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Die Sicherheit steht an erster Stelle

Dass die aktuellen Zeiten für Geschäftsleute keine Normalen sind, haben auch Bernward und Esther Simon zur Kenntnis nehmen müssen. Das Ehepaar, das seit 1995 das seit 140 Jahren ansässige Optiker- und Schmuckgeschäft Hammans an der Hauptstraße führt, musste mit dem „Shutdown“ der Läden auch erleben, was es heißt, nicht mehr für die Kunden in gewohntem Maße da zu sein. „Ab dem 18. März hatten wir aber als medizinischer Dienstleister eine Notversorgung“, erzählt Bernward Simon. „Die Notversorgung war den, der sich auf eine Brille gesetzt hat, der Auto fahren muss, der Krankenpfleger ist.“ Dafür habe man mit den Kunden Termine vereinbart. „Da hatten wir nur an der einen Theke diese Acrylscheibe. Und aus einem Bauhelm haben wir mit Laminierfolie so ein Schutzschild gemacht – sogenannte „face shields.“ Eine Schutzmaske kam damals obligatorisch noch dazu.

„Brillen habe wir nur noch mit Handschuhen gerichtet oder auch bei Glasbestimmungen“, ergänzt seine Frau Esther. Diese besonderen Maßnahmen führten für sie als Inhaber dazu, dass „uns die ganze Sache mit der Hygiene nicht überrollt hat“, sagt Bernward Simon. Für ihn und seine Frau war es gut, sozusagen praktische Erfahrung zu bekommen. „Wir haben in der Zeit ein bisschen darauf hingearbeitet, was die Grundvoraussetzung sein könnte, wieder aufzumachen.“ Und als Optiker habe man eh schon viel mit Hygiene zu tun.

Entsprechend habe man diese Acrylscheiben für die Beratungstische angeschafft und Masken, Desinfektionsmittel sowie Handschuhe geordert. Handschuhe zu bekommen, sei unproblematisch gewesen. „Masken hatten wir auch, haben uns Stoff gekauft und sie nähen lassen“, erzählt Esther Simon. „So hatten wir auch schon Masken für Kunden, als es noch keine Pflicht war. Die sind auch alle waschbar.“ Man habe auch genug Masken, um die Mitarbeiter mehrfach am Tag damit auszustatten. Hand- und Flächendesinfektionsmittel seien zu Anfang der Krise vergriffen gewesen. „Aber wir hatten zum Glück immer was hier.“

Zwei Kunden pro Abteilung

Mit der Öffnung der Geschäfte am 20. April begann die Phase, in der es für alle darauf ankam, wie man die Regeln für die Öffnung der Geschäfte gestalten kann. „Sie sehen es überall: da wird der Abstand eingehalten. Die Kunden stehen vor der Tür und gucken erst einmal in das Geschäft.“ Als kleiner Laden könne man gut überschauen, wieviele Kunden in den Laden kommen, sieht Ester Simon da schon einen Vorteil. „Die stehen auch draußen oder sitzen auf der Bank.“ Unterstützend steht da noch ein Straßenstopper vor der Tür. Denn es gäbe klare Richtlinien, so Bernward Simon. „Zwei Kunden darf es pro Abteilung nur geben, mit maximal einer Begleitperson. Pro zehn Quadratmeter darf man einen Kunden haben.“ Das heißt, dass sich bei gut siebzig / achtzig Quadratmetern maximal sieben Kunden im Laden aufhalten dürfen.

Auch was das Personal angehe, agiere man vorsichtig und habe bis jetzt in Schichten gearbeitet. „Das bedeutet, dass halt von uns und unseren Leuten vier da sind“, erläutert Esther Simon. Jeder achte darauf, nach Ablauf der Arbeitszeit alle Flächen, die die Kunden und Mitarbeiter berühren – ob nun die Acrylplatten, die Türgriffe oder Tastaturen – gründlich zu desinfizieren. Und Brillen, die ein Kunde mal aufgesetzt hat, werden auf einem Tablett separat abgelegt, später dann auch desinfiziert. „Das ist mit dem Schmuck hier genau das Gleiche“, unterstreicht die Geschäftsfrau.

Dass jetzt zu diesen Maßnahmen noch die Maskenpflicht hinzugekommen ist, finden die Simons grundsätzlich gut. „Man fühlt sich sicherer – wir und die Kunden“, sagt er. Und auch für die Mitarbeiter sei das gut, meint Esther Simon. So eine Maske mache einem „bewusster, dass das noch eine außergewöhnliche Situation ist, auch wenn es mir gut geht.“ Zumal es im März schon Kunden gegeben habe, „die vom Abstand nicht so viel hielten“, weil die Gefahr noch nicht so bewusst war. „Da waren sie von der Warte her auch froh, dass wir gesagt haben: wir machen zu.“

Auch Einzeltermine möglich

Ab der nächsten Woche wird man wohl vom Schichtsystem runtergehen und zu fünft – mit einer Person in der Werkstatt – arbeiten. „Dann läuft es wieder fast normal“, hofft Esther Simon. Denjenigen Kunden, die zum Beispiel beim Schmuck eine Trauringberatung wünschten oder sich einfach nur sicherer fühlen wollten außerhalb der Öffnungszeiten, biete man auch Einzeltermine an. „Wir hatten einen Termin letzten Samstag, das kommt schon mal vor.“ Die sogenannten „Risikogruppen“ – also Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen – seien da vom Gefühl her schon vorsichtiger.

Man merke, dass die Kunden schon froh seien, wieder raus zu kommen, sagen die Geschäftsleute. „Es fluppt wieder“, meint Bernward Simon – aber natürlich mit der gebotenen Vorsicht. Die Kunden nähmen die Maßnahmen an. „Das, was man in der Zeit auch gelernt hat, ist Geduld“, meint der Optiker. Man habe nicht mehr die Enge und Geschäftigkeit, aber nach wie vor die intensive Beratung mit den Kunden. „Die Masse im Geschäft hat sich halt geändert.“ Mit den Hygieneregeln werde wohl nichts weiter passieren, zeigt sich das Ehepaar überzeugt. Aber die gesamte Zeit sei ein Lernprozess. Sicher sei eben nichts. Und was die nächsten Monate bringen werden, könne man heute noch nicht sagen.