugierig zu sein.
Gemeinsam mit seinen Urenkeln Jonas und Julian kann er nun die Welt und die Dinge hinterfragen. Und wenn der Zweitklässler Julian wieder mal wissen will, warum der Wind weht oder woher der Regen kommt, dann heißt es immer: „Geh zu Uropa. Der weiß das. Der kann dir das erklären.“ Kinderfragen und Kreuzworträtsel halten Erwin Schneider, der nun gerne auf seinen gut gepolsterten Möbeln sitzt und ruht, hoffentlich auch weiterhin noch lange fit.

Der jüngste Handwerksmeister

Karl van de Braak hat seinen Meisterbrief als Bäcker seit nunmehr 65 Jahren. Im Konzert- und Bühnenhaus wurde er mit anderen Jubilaren bei der Altmeisterfeier der Kreishandwerkerschaft Kleve mit dem Eisernen Meisterbrief ausgezeichnet.
Dabei kam er zu diesem Handwerk fast durch Zufall. Sein Vater hatte die Twistedener Mühle gebaut und in der angeschlossenen Bäckerei wurde immer nur von Auftragsbäckern gebacken. Karl war von acht Kindern das Jüngste, und da sich vor ihm keiner zu diesem Handwerk entscheiden wollte, sollte er dieses Handwerk erlernen.
Nach seiner Schulausbildung ging er für drei Jahre in die Lehre nach Gelsenkirchen, anschließend an die Meisterschule nach Olpe und schon mit 20 Jahren hielt er am 9. Dezember 1954 den Meisterbrief in Händen. „Ich war damals der jüngste Handwerksmeister von ganz NRW. Das war schon eine kleine Sensation!“, erzählt der heute 85-Jährige.
Er übernahm die der Mühle angeschlossene Bäckerei, die nun auch in Familienbesitz überging, und mit 21 Jahren durfte er auch Lehrlinge annehmen, die er sein ganzes Berufsleben hindurch gerne ausbildete. 1962 baute er in Twisteden eine zweite Bäckerei mit angeschlossenem Lebensmittelgeschäft und heiratete seine Frau Liesel im Jahr 1963.
Sechs Kindern schenkte das Ehepaar das Leben. Ein Lehrer fragte mal eines der Kinder in der Grundschule: „Was arbeitet eigentlich dein Vater?“ – „Der schläft nur!“, war die Antwort aus Kindermund, erinnert sich seine Frau lachend. Aber wenn der Tag in der Backstube um vier Uhr begann, dann kann man nur zu gut verstehen, dass der Bäckermeister sich mittags erst mal noch hinlegte und schlief, wenn die Schulkinder nach Hause kamen.
16 Geschäfte belieferte der Bäckermeister bald täglich und auch die älteren Kinder halfen gerne mit, mit dem Fahrrad Brötchen- und Brotbestellungen in Twisteden auszufahren, immer frühmorgens vor der Schule. „Nur in den Ferien, da machten unsere Brötchenausfahrer schon mal ein paar Tage Ferien und die Kunden mussten sich die Brötchen bei uns im Laden holen“, erzählt Liesel van de Braak. Daneben wurden in der Backstube für die Kirmes, für Hochzeiten oder Taufen fleißig Torten gebacken und kunstvoll verziert, Lebkuchen oder Kekse gebacken. „Selbst baute ich auch in unserem Garten einen Steinbackofen und ich war über die Qualität der Ergebnisse selbst erstaunt“, erzählt der Meister.
1972 wurde der Laden dann auf Selbstbedienung umgestellt und vergrößert. 1992 wurden die Bäckerei und der Laden verpachtet und beherbergt heute ein Nah-und-Gut-Geschäft.
Traurig stimmt den Bäckermeister natürlich auch die Entwicklung der Zeit. „Von 24 Bäckermeistern aus der Zeit, in der ich mich selbstständig machte, sind heute in Kevelaer nur noch drei übrig geblieben.“ Natürlich macht die Massenproduktion aus dem Backshop der Supermärkte den herkömmlichen Bäckereien mächtig Konkurrenz.
Nach dem Austritt aus dem Berufsleben fuhr Karl van de Braak noch bis zu seinem 80. Geburtstag den Bürgerbus Kevelaer, den er mitinitiierte. Mit seiner Frau Liesel, mit der er 2013 die Goldhochzeit feiern konnte, zog er sich vor neun Jahren in eine kleine Wohnung im Zentrum von Kevelaer zurück. Beide sind nun nur noch künstlerisch tätig: Während sie Ikonen malt, bereichert er mit seiner Stimme den Männergesangverein.
Die Lebkuchenformen hängen nun nur noch zierend an der Wand. Im Hause van de Braak wurde viele Jahrzehnte hindurch täglich gebacken. Nun ist damit Schluss und das Ehepaar genießt gerne die Backergebnisse anderer Meister und freut sich daran, ihre inzwischen vier Enkelkinder heranwachsen zu sehen und jeden Morgen auszuschlafen.